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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Amtsblätter bis 2018“
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„Next Generation“ Wettbewerb
In Großbritannien gab es eine ganze Reihe von infrastrukturbasierten Festnetzbetreibern.
Zusätzlich zur ehemaligen PTT BT gab es in Großbritannien zahlreiche alternative Netz-
betreiber, die sich letztendlich konsolidierten. Die wichtigste alternative Anschlussinfra-
struktur für britische Haushalte waren Kabelnetze, die etwa 50% aller Haushalte versorg-
ten. Aus zahlreichen lokalen bzw. regionalen Kabelanbietern entstand im Laufe mehrerer
Jahrzehnte ein einziges Unternehmen mit dem Markennamen Virgin Media. Obwohl nur
die Hälfte aller britischen Haushalte Zugang zu Kabel hat, herrscht ein intensiver Wettbe-
werb zwischen Virgin Media und den vielen anderen Service Providern (inklusive der
Vertriebsgesellschaft von BT), die die Openreach Infrastruktur von BT nutzen.
Trotz aller Schwierigkeiten zeigt sich in Ländern, die teilweise über eine zweite Festnetz-
infrastruktur verfügen, dass der Wettbewerb auf dem Markt zu einer größeren Verbreitung
von Breitband führt. Während in Deutschland DSL immer noch die bedeutendste Breit-
bandtechnologie darstellt, die von über 90% der Haushalte genutzt wird, gewinnen Kabel-
betreiber immer mehr Marktanteile: Über 20% Neukunden entscheiden sich inzwischen
für Kabel anstatt DSL21.
21
WestLB 2008
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4. Treiber der Veränderungen
Um die zukünftige Entwicklung des Marktes abschätzen zu können, haben wir uns die
treibenden Kräfte des derzeitigen Wandels angesehen und eingeschätzt wie diese sich
ändern werden. Wir haben vier treibende Kräfte identifiziert, die die Entwicklung des
Marktes stark beeinflussen:
• Technologische Entwicklungen,
• Verbrauchernachfrage und -präferenzen,
• Veränderungen der Geschäftsmodelle,
• staatliche Intervention/Regulierung.
Wichtig ist zu beachten, dass diese Kräfte einerseits den Wettbewerb bestimmen, sich
aber andererseits auch wechselseitig beeinflussen. Zum Beispiel führen technologische
Entwicklungen wie das Entstehen einer neuen Mobilfunktechnologie zu neuen regulato-
rischen Eingriffen. Diese Regulierungen (wie z. B. die Forderung nach niedrigeren End-
preisen durch geringere Tarife für die Netznutzung) führen ihrerseits wieder zu einer
größeren Verbrauchernachfrage.
Da Technologie und Verbrauchernachfrage schwer vorhersagbar sind, werden wir uns
auf diese beiden Schlüsselfaktoren für die zukünftige Wettbewerbsentwicklung auf dem
Markt besonders konzentrieren.
a) Technologische Entwicklungen
Technologische Entwicklungen sind eine Schlüsselvoraussetzung für kontinuierliche
Innovationen auf dem Telekommunikationsmarkt und haben zu einer Ausweitung der
Dienstleistungen geführt. Umgekehrt werden technologische Entwicklungen vom Wett-
bewerb zwischen Anbietern mit verschiedenen Technologien vorangetrieben.
Zu Beginn der Liberalisierung des Marktes wurden für die Sprach- und Datenübertragung
vor allem kupferbasierte Technologien wie das öffentliche Telefonnetz (PSTN) und einfache
kupferbasierte Datennetze genutzt. Seitdem haben technologische Entwicklungen die Wett-
bewerbslandschaft ganz wesentlich mitgestaltet. Zu den wichtigsten Entwicklungen zählen:
• Das Internetprotokoll (IP), das es Datennetzen ermöglicht hat, mehrere Dienste wie
Video, Telefonie und Informationsdienste über die gleiche Infrastruktur anzubieten
und damit eine Konkurrenz zu den traditionellen PSTN-basierten Netzen zu schaffen.
• Die Mobilfunktechnologie, die sich von einer Infrastruktur „für unterwegs“ zu einem
immer wichtigeren Ersatz für drahtgebundene Infrastruktur entwickelt hat. Dieser Er-
satz war besonders für Services mit niedriger Bandbreite wie Telefonie von Bedeutung.
In Märkten mit relativ niedrigen Preisen für Mobiltelefonate wie Österreich wird das
Festnetztelefon zunehmend durch mobile Dienste ersetzt. Dasselbe gilt für Märkte, in
denen Festnetztelefonie traditionell wenig verbreitet war (wie z. B. Entwicklungsländer,
in denen die drahtlose Technologie die drahtgebundene sozusagen „überspringen“ könnte).
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• Die Verwendung von Glasfaserkabeln bis hin zum Anschluss, die ihren Nutzern Ge-
schwindigkeiten über 50 Mbit/s erlaubt. Diese Geschwindigkeit ermöglicht den Haus-
halten, simultan mehrere HD-Streaming-Videos und Videotelefonie anzusehen. Tech-
nisch gesehen werden die NGA-Netze basieren auf: den kupferbasierten, mit Glasfaser
aufgerüsteten Netzwerken der ehemaligen PTTs, koaxialen, kabelbasierten Netzen und
neu geschaffenen, ausschließlich aus Glasfaserkabeln bestehenden Netzen (wie etwa
die Netze alternativer Anbieter).
Telekommunikationsnetze
In den meisten europäischen Ländern hat das Netz der ehemaligen PTT einen ständigen
Wandel mitgemacht, vom kupferbasierten PSTN-Netzwerk, das traditionelle Übertra-
gungsdienste bot, hin zu einem immer stärker auf Glasfaser basierenden IP-Netz, das
High Speed Breitband und zahlreiche weitere Dienste ermöglicht. Mit wenigen Ausnah-
men war der Übergang von Kupfer zu Glasfaser seit den späten 80er Jahren ein kontinu-
ierlicher Prozess, der mit dem Backbone des Netzes begann und sich schrittweise an die
„Außengrenzen“ des Netzes bis hin zu den Haushaltsanschlüssen annäherte. Glasfaser
bietet höhere Kapazitäten, so dass die den Kunden zur Verfügung stehende Bandbreite
seit dem zunehmenden Einsatz von Glasfaser im Netz ganz wesentlich gestiegen ist.
Bei der aktuellen ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line)-Technologie werden die
Leitungen bis zur lokalen Ortszentrale mit Glasfaser ausgebaut, die Strecke zwischen der
Ortszentrale und dem Haushalt, die bis zu 7 km betragen kann, besteht aber weiterhin aus
Kupferdraht. Mit ADSL können die Verbraucher Bandbreiten bis 25 Mbit/s erreichen22.
Um schnellere Geschwindigkeiten zu erzielen, muss Glasfaser näher bis an die Haushalte
heran ausgebaut werden. Dies kann entweder mit Hilfe von Fibre to the Node/Curb (FTTN)
oder Fibre to the Home (FTTH) erfolgen (siehe Abbildung 14). Bei der ersten Variante
werden die traditionellen Kupferdrähte über VDSL-Technologie vom Knoten zum Kunden
verbunden. Diese Variante erfordert weniger Investitionen in Glasfaser; allerdings werden
je nach Entfernung zwischen dem Kundenhaushalt und dem DSLAM maximal Geschwin-
digkeiten von 50 bis 60 Mbit/s erreicht. Bei der FTTH-Variante werden bis zum Haushalt
Glasfaser verlegt.
Kabel-TV Netze
Kabel-TV Netze folgen einer ähnlichen Entwicklung und setzen zunehmend auf den
Einsatz von Glasfaser. Die Kabelnetze haben sich von reinen Koaxial-Netzen zu hybriden
Glasfaser-Koaxial-Netzen weiterentwickelt, in denen der koaxiale Teil sich auf die letzten
paar hundert Meter des Netzes beschränkt. Beim Aufrüsten der Koaxial-Netze auf hybride
Glasfaser-Koaxial-Netze (HFC) mussten die Kabelbetreiber eine immense Menge an Glas-
faserleitungen verlegen, um kleine Haushaltssegmente, die über koaxiale Leitungen mit
dem Glasfaser-Knoten verbunden sind, an das Netz anzuschließen. An den Kopfenden
des Netzes mussten sie außerdem neue Hardware installieren (siehe Abbildung 15).
22
Bei ADSL gibt es unterschiedliche Geschwindigkeiten; Normgeschwindigkeiten sind ADSL: 8 Mbit/s; ADSL2: 12MBit/s; ADSL2+: 25 Mbit/s
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Abbildung 14: Verbreitung von Glasfaserkabeln
Netzstruktur Schlüsseleigenschaften
FTTE • Glasfaserverbindung bis zum
(Glasfaser bis zum Kupfer lokalen Knoten
Kupfer
Knoten = ADSL) Glasfaser
TZ NZP • Maximale Bandbreite: 16-25 Mbit/s
FTTN/C
(Glasfaser bis zum • Glasfaserverbindung bis zum
Netzwerk-Zugangs- Glasfaser Kupfer Schaltkasten auf der Straße
Glasfaser
punkt = VDSL) TZ NZP • Maximale Bandbreite: 50 Mbit/s
FTTP/B Kupfer oder
Koaxial • Glasfaserverbindung bis zum
(Glasfaser bis zum
Glasfaser Gelände oder Gebäude
Gebäude/ Haus) Glasfaser
TZ VK • Maximale Bandbreite: 100 Mbit/s
FTTH • Glasfaserverbindung bis zur
(Glasfaser bis Wohneinheit
zum Haushalt) • Maximale Bandbreite: 622–1000 Mbit/s (DL),
Glasfaser LE Glasfaser
TZ 155-1000 Mbit/s (UL)
Zu beachten: TZ = lokale Telefonzentrale/Knoten; NZP = Netzwerk-Zugangspunkt; VK = Verteilungsknoten
Quelle: ARCEP/WestLB (2008); JPM (2006)
Abbildung 15: Kabeltechnik
Faseroptisches System (Glasfaserleitung) Koaxial-Kabel
Internet
Netzwerk-
Kopfstelle Regionales Lokales
Glasfaser- Glasfaser-
Basisnetz Basisnetz
Europaweites
oder nationales
Basisnetz
Andere
Telefonnetze
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Kabelbetreiber in ganz Europa investieren derzeit zusätzlich in eine Aufrüstung ihrer Net-
ze auf EuroDOCSIS 3.0. EuroDOCSIS 3.0 stellt eine wichtige technologische Entwicklung
für die Positionierung der Kabelbetreiber als führende High Speed Infrastrukturanbieter
in Europa dar.
Das Aufrüsten auf hybride Glasfaser-Koaxial-Netzwerke (HFC) hat es den Kabelbetreibern
ermöglicht, neue Dienste wie High Speed-Datenübertragung und Telefondienste gleich-
zeitig anzubieten. Diese neuen Dienste werden durch die Einführung von EuroDOCSIS
3.0 noch weiter ausgebaut: Kabelbetreiber können damit Downstream- und Upstream-
Geschwindigkeiten über 100 Mbit/s anbieten.
Mobilfunknetze
In den 80er Jahren gab es auf dem Massenmarkt die erste Generation der drahtlosen
Technologien, die hauptsächlich analoge Telefonie und Pager-Dienste zu bieten hatte. Im
Gegensatz zur ersten Generation ermöglichte die zweite Generation (2G) der drahtlosen
Technologie (inklusive GPRS/EDGE und CDMA), die in den 90er Jahren auf den Markt
kam, zusätzlich zu den Sprachdiensten auch weitreichendere Daten- und Messaging-
Services. Allerdings ließ die Geschwindigkeit von 2G noch sehr zu wünschen übrig. Die
theoretische Maximalgeschwindigkeit betrug 55 Kbit/s, in der Praxis waren es zumeist
sogar nur 9 Kbit/s.
Die Entstehung der dritten Generation (3G) drahtloser Technologie versprach potenzielle
Datenübertragungsgeschwindigkeiten von 2 Mbit/s. Obwohl die ursprünglichen 3G-
Services diese Geschwindigkeit nicht sofort erreichten, haben sie sich dieser inzwischen
angenähert und können auch mit neuen Anwendungen aufwarten – nicht zuletzt dank
technologischer Weiterentwicklungen wie HSDPA/HSUPA. Trotz der relativ weiten Ver-
breitung von 3G-Netzen in Europa verwendeten im ersten Quartal 2009 nur 25 Prozent
der europäischen Mobilfunkkunden 3G23. Das liegt daran, dass die meisten Kunden noch
2G-Telefone besitzen und 3G damit nicht nutzen können. Trotzdem war die Einführung
von 3G ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung drahtloser Datenübertragung, deren
Geschwindigkeit für Surfen im Internet und E-Mail Dienste ausreicht.
Die drahtlose Technologie der vierten Generation (4G) bietet größere Geschwindigkeiten
und steht an der Schwelle zur Markteinführung. 4G umfasst sowohl WiMax, eine verbes-
serte Version des heutigen WiFI24 mit weitaus größerer Reichweite, als auch Long-Term-
Evolution (LTE), das die nächste Entwicklungsstufe der WCDMA-Mobilfunktechnologie
von 3G darstellt. Bisher ist WiMax nur in sehr beschränktem Maß auf dem Markt erhält-
lich und LTE soll zwar in den meisten europäischen Ländern demnächst im großen Stil
eingeführt werden, wird sich nach Einschätzung von Experten aus der Branche aber vor
2014 nur in sehr kleinem Ausmaß durchsetzen. Obwohl die 4G-Technologie in Piloten
Zugangsgeschwindigkeiten gezeigt hat, die durchaus mit den Geschwindigkeiten der
Festnetze der Next Generation mithalten können, sind einige Experten der Meinung,
23
Wireless Intelligence; Gartner
24
WiFi ist ein Markenname für WLAN-Netzwerke, der auf den IEEE 802.11-Standards basiert und inzwischen als Synonym für alle
kabellosen lokalen Netzwerke gebräuchlich ist
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dass die tatsächlichen Geschwindigkeiten deutlich darunter liegen könnten, und zwar bei
etwa 10 bis 20 Mbit/s. Dies hängt zusammen mit natürlichen Sachzwängen im Zusam-
menhang mit Bandbreite, Planungshindernissen und den wirtschaftlichen Aspekten von
Funkempfang.
Satellitennetze
Satelliten werden seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für eine ganze Reihe
von Kommunikationszwecken verwendet. Im Privatkundensegment hat Satellitenfernsehen
in einigen Märkten wie z. B. in Großbritannien einen erheblichen Marktanteil erreicht.
Satelliten werden zunehmend auch zur Übertragung von Internetdiensten genutzt und
haben sich vor kurzem als Möglichkeit zur Überbrückung der digitalen Spaltung im Breit-
bandbereich positioniert. SES Astra bietet seinen Internetdienst über Satellit Astra2Connect
beispielsweise bereits in 14 Ländern an. Derzeit nutzen 40.000 Kunden den Dienst, der erst
seit zwei Jahren existiert25. Der Service Tooway von EUTELSAT bietet seit Juli 2009 Down-
loads mit einer Geschwindigkeit von 3,6 Mbit/s und Uploads mit einer Geschwindigkeit
von 384 Kbit/s. Mit der Inbetriebnahme des neuen Satelliten KA-SAT sollen nächstes Jahr
Bandbreiten von bis zu 10 Mbit/s für Downloads und 1 Mbit/s für Uploads26 erreicht wer-
den. Aufgrund ihrer vergleichsweise niedrigen Bandbreite im Vergleich zum Festnetz und
ihren technischen Einschränkungen (z. B. Wartezeiten aufgrund von Entfernung) werden
Internetdienste über Satellit aber möglicherweise ein Nischenmarkt bleiben und vor allem in
Regionen ohne drahtgebundene oder terrestrische drahtlose Dienste zum Einsatz kommen.
Ausblick
Durch die kontinuierlichen Innovationen und Verbesserungen dieser Technologien hat
jede einzelne Technologie das Potenzial, dem jeweiligen Anbieter einen Wettbewerbs-
vorteil zu verschaffen, wenn er z. B. den Endkunden als Erster größere Bandbreitenge-
schwindigkeiten anbieten kann. Diese Dynamik stellt einen Anreiz für die Anbieter dar, in
ihre Technologien zu investieren und diese aufzurüsten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Wie Abbildung 16 zeigt, schafft dieser Wettbewerb letztendlich die Voraussetzungen für
kontinuierliche technologische Innovationen. Das traditionelle PSTN-Netz, das sich schritt-
weise zuerst zu ISDN und dann zu ADSL hin weiterentwickelt hat, ist gerade im Begriff,
VDSL und FTTH zu etablieren. Mit jedem einzelnen Schritt dieser technologischen Ent-
wicklung hat die verfügbare Bandbreite deutlich zugenommen. Ebenso werden die Kabel-
netze, die zuerst auf DOCSIS 2.0 aufgerüstet wurden, jetzt durch Einsatz von DOCSIS 3.0 noch
höhere Bandbreiten erreichen. Bei den Mobilfunktechnologien verhielt es sich ähnlich.
Auch hier nahm die verfügbare Bandbreite mit jedem Entwicklungsschritt zu.
Im Fall der drahtlosen Anschlusstechnologien sind weitere Innovationen zu erwarten.
Allerdings werden die technische Beschränkungen es zu einer Herausforderung für die
kabellosen Technologien machen, mit dem Aufrüsten auf NGA in den nächsten Jahren
ähnliche Bandbreiten zu erzielen wie die drahtgebundenen Technologien: Kabelanschlüsse
25
http://www.astra2connect.com/press/index.php
26
http://www.portel.de/nc/nachricht/artikel/38858-eutelsat-hebt-breitbanddienst-toowayt-zum-1-juli-auf-36-mbits-an/
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mit EuroDOCSIS 3.0 erreichen Bandbreiten von etwa 100 Mbit/s, FTTH erzielt ebenfalls
>100 Mbit/s. Drahtlose Technologien könnten theoretisch zwar ähnliche Geschwindig-
keiten erreichen; die einhellige Meinung von Experten und Analysten der Branche lautet
aber, dass aufgrund einer Reihe von Hindernissen die tatsächlichen Geschwindigkeiten
auch nach der Einführung von LTE wahrscheinlich unter 20 Mbit/s bleiben werden. Die
wichtigsten Hindernisse, die für die Unterschiede verantwortlich sind, sind: die voraus-
sichtlichen Obergrenzen bei den Bandbreiten mobiler Betreiber in Europa, die Verlang-
samung der Geschwindigkeiten von Mobilfunknetzen bei zunehmender aktiver Nutzung
durch Teilnehmer, die vorhandenen Frequenzen, geplante Einschränkungen bei den
Standorten und wirtschaftliche Aspekte der Schaffung dichter drahtloser Netze.
Ähnlich wie 3G-Technologien mit früheren Breitbandfestnetztechnologien im Wettbewerb
stehen, wird 4G-Technologien wahrscheinlich als Konkurrent der existierenden Breitband-
technologien (DOCSIS 2.0, ADSL) auftreten und im Bereich bestimmter Bandbreiten so-
wohl für die Nutzung unterwegs als auch als Alternative für die stationäre Nutzung zum
Einsatz kommen. Da jedoch drahtlose Technologien zumindest in der nahen Zukunft
noch niedrigere Geschwindigkeiten aufweisen werden, ist es unwahrscheinlich, dass 4G
in den nächsten paar Jahren NGA-Festnetzanschlüsse ersetzen wird, mit Ausnahme eini-
ger spezifischer Kundensegmente und geografischer Lagen wie Ein-Personen-Haushalte
und ländliche Regionen. 4G hat durchaus das Potenzial, in ländlichen Regionen zu einer
komplementären Technologie zu werden. Als Ergänzung zu Festnetzinfrastrukturen kann
drahtlose Technologie die Kosten senken und bessere Netzabdeckung gewährleisten. Un-
sere Untersuchungen haben ergeben, dass 4G gerade in ländlichen Regionen besonders
lohnend sein könnte. Die Kosten pro Teilnehmer würden €600 bis €700 betragen, im Ge-
gensatz zu €1.400 bei FFTH (siehe Abbildung 17). Auch die Kosten für eine Aufrüstung
auf Kabel sind in ländlichen Regionen viel geringer und bewegen sich zwischen €80 und
€150. Aufgrund der derzeitigen geringen Verbreitung von Kabel in diesen Regionen wür-
de der Neubau allerdings eine Grundinvestition von etwa €800 pro Teilnehmer erfordern.
Ein Vergleich der Kosten des NGA-Ausbaus bei Kabel im Vergleich zum PSTN zeigt ganz
deutlich die Vorteile des Kabel Ausbaus. Es liegt in der Natur der Kabelnetze, dass ein
Aufrüsten auf höhere Breitbandgeschwindigkeiten (EuroDOCSIS 3.0) modular vor sich
gehen kann, was das Risiko stufenweiser Investitionen deutlich senkt. Aus diesem Grund
ist Kabel in Regionen mit einer existierenden Kabelinfrastruktur eine ernstzunehmende
Konkurrenz für Telekommunikationsbetreiber. In Deutschland hat sich der Marktanteil
von Kabel in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht und machte im Jahr 2008 be-
reits über 13 Prozent27 der neuen Breitbandanschlüsse aus. Es ist wahrscheinlich, dass der
Wettbewerb zwischen Telekommunikations- und Kabelnetzbetreibern sich in Zukunft in
Ländern mit beiden Infrastrukturen intensivieren wird, vor allem durch den Einsatz von
EuroDOCSIS 3.0 in den Kabelnetzen.
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WestLB, Bain Analyse
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Abbildung 16: Sämtliche Schlüsseltechnologien zeigen großes Potenzial im Hinblick auf eine
deutliche Bandbreitensteigerung
Fortschritte in den Bandbreiten bei Festnetz und mobilen Diensten in Mbit/s
1.000 FTTH
> 500 Mbit/s
500
DOCSIS 3.0
200 LTE
Mbit/s > 100 Mbit/s
100 (theoretisch)
DOCSIS 2.0 VDSL
50 50 Mbit/s HSPA+
ADSL2+ 42 Mbit/s
Mbit/s
25 Mbit/s
20
ADSL HSPA
10 8 Mbit/s 14 Mbit/s
5
UMTS
2 2 Mbit/s
1
0,5 EDGE
384 kbit/s
GPRS Sat
0,2 ISDN
140 kbit/s
128 kbit/s
0,1
2000 2005 2010 2015
Heute
Festnetz Kabellos/mobil Kabel Sonstige
Zu beachten: Maximale Bandbreite für Netzwerktechnologien
Quelle: Deutsche Bank; WestLB; BMWI; Nokia Siemens Networks; Literaturrecherche VERANSCHAULICHUNG
Abbildung 17: Wirtschaftlichkeit der Infrastrukturen
Wirtschaftlichkeit verschiedener Anschlusstechnologien (€ pro Teilnehmer)*
1.500 ~1.500 1.500+ Zusätzliche Faktoren können die Wirtschaftlich-
~1.Î00 keit beeinflussen und sollten von Fall zu Fall
einzeln analysiert werden:
UÊ *ÀiÃiÉ6iÀÃÌi}iÀÕ}iÊÛÊâiâi
UÊ i«>ÌiÊ iÌâ>L`iVÕ}
1.000 UÊ ÕÃ>ÃÌÕ}
UÊ 6iÀLÀiÌÕ}ÊÛÊ/
~800
UÊ / >«>âÌBÌÊ}iiÃÃiÊ>Ê>ÌØÀV iÊ
~650 dernissen in Bezug auf Bandbreite, Planung
~620
und wirtschaftliche Aspekte von Funkempfang
500 UÊ ÌÕiÊÛÀ >`iiÊvÀ>ÃÌÀÕÌÕÀÊâ°Ê °ÊÕÃL>ÕÊ
von Greenfield- oder Brownfield-Strukturen)
UÊ 7iÌiÀi]ÊV ÊV ÌÊLi>V ÌiÌiÊÌiV ÃV iÊ
Ausrüstung
Î85
250 UÊ Ã>ÌâÊÛÊiÌVi/iV }i
160 160 UÊ Ã>ÌâÊÛÊ >V >Õ/iV }i
65 80
0 UÊ LÃV ÀiLÕ}ÃâiÌÀ>Õ
Glasfaser Kabel LTE Glasfaser Kabel LTE
" --Êΰä " --Êΰä UÊ i}À>vÃV iÊ>}i
Städte Ländlicher Raum
Zu erwartende Kosten V ÃÌiÊ-V BÌâÕ} Niedrigste Schätzung
*Für Glasfaser/Kabel pro Teilnehmerhaushalt
Zu beachten: Die wahrscheinlichen Kosten ergeben sich aus der Einschätzung von Experten und den aktuellen Erfahrungen;
oberer Bereich des Kabel-Ausbaus setzt vorhandenes Greenfield-Netzwerk voraus
Quelle: J.P. Morgan; Unternehmensdaten; Daniel Stewart & Company; Connecticut Siting Council; Literaturrecherche SCHÄTZUNG
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„Next Generation“ Wettbewerb
b) Verbrauchernachfrage und -präferenzen
Dank der Entwicklung neuer Technologien und einem größeren Angebot an Breitband-
diensten hat sich auch die Verbrauchernachfrage weiterentwickelt. Wir gehen davon aus,
dass das Interesse der Kunden an Anwendungen mit hohem Bedarf an Bandbreite wie
High Definition (HD) IPTV oder Video-on-Demand (VoD) deutlich steigen wird. Der
Wandel hin zu NGA-Netzen wird davon bestimmt werden, wie schnell die Kunden diese
Anwendungen mit hoher Bandbreite nachfragen, wie mit diesen Anwendungen Geld
verdient werden kann und wie viel die Kunden dafür zu bezahlen bereit sind – sofern die
Inhaber der notwendigen Infrastruktur zusätzliche Umsätze aus Diensten generieren
können, um die Ausbaukosten zu decken.
Zunehmende Nachfrage nach Bandbreite
Die Bandbreitennutzung der Kunden hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.
Laut IDC28 lag im Jahr 2004 die Standard-Bandbreite für Downstream in Westeuropa bei
1 Mbit/s und wird bis zum Jahr 2013 auf 23 Mbit/s ansteigen. Diese höhere Bandbreite
wird einerseits durch die zunehmende Verfügbarkeit und den Ausbau von Breitband-
netzen, andererseits durch die ständig steigende Verbrauchernachfrage nach Diensten
mit hoher Bandbreite wie VoD und IPTV getrieben (siehe Abbildung 18). Prognosen von
Cisco Systems und Experten gehen davon aus, dass der IP-Verkehr ständig schneller und
jährlich um 43 Prozent steigen wird, so dass er sich alle 1,4 Jahre verdoppelt. Die wich-
tigste treibende Kraft bei diesem Wachstum ist die steigende Nachfrage nach Videodiens-
ten (Internetvideos auf dem PC, Internetvideos im Fernsehen, IPTV). Der Videoanteil
des IP-Verkehrs macht 41 Prozent des gesamten Verkehrs aus. Bis zum Jahr 2012 soll er
aufgrund der steigenden Verbreitung von IPTV und Internetvideos am Computer schät-
zungsweise aber bereits 61 Prozent betragen. In den USA sehen sich z. B. 70 Prozent
der Internetnutzer29 Videos im Internet an und die Tendenz ist steigend. Die Trends in
Europa sind ähnlich.
Videobezogene Anwendungen setzen weit größere Bandbreiten voraus als die Übertra-
gung text- oder sprachbezogener Daten. Für einen einzigen High Definition (HD)-Video-
stream braucht man 7 bis 9 Mbit/s. Für einen Standard Definition (SD)-Stream reicht
hingegen ein Viertel der Bandbreite, also etwa 2 Mbit/s (siehe Abbildung 19). Andere
typische Online-Anwendungen wie Internetbrowser, Internet-Telefonie (VoIP) und VoD
profitieren zwar von Bandbreiten über 3 Mbit/s, der Qualitätsunterschied ist aber kaum
wahrnehmbar.
28
IDC 2009, Western European Consumer Broadband Access Services Market Analysis 2009-2013
29
Bain-Umfrage unter US-amerikanischen Kunden
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Abbildung 18: Videonutzung über das Internet steigt rapide an
IP-Fluss durch Kunden pro Segment
(Petabytes pro Monat) CAGR
10.000 46%
8.660
Sonstige
8.000
IPTV 72%
6.877
Video am TV
106%
6.000
5.137 Video 64%
to PC
Videokommuni-
kationen 53%
4.000 3.553 VoIP 36%
Online-Spiele
2.572 19%
File
sharing/ 36%
1.829
2.000 P2P
897
557 Web,
mail, data 38%
0
2006A 2007A 2008F 2009F 2010F 2011F 2012F 2013F
Web, E-Mail, Daten: inklusive Web, E-Mail, Sofortnachrichten, Newsgroups und Datentransfers (exkl. P2P und kommerzielle Datentransferprogramme wie iTunes)
P2P: inklusive Peer-to-Peer-Kommunikation auf allen anerkannten P2P-Systemen wie BitTorrent, eDonkey etc.
Spiele: inklusive Online-Spiele, vernetze Spielkonsolen und Mehrspieler-Spiele in virtuellen Welten
Videokommunikation: inklusive PC-basierter Videotelefonie, Nutzung von Webcams und Web-basierter Videoüberwachung
VoIP: inklusive Nutzung von einzelnen VoIP-Diensten und PC-basiertem VoIP, exklusive Wholesale-VoIP
Internetvideos auf dem PC: kostenfreies oder kostenpflichtiges Fernsehen oder VoD, die auf dem PC angesehen werden, ausgenommen Videodownloads über P2P
Internetvideos im Fernsehen: kostenfreies oder kostenpflichtiges Fernsehen oder VoD, die über das Internet aber auf einem Fernsehbildschirm mittels STB oder
Mediennetzübergangseinrichtung angesehen werden
IPTV: Kommerzieller TV-Service innerhalb des Angebots eines einzelnen Anbieters
Zu beachten: Kabel-VoD wurde außer Acht gelassen
Quelle: Cisco (VNI FC & methodology 07-12 & 2008-2013 Informationsschrift)
Abbildung 19: Bandbreitenerfordernisse verschiedener Anwendungen
ANWENDUNGSBEISPIEL Bandbreite
der Anwendung
Download Bandbreite/Nutzer (Mbit/s)
100
50
25 Für gleichzeitige Nutzung von TV-Sendern,
ED3.0 Kabel und FTTH vor VDSL IPTV: Linear TV (HD)
wegen größerer maximaler Kapazität (pro Stream) ~8–10 Mbit/s
20
15 IPTV: Linear TV (SD) ~3–4 Mbit/s
(pro Stream)
10 IPTV: VoD ~2–3 Mbit/s
Telefon (VoIP) ~2 Mbit/s
5 ~1–2 Mbit/s
Email/www ~0,1–1 Mbit/s
0
‘01 ‘02 ‘03 ‘04 ‘05 ‘06 ‘07 ‘08 ‘09 ‘10 ‘11 ‘12 ‘13 ‘14 ‘15
Jahr
Quelle: Marktberichte
41
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