abl-05
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Amtsblätter bis 2018“
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
|
5 2007
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – 767
Geschwärzte Fassung
Seite 54 von 106
Die Wettbewerbsbedingungen sind aufgrund übereinstimmender Angebots- und Nachfrage-
merkmale für beide Produktarten vergleichbar.
Anbieter von Internetfestverbindungen und Premiumanschlussprodukten sehen sich einer ähnli-
chen Nachfragerstruktur gegenüber. Die Anbieter zielen immer auf Kunden, die Qualitätskrite-
rien höher bewerten als Preiskriterien. Dies sind in erster Linie - wenn auch nicht ausschließlich
- gewerbliche Kunden, die ein im Hinblick auf Qualität hochwertiges Anschlussprodukt nachfra-
gen und auch besondere Ansprüche an Beratungs- und Serviceleistungen haben. Gleiches gilt
für die Anbieterstruktur. Anbieter beider Produkte decken sich überwiegend. Für beide Produkte
verfolgen sie ähnliche Marketingstrategien (Betonung der Service Levels und Angebot in Hoch-
preissegmenten). Von daher kann für diese Produkte von homogenen Wettbewerbsbedingun-
gen ausgegangen werden.
Ergebnis
Im Hinblick auf die Homogenität der Wettbewerbsbedingungen und die dargelegten Substituti-
onsbeziehungen sind Internetfestverbindungen bis 2 Mbit/s Bandbreite und DSL-Premium-
Anschlüsse einem gemeinsamen Markt zuzuordnen.
d. Kabelanschlüsse und DSL-Anschlüsse ein Markt?
Der Anschluss zur Übertragung breitbandigen paketvermittelten Verkehrs mit Hilfe eines Mo-
dems über die HFC-Infrastruktur bis zum BreitbandPoP wird im folgenden als Kabelanschluss
bezeichnet ( vgl. Abbildung H-7). Diese Kabelanschlüsse ermöglichen ähnliche Übertragungs-
geschwindigkeiten bei in der Regel asymmetrischen Bandbreiten wie ein ADSL-Anschluss. Die
„always on“ Funktionalität ist gegeben, auch ist unabhängig von der Nutzung dieses Anschlus-
ses ein Telefonanschluss nutzbar. Diese Anschlüsse ermöglichen Zugang zu den gleichen
Hochgeschwindigkeitsdiensten wie ein ADSL-Anschluss. Das Anschlusspreisniveau liegt deut-
lich niedriger als bei ADSL-Preisen. Einige Preise für diese Anschlüsse liegen am unteren Level
von ADSL-Anschlüssen 91. Manche Anbieter, die diesen Anschluss im Bündel mit dem TV-
Kabelanschluss anbieten, verzichten auf eine zusätzliche Bepreisung dieses Anschlussproduk-
tes.
91
Vgl. Preisübersichten im Anhang 2, Abbildung VI-4 (ADSL-Anschlusspreis htp = 7,07 €, Kabelanschlusspreis Ka-
beldeutschland: 5,83 €)
Bonn, 7. März 2007
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
768
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – |
5 2007
Geschwärzte Fassung
Seite 55 von 106
Abb. H-7: Schema eines Kabelanschlusses
IP CablePOP
CMTS
IP-Backbone
CM
Ü
Netzebene 4 Netzebene 3
Der deutsche TV-Kabelmarkt ist durch eine Zweiteilung der Netzstrukturen geprägt. Er ist in eine
Zuführungsebene „Netzebene 3“ und ein lokale Verteilebene „Netzebene 4“ unterteilt (Vgl. Abb.
H-7). Die Netzebene 3 wird in Deutschland im Wesentlichen von vier großen Regionalgesell-
schaften betrieben, die nur teilweise direkte Endkundenbeziehungen unterhalten, (von den rund
18 Mio. versorgten Haushalten sind nur ein Drittel eigene Endkunden) 92. Die Netzebene 4, so-
zusagen die letzte Meile, wird entsprechend überwiegend von lokalen Netzbetreibern geprägt,
die wiederum in sogenannte professionelle mittelständische Betreiber und Wohnungswirtschaft-
unternehmen 93 zu unterteilen sind. Diese Fragmentierung der Netzebenen könnte Ursache für
die bisher zögerlichen Angebote von interaktiven Diensten (z.B. Internetzugang) über TV-
Kabelnetze sein, die für diese Anwendungen zunächst rückkanalfähig gemacht werden müssen.
Ein flächendeckendes Kabelanschlussangebot gibt es nicht. Daran dürfte sich auch zukünftig
nichts ändern. Dennoch bieten zunehmend mehr Regionalgesellschaften und mittelständische
Netzbetreiber über die HFC-Infrastruktur (= Kabelanschlüsse) Internetzugänge aber auch VoIP-
Dienste an. Diese Kabelanschlüsse ermöglichen genau wie DSL-Anschlüsse Zugang zu breit-
bandigen Diensten. Es handelt sich hierbei ausschließlich um asymmetrische Anschlüsse auf
best effort Basis, die mit ähnlichen Übertragungsgeschwindigkeiten angeboten werden, wie
ADSL-Anschlüsse. Sie bieten Zugang zu Diensten, die mit DSL-Diensten identisch sind. Die
Kabelanschlüsse treten damit in direkte Substitutionsbeziehungen zu ADSL-Massenmarkt-
Anschlüssen.
Ein hypothetischer Monopolist, der den Preis für den ADSL-Anschluss um 10% erhöht, muss
fürchten, dass so viele Nachfrager zu Kabelanschlüssen wechseln, dass die rückläufigen Nach-
fragemengen den Erlöszuwachs durch den erhöhten Preis überkompensieren. Umgekehrt wer-
den sich Nachfrager von Kabel-Anschlüssen, zum Wechsel zu ADSL-Anschlüssen veranlasst
sehen, sollte der Kabelanschluss-Preis steigen. Eine Austauschbarkeit zwischen Kabelan-
schlüssen und ADSL-Anschlüssen ist aus Nachfragersicht zu bejahen, soweit beide Angebote
gleichzeitig erhältlich sind.
Drei Parteien sehen in Kabelanschlüssen kein Substitut zu ADSL-Anschlüssen. Dem Produkt
fehle es wegen mangelnder Verfügbarkeit und der Tatsache, dass es sich um ein „Shared Medi-
um“ handele an Akzeptanz. Die Bundesnetzagentur kann dieser Einschätzung nicht folgen. Die
92
ANGA-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Charissé, „ In der Kabelbranche tritt das schnelle Internet gegen digitale
Fernsehprogramme an“, Gastbeitrag Frankfurter Rundschau v. 16.06. 2003
93
Vgl. ANGA Position 2004 zur Entwicklung des deutschen Breitbandkabelmarktes
Bonn, 7. März 2007
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
|
5 2007
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – 769
Geschwärzte Fassung
Seite 56 von 106
meisten Werbeangebote der Kabelanschlussanbieter präsentieren sich als Alternative zu DSL-
Anschlüssen. Die geringen Anschlusszahlen bei Kabelanschlüssen sind auch eher auf fehlende
Angebote als auf fehlende Nachfrage zurückzuführen. Dort wo Angebote am Markt platziert
werden, gibt es auch Nachfrage. Die Verdopplung der Zahl dieser Anschlüsse von 2003 auf
2004 kann dafür als Beleg gelten.
Genau wie auf der Vorleistungsebene ist eine Angebotsumstellungsflexibilität für Anbieter von
Kabelanschlüssen und DSL-Anschlüssen nicht gegeben (Vgl. HI.b).
Übereinstimmende Angebots- und Nachfragemerkmale sind teilweise zu bejahen. Dies gilt un-
eingeschränkt für die Nachfrageseite. Sowohl Kabelanschlüsse und als auch ADSL-Produkte
werden überwiegend von Privatkunden nachgefragt. Seitens der Anbieter dürften ähnliche Mar-
ketingstrategien angewendet werden.
Ein Vergleich der Anschlusspreise mit den Preisen von DSL-Anschlüssen ist nur bedingt mög-
lich. Kabelanschlüsse werden ausnahmslos als Bündelprodukt angeboten. Nur wenige Anbieter
weisen ein Anschlussentgelt aus. Andere geben sogar an, dass sie ein vom Diensteentgelt oder
vom TV-Kabelanschluss separiertes Anschlussentgelt nicht kalkulieren. Bei diesen Anbietern
fällt dann nur ein einmaliges Bereitstellungsentgelt an, dass bei dem Preisvergleich annualisiert
dargestellt wird. Aus diesem Grunde liegt der Durchschnittspreis für einen Kabelanschluss deut-
lich niedriger (bei ca. 2,13 €) als der Durchschnittspreis für einen ADSL-Anschluss (15,16 €) 94.
Bei den Bündelpreisen, d.h. beispielsweise Internetzugang plus Anschlusspreis, liegen die Ka-
belanschluss basierten Dienste im Bereich der DSL-basierten Dienste und sogar darüber. Dies
legt den Schluss nahe, dass beide Anschluss-Produkte durchaus vergleichbar sind und die deut-
lichen Anschluss-Preisunterschiede Ausfluss unterschiedlicher kalkulatorischer Ansätze sind.
Sie sind deshalb und auch weil sie vom Kunden, der nur den Bündelpreis kennt, nicht wahrge-
nommen wird, zu vernachlässigen.
Eindeutige Unterschiede gibt es hinsichtlich der Netztechnologie und der Übertragungstechnik.
Bei der Übergabe zur nächst höheren Netzebene (IP-Backbone) handelt es sich jedoch um i-
dentische Produkte. Die Anbieterstruktur unterscheidet sich aufgrund der beschriebenen Netz-
fragmentierungen der Kabelinfrastruktur von der ADSL-Anbieterstruktur. Vor diesem Hintergrund
kann man von bedingt homogenen Wettbewerbsbedingungen sprechen.
Ergebnis
Aufgrund der Austauschbarkeit aus Nachfragersicht und der in bestimmter Hinsicht konstatierba-
ren übereinstimmenden Angebots- und Nachfragemerkmale bilden Kabelanschlüsse und ADSL-
Massenmarkt Anschlüsse einen Markt.
e. Drahtlose Anschlüsse und DSL-Anschlüsse ein Markt?
Drahtlose oder Wireless Anschluss-Technologien nehmen eine Zwitterstellung zwischen Fest-
netz und Mobilfunk ein 95. Sie ermöglichen komplexere und schnellere Anwendungen als Mobil-
funkanschlüsse. Bei Wireless Anschlüssen (WLL) erfolgt, wie von WLL-Anbietern im Rahmen
der Marktdatenabfrage dargelegt, i.d.R. eine Punkt zu Multipunkt-Datenübertragung mit Hilfe
von Richtfunk. WLL-Anschlüsse können ähnlich wie DSL-Anschlüsse Zugang zu breitbandigen
Diensten eröffnen. Sie sind insbesondere geeignet, Alternativen für die „letzte Meile“ zu bilden.
Abbildung H-8 zeigt das Schema eines WLL-Anschlusses.
94
Vgl. Preisübersichten im Anhang 2: Abbildungen VI-3 und Abbildungen VI-4
95
Philipp Gerbert (VP AT Kearney): Breitband der Zukunft, in Funkschau 14/2004, S. 38
Bonn, 7. März 2007
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
770
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – |
5 2007
Geschwärzte Fassung
Seite 57 von 106
Abbildung H-8: Schema drahtloser Breitbandanschluss
Zum einen können drahtlose Anschlüsse eine Anschlusslösung für jene Regionen bilden, die
über breitbandige Festnetzanschlüsse nicht erschließbar sind. Zum anderen können Sie ein
Substitut zu bereits mit DSL-Anschlüssen erschlossenen Gebieten darstellen. Bisher gibt es nur
vereinzelte WLL-Angebote und nur eine geringe Nachfrage. 96 Dies mag zum einen an der ein-
geschränkten Reichweite liegen (vorhandene WLL-Anschlüsse setzen immer Sichtverbindungen
voraus). Zum anderen kann dies auch an den gravierenden Sicherheitslücken dieser Übertra-
gungsverfahren liegen 97 . WLL-Anschlüsse bieten gleiche Funktionalitäten wie DSL-Anschlüsse,
z.T. gleiche Anschluss- und Übertragungsqualitäten wie Premium-Anschlüsse. Da sie aber we-
gen vieler noch ungeklärter Sicherheitsfragen für gewerbliche Anbieter nur sehr bedingt eine
Lösung darstellen, dürften sie vor allem ein Substitut zu ADSL-Massenmarktanschlüssen bilden.
Die Kriterien sprechen überwiegend für eine Austauschbarkeit aus Nachfragersicht. Eine Ange-
botsumstellungsflexibilität ist aufgrund der technischen und rechtlichen Rahmenbedinungen
auszuschließen. Ein Anbieter von ADSL-Anschlüssen wird mit einem im Vergleich zu Festnetz-
anschlussinvestitionen zwar geringerem Investitionsaufwand auch drahtlose Anschlüsse anbie-
ten können. Allerdings sieht er sich technisch-rechtlichen Zugangshemmnissen gegenüber, die
aus der Tatsache resultieren, dass er Frequenzen benötigt, die eine knappe Ressource darstel-
len.
Ergebnis
Aufgrund der erkannten Nachfragesubstituierbarkeit werden WLL-Anschlüsse und ADSL-
Massenmarktanschlüsse einem Markt zugeordnet.
Die Bedeutung der drahtlosen Technologien wird möglicherweise wachsen, wenn die neue WI-
MAX-Technologie (World Interoperability for Microwave Access) Marktreife erlangt hat, die sich
jetzt in der Endphase der Standardisierung befindet. Dies wird für 2005 erwartet. Für diese
Marktuntersuchung konnten noch keine Daten zur WIMAX-Anschlusstechnologie erhoben wer-
den.
96
Vgl. Anhang 2: Tab. V-2 Angebote alternativer Technologien
97
Vgl. BSI-Studie:“Kommunikations- und Informationstechnik 2010: Neue Trends und Entwicklungen in Technolo-
gien, Anwendungen und Sicherheit“ 2003, SecuMedia Verlag Ingelheim, S.192
Bonn, 7. März 2007
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
|
5 2007
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – 771
Geschwärzte Fassung
Seite 58 von 106
f. Zwei-Wege-Satellitenanschlüsse und DSL-Anschlüsse ein Markt?
Eine weitere drahtlose „letzte Meile“ Anschlusstechnologie ist der bidirektionale, d.h. Zwei-
Wege-Breitband-Satellitenanschluss, der ebenfalls Zugang zu IP-basierten Diensten, insbeson-
dere Internet ermöglicht. Bei dieser Anschlusstechnologie werden die Daten des Endkunden
mittels einer Satellitenantenne, die über einen integrierten Sende- und Empfangskopf verfügt,
über einen Satelliten zu einer Bodenstation übertragen und dort in das IP-Backbone des jeweili-
gen Providers eingespeist und so beispielsweise in das world wide web übertragen. Umgekehrt
kann sich der Nutzer auf gleichem Wege Daten aus dem Internet herunterladen. Abbildung H-9
zeigt das Schema eines breitbandigen Satellitenanschlusses.
Abbildung H-9: Schema eines breitbandigen Satellitenanschlusses
S a te llit s e n d e t
u n d e m p f ä n g t D a te n
S a t- A n la g e
B o d e n s ta tio n
IP - B a c k b o n e
Theoretisch sind hier downstream Bandbreiten bis zu 8 Mbit/s und upstream bis zu 2 Mbit/s
möglich. Sie werden jedoch wegen beschränkter Satellitenkapazitäten, Wetterstörungen etc.
selten erreicht. Im Vergleich zum Festnetz DSL-Anschluss sind hier bestimmte Dienste wie
VPN, Online-Spiele, Filesharing oder Videostreaming wegen langer Reaktionszeiten nicht oder
nur sehr eingeschränkt nutzbar.
Dennoch gilt auch hier wie bei den anderen drahtlosen Breitbandanschlüssen, dass sie zum
einen eine Anschlusslösung für jene Regionen bilden können, die über breitbandige Festnetzan-
schlüsse nicht erschließbar sind. Zum anderen können Sie ein Substitut zu bereits mit DSL-
Anschlüssen erschlossenen Gebieten darstellen. Da im Rahmen dieser Marktanalyse nur ein
Unternehmen identifiziert wurde, dass Zwei-Wege-Satellitenanschlüsse anbietet, kann zum rela-
tiven Preisniveau und möglichen Substitutionswirkungen durch Preiserhöhungen keine valide
Aussage gemacht werden 98. Im Hinblick darauf, dass es sich bei den Zwei-Wege-Satelliten An-
schlussprodukten um asymmetrische Anschlussprodukte handelt, die keinerlei Qualitätsgaran-
tien bieten, sind Substitutionsbeziehungen mit ADSL-Massenmarktprodukten am wahrschein-
lichsten.
98
Vgl. Anhang 2: Preisübersichten, Anschlusspreise Satellitenanschlüsse, Abbildung VI-4
Bonn, 7. März 2007
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
772
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – |
5 2007
Geschwärzte Fassung
Seite 59 von 106
Ergebnis
Zwei-Wege-Satellitenanschlüsse, die asymmetrische Dienstezugänge auf best effort basis er-
möglichen, sind dem ADSL-Massenmarkt zuzuordnen.
g. Powerline Anschlüsse und DSL-Anschlüsse ein Markt?
Die Powerline Communications Technologie als Anschlusstechnologie erlaubt die Datenübertra-
gung über das vorhandene Stromnetz. Es handelt sich hierbei um eine breitbandige Übertra-
gung von Daten im Frequenzbereich 150 kHz bis 30 MHz entlang von Stromversorgungsleitun-
gen. Powerline könnte theoretisch Datenraten bis ca. 14 Mbit/s erreichen, sofern die gesamte
Bandbreite verwendet werden kann. Dies ist jedoch selten der Fall. Außerdem handelt es sich
hier um ein „shared medium“; d.h. mehrere Nutzer teilen sich eine Leitung. Aus diesem Grunde
dürfte die dem einzelnen Nutzer zur Verfügung stehende Bandbreite niedriger sein als die der-
zeit mit einem ADSL-Anschluss mögliche. In jedem Fall erfüllt die mit dieser Technologie mögli-
che Datenübertragungsrate die hier gefundene Mindestanforderung für Breitbandigkeit. Sie ist in
jedem Falle größer als 128 kbit/s. Powerlineanschlüsse werden in der Regel asymmetrisch auf
best effort basis angeboten.
Powerline hat sich in Deutschland bisher kaum durchgesetzt. 99 Neben den eher bescheidenen
Übertragungsraten dürften die mit dieser Technologie verbundenen Funkabstrahlungen (Stör-
feldstärken) einer umfassenderen Akzeptanz von Powerline im Wege gestanden haben.
Abbildung H-10 zeigt das Schema eines Powerline-Anschlussses.
Abbildung H-10: Schema eines Powerline-Anschlusses
Sprache/Daten/www (z.B. Glasfaser) IP-Backbone
Energie
10-20 kV~ 230 –
400 V~
Sprache/Daten+ Energie
Trafostation
Powerline wird in Deutschland derzeit nur in fünf Städten angeboten. Dort, wo diese Anschlüsse
erhältlich sind, können sie ein Substitut zu ADSL-Anschlüssen darstellen. Sie erlauben in glei-
cher Weise wie diese die Übertragung von IP-basierten Diensten, insbesondere Zugänge ins
Internet. Das Preisniveau 100 der wenigen Anbieter bewegt sich im Rahmen der Preisspanne, die
auch für einen ADSL-Anschluss aufgewendet werden muss.
Ergebnis
Powerline-Anschlüsse sind dem ADSL-Massenmarkt zugehörig zu qualifizieren.
Einige Parteien kritisieren im Rahmen ihrer Kommentare zum Konsultationsentwurf, dass alter-
native Infrastrukturen wie Zwei-Wege-Satellitenzugänge, Powerline und drahtlose Anschlüsse
mit in den ADSL-Massenmarkt einbezogen wurden. Sie sehen diese Anschlusstechnologien als
zu unbedeutend an oder verneinen Substitutionsbeziehungen zu ADSL-Anschlüssen. Die Bun-
desnetzagentur wird im Rahmen dieser Marktanalyse an der vorgenommenen Marktabgrenzung
festhalten. Im Rahmen des laufenden Marktanalyseverfahrens zu den Breitbandanschlussmärk-
99
Vgl. Anhang 2, Tab.V-2: Angebote auf Basis altern. Infrastrukturen
100
Vgl, Anhang 2 Preisübersichten Abbildg. VI-4 Anschlusspreise Powerline
Bonn, 7. März 2007
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
|
5 2007
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – 773
Geschwärzte Fassung
Seite 60 von 106
ten kann diese Frage eingehender untersucht werden. Dieses Vorgehen ist auch insofern ge-
rechtfertigt, als diese Anschlüsse mengenmäßig noch so unbedeutend sind, dass sie für die
Bestimmung der beträchtlichen Marktmacht für den Zeitraum dieser Analyse keine Rolle spielen.
h. Glasfaseranschlüsse und DSL-Anschlüsse ein Markt?
Bei Glasfaseranschlüssen ist das physikalische Übertragungsmedium eine zylindrische Faser
aus Quarzglas, über die Daten mittels Lichtwellen übertragen werden. Glasfaseranschlüsse
zeichnen sich durch hohe Bandbreiten aus, geringe Dämpfung und hohe Resistenz gegen elek-
tromagnetische Störeinflüsse und Lichteinflüsse aus.
Abbildung H-11 stellt das Schema eines Glasfaseranschlusses dar.
Abbildung H-11: Schema eines Glasfaseranschlusses
Glasfaserarchitekturen
NK
FTTH
ONU
OLT
ONU ONU KVz
ONU
NK: Netzknoten OLT: Optical Line Termination
FTTH: Fiber to the Home ONU Optical Network Unit KVz: Kabelverzweiger
Bei Glasfaseranschlüssen liegen die übertragenen Datenraten um ein Vielfaches höher als bei
Kupferleitungen. In Deutschland werden über Glasfasern bereits Bandbreiten im Gigabit/s-
Bereich angeboten. Reine Glasfaseranschlüsse setzen in der Regel spezielle Endgeräte voraus,
die höherpreisiger sind, als jene, die an kupferbasierte Anschlüsse angebunden werden. Der
etablierte Betreiber bietet Anschlussprodukte auf der Basis von Glasfaser, die Anschlussband-
breiten von > 10 Mbit/s aufweisen. Aufgrund der hohen Bandbreiten, sehr guten Übertragungs-
qualitäten und der im Vergleich zu breitbandigen Kupferanschlüssen deutlich höheren Preise
werden diese Anschlüsse fast ausschließlich von gewerblichen Kunden nachgefragt.
Eine Vergleichbarkeit der Glasfaseranschlüsse mit DSL-Anschlüssen, deren Bandbreiten im
unteren einstelligen Megabitbereich liegen, ist von ihrer Funktionalität her gegeben. Sie dienen
der Übertragung vergleichbarer Dienste. Deutliche Unterschiede weisen sie allerdings bei den
Übertragungsgeschwindigkeiten sowie bei den Verkehrsqualitäten und entsprechend bei den
Anschlusspreisen auf. Die Preise der Glasfaseranschlussprodukte des etablierten Betreibers
liegen im Durchschnitt im Faktor 10 über dem Durchschnittspreis einer 2 Mbit/s Internetfestver-
bindung. Bei einem vergleichbaren SDSL-Anschluss ist die Preisdifferenz noch höher. Wettbe-
werber bieten Glasfaseranschlüsse günstiger an, aber auch hier sind durchschnittliche Preisun-
terschiede um 800% ermittelbar.
Aus diesem Grunde muss ein hypothetischer Monopolist, der die Preise für seine SDSL-
Anschlüsse oder seine Internetfestverbindungen (bis 2Mbt/s) um 10% anhebt, nicht fürchten,
dass eine Kundenabwanderung hin zu wesentlich höherbitratigen Glasfaseranschlüssen, den
Erlöszuwachs aufgrund der Preiserhöhung durch Mengenrückgänge konterkariert. Der Preisun-
terschied zwischen beiden Produkten ist so hoch, dass eine kleine aber signifikante Preiserhö-
hung einen Breitbandanschlussnachfrager nicht veranlassen kann, seinen DSL-Anschluss durch
einen Glasfaseranschluss zu substituieren. Genauso wenig wird ein Nachfrager eines Glasfaser-
Anschlusses eine kleine aber signifikante Preiserhöhung bei diesem Anschluss zum Anlass
Bonn, 7. März 2007
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
774
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – |
5 2007
Geschwärzte Fassung
Seite 61 von 106
nehmen, diesen durch einen DSL-Anschluss zu substituieren. Er müsste bereit sein, erheblich
geringere Übertragungsgeschwindigkeiten und –qualitäten hinzunehmen. Eine Austauschbarkeit
zwischen Glasfaseranschlüssen und DSL-Anschlüssen aus Nachfragersicht ist aus genannten
Gründen zu verneinen.
In gleicher Weise ist es zu verneinen, dass eine Erhöhung des Anschlusspreises für Glasfasern
für einen Anbieter von DSL-Anschlüssen einen Anreiz darstellt, seinerseits Glasfaseranschlüsse
anzubieten. Eine solche Preisentwicklung dürfte nicht ausreichend sein, um die mit dieser Ent-
scheidung verbundenen Investitionen in ein optisches Netz wirtschaftlich werden zu lassen. Au-
ßerdem müsste ein solcher Anbieter einen neuen Kundenkreis erschließen, da DSL-Nachfrager
und Nachfrager von Glasfaseranschlüssen – wie oben dargelegt – unterschiedlichen Nachfra-
gergruppen angehören dürften. Eine Angebotsumstellungsflexibilität zwischen Anbietern von
DSL-Anschlüssen und Anbietern von Glasfaseranschlüssen ist zu verneinen.
Inwieweit die zukünftigen besonders hochbitratigen xDSL-Anschlüsse (z.B.ADSL2+) eine Sub-
stituierbarkeit mit reinen Glasfaseranschlüssen wahrscheinlicher werden lassen, kann derzeit
noch nicht beurteilt werden. Im Rahmen der Überprüfung dieser Marktanalyse nach zwei Jahren
sollte dies aber eingehender untersucht werden.
Ergebnis
Damit sind Glasfaseranschlüsse weder als Teil des Endkundenmarktes für breitbandige Premi-
umanschlüsse noch als Teil des Endkundenmarktes für ADSL-Massenmarktanschlüsse zu qua-
lifizieren. Sie bleiben im Rahmen dieser Marktanalyse, die der Untersuchung der Bitstrom-
Zugangsmärkte und ihrer zugehörigen Endkundenmärkte dient, unberücksichtigt.
i. Mietleitungen (Markt Nr. 7) und xDSL-Anschlüsse ein Markt?
Analog zur Betrachtung auf der Vorleistungsebene sind die unter Punkt 7 der Märkteempfehlung
aufgeführten Endkunden-Mietleitungen (ob Kupfer- oder Glasfaser basiert) nicht Teil der hier
definierten DSL-Märkte. Somit sind Endkunden-Mietleitungen und DSL Anschlüsse klar abge-
grenzte Produkte. Es liegen keine nationalen Besonderheiten vor, die einen Anhaltspunkt darfür
geben, dass insoweit von der Märkte-Empfehlung abzuweichen wäre.
Ergebnis
Endkundenmietleitungen bilden weder mit dem ADSL-Massenmarkt noch mit dem Markt für Pre-
miumanschlüsse einen Markt. Auch hier kann offen bleiben, ob und inwieweit die hier relevanten
Mietleitungen einem oder mehreren Märkten zuzurechnen sind.
j. Privat- und Geschäftskunden ein gemeinsamer Markt?
Ähnlich wie im Sprachtelefondienst gibt es in Deutschland keine eindeutige Zuordnung der DSL-
Anschlussprodukte auf Geschäftskunden und Privatkunden. Zwar bieten viele DSL-Anschluss
Anbieter ausgewiesene Geschäftskundenprodukte an. Diese unterscheiden sich von den Privat-
kundenprodukten durch höhere Qualitäten z. B. höhere Bandbreiten, symmetrische Bandbreiten,
Bandbreitengarantien, feste IP-Adressen etc. Dennoch fragen viele Unternehmen auch Privat-
kundenprodukte nach. Insbesondere KMU 101 werden ein ähnliches Nachfragerverhalten wie
Privathaushalte haben.Von daher ist davon auszugehen, dass bei dem hier abgegrenzten
ADSL-Massenmarkt viele Geschäftskunden Marktteilnehmer sind.
Höherwertige und damit auch höherpreisge DSL-Anschlüsse werden in erster Linie von Unter-
nehmen nachgefragt, die ein größeres Interesse an bestimmten Übertragungsqualitäten, sym-
metrischen Bandbreiten etc. haben. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass in dem hier defi-
nierten Markt für Premiumanschlüsse überwiegend Geschäftskunden zu finden sind. Aber es ist
101
Kleine und mittlere Unternehmen
Bonn, 7. März 2007
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
|
5 2007
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – 775
Geschwärzte Fassung
Seite 62 von 106
nicht ganz auszuschließen, dass auch Privatkunden mit Hobbys, die hochqualitative Datenüber-
tragung (z.B. Videostreaming) erfordern, Premiumanschlussprodukte nachfragen.
Ergebnis
Die Kriterien Privat- und Geschäftskunden erlauben bei den DSL-Anschlüssen keine exakte
Marktabgrenzung, weshalb für die beiden hier gefundenen Endkundenmärkte technolo-
gisch/funktionale Unterscheidungskriterien verwendet werden. Eine Unterscheidung in Ge-
schäftskunden- und Privatkundenmärkte ist für diese Marktabgrenzung nicht zielführend.
k. Nicht vom Markt für Breitbandanschlüsse erfasste Leistungen
Hotspots über WLAN
Öffentliche Hotspots, die Daten über wireless local area networks (WLAN) zu Breitband-
Anschlüssen übertragen, werden in dieser Untersuchung nicht als eigenständige Anschluss-
technologien verstanden. Diese setzen immer auf breitbandigen Festnetzanschlüssen (z.B.
DSL) oder Mobilfunkanschlüssen ( z.B. UMTS) auf. Außerdem sind sie wegen ihrer einge-
schränkten Reichweiten in der Regel nur innerhalb von Gebäuden einsetzbar. Sie stellen des-
halb auch keine Anschluss-Technologie dar, die die „letzte Meile“ überbrücken kann.
Ein-Wege-Satellitenanschlüsse
Satellitenanschlüsse, die nicht rückkanalfähig sind, werden nicht dem Markt für Breitbandan-
schlüsse zugerechnet. Bei dieser Anschlusslösung wird nur der Download (Datenstrom vom
Server zum Kunden) breitbandig über Satellit übertragen. Der Upload, d.h. die Daten, die der
Kunde ins Netz sendet, muss hier über die schmalbandige Telefonleitung erfolgen. Selbst bei
Kanalbündelung kann bei diesem Upload nicht die hier definierte Mindestbandbreite von > 128
kbit/s erreicht werden, weshalb diese Anschlusstechnik als nicht breitbandig eingestuft wird.
Mobilfunkanschlüsse
Die hier betrachteten Bitstromprodukte beziehen sich ausschließlich auf das TK-Festnetz. Ent-
sprechend werden Anschlusstechnologien betrachtet, die geeignet sind „die letzte Meile“ ins TK-
Festnetz zu überbrücken. Von daher werden in dieser Analyse auch bei der Betrachtung des
Endkundenmarktes Anschlüsse, die Endkunden den Zugang zu Mobilfunknetzen eröffnen und
für die der hier betrachtete Vorleistungsmarkt keine Rolle spielt, nicht dem relevanten Endkun-
denmarkt zugeordnet. Bisherige Mobilfunkanschlüsse sind den DSL-Anschlüssen im Hinblick
auf den Zugang zu IP-basierten Diensten in ihrem Preisleistungs-Verhältnis derzeit noch soweit
unterlegen, dass Substitutionsbeziehungen zwischen einem Mobilfunkanschluss und einem
DSL-Anschluss nicht feststellbar sind.
i. Ergebnis der sachlichen Endkundenmarktabgrenzung
Als den Bitstrom-Zugangsmärkten korrespondierende Endkundenmärkte wurden folgende zwei
Märkte abgegrenzt:
ADSL-Massenmarkt 102
Er umfasst -ADSL (einschl.ADSL2 bzw. ADSL2+)-Anschlüsse ohne besondere Quali-
tätsgarantien
- VDSL-Anschlüsse ohne besondere Qualitätsgarantien, soweit sie mit den
Produkten dieses Marktes substituierbar sind
-Kabelanschlüsse
-Drahtlose Anschlüsse
-Zwei-Wege-Satellitenanschlüsse
-Powerline-Anschlüsse
102
Der Markt hat die Bezeichung ADSL-Massenmarkt. Obwohl die Varianten Kabel bis Powerline keine ADSL-
Anschlüsse darstellen, werden sie diesem Markt zugeordnet, weil sie - wie aus der vorangegangenen Diskussion
ersichtlich - als Substitute zu ADSL-Produkten zu verstehen sind.
Bonn, 7. März 2007
A
Amtsblatt der Bundesnetzagentur
776
für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
– Mitteilungen, Telekommunikation, Teil A, Mitteilungen der Bundesnetzagentur – |
5 2007
Geschwärzte Fassung
Seite 63 von 106
Markt für Premiumanschlüsse
Er umfasst - ADSL (einschl.ADSL2 bzw. ADSL2+)-Anschlüsse mit besonderen Qua-
litätsgarantien
- SDSL-Anschlüsse
- VDSL-Anschlüsse mit besonderen Qualitätsgarantien, soweit sie mit den
Produkten dieses Marktes substituierbar sind
- Internetfestverbindungen bis 2 Mbit/s Bandbreite
5. Ergebnis der sachlichen Marktabgrenzung
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der in der Märkteempfehlung unter 12. aufgeführ-
te Markt für Bitstrom-Zugang bezogen auf die tatsächliche Situation in Deutschland in zwei
Teilmärkte abgrenzt wird:
Ein Markt für ATM-Bitstrom-Zugang
Er umfasst Bitstrom-Zugang mit Übergabe auf der ATM-Ebene (layer 2)
an verschiedenen Übergabepunkten der Netzhierarchie.
Ein Markt für IP-Bitstrom-Zugang
Er umfasst Bitstrom-Zugang mit Übergabe auf IP-Ebene (layer 3)
an verschiedenen Übergabepunkten der Netzhierarchie sowie
HFC-Breitbandzugang mit Übergabe auf IP-Ebene
Den beiden Bitstrom-Zugangsmärkten entsprechen auf der Endkundenseite die oben unter HI.4i
definierten breitbandigen Anschlussmärkte.
II. Räumlich relevanter Markt
Im Anschluss an die Definition des sachlich relevanten Marktes ist der räumlich relevante Markt
abzugrenzen. 103 Fraglich ist, ob unter Anwendung der in Anhang 1 unter I. (Marktabgrenzungs-
kriterien) dargelegten Kriterien bei den hier sachlich abgegrenzten Märkten von nationalen Märk-
ten ausgegangen werden kann.
1. Bitstrom-Zugangsmärkte (Vorleistungsmärkte)
Im Allgemeinen werden kleinere Märkte, die nur ein Teilgebiet von Deutschland umfassen, im-
mer dann anzunehmen sein, wenn aus der Sicht des Nachfragers objektive Hemmnisse beste-
hen, welche die regionale Bedarfsdeckung als sinnvoll erscheinen lassen. Bitstrom-Zugang ist
nun gerade ein Vorleistungsprodukt, dass den Nachfrager unabhängiger von dem regionalen
Bezug zu einem Breitbandnetz macht. Bitstrom-Zugang, der im Bereich des Anschlussnetzes
(insbesondere TAL) keinen physischen Netzzugang, sondern einen virtuellen Netzzugang er-
möglicht, eröffnet dem Nachfrager ja gerade die Möglichkeit, Kunden zu erschließen, die außer-
halb der Reichweite seines eigenen (regional begrenzten) Netzes liegen. Die eigentliche physi-
sche Verkehrsübergabe erfolgt auf einer höheren Netzebene, die er mit seiner eigenen begrenz-
ten Infrastruktur leichter erreichen kann.
Das Interesse an Bitstrom-Zugang begründet sich aus dem Bedarf an einem flächendeckenden
Vorleistungsprodukt, das Zugang zu Endkunden ermöglicht, ohne das eigene Netz zum End-
kunden bringen zu müssen. Von daher dürften Bitstromnachfrager vor allem an einem nationa-
len Markt interessiert sein.
Zwar stellt Bitstrom-Zugang im Einzelnen immer eine Verbindung zu einem bestimmten Kunden
her, aber die Übergabe ist je nach Ausgestaltung des Produkts (je nach Übergabepunkt) 104 an
verschiedenen lokalen Knoten unterschiedlicher Konzentrationsebenen möglich. Der Zugang
103
Vgl. Leitlinien, Rn. 55
104
Vgl.Abschnitt HI, Abb. H-1
Bonn, 7. März 2007