2022-03-31-rkiabteilung2-planungs-undumsetzungskonzept-ifg

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „IFG-Antrag Strategiekonzept für Abt. 2

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Koordination Ey Pläne 2022
TAG Covid-Forschungsvorhaben rein AG wird aufgelöst

Start des Dashboards
GEDA 2019/2020-EHIS,
März 2022; Fortsetzung
der Arbeit an einem Dash-
board für GEDA 2021;
TAG-Mitglieder bringen
ihre Expertise in die neue
AG HIS ein; TAG Dash-
board geht perspektivisch
TAG Dashboard Abt. 2 im HIS auf

Aktuell keine konkreten
TAG PH-Surveillance
AG Datenspende

Pläne zur Reaktivierung
der TAG Kl

TAG geht in der AG PH-
Surveillance auf

Begleitung/Steuerung
GEDA-Studie (bis die
neuen Strukturen entspr.
Strategiekonzept etabliert
sind)

Austausch/Vernetzung von
Mitarbeitenden, die im RKI
zu Migration und Gesund-
heit arbeiten (aktuelles Ar-
beitsgebiet: Gesundheit
von Geflüchteten aus der
Ukraine)

AG GEDA .
Abteilungsübergreifende
AG Migration

Austausch/Vernetzung von
Mitarbeitenden mit Kom-
munikationsaufgaben im
RKI (2017 initiiert vom Prä-
sidenten)

Abteilungsübergreifende Exper-

tengruppe Fachkommunikation

Austausch/Vernetzung von
Mitarbeitenden, die im RKI
Abteilungsübergreifende in partizipativen Projekten

IG Partizipation arbeiten bzw. am Thema

 

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Koordination Ey Pläne 2022
| en

Austausch/Vernetzung von
Mitarbeitenden, die im RKI
in Projekten zu Klima und
Gesundheit arbeiten bzw.
Abteilungsübergreifende am Thema interessiert
AG Klima und Gesundheit

AG bereitet die Arbeitser-
gebnisse für Publikation
und Intranet auf (u. a. In-
formationen zu Reviewty-
pen), Abschluss der Tätig-
keit Ende 2022 geplant

AG geht perspektivisch im
AG Regio (Regio Lab) HIS auf

AG Gute Praxis räumliche Statistik
im Gesundheitswesen

Konzept vor (2021 initiiert
AG Diversity-Konzept vom Präsidenten)

Konzept für eine Machbar-
Abteilungsübergreifende Schreib- keitsstudie wird erarbeitet
gruppe für Konzeptentwicklung ei- und für das Management-

ner OS der RKI-Forschungsinfra- review im März 2022 fina-

struktur

 

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Anhang 5: Abgrenzung von RKI-Panel und NAKO Gesundheitsstudie


Was ist die Zielstellung der NAKO Gesundheitsstudie 1?
Als multidisziplinäre, bevölkerungsbasierte Langzeit-Kohortenstudie hat die NAKO Gesund-
heitsstudie zum Ziel, Ursachen von Krankheiten und die Risikofaktoren für verbreitete
Krankheiten („Volkskrankheiten“ wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, De-
menz) zu untersuchen, um die Früherkennung und Prävention zu verbessern. Der For-
schungsgemeinschaft soll eine bislang in Deutschland beispiellose Datenmenge für Auswer-
tungen zur Verfügung gestellt werden. Dabei stehen nicht nur Daten zu umfassenden kör-
perlichen Untersuchungen und Befragungen (z.B. zum sozioökonomischen Status, Lebensstil
und Umwelteinflüssen), sondern auch Bioproben und MRT-Daten zur Verfügung. Ergänzt
werden diese durch Sekundär- und Registerdaten, Mortalitätsdaten und ggf. Tumorgewebe.
Validiert werden die Teilnehmendendaten für wesentliche Endpunkte durch Befragung der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Mit diesem großen Datenschatz können Effekte und In-
teraktionen von genetischer Voraussetzung, Lebensstil und Umwelt umfassend, valide und
reliabel ausgewertet werden.

Was kann die NAKO Gesundheitsstudie leisten?
Aufgrund ihrer Ausrichtung kann die NAKO Gesundheitsstudie Folgendes leisten:
•    Umfangreiches Untersuchungsprogramm
          o Untersuchungen zu vaskulären, kardialen, metabolischen, neurokognitiven,
              pulmonalen und sensorischen Funktionen
          o Mehrheitlich mit Wiederholungen (z.B. MRT) im Rahmen der Wiedereinla-
              dung aller Studienteilnehmenden  longitudinaler Ansatz
•    Hohe Anzahl an Studienteilnehmenden
          o 2014 - 2019: 205.217 Studienteilnehmende im Alter von 20 - 69 Jahren rekru-
              tiert und untersucht, 30.861 Studienteilnehmende erhielten eine Ganzkör-
              per-MRT-Untersuchung
          o 2018 - 2023 werden alle Studienteilnehmenden erneut zur Teilnahme einge-
              laden, 135.000 Studienteilnehmende werden erwartet (bis Dezember 2021
              waren 66.870 Studienteilnehmende untersucht; 169.152 Studienteilneh-
              mende nahmen an der ersten schriftlichen Nachbefragung teil)
•    Umfangreiche Expertise
     o     Netzwerk aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 27 deutschen
           Wissenschaftsinstitutionen (vier Helmholtz-Zentren, 15 Universitäten, vier Insti-
           tutionen der Leibniz-Gemeinschaft, vier weiteren Forschungsinstituten Deutsch-
           lands)
     o     Projektbegleitung durch Dornier Consulting und externe Qualitätssicherung
           durch ein Team des Robert Koch-Instituts (RKI)

1
 Siehe auch folgende Schwerpunkthefte im Bundesgesundheitsblatt:
https://link.springer.com/journal/103/volumes-and-issues/63-3
https://link.springer.com/journal/103/volumes-and-issues/63-4



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•    Verfügbare Bioproben
     o     Weitgehend etabliertes Bioprobenmanagement, d.h. standardisierte Probenent-
           nahme, -Prozessierung und -Lagerung
     o     2/3 der Bioproben jedes Studienteilnehmenden (Blut, Speichel, Nasenabstriche,
           Urin, Stuhl) lagern in zentraler Biomaterialbank am Helmholtz Zentrum Mün-
           chen (Probenauslagerung ist teilweise bereits möglich, weitgehend automati-
           siert)
     o     1/3 der Bioproben jedes Studienteilnehmenden lagern im jeweiligen Studien-
           zentrum oder einer lokalen Biomaterialbank (als Backup und für lokale Projekte)
     o     Tumorgewebebank ist im Aufbau
•    An einer Bereitstellung von qualitätsgesicherten Daten für zunächst nationale, später
     internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über einen TransferHub (on-
     linebasierte Beantragung der Nutzung von NAKO-Daten und NAKO-Daten-Bereitstel-
     lung) wird gearbeitet


Was kann die NAKO Gesundheitsstudie nicht leisten?
Aufgrund ihres multizentrischen Ansatzes mit zusätzlichen dezentralen Infrastruktureinhei-
ten (z.B. für Datenmanagement) und einer Vereinsstruktur als Entscheidungsgremium kann
die NAKO Gesundheitsstudie Folgendes nicht leisten:
•     Flexibilität und Schnelligkeit
      o      Flexibilität der NAKO Gesundheitsstudie wird durch die Art der Finanzierung ein-
             geschränkt (bisher fordern Mittelgeber die Konzentration auf Kernelemente der
             Studie)
      o      Vereinsstruktur mit entsprechenden gesetzlichen Vorgaben beschränkt Agilität
      o      Prozesse sind in der Regel sehr zeitaufwändig, da es viele Beteiligte und oft
             keine eindeutig festgelegten Verantwortlichen bzw. Entscheidungsbefugten gibt
      o      Die verschiedenen Bundesländer, in denen sich die Studienzentren befinden, ha-
             ben teilweise individuelle Datenschutz- und Ethik-Anforderungen
      o      Die Studienzentren werden durch verschiedene Institutionen betrieben und
             müssen sich daher an individuelle Vorgaben halten, wodurch die Standardisie-
             rung beschränkt ist oder Herausforderungen auftreten, welche zu zeitlichen Ver-
             zögerungen beitragen können
      o      Nicht finanzierte, dezentrale Durchführung von Arbeitsschritten zur Qualitätssi-
             cherung- und Qualitätskontrolle der Daten verzögert die Daten-Bereitstellung
             erheblich (205K Datensatz, also Baseline-Daten von 2014 - 2019 m.E. immer
             noch nicht an die Auswertenden ausgeliefert)
      o      Es gibt ein festes Studienprotokoll mit wenig finanziellem und zeitlichem Spiel-
             raum für Zusatzprojekte; schon das Level1 Programm dauert vier Stunden
•     Repräsentativität
      o      Studienteilnehmende wurden nur über einen Weg rekrutiert




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o    Der feste Studienteilnehmenden-Kreis kann zu Verzerrungen führen (z.B. vor al-
           lem gesundheitsbewusste Menschen nehmen teil, vulnerable Gruppen werden
           nicht explizit angesprochen, Interventionseffekte der NAKO-Teilnahme)
      o    Die NAKO-Kohorte ist nicht bundesweit repräsentativ, Hessen, Rheinland-Pfalz,
           Thüringen sind gar nicht vertreten (´blinder Gürtel´), daher finanziert Rheinland-
           Pfalz die große Gutenberg-Health-Study
      o    Durch die 18 Studienzentren 2 wird keine deutschlandweite Abdeckung erzielt
      o    Studienzentren befinden sich überwiegend in deutschen Großstädten, so dass
           kleinen Städte und der ländliche Raum sehr begrenzt abgedeckt sind
      o    Keine Betrachtung von Kindern, Jugendlichen und Hochaltrigen (Kinderkohorte
           wurde schon öfter angedacht, war jedoch bisher nicht umsetzbar)
      o    Studienteilnehmende müssen über ausreichend sprachliche Deutsch-Kenntnisse
           verfügen (Dolmetscher sind zugelassen)
•     Verstetigung ungewiss
      o    NAKO-Verstetigung (nachhaltige Infrastruktur mit langfristiger Governance- und
           Finanzierungsperspektive) wird angestrebt, jedoch sind Finanzierung und tat-
           sächliche Umsetzung bislang unklar
      o    3. Förderphase ab Mai 2023; Anträge mussten bis 15.02.2022 eingereicht wer-
           den, mit einer Entscheidung ist erst im Spätsommer 2022 zu rechnen
      o    Abgänge qualifizierten Personals durch befristete Arbeitsverträge
      o    Kohorte wird über die Zeit zu klein (zunehmende Todesfälle, sonstige Abgänge),
           es gibt bislang keine Stichprobenauffrischung


Was kann das RKI-Panel leisten?
Aufgrund der Ausrichtung eines Panels, ist die wissenschaftliche Zielrichtung mit einer Ko-
hortenstudie nur bedingt vergleichbar. Ein RKI-Panel überzeugt vor allem durch:
•    Flexibilität und Schnelligkeit
     o     Da Studienprotokoll und feststehender Workflow vorliegen, inkl. Datenschutz,
           sind Datenerhebungen zu sehr unterschiedlichen Fragestellungen, für diverse
           Zielgruppen und für aktuelle Themenbezüge sehr schnell umsetzbar
     o     Entsprechend stehen sehr schnell bereinigte und gewichtete Daten zur Verfü-
           gung (z.B. sind die Daten der GEDA-Befragungen vom November 2021 jetzt
           schon bereitgestellt)
     o     Datenqualität liegt in zentraler Hand des RKI
•    Repräsentativität, Power, Zielgruppenansprache
     o     Panel kann verschiedene Zugänge nutzen (Zufallsstichprobe, Stichproben be-
           stimmter Gruppen, Clusterstichproben etc.)
     o     Diversität der Gesellschaft kann mit Panel berücksichtigt werden



2
 Augsburg, Berlin-Mitte, Berlin-Nord, Berlin-Süd/Brandenburg, Bremen, Düsseldorf, Essen, Freiburg, Halle,
Hamburg, Hannover, Kiel, Leipzig, Mannheim, Münster, Neubrandenburg, Regensburg und Saarbrücken


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o     Anzahl der Studienteilnehmenden sind durch Panel größer (z.B. durch Teilneh-
           mende der Datenspende-App erreichbar, ggf. Einbindung von CWA-Teilnehmen-
           den)
     o     Querschnitts- und Längsschnittuntersuchungen sind gleichermaßen möglich
     o     In ein Panel können Personen nachrekrutiert werden, wodurch der Alterungsef-
           fekt keine wesentliche Rolle spielt

   Abbildung: Studienzentren der NAKO-Gesundheitsstudie




Fazit
Die NAKO erhebt wertvolle Daten, die Public Health-Relevanz haben, allerdings nur über ei-
nen Teil der Bevölkerung (z.B. Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen nicht vertreten, Alter
aktuell ca. 25 – 75 Jahre, ländliche Bevölkerung kaum abgebildet, geringe Diversität). Neue
und zeitkritische Public-Health-Themen/Datenbedarfe in Krisensituationen können nicht
adäquat adressiert werden (bereits voller Tanker mit festgelegtem Kurs und komplexen Ent-
scheidungsstrukturen). Diese Public Health Responsiveness ist bei der NAKO geringer als bei
dem alten RKI-Gesundheitsmonitoring. Ein Öffnen des RKI-Panels für NAKO-Teilnehmende
(auch je nach weiterer Verstetigungs-Perspektive der NAKO) wäre interessant.




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