arbeitshilfegleichstellungsorientiertegesetzesfolgenabschtzungnach2ggo
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Arbeitshilfe des BMFSFJ zur geschlechtergerechten Folgenabschätzung“
Arbeit
Arbeitsteilung in Partnerschaften
Vor der Familiengründung verteilen sich die Arbeitszeiten von
Ziel:
Frauen und Männern ähnlich. Nach der Gründung einer Familie
Vereinbarkeit von Familie,
und dem Ende einer etwaigen Elternzeit ergibt sich ein anderes
Pflege und Beruf stärken – eine
Geld
Bild. Insbesondere in Westdeutschland herrscht das Bild einer
gleichberechtigte Verteilung von
Zuverdiener-Familie vor. Dieser Effekt tritt bei Müttern mit
Erwerbsarbeit und unbezahlter
Migrationshintergrund noch deutlicher hervor. Ihre Erwerbs-
Sorgearbeit zwischen Frauen und
quote liegt deutlich unter jener von Müttern ohne Migrations-
Männern fördern →
hintergrund (Bundesregierung 2017: 87).
• Mütter nehmen durchschnittlich deutlich häufiger und länger Elternzeit als Väter. Von den 1,9 Mil-
lionen Personen, die in 2019 Elterngeld erhielten, waren 1,41 Millionen Frauen und 456.000 Männer.
Wissen
Dabei betrug die geplante Bezugsdauer bei Frauen (ausschließlich Basiselterngeld) durchschnittlich
11,7 Monate (Elterngeld Plus: 19,9 Monate), bei Männern betrug die angestrebte Bezugsdauer
durchschnittlich 2,9 Monate (Elterngeld Plus: 8,5 Monate) (DESTATIS 2020).
• Frauen leisten im Schnitt täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer (Erziehung
von Kindern, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen, Ehrenämter; Erhebung 2012/2013) (BMFSFJ
2020b: 20). Dabei zeigen sich die größten Unterschiede bei den 34-Jährigen: Hier beträgt der Gender
Care Gap 111 Prozent. Frauen verbringen täglich im Schnitt fünf Stunden und 18 Minuten mit
Care-Arbeit, Männer hingegen zwei Stunden und 31 Minuten (BMFSFJ 2019).
Zeit
Gesellschaftliche Wertschätzung
Ziel:
Häufig wird „Arbeit“ mit Erwerbsarbeit gleichgesetzt. Unbezahlte Vereinbarkeit von Familie,
Entscheidungs-
Tätigkeiten, wie zum Beispiel die Führung des Haushalts und Pflege und Beruf stärken – eine
die Versorgung der (arbeitenden) Familienmitglieder sowie der gleichberechtigte Verteilung von
macht
Kinder und pflegebedürftiger Verwandter, werden seltener direkt Erwerbsarbeit und unbezahlter
mit Arbeit assoziiert, obwohl die Care-Arbeit das gesellschaft- Sorgearbeit zwischen Frauen
liche Überleben sichert (Samtleben 2019: 140 f.). Aber auch die und Männern fördern →
bezahlten Care-Berufe sind häufig von geringen Löhnen und Soziale Berufe als attraktive
schlechten Arbeitsbedingungen geprägt. und durchlässige Karriereberufe
stärken →
• Frauen leisten im Schnitt mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Zwei Drittel der Hautpflege-
personen in Privathaushalten mit pflegebedürftigen Personen sind weiblich (BMFSFJ, 2020b: 20).
Gesundheit
• Private Haushalte wendeten im Jahr 2013 35 Prozent mehr Zeit für bezahlte Erwerbsarbeit als für
unbezahlte Sorgearbeit auf. Der Wert dieser Arbeit entspricht etwa einem Drittel der im Brutto-
inlandsprodukt ausgewiesenen Bruttowertschöpfung (987 Milliarden Euro). Somit liegt sie deutlich
über der Wertschöpfung im Produzierenden Gewerbe (769 Milliarden Euro) (Schwarz und Schwahn
2016: 46).
• In den in der Coronakrise systemrelevanten Berufsgruppen der „ersten Stunde“ liegt der Anteil an
Frauen bei 60 Prozent, gleichzeitig sind dies größtenteils unterdurchschnittlich bezahlte Berufe
(Koebe et al. 2020).
Gewalt
Arbeit 29
Geld
Steuern
Obwohl Steuergesetze geschlechtsneutral formuliert sind, haben Ziel:
einzelne Regelungen zum Beispiel durch Anreizsetzungen bei der Entgeltgleichheit und eigen-
Erwerbstätigkeit unterschiedliche Effekte auf das Einkommen ständige wirtschaftliche
jeweils von Frauen und Männern. Sicherung im Lebensverlauf →
• Das Ehegattensplitting bewirkt eine steuerlich höhere Belastung des Einkommens des Partners
beziehungsweise der Partnerin, der oder die weniger verdient (BMF 2018: 23). Denn durch das
Ehegattensplitting wird das zu versteuernde Einkommen beider Eheleute beziehungsweise
Lebenspartnerinnen und -partner halbiert, und jede Hälfte unterliegt dem gleichen Steuersatz.
Damit unterliegt das Einkommen der Person mit dem geringeren Einkommen – häufiger ist dies
die Frau – einer höheren steuerlichen Belastung, als es dem individuellen Einkommen entspricht.
Somit nehmen für Erstverdienende (häufiger Männer) die Erwerbsanreize zu, während der hohe
Grenzsteuersatz die Erwerbstätigkeit für die Person mit dem geringeren Einkommen (häufiger
Frauen) teurer macht. Für Zweitverdienende wird damit der Erwerbsanreiz geschwächt.
• Darüber hinaus kann die Wahl der Lohnsteuerklassen III und V von Eheleuten zu zunächst unter-
schiedlichen Steuerbelastungen innerhalb der Ehe beziehungsweise Partnerschaft führen, meistens
zum Nachteil von Frauen, deren Höhe sich aber bei der Zusammenveranlagung ändern kann. Die
Berechnung der Lohnsteuer anhand der am häufigsten genutzten Steuerklassenkombination III/V
führt dazu, dass die Lohnsteuer in Steuerklasse V, in der zu circa 90 Prozent Frauen sind, sehr hoch
und der Nettolohn entsprechend niedrig ausfällt. Dazu kommt, dass Lohnersatzleistungen, wie
Krankengeld, Arbeitslosengeld oder Elterngeld als prozentualer Anteil des Nettolohns berechnet
werden. Daher fallen auch diese Leistungen bei gleichem Bruttoeinkommen und gleichen Sozial-
versicherungsbeiträgen in Steuerklasse V erheblich geringer aus als in Steuerklasse III − in der Regel
zum Nachteil von Frauen (Hans-Böckler-Stiftung 2020b; Spangenberg et al. 2020).
Einkommen
Ziel:
Entgeltgleichheit und eigen-
Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer.
ständige wirtschaftliche
Sicherung im Lebensverlauf →
• Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen ist um 20 Prozent niedriger als der von
Männern (Stand 2019). Allerdings bestehen erhebliche Unterschiede zwischen alten und neuen
Bundesländern. Im Osten beträgt der Unterschied 7 Prozent, im Westen Deutschlands (und Berlin)
21 Prozent (unbereinigter Gender Pay Gap) (DESTATIS o. J.c).
• Auch bei gleichen Rahmenbedingungen ist das Einkommen von Frauen oft geringer. Bei einer
38-Stunden-Woche und zehn Jahren Berufserfahrung gibt es Unterschiede im Bruttoarbeitslohn in
verschiedenen Berufen: So verdienen Filial- oder Verkaufsstellenleiterinnen 18 Prozent weniger als
ihre männlichen Kollegen, Juristinnen 10 Prozent weniger, Bankkauffrauen 14 Prozent weniger als
Bankkaufmänner und Krankenpflegerinnen 10 Prozent weniger als Krankenpfleger (Hans-Böckler-
Stiftung 2020a).
30 Geld
Arbeit
Sozialleistungen und Sozialversicherungen
Ziel:
Aufgrund der im Schnitt geringeren Erwerbseinkommen erzielen Entgeltgleichheit und eigenstän-
Frauen weniger eigenständige Sozialleistungen. dige wirtschaftliche Sicherung
Geld
im Lebensverlauf →
• Der „Gender Pension Gap“ lag 2019 bei 49 Prozent (BMAS 2020: 103). Er misst den prozentualen
Unterschied zwischen den durchschnittlichen persönlichen eigenen Alterssicherungseinkommen
von Frauen gegenüber denen von Männern ab 65 Jahren. Die Kennzahl blendet jedoch den Haus-
haltskontext wie auch Hinterbliebenenleistungen aus – und sie bezieht sich auf Frauen und Männer,
die häufiger noch traditionelle Partnerschaftsmodelle gelebt haben beziehungsweise leben als
heute üblich (BMFSFJ 2020b: 14).
Wissen
• Die durchschnittliche Anspruchshöhe (inklusive Sozialversicherungsbeiträge) von Leistungsbezie-
henden bei Arbeitslosigkeit unterscheidet sich nach Geschlecht: Während Männer im Schnitt
1.910 Euro bekamen, waren es bei Frauen im Schnitt 1.491 Euro (Zahlen vom April 2020) (Bundes-
agentur für Arbeit 2020).
Berufswahl und Berufsausübung
Zeit
Frauen sind vermehrt in Berufen der sozialen, personenbezoge-
Ziel:
nen und haushaltsnahen Dienstleistungen tätig. Diese werden
Soziale Berufe als attraktive
häufig geringer bewertet und vergütet als gleichwertige Berufe,
und durchlässige Karriereberufe
die von Männern dominiert werden, zum Beispiel in der Industrie
stärken →
(Bundesregierung 2017: 93).
Entscheidungs-
• Die Bewertung und Entlohnung von Arbeit ist gesellschaftlichen Wertvorstellungen unterworfen
macht
und fällt zuungunsten der weiblichen Erwerbstätigen aus. So werden Fachkräfte in der Kranken-
pflege und in der Geburtshilfe für die sehr hohen Anforderungen und Belastungen ihres Berufes
vergleichsweise gering entlohnt (Klammer et al. 2018: 63).
• In den in der Coronakrise systemrelevanten Berufsgruppen der „ersten Stunde“ liegt der Anteil
an Frauen bei 60 Prozent, gleichzeitig sind dies größtenteils unterdurchschnittlich bezahlte Berufe
(Koebe et al. 2020). Gesundheit
Gewalt
Geld 31
Sorgerecht und Unterhalt
Ziel:
Vereinbarkeit von Familie,
Pflege und Beruf stärken –
eine gleichberechtigte Verteilung
Nach einer Scheidung beziehungsweise Trennung wohnen
von Erwerbsarbeit und unbezahl-
die Kinder in den meisten Fällen bei der Mutter. Dies hat
ter Sorgearbeit zwischen Frauen
für die Frauen erhebliche ökonomische Folgen.
und Männern fördern →
Entgeltgleichheit und eigenstän-
dige wirtschaftliche Sicherung
im Lebensverlauf →
• Fast 90 Prozent aller Alleinerziehenden sind Mütter (BiB o. J.). Alleinerziehende sind einer besonde-
ren Armutsgefährdung ausgesetzt. Die Unterschiede im Lebensstandard zeigen sich beispielsweise
bei der durchschnittlichen Wohnfläche: So wohnen Alleinerziehende im Durchschnitt auf etwa
34 Quadratmetern pro Person – in der Gesamtbevölkerung sind es über 56 Quadratmeter pro
Person (Rehm 2020: 247)
• Wenn Alleinerziehende für ihre Kinder keinen Unterhalt vom anderen Elternteil erhalten, werden sie
mit dem Unterhaltsvorschuss staatlich unterstützt. Im Jahr 2018 erhielten bundesweit 713.514
Alleinerziehende einen solchen Unterhaltsvorschuss, in 89 Prozent der Fälle war der betreuende
Elternteil eine Frau (Deutscher Bundestag 2018: 517).
Vermögen, Geldanlage und Versicherungen
Ziel:
Die Vermögen von Frauen und Männern sind ungleich verteilt,
Entgeltgleichheit und eigen-
auch das Anlageverhalten und das Finanzwissen weisen nach
ständige wirtschaftliche
Geschlecht Unterschiede auf.
Sicherung im Lebensverlauf →
• Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist eine größere Vorsicht von Frauen
bei Geldanlagen darin begründet, dass sie im Durchschnitt nur halb so viel Geldvermögen zur
Verfügung haben wie Männer. Eine prinzipielle Risikoscheu von Frauen kann als Klischee bezeichnet
werden, denn der Einfluss des Vermögens beim Anlageverhalten ist für beide Geschlechter gleich
(Badunenko et al. 2009).
• Wie auch in anderen Ländern zeigt sich in Deutschland eine deutliche Lücke zwischen dem
Finanzwissen der Geschlechter. So sind Frauen deutlich weniger über die Möglichkeiten des
privaten Vermögensaufbaus und der Alterssicherung informiert als Männer (Anger et al. 2019).
• In der Gruppe der Millionärinnen beziehungsweise Millionäre beträgt der Frauenanteil etwa
31 Prozent (Schröder et al. 2020: 517).
32 Geld
Arbeit
Pflege und Betreuung von Kindern und Erwachsenen
Ziel:
Viele Frauen reduzieren ihre Erwerbstätigkeit auf Teilzeittätig- Vereinbarkeit von Familie,
keiten, sobald Verantwortung für ein Kind übernommen werden Pflege und Beruf stärken – eine
Geld
muss. Erwerbstätige Väter wechseln wegen familiärer Verpflich- gleichberechtigte Verteilung von
tungen selten in die Teilzeit. Das Zuverdiener-Arrangement Erwerbsarbeit und unbezahlter
wirkt sich oft langfristig negativ auf die Karriereperspektiven Sorgearbeit zwischen Frauen
von Müttern aus und schlägt sich in Einkommensnachteilen im und Männern fördern →
Lebensverlauf sowie in geringeren Rentenansprüchen nieder Entgeltgleichheit und eigen-
(Bundesregierung 2017: 154). ständige wirtschaftliche
Sicherung im Lebensverlauf →
Wissen
• Obwohl der Anteil pflegender Männer seit den 1990ern gestiegen ist, machen Frauen immer noch
die Mehrheit der pflegenden Personen aus. Der Frauenanteil steigt dabei mit dem Pflegeumfang
(Bundesregierung 2017: 88).
• Die Schätzungen für pflegende Angehörige belaufen sich auf insgesamt 2,47 Millionen Haupt-
pflegepersonen, von denen rund zwei Drittel, nämlich 1,65 Millionen, weiblich sind (Rothgang
und Müller 2018: 113).
Zeit
Entscheidungs-
macht
Gesundheit
Gewalt
Geld 33
Wissen
Berufswahl und Berufsausübung
Frauen und Männer setzen nach wie vor unterschiedliche
Schwerpunkte in ihrer Berufswahl und den Branchen, in denen
Ziel:
sie tätig sind. Im Allgemeinen sind Frauen eher im Dienstleis-
Soziale Berufe als attraktive
tungssektor (Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und
und durchlässige Karriereberufe
Unterricht, Öffentliche Verwaltung) tätig. Männer sind hingegen
stärken →
vor allem in der Industrie, dem Verkehr sowie im Baugewerbe
beschäftigt (Bundesagentur für Arbeit 2019: 12 f.).
• Die Wahl der Ausbildungsberufe erfolgt deutlich nach geschlechtsbezogenen Mustern: Von allen
Männern, die sich im Jahr 2019 neu für einen Ausbildungsberuf entschieden, wählten 23 Prozent
diese fünf Berufe: Kraftfahrzeugmechatroniker, Fachinformatiker, Elektroniker, Anlagenmechaniker
für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Industriemechaniker (BIBB 2019b). Von allen
Frauen, die in 2019 einen Ausbildungsberuf wählten, wählten 37 Prozent diese fünf Berufe:
Kauffrau für Büromanagement, Medizinische Fachangestellte, Zahnmedizinische Fachangestellte,
Verkäuferin sowie Kauffrau im Einzelhandel (BIBB 2019a).
• Die Studienfachwahl weist hohe Geschlechterdisparitäten auf: Die Ingenieurwissenschaften
weisen den geringsten Frauenanteil auf (25 Prozent), innerhalb des Faches bestehen aber Unter-
schiede: Die Informatik, Elektrotechnik sowie Verkehrstechnik und Nautik haben einen Frauenanteil
von unter 25 Prozent, Architektur und Raumplanung weisen dagegen 55 bis 62 Prozent Studien-
anfängerinnen auf. Einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil von 60 bis über 80 Prozent
verzeichnen die Geisteswissenschaften, die Kunst und die Kunstwissenschaften, die Humanmedizin
und die Gesundheitswissenschaften, die Psychologie, das Sozialwesen, die Erziehungswissenschaft
und die Veterinärmedizin (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2020: 191 f.).
Aus- und Fortbildung
Ziel:
Gleichberechtigte Präsenz und
Während etwa gleich viele Frauen und Männer eine Berufs-
Teilhabe von Frauen und Männern
ausbildung oder einen Fachschulabschluss (Meister, Techniker,
in Kultur und Wissenschaft →
Fachschule für Sozialberufe et cetera) absolvieren, ist der Anteil
der Männer bei höheren Bildungsabschlüssen (Master, Diplom, Gleichberechtigte Karriere-
Promotion) höher (DIPF 2020). chancen und Teilhabe von
Frauen und Männern in
Führungspositionen →
• Männer nehmen stärker an beruflicher Weiterbildung teil als Frauen; sie bekommen die Weiter-
bildungsmaßnahme auch häufiger vom Arbeitgeber finanziert. In der Konsequenz profitieren sie
mit einem höheren Einkommen (Bundesregierung 2017: 86).
• Der Anteil an den Promotionen von Frauen lag im Jahr 2018 in Deutschland bei 45 Prozent − im
europäischen Vergleich ist dies leicht unterdurchschnittlich (Anteil in den 28 Staaten der Euro-
päischen Union: 48 Prozent) (CEWS 2020).
34 Wissen
Arbeit
Zugang zu Wissen und Bildung
Ziel:
Gleichberechtigte Präsenz und
Teilhabe von Frauen und Männern
Wissen und Bildung sind unterschiedlich verteilt, dabei spielt
Geld
in Kultur und Wissenschaft →
nicht nur das Geschlecht, sondern auch die soziale und kulturelle
Herkunft eine Rolle. Gleichberechtigte Karriere-
chancen und Teilhabe von
Frauen und Männern in
Führungspositionen →
• Etwas mehr Männer als Frauen sind „gering literalisiert“, haben also bereits Schwierigkeiten, eine
einfache schriftliche Arbeitsanweisung zu lesen. Dies betrifft hierzulande 12 Prozent der Erwachse-
Wissen
nen (also rund 6,2 Millionen), davon sind 58 Prozent Männer (Grotlüschen et al. 2019: 5, 7).
• Die Hochschulreife erwerben heute rund 57 Prozent der jungen Frauen und 45 Prozent der jungen
Männer (Studienberechtigtenquote), was vor allem an der höheren Gymnasialquote von Mädchen
liegt. Die studienberechtigten Männer nehmen dann allerdings häufiger auch ein Studium auf.
Trotz des weiblichen Vorsprungs im Erwerb der Hochschulreife ist deswegen nach wie vor der
Geschlechteranteil unter Studienanfängerinnen und -anfängern in Deutschland fast ausgeglichen
(Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2020: 185).
Zeit
Entscheidungs-
macht
Gesundheit
Gewalt
Wissen 35
Zeit
Arbeitsteilung in Partnerschaften
Ziel:
Vor der Familiengründung verteilen sich die Erwerbs-Arbeits
Vereinbarkeit von Familie,
zeiten von Männern und Frauen ähnlich. Nach der Gründung
Pflege und Beruf stärken – eine
einer Familie und dem Ende einer etwaigen Elternzeit ergibt
gleichberechtigte Verteilung von
sich ein anderes Bild. Dabei sind Erwerbsunterbrechungen nach
Erwerbsarbeit und unbezahlter
der Geburt eines Kindes nach Region und Migrationsherkunft
Sorgearbeit zwischen Frauen
unterschiedlich ausgeprägt. Bei Männern hat die Familien
und Männer fördern →
gründung kaum einen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung, im
Gegenteil sind Väter noch häufiger erwerbstätig als kinderlose Entgeltgleichheit und eigenstän-
Männer (Bundesregierung 2017: 87). dige wirtschaftliche Sicherung
im Lebensverlauf →
• Frauen leisten im Schnitt täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer (Erziehung
von Kindern, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen, Ehrenämter; Erhebung 2012/2013) (BMFSFJ
2020b: 20). Dabei zeigen sich die größten Unterschiede bei den 34-Jährigen: hier beträgt der Gender
Care Gap 111 Prozent. Frauen verbringen täglich im Schnitt fünf Stunden und 18 Minuten mit
Care-Arbeit, Männer hingegen zwei Stunden und 31 Minuten (BMFSFJ 2019).
• Ostdeutsche Mütter haben ihre Erwerbstätigkeit schon immer deutlich kürzer als westdeutsche
Mütter unterbrochen, wobei die Gesamtdauer der Erwerbsunterbrechungen in beiden Teilen des
Landes mit steigender Kinderzahl zunimmt. Wenn das jüngste Kind drei Jahre oder jünger ist, waren
38 Prozent der Mütter und 84 Prozent der Väter in ganz Deutschland ohne Migrationshintergrund
im Jahr 2015 aktiv erwerbstätig (Pimminger 2015: 18).
• Mütter mit Migrationshintergrund sind zu einem geringeren Anteil aktiv erwerbstätig als Mütter
ohne Migrationshintergrund, wenn das jüngste Kind drei Jahre oder jünger ist: im Jahr 2015 waren
21 Prozent der Mütter und 77 Prozent der Väter mit Migrationshintergrund in dieser Lebensphase
aktiv erwerbstätig (Pimminger 2015: 18).
Pflege und Betreuung von Kindern und Erwachsenen
Ziel:
Vereinbarkeit von Familie,
Pflege und Beruf stärken – eine
Sobald Verantwortung für ein Kind übernommen werden muss, gleichberechtigte Verteilung von
reduzieren viele Frauen ihre Erwerbstätigkeit auf Teilzeittätig Erwerbsarbeit und unbezahlter
keiten, Erwerbstätige Väter wechseln wegen familiärer Verpflich- Sorgearbeit zwischen Frauen
tungen selten in die Teilzeit (Bundesregierung 2017: 154). und Männer fördern →
Entgeltgleichheit und eigenstän-
dige wirtschaftliche Sicherung im
Lebensverlauf →
• Die Müttererwerbstätigenquote mit einem jüngsten Kind unter 18 Jahren beträgt 69 Prozent (2018)
(nach BMFSFJ 2020b: 20).
• Die Schätzungen für pflegende Angehörige belaufen sich auf insgesamt 2,47 Millionen Haupt
pflegepersonen, von denen rund zwei Drittel, nämlich 1,65 Millionen weiblich sind (Rothgang
und Müller 2018: 113).
36 Zeit
Arbeit
Haushaltsführung
Ziel:
Vereinbarkeit von Familie,
Pflege und Beruf stärken – eine
Frauen wenden durchschnittlich mehr Zeit für die Hausarbeit
Geld
gleichberechtigte Verteilung von
und Betreuung innerhalb der Familie auf als Männer.
Erwerbsarbeit und unbezahlter
Sorgearbeit zwischen Frauen
und Männer fördern →
• Frauen leisten im Schnitt täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer (Erziehung
von Kindern, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen, Ehrenämter; Erhebung 2012/2013) (BMFSFJ
2020b: 20). Dabei zeigen sich die größten Unterschiede bei den 34-Jährigen: hier beträgt der
Wissen
Gender Care Gap 111 Prozent. Frauen verbringen täglich im Schnitt fünf Stunden und 18 Minuten
mit Care-Arbeit, Männer hingegen zwei Stunden und 31 Minuten (BMFSFJ 2019).
• Im Bereich der direkten Sorgearbeit (Kinderbetreuung im Haushalt sowie Unterstützung/ Pflege/
Betreuung von erwachsenen Haushaltsmitgliedern und dazugehörige Wegezeiten) ist der Gender
Care Gap deutlich höher als bei der unterstützenden Care-Arbeit (z.B. Kochen, Einkaufen,
Ehrenamt, handwerkliche Tätigkeiten) (Klünder 2017: 7): Frauen leisten mehr als doppelt so
lange (108 Prozent) direkte Care-Arbeit im Vergleich zu Männern. Die Lücke bei der unter-
stützenden Care-Arbeit beträgt 47 Prozent (Klünder 2017: 11).
Zeit
Gesellschaftliches Engagement
Frauen engagieren sich etwas seltener freiwillig als Männer
Ziel:
(43 Prozent bei Frauen gegenüber 46 Prozent bei Männern)
Die Bundesregierung fördert
Entscheidungs-
(Simonson et al. 2016: 16). Die Zahl der freiwillig engagierten
die tatsächliche Gleichstellung
Frauen und Männer hat sich in den letzten 20 Jahren angenähert,
macht
querschnittlich und struk-
allerdings bestehen nach Alter, Region und Art des Engagement
turell. →
Unterschiede (Kausmann et al. 2017).
• Das Engagement von Frauen und Männern weist regionale Unterschiede auf: im städtischen
Raum beträgt der Abstand zwischen den Geschlechtern 3 Prozentpunkte, in ländlichen Gebieten
7 Prozentpunkte (Simonson et al. 2016: 27). Männer engagieren sich deutlich häufiger in Leitungs-
oder Vorstandsfunktionen (Simonson et al. 2016: 35). Frauen engagieren sich häufiger in der
Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen und im kirchlichen oder religiösen Bereich als Männer,
die sich vor allem in den Bereichen Sport, Politik und politische und berufliche Interessenvertretung
Gesundheit
sowie im Unfall- und Rettungsdienst und bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren (Kausmann
et al. 2017: 6).
Gewalt
Zeit 37
Mobilität
Frauen haben andere Mobilitätsmuster als Männer. Die Ursachen Ziel:
liegen unter anderem in der unterschiedlichen Erwerbsquote, der Die Bundesregierung fördert
Teilzeitquote und der Arbeitsteilung in Partnerschaften. Dies hat die tatsächliche Gleichstellung
Auswirkungen auf ihre Mobilitätsmuster und das Nutzungsver- querschnittlich und
halten verschiedener Verkehrsmittel (Röhr et al. 2018: 46 ff.). strukturell. →
• Im ländlichen Raum entstehen durch die anfallende Sorgearbeit hohe Mobilitätsanforderungen.
Frauen sind jedoch gerade im ländlichen Raum weniger mobil als Männer, da sie seltener einen
PKW zur Verfügung haben und der öffentliche Nahverkehr häufig schlecht ausgebaut ist
(Bundesregierung 2017: 92).
• Während im Hinblick auf die an einem Tag zurückgelegten Anzahl der Wege nur geringe Unter-
schiede bestehen, beträgt die durchschnittliche Wegelänge bei Männern 14 Kilometer und bei
Frauen 11 Kilometer. Die durchschnittliche Tagesstrecke weist deutliche Unterschiede auf: Hier
kommen Männer auf 46 Kilometer und Frauen auf 33 Kilometer. Dabei fahren Männer im Schnitt
täglich zehn Kilometer mehr Auto als Frauen (BMVI 2018: 29, 51).
• Insgesamt besaßen im Jahr 2017 91 Prozent der Männer und 85 Prozent der Frauen (ab 18 Jahren)
einen PKW-Führerschein. Der Anteil der Personen mit einem Führerschein ist in der Gruppe der bis
50-Jährigen zwischen Frauen und Männern fast gleich hoch, geht jedoch in den Altersgruppen der
über 50-Jährigen auseinander (Follmer und Gruschwitz 2019: 23).
38 Zeit