arbeitshilfegleichstellungsorientiertegesetzesfolgenabschtzungnach2ggo

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Arbeitshilfe des BMFSFJ zur geschlechtergerechten Folgenabschätzung

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Arbeit
       Arbeitsteilung in Partnerschaften


Vor der Familiengründung verteilen sich die Arbeitszeiten von
                                                                     Ziel:
Frauen und Männern ähnlich. Nach der Gründung einer Familie
                                                                     Vereinbarkeit von Familie,
und dem Ende einer etwaigen Elternzeit ergibt sich ein anderes
                                                                     Pflege und Beruf stärken – eine




                                                                                                                 Geld
Bild. Insbesondere in Westdeutschland herrscht das Bild einer
                                                                     gleichberechtigte Verteilung von
Zuverdiener-Familie vor. Dieser Effekt tritt bei Müttern mit
                                                                     Erwerbsarbeit und unbezahlter
Migrationshintergrund noch deutlicher hervor. Ihre Erwerbs-
                                                                     Sorgearbeit zwischen Frauen und
quote liegt deutlich unter jener von Müttern ohne Migrations-
                                                                     Männern fördern →
hintergrund (Bundesregierung 2017: 87).


•   Mütter nehmen durchschnittlich deutlich häufiger und länger Elternzeit als Väter. Von den 1,9 Mil-
    lionen Personen, die in 2019 Elterngeld erhielten, waren 1,41 Millionen Frauen und 456.000 Männer.




                                                                                                                 Wissen
    Dabei betrug die geplante Bezugsdauer bei Frauen (ausschließlich Basiselterngeld) durchschnittlich
    11,7 Monate (Elterngeld Plus: 19,9 Monate), bei Männern betrug die angestrebte Bezugsdauer
    durchschnittlich 2,9 Monate (Elterngeld Plus: 8,5 Monate) (DESTATIS 2020).
•   Frauen leisten im Schnitt täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer (Erziehung
    von Kindern, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen, Ehrenämter; Erhebung 2012/2013) (BMFSFJ
    2020b: 20). Dabei zeigen sich die größten Unterschiede bei den 34-Jährigen: Hier beträgt der Gender
    Care Gap 111 Prozent. Frauen verbringen täglich im Schnitt fünf Stunden und 18 Minuten mit
    Care-Arbeit, Männer hingegen zwei Stunden und 31 Minuten (BMFSFJ 2019).




                                                                                                                 Zeit
       Gesellschaftliche Wertschätzung


                                                                     Ziel:
Häufig wird „Arbeit“ mit Erwerbsarbeit gleichgesetzt. Unbezahlte     Vereinbarkeit von Familie,




                                                                                                                 Entscheidungs-
Tätigkeiten, wie zum Beispiel die Führung des Haushalts und          Pflege und Beruf stärken – eine
die Versorgung der (arbeitenden) Familienmitglieder sowie der        gleichberechtigte Verteilung von




                                                                                                                     macht
Kinder und pflegebedürftiger Verwandter, werden seltener direkt      Erwerbsarbeit und unbezahlter
mit Arbeit assoziiert, obwohl die Care-Arbeit das gesellschaft-      Sorgearbeit zwischen Frauen
liche Überleben sichert (Samtleben 2019: 140 f.). Aber auch die      und Männern fördern →
bezahlten Care-Berufe sind häufig von geringen Löhnen und            Soziale Berufe als attraktive
schlechten Arbeitsbedingungen geprägt.                               und durchlässige Karriereberufe
                                                                     stärken →


•   Frauen leisten im Schnitt mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Zwei Drittel der Hautpflege-
    personen in Privathaushalten mit pflegebedürftigen Personen sind weiblich (BMFSFJ, 2020b: 20).
                                                                                                                 Gesundheit




•   Private Haushalte wendeten im Jahr 2013 35 Prozent mehr Zeit für bezahlte Erwerbsarbeit als für
    unbezahlte Sorgearbeit auf. Der Wert dieser Arbeit entspricht etwa einem Drittel der im Brutto-
    inlandsprodukt ausgewiesenen Bruttowertschöpfung (987 Milliarden Euro). Somit liegt sie deutlich
    über der Wertschöpfung im Produzierenden Gewerbe (769 Milliarden Euro) (Schwarz und Schwahn
    2016: 46).
•   In den in der Coronakrise systemrelevanten Berufsgruppen der „ersten Stunde“ liegt der Anteil an
    Frauen bei 60 Prozent, gleichzeitig sind dies größtenteils unterdurchschnittlich bezahlte Berufe
    (Koebe et al. 2020).
                                                                                                                 Gewalt




                                                                                                        Arbeit   29
29

Geld
               Steuern


      Obwohl Steuergesetze geschlechtsneutral formuliert sind, haben           Ziel:
      einzelne Regelungen zum Beispiel durch Anreizsetzungen bei der           Entgeltgleichheit und eigen-
      Erwerbstätigkeit unterschiedliche Effekte auf das Einkommen              ständige wirtschaftliche
      jeweils von Frauen und Männern.                                          Sicherung im Lebensverlauf →


      •     Das Ehegattensplitting bewirkt eine steuerlich höhere Belastung des Einkommens des Partners
            beziehungsweise der Partnerin, der oder die weniger verdient (BMF 2018: 23). Denn durch das
            Ehegattensplitting wird das zu versteuernde Einkommen beider Eheleute beziehungsweise
            Lebenspartnerinnen und -partner halbiert, und jede Hälfte unterliegt dem gleichen Steuersatz.
            Damit unterliegt das Einkommen der Person mit dem geringeren Einkommen – häufiger ist dies
            die Frau – einer höheren steuerlichen Belastung, als es dem individuellen Einkommen entspricht.
            Somit nehmen für Erstverdienende (häufiger Männer) die Erwerbsanreize zu, während der hohe
            Grenzsteuersatz die Erwerbstätigkeit für die Person mit dem geringeren Einkommen (häufiger
            Frauen) teurer macht. Für Zweitverdienende wird damit der Erwerbsanreiz geschwächt.
      •     Darüber hinaus kann die Wahl der Lohnsteuerklassen III und V von Eheleuten zu zunächst unter-
            schiedlichen Steuerbelastungen innerhalb der Ehe beziehungsweise Partnerschaft führen, meistens
            zum Nachteil von Frauen, deren Höhe sich aber bei der Zusammenveranlagung ändern kann. Die
            Berechnung der Lohnsteuer anhand der am häufigsten genutzten Steuerklassenkombination III/V
            führt dazu, dass die Lohnsteuer in Steuerklasse V, in der zu circa 90 Prozent Frauen sind, sehr hoch
            und der Nettolohn entsprechend niedrig ausfällt. Dazu kommt, dass Lohnersatzleistungen, wie
            Krankengeld, Arbeitslosengeld oder Elterngeld als prozentualer Anteil des Nettolohns berechnet
            werden. Daher fallen auch diese Leistungen bei gleichem Bruttoeinkommen und gleichen Sozial-
            versicherungsbeiträgen in Steuerklasse V erheblich geringer aus als in Steuerklasse III − in der Regel
            zum Nachteil von Frauen (Hans-Böckler-Stiftung 2020b; Spangenberg et al. 2020).



               Einkommen


                                                                               Ziel:
                                                                               Entgeltgleichheit und eigen-
      Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer.
                                                                               ständige wirtschaftliche
                                                                               Sicherung im Lebensverlauf →


      •     Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen ist um 20 Prozent niedriger als der von
            Männern (Stand 2019). Allerdings bestehen erhebliche Unterschiede zwischen alten und neuen
            Bundesländern. Im Osten beträgt der Unterschied 7 Prozent, im Westen Deutschlands (und Berlin)
            21 Prozent (unbereinigter Gender Pay Gap) (DESTATIS o. J.c).
      •     Auch bei gleichen Rahmenbedingungen ist das Einkommen von Frauen oft geringer. Bei einer
            38-Stunden-Woche und zehn Jahren Berufserfahrung gibt es Unterschiede im Bruttoarbeitslohn in
            verschiedenen Berufen: So verdienen Filial- oder Verkaufsstellenleiterinnen 18 Prozent weniger als
            ihre männlichen Kollegen, Juristinnen 10 Prozent weniger, Bankkauffrauen 14 Prozent weniger als
            Bankkaufmänner und Krankenpflegerinnen 10 Prozent weniger als Krankenpfleger (Hans-Böckler-
            Stiftung 2020a).




30   Geld
30

Arbeit
       Sozialleistungen und Sozialversicherungen


                                                                      Ziel:
Aufgrund der im Schnitt geringeren Erwerbseinkommen erzielen          Entgeltgleichheit und eigenstän-
Frauen weniger eigenständige Sozialleistungen.                        dige wirtschaftliche Sicherung




                                                                                                                 Geld
                                                                      im Lebensverlauf →


•   Der „Gender Pension Gap“ lag 2019 bei 49 Prozent (BMAS 2020: 103). Er misst den prozentualen
    Unterschied zwischen den durchschnittlichen persönlichen eigenen Alterssicherungseinkommen
    von Frauen gegenüber denen von Männern ab 65 Jahren. Die Kennzahl blendet jedoch den Haus-
    haltskontext wie auch Hinterbliebenenleistungen aus – und sie bezieht sich auf Frauen und Männer,
    die häufiger noch traditionelle Partnerschaftsmodelle gelebt haben beziehungsweise leben als
    heute üblich (BMFSFJ 2020b: 14).




                                                                                                                 Wissen
•   Die durchschnittliche Anspruchshöhe (inklusive Sozialversicherungsbeiträge) von Leistungsbezie-
    henden bei Arbeitslosigkeit unterscheidet sich nach Geschlecht: Während Männer im Schnitt
    1.910 Euro bekamen, waren es bei Frauen im Schnitt 1.491 Euro (Zahlen vom April 2020) (Bundes-
    agentur für Arbeit 2020).



       Berufswahl und Berufsausübung




                                                                                                                 Zeit
Frauen sind vermehrt in Berufen der sozialen, personenbezoge-
                                                                      Ziel:
nen und haushaltsnahen Dienstleistungen tätig. Diese werden
                                                                      Soziale Berufe als attraktive
häufig geringer bewertet und vergütet als gleichwertige Berufe,
                                                                      und durchlässige Karriereberufe
die von Männern dominiert werden, zum Beispiel in der Industrie
                                                                      stärken →
(Bundesregierung 2017: 93).




                                                                                                                 Entscheidungs-
•   Die Bewertung und Entlohnung von Arbeit ist gesellschaftlichen Wertvorstellungen unterworfen




                                                                                                                     macht
    und fällt zuungunsten der weiblichen Erwerbstätigen aus. So werden Fachkräfte in der Kranken-
    pflege und in der Geburtshilfe für die sehr hohen Anforderungen und Belastungen ihres Berufes
    vergleichsweise gering entlohnt (Klammer et al. 2018: 63).
•   In den in der Coronakrise systemrelevanten Berufsgruppen der „ersten Stunde“ liegt der Anteil
    an Frauen bei 60 Prozent, gleichzeitig sind dies größtenteils unterdurchschnittlich bezahlte Berufe
    (Koebe et al. 2020).                                                                                         Gesundheit
                                                                                                                 Gewalt




                                                                                                          Geld   31
31

Sorgerecht und Unterhalt


                                                                               Ziel:
                                                                               Vereinbarkeit von Familie,
                                                                               Pflege und Beruf stärken –
                                                                               eine gleichberechtigte Verteilung
      Nach einer Scheidung beziehungsweise Trennung wohnen
                                                                               von Erwerbsarbeit und unbezahl-
      die Kinder in den meisten Fällen bei der Mutter. Dies hat
                                                                               ter Sorgearbeit zwischen Frauen
      für die Frauen erhebliche ökonomische Folgen.
                                                                               und Männern fördern →
                                                                               Entgeltgleichheit und eigenstän-
                                                                               dige wirtschaftliche Sicherung
                                                                               im Lebensverlauf →


      •     Fast 90 Prozent aller Alleinerziehenden sind Mütter (BiB o. J.). Alleinerziehende sind einer besonde-
            ren Armutsgefährdung ausgesetzt. Die Unterschiede im Lebensstandard zeigen sich beispielsweise
            bei der durchschnittlichen Wohnfläche: So wohnen Alleinerziehende im Durchschnitt auf etwa
            34 Quadratmetern pro Person – in der Gesamtbevölkerung sind es über 56 Quadratmeter pro
            Person (Rehm 2020: 247)
      •     Wenn Alleinerziehende für ihre Kinder keinen Unterhalt vom anderen Elternteil erhalten, werden sie
            mit dem Unterhaltsvorschuss staatlich unterstützt. Im Jahr 2018 erhielten bundesweit 713.514
            Alleinerziehende einen solchen Unterhaltsvorschuss, in 89 Prozent der Fälle war der betreuende
            Elternteil eine Frau (Deutscher Bundestag 2018: 517).



               Vermögen, Geldanlage und Versicherungen


                                                                               Ziel:
      Die Vermögen von Frauen und Männern sind ungleich verteilt,
                                                                               Entgeltgleichheit und eigen-
      auch das Anlageverhalten und das Finanzwissen weisen nach
                                                                               ständige wirtschaftliche
      Geschlecht Unterschiede auf.
                                                                               Sicherung im Lebensverlauf →


      •     Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist eine größere Vorsicht von Frauen
            bei Geldanlagen darin begründet, dass sie im Durchschnitt nur halb so viel Geldvermögen zur
            Verfügung haben wie Männer. Eine prinzipielle Risikoscheu von Frauen kann als Klischee bezeichnet
            werden, denn der Einfluss des Vermögens beim Anlageverhalten ist für beide Geschlechter gleich
            (Badunenko et al. 2009).
      •     Wie auch in anderen Ländern zeigt sich in Deutschland eine deutliche Lücke zwischen dem
            Finanzwissen der Geschlechter. So sind Frauen deutlich weniger über die Möglichkeiten des
            privaten Vermögensaufbaus und der Alterssicherung informiert als Männer (Anger et al. 2019).
      •     In der Gruppe der Millionärinnen beziehungsweise Millionäre beträgt der Frauenanteil etwa
            31 Prozent (Schröder et al. 2020: 517).




32   Geld
32

Arbeit
       Pflege und Betreuung von Kindern und Erwachsenen


                                                                    Ziel:
Viele Frauen reduzieren ihre Erwerbstätigkeit auf Teilzeittätig-    Vereinbarkeit von Familie,
keiten, sobald Verantwortung für ein Kind übernommen werden         Pflege und Beruf stärken – eine




                                                                                                              Geld
muss. Erwerbstätige Väter wechseln wegen familiärer Verpflich-      gleichberechtigte Verteilung von
tungen selten in die Teilzeit. Das Zuverdiener-Arrangement          Erwerbsarbeit und unbezahlter
wirkt sich oft langfristig negativ auf die Karriereperspektiven     Sorgearbeit zwischen Frauen
von Müttern aus und schlägt sich in Einkommensnachteilen im         und Männern fördern →
Lebensverlauf sowie in geringeren Rentenansprüchen nieder           Entgeltgleichheit und eigen-
(Bundesregierung 2017: 154).                                        ständige wirtschaftliche
                                                                    Sicherung im Lebensverlauf →




                                                                                                              Wissen
•   Obwohl der Anteil pflegender Männer seit den 1990ern gestiegen ist, machen Frauen immer noch
    die Mehrheit der pflegenden Personen aus. Der Frauenanteil steigt dabei mit dem Pflegeumfang
    (Bundesregierung 2017: 88).
•   Die Schätzungen für pflegende Angehörige belaufen sich auf insgesamt 2,47 Millionen Haupt-
    pflegepersonen, von denen rund zwei Drittel, nämlich 1,65 Millionen, weiblich sind (Rothgang
    und Müller 2018: 113).




                                                                                                              Zeit
                                                                                                              Entscheidungs-
                                                                                                                  macht
                                                                                                              Gesundheit
                                                                                                              Gewalt




                                                                                                       Geld   33
33

Wissen
              Berufswahl und Berufsausübung


      Frauen und Männer setzen nach wie vor unterschiedliche
      Schwerpunkte in ihrer Berufswahl und den Branchen, in denen
                                                                            Ziel:
      sie tätig sind. Im Allgemeinen sind Frauen eher im Dienstleis-
                                                                            Soziale Berufe als attraktive
      tungssektor (Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und
                                                                            und durchlässige Karriereberufe
      Unterricht, Öffentliche Verwaltung) tätig. Männer sind hingegen
                                                                            stärken →
      vor allem in der Industrie, dem Verkehr sowie im Baugewerbe
      beschäftigt (Bundesagentur für Arbeit 2019: 12 f.).


      •   Die Wahl der Ausbildungsberufe erfolgt deutlich nach geschlechtsbezogenen Mustern: Von allen
          Männern, die sich im Jahr 2019 neu für einen Ausbildungsberuf entschieden, wählten 23 Prozent
          diese fünf Berufe: Kraftfahrzeugmechatroniker, Fachinformatiker, Elektroniker, Anlagenmechaniker
          für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Industriemechaniker (BIBB 2019b). Von allen
          Frauen, die in 2019 einen Ausbildungsberuf wählten, wählten 37 Prozent diese fünf Berufe:
          Kauffrau für Büromanagement, Medizinische Fachangestellte, Zahnmedizinische Fachangestellte,
          Verkäuferin sowie Kauffrau im Einzelhandel (BIBB 2019a).
      •   Die Studienfachwahl weist hohe Geschlechterdisparitäten auf: Die Ingenieurwissenschaften
          weisen den geringsten Frauenanteil auf (25 Prozent), innerhalb des Faches bestehen aber Unter-
          schiede: Die Informatik, Elektrotechnik sowie Verkehrstechnik und Nautik haben einen Frauenanteil
          von unter 25 Prozent, Architektur und Raumplanung weisen dagegen 55 bis 62 Prozent Studien-
          anfängerinnen auf. Einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil von 60 bis über 80 Prozent
          verzeichnen die Geisteswissenschaften, die Kunst und die Kunstwissenschaften, die Humanmedizin
          und die Gesundheitswissenschaften, die Psychologie, das Sozialwesen, die Erziehungswissenschaft
          und die Veterinärmedizin (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2020: 191 f.).



              Aus- und Fortbildung


                                                                            Ziel:
                                                                            Gleichberechtigte Präsenz und
      Während etwa gleich viele Frauen und Männer eine Berufs-
                                                                            Teilhabe von Frauen und Männern
      ausbildung oder einen Fachschulabschluss (Meister, Techniker,
                                                                            in Kultur und Wissenschaft →
      Fachschule für Sozialberufe et cetera) absolvieren, ist der Anteil
      der Männer bei höheren Bildungsabschlüssen (Master, Diplom,           Gleichberechtigte Karriere-
      Promotion) höher (DIPF 2020).                                         chancen und Teilhabe von
                                                                            Frauen und Männern in
                                                                            Führungspositionen →


      •   Männer nehmen stärker an beruflicher Weiterbildung teil als Frauen; sie bekommen die Weiter-
          bildungsmaßnahme auch häufiger vom Arbeitgeber finanziert. In der Konsequenz profitieren sie
          mit einem höheren Einkommen (Bundesregierung 2017: 86).
      •   Der Anteil an den Promotionen von Frauen lag im Jahr 2018 in Deutschland bei 45 Prozent − im
          europäischen Vergleich ist dies leicht unterdurchschnittlich (Anteil in den 28 Staaten der Euro-
          päischen Union: 48 Prozent) (CEWS 2020).




34   Wissen
34

Arbeit
       Zugang zu Wissen und Bildung


                                                                      Ziel:
                                                                      Gleichberechtigte Präsenz und
                                                                      Teilhabe von Frauen und Männern
Wissen und Bildung sind unterschiedlich verteilt, dabei spielt




                                                                                                              Geld
                                                                      in Kultur und Wissenschaft →
nicht nur das Geschlecht, sondern auch die soziale und kulturelle
Herkunft eine Rolle.                                                  Gleichberechtigte Karriere-
                                                                      chancen und Teilhabe von
                                                                      Frauen und Männern in
                                                                      Führungspositionen →


•   Etwas mehr Männer als Frauen sind „gering literalisiert“, haben also bereits Schwierigkeiten, eine
    einfache schriftliche Arbeitsanweisung zu lesen. Dies betrifft hierzulande 12 Prozent der Erwachse-




                                                                                                              Wissen
    nen (also rund 6,2 Millionen), davon sind 58 Prozent Männer (Grotlüschen et al. 2019: 5, 7).
•   Die Hochschulreife erwerben heute rund 57 Prozent der jungen Frauen und 45 Prozent der jungen
    Männer (Studienberechtigtenquote), was vor allem an der höheren Gymnasialquote von Mädchen
    liegt. Die studienberechtigten Männer nehmen dann allerdings häufiger auch ein Studium auf.
    Trotz des weiblichen Vorsprungs im Erwerb der Hochschulreife ist deswegen nach wie vor der
    Geschlechteranteil unter Studienanfängerinnen und -anfängern in Deutschland fast ausgeglichen
    (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2020: 185).




                                                                                                              Zeit
                                                                                                              Entscheidungs-
                                                                                                                  macht
                                                                                                              Gesundheit
                                                                                                              Gewalt




                                                                                                     Wissen   35
35

Zeit
               Arbeitsteilung in Partnerschaften


                                                                             Ziel:
       Vor der Familiengründung verteilen sich die Erwerbs-Arbeits­
                                                                             Vereinbarkeit von Familie,
       zeiten von Männern und Frauen ähnlich. Nach der Gründung
                                                                             Pflege und Beruf stärken – eine
       einer Familie und dem Ende einer etwaigen Elternzeit ergibt
                                                                             gleichberechtigte Verteilung von
       sich ein anderes Bild. Dabei sind Erwerbsunterbrechungen nach
                                                                             Erwerbsarbeit und unbezahlter
       der Geburt eines Kindes nach Region und Migrationsherkunft
                                                                             Sorgearbeit zwischen Frauen
       unterschiedlich ausgeprägt. Bei Männern hat die Familien­
                                                                             und Männer fördern →
       gründung kaum einen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung, im
       Gegenteil sind Väter noch häufiger erwerbstätig als kinderlose        Entgeltgleichheit und eigenstän-
       Männer (Bundesregierung 2017: 87).                                    dige wirtschaftliche Sicherung
                                                                             im Lebensverlauf →


       •    Frauen leisten im Schnitt täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer (Erziehung
            von Kindern, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen, Ehrenämter; Erhebung 2012/2013) (BMFSFJ
            2020b: 20). Dabei zeigen sich die größten Unterschiede bei den 34-Jährigen: hier beträgt der Gender
            Care Gap 111 Prozent. Frauen verbringen täglich im Schnitt fünf Stunden und 18 Minuten mit
            Care-Arbeit, Männer hingegen zwei Stunden und 31 Minuten (BMFSFJ 2019).
       •    Ostdeutsche Mütter haben ihre Erwerbstätigkeit schon immer deutlich kürzer als westdeutsche
            Mütter unterbrochen, wobei die Gesamtdauer der Erwerbsunterbrechungen in beiden Teilen des
            Landes mit steigender Kinderzahl zunimmt. Wenn das jüngste Kind drei Jahre oder jünger ist, waren
            38 Prozent der Mütter und 84 Prozent der Väter in ganz Deutschland ohne Migrationshintergrund
            im Jahr 2015 aktiv erwerbstätig (Pimminger 2015: 18).
       •    Mütter mit Migrationshintergrund sind zu einem geringeren Anteil aktiv erwerbstätig als Mütter
            ohne Migrationshintergrund, wenn das jüngste Kind drei Jahre oder jünger ist: im Jahr 2015 waren
            21 Prozent der Mütter und 77 Prozent der Väter mit Migrationshintergrund in dieser Lebensphase
            aktiv erwerbstätig (Pimminger 2015: 18).



               Pflege und Betreuung von Kindern und Erwachsenen


                                                                             Ziel:
                                                                             Vereinbarkeit von Familie,
                                                                             Pflege und Beruf stärken – eine
       Sobald Verantwortung für ein Kind übernommen werden muss,             gleichberechtigte Verteilung von
       reduzieren viele Frauen ihre Erwerbstätigkeit auf Teilzeittätig­      Erwerbsarbeit und unbezahlter
       keiten, Erwerbstätige Väter wechseln wegen familiärer Verpflich-      Sorgearbeit zwischen Frauen
       tungen selten in die Teilzeit (Bundesregierung 2017: 154).            und Männer fördern →
                                                                             Entgeltgleichheit und eigenstän-
                                                                             dige wirtschaftliche Sicherung im
                                                                             Lebensverlauf →


       •    Die Müttererwerbstätigenquote mit einem jüngsten Kind unter 18 Jahren beträgt 69 Prozent (2018)
            (nach BMFSFJ 2020b: 20).
       •    Die Schätzungen für pflegende Angehörige belaufen sich auf insgesamt 2,47 Millionen Haupt­
            pflegepersonen, von denen rund zwei Drittel, nämlich 1,65 Millionen weiblich sind (Rothgang
            und Müller 2018: 113).




36   Zeit
36

Arbeit
       Haushaltsführung


                                                                      Ziel:
                                                                      Vereinbarkeit von Familie,
                                                                      Pflege und Beruf stärken – eine
Frauen wenden durchschnittlich mehr Zeit für die Hausarbeit




                                                                                                                   Geld
                                                                      gleichberechtigte Verteilung von
und Betreuung innerhalb der Familie auf als Männer.
                                                                      Erwerbsarbeit und unbezahlter
                                                                      Sorgearbeit zwischen Frauen
                                                                      und Männer fördern →


•   Frauen leisten im Schnitt täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer (Erziehung
    von Kindern, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen, Ehrenämter; Erhebung 2012/2013) (BMFSFJ
    2020b: 20). Dabei zeigen sich die größten Unterschiede bei den 34-Jährigen: hier beträgt der




                                                                                                                   Wissen
    Gender Care Gap 111 Prozent. Frauen verbringen täglich im Schnitt fünf Stunden und 18 Minuten
    mit Care-Arbeit, Männer hingegen zwei Stunden und 31 Minuten (BMFSFJ 2019).
•   Im Bereich der direkten Sorgearbeit (Kinderbetreuung im Haushalt sowie Unterstützung/ Pflege/
    Betreuung von erwachsenen Haushaltsmitgliedern und dazugehörige Wegezeiten) ist der Gender
    Care Gap deutlich höher als bei der unterstützenden Care-Arbeit (z.B. Kochen, Einkaufen,
    Ehrenamt, handwerkliche Tätigkeiten) (Klünder 2017: 7): Frauen leisten mehr als doppelt so
    lange (108 Prozent) direkte Care-Arbeit im Vergleich zu Männern. Die Lücke bei der unter-
    stützenden Care-Arbeit beträgt 47 Prozent (Klünder 2017: 11).




                                                                                                                   Zeit
       Gesellschaftliches Engagement


Frauen engagieren sich etwas seltener freiwillig als Männer
                                                                      Ziel:
(43 Prozent bei Frauen gegenüber 46 Prozent bei Männern)
                                                                      Die Bundesregierung fördert




                                                                                                                   Entscheidungs-
(Simonson et al. 2016: 16). Die Zahl der freiwillig engagierten
                                                                      die tatsächliche Gleichstellung
Frauen und Männer hat sich in den letzten 20 Jahren angenähert,




                                                                                                                       macht
                                                                      querschnittlich und struk-
allerdings bestehen nach Alter, Region und Art des Engagement
                                                                      turell. →
Unterschiede (Kausmann et al. 2017).


•   Das Engagement von Frauen und Männern weist regionale Unterschiede auf: im städtischen
    Raum beträgt der Abstand zwischen den Geschlechtern 3 Prozentpunkte, in ländlichen Gebieten
    7 Prozentpunkte (Simonson et al. 2016: 27). Männer engagieren sich deutlich häufiger in Leitungs-
    oder Vorstandsfunktionen (Simonson et al. 2016: 35). Frauen engagieren sich häufiger in der
    Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen und im kirchlichen oder religiösen Bereich als Männer,
    die sich vor allem in den Bereichen Sport, Politik und politische und berufliche Interessenvertretung
                                                                                                                   Gesundheit




    sowie im Unfall- und Rettungsdienst und bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren (Kausmann
    et al. 2017: 6).
                                                                                                                   Gewalt




                                                                                                            Zeit   37
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Mobilität


       Frauen haben andere Mobilitätsmuster als Männer. Die Ursachen        Ziel:
       liegen unter anderem in der unterschiedlichen Erwerbsquote, der      Die Bundesregierung fördert
       Teilzeitquote und der Arbeitsteilung in Partnerschaften. Dies hat    die tatsächliche Gleichstellung
       Auswirkungen auf ihre Mobilitätsmuster und das Nutzungsver-          querschnittlich und
       halten verschiedener Verkehrsmittel (Röhr et al. 2018: 46 ff.).      strukturell. →


       •    Im ländlichen Raum entstehen durch die anfallende Sorgearbeit hohe Mobilitätsanforderungen.
            Frauen sind jedoch gerade im ländlichen Raum weniger mobil als Männer, da sie seltener einen
            PKW zur Verfügung haben und der öffentliche Nahverkehr häufig schlecht ausgebaut ist
            (Bundesregierung 2017: 92).
       •    Während im Hinblick auf die an einem Tag zurückgelegten Anzahl der Wege nur geringe Unter-
            schiede bestehen, beträgt die durchschnittliche Wegelänge bei Männern 14 Kilometer und bei
            Frauen 11 Kilometer. Die durchschnittliche Tagesstrecke weist deutliche Unterschiede auf: Hier
            kommen Männer auf 46 Kilometer und Frauen auf 33 Kilometer. Dabei fahren Männer im Schnitt
            täglich zehn Kilometer mehr Auto als Frauen (BMVI 2018: 29, 51).
       •    Insgesamt besaßen im Jahr 2017 91 Prozent der Männer und 85 Prozent der Frauen (ab 18 Jahren)
            einen PKW-Führerschein. Der Anteil der Personen mit einem Führerschein ist in der Gruppe der bis
            50-Jährigen zwischen Frauen und Männern fast gleich hoch, geht jedoch in den Altersgruppen der
            über 50-Jährigen auseinander (Follmer und Gruschwitz 2019: 23).




38   Zeit
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