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Amtsblatt der Bundesnetzagentur
                                  für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
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 „Next Generation“ Wettbewerb




In Großbritannien gab es eine ganze Reihe von infrastrukturbasierten Festnetzbetreibern.
Zusätzlich zur ehemaligen PTT BT gab es in Großbritannien zahlreiche alternative Netz-
betreiber, die sich letztendlich konsolidierten. Die wichtigste alternative Anschlussinfra-
struktur für britische Haushalte waren Kabelnetze, die etwa 50% aller Haushalte versorg-
ten. Aus zahlreichen lokalen bzw. regionalen Kabelanbietern entstand im Laufe mehrerer
Jahrzehnte ein einziges Unternehmen mit dem Markennamen Virgin Media. Obwohl nur
die Hälfte aller britischen Haushalte Zugang zu Kabel hat, herrscht ein intensiver Wettbe-
werb zwischen Virgin Media und den vielen anderen Service Providern (inklusive der
Vertriebsgesellschaft von BT), die die Openreach Infrastruktur von BT nutzen.

Trotz aller Schwierigkeiten zeigt sich in Ländern, die teilweise über eine zweite Festnetz-
infrastruktur verfügen, dass der Wettbewerb auf dem Markt zu einer größeren Verbreitung
von Breitband führt. Während in Deutschland DSL immer noch die bedeutendste Breit-
bandtechnologie darstellt, die von über 90% der Haushalte genutzt wird, gewinnen Kabel-
betreiber immer mehr Marktanteile: Über 20% Neukunden entscheiden sich inzwischen
für Kabel anstatt DSL21.




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4. Treiber der Veränderungen
Um die zukünftige Entwicklung des Marktes abschätzen zu können, haben wir uns die
treibenden Kräfte des derzeitigen Wandels angesehen und eingeschätzt wie diese sich
ändern werden. Wir haben vier treibende Kräfte identifiziert, die die Entwicklung des
Marktes stark beeinflussen:

•   Technologische Entwicklungen,
•   Verbrauchernachfrage und -präferenzen,
•   Veränderungen der Geschäftsmodelle,
•   staatliche Intervention/Regulierung.

Wichtig ist zu beachten, dass diese Kräfte einerseits den Wettbewerb bestimmen, sich
aber andererseits auch wechselseitig beeinflussen. Zum Beispiel führen technologische
Entwicklungen wie das Entstehen einer neuen Mobilfunktechnologie zu neuen regulato-
rischen Eingriffen. Diese Regulierungen (wie z. B. die Forderung nach niedrigeren End-
preisen durch geringere Tarife für die Netznutzung) führen ihrerseits wieder zu einer
größeren Verbrauchernachfrage.

Da Technologie und Verbrauchernachfrage schwer vorhersagbar sind, werden wir uns
auf diese beiden Schlüsselfaktoren für die zukünftige Wettbewerbsentwicklung auf dem
Markt besonders konzentrieren.


a) Technologische Entwicklungen
Technologische Entwicklungen sind eine Schlüsselvoraussetzung für kontinuierliche
Innovationen auf dem Telekommunikationsmarkt und haben zu einer Ausweitung der
Dienstleistungen geführt. Umgekehrt werden technologische Entwicklungen vom Wett-
bewerb zwischen Anbietern mit verschiedenen Technologien vorangetrieben.

Zu Beginn der Liberalisierung des Marktes wurden für die Sprach- und Datenübertragung
vor allem kupferbasierte Technologien wie das öffentliche Telefonnetz (PSTN) und einfache
kupferbasierte Datennetze genutzt. Seitdem haben technologische Entwicklungen die Wett-
bewerbslandschaft ganz wesentlich mitgestaltet. Zu den wichtigsten Entwicklungen zählen:

• Das Internetprotokoll (IP), das es Datennetzen ermöglicht hat, mehrere Dienste wie
  Video, Telefonie und Informationsdienste über die gleiche Infrastruktur anzubieten
  und damit eine Konkurrenz zu den traditionellen PSTN-basierten Netzen zu schaffen.

• Die Mobilfunktechnologie, die sich von einer Infrastruktur „für unterwegs“ zu einem
  immer wichtigeren Ersatz für drahtgebundene Infrastruktur entwickelt hat. Dieser Er-
  satz war besonders für Services mit niedriger Bandbreite wie Telefonie von Bedeutung.
  In Märkten mit relativ niedrigen Preisen für Mobiltelefonate wie Österreich wird das
  Festnetztelefon zunehmend durch mobile Dienste ersetzt. Dasselbe gilt für Märkte, in
  denen Festnetztelefonie traditionell wenig verbreitet war (wie z. B. Entwicklungsländer,
  in denen die drahtlose Technologie die drahtgebundene sozusagen „überspringen“ könnte).


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  „Next Generation“ Wettbewerb




 • Die Verwendung von Glasfaserkabeln bis hin zum Anschluss, die ihren Nutzern Ge-
   schwindigkeiten über 50 Mbit/s erlaubt. Diese Geschwindigkeit ermöglicht den Haus-
   halten, simultan mehrere HD-Streaming-Videos und Videotelefonie anzusehen. Tech-
   nisch gesehen werden die NGA-Netze basieren auf: den kupferbasierten, mit Glasfaser
   aufgerüsteten Netzwerken der ehemaligen PTTs, koaxialen, kabelbasierten Netzen und
   neu geschaffenen, ausschließlich aus Glasfaserkabeln bestehenden Netzen (wie etwa
   die Netze alternativer Anbieter).

 Telekommunikationsnetze
 In den meisten europäischen Ländern hat das Netz der ehemaligen PTT einen ständigen
 Wandel mitgemacht, vom kupferbasierten PSTN-Netzwerk, das traditionelle Übertra-
 gungsdienste bot, hin zu einem immer stärker auf Glasfaser basierenden IP-Netz, das
 High Speed Breitband und zahlreiche weitere Dienste ermöglicht. Mit wenigen Ausnah-
 men war der Übergang von Kupfer zu Glasfaser seit den späten 80er Jahren ein kontinu-
 ierlicher Prozess, der mit dem Backbone des Netzes begann und sich schrittweise an die
 „Außengrenzen“ des Netzes bis hin zu den Haushaltsanschlüssen annäherte. Glasfaser
 bietet höhere Kapazitäten, so dass die den Kunden zur Verfügung stehende Bandbreite
 seit dem zunehmenden Einsatz von Glasfaser im Netz ganz wesentlich gestiegen ist.

 Bei der aktuellen ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line)-Technologie werden die
 Leitungen bis zur lokalen Ortszentrale mit Glasfaser ausgebaut, die Strecke zwischen der
 Ortszentrale und dem Haushalt, die bis zu 7 km betragen kann, besteht aber weiterhin aus
 Kupferdraht. Mit ADSL können die Verbraucher Bandbreiten bis 25 Mbit/s erreichen22.

 Um schnellere Geschwindigkeiten zu erzielen, muss Glasfaser näher bis an die Haushalte
 heran ausgebaut werden. Dies kann entweder mit Hilfe von Fibre to the Node/Curb (FTTN)
 oder Fibre to the Home (FTTH) erfolgen (siehe Abbildung 14). Bei der ersten Variante
 werden die traditionellen Kupferdrähte über VDSL-Technologie vom Knoten zum Kunden
 verbunden. Diese Variante erfordert weniger Investitionen in Glasfaser; allerdings werden
 je nach Entfernung zwischen dem Kundenhaushalt und dem DSLAM maximal Geschwin-
 digkeiten von 50 bis 60 Mbit/s erreicht. Bei der FTTH-Variante werden bis zum Haushalt
 Glasfaser verlegt.

 Kabel-TV Netze
 Kabel-TV Netze folgen einer ähnlichen Entwicklung und setzen zunehmend auf den
 Einsatz von Glasfaser. Die Kabelnetze haben sich von reinen Koaxial-Netzen zu hybriden
 Glasfaser-Koaxial-Netzen weiterentwickelt, in denen der koaxiale Teil sich auf die letzten
 paar hundert Meter des Netzes beschränkt. Beim Aufrüsten der Koaxial-Netze auf hybride
 Glasfaser-Koaxial-Netze (HFC) mussten die Kabelbetreiber eine immense Menge an Glas-
 faserleitungen verlegen, um kleine Haushaltssegmente, die über koaxiale Leitungen mit
 dem Glasfaser-Knoten verbunden sind, an das Netz anzuschließen. An den Kopfenden
 des Netzes mussten sie außerdem neue Hardware installieren (siehe Abbildung 15).

 22
      Bei ADSL gibt es unterschiedliche Geschwindigkeiten; Normgeschwindigkeiten sind ADSL: 8 Mbit/s; ADSL2: 12MBit/s; ADSL2+: 25 Mbit/s




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Abbildung 14: Verbreitung von Glasfaserkabeln



                                                          Netzstruktur                                         Schlüsseleigenschaften



          FTTE                                                                                         • Glasfaserverbindung bis zum
   (Glasfaser bis zum                                                        Kupfer                      lokalen Knoten
                                                                Kupfer
    Knoten = ADSL)                   Glasfaser
                                                         TZ              NZP                           • Maximale Bandbreite: 16-25 Mbit/s


       FTTN/C
  (Glasfaser bis zum                                                                                   • Glasfaserverbindung bis zum
  Netzwerk-Zugangs-                                            Glasfaser Kupfer                          Schaltkasten auf der Straße
                                     Glasfaser
    punkt = VDSL)                                        TZ              NZP                           • Maximale Bandbreite: 50 Mbit/s


        FTTP/B                                                               Kupfer oder
                                                                             Koaxial                    • Glasfaserverbindung bis zum
   (Glasfaser bis zum
                                                               Glasfaser                                  Gelände oder Gebäude
    Gebäude/ Haus)                   Glasfaser
                                                         TZ                   VK                        • Maximale Bandbreite: 100 Mbit/s


          FTTH                                                                                         • Glasfaserverbindung bis zur
      (Glasfaser bis                                                                                     Wohneinheit
      zum Haushalt)                                                                                    • Maximale Bandbreite: 622–1000 Mbit/s (DL),
                                     Glasfaser           LE            Glasfaser
                                                         TZ                                              155-1000 Mbit/s (UL)




Zu beachten: TZ = lokale Telefonzentrale/Knoten; NZP = Netzwerk-Zugangspunkt; VK = Verteilungsknoten
Quelle: ARCEP/WestLB (2008); JPM (2006)




Abbildung 15: Kabeltechnik


                        Faseroptisches System (Glasfaserleitung)                                                       Koaxial-Kabel




             Internet




           Netzwerk-
           Kopfstelle                          Regionales                           Lokales
                                               Glasfaser-                          Glasfaser-
                                                Basisnetz                          Basisnetz




        Europaweites
       oder nationales
          Basisnetz



             Andere
          Telefonnetze




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  „Next Generation“ Wettbewerb




 Kabelbetreiber in ganz Europa investieren derzeit zusätzlich in eine Aufrüstung ihrer Net-
 ze auf EuroDOCSIS 3.0. EuroDOCSIS 3.0 stellt eine wichtige technologische Entwicklung
 für die Positionierung der Kabelbetreiber als führende High Speed Infrastrukturanbieter
 in Europa dar.

 Das Aufrüsten auf hybride Glasfaser-Koaxial-Netzwerke (HFC) hat es den Kabelbetreibern
 ermöglicht, neue Dienste wie High Speed-Datenübertragung und Telefondienste gleich-
 zeitig anzubieten. Diese neuen Dienste werden durch die Einführung von EuroDOCSIS
 3.0 noch weiter ausgebaut: Kabelbetreiber können damit Downstream- und Upstream-
 Geschwindigkeiten über 100 Mbit/s anbieten.

 Mobilfunknetze
 In den 80er Jahren gab es auf dem Massenmarkt die erste Generation der drahtlosen
 Technologien, die hauptsächlich analoge Telefonie und Pager-Dienste zu bieten hatte. Im
 Gegensatz zur ersten Generation ermöglichte die zweite Generation (2G) der drahtlosen
 Technologie (inklusive GPRS/EDGE und CDMA), die in den 90er Jahren auf den Markt
 kam, zusätzlich zu den Sprachdiensten auch weitreichendere Daten- und Messaging-
 Services. Allerdings ließ die Geschwindigkeit von 2G noch sehr zu wünschen übrig. Die
 theoretische Maximalgeschwindigkeit betrug 55 Kbit/s, in der Praxis waren es zumeist
 sogar nur 9 Kbit/s.

 Die Entstehung der dritten Generation (3G) drahtloser Technologie versprach potenzielle
 Datenübertragungsgeschwindigkeiten von 2 Mbit/s. Obwohl die ursprünglichen 3G-
 Services diese Geschwindigkeit nicht sofort erreichten, haben sie sich dieser inzwischen
 angenähert und können auch mit neuen Anwendungen aufwarten – nicht zuletzt dank
 technologischer Weiterentwicklungen wie HSDPA/HSUPA. Trotz der relativ weiten Ver-
 breitung von 3G-Netzen in Europa verwendeten im ersten Quartal 2009 nur 25 Prozent
 der europäischen Mobilfunkkunden 3G23. Das liegt daran, dass die meisten Kunden noch
 2G-Telefone besitzen und 3G damit nicht nutzen können. Trotzdem war die Einführung
 von 3G ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung drahtloser Datenübertragung, deren
 Geschwindigkeit für Surfen im Internet und E-Mail Dienste ausreicht.

 Die drahtlose Technologie der vierten Generation (4G) bietet größere Geschwindigkeiten
 und steht an der Schwelle zur Markteinführung. 4G umfasst sowohl WiMax, eine verbes-
 serte Version des heutigen WiFI24 mit weitaus größerer Reichweite, als auch Long-Term-
 Evolution (LTE), das die nächste Entwicklungsstufe der WCDMA-Mobilfunktechnologie
 von 3G darstellt. Bisher ist WiMax nur in sehr beschränktem Maß auf dem Markt erhält-
 lich und LTE soll zwar in den meisten europäischen Ländern demnächst im großen Stil
 eingeführt werden, wird sich nach Einschätzung von Experten aus der Branche aber vor
 2014 nur in sehr kleinem Ausmaß durchsetzen. Obwohl die 4G-Technologie in Piloten
 Zugangsgeschwindigkeiten gezeigt hat, die durchaus mit den Geschwindigkeiten der
 Festnetze der Next Generation mithalten können, sind einige Experten der Meinung,

 23
      Wireless Intelligence; Gartner
 24
      WiFi ist ein Markenname für WLAN-Netzwerke, der auf den IEEE 802.11-Standards basiert und inzwischen als Synonym für alle
      kabellosen lokalen Netzwerke gebräuchlich ist




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dass die tatsächlichen Geschwindigkeiten deutlich darunter liegen könnten, und zwar bei
etwa 10 bis 20 Mbit/s. Dies hängt zusammen mit natürlichen Sachzwängen im Zusam-
menhang mit Bandbreite, Planungshindernissen und den wirtschaftlichen Aspekten von
Funkempfang.

Satellitennetze
Satelliten werden seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für eine ganze Reihe
von Kommunikationszwecken verwendet. Im Privatkundensegment hat Satellitenfernsehen
in einigen Märkten wie z. B. in Großbritannien einen erheblichen Marktanteil erreicht.
Satelliten werden zunehmend auch zur Übertragung von Internetdiensten genutzt und
haben sich vor kurzem als Möglichkeit zur Überbrückung der digitalen Spaltung im Breit-
bandbereich positioniert. SES Astra bietet seinen Internetdienst über Satellit Astra2Connect
beispielsweise bereits in 14 Ländern an. Derzeit nutzen 40.000 Kunden den Dienst, der erst
seit zwei Jahren existiert25. Der Service Tooway von EUTELSAT bietet seit Juli 2009 Down-
loads mit einer Geschwindigkeit von 3,6 Mbit/s und Uploads mit einer Geschwindigkeit
von 384 Kbit/s. Mit der Inbetriebnahme des neuen Satelliten KA-SAT sollen nächstes Jahr
Bandbreiten von bis zu 10 Mbit/s für Downloads und 1 Mbit/s für Uploads26 erreicht wer-
den. Aufgrund ihrer vergleichsweise niedrigen Bandbreite im Vergleich zum Festnetz und
ihren technischen Einschränkungen (z. B. Wartezeiten aufgrund von Entfernung) werden
Internetdienste über Satellit aber möglicherweise ein Nischenmarkt bleiben und vor allem in
Regionen ohne drahtgebundene oder terrestrische drahtlose Dienste zum Einsatz kommen.

Ausblick
Durch die kontinuierlichen Innovationen und Verbesserungen dieser Technologien hat
jede einzelne Technologie das Potenzial, dem jeweiligen Anbieter einen Wettbewerbs-
vorteil zu verschaffen, wenn er z. B. den Endkunden als Erster größere Bandbreitenge-
schwindigkeiten anbieten kann. Diese Dynamik stellt einen Anreiz für die Anbieter dar, in
ihre Technologien zu investieren und diese aufzurüsten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Wie Abbildung 16 zeigt, schafft dieser Wettbewerb letztendlich die Voraussetzungen für
kontinuierliche technologische Innovationen. Das traditionelle PSTN-Netz, das sich schritt-
weise zuerst zu ISDN und dann zu ADSL hin weiterentwickelt hat, ist gerade im Begriff,
VDSL und FTTH zu etablieren. Mit jedem einzelnen Schritt dieser technologischen Ent-
wicklung hat die verfügbare Bandbreite deutlich zugenommen. Ebenso werden die Kabel-
netze, die zuerst auf DOCSIS 2.0 aufgerüstet wurden, jetzt durch Einsatz von DOCSIS 3.0 noch
höhere Bandbreiten erreichen. Bei den Mobilfunktechnologien verhielt es sich ähnlich.
Auch hier nahm die verfügbare Bandbreite mit jedem Entwicklungsschritt zu.

Im Fall der drahtlosen Anschlusstechnologien sind weitere Innovationen zu erwarten.
Allerdings werden die technische Beschränkungen es zu einer Herausforderung für die
kabellosen Technologien machen, mit dem Aufrüsten auf NGA in den nächsten Jahren
ähnliche Bandbreiten zu erzielen wie die drahtgebundenen Technologien: Kabelanschlüsse

25
     http://www.astra2connect.com/press/index.php
26
     http://www.portel.de/nc/nachricht/artikel/38858-eutelsat-hebt-breitbanddienst-toowayt-zum-1-juli-auf-36-mbits-an/




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 „Next Generation“ Wettbewerb




mit EuroDOCSIS 3.0 erreichen Bandbreiten von etwa 100 Mbit/s, FTTH erzielt ebenfalls
>100 Mbit/s. Drahtlose Technologien könnten theoretisch zwar ähnliche Geschwindig-
keiten erreichen; die einhellige Meinung von Experten und Analysten der Branche lautet
aber, dass aufgrund einer Reihe von Hindernissen die tatsächlichen Geschwindigkeiten
auch nach der Einführung von LTE wahrscheinlich unter 20 Mbit/s bleiben werden. Die
wichtigsten Hindernisse, die für die Unterschiede verantwortlich sind, sind: die voraus-
sichtlichen Obergrenzen bei den Bandbreiten mobiler Betreiber in Europa, die Verlang-
samung der Geschwindigkeiten von Mobilfunknetzen bei zunehmender aktiver Nutzung
durch Teilnehmer, die vorhandenen Frequenzen, geplante Einschränkungen bei den
Standorten und wirtschaftliche Aspekte der Schaffung dichter drahtloser Netze.

Ähnlich wie 3G-Technologien mit früheren Breitbandfestnetztechnologien im Wettbewerb
stehen, wird 4G-Technologien wahrscheinlich als Konkurrent der existierenden Breitband-
technologien (DOCSIS 2.0, ADSL) auftreten und im Bereich bestimmter Bandbreiten so-
wohl für die Nutzung unterwegs als auch als Alternative für die stationäre Nutzung zum
Einsatz kommen. Da jedoch drahtlose Technologien zumindest in der nahen Zukunft
noch niedrigere Geschwindigkeiten aufweisen werden, ist es unwahrscheinlich, dass 4G
in den nächsten paar Jahren NGA-Festnetzanschlüsse ersetzen wird, mit Ausnahme eini-
ger spezifischer Kundensegmente und geografischer Lagen wie Ein-Personen-Haushalte
und ländliche Regionen. 4G hat durchaus das Potenzial, in ländlichen Regionen zu einer
komplementären Technologie zu werden. Als Ergänzung zu Festnetzinfrastrukturen kann
drahtlose Technologie die Kosten senken und bessere Netzabdeckung gewährleisten. Un-
sere Untersuchungen haben ergeben, dass 4G gerade in ländlichen Regionen besonders
lohnend sein könnte. Die Kosten pro Teilnehmer würden €600 bis €700 betragen, im Ge-
gensatz zu €1.400 bei FFTH (siehe Abbildung 17). Auch die Kosten für eine Aufrüstung
auf Kabel sind in ländlichen Regionen viel geringer und bewegen sich zwischen €80 und
€150. Aufgrund der derzeitigen geringen Verbreitung von Kabel in diesen Regionen wür-
de der Neubau allerdings eine Grundinvestition von etwa €800 pro Teilnehmer erfordern.

Ein Vergleich der Kosten des NGA-Ausbaus bei Kabel im Vergleich zum PSTN zeigt ganz
deutlich die Vorteile des Kabel Ausbaus. Es liegt in der Natur der Kabelnetze, dass ein
Aufrüsten auf höhere Breitbandgeschwindigkeiten (EuroDOCSIS 3.0) modular vor sich
gehen kann, was das Risiko stufenweiser Investitionen deutlich senkt. Aus diesem Grund
ist Kabel in Regionen mit einer existierenden Kabelinfrastruktur eine ernstzunehmende
Konkurrenz für Telekommunikationsbetreiber. In Deutschland hat sich der Marktanteil
von Kabel in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht und machte im Jahr 2008 be-
reits über 13 Prozent27 der neuen Breitbandanschlüsse aus. Es ist wahrscheinlich, dass der
Wettbewerb zwischen Telekommunikations- und Kabelnetzbetreibern sich in Zukunft in
Ländern mit beiden Infrastrukturen intensivieren wird, vor allem durch den Einsatz von
EuroDOCSIS 3.0 in den Kabelnetzen.




27
     WestLB, Bain Analyse




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125

Amtsblatt der Bundesnetzagentur
                                                                     für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
2318                                                      – Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur –                                  12 2010



                                                                                                                                                  Oktober 2009




Abbildung 16: Sämtliche Schlüsseltechnologien zeigen großes Potenzial im Hinblick auf eine
deutliche Bandbreitensteigerung
Fortschritte in den Bandbreiten bei Festnetz und mobilen Diensten in Mbit/s

 1.000                                                                                                                               FTTH
                                                                                                                                  > 500 Mbit/s
   500
                                                                                                          DOCSIS 3.0
   200                                                                                                                                          LTE
                                                                                                                Mbit/s                      > 100 Mbit/s
   100                                                                                                                                      (theoretisch)
                                                    DOCSIS 2.0                                                VDSL
     50                                                                                                     50 Mbit/s          HSPA+
                                                                                     ADSL2+                                   42 Mbit/s
                                                        Mbit/s
                                                                                    25 Mbit/s
     20
                                                     ADSL                                             HSPA
     10                                             8 Mbit/s                                        14 Mbit/s
       5
                                                                               UMTS
       2                                                                      2 Mbit/s
       1
    0,5                                                   EDGE
                                                        384 kbit/s
                                     GPRS                                                                 Sat
    0,2         ISDN
                                   140 kbit/s
              128 kbit/s
    0,1

           2000                                                2005                                                  2010                                        2015
                                                                                                          Heute


                                                Festnetz                 Kabellos/mobil                      Kabel                  Sonstige



Zu beachten: Maximale Bandbreite für Netzwerktechnologien
Quelle: Deutsche Bank; WestLB; BMWI; Nokia Siemens Networks; Literaturrecherche                                                           VERANSCHAULICHUNG




Abbildung 17: Wirtschaftlichkeit der Infrastrukturen

Wirtschaftlichkeit verschiedener Anschlusstechnologien (€ pro Teilnehmer)*
1.500                                 ~1.500                     1.500+                                            Zusätzliche Faktoren können die Wirtschaftlich-
                                                                                         ~1.Î00                    keit beeinflussen und sollten von Fall zu Fall
                                                                                                                   einzeln analysiert werden:
                                                                                                                   UÊ    *ÀiˆÃiÉ6iÀÃÌiˆ}iÀ՘}i˜Êۜ˜Êˆâi˜âi˜
                                                                                                                   UÊ    i«>˜ÌiÊ iÌâ>L`iVŽÕ˜}
1.000                                                                                                              UÊ    ÕÏ>ÃÌ՘}
                                                                                                                   UÊ    6iÀLÀiˆÌ՘}Êۜ˜Ê/
                                                                             ~800
                                                                                                                   UÊ    / ‡>«>âˆÌBÌÊ}i“iÃÃi˜Ê>˜Ê˜>ÌØÀˆV i˜Êˆ˜‡
                           ~650                                                                                          dernissen in Bezug auf Bandbreite, Planung
               ~620
                                                                                                                         und wirtschaftliche Aspekte von Funkempfang
   500                                                                                                             UÊ    ŽÌÕiÊۜÀ >˜`i˜iʘvÀ>ÃÌÀՎÌÕÀÊ­â°Ê °ÊÕÃL>ÕÊ
                                                                                                                         von Greenfield- oder Brownfield-Strukturen)
                                                                                                                   UÊ    7iˆÌiÀi]ʘœV ʘˆV ÌÊLi>V ÌiÌiÊÌiV ˜ˆÃV iÊ
                                                                                                                         Ausrüstung
                                                                  Î85
               250                                                                                                 UÊ     ˆ˜Ã>ÌâÊۜ˜Êi“ÌœVi‡/iV ˜œœ}ˆi
                                        160                                                160                     UÊ     ˆ˜Ã>ÌâÊۜ˜Ê >VŽ >Տ‡/iV ˜œœ}ˆi
                             65                                                80
       0                                                                                                           UÊ    LÃV ÀiˆL՘}ÃâiˆÌÀ>Փ
            Glasfaser Kabel    LTE                             Glasfaser Kabel    LTE
                     " --Ê롊                                          " --Ê롊                                  UÊ    iœ}À>vˆÃV iÊ>}i


                           Städte                                    Ländlicher Raum

                    Zu erwartende Kosten                   ŸV ÃÌiÊ-V BÌâ՘}                    Niedrigste Schätzung
*Für Glasfaser/Kabel pro Teilnehmerhaushalt
Zu beachten: Die wahrscheinlichen Kosten ergeben sich aus der Einschätzung von Experten und den aktuellen Erfahrungen;
oberer Bereich des Kabel-Ausbaus setzt vorhandenes Greenfield-Netzwerk voraus
Quelle: J.P. Morgan; Unternehmensdaten; Daniel Stewart & Company; Connecticut Siting Council; Literaturrecherche                                        SCHÄTZUNG



                                                                                                                                                                    39


                                                                                                                                                                           Bonn, 30. Juni 2010
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Amtsblatt der Bundesnetzagentur
                                                          für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
12 2010                                           – Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur –   2319


  „Next Generation“ Wettbewerb




 b) Verbrauchernachfrage und -präferenzen
 Dank der Entwicklung neuer Technologien und einem größeren Angebot an Breitband-
 diensten hat sich auch die Verbrauchernachfrage weiterentwickelt. Wir gehen davon aus,
 dass das Interesse der Kunden an Anwendungen mit hohem Bedarf an Bandbreite wie
 High Definition (HD) IPTV oder Video-on-Demand (VoD) deutlich steigen wird. Der
 Wandel hin zu NGA-Netzen wird davon bestimmt werden, wie schnell die Kunden diese
 Anwendungen mit hoher Bandbreite nachfragen, wie mit diesen Anwendungen Geld
 verdient werden kann und wie viel die Kunden dafür zu bezahlen bereit sind – sofern die
 Inhaber der notwendigen Infrastruktur zusätzliche Umsätze aus Diensten generieren
 können, um die Ausbaukosten zu decken.

 Zunehmende Nachfrage nach Bandbreite
 Die Bandbreitennutzung der Kunden hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.
 Laut IDC28 lag im Jahr 2004 die Standard-Bandbreite für Downstream in Westeuropa bei
 1 Mbit/s und wird bis zum Jahr 2013 auf 23 Mbit/s ansteigen. Diese höhere Bandbreite
 wird einerseits durch die zunehmende Verfügbarkeit und den Ausbau von Breitband-
 netzen, andererseits durch die ständig steigende Verbrauchernachfrage nach Diensten
 mit hoher Bandbreite wie VoD und IPTV getrieben (siehe Abbildung 18). Prognosen von
 Cisco Systems und Experten gehen davon aus, dass der IP-Verkehr ständig schneller und
 jährlich um 43 Prozent steigen wird, so dass er sich alle 1,4 Jahre verdoppelt. Die wich-
 tigste treibende Kraft bei diesem Wachstum ist die steigende Nachfrage nach Videodiens-
 ten (Internetvideos auf dem PC, Internetvideos im Fernsehen, IPTV). Der Videoanteil
 des IP-Verkehrs macht 41 Prozent des gesamten Verkehrs aus. Bis zum Jahr 2012 soll er
 aufgrund der steigenden Verbreitung von IPTV und Internetvideos am Computer schät-
 zungsweise aber bereits 61 Prozent betragen. In den USA sehen sich z. B. 70 Prozent
 der Internetnutzer29 Videos im Internet an und die Tendenz ist steigend. Die Trends in
 Europa sind ähnlich.

 Videobezogene Anwendungen setzen weit größere Bandbreiten voraus als die Übertra-
 gung text- oder sprachbezogener Daten. Für einen einzigen High Definition (HD)-Video-
 stream braucht man 7 bis 9 Mbit/s. Für einen Standard Definition (SD)-Stream reicht
 hingegen ein Viertel der Bandbreite, also etwa 2 Mbit/s (siehe Abbildung 19). Andere
 typische Online-Anwendungen wie Internetbrowser, Internet-Telefonie (VoIP) und VoD
 profitieren zwar von Bandbreiten über 3 Mbit/s, der Qualitätsunterschied ist aber kaum
 wahrnehmbar.




 28
      IDC 2009, Western European Consumer Broadband Access Services Market Analysis 2009-2013
 29
      Bain-Umfrage unter US-amerikanischen Kunden




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Amtsblatt der Bundesnetzagentur
                                                                  für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
2320                                                    – Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur –                                       12 2010



                                                                                                                                                        Oktober 2009




Abbildung 18: Videonutzung über das Internet steigt rapide an

IP-Fluss durch Kunden pro Segment
(Petabytes pro Monat)                                                                                                                                              CAGR

10.000                                                                                                                                                             46%
                                                                                                                                    8.660
                                                                                                                                    Sonstige
  8.000
                                                                                                                                      IPTV                         72%
                                                                                                                   6.877
                                                                                                                                    Video am TV
                                                                                                                                                                   106%
  6.000
                                                                                                    5.137                             Video                        64%
                                                                                                                                      to PC
                                                                                                                                                   Videokommuni-
                                                                                                                                                   kationen        53%
  4.000                                                                            3.553                                                           VoIP            36%
                                                                                                                                                   Online-Spiele
                                                                   2.572                                                                                           19%
                                                                                                                                      File
                                                                                                                                    sharing/                       36%
                                                  1.829
  2.000                                                                                                                               P2P
                                    897
                    557                                                                                                             Web,
                                                                                                                                   mail, data                      38%
         0
                   2006A         2007A           2008F            2009F            2010F           2011F           2012F            2013F
Web, E-Mail, Daten: inklusive Web, E-Mail, Sofortnachrichten, Newsgroups und Datentransfers (exkl. P2P und kommerzielle Datentransferprogramme wie iTunes)
P2P: inklusive Peer-to-Peer-Kommunikation auf allen anerkannten P2P-Systemen wie BitTorrent, eDonkey etc.
Spiele: inklusive Online-Spiele, vernetze Spielkonsolen und Mehrspieler-Spiele in virtuellen Welten
Videokommunikation: inklusive PC-basierter Videotelefonie, Nutzung von Webcams und Web-basierter Videoüberwachung
VoIP: inklusive Nutzung von einzelnen VoIP-Diensten und PC-basiertem VoIP, exklusive Wholesale-VoIP
Internetvideos auf dem PC: kostenfreies oder kostenpflichtiges Fernsehen oder VoD, die auf dem PC angesehen werden, ausgenommen Videodownloads über P2P
Internetvideos im Fernsehen: kostenfreies oder kostenpflichtiges Fernsehen oder VoD, die über das Internet aber auf einem Fernsehbildschirm mittels STB oder
Mediennetzübergangseinrichtung angesehen werden
IPTV: Kommerzieller TV-Service innerhalb des Angebots eines einzelnen Anbieters
Zu beachten: Kabel-VoD wurde außer Acht gelassen
Quelle: Cisco (VNI FC & methodology 07-12 & 2008-2013 Informationsschrift)




Abbildung 19: Bandbreitenerfordernisse verschiedener Anwendungen

                                                              ANWENDUNGSBEISPIEL                                                                          Bandbreite
                                                                                                                                                        der Anwendung
Download Bandbreite/Nutzer (Mbit/s)

100


  50



  25                        Für gleichzeitige Nutzung von TV-Sendern,
                                 ED3.0 Kabel und FTTH vor VDSL                                          IPTV: Linear TV (HD)
                              wegen größerer maximaler Kapazität                                        (pro Stream)                                    ~8–10 Mbit/s
  20


  15                                                                         IPTV: Linear TV (SD)                                                       ~3–4 Mbit/s
                                                                             (pro Stream)
  10                                                              IPTV: VoD                                                                             ~2–3 Mbit/s

                                                         Telefon (VoIP)                                                                                 ~2 Mbit/s
    5                                                                                                                                                   ~1–2 Mbit/s
                   Email/www                                                                                                                            ~0,1–1 Mbit/s
    0
             ‘01     ‘02      ‘03      ‘04       ‘05      ‘06       ‘07      ‘08       ‘09      ‘10       ‘11      ‘12       ‘13      ‘14         ‘15

                                                                          Jahr
Quelle: Marktberichte




                                                                                                                                                                         41


                                                                                                                                                                              Bonn, 30. Juni 2010
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