abl-07
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Amtsblätter bis 2018“
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Horizontal gesehen erstreckt sich das Teilnehmeranschlussnetz folglich im Allgemeinen vom
Standort des Hauptverteilers bzw. einer gleichwertigen Einrichtung bis zum Netzabschluss-
punkt des Teilnehmers.
a. Teilnehmeranschlussnetz auf Basis von Kupferdoppeladern
Der für gewöhnlich anzutreffende Aufbau eines Teilnehmeranschlussnetzes auf der Basis
von Kupferdoppeladern lässt sich mittels folgender Abbildung 2 verdeutlichen:
Schematische Darstellung eines Teilnehmeranschlussnetzes
HVt
EVz
Hauptkabelnetz
EVz
KVz KVz
EVz
EVz EVz
Verzweigerkabelnetz
EVz EVz
TAE TAE
HVt: Hauptverteiler
KVz: Kabelverzweiger
Evz: Endverzweiger
TAE: Teilnehmeranschlusseinheit
Abb. 2: Schematische Darstellung eines Teilnehmeranschlussnetzes15
Das Teilnehmeranschlussnetz wird horizontal in Haupt- und Verzweigungskabel zerlegt. Das
Hauptkabelnetz liegt zwischen dem Hauptverteiler und. den Kabelverzweigern. Das Verzwei-
gernetz erstreckt sich zwischen den Kabelverzweigern und den Endverzweigern bis zu den
Teilnehmeranschlusseinheiten. Am Übergang vom Hauptkabelnetz zum Verzweigernetz
stellt der Kabelverzweiger den oberirdischen Rangierpunkt dar, in dem Doppeladern des
Verzweigernetzes auf eine Vielzahl von Doppeladern des Hauptkabelnetzes dauerhaft mit-
tels Schaltdraht durchgeschaltet werden.16 Der Kabelverzweiger fungiert damit als Schnitt-
stelle, an dem die Kupferleitungen aus dem Hauptkabel in die Verzweigerbereiche aufgeteilt
werden. Hinter dem Endverzweiger wird die TAE über die Inhaus-Verkabelung erschlossen.
15
Dem HVt benachbarte Teilnehmer können auch direkt am HVt ohne KVz angebunden werden.
16
Derartige Schaltpunkte werden eingesetzt, da im Verzweigernetz generell mit niedrigeren Beschaltungsgraden,
d.h. mit höheren Reservekapazitäten, geplant werden muss. Denn die Anschlussnachfrage kann auch für kurze
Frist nicht exakt prognostiziert werden.
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Derzeit umfasst das Teilnehmeranschlussnetz Verbindungen zwischen dem Hauptverteiler
und der Teilnehmeranschlusseinheit als Regelfall der Ausgestaltung von Teilnehmeran-
schlüssen. Der Zugang zu diesem Anschlussnetz17 erfolgt im Normalfall am Hauptverteiler
als netzseitiger Abschlusseinrichtung, kann aber auch an einem näher an der Teilnehmeran-
schlusseinheit gelegenen Punkt geschehen, der dann lediglich ein „Minus“ im Vergleich zu
der die Verbindung herstellenden herkömmlichen Teilnehmeranschlussleitung anzusehen ist.
Ein weiterer Fall liegt vor, wenn – wie auch von der Kommission beschrieben – die Glasfaser
näher an die TAE des Endkunden gelegt wird. Dabei handelt es sich insbesondere um
FTTC18 und FTTB19.
Im FTTC-Szenario wird die kupferbasierte Teilnehmeranschlussleitung verkürzt, indem auf
dem Segment zwischen TAE und Hauptverteiler teilweise Glasfasertechnik eingesetzt 20 und
der DSLAM als konzentrierende Einheit nicht mehr im Hauptverteiler untergebracht wird,
sondern dessen Installation im oder neben dem näher zur Teilnehmeranschlusseinheit gele-
genen Kabelverzweiger oder einem mehreren Kabelverzweigern vorgelagerten Schaltvertei-
ler erfolgt, in dem die Konzentration des Datenverkehrs für mehrere Kabelverzweiger21 ge-
bündelt wird. So übernimmt der mit einem DSLAM ausgestattete Kabelverzweiger die bishe-
rige Funktionsweise des Hauptverteilers als Übergabepunkt für den breitbandigen Datenver-
kehr an das breitbandige Konzentratornetz. Der mit einem DSLAM ausgerüstete Kabelver-
zweiger stellt insofern für den breitbandigen Datenverkehr die netzseitige Abschlusseinrich-
tung des Teilnehmeranschlussnetzes dar, denn ab diesem Punkt kann der Teilnehmer nicht
mehr auf ihm allein vorbehaltene Netzressourcen (also das entscheidende Merkmal einer
Teilnehmeranschlussleitung) zurückgreifen. Die Strecke zwischen Hauptverteiler und Kabel-
verzweiger aus Glasfaserleitungen wird nicht als Bestandteil der Teilnehmeranschlussleitung
betrachtet, da es sich hierbei bereits um ein Teil des Konzentratornetzes handelt. Damit re-
duziert sich in diesem Szenario die Teilnehmeranschlussleitung auf die physische Verbin-
dung zwischen Teilnehmeranschlusseinheit und Kabelverzweiger als mögliche Infrastruktur
für die Datenübertragung mit sehr hoher Bandbreite auf der Basis von xDSL-Technik.
KVz
TAE HVt
Kupfer DSLAM Glasfaser
Das FTTB-Szenario unterscheidet sich vom FTTC-Szenario dadurch, dass der Glasfaser-
ausbau noch näher zum Teilnehmer herangeführt wird, nämlich bis zum Endverzweiger, in
dem in diesem Fall der DSLAM als konzentrierende Einheit untergebracht ist. Der Endver-
zweiger befindet sich im Gebäude des Teilnehmers oder unmittelbar davor und stellt den
netzseitigen Abschlusspunkt des Teilnehmeranschlussnetzes dar. Die dedizierte Teilneh-
meranschlussleitung erstreckt sich damit von der Teilnehmeranschlusseinheit bis zu dem als
Übergabepunkt dienenden Endverzweiger.
17
Vgl. ausführlich zum Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung Kapitel B.3.
18
Fibre to the Cabinet.
19
Fibre to the Building.
20
Liegt hingegen die TAE in einem Radius von ca. 500 m Entfernung zum Hauptverteiler, ist eine Installation des
DSLAM im Kabelverzweiger nicht notwendig, da die mit Kupferkabel zu überbrückende Strecke durch die geringe
Entfernung der TAE zum Hauptverteiler so kurz ist, dass hohe Bandbreiten ohne Netzumbau möglich sind.
21
Die DT AG bezeichnet Schaltverteiler auch als „versorgende Kabelverzweiger“.
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EVz
TAE HVt
DSLAM Glasfaser
Kupfer
b. Hybride Teilnehmeranschlussnetze
Von der vorliegenden Untersuchung erfasst werden darüber hinaus hybride Teilnehmeran-
schlussnetze (im Folgenden: HYTAS), die vom Aufbau eines klassischen Teilnehmeran-
schlussnetzes nur geringfügig abweichen.
Diese – nach hiesigen Erkenntnissen ausschließlich in Deutschland eingesetzte – Technik
vereint Glasfaser- und Kupferleitungen in einer Teilnehmeranschlussleitung. Dabei wird ein
Teil der Teilnehmeranschlussleitung, und zwar für gewöhnlich das Hauptkabel, durch ein
Glasfaserkabel ersetzt. Ein anderer Teil der Teilnehmeranschlussleitung, und zwar im All-
gemeinen das Verzweigungskabel und die Endleitung, bleiben ein Kupferkabel.
Diese HYTAS-Technik gibt es in mehreren Varianten, die sich durch die jeweilige Reichweite
des Glasfaserkabels unterscheiden: Die Glasfaser reicht entweder direkt bis an den Kabel-
verzweiger oder bis an den Endverzweiger in bzw. an einem Kundengebäude. An der
Schnittstelle von Glasfaser- und Kupferkabel, dem sog. Verteilpunkt (Optical Network Unit,
ONU), werden optische in elektrische Signale umgewandelt und aufbereitet. Im Regelfall des
HYTAS, in dem die Glasfaser direkt bis zum Kabelverzweiger reicht, wird der ONU im Kabel-
verzweigergehäuse installiert. Kupferkabel werden dann von den Kabelverzweigern bis zu
den Einrichtungen der Endkunden verlegt. Reicht die Glasfaser weiter als bis zum Kabelver-
zweiger, so gilt das oben Gesagte entsprechend.
Die DT AG-Bezeichnungen „OPAL“ (optische Anschlussleitung) oder „ISIS-In- bzw. Outdoor“
(integriertes System zur Bereitstellung von Netzinfrastruktur auf optischer Basis) stellen die
Varianten der HYTAS-Technik dar, in denen die Glasfaser bis zum Kabelverzweiger oder bis
zum Endverzweiger reicht. Die in den neuen Bundesländern häufiger vorzufindende Variante
nennt sich OPAL. Dabei geht die Glasfaser häufig bis in bzw. an die einzelnen Häuser. Die
seit 1995 im Rahmen von Ersatz- oder Neuinvestitionen in Neubaugebieten auch in West-
deutschland vorrangig verlegte Variante nennt sich ISIS. Hierbei wird in der Regel nur der
Abschnitt zwischen Hauptverteiler und Kabelverzweiger mittels Glasfaser überbrückt; zwi-
schen Kabelverzweiger und Teilnehmeranschlusseinheit werden dann die vorhandenen Kup-
ferleitungen weiterhin genutzt bzw. die Leitungen in Kupfer ausgebaut.
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Schematische Darstellung eines hybriden
Teilnehmeranschlussnetzes
HVt
Glasfaser(n)
Hauptkabelnetz
ONU
KVz
KVz
ONU
EVz Kupferkabel
EVz
EVz EVz
Verzweigerkabelnetz
EVz EVz
TAE TAE
HVt: Hauptverteiler
KVz: Kabelverzweiger
EVz: Endverzweiger
TAE: Teilnehmeranschlusseinheit
ONU: Optical Network Unit
Abb. 3: Darstellung eines hybriden Teilnehmeranschlussnetzes (OPAL/ISIS)
Teilnehmeranschlussnetze in Form von hybriden Teilnehmeranschlusssystemen stellen eine
deutsche Besonderheit dar, deren Verbreitung nur durch die historische Besonderheit des im
Rahmen von Operationen der Europäischen Investitionsbank unterstützten Aufbaupro-
gramms für die neuen Bundesländer zu erklären ist. Dies stellte insofern eine besondere
Herausforderung dar, als 1990 nur jeder zehnte Einwohner in den Beitrittsgebieten der ehe-
maligen DDR einen eigenen Telefonanschluss hatte. Die Deutsche Telekom AG (DT AG)
bzw. ihre Vorgängerbehörde hatte im Rahmen des Aufbauprogramms Ost die Aufgabe, in
den neuen Bundesländern flächendeckend ein modernes Telekommunikationsnetz aufzu-
bauen. Im Rahmen der Förderung strukturschwacher Gebiete begann 1993 der Anschluss
von ostdeutschen Wohneinheiten mit dem Projekt „Optisches Anschlussleitungssystem
OPAL“. In den folgenden Jahren wurden umgerechnet knapp 25 Mrd. € in den Ausbau der
Telekommunikationsnetze investiert und so z.B. 5,2 Mio. neue analoge Telefonanschlüsse
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geschaffen.22 Nur vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass seit Mitte der 90iger Jahre
in Deutschland Glasfaserstrecken in größerem Stil in den Ortsnetzen und im Teilnehmeran-
schlussbereich verlegt wurden.23 Wirtschaftlich war diese Entscheidung nur möglich, weil in
den ostdeutschen Bundesländern extrem dicht besiedelte Wohngebiete („Plattenbau-Sied-
lungen“) beinahe vollständig mit neuen Telefonanschlüssen auszustatten waren und sich
dafür die hybride Technik anbot. Erst später wurde diese Technik auch punktuell in west-
deutschen Gebieten eingesetzt.
c. Glasfaseranschlussnetze
Ferner werden von der Untersuchung auch reine Glasfaseranschlussnetze erfasst (Fibre to
the Home, FTTH). Dabei wird die Verbindung zwischen Teilnehmeranschlusseinheit (TAE)
und dem netzseitigen Netzabschlusspunkt (Optical line Termination, OLT) oder einer gleich-
wertigen Einrichtung mittels Glasfaser hergestellt. Diese Netzinfrastruktur im Anschlussbe-
reich kann anhand verschiedener Netz-Architekturen realisiert werden. In Betracht kommen
insbesondere sog. Point-to-point oder Point-to-multipoint-Architekturen.
Point-to-point-Architektur:
Jeder Teilnehmer wird mit einer separaten Faser aus der optischen Vermittlungsstelle (ODF)
verbunden. Grundsätzlich weisen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen die jeweils höchste Über-
tragungskapazität auf (derzeit max. 10 Gbit/s technisch realisierbar). Bei ihnen wird das opti-
sche Signal derzeit auf Basis der Gigabit Ethernet Technologie vom ersten Aggregationskno-
ten bis zum Endkunden über eine dedizierte Leitung übertragen. Dieser Ausbau wird in
Deutschland bisher nur von wenigen Anbietern in sehr geringem Umfang betrieben.
TAE/ONU
TAE/ONU ODF
Glasfaser
Abb. 4: Schematische Darstellung einer Point-to-Point-Architektur
Point-to-Multipoint-Architektur (PON - Passives optisches Netzwerk):
Mehrere Teilnehmer werden mit einer gemeinsamen Faser aus der optischen Vermittlungs-
stelle (ODF) angeschlossen. Dabei teilen sich die angeschlossenen Endkunden die Kapazi-
tät einer Glasfaserleitung, die erst kurz vor den Gebäuden in einzelne Leitungen aufgesplittet
wird. Bei dieser Übertragungstechnologie wird der Datenverkehr über eine Broadcasting-
Lösung an alle angeschlossenen Endkunden versandt und erst im Netzabschlussgerät
(ONU) durch zeitmultiplexen (TDM) elektrisch extrahiert und dem jeweils adressierten Kun-
den zugeführt. So können maximal 64 Kunden über eine Glasfaserleitung bis zum Splitter
versorgt werden, die sich die Kapazität dieser Leitung (derzeit 2,5 Gbit/s) teilen.
TAE/ONU
KVz
TAE/ONU ODF
Glasfaser
TAE/ONU Splitter
TAE/ONU Glasfaser
Abb. 5: Schematische Darstellung einer Point-to-Multipoint-Architektur
22
Vgl. ntz, Fachmagazin für Telekommunikation und Informationstechnik, Heft 6/1997, S. 12.
23
Norbert Hahn, Dienstevielfalt mit neuem Netzzugangssystem, telekom praxis 4/01, S. 15.
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Ein weiteres Verfahren stellt WDM-PON dar. Hierbei wird jedem Teilnehmer eine bestimmte
Wellenlänge (Kanal) auf der Glasfaser zugewiesen. Dies hat den Vorteil, dass jeder Kanal
unabhängig von anderen Kanälen genutzt werden kann, d.h., dass die Kapazität eines Ka-
nals nicht zwischen verschiedenen Teilnehmern aufgeteilt werden muss. Mit steigender An-
zahl der übertragenen Kanäle werden auch die technischen Anforderungen an die verwen-
deten Elemente höher. Aufgrund der noch vergleichsweise hohen Kosten wird dieses Ver-
fahren derzeit vorrangig in Weitverkehrsnetzen eingesetzt. An einer Verwendung auch im
Teilnehmeranschlussbereich wird bereits gearbeitet.
Die Übertragungs-Kapazität von Glasfaseranschlüssen, derzeit auf der Basis der Gigabit-
Ethernet-Technolgie, liegt deutlich über jenen Breitbandanschlüssen, die auf Basis von Kup-
ferleitungen bereitgestellt werden. Wobei es je nach Ausprägung der Infrastruktur (Punkt zu
Punkt oder Punkt zu Mehrpunkt) nochmals Unterschiede hinsichtlich der kapazitativen Leis-
tungsfähigkeit gibt. Grundsätzlich haben dabei Kupferleitungen aufgrund ihrer Dämpfungsei-
genschaften einen kapazitativen Nachteil gegenüber einer reinen Glasfaserinfrastruktur.
In Deutschland werden über Glasfasern bereits Bandbreiten im Gigabit/s-Bereich angeboten.
Reine Glasfaseranschlüsse setzen in der Regel entweder spezielle Endgeräte voraus, die
optische Signale nutzen können und höherpreisiger sind, als jene, die an kupferbasierte An-
schlüsse angebunden werden; oder aber die über die Glasfasertrassen transportierten opti-
schen Signale werden mittels geeigneter Kundenendgeräte (ONU) in elektrische Signale
gewandelt, so dass die vorhandenen Endgeräte weiter genutzt werden können.
Neben den schon länger etablierten sehr hochpreisigen, vor allem von Geschäftskunden
genutzten, Glasfaseranschlüssen über singuläre, kundenindividuelle Glasfaser-TALs, die
hohe Übertragungskapazitäten mit definierten Qualitäten zulassen, gibt es mittlerweile erste
Anbieter, die Glasfaseranschlüsse auch für den Privatkunden als Massenmarktanwendung
bereitstellen.
Anbieter Ausbaugebiet Technik
Stadtteile von Köln/ FTTB / HFC VDSL In-
NetCologne/NetAachen Aachen house
Stadtteile von FTTB VDSL Inhouse
MNet München (Neubauten mit FTTH)
FTTB
Norderstedt und Ethernet oder Glasfa-
umliegende Ortschaften ser Inhouse
wilhelm.tel Hamburg FTTH
Westerstede;
Klausheide;
EWE TEL Oldenburg (geplant) FTTC/FTTH
FTTB
VDSL Inhouse/FTTC
Stadtwerke Stadtgebiete in Einfamilienhäuser
Schwerte Schwerte FTTH
Bottrop, Gelsenkirchen,
Gelsennet Gladbeck, Herten FTTH/FTTB
Essen.net Essen FTTH
Stadtwerke Flugfeld
Sindelfingen Böblingen FTTH
Tabelle 1: TK-Dienste-Anbieter mit eigenem FTTH/FTTB Ausbau (Stand Juni 2010)
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3. Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung
Bei dem Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung handelt es sich um die einem Wettbewer-
ber eingeräumte Möglichkeit, die Teilnehmeranschlussleitung eines anderen Teilnehmer-
netzbetreibers zu nutzen, um schmal- und breitbandige Dienste für eigene Endkunden zu
erbringen.
a. Zugang zur Kupfer-Teilnehmeranschlussleitung
Beim Zugang zur Kupfer-Teilnehmeranschlussleitung ist zwischen entbündeltem und gebün-
deltem Zugang zu unterscheiden.
Der entbündelte Zugang umfasst in der Regel die Leitung vom Hauptverteiler (oder einem
näher an der Teilnehmeranschlusseinheit gelegenen Punkt wie insbesondere dem Kabel-
verzweiger oder einem Schaltverteiler) bis zur Teilnehmeranschlusseinheit ohne vorgeschal-
tete Übertragungs- (bzw. Vermittlungs-)technik. Dies wird auch als sog. Zugriff auf den „blan-
ken Draht“ bezeichnet.24 Ein gebündelter Zugang erstreckt sich darüber hinaus zusätzlich auf
die eingesetzten vorgeschalteten übertragungstechnischen Systeme.
Eine solche Entbündelung des Zugangs ist in aller Regel technisch möglich. Dies ermöglicht
es dem Nachfrager des Zugangs, seine den Endkunden angebotenen Dienstleistungen so
umfassend wie möglich selbst zu konfigurieren, ohne weitere produktveredelnde Leistungen
des den Zugang anbietenden Unternehmens abnehmen zu müssen.25 Die ausschließliche
Gewährung eines gebündelten Zugangs wäre daher – jedenfalls bei Unternehmen mit be-
trächtlicher Marktmacht – ggf. als missbräuchlich zu qualifizieren.26 Der gebündelte Zugang
wird normalerweise, da er entweder nicht auftreten darf, nämlich wenn das nachfragende
Unternehmen den entbündelten Zugang wünscht, oder aber der freien Disposition der Ver-
tragsparteien unterliegt, nämlich wenn das nachfragende Unternehmen den derart gebündel-
ten Zugang wünscht, von der vorliegenden Untersuchung nicht erfasst.
Abgesehen von diesen von der vorliegenden Untersuchung nicht erfassten Fällen gewährt
insbesondere die DT AG27 als Unternehmen mit beträchtlicher Marktmacht gebündelten Zu-
gang aber unbestrittenermaßen berechtigterweise und nur in Ausnahmefällen dann, wenn
das Angebot von entbündeltem Zugang im Sinne des Zugriffs zum blanken Draht im Einzel-
fall unsinnig und daher sachlich nicht gerechtfertigt wäre28.
Dies ist z. B. dann der Fall, wenn die Beschaltung der Leitung unvermeidbar ist, um die Lei-
tung in mehrere Kanäle zu teilen und um so der jeweiligen TAE am Punkt des Zugangs
durch den Wettbewerber (also am Hauptverteiler oder einem näher an der TAE gelegenen
Punkt) eine individualisierte Teilnehmeranschlussleitung zuweisen zu können. Auch wenn
dieser Fall im Vergleich zum „gewöhnlich“ anzutreffenden entbündelten Zugang zu Teilneh-
meranschlussleitungen in Form von Kupferkabeln eher selten ist, gibt es in der Realität Fälle,
24
Vgl. dazu insbesondere das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. April 2001 in der Rechtssache
BVerwG 6 C 7.00, S. 9.
25
Vgl. dazu auch Klotz/Delgado/Fehrenbach, WuW 2003, S. 346, 347.
26
So insbesondere das Bundesverwaltungsgericht, a. a. O. Mit der hier vorgenommenen Begriffsbestimmung ist
noch keine Definition des im TKG-E verwandten Begriffs der Entbündelung vorgenommen.
27
Die Telekom Deutschland GmbH ist seit dem 30.03.2010 Gesamtrechtsnachfolgerin für das vormals von der
DT AG betriebene öffentliche Telekommunikationsnetz. Sofern nachfolgend von der DT AG die Rede ist, erfolgt
dies in ihrer Position als Rechtsvorgängerin der Telekom Deutschland GmbH für den Netzbetrieb.
28
Nach dem Standardvertrag der DT AG erfolgt der gebündelte Zugang nämlich insbesondere dann, „wenn we-
gen einer bestehenden Auslastung der nachgefragten Teilnehmeranschlussleitung bereits bislang übertragungs-
technische Systeme zur Mehrfachausnutzung des Mediums eingesetzt werden und über diese Teilnehmeran-
schlussleitung auch künftig andere Endkunden als die des den Zugang begehrenden Unternehmens versorgt
werden müssen, oder wenn infolge der Nachfrage erstmals derartige Systeme installiert werden müssten, damit
neben den Endkunden des den Zugang begehrenden Unternehmens andere Endkunden versorgt werden kön-
nen.“
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in denen die Ermöglichung des Zugangs zur individualisierten Teilnehmeranschlussleitung in
Form von Kupferkabeln nur durch eine derartige „Mehrfachausnutzung“ (mittels eines als
Multiplexing bezeichneten übertragungstechnischen Verfahrens) einer physischen Leitung
technisch realisierbar ist.29 Hier wird ausschließlich das zur Individualisierung der einzelnen
TAE erforderliche Mindestmaß an Übertragungstechnik eingesetzt.
Dieser aufgrund der unvermeidbaren Nutzung von Übertragungstechnik „gebündelte“ Zu-
gang stellt also keine wirklich andere Art des Zugangs zur Teilnehmeranschlussleitung dar
als der entbündelte Zugang im Sinne des Zugriffs zum „blanken Draht“. Es handelt sich viel-
mehr um ein „Minus“, denn der von der vorliegenden Untersuchung erfasste Fall ist aus-
schließlich für solche Fälle gedacht, in denen ein entbündelter Zugang ohne jedwede Nut-
zung von Übertragungstechnik dem Anbieter nicht möglich bzw. sachlich nicht gerechtfertigt
ist.
Eine besondere Ausprägung des Zugangs zur Teilnehmeranschlussleitung in Form der Kup-
ferdoppelader stellt das auch als „gemeinsamer Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung“ be-
zeichnete sog. Line-Sharing dar. Hierbei wird die Teilnehmeranschlussleitung nach Fre-
quenzbändern in einen niederen und einen höheren Frequenzbereich unterteilt. Damit kann
z. B. der untere Frequenzbereich vom eigentlichen Inhaber der Teilnehmeranschlussleitung
weiter für einen (Sprach-)Telefonanschluss genutzt werden, während der den Zugang erhal-
tende Wettbewerber lediglich den oberen Frequenzbereich für Datenübertragung (typischer-
weise für schnelle Internetzugänge auf Basis der DSL-Technologie) verwendet. Das Line-
Sharing stellt damit nicht wirklich eine andere Art des Zugangs, sondern als Zugang nur zum
oberen Frequenzbereich auch hier eher ein „Minus“ gegenüber dem gewöhnlichen Zugang
zur gesamten Teilnehmeranschlussleitung dar.30
Ferner richtet sich das Zugangsbegehren der Wettbewerber nicht zwingend auf einen Zu-
gang ab dem Hauptverteiler. Es kann sich auch auf ein kürzeres Stück der Leitung (ein „Mi-
nus“), das heißt den Zugang ab einem näher an der Teilnehmeranschlusseinheit befindlichen
Punkt wie insbesondere dem Kabelverzweiger oder Endverzweiger richten.
Im Rahmen von FTTC und FTTB richtet sich das Zugangsbegehren der Wettbewerber auf
den Schaltverteiler, den Kabelverzweiger oder den Endverzweiger, da in diesen Fällen der
DSLAM in diesen enthalten ist und es sich daher um dem Hauptverteiler gleichwertige Ein-
richtungen handelt.
b. Zugang zur hybriden Teilnehmeranschlussleitung
Aufgrund der zum Teil verwandten Glasfasertechnik ist der Zugang zur hybriden Teilnehmer-
anschlussleitung auf Basis von OPAL/ISIS grundsätzlich ein „gebündelter“ Zugang. Das Er-
fordernis der Bündelung, d. h. der Nutzung vorgeschalteter Übertragungstechnik, besteht
aufgrund der teilweisen Nutzung von Glasfasertechnik. Findet der Netzzugang an dem aus
Glasfaser bestehenden Teil der hybriden Teilnehmeranschlussleitung statt, so ist die Be-
schaltung der Leitung aus technischen Gründen unvermeidbar, um die Leitung in mehrere
Kanäle zu teilen und um so der jeweiligen Teilnehmeranschlusseinheit am Punkt des Zu-
gangs durch den Wettbewerber eine individualisierte Teilnehmeranschlussleitung zuweisen
zu können. Die Glasfaserleitung wird zur Anbindung mehrerer Teilnehmeranschlusseinheiten
genutzt, so dass eine Individualisierung der dem Nachfrager zur Verfügung gestellten Teil-
nehmeranschlussleitung nur möglich ist, indem das Glasfaserkabel (zum Beispiel durch Wel-
29
Der an sich zahlenmäßig bedeutsamere Fall der aus technischen Gründen unvermeidbaren „Bündelung“ von
hybriden Teilnehmeranschlussleitungen wird aus systematischen Gründen im Anschluss an diese Darstellungen
eben dieser hybriden Teilnehmeranschlussleitungen erörtert.
30
Dass es sich vorliegend um eine als „Minus“ zu bezeichnende Zugangsvariante handelt, zeigt sich auch in dem
jeweils geringeren Preis verglichen mit dem Preis für den gewöhnlichen Zugang zur gesamten Teilnehmeran-
schlussleitung.
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lenlängenmultiplexen oder Zeitmultiplexen) in mehrere Kanäle unterteilt wird. Im Falle von
OPAL/ISIS laufen also – physisch – über den Glasfaserteil des Teilnehmeranschlussnetzes
notwendigerweise mehrere Teilnehmeranschlussleitungen. Der Zugang zu einer individuali-
sierten Teilnehmeranschlussleitung kann aus technischen Gründen nur mittels eines über-
tragungstechnischen Verfahrens ermöglicht werden.
Dessen ungeachtet ist aber auch ein entbündelter Zugang zu einer hybriden Teilnehmeran-
schlussleitung nicht ausgeschlossen. Begehrt der Nachfrager erst an einem aus Kupferkabel
bestehenden Teil der hybriden Teilnehmeranschlussleitung den Zugang31, so ist es wie bei
einer Teilnehmeranschlussleitung rein auf Basis von Kupferkabeln grundsätzlich technisch
möglich, einen entbündelten Zugang ohne Nutzung vorgeschalteter Übertragungs- und Ver-
mittlungstechnik zu gewähren. In diesem Fall gilt das in Bezug auf den Zugang zu einer Teil-
nehmeranschlussleitung in Form der reinen Kupferdoppelader Gesagte entsprechend.
Diese so genannten hybriden Teilnehmeranschlussleitungen sind nicht vergleichbar mit An-
schlussnetzen, bei denen die Glasfaser näher an den Kunden herangeführt wird, um höhere
Bandbreiten zu erzielen. Dies zeigt sich bereits daran, dass die OPAL/ISIS-Architekturen
nicht DSL-fähig sind.
c. Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung auf der Basis von Glasfaser
Neben den Teilnehmeranschlussleitungen in Form von Kupfer und den hybriden Teilneh-
meranschlussleitungen existieren auch reine Glasfaser-Teilnehmeranschlussleitungen.
Sofern es sich um eine Punkt-zu-Punkt-Architektur handelt, ist ein entbündelter Zugang zur
Glasfaser-TAL an der optischen Vermittlungsstelle (ODF) möglich. Dabei wird die gleiche
Methode wie beim Entbündeln von Kupfer-TAL eingesetzt. Der alternative Netzbetreiber führt
seine Glasfaser zur optischen Vermittlungsstelle (z.B. zum Central Office) und verbindet die-
se durch passive Glasfaserverbindungen von seinem Kollokationspunkt direkt mit der Glas-
faser-TAL im ODF. Die Umsetzung hängt dabei von der Anzahl der Glasfaserleitungen (und
Betreiber) pro Haushalt ab. Eine Verpflichtung zur Entbündelung von Punkt-zu-Punkt-
Architekturen gibt es derzeit in den Niederlanden und in Slowenien.32
Bei einer Punkt-zu-Mehrpunkt-Architektur auf Basis von TDM erfolgt die Umsetzung derzeit
vorrangig über den GPON33-Standard34. Hierbei wird eine Glasfaserzuleitung über einen op-
tischen Splitter auf eine größere Anzahl von Teilnehmern aufgeteilt. Jedem Teilnehmeran-
schluss wird ein bestimmter Zeitschlitz zur Datenübertragung zugewiesen (Zeitmultiplex-
Verfahren, TDMA35). Dabei werden die Daten für jeden Teilnehmer nicht parallel, sondern
nacheinander übertragen. Eine physische Entbündelung ist nur am letzten Splitter vor dem
Teilnehmeranschluss möglich (vgl. nachstehende Abbildung). Da es keine dedizierte Glasfa-
ser für jeden Teilnehmer am ODF gibt, ist eine traditionelle physische Entbündelung am ODF
nicht möglich, sofern dort nicht WDM eingesetzt wird.36
31
Der Zugang zur TAL am KVz ist für die Zugangsvariante Line-Sharing der Regelfall, da bei einer hybriden Teil-
nehmeranschlussleitung am HVt kein Zugang möglich ist.
32
Vgl. dazu BEREC Report BoR (10) 08, Next Generation Access – Implementation Issues and Wholesale Prod-
ucts, März 2010, S. 30 ff.
33
Gigabit Passive Optical Network.
34
ITU-T G.984.
35
Time Division Multiple Access.
36
Vgl. dazu BEREC Report BoR (10) 08, Next Generation Access – Implementation Issues and Wholesale Prod-
ucts, März 2010, S. 23 ff.
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Abb. 6: GPON-Verfahren
Bei der WDM-Technologie wird jedem Teilnehmer eine bestimmte Wellenlänge (Kanal) auf
der Glasfaser zugewiesen. Dies hat den Vorteil, dass jeder Kanal unabhängig von anderen
Kanälen genutzt werden kann, d.h., dass die Kapazität eines Kanals nicht zwischen ver-
schiedenen Teilnehmern aufgeteilt werden muss. Die Datenübertragung aller Kanäle über
die Zuleitung vom Central Office bis zum Splitter erfolgt parallel. Mit steigender Anzahl der
übertragenen Kanäle werden auch die technischen Anforderungen an die verwendeten Ele-
mente höher. Aufgrund der noch vergleichsweise hohen Kosten wird dieses Verfahren der-
zeit vorrangig in Weitverkehrsnetzen eingesetzt. An einer Verwendung auch im Teilnehmer-
anschlussbereich wird bereits gearbeitet.
Eine Entbündelung von WDM-PON ist am ODF/Central Office möglich. Dabei erhalten alter-
native Netzbetreiber am ODF Zugang zu der jeweiligen nutzerspezifischen Wellenlänge.37
Abb. 7: WDM-PON
37
Vgl. dazu BEREC Report BoR (10) 08, Next Generation Access – Implementation Issues and Wholesale Prod-
ucts, März 2010, S. 32 ff.
17
Bonn, 6. April 2011