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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Amtsblätter bis 2018“
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für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
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Geschwärzte Fassung
- … bietet Geschäftskunden folgende Dienste an: Sprachdienste (z.B.) Telefondienst, Te-
lefon-Komplettanschlüsse), Datendienste (z.B. LAN-Kopplungen, Festverbindungen,
ATM- und Frame Relay Dienste, Private Netze) und Internetdienste (z.B. Internetzugang
über Glasfaser bzw. SDSL, Internetdienst für ISP)
Die Mehrheit der Backbone-Betreiber ist vertikal integriert. Ein Unternehmen (…) bedient nach
den Angaben im Rahmen dieser Anhörung nur den Endkundenmarkt. Zur wettbewerblichen Be-
deutung dieser vertikalen Integration hat sich kein Unternehmen geäußert.
Die Vorteile durch vertikale Integration würden nach der Auffassung des etablierten Betreibers
bereits durch regulierte Vorleistungspreise an die Wettbewerber weitergegeben und könnten
insofern keinen negativen Einfluss haben. Der etablierte Betreiber biete ein umfassendes Pro-
duktportfolio sowohl auf dem Vorleistungs- als auch auf dem Endkundenmarkt an.
Zur Frage der vertikalen Integration wird es von den ISP als denkbar erachtet, dass vertikal in-
tegrierte Teilnehmernetzbetreiber bewusst keine Bitstromprodukte anbieten, um neben dem
etablierten Betreiber im DSL-Anschlussbereich exklusiv tätig zu sein. Zur Frage in welchen Be-
reichen die Unternehmen tätig werden, äußern sich nur zwei ISP. Einer (…) ist demnach als ISP
und IT-Dienstleister tätig. Das andere Unternehmen (…) weist darauf hin, dass es Vorleistungen
im Wesentlichen nur für das Angebot von Endkundenleistungen nutze.
47. Wie schätzen Sie die Verhältnisse auf diesem Markt ein? Ist der technische Fortschritt
geeignet, die Wettbewerbsverhältnisse zu verändern?
Die Mehrheit der Backbone-Betreiber sehen technischen Fortschritt nur im Zusammenhang mit
der Kupferdoppelader realisiert, d.h. in der Weiterentwicklung von DSL und der zunehmenden
Verbreitung von breitbandigen Diensten wie VoIP. Da hier der etablierte Betreiber unangefoch-
tener Marktführer sei, werde durch den technischen Fortschritt im Bereich der DSL-Technik des-
sen Position nur verfestigt. Technische Entwicklungen bei alternativen Anschlusstechnologien
wie z.B. kompatible Endgeräte bei Powerline würden keinen signifikanten Einfluss auf den Breit-
bandzugangsmarkt haben. Der technische Fortschritt könne nur dort Einfluss auf die Wettbe-
werbsbedingungen haben, wo der Markt nicht vorrangig vom etablierten Betreiber bedient wer-
de. ... sieht durch technischen Fortschritt die im Bereich des ATM-Netzwerks eingesetzten Kon-
zentratoren immer günstiger und leistungsfähiger werden, während IP-basierte DSLAMs aus
dem Laborstadium nicht herauskämen.
Nach der Auffassung des etablierten Betreibers sei durch den technischen Fortschritt in den
Bereichen der Wireless-Acces-Technologien (WLAN, WMAN) mit Veränderungen in den Wett-
bewerbsverhältnissen zu rechnen; auf regionaler Ebene im Geschäftskundenmarkt auch durch
einen verstärkten Ausbau der LAN-LAN Kopplung (Metro Ethernet). Durch eine steigende An-
zahl alternativer Technologien sowie Konvergenzentwicklung ergäben sich zusätzlich
Markteintrittsoptionen.
Die Frage wird vom Teilnehmernetzbetreiber … ohne weitere Begründung mit ja beantwortet.
Die ISP sehen nicht, dass durch den technischen Fortschritt die Wettbewerbsverhältnisse im
Betrachtungszeitraum geändert würden. Vielmehr, so ein ISP, zeige das Beispiel DSL, dass der
technische Fortschritt die Marktposition eines Anbieters festige.
48. Sehen Sie Hinweise darauf, dass das Verhalten der Nachfrager auf dem Vorleis-
tungsmarkt die Marktmacht der Anbieter auf dem Vorleistungsmarkt beschränkt?
Die Backbone-Betreiber sehen keinen Hinweis auf ausgleichende Markmacht durch Nachfra-
ger auf dem Vorleistungsmarkt. Dies sei auch deshalb nicht zu erwarten, weil der etablierte
Betreiber als vertikal integriertes Unternehmen auf dem Endkundenmarkt und dem Vorleis-
tungsmarkt über beträchtliche Marktmacht verfüge und sich praktisch unabhängig von Wettbe-
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werbern und Nachfragern verhalten könne. Einige Unternehmen (…) halten diese Frage auf-
grund der bestehenden wettbewerblichen Dysfunktionen für nicht nachvollziehbar.
Die Marktmacht der Wettbewerber steige nach der Auffassung des etablierten Betreibers mit
zunehmender Anzahl möglicher Alternativprodukte.
Zwei ISP (…) sind der Auffassung, das die Marktmacht der Anbieter auf dem Vorleistungsmarkt
nicht durch das Verhalten der Nachfrager auf dem Vorleistungsmarkt beschränkt werde. Erstens
werde der Markt zu stark vom etablierten Betreiber dominiert, zweitens seien die Wettbewerber
gleichermaßen auf die TAL, Kollokation und DSL-Zuführung angewiesen und drittens fände kei-
ne Absprache bzw. kein Zusammenschluss bei den Vorleistungsnachfragern statt.
49. Sehen Sie Hinweise darauf, dass das Verhalten der Nachfrager auf dem Endkunden-
markt die Marktmacht der Anbieter auf dem Vorleistungsmarkt beschränkt?
Wegen der Marktbeherrschung des etablierten Betreibers auf dem Vorleistungs- und Endkun-
denmarkt für Breitbandzugangsprodukte sei es auch ausgeschlossen, dass die Nachfrager-
macht auf dem Endkundenmarkt die Marktmacht des beherrschenden Anbieters im Vorleis-
tungsmarkt beschränke. Von daher verneinen alle Backbone-Betreiber die Existenz ausglei-
chender Marktmacht durch Nachfrager auf dem Endkundenmarkt.
Von einer Beschränkung der Marktmacht der Anbieter auf dem Vorleistungsmarkt durch das
Verhalten der Nachfrager auf dem Endkundenmarkt sei nach der Auffassung des etablierten
Betreibers auszugehen. Bei der Verbindungsnachfrage reagieren Kunden preiselastisch infolge
der Möglichkeit zur Anbieterauswahl. Der Wettbewerb durch schmalbandige Produkte sei rele-
vant. Durch TAL-Regulierung herrsche intermodaler Wettbewerb. Das Ausweichen von Endkun-
den auf alternative TK-Angebote beschränke daher auch die Marktmacht der Anbieter auf dem
Vorleistungsmarkt. Der potentielle Wettbewerb über alternative Technologien müsse ebenso
berücksichtigt werden.
Eine Beschränkung der Marktmacht der Anbieter auf dem Vorleistungsmarkt durch das Verhal-
ten der Nachfrager auf dem Endkundenmarkt sei laut ISP nicht zu erwarten. Theoretisch sei dies
denkbar, wenn es ein Bitstromprodukt gäbe (…). Nach Ansicht eines anderen ISP kauften die
Nachfrager T-DSL und T-DSL basierten Internetaccess von alternativen ISP ein, dadurch werde
die Marktmacht des etablierten Betreibers sogar noch stärker (…).
I. ANNEX
Annex Tabelle 1: Angebote von Anschlusstechnologien auf dem Endkundenmarkt für Breitband-
zugang BuG
Annex Tabelle 2: Anforderungen an die Ausgestaltung von Bitstrom (anonymisiert) 4
Annex Tabelle 3: Angebot und Nachfrage nach breitbandigen Vorleistungsprodukten BuG
4
Angaben für geschwärzte Fassung
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Geschwärzte Fassung
Annex Tabelle 2
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Über- ATM-
Übergabe Anzahl
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gabe- Wählbarkeit von Bandbrei- Quali-
Ent-auf Basis Überg. technische Qualitätsparameter nicht technische Serviceparameter Bemerkungen
direkte proto- ten Up-/Downstream) täts-
bün- von punkte
End- kolle klassen
Flä- delung
Unterneh- kun- garant. Deakti-
chen- von
men denbe- Band- Zell-/ vierung
deckg. Tele-
zie-
A
breite / Paket- Entstör- Liefer- Zwangs-
hung
fon- ATM IP asymmetr. symmetr. Latenz Jitter Verfügbarkeit
anschl. Mindest- verlust- zeiten zeiten tren
band- rate -nung
breite
Backbonebetreiber
768/128 kbit/s, jährl. Netz- IP, MPLS, Ethernet qualitativ
2 Mbit/s/192 verfügbkt. nicht ausreichend
144, 256, UBR, wählbar;
kbit/s, 99,5 %,
512, 1024 VBR-rt, -7 Priorität 1:
... ja ja ja ja ATM 4 Mbit/s/384 ja < 10 ms < 1 ms < 10 jährliche
kbit/s, oder 2320 VBR-nrt, 6 h, Priori-
Endkunden-
6 Mbit/s/576 kbit/s CBR tät 2: 48 h
verfügbkt.
kbit/s
98,5 %
ATM IP qualitativ nicht ausreichend,
core < ATM core MPLS nicht ausgereift
UBR,
1ms, 99,98% und
… ja ja ja 1 ATM ja ja VBR-rt, ja ja ja ja ja
end-point end-point
VBR-nrt
PVC < PVC 99,9%
10 ms
grundsätzl. können alle DSL-
Netze QoS anbieten - aber
ATM, UBR, einheitlicher Qualitätsstandard
... ja ja ja ja ja
L2TP CBR nur schwer realisierbar, solan-
ge sich d. QoS-Angebote je
Anbieter unterscheiden
für höher- IP, Ethernet qualitativ nicht
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wert. ausreichend, MPLS nichtnetz-
Dienste übergreifend standardisiert
... ja ja ATM ja ja ja ja ja mind. 99,5 %
< 4 h,
ansonsten
< 8h
Verweis auf..., IP und Ethernet
ATM,
... ja (ja) ja ja erlauben keine definierte Quali-
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L2TP
tät
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Über- ATM-
Übergabe Anzahl
gabe- Wählbarkeit von Bandbrei- Quali-
Ent- auf Basis Überg. technische Qualitätsparameter nicht technische Serviceparameter Bemerkungen
direkte proto- ten Up-/Downstream) täts-
bün- von punkte
End- kolle klassen
Flä- delung
Unterneh- kun- garant. Deakti-
chen- von
men denbe- Band- Zell-/ vierung
deckg. Tele-
zie- breite / Paket- Entstör- Liefer- Zwangs-
fon- ATM IP asymmetr. symmetr. Latenz Jitter Verfügbarkeit
hung Mindest- verlust- zeiten zeiten tren
anschl.
band- rate -nung
A
breite
bevorzugt IP-Übergabe auf
PPP SDH POS und/oder Gigabit-
over Ethernet-Schnittstelle, Kombi-
... ja (ja) ja < 74 L2TP, sind meist zweitrangig ja ja nation von ZISP-/Gate-Ebene,
PPPoE, Einflussn. auf QoS Param. im
ATM IP-Backbone mögl. ( MPLS,
DSCP, RSVP)
d 150 ms QoS-Parameter i.S.v. Baukas-
192 /64, 256/64,
384/64, 728/128, DSL- tensystem wählbar - Einfluss-
1024/128, An- nahme via elektronischer
PPP over 256, 512,
2048/256, schluss < 10 Schnittstelle, Es gibt faktisch
... ja ja ja (ja) ja 74 L2TP, 1536/192,
1024, 2048 ja ja ja ja
l Bit- ms keine Anwendung, die nicht
ATM 1536/384, kbit/s
strom- auch auf IP abbildbar ist (so-
3072/384, lange Leitungskapazität nicht
Schnitt-
3072/512 kbit/s
stelle erschöpft ist).
ISP
Einflussnahme auf Qualitätspa-
1 oder PPP over rameter im IP-Backbone mög-
... ja (ja) ja ja ja ja ja ja ja ja
mehr L2TP lich ( MPLS, RSVP, DiffServ),
Vereinbarung von SLA
QoS-Differenzmglk. im Rah-
men best. Konfigurations-Sets,
PPPoE Minimal-Set: sollte die den
...t ja ja ja 74 over ja ja ja ...Kunden angeb. techn. Pa-
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L2TP ram. beinhalten, ATM - mehr
Differenzmglk., aber hohe
Kosten
PPPoE Vereinbarung von SLA von
ov. Bedeutung
... ja ja ja 74 ja ja ja
L2TP,
PPPoA
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Bitstrom-Übergabe am DSLAM
... ja ja Ethernet ja ja
auf Basis von Ethernet
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... ja ja ja ja
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Übergabe Anzahl
gabe- Wählbarkeit von Bandbrei- Quali-
Ent- auf Basis Überg. technische Qualitätsparameter nicht technische Serviceparameter Bemerkungen
direkte proto- ten Up-/Downstream) täts-
bün- von punkte
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End- kolle klassen
Flä- delung
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Unterneh- kun- garant. Deakti-
chen- von
men denbe- Band- Zell-/ vierung
deckg. Tele-
zie- breite / Paket- Entstör- Liefer- Zwangs-
fon- ATM IP asymmetr. symmetr. Latenz Jitter Verfügbarkeit
hung Mindest- verlust- zeiten zeiten tren
anschl.
band- rate -nung
A
breite
Einflussnahme auf QoS-
d 150 ms
Parameter via elektronischer
256/64, 384/64, DSL-
Schnittstelle, Bitstrom-
728/128, An-
256, 512, Übergabe unter Berücksichti-
PPP over 1536/192, schluss < 10
...i ja ja (ja) ja 74 1536/384, 1024, 2048 ja ja ja ja ja ja gung MPLS basierten QoS-
L2TP l Bit- ms
3072/384, kbit/s Parameter, Anwendungen
strom-
3072/512 kbit/s auch auf IP abbildbar (solange
Schnitt-
Leitungskapazität nicht er-
stelle
schöpft ist).
Teilnehmernetzbetreiber
Bitstrom-Übergabe: Zugriff
auch auf Ebenen unterhalb der
ATM,
Breitband-PoPs z.B. am
... ja ja > 74 PPP over
DSLAM, Qualitätskriterien für
L2TP
Privat- und kleine Geschäfts-
kunden nicht entscheidend
Optionen für QoS-Merkm.
sollten vorhanden sein , Netz-
...t ja ja Ethernet ja techn. hat wesentl. Auswirkg
auf QoS. Einsatz marktgängi-
ger Technol. zur Dienstediffer.
(Fragen: 16, 18-20, 24) ATM Asynchronous Transfer Mode L2TP Layer 2 Tunneling Protocol QoS Quality of Service
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CBR Constant Bit Rate MPLS Multi Protocol Label Switching RSVP Resource Reservation Protocol
DiffServ Differentiated Services POS Packet over Sonet SLA Service Level Agreement
DSCP Differential Service Code Point PPP Point to Point Protocol UBR Unspecified Bit Rate
DSLAM Digital Subscriber Line Access Multiplexer PPPoA Point to Point Protocol over ATM VBR-nrt Variable Bit Rate non real time
IP Internet Protocol PPPoE Point to Point Protocol over Ethernet VBR-rt Variable Bit Rate real time
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II. Bitstromzugang in anderen EU-Ländern (BuG)
I.Situation im Allgemeinen
Im Folgenden wird dargestellt, wie der Bitstromzugang in anderen europäischen Län-
dern ausgestaltet ist. Bei der Länderauswahl wurden die neben Deutschland größten
europäischen Telekommunikationsmärkte (England, Frankreich, Italien und Spanien)
berücksichtigt. Zusätzlich wurde Belgien aufgenommen, da das Geschäftsmodell Bit-
stromzugang hier relativ erfolgreich ist und es darüber hinaus in Belgien weitreichende
Möglichkeiten der Qualitätsdifferenzierung gibt. Inhaltlich wird etwa betrachtet, auf Ba-
sis welchen Übergabeprotokolls der Bitstrom realisiert wird (ATM/IP), wie viele Über-
gabepunkte für Flächendeckung erforderlich sind und welche Möglichkeiten der Quali-
tätsdifferenzierung bestehen. Ziel dieser Übersicht ist es, die wesentlichen Struktur-
merkmale des Bitstromzugang im Ausland aufzuzeigen.
Auffällig ist, dass der Bitstromzugang in allen betrachteten Ländern in der ATM-
Variante angeboten wird. Zumeist gibt es eine Bitstromvariante, mit der der Massen-
markt adressiert werden kann (Angebot breitbandiger Internetanschlüsse) und eine
andere Variante, auf deren Basis sich Geschäftskundenprodukte (z.B.) realisieren las-
sen. Lediglich in Spanien existiert auch ein IP-Bitstromprodukt.
Das Bitstrom-Geschäftsmodell ist v.a. Spanien recht erfolgreich. So liegt der Anteil der
von den Wettbewerber auf Basis von Bitstrom realisierten DSL-Anschlüsse gemessen
an allen DSL-Anschlüssen der Wettbewerber 92% extrem hoch (10 Umsetzungsbe-
richt, Annex 3, Zahlen Stand Juli 2004). Auch in Italien bzw. Belgien ist der entspre-
chende mit 62 % bzw. 51 % beträchtlich.
Hinsichtlich der Möglichkeit zur Qualitätsdifferenzierung sind Frankreich und Belgien
hervorzuheben. In Belgien etwa werden pro Wettbewerber 4-6 unterschiedliche „Qua-
litätsprofile“ nachgefragt. In Frankreich gibt es beim ATM-Bitstromprodukt für Ge-
schäftskundenzwecke 15 Optionen (Kombinationen von QoS-Parametern).
Zu Einzelheiten hinsichtlich der Ausgestaltung des Bitstromzugangs in den verschie-
denen Ländern vgl. Abschnitt II. Dabei wird auch auf bislang nicht veröffentlichte CO-
COM-Zahlen rekurriert. Eine zusammenfassende Länderübersicht mit den jeweils
zentralen Merkmalen findet sich in Anlage 1.
II. Im Besonderen
a. England
1) Realisierte Bitstrom-Variante(n)
Die in Großbritannien angebotenen Bitstromzugangsprodukte („Datastream“) ba-
sieren auf einer ATM-Schnittstelle. Der Verkehr wird entweder an der ersten oder
der zweiten ATM-Vermittlungsstelle (parent bzw. distant ATM-switch) übergeben.
Die Anzahl der Übergabepunkte beträgt 205 bzw. 64.
Das Bitstromprodukt Datastream richtet sich an OLO (Other Licensed Operator).
Diese können den ISP Breitbandvorleistungsprodukte anbieten, indem sie das
Vorleistungsprodukt Datastream um ihre eigene IP-Plattformleistung ergänzen.
Bei Verkehrsübergabe schon am ersten ATM-Switch nutzen die Datastream-
Nachfrager auch ihr eigenes ATM-Netz.
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2) Nachfrage nach Bitstrom-Produkten
Das Produkt „Datastream“ wird z.Zt. von ... Wettbewerbern nachgefragt. Auf Ba-
sis des Bitstromzugangs wurden in England rd. 225.000 DSL-Anschlüsse reali-
siert.
3) Möglichkeit der Qualitätsdifferenzierung
In England besteht die Möglichkeit, eine Reihe unterschiedlicher Quality of Servi-
ce Parameter nachzufragen. Hierzu zählen Latenz (Paketumlaufzeit), Jitter (Lauf-
zeitvariation), Überbuchungsrate sowie die im Rahmen der Standardisierung von
ATM vorgesehenen Parameter: Variable Bit Rate, Variable Bit Rate (+), Constant
Bit Rate, Unspecified Bit Rate, jew. in den Varianten Real-time bzw. Non Real-
time. Hierbei handelt es sich um QoS-Parameter im engeren Sinne.
In England gibt es Wettbewerber, die auf Basis eines Bitstromproduktes den End-
kunden Bandbreiten anbieten, die vom Angebot des Incumbents abweichen.BT
bietet zwei unterschiedliche Service Level Optionen an: Erstens “Broadband
Standard Care” (Reparatur innerhalb von 40 Stunden, keine garantierte Respon-
se Time) „Broadband Enhanced Care“ (Reparatur innerhalb 20 Stunden (!), Res-
ponse Time 3 Stunden). 1 Service Level Optionen stellen QoS-Parameter im wei-
teren Sinne dar.
4) Regulierung
Das Entgelt für den Bitstromzugang wird auf Basis von Retail-Minus bestimmt.
Rechtsgrundlage für die Einführung von Bitstream bilden die BT-
Lizenzbedingungen (Condition 57 – Prohibition on undue preference and undue
discrimination).
Sonstiges
– Es existiert kein Bitstrom-Produkt mit Verkehrsübergabe auf der IP-Ebene.
Das Vorleistungsprodukt „IPStream“, wird als Resale- und nicht als Bitstrom-
produkt klassifiziert. Auf Basis von IPStream kann ein ISP den Endkunden
einen vollständigen end-to-end Dienst anbieten, der den DSL-Anschluss und
die ISP-Leistung beinhaltet. Bei IPStream werden die Wertschöpfungsstufen
ATM-Netz und IP-Backbone von BT erbracht. Nach Angaben von BT (Stand
Oktober 2003) nutzen ca. .... Mio. Endkunden einen DSL-Anschluss, der auf
der Vorleistung IP-Stream basiert.
– OFCOM hat am 15. August 2003 ein Verfahren gegen ... eingeleitet (Verfah-
rensabschluss für Ende April 2004 angekündigt). Dabei geht es v.a. um die
Festlegung eines Entgelts für die Migration vom Vorleistungsprodukt
IPStream zu Datastream. Wettbewerber kritisieren, 1) dass der von BT vor-
gesehene Preis für dieses Migrationsprodukt nicht kostenorientiert ist, 2)
dass für den Migrationsprozess kein automatisierter Prozess existiere, 3)
dass die Mindestvertragslaufzeit bei IPStream nur einen Monat, bei Da-
tastream aber drei Monate betrage.
– In England werden knapp 14 % der von den Wettbewerber realisierten DSL-
Anschlüsse über Bitstrom realisert. Mit fast 1,4 Mio. dominieren bei den
Wettbewerbern DSL-Anschlüsse auf Basis von Resale (= 85 %).
1
http://www.serviceview.bt.com/list/current/docs/Wholesale_Broadband_Services.boo/14401.htm
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b. Frankreich
1) Realisierte Bitstrom-Variante(n)
In Frankreich gibt es das Bitstrom-Produkt „ADSL Connect ATM“. Der Verkehr
kann an 41 bzw. 280 Punkten (distant bzw. parent ATM-Switch) auf der ATM-
Ebene übergeben werden. Dieses Produkt kann nur von lizenzierten Betreibern
bezogen werden. Es setzt sich aus einer DSL-Zugangsleistung (Endkunden bis
zum DSLAM) und einer ATM-Transportleistung zusammen.
Des weiteren gibt es das ATM-Bitstromprodukt „turbo DSL“. Mit diesem Produkt
wird der Geschäftskundenmarkt adressiert (z.B. Angebot von VPN auf Basis des
Bitstromprodukts).
2) Nachfrage nach Bitstrom-Produkten
Auf Basis des Bitstromproduktes „ADSL Connect ATM“ werden ca. ... DSL-
Anschlüsse realisiert. 2 Dieses Vorleistungsprodukt wird von 2 Wettbewerbern
nachgefragt.
Das ATM-Bitstromprodukt „turbo DSL“ wird von 4 Wettbewerbern nachgefragt.
Nach Auskunft von ART wird auf der Basis dieses Produktes ein Umsatz gene-
riert, der etwa so hoch ist wie beim Vorleistungsprodukt „ADSL Connect ATM“,
welches auf den Massenmarkt abzielt.
a) Möglichkeit der Qualitätsdifferenzierung
In Frankreich kann ein Wettbewerber auf Basis eines Bitstromproduktes seinen
Endkunden vom Angebot des Incumbents abweichende Bandbreiten anbieten.
Beim Produkt „turbo DSL“ gibt es etwa 15 Optionen (Kombinationen von QoS-
Parametern) und damit relativ umfassende Möglichkeiten Qualitätsdifferenzierung
zu realisieren. 3 Deutlich weniger Optionen gibt es beim Produkt „ADSL Connect
ATM“.
b) Regulierung
Die Regulierung des Bitstromzugangs erfolgt auf LRIC-Grundlage.
Der Bitstrom-Zugang „ADSL Connect ATM“ wird als besonderer Netzzugang ein-
gestuft. Bei Streitigkeiten zwischen zwei Betreibern kann ART technische und ta-
rifliche Konditionen festsetzen. Rechtsgrundlage für den Bitstrom-Zugang in
Frankreich bildet das Prinzip der Nicht-Diskriminierung.
c) Sonstiges
Es existiert kein Bitstrom-Produkt mit Verkehrsübergabe auf der IP-Ebene.
Das Vorleistungsprodukt „IP/ADSL“ ist kein Bitstrom-Zugang sondern ein Resale-
Produkt. Dieses Produkt, das nicht unter den besonderen Netzzugang fällt, richtet
sich an ISP. Der Verkehr wird auf der IP-Ebene an einem Punkt übergeben. Ähn-
lich wie das Bitstrom-Produkt „ADSL Connect ATM“ setzt es sich aus der DSL-
Zugangsleistung und einer Transportleistung zusammen. Die Transportleistung
umfasst aber die ATM- und die IP-Ebene. In Deutschland entspräche dem eine
Leistung bestehend aus dem Wiederverkauf des T-DSL Anschlusses und der
2
....
3
....
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Leistung T-OC-DSL. Auf Basis von „IP/ADSL“ werden ... Mio. Breitbandanschlüs-
se realisiert. 4
In Frankreich spielt der Bitstromzugang bei den von Wettbewerbern realisierten
DSL-Anschlüssen eine erhebliche Rolle (38 %).
c. Italien
1) Realisierte Bitstrom-Variante(n)
Beim Bitstrom in Italien wird der Verkehr auf der unteren ATM-Ebene übergeben
wird (am parent ATM-Switch).
Das ATM-Bitstromprodukt „Wholesale ADSL“ wird in Bandbreiten zwischen 256
kbit/s bis zu 2 Mbit/s angeboten, in der langsamsten Variante (256 kbit/s) nur vo-
lumenabhängig tarifiert, in den schnelleren Varianten zusätzlich auch flat tarifiert.
Das ATM-Bitstromprodukt „Canale Virtuale Permanente – CVP“ umfasst den
Bandbreitenbereich von 2 Mbit/s bis zu 155 Mbit/s. Einen Pauschaltarif gibt es
hier nur bei der Variante 2 Mbit/s.
Bei diesen Bitstromprodukten sind für Flächendeckung 81 Übergabepunkte erfor-
derlich.
Nachfrage nach Bitstrom-Produkten
Auf Basis des Bitstromzugangs wurden in Italien knapp 475.000 DSL-Anschlüsse
realisiert. Telecom Italia realisierte zum selben Zeitpunkt rd. 2,45 Mio. DSL-
Anschlüsse.
„Wholesale ADSL“ wird genutzt, um breitbandige Internetanschlüsse zu realisie-
ren. Mit dem Bitstromprodukt „CVP“ lassen sich darüber hinaus auch virtuelle pri-
vate Netze sowie VoIP-Produkte realisieren
2) Möglichkeit der Qualitätsdifferenzierung
Im Übertragungsbereich (ATM-Netz) bestehen für die Bitstromnachfrager keine
Möglichkeiten sich hinsichtlich der Qualitätsparameter zu differenzieren. Es be-
stehen lediglich im Anschlussbereich – allerdings eingeschränkte – Möglichkeiten
der Qualitätsdifferenzierung. Telecom Italia hat zum 1. März 2004 die Bitstromop-
tion Variable Bit Rate (VBR) in Echtzeit angekündigt.
In Italien können Wettbewerber auf Basis eines Bitstromproduktes den Endkun-
den nur dieselben oder geringere Bandbreiten anbieten, wie das Angebot des In-
cumbents.Ferner bestehen Service Level Agreements (SLA), die durch Vertrags-
strafen abgesichert sind. In den SLA sind Bereitstellungszeiten und Reparaturzei-
ten spezifiziert.
4
Art, Le Développment de l’Internet Haut Débit en France. L’avis de l’Autorité sur les offres IP/ADSL de France
Télecom, 15. Dec. 2003, Folie 17.
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3) Regulierung
– Das Bitstrom-Produkt wurde im Februar 2001 vom Regulierer genehmigt. Te-
lecom Italia muss AGCOM detaillierte Kosteninformationen zu den Endkun-
den-Produkten bereitstellen, sodass der Regulierer in die Lage versetzt wird,
einen Margin-Squeeze-Test durchzuführen.
– Voraussetzung für das Angebot von DSL-Endkundenprodukten in Italien ist,
dass Telecom Italia 90 Tage vorher ein entsprechendes Angebot auf der Vor-
leistungsebene macht. Diese Frist wird auf 30 Tage verkürzt, wenn Telecom
Italia lediglich die Preise bestehender Endkundenprodukt verändern will. Sei-
tens des Regulierers werden die Wholesale-Entgelte mit Hilfe des Retail Mi-
nus Ansatzes überprüft. Für einen pauschal tarifierten 256 kbit/s DSL An-
schluss beträgt der Wert für das „Minus“ ... %. Bei den Varianten 640 kbit/s
und 1,28 Mbit/s beträgt der entsprechende Wert ...%. Bei den zeitabhängig
tarifierten Angebot liegt der Wert bei ... % ab einer Nutzung von über
5 Stunden.
4) Sonstiges
Es existiert kein Bitstrom-Produkt mit Verkehrsübergabe auf der IP-Ebene.
In Italien werden 62 % der von den Wettbewerbern realisierten DSL-Anschlüsse
über Bitstrom realisiert. Rd. 291.000 DSL-Anschlüsse der Wettbewerber (= 38 %)
werden auf Basis der entbündelten Teilnehmeranschlussleitung erbracht.
d. Spanien
1) Realisierte Bitstrom-Variante(n)
In Spanien existiert ein ATM-Bitstromprodukt („GigADSL“) mit Verkehrsübergabe
an 109 ATM-Knoten. Darüber hinaus gibt es ein IP-Bitstromprodukt mit 2 Überga-
bepunkten.
2) Nachfrage nach Bitstrom-Produkten
Auf Basis der Bitstromprodukte werden rd. 508.000 DSL-Anschlüsse von den
Wettbewerbern realisiert. Zum Vergleich: Telefonica hatte zum selben Zeitpunkt
etwa 1,54 Mio. DSL-Anschlüsse bereitgestellt.
3) Möglichkeit der Qualitätsdifferenzierung
In Spanien können Wettbewerber auf Basis eines Bitstromproduktes den End-
kunden nur dieselben oder geringere Bandbreiten anbieten, wie das Angebot des
Incumbents. ...
4) Regulierung
Das Bitstromprodukt wird auf Basis von Retail-Minus reguliert. Das „Minus“ be-
trägt je nach Geschwindkeitsvariante des Bitstromprodukts zwischen ... und ... %
5) Sonstiges
In Spanien werden 92 % der von den Wettbewerbern realisierten DSL-
Anschlüsse über Bitstrom realisiert.
e. Belgien
1) Realisierte Bitstrom-Variante(n)
In Belgien gibt es ein Bitstromprodukt mit Verkehrsübergabe am DSLAM („BRO-
BA I“). Für Flächendeckung sind rd. 600 Übergabepunkte erforderlich. Darüber
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Bonn, 7. März 2007