Rose Bd.III Bl.98

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Der Faseranteil in den untersuchten Proben wurde durchlichtmikroskopisch im Hellfeld und im pola-
risierten Licht identifiziert. Anschließend sind Stichproben vom Feinkornanteil des an den Schuh-
sohlen vorhandenen Staubes bzw. des vom Fensterbrett Wolfgangstr. 15 gesicherten Materials zu
Körmerpräparaten aufbereitet, und darin ist durch polarisationsmikroskopische Untersuchung qualitativ
und halbquantitativ der mineralische und sonstige Bestand identifiziert worden, durch den die Proben
charakterisiert werden. Die getroffenen Feststellungen wurden einer vergleichenden Bewertung unter-
zogen.

Da von der Ermittlungsbehörde fernmündlich um Analysenergebnisse gebeten wurde, von denen sie
sich nach Beurteilung in einem zivilen Untersuchungslabor für Baustoffe Hinweise auf für die Spuren-
verursachung konkret in Frage kommende Materialien erhofft, ist eine unter stereomikroskopischer
Kontrolle aufbereitete Probe des von den Schuhsohlen isolierten Staubes zur röntgendiffraktometri-
schen Identifizierung in unserem Hause weitergegeben worden. Das Ergebnis dieser Untersuchung
wurde in das vorliegenden Gutachten aufgenommen. Dem Gutachten wird als Anlage ein Spektren-
duplikat beigefügt, das ebenso wie Teilergebnisse des Gutachtens nach Entscheidung der Staats-
anwaltschaft als Grundlage für weitere Begutachtungsschritte außerhalb unserer Expertiseneinrich-
tung genutzt werden könnte.

Eingesetzte Geräte

Stereomikroskop SMZ - 2T (NIKON), Operationsmikroskop M 651 (LEICA), Polarisationsmikroskop
AXIOPLAN (ZEISS), Röntgendiffraktometer GADDS-System (SIEMENS)

6. UNTERSUCHUNGSERGEBNIS
6.1 Spur 04 - Mörtelstaub vom Fensterbrett 6. Etage

Als Spur 04 liegen ca. 2 - 3 g eines Gemenges vor, das im Hauptanteil aus einem weißlichen, augen-
scheinlich feinkörnigen, locker zusammengeklumpten Materials besteht, das im Nebenanteil unter an-
derem begleitet wird von Textilfaserteilchen unterschiedlicher Farbe, weißlichen Klümpchen festerer
Beschaffenheit, roten Partikeln, Quarzkömerm, Mörtelbröckchen und hellbeigefarbenen Bröckchen
bzw. Schüppchen.

Im Feinkornanteil wird das Gemenge charakterisiert durch Kalzit in unterschiedlichen, im wesent-
lichen aber feinkörnigen Ausbildungen als Hauptanteil und durch eine Art häufig bis sehr häufig vor-
kommender - mangels Vergleichssubstanzen - mikroskopisch nicht identifizierter mineralischer
Partikel. Weiterhin sind in der Spur 04 Anhydrit und Kalk sowie mit feinsten Mineralpartikeichen
belegte zelluloseartige Faserteilchen (Papier?) häufig festgestellt worden. Nicht selten sind violettrote
und blaue, selten violettblaue und blaugrüne winzige, nicht identifizierte Partikel (Anstrichteilchen?)
vorhanden. Gips und Stärkekörnchen kommen neben einer größeren Anzahl weiterer Bestandteile,
auf deren Aufzählung an dieser Stelle verzichtet wird ebenfalls selten im Spurenmaterial vor.

6.2 Spur 05 - Putz von der Mauer unterhalb des Treppenhausfensters 6. Etage

Als Spur 05 liegen ca. 2 - 3 g eines mittel- bis grobkörnigen Gemenges aus weißlichen und grauen
Bestandteilen vor, dessen Hauptanteil von Mineralkörnem gebildet wird. Außerdem sind weißliche
Schüppchen spröder Beschaffenheit sowie Mörtelbröckchen mit beigefarbenem Bindemittel im
Spurenmaterial vorhanden.

6.3 Vergleichsmaterial 1 - Schuhe des Geschädigten

Bei den Schuhen des Geschädigten handelt es sich um ein Paar hohe braune Rauhlederschuhe mit
schwarzer Kunststoffsohle, die ein grobes und tiefes Leistenprofil in der Lauffläche und im Absatz
aufweist. Beide Schuhsohlen sind an der umlaufenden Seitenkante, an den Flanken der Profilleisten
sowie in der Tiefe des Profils sehr sauber. Der Oberfläche der Profilleisten war ein weißes, als
staubfein anzusprechendes Material fast über die gesamte Sohle hinweg verteilt aufgelagert. Dieses
Material ließ sich mittels Mikrostaubsauger teilweise isolieren. Verbliebene Reste wurden mit für mi-
kroskopische Untersuchungen geeignetem Klebeband abgelöst. Insgesamt lagen für die Untersu-
chungen ca. 100 mg diesen weißen Staubes vor.
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