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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Amtsblätter bis 2018“
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858 – Regulierung, Telekommunikation – 02 2017
20 Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven
Marktes effektiver Wettbewerb festgestellt wurde, für den anderen Teil jedoch
signifikante Marktmacht, so dass der nichtwettbewerbliche Teil des Marktes ex-ante
reguliert wird. Die Tabelle zeigt somit, inwieweit die nationalen Regulierungsbehörden
der Märkteempfehlung der EU-Kommission folgen und in welchen Fällen aufgrund
nationaler Besonderheiten davon abgewichen wird.
4 Die marktliche Bedeutung von Call-by-Call und Preselection
4.1 Marktpotenzial und aktuelle Nutzerzahl von Betreiber(vor)auswahl
Das Marktpotenzial für Betreiber(vor)auswahl-Dienste entspricht nach dem aktuellen
Stand (2015) immer noch fast der Hälfte aller Haushalte in Deutschland.
Für Haushalte, die keine Flatrate nutzen, ist der Stellenwert von Call-by-Call und
Preselection bedeutend und hat sich in den letzten Jahren kaum verändert.
Der Anteil der Haushalte ohne Flatrate, die Call-by-Call- und Preselection-Angebote
nachfragen, liegt bei über 60% in 2014 (gegenüber 62,5% in 2013).
Call-by-Call und Preselection stellt für 20% der Haushalte eine wichtige, wenn nicht die
einzige Möglichkeit dar, vom Wettbewerb im deutschen TK-Markt auch bei Telefonie-
basierten Diensten zu profitieren.
Betreiber(vor)auswahl-Dienste werden in Deutschland von der TDG, die regulatorische
dazu verpflichtet ist, angeboten. Ein freiwilliges Angebot von alternativen
Teilnehmernetzbetreiber gibt es nicht. Potenzielle Nutzer der Betreiber(vor)auswahl
sind daher die Festnetz-Anschlusskunden der TDG. Dies sind am aktuellen Rand
knapp 20,4 Mio. Kunden.41 Die Zahl der potenziellen Nutzer ist damit zwar mit der Zahl
der Festnetz-Anschlusskunden der TDG von ursprünglich nahezu 40 Mio. deutlich
zurückgegangen. Gleichwohl entspricht dieses Marktpotenzial immer noch fast der
Hälfte aller Haushalte in Deutschland. Es ist davon auszugehen, dass sich Call-by-Call
auch weiterhin analog zum Marktanteil der TDG entwickeln wird.
Nutzer der Betreiber(vor)auswahl sind sowohl Kunden, die diese Option nur
gelegentlich nutzen, als auch solche, die regelmäßig größere Anteile ihres
Gesprächsverkehrs auf diesem Wege realisieren. Die heute aktive Nutzerzahl für die
Betreiber(vor)auswahl wird auf mehr als 5 Mio. Kunden geschätzt.42 Damit bieten
Betreibervorauswahldienste offenbar immer noch für mehr als ein Viertel der Festnetz-
Anschlusskunden der TDG - trotz Flatrate-Tarifen und OTT-Diensten wie Skype -
Vorteile gegenüber den „normal“ tarifierten Fernsprech-Diensten der TDG. Auch nach
41 Vgl. TDG (2015), S. 16.
42 Vgl. Dialog Consult (2015).
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Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven 21
der Migration zu All-IP werden Betreiber(vor)auswahl-Dienste genutzt. Nach Angaben
ausgewählter alternativer Netzbetreiber, werden bereits 25% der Call-by-Call-Anrufe
von NGN-Anschlüssen generiert, bei Preselection kommen 1,9% der Anrufe von NGN-
Anschlüssen.43
4.2 Verkehrsvolumen von Betreibervorauswahl
Das Verkehrsvolumen von Call-by-Call und Preselection lag 2014 immerhin bei 5 Mrd.
Verbindungsminuten.
Der Rückgang hat sich in den letzten Jahren verlangsamt.
Auch Endkunden, die bereits zu NGN migriert sind, nutzen weiterhin Call-by-Call und
Preselection.
Der Anteil des Verkehrsvolumens von Gesprächen in Mobilfunknetze und ins Ausland
am Verkehsvolumen von Call-by-Call und Preselection insgesamt lag 2014 bei15,7%
und 44,5%.
Bei Haushalten, die einen TDG-Festnetzanschluss ohne Flatrate nutzen, hat sich der
Anteil des Verkehrsvolumens von Call-by-Call und Preselection von 2012 bis 2014
kaum verändert.
4.2.1 Verkehrsvolumen insgesamt
Bei den über klassische Telefon-, Kabel- und IP-basierten Festnetzanschlüssen
insgesamt generierten Gesprächsminuten ist seit 2010 ein signifikanter Rückgang zu
verzeichnen von durchschnittlich 5,5% jährlich, während das Verkehrsvolumen von
2005 bis 2009 immer bei ca. 200 Mrd. Minuten lag. Wie die nachfolgende Abbildung
4-1 zeigt, liegt die Zahl der abgehenden Gesprächsminuten im Festnetz in 2014 bei
etwa 154 Mrd.
Im Zeitablauf nimmt der auf die TDG entfallende Verkehr (bezogen auf die Gesamtzahl
der abgehenden Gesprächsminuten im Festnetz) tendenziell ab. Der auf die
Wettbewerber entfallende Verkehr nimmt bis 2009 absolut gesehen tendenziell zu,
danach nimmt er ab. Insgesamt konnten daher die Wettbewerber ihren Marktanteil im
Zeitverlauf steigern.
43 Information alternativer Verbindungsnetzbetreiber.
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22 Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven
Insgesamt hat sich der Marktanteil der TDG in den letzten Jahren bei rd. 52%
eingependelt und die Mehrzahl der originierten Verbindungsminuten im Festnetz entfällt
noch immer auf die TDG.
Abbildung 4-1: Abgehende Gesprächsminuten im Festnetz, nach Wettbewerber
und TDG, 2010 bis 2014
Mrd. Minuten
193 183 174 163 154
200
Wettbewerber
180
TDG
160
92
140 89
84
120 78
74
100
80
60
101 94 90 85
40 80
20
0
2010 2011 2012 2013 2014
Quelle: Bundesnetzagentur (2015).
4.2.2 Verkehrsvolumen der Wettbewerber
Die von Wettbewerbern in Deutschland realisierten Verkehrsminuten können über
Betreiber(vor)auswahl oder Direktverkehr realisiert werden. Beim Direktverkehr werden
die Verbindungsminuten auf der Basis eines Telefonanschlusses von
Teilnehmernetzbetreibern (TNBs), die Wettbewerber der TDG sind, generiert. Die
zeitliche Entwicklung der Gesprächsminuten der beiden Zugangsvarianten
Betreiber(vor)auswahl und Direktverkehr an den gesamten Sprachverbindungen
alternativer Anbieter ist in Abbildung 4-2 dargestellt.
Abbildung 4-2 zeigt, dass beachtliche 5 Mrd. Verbindungsminuten des
Verkehrsvolumens der Wettbewerber auf die Betreiber(vor)auswahl zurückzuführen
sind. Der Direktverkehr ist heute - nach einen jährlichen Zuwachse von 12% in den
Jahren 2005 bis 2014 - dominierend mit 69 Mrd. Minuten, was ein Indiz dafür ist, dass
die Betreiber(vor)auswahl als Einstieg in den Aufbau eigener bzw. auf eigener
Wertschöpfung basierender Leistungen dient. Von 2010 bis 2014 lagen dabei die
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Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven 23
Veränderungsraten niedriger als in den Jahren davor, der Rückgang hat sich demnach
verlangsamt.
Vor dem Hintergrund, dass 20% der Haushalte nicht auf Anschlüsse alternativer
Festnetzbetreiber auf der Grundlage der entbündelten TAL zurückgreifen können, ist
zumindest für den Zeithorizont der anstehenden Marktanalyse zu erwarten, dass die
Betreibervorauswahl weiterhin für einen möglicherweise geringen, aber nichtsdestotrotz
aus Sicht des Wettbewerbs wichtigen, Anteil des Verkehrsvolumens sorgen wird.
Abbildung 4-2: Über Wettbewerber abgehende Gesprächsminuten im Festnetz
nach den Zugangsvarianten Betreiber(vor)auswahl und
Direktverkehr (PSTN und VoIP) in Deutschland, 2010 - 2014
Mrd. Minuten
92 89 84 78 74
100
Betreiber(vor)auswahl
90
15 PSTN
11
80 9
VoIP
7
70 5
60 38 32 24 17
40
50
40
30
52
47
20 40 43
10
0
2010 2011 2012 2013 2014
Quelle: Bundesnetzagentur (2015).
Während die Betreiber(vor)auswahl für Nutzer von Flatrate-Tarifvarianten bei
Gesprächen ins deutsche Festnetz weniger interessant ist, bleibt sie auch für diese
Haushalte attraktiv für Gespräche in Mobilfunknetze und/oder ins EU-Ausland sowie ins
Nicht-EU-Ausland, die von Flatrates ausgenommen sind und oft hochpreisig angeboten
werden. Dementsprechend lassen sich bei Gesprächen ins Ausland und in
Mobilfunknetze die größten Preisvorteile erzielen.
Die Bedeutung der Betreibervorauswahl für Sprachverbindungen in Mobilfunknetze und
ins Ausland spiegelt sich in den von 2012 bis 2014 steigenden Anteilen von
Gesprächen in Mobilfunknetze und ins Ausland am Verkehrsvolumen für Call-by-Call
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24 Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven
und Preselection. Der Anteil von Gesprächen ins Ausland war 2014 mit knapp 45%
höher als von Gesprächen ins nationale Festnetz.
Abbildung 4-3: Verkehrsanteile am Verkehrsvolumen von Call-by-Call und
Preselection insgesamt nach Gesprächsdestination im Jahr 2014
Mobilfunknetze
16%
Ausland
45%
nationale Festnetze
39%
Quelle: Dialog-Consult (2015).
4.2.3 Anteil der Betreibervorauswahl am Verkehrsvolumen der TDG
Anschlüsse
Die Nutzung von Betreiber(vor)auswahl ist nur von den Anschlüssen der TDG möglich,
da ihr als einzigem marktbeherrschenden Unternehmen im deutschen Fall die
Betreiber(vor)auswahl auferlegt wurde. In der Konsequenz ist der von
Verbindungsnetzbetreibern adressierbare Markt der Markt für Sprachverbindungen von
TDG Anschlüssen.
Abbildung 4-4 zeigt den Anteil der Verbindungsminuten auf der Grundlage von
Betreiber(vor)auswahl im Verhältnis zur Anzahl Verbindungsminuten, die von TDG
Anschlüssen generiert wurden (dies entspricht der Summe der Gesprächsminuten, die
im Festnetz der TDG abgehen plus die über Betreiber(vor)auswahl vermittelten
Minuten.
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Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven 25
Abbildung 4-4: Anteil der von TDG-Anschlüssen abgehenden Gesprächsminuten
im Festnetz nach den Zugangsvarianten Betreiber(vor)auswahl
und Direktverkehr (PSTN und VoIP) in Deutschland, 2010 - 2014
100%
Direktverkehr
90%
Betreiber(vor)auswahl
80%
70%
60%
87% 90% 91% 92% 94%
50%
40%
30%
20%
10%
13% 10% 9% 8% 6%
0%
2010 2011 2012 2013 2014
Quelle: Bundesnetzagentur (2015).
Wie die Abbildung 4-4 zeigt, entfielen im Jahre 2010 noch 13% des an TDG-
Anschlüssen generierten Verkehrsvolumens auf die Zugangsvariante
Betreiber(vor)auswahl. Der Verkehrsanteil geht zwar seit 2010 kontinuierlich zurück,
allerdings in verlangsamten Raten, so dass in 2011 noch 10% des gesamten
Festnetzverkehrs der TDG-Kunden auf die Betreiber(vor)auswahl entfielen, 2014 waren
es immerhin noch 6%. Interessant dürfte dabei sein, dass auch Kunden, die bereits zu
NGN Anschlüssen migriert wurden, weiterhin Call-by-Call nutzen. Stichproben ergaben,
dass bei ausgewählten Call-by-Call/Preselection Anbietern der Anteil an
Gesprächsminuten, die aus NGN Teilnehmeranschlüssen generiert werden, gestiegen
ist.44
Für Haushalte, die keine Flatrate nutzen, ist der Stellenwert von call-by-call und
Preselection weitaus bedeutender und hat sich in den letzten Jahren fast nicht
verändert. Der Anteil der Haushalte ohne Flatrate-Tarifvariante, die Call-by-Call- und
Preselection-Angebote nachfragen, liegt bei über 60% in 2014 (62,5% in 2013).
Dementsprechend hat sich die Zahl der durchschnittlichen Verbindungsminuten pro
44 Vgl. Dialog-Consult (2015).
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26 Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven
TDG-Festnetzanschluss ohne Flatrate-Tarifvariante von 2012 bis 2014 kaum
verändert.45
Damit zeigt sich, dass die Marktbedeutung der Betreiber(vor)auswahl auf dem durch
Verbindungsnetzbetreiber adressierbaren Markt nahezu doppelt so hoch ist wie auf
dem gesamten Verbindungsmarkt.
Auch nach der Migration zu All-IP werden Betreiber(vor)auswahl-Dienste genutzt. Nach
Angaben ausgewählter alternativer Netzbetreiber, werden bereits 25% der Call-by-Call-
Anrufe von NGN-Anschlüssen generiert, bei Preselection kommen 1,9% der Anrufe von
NGN-Anschlüssen.46 Grundsätzlich wird mit dem Übergang zu All-IP Netzen die von
den VNB bereitzuhaltende Infrastruktur einfacher. Damit sinken die
Marktzutrittsschranken. Tendenziell sind damit im Bereich der Betreiber(vor)auswahl
weitere Marktzutritte möglich.
4.3 Preiswettbewerb
Der Preisvergleich unterstreicht, dass sich für Endkunden durch die Nutzung von Call-
by-Call ein beträchtlicher ökonomischer Vorteil mit Blick auf die Ausgaben für
Sprachverbindungen erreichen lässt. Dies gilt insbesondere für Gespräche ins
Ausland, die nicht Teil einer Flatrate sind und für Gespräche in Mobilfunknetze.
Call-by-Call und Preselection üben einen disziplinierenden Effekt auf die Preise der
TDG aus. Ohne die Möglichkeit, dass Endkunden bei einer Preiserhöhung der TDG auf
Betreiber(vor)auswahl-Dienste wechseln, wären die Preise der TDG mit Sicherheit
höher.
Endkunden in Deutschland haben seit einer Reihe von Jahren die Möglichkeit, auf rela-
tiv einfache und bequeme Weise Preisvergleiche für TK-Festnetzdienste vorzunehmen.
Internetportale bieten Tools für Preisvergleiche an und Tageszeitungen veröffentlichen
z.B. regelmäßig Preisübersichten. Erfahrungen haben gezeigt, dass Zeitungsleser
empfindlich auf eine Einstellung dieser Preisübersichten in Tageszeitungen reagieren.
Dies ist ein weiterer Hinweis für den hohen Stellenwert von Call-by-Call und
Preselection für Endkunden.
Im Folgenden werden die Preise der TDG mit den Preisen der fünf günstigsten Call-by-
Call Anbieter sowie mit den Preisen alternativer TNB sowie von OTT-Diensten
verglichen.
45 Vgl. Dialog Consult (2015).
46 Information alternativer Verbindungsnetzbetreiber.
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Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven 27
4.3.1 Ersparnispotenziale/Preisvergleich TDG Call-by-Call
Gespräche ins nationale Fest- und Mobilfunknetz
Ein 1-Minuten-Gespräch ins deutsche Festnetz kostet im TDG-Standardtarif 2,9 Cent,
beim günstigsten Call-by-Call Anbieter jedoch unter 1 Cent.
Ein 1-Minuten-Gespräch in die Mobilfunknetze kostet im TDG -Standardtarif zwischen
19 und 23,4 Cent. Bei den günstigsten Call-by-Call Anbietern kostet ein solches
Gespräch hingegen nur rd. 2 Cent. Dies zeigt, dass die gravierend gesunkenen
Terminierungsraten im Mobilfunk immer noch keinen wirklichen Niederschlag in den
Endkundenpreisen der großen Anbieter finden.
Abbildung 4-5: Preise für ein 1-Minuten-Gepräch in deutsche Mobilfunknetze (in
Cent; 2015)
Quelle: WIK-Consult.
Auslandsgespräche
Abbildung 4-6 zeigt, welche Kosteneinsparungen sich durch die Nutzung eines Call-by-
Call-Anbieters bei Auslandsgesprächen gegenüber dem Standard-Tarif für einen
Festnetzanschluss der TDG für den Nutzer realisieren lassen (Stand Januar 2015).47
47 Verglichen wird der Preis für einen 1-Minuten-Call für nationale Ferngespräche und Fixed-to-Mobil
national sowie für einen entsprechenden Anruf in die wichtigsten EU Länder und in die USA, Türkei
und nach China. Für die TDG wird dabei der Standard-Tarif „Call Start“ herangezogen. Die Tarifdaten
für die Call-by-Call-Anbieter wurden über die Web-Site „www.teltarif.de“ ermittelt. Bei den Call-by-Call-
Anbietern wird der Mittelwert über die fünf günstigsten Anbieter betrachtet. 47 Sollte es
Tarifunterschiede zwischen Peak und Off-Peak geben, so wird auch hierbei der einfache Mittelwert
herangezogen.
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28 Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven
Bei der Nutzung der fünf günstigsten Anbieter von Call-by-Call lassen sich je nach
Route bis zu 99% der Gesprächskosten einsparen.
Bei Festnetzgesprächen in die EU oder die Türkei können Call-by-Call Nutzer ihre
Telefonkosten um mehr als 60% senken. Bei Gesprächen in die USA sind
Kostensenkungen um fast 75% möglich. Noch höher sind die Einsparpotenziale bei
Telefonaten nach China (über 90%) oder Thailand (99%).
Bei Anrufen in ausländische Mobilfunknetze fällt das Einsparpotenzial durch Call-by-
Call und Preselection noch gravierender aus, insbesondere auf spezifischen Routen.
Die Kostenvorteile für Verbindungen in die wichtigsten EU-Länder liegen bei 66%, in die
USA bei 76% und bei bis zu 91% für Gespräche nach China (siehe Abbildung 4-6).
Abbildung 4-6: Vergleich der Preise der TDG (Privatkundentarif: Call Start) sowie
der fünf günstigsten Call-by-Call-Anbieter in Deutschland nach
unterschiedlichen Anruf-Destinationen (Stand: Januar 2015; Preis
TDG normiert auf 1; Preis Wettbewerber in % des TDG Preises)
100%
90%
80%
70%
60%
50%
40%
30%
20%
10%
0%
Schweiz Italien EU USA Türkei China Thailand
TDG "Call Start" Call-by-Call Anbieter Festnetz Call-by-Call Anbieter Mobilfunk
Quelle: WIK-Consult
Eine Beispielrechnung ergibt, dass ein 1-Minuten-Gespräch im TDG-Standardtarif nach
Italien oder in die USA 2,9 Cent kostet und beim günstigsten Call-by-Call Anbieter
jedoch unter 1 Cent.
Ein 1-Minuten-Gespräch (Festnetz) in EU Länder kostet im TDG-Standardtarif zwischen
2,9 und 99 Cent, bei den günstigsten Call-by-Call Anbietern hingegen unter 1 Cent. Ein
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Betreibervorauswahl: Bedeutung für den deutschen TK-Markt und Zukunftsperspektiven 29
1-Minuten-Gespräch (Mobilfunk) in EU Länder kostet im TDG-Standardtarif zwischen
27,9 und 128 Cent, bei den günstigsten Call-by-Call Anbietern hingegen nur etwa 2
Cent.
Bei Gesprächen nach Thailand lassen sich mehr als 1 Euro pro Minute, bei Gesprächen
nach China (Mobilfunknummer) immerhin mehr als 35 Cent pro Minute sparen. Bei
einem 20minütigen Gespräch zahlt der TDG Standardtarif Kunde das 140fache von
einem Call-by-Call Gespräch und würde durch die Nutzung von Call-by-Call fast 20
Euro sparen.
Abbildung 4-7: Kosten für ein 1-Minuten Gespräch
(TDG Standardtarif vs. günstigster Call-by-Call Anbieter;
Cent)
Schweiz Italien EU USA Türkei China Thailand
TDG Festnetz 2,9 2,9 2,9 - 99 2,9 4,9 9,9 99
Call-by-Call Anbieter Festnetz 1,2 0,9 0,9 0,7 1,6 0,5 0,7
TDG Mobilfunk 31,9 27,9 27,9 - 128 2,9 38,9 38,9 128
Call-by-Call Anbieter Mobilfunk 6,6 1,8 2,0 6,9 0,6 1,0
Quelle: WIK-Consult.
Insgesamt ergeben sich laut Berechnungen der BNetzA bei konsequenter Nutzung von
Call-by-Call Einsparpotenziale von bis zu 65% bei Mobilfunk- und Auslandsgesprächen.
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