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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Amtsblätter bis 2018“
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für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
3340 – Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – 19 2010
Festlegung der Präsidentenkammer vom 16.09.2010
Geschwärzte Fassung
Der Kritik der DT AG an der Marktpotenzialbetrachtung der Bundesnetzagentur, die aus-
schließlich die faktischen Anbieter berücksichtigt, übersieht, dass sich eine Marktanteilsbe-
rechnung auf tatsächlich oder erwartete Fakten zu beziehen hat. Die Wettbewerblichkeit auf
den Bitstromzugangsmärkten kann nur von tatsächlichen und zukünftig realistisch zu erwar-
teten Anbietern geprägt sein. Die Angebote regionaler Anbieter, die unabhängig von Regulie-
rungshandeln ihre Pläne, auf den Bitstromzugangsmarkt einzutreten, offenbart haben, sind
indirekt über die Untersuchung der Wettbewerblichkeit der Endkundenmärkte berücksichtigt.
I.1.2.1 Markt für Layer-2-Bitstromzugang (Marktanteile)
Auf dem Layer-2-Bitstromzugangsmarkt sind alle Bitstromzugangsangebote mit einer Über-
gabe auf der Layer-2-Ebene zusammengefasst. Die physische Übergabe kann entweder am
Breitband-PoP, d.h. am Ausgang des Konzentratornetzes erfolgen oder auf einer Netzebene
näher am Endkunden, z.B. am HVt oder am AGS 1.
Entsprechend der oben geschilderten, mit einer auf überregionale Angebote bezogenen Be-
trachtungsweise wurde auf dem Layer-2-Bitstromzugangsmarkt nur ein alternativer Anbieter
identifiziert, der überregional Bitstromzugang mit Übergabe auf Layer-2-Ebene anbietet und
dies auch BuG: ... .
Seit August 2008 bietet auch DT AG aufgrund einer Zugangsverpflichtung Bitstromzugang
mit Übergabe auf der Layer-2-Ebene (ATM-Bitstromzugang) an. Mangels tatsächlich abgeru-
fener Nachfrage wurden bisher zu diesem Produkt noch keine Absätze und Umsätze faktu-
riert.
Die in Tabelle 6 dargestellten tatsächlich fakturierten Absätze auf dem Layer-2 Bitstrom-
zugangsmarkt lassen vermuten, dass es sich hier bisher zum einen um einen Nischenmarkt
handelt. Zum anderen werden auf diesem erst entstehenden Markt bisher ausschließlich
ATM-Bitstromzugangsprodukte angeboten. Diese Übergabetechnologie scheint weitgehend
überholt. Dennoch ist der grundsätzliche Bedarf eines Layer-2-Bitstromzugangsproduktes
zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Frage zu stellen. Die Geschäftskundenanbieter, zusammen-
gefasst im IEN, bestätigen nach wie vor den Bedarf nach einem hochqualitativen Bitstrom-
zugangsprodukt. Die sehr geringe Marktaktivität ist vor allem darauf zurückzuführen, dass
der einzige flächendeckende Anbieter dieses Produktes erst im Sommer 2008 ein Angebot
für ein ATM-Bitstromzugangsprodukt auf dem Markt platziert hat. Offensichtlich scheint die
Akzeptanz dieses derzeit erhältlichen Produktes, auch wegen bestimmter qualitativer Be-
schränkungen dieses Angebots, aber auch wegen der erwarteten Migration auf die Ethernet-
transporttechnologie, sehr gering. Ein Layer-2-Produkt wird von dieser Gruppe jedoch nach
wie vor dringend gefordert203.
203 BuG: … .
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Tabelle 6: Absätze auf dem Layer-2-Bitstromzugangsmarkt
BuG:
Absatz auf dem Markt für Layer-2-Bitstromzugang
Gemessen in DSL-Anschlüsse in Stück
2006 2007 1Q2008 2008 1H.2009
Über Bitstromzug-
gang vermarktete
... ... ... ... ...
DSL-Anschlüsse
altern. Anbieter
Bitstrom- ...
... ... ... ...
Anschlüsse DT AG
Absätze gesamt ... ... ... ... ...
Marktanteil DT AG -- -- -- -- --
Umsatzerlöse/Marktanteil bisher nicht verfügbar, da nur sehr rudimentäre Angaben der Carrier
Bei der Marktanalyse der Festlegung des Marktes 12 (alt) wurden noch 13 Anbieter identifi-
ziert, die überwiegend auf regionaler Ebene geringe Mengen von Bitstromzugangsprodukten
mit ATM-Übergabe zu Verfügung stellten. In der jetzigen Marktdatenabfrage gab neben Ar-
cor/Vodafone nur noch ein weiterer Carrier an, auf regionaler Ebene ein ATM-Bitstromzu-
gangsprodukt zu veräußern. Da dieser Carrier nur sehr geringe Mengen (3-stellig) in einer
eng begrenzten Region anbietet, wird dieses Angebot entsprechend der Vorstellung, dass
ein Bistromzugangsanbieter überregionale Angebote machen muss, um dem Interesse des
Nachfragers nach Bitstromzugang nach einer überregionalen bis flächendeckenden Er-
schließung von Endkunden nachkommen zu können, nicht berücksichtigt.
Mangels eines überregionalen bzw. flächendeckenden Bitstromzugangsangebotes basierte
die Marktanalyse in der Festlegung des Marktes 12 vor allem auf Daten aus dem Teilneh-
meranschlussbereich und der Breitbandzuführung. Die getrennte und parallele Betrachtung
beider Leistungsbereiche der Breitbandversorgung war damals der Tatsache geschuldet,
dass Anschluss und Dienst (darstellbar über den Datentransport) getrennt vermarktet wur-
den. Auch bei der aktuellen Analyse des Layer-2-Marktes kann aufgrund fehlender Ange-
bots- und Nachfrageströme nicht auf realisierte Absatz- und Umsatzdaten abgestellt werden.
Mittlerweile werden aber Anschluss und Dienst nicht mehr getrennt, sondern ausschließlich
als Bündelprodukt angeboten. Das Angebot eines Breitbandanschlusses beinhaltet auch
gleichzeitig den Zugang zu einem oder mehreren Breitbanddiensten. Entsprechend genügt
es bei der Analyse der Layer-2-Bitstromzugangsmärkte, insbesondere zur Bewertung einer
möglichen Marktanteilsverteilung, auf die vermarkteten DSL-Anschlüsse bzw. Teilnehmeran-
schlüsse abzustellen. Obwohl aktuell nur ein alternativer Bitstromzugangsanbieter dieses
Produkt überregional auf ATM-Ebene anbietet, werden hier alle tatsächlich überregional Bit-
stromzugang bereitstellenden Carrier in die Betrachtung mit einbezogen, weil sie theoretisch
ein solches Produkt bereitstellen können. Tabelle 7 gibt einen Überblick über die Entwicklung
der vermarkteten DSL-Anschlüsse und Teilnehmeranschlüsse aller Bitstromzugangsanbie-
ter, die in Summe hier als Potenzial des Bitstromzugangsmarktes verstanden werden.
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3342 – Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – 19 2010
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Tabelle 7: Eigenerzeugung überregionale Bitstromzugangsanbieter
BuG:
Eigenerzeugte Anschlüsse Bitstromzugangsanbieter
in Stück
2006 2007 1Q2008 2008 1H.2009
vermarktete DSL-
Anschlüsse altern.
... ... ... ... ...
Bitstrom-Anbieter
Vermarktete Teil-
nehmeranschlüsse
... ... ... ... ...
altern. Bitstrom-
Anbieter
DSL-Anschlüsse DT
... ... ... ... ...
AG
Vermarktete Teil-
nehmeranschlüsse ... ... ... ... ...
DT AG
DSL-Absätze Bit-
... ... ... ... ...
stromanbieter gesamt
TAL-Absätze Bit-
stromanbieter ... ... ... ... ...
gesamt
Marktanteil DT AG
> 80,00% > 80,00% > 75,00% > 70,00% > 70,00%
DSL-basiert
Marktanteil DT AG
> 90,00% > 90,00% > 85,00% > 85,00% > 80,00%
TAL-basiert
Die Übersicht zeigt, dass die DT AG an dem hier definierten Potenzial eines Bitstromzu-
gangsmarktes, dargestellt über die erzeugten und an Endkunden oder Vorleistungskunden
vermarkteten DSL-Anschlüsse oder Teilnehmeranschlüsse, einen überragenden Anteil hat,
wenngleich es den alternativen Bitstromzugangsanbietern gelingt, der DT AG Anteile bei der
Vermarktung von DSL-Anschlüssen und Teilnehmeranschlüssen abzunehmen. Aufgrund der
Datenlage ist eine Aussage über den Trend dieser Entwicklung schwer möglich. Die Markt-
anteilsverluste der DT AG bei den TAL-basierten Absätzen basieren auf zwei Effekten:
1. Es sind hier relative Gewinne der alternativen Bitstromzugangsanbieter bei der Vermark-
tung der Teilnehmeranschlüsse zu verzeichnen.
2. Die Zahl der von der DT AG vermarkteten Teilnehmeranschlüsse wird durch die noch
wachsende Nachfrage nach Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung durch alle Carrier
stetig reduziert und hier indirekt durch die Verwendung dieser Residualgröße (Gesamt-
zahl aller Teilnehmeranschlüsse – gemietete Teilnehmeranschlussleitung durch übrige
Carrier, die nicht Vorleistungsanbieter sind) berücksichtigt.
Insgesamt muss aber davon ausgegangen werden, dass der DT AG Mitte 2009 ca. 70% des
DSL-Anschlusspotenzials und mehr als 80% des Teilnehmeranschlusspotenzials aller auf
den Bitstromzugangsmärkten tätigen überregionalen Anbieter zuzurechnen sind. Über diese
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kann die DT AG kurzfristig flächendeckend Bitstromzugangsleistungen bereitstellen. Alterna-
tiven Anbietern gelingt die Ausweitung ihres Angebots nur über die Anmietung der Teilneh-
meranschlussleitung, die sie aber ausnahmslos nicht flächendeckend erschlossen haben.
Auch werden sich die Zuwächse bei der Vermarktung der Teilnehmeranschlussleitung bis
Ende 2009 halbiert haben. Dies ist ein Indiz dafür, dass dieses Vorleistungsprodukt mögli-
cherweise an die Grenzen der Marktexpoloration stoßen wird. Die zu erwartende NGA-
Migration wird hieran auch ihren Anteil haben. Von daher ist es wahrscheinlich, dass die DT
AG auch in der Zukunft über hohe Marktanteile auf diesem Markt verfügen wird. Die im
Rahmen von Kooperationen auch von alternativen Carriern geplante Errichtung von VDSL-
Anschlüssen und reinen Glasfaseranschlüssen ist zahlenmäßig nicht so umfassend, dass
sich an dieser Einschätzung grundlegend etwas ändern wird204.
Zwischenergebnis
Auf dem Layer-2-Bitstromzugangsmarkt muss von hohen bis überragenden Marktanteilen
der DT AG auch in einem zukunftsgerichteten Ansatz ausgegangen werden.
I.1.2.2 Markt für Layer-3-Bitstromzugang (Marktanteile)
Anders als in der Analyse der Festlegung des Marktes 12 (alt) gibt es aktuell neben der DT
AG drei weitere alternative Vorleistungsanbieter, die überregional Bitstromzugangsleistungen
mit Übergabe auf Layer 3 (IP-Bitstromzugang) bereitstellen. 2006 gab es einen überregiona-
len Anbieter (QSC), der Bitstromzugang mit Übergabe auf IP Ebene (Layer-3 Ebene) ange-
boten hat, seit 2007 vermarktet auch Telefónica diese Vorleistung, 2008 ist noch Ar-
cor/Vodafone als möglicher Layer-3-Bitstromzugangsanbieter bzw. als Anbieter von „simple
Resale“ aktiv geworden. Die Bitstromnachfrager können hierbei individuell entscheiden, ob
sie die Produkte der alternativen Bitstromzugangsanbieter regional an mehreren Breitband-
PoP oder überregional an einem Übergabepunkt übernehmen wollen. Die DT AG bietet ih-
rerseits – als einzige flächendeckend - seit Juli 2008 eine entgeltregulierte Bitstromzugangs-
leistung mit IP-Übergabe an 73 Breitband PoP und auf freiwilliger Basis eine IP-Bitstromzu-
gangsleistung mit Übergabe an einem Punkt (WIA Gate) an.
Tabelle 8 und Tabelle 9 zeigen die seit 2006 über IP-Bitstromzugang bereitgestellten DSL-
Anschlüsse und die mit dem Vorleistungsprodukt generierten Umsatzerlöse.
204 Mit Stand Mai 2009 war geplant, dass etwa BuG: … Anschlüsse auf Basis der FTTC/FTTB Infrastruktur als
VDSL-Anschlüsse errichtet werden sollen. Knapp BuG: … dieser Anschlüsse sollen von alternativen Anbie-
tern erstellt werden. Dies ist weniger als ein Prozent aller im Jahre 2009 vermarkteten Anschlüsse. Eine te-
lefonische Abfrage bei bekannten FTTH-Anschlussnetz-Betreibern ergab, dass aktuell < 100.000 reine
FTTH-Anschlüsse ausgebaut waren.
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Tabelle 8: Absätze auf dem Layer-3-Bitstromzugangsmarkt
BuG:
...
2006 2007 1Q2008 2008 1H.2009
Über Bitstromzugang
vermarktete DSL-
... ... ... ... ...
Anschlüsse altern.
Anbieter
Bitstrom-Anschlüsse ...
... ... ... ...
DT AG
Absätze gesamt ... ... ... ... ...
Marktanteil DT AG -- -- -- > 40,00% > 45,00%
Tabelle 9: Umsätze Layer-3-Bitstromzugangsmarkt
BuG:
Umsatzerlöse auf dem Markt für Layer-3-Bitstromzugang
1000 Euro
2006 2007 1Q2008 2008 1H.2009
Umsatzerlöse.
... ... ... ... ...
altern. Anbieter
Umsatzerlöse DT ...
... ... ... ...
AG
Umsatzerlöse
... ... ... ... ...
gesamt
Marktanteil DT
-- -- -- > 10,00% > 35,00%
AG
Die oben dargelegte Historie dieses Vorleistungsmarktes macht deutlich, dass erst seit Mitte
2008 ein flächendeckendes Bitstromzugangsprodukt angeboten wird und dass die Bitstrom-
zugangs-Angebote aller Anbieter erst seit 2008 für den Markt als signifikant zu bezeichnen
sind. Ende 2008 waren dank der nunmehr erhältlichen IP-Bitstromzugangsangebote der
DT AG, aber auch aufgrund erheblicher Absatzsteigerungen der alternativen Anbieter, die
über Bitstromzugang realisierten DSL-Anschlüsse auf über BuG: ... Anschlüsse angestie-
gen. Im 1. Halbjahr 2009 stieg diese Absatzzahl nochmals über BuG: ... an. Haben Ende
des 1.Quartals 2008 die (alternativen) Bitstromzugangsanbieter etwa BuG: ... der Endkun-
den-DSL-Anschlüsse des Massenmarktes über dieses Vorleistungsprodukt bereitgestellt, so
waren es im 2. Halbjahr 2009 BuG: ... der DSL-Anschlüsse, die alternative DSL-
Anschlussanbieter auf dem Endkundenmarkt mit Hilfe dieser Vorleistung bereitstellen konn-
ten. (Dabei wurde angenommen, dass diese Layer-3 Bitstromzugangsprodukte bis dato in
erster Linie für die Erzeugung der Anschlüsse dieses Marktes in Frage kamen).
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Gleich nach den ersten Monaten des Markteintritts konnte die DT AG >40% der über IP-
Bitstromzugang nachgefragten DSL-Anschlüsse bereitstellen. Ein halbes Jahr später konnte
sie ihren Marktanteil nochmals leicht auf >45% steigern. Betrachtet man die noch kurze Zeit-
reihe der Angebote der DT AG, so zeigt sich, dass sich das Kundeninteresse offenbar von
der Nachfrage nach einem Bitstromzugangsprodukt mit regionaler Übergabe (an den 73
Breitband-PoP) zu einem (gebündelteren) Produkt mit überregionaler Übergabe (1 oder sehr
wenige Übergabepunkte) verlagert. Dieses Produkt bietet die DT AG freiwillig an. Sie ist hier
nicht entgeltreguliert. Diese Verlagerung der Nachfrage dürfte auch Ausfluss der unter Ab-
schnitt I.3.2.2 beschriebenen wettbewerblichen Auswirkungen BuG: ...
Ein Markt, auf dem zum Zeitpunkt der letztmaligen Datenerhebung (Juli 2009) seit erst knapp
einem Jahr flächendeckende Leistungsbeziehungen möglich sind, ist unstrittig als ein sich
gerade etablierender Markt zu verstehen. Dies belegen auch die in Tabelle 9 zusammenge-
fassten Zeitreihen der über Bitstromzugang getätigten Umsatzerlöse. Die Umsatzerlöse der
erst 2008 in den Markt eingetretenen DT AG erlauben noch keine Aussagen über Marktan-
teilsentwicklungen auf diesem Markt. 2008 hat sie offensichtlich nur BuG: ... . Aber auch im
2.Halbjahr sind die Umsätzanteile relativ niedriger als die nach Absätzen gemessenen Antei-
le. Ob dies Ausfluss der sehr niedrigen Bepreisung des freiwillig angebotenen Bitstromzu-
gangsproduktes WIA Gate (s.o.) ist, kann erst auf Basis einer längeren Zeitreihenbetrach-
tung valide bewertet werden. Eine vorausschauende Entwicklung ist auf dieser Datenbasis
schwer möglich. Hinzu kommen prognostische Unsicherheiten, die durch gerade erfolgte
oder in Kürze zu erwartende Marktkonsolidierungen205 hervorgerufen werden.
Entsprechend bedarf es hier ebenfalls für die vorausschauende Einschätzung der Marktan-
teilsentwicklung der Einbeziehung des Marktpotenzials, wie es in Tabelle 7 dargelegt ist.
Auch hier gilt entsprechend – wie bereits in der Analyse der Layer-2-Bitstromzugangsmärkte
erörtert – dass die DT AG auch in der Zukunft über hohe Marktanteile auf diesem Markt ver-
fügen wird. Auch unter Einbeziehung der HFC-Infrastruktur (TV-Kabelinfrastruktur), die als
dem Markt zugehörig angesehen wird, wird sich an dieser Einschätzung grundsätzlich nichts
ändern. Trotz Marktanteilsgewinnen ist für die Laufzeit dieser Marktanalyse nicht zu erwar-
ten, dass die Anbieter auf Basis dieser alternativen Infrastruktur soweit zur führenden DSL-
Anschlusstechnologie aufschließen können, dass sie die Marktführerschaft der DT AG auf
dem Massenmarkt gefährden können. DT AG hingegen wird ihre Marktposition durch den
signifikanten Ausbau reiner Glasfaserinfrastrukturen stärken.
Zwischenergebnis
Sowohl unter Berücksichtung der tatsächlichen Leistungsbeziehung des entstehenden Lay-
er-3-Bitstromzugangsmarktes und des Marktpotenzials, wie sie sich auch im Rahmen der
durch die Nacherhebung gewonnen Marktdaten bis einschließlich 1. Hj. 2009 darstellen,
205 Die Freenet AG ist mit ihrem DSL-Geschäft von der United Internet AG übernommen wurden, die Hansenet
GmbH ist nach Presseverlautbarungen Anfang 2010 von Telefónica übernommen worden.
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muss auf dem Layer-3-Bitstromzugangsmarkt von hohen Marktanteilen der DT AG auch in
einem zukunftsgerichteten Ansatz ausgegangen werden. Dies trotz alternativer Bitstromzu-
gangsangebote, die aber von keinem alternativen Anbieter flächendeckend und ohne Ab-
hängigkeit von den Vorleistungen der DT AG bereitgestellt werden können.
I.1.3 Ergebnis der Marktanteilsuntersuchung
Die hohen bis überragenden Marktanteile der DT AG auf den Bitstromzugangsmärkten sowie
die hohen Marktanteile auf den korrespondierenden Endkundenmärkten zeigen, dass das
Unternehmen das Potenzial hat, auf dem zukünftigen Layer-2-Bitstromzugangsmarkt und auf
dem Layer-3-Bitstromzugangsmarkt ein hohes Niveau an Marktmacht zu erzielen, d.h. hohe
Marktanteile zu sichern. Um abschließend die zu erwartende Marktmacht des Unternehmens
bewerten zu können, insbesondere, ob es Umstände gibt, die gegen eine zukünftige be-
trächtliche Marktmacht sprechen, bedarf es einer umfassenden Untersuchung aller wirt-
schaftlicher Kriterien, die für die hier zu betrachtenden Bitstromzugangsmärkte eine Rolle
spielen können206.
I.2 Leichter oder privilegierter Zugang zu Kapitalmärkten / finanziellen
Ressourcen
Die Möglichkeit eines Unternehmens, über Kapitalmärkte günstig Liquidität zu erhalten, wird
entscheidend durch seine Finanzkraft bestimmt. Diese hängt wiederum von einer Reihe un-
ternehmerischer Faktoren ab. Dies sind einerseits überwiegend quantitative Faktoren wie
Umsatzerlöse, Jahresergebnis, Eigenkapital, Finanzierungsstruktur, Cash-Flow aber auch
die Rechtsform etc. Der Cash-Flow ist eine Kennziffer über den Mittelzufluss aus dem Um-
satzprozess, aus der Einblicke in die Liquiditätslage und die finanzielle Entwicklung des Un-
ternehmens gewonnen werden können207. Sonstige Faktoren sind die Gestaltung des Rech-
nungswesens und sein Berichtswesen (z.B. Verwendung IAS-Standard), die Finanzkommu-
nikation, die Marktstellung, das Management usw. Aus Praktikabilitätsgründen beschränkt
sich diese Analyse auf die beiden Kenngrößen Umsatz und Cash-Flow. Sie geben aber hin-
reichenden Aufschluss über die hier zu klärenden Fragen nach den Zugangsmöglichkeiten
zu den Kapitalmärkten und nach den finanziellen Ressourcen eines Unternehmens.
Bei den derzeit auf den hier relevanten Märkten agierenden Unternehmen handelt es sich
einerseits um eher mittelständische Unternehmen, die in ihrer Finanzkraft, zunächst abzule-
sen an ihren Umsatzerlösen, der DT AG weit unterlegen sind. Andererseits sind in diesem
206 Vgl. Leitlinen Rn. 78.
207 In vereinfachter Form wird als Cash-Flow die Summe aus Periodengewinnen, Abschreibungen und Rück-
stellungen der Periode bezeichnet.
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Bereich aber auch multinationale Unternehmen tätig, die größenmäßig mit der DT AG ver-
gleichbar sind.
Auf den hier untersuchten Breitbandmärkten (Vorleistungs- und Endkundenebene) sind ins-
besondere folgende Unternehmen näher zu betrachten, die mit der DT AG annähernd ver-
gleichbare Gesamtumsätze haben und Teil von großen Konzernverbünden sind.
o Arcor AG u. Co KG (Vodafone Group Plc.)
o Colt Deutschland GmbH (Colt Telecom Group)
o Freenet AG
o Hansenet Telekommunikation GmbH (Telecom Italia S.p.A. bis Ende 2009)
o Telefónica 02 Deutschland GmbH (Telefónica Group)
o QSC AG
o 1&1 Internet AG (United Internet AG)
Die nachfolgende Tabelle stellt die Gesamtumsatzerlöse all dieser Unternehmen und ihrer
Konzerne sowie deren Cash-Flow gegenüber.
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Tabelle 10: Gesamtumsätze und Cash-Flow der größten Unternehmen und ihrer Konzer-
ne auf den Breitbandmärkten
BuG:
Umsät- Unternehmen In Deutschland Konzern
ze
2006 2007 1Q/08 2008 1.Hj09 2006 2007 1Q/08 2008 1.Hj 09
Endkun
DT AG
Gesamt ... ... ... ... ... 61.347 62.516 14.978 61.700 32.140
Cash ... ... ... 14.222 16.981 3.768 17.600 7.800
Arcor/Vodafone
Gesamt ... ... ... ... ... 36.667 41.829 n.v. 48.359 n.v.
Cash ... ... ... ... ... 12.177 12.349 n.v. 14.399 n.v.
Colt Telecom GmbH/ Colt Telecom Corp.ltd
Gesamt ... ... ... 1.801 1679,6 ... 1,675 n.v.
Cash ... ... ... 19,1 37,3 ... 45,7 n.v.
Freenet AG
Gesamt ... ... ... ... ... 2.055 1.863 n.v. ... ...
Cash ... ... ... ... ... 144 285 n.v. ... ...
Hansenet/ Telecom Italia
Gesamt ... ... ... ... ... 31.880 31.770 n.v. 30.158 13.953
Cash ... ... ... ... ... 9.194 8.771 n.v. 8.405 2.170
QSC AG
Gesam- 263 335 97 413 211
Cash 11 56 49 60 38
Telefónica O2 Deutschland GmbH/ Telefónica Group
Gesam- ... ... ... ... ... 52.901 56.441 n.v. 57946 n.v.
Cash ... ... ... ... ... 15.414 15.551 n.v. 16.366 n.v.
1& 1 Internet AG/ United Internet AG
Gesamt ... ... ... ... ... 1.019 1.279 ... ... ...
Cash ... ... ... ... ... 170 210 ... 210 126
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Tabelle 10 zeigt, dass die DT AG in Deutschland im Vergleich zu allen großen Wettbewer-
bern auf dem deutschen Markt mit Abstand die höchsten Gesamtumsätze erzielt. Ein Ver-
gleich der Umsätze der jeweiligen Konzerne verdeutlicht allerdings, dass hier die Umsatzvo-
lumina stärker angenähert sind, wenngleich der Konzern DT AG auch hier die höchsten Um-
sätze erzielt. Beim Cash-Flow gibt es zwei weitere Konzerne, die operativen Cash Flow in
ähnlicher Größenordnung erwirtschaften konnten.
Insgesamt ist die Finanzkraft der DT AG als bedeutend anzusehen, aber es gibt mindestens
zwei weitere ähnlich finanzstarke Wettbewerber (Telefónica O2/Vodafone).
Bei hohen Marktanteilsabständen, wie sie zumindest auf den Endkundenmärkten zwischen
DT AG und alternativen Anbietern erkennbar sind, müssen die Wettbewerber der DT AG
jedoch über eine überragende Finanzkraft verfügen, um überhaupt die vorhandenen Markt-
anteilsabstände aufzuholen. Hinzu kommt, dass die Wettbewerber zunächst einmal umfang-
reiche Investitionen tätigen müssen, um auf dem vorliegenden Markt tätig zu werden oder
auch nur eigene Breitbandnetze aufzubauen.
Allerdings ist zu beachten, dass im Rahmen der derzeitigen Netzmigrationen in Richtung
Next Generation Networks viele Netzbetreiber -auch die DT AG - Netzinvestitionen vorneh-
men.
Ergebnis
Ob dieses Kriterium für beträchtliche Marktmacht der DT AG spricht oder eher neutral zu
werten ist, kann dahingestellt bleiben, wenn im Ergebnis auch ohne Berücksichtigung dieses
Kriteriums eine beträchtliche Marktmacht zu bejahen wäre.
I.3 Marktzutrittsschranken und Expansionshemmnisse; Kontrolle über nicht
leicht zu duplizierende Infrastruktur
Die Feststellung der beträchtlichen Marktmacht hängt auch davon ab, wie leicht der Markt-
zugang ist. Als Marktzutrittsschranken können auf den hier zu betrachtenden Vorleistungs-
märkten aber auch auf den korrespondierenden Endkundenanschlussmärkten vor allem
strukturelle Barrieren auftreten. Strukturbedingte Zugangshindernisse ergeben sich aus der
unterschiedlichen Kosten- oder Nachfragesituation, die zu Ungleichgewichten zwischen
etablierten Betreibern und Einsteigern führen, wodurch der Marktzugang für neu in den Markt
eintretende Anbieter behindert oder verhindert wird208.
Insbesondere die Kontrolle über eine nicht leicht zu duplizierende Infrastruktur ist als ein für
das Vorliegen einer Marktbeherrschung sprechender Faktor anzusehen209. Es handelt sich
208 So Erwägungsgrund 11 zur Märkte-Empfehlung.
209 Vgl. Leitlinien, Rn. 78.
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