plenarprotokoll-1038
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „StVO Novelle 23“
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kommenden zwei Wochen im Rahmen der Kampagne heißt ohne Zutun des oder der Betroffenen durch jene, die
gegen Gewalt an Frauen und Mädchen besonders hin. Es die psychosoziale Prozessbegleitung kennen und deren
fällt den Betroffenen schwer, ein solch grausames Erleb- große Bedeutung schätzen. Dann wird die Begleitung
nis zu verarbeiten. In ihrer Verzweiflung ziehen sich die tatsächlich denen zugutekommen, die sie brauchen. Das
Opfer zurück und verstecken sich. bezieht sich in dem vorliegenden Antrag von Nordrhein-
Westfalen bisher nur auf Kinder. Wir sind der Meinung,
Genau hier setzt die psychosoziale Prozessbegleitung es sollte ausgeweitet werden auf Erwachsene, auf alle
an; denn sie ist eine spezielle Hilfe, die den Opfern sexu- Opfer von Straftaten, unabhängig vom Alter des Opfers.
eller und schwerer körperlicher Gewalt in dieser sehr
belastenden Situation zur Seite steht. Das hilft nicht nur Ich habe vorhin die Zahl genannt, wie viele der poten-
den Opfern. Das hilft auch im Strafverfahren, denn es ziell Berechtigten wir insgesamt erreichen. Auf der ande-
fördert, dass die Betroffenen gut vorbereitet, begleitet ren Seite ist es so, dass nicht unbedingt jeder, der Gewalt
und informiert werden. In Mecklenburg-Vorpommern erfahren hat, die Zeit hat, sich zu informieren, welche
gibt es die Prozessbegleitung bereits seit 2010, und wir Unterstützungsleistung er bekommen kann. Hier sehen
können für uns konstatieren: Sie hat sich bewährt. Des- wir gerade mit dem Wegfall des Antragsverfahrens, des
halb haben wir uns immer wieder dafür eingesetzt, dass Antragserfordernisses eine gute Förderung, damit auch
diese Form der Unterstützung von Betroffenen deutsch- alle Betroffenen von der psychosozialen Prozessbeglei-
landweit vorgehalten wird. Seit 2017 besteht ein bundes- tung profitieren. Insofern möchte ich noch einmal für
weiter gesetzlicher Anspruch. unseren Änderungsantrag, der Ihnen heute vorliegt, wer-
ben. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass psychosoziale
Was wir aber sehen, ist, dass die psychosoziale Pro- Prozessbegleitung wirklich allen Betroffenen zugute-
zessbegleitung, obwohl es einen bundesweiten gesetzli- kommt! – Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.
chen Anspruch gibt, sie sich sowohl in der staatsanwalt- Vielen Dank!
schaftlichen als auch in der gerichtlichen Praxis bewährt
hat und breite Akzeptanz erlangt hat, nicht alle erreicht, Amtierende Präsidentin Wiebke Osigus: Herz-
die wir erreichen wollen. Der Erfolg fällt eher gering aus lichen Dank, Frau Ministerin Bernhardt!
und bleibt hinter den Erwartungen zurück. Laut einem
Bericht des BMJ zur psychosozialen Prozessbegleitung Weitere Wortmeldungen liegen uns nicht vor. – Eine
vom 2. Februar 2021 ist mit etwa 15 000 bis 17 000 po- Erklärung zu Protokoll1 hat Herr Minister Laumann
tenziell Anspruchsberechtigten jährlich gerechnet wor- (Nordrhein-Westfalen) abgegeben.
den. Und wie viele wurden durch die Prozessbegleitung
erreicht? Ganze 605 Beiordnungen gab es. Nur 4 Prozent Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussempfeh-
der tatsächlich Anspruchsberechtigten konnten also tat- lungen sowie ein Landesantrag vor.
sächlich erreicht werden. Genau hier zeigt sich das Prob-
lem, bei dem wir ansetzen müssen. Die Konferenz der Wir beginnen mit der Abstimmung über Ziffer 1 der
Justizministerinnen und Justizminister hat sich damit Ausschussempfehlungen. Ihr Handzeichen bitte! – Mehr-
mehrfach beschäftigt, das letzte Mal im Juni 2022 auf heit.
Antrag der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Bremen
und Berlin. Auch der Bund sieht Handlungsbedarf und Nun kommen wir zu dem Landesantrag. Wer dafür ist,
hat eine entsprechende Änderung angekündigt. Deshalb den bitte ich um das Handzeichen. – Minderheit.
finde ich es richtig, dass NRW diese Bundesratsinitiative
Zurück zu den Ausschussempfehlungen:
initiiert hat, der wir gerne beigetreten sind, die wir gerne
unterstützen. Wer ist für Ziffer 2? – Mehrheit.
Ich möchte einen Aspekt der Beratung noch einmal Wir kommen zur Schlussabstimmung: Wer dafür ist,
besonders hervorheben, gerade angesichts der internatio- die Entschließung nach Maßgabe der vorangegangenen
nalen Wochen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Abstimmung zu fassen, den bitte ich um das Handzei-
Ich finde es gut und es ist ein richtiges und wichtiges chen. – Mehrheit.
Zeichen, dass wir auch Betroffene in den Katalog aufge-
nommen haben, die von gravierenden Fällen häuslicher Dann ist das so beschlossen.
Gewalt betroffen sind. So wird ihnen ermöglicht, Zugang
zur psychosozialen Prozessbegleitung zu erhalten. – An Wir verlassen Tagesordnungspunkt 17.
dieser Stelle möchte ich mich für die gute Diskussion im
Rechtsausschuss bedanken. Wir kommen nun zu Tagesordnungspunkt 62:
Besonders begrüße ich, dass für minderjährige Ver-
TOP 62
Entschließung des Bundesrates: Erleichterung bei der
letzte bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen Genehmigung von Elektrolyseuren – Antrag der
ein Beiordnungsverfahren auf Antrag der Staatsanwalt-
schaft oder von Amts wegen vorgesehen werden soll, die
Beiordnung also künftig von Amts wegen erfolgt, das 1 Anlage 7
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Länder Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Auf der einen Seite Tausende von Stellen – weit über
Bayern, Niedersachsen gemäß § 36 Absatz 2 GO BR – 5 000 – und 400 Millionen Euro Zusatzkosten im Jahr.
(Drucksache 591/23) Auch auf die Kommunen und auf die Länder kommen für
die Bildungs- und Teilhabeleistungen erhebliche Mehr-
Dem Antrag sind Hessen, das Saarland und Sachsen kosten zu. Die kommunalen Spitzenverbände laufen
beigetreten. Sturm, und das alles in einer der größten Haushaltskrisen
seit Jahrzehnten. Das steht auf der einen Seite. Auf der
Wortmeldungen liegen dazu nicht vor. – Eine Erklä- anderen Seite keine sofortige, wuchtige Hilfe für Fami-
rung zu Protokoll1 hat Herr Minister Krischer (Nord- lien, keine tatsächliche Neubemessung des Existenzmi-
rhein-Westfalen) abgegeben. nimums, wie vehement von den Sozialverbänden gefor-
dert. Da ist die Bundesregierung gerade auf dem sozial-
Ausschussberatungen haben zu der Vorlage noch nicht politischen Auge blind. Und dann noch das Potemkinsche
stattgefunden. Es ist jedoch beantragt, bereits heute in der Dorf, die angebliche Vereinfachung.
Sache zu entscheiden. Daher frage ich, wer für die sofor-
tige Sachentscheidung ist und bitte um Ihr Handzei- Ich will das an einem Beispiel darstellen. Familie
chen. – Mehrheit. Meier bezieht Bürgergeld. Status quo des Vollzugs ist:
Sie bekommt das Geld von einer Behörde. Nach dem
Dann kommen wir nun zur Entscheidung in der Sache. Gesetzentwurf können es in der Zukunft drei Behörden
sein. Nummer eins: Kindergarantiebetrag, Kinderzusatz-
Wer dafür ist, die Entschließung zu fassen, den bitte betrag, pauschaler Zusatzbetrag, Schulbedarfspauschale –
ich um das Handzeichen. – Mehrheit. der kürzlich gefeierte Loriot hätte seine Freude daran
gehabt – erhält Familie Meier von der Familienservice-
Damit hat der Bundesrat die Entschließung gefasst.
stelle der BA. Nummer zwei: Die zusätzlichen Kinderbe-
Wir haben Punkt 62 abgearbeitet. darfe bekommt Familie Meier beim Jobcenter. Denn nach
dem Entwurf bleiben SGB II und SGB XII die Auffang-
systeme. Die Meiers müssen auch im Falle von Einkom-
Wir kommen zu Tagesordnungspunkt 19:
mensverschlechterungen während des sechsmonatigen
Bewilligungszeitraums zum Jobcenter, also zu Behörde
TOP 19
Entwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Kin-
dergrundsicherung (Drucksache 505/23) Nummer zwei. Nummer drei: Für die weiteren Bildungs-
und Teilhabeleistungen müssen die Meiers zu einer drit-
Dazu liegen uns Wortmeldungen vor. Beginnen möge ten Behörde. Welche dies sein wird, entscheiden die
Frau Staatsministerin Scharf aus Bayern. – Bitte! Länder.
Ulrike Scharf (Bayern): Vielen Dank! – Frau Präsi- Das alles ist bitter – handwerklich und auch im Ver-
dentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir alle fahren. Statt eine Beteiligung der Fachleute ernst zu
hier sind vereint in der Sorge um unser Land und unsere nehmen, heißt es in der Bundesregierung: Augen zu und
Demokratie, vereint in unseren Verfassungsorganen der durch! Den Mund zu bei der Bundesagentur für Arbeit
Länder, vereint in der Nähe zu den Problemen der Men- und Zensur gegenüber kritischen Fachleuten, Ohren zu
schen und vereint in der Suche nach pragmatischen, nach gegenüber den engagierten Praktikern vor Ort. Mit dem
effizienten und nach tatsächlich vollziehbaren Lösungen Fazit: Ein riesiger Berg von Aufwand und Kosten gebiert
für ihre Sorgen und Nöte. eine Maus an Effekten – wenn überhaupt. Am Ende müs-
sen Familien doch zu drei Behörden rennen.
Nach dem Wahlergebnis in den Niederlanden, aber
noch mehr nach den Prognosen für das wichtige Wahl- Meine Damen und Herren, die Preissteigerungen tref-
jahr 2024 müssen wir mit großer Sorge feststellen: fen die Schwächsten am härtesten. Familien mit Kindern,
Deutschland steht an einem Scheideweg. Die Menschen geringem Einkommen, niedrigen oder keinen Rücklagen
verlieren das Vertrauen, die Schwächsten genauso wie haben im Monatsbudget den höchsten Anteil an Konsum-
die Leistungsträger. Deshalb müssen wir hier deutlicher ausgaben, an Mietnebenkosten, an Energiekosten. Was
als bisher formulieren: Der Gesetzentwurf zur Kinder- sollen sie denken über 400 Millionen Euro Bürokratie-
grundsicherung hat hehre Ziele, die wir teilen – mehr kosten? Was sollen sie denken angesichts der harten
Familien erreichen, den Zugang erleichtern, Kinderarmut Abrechnung der Sozialverbände mit diesem Entwurf?
bekämpfen, und das alles möglichst schnell –, doch die- Und was soll ihnen Hoffnung und vor allen Dingen neues
ser Entwurf erreicht dies alles nicht. Im Gegenteil: Er ist Vertrauen geben, wenn Frau Bundesministerin extrem
ein Paradebeispiel für „Gut gemeint, aber schlecht ge- teure und wenig überzeugende technische Vereinfachun-
macht“. gen in weiter Ferne preist, wenn sie gegenüber dem Fi-
nanzminister scheitert und deshalb im Hier und Heute, in
der aktuellen Notlage den ärmsten Kindern und Familien
nur trocken Brot anbietet?
1 Anlage 8
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Meine Damen und Herren, Deutschland schlingert, die ben an die Kommunen übertragen aus dem einfachen
Bundesregierung schlingert. Viele Menschen wenden Grund, dass wir in einem Flächenland nicht die Struktu-
sich ab und suchen Hoffnung bei den Vereinfachern aller ren haben, um die im Entwurf vorgesehenen Abwicklun-
Couleur. Unsere Demokratie braucht jetzt Handlungs- gen durchzuführen. Mit Ziffer 38 schlagen wir eine Mög-
kompetenz, sie braucht messbare Ergebnisse. Aber eines lichkeit vor für den Fall, dass keine Zusammenführung
braucht unser Land nicht: noch mehr Marketingsprüche der Leistungen erreicht werden kann. Diese sieht vor,
aus den Laboren der Werbeabteilungen oder noch mehr zunächst das Schulbedarfspaket und die Pauschale für die
Symbolbegriffe. Die sind längst hohl und schal. Davon soziale Teilhabe, wie auch vorgeschlagen, auf den Fami-
haben die Schwächsten nichts, außer Frustration und lienservice zu übertragen. Die übrigen Bestandteile soll-
Respektverlust gegenüber den Eliten. ten dann unverändert im SGB II und den anderen Leis-
tungssystemen bleiben. Dort gibt es bereits funktionie-
Die Familien mit niedrigen Einkommen, die am Mo- rende Strukturen, die die Länder nicht haben. Dies könnte
natsende jeden Euro umdrehen müssen, die Schwächsten, eine Art Übergangslösung darstellen. Sollte auch diese
nämlich ihre Kinder, brauchen jetzt konkrete Hilfen, und Lösung nicht umgesetzt werden, müssten die Länder
dafür reichen wir die Hand. Dieser Verantwortung, die davor geschützt werden, im Rahmen der Konnexität den
weit über rein materielle Fragen hinausgeht, die den Kern Kommunen die Ausgaben erstatten zu müssen. Das geht
der Stabilität und vor allen Dingen das Vertrauen in unse- nicht ohne eine Regelung zur Kostenübernahme durch
re Demokratie tangiert, wird der Entwurf zur Kinder- den Bund.
grundsicherung nicht gerecht. Leider ein weiteres Symbol
des Scheiterns an der Realität! Bayern lehnt diesen Ge- Zweitens: die Entlastung von anspruchsberechtigten
setzentwurf ab. – Vielen Dank! Familien. Schleswig-Holstein setzt sich dafür ein, den
Familienservice zu einem One-Stop-Shop auszubauen.
Amtierende Präsidentin Wiebke Osigus: Herz- Damit können Familien beim Familienservice auch An-
lichen Dank dafür! – Als nächste Rednerin hat sich Frau träge auf weitere ergänzende Leistungen stellen, die von
Ministerin Touré aus Schleswig-Holstein gemeldet. – anderen Stellen administriert werden. Kurz gesagt: Fami-
Bitte schön! lien sollen nicht noch mehr Behörden aufsuchen müssen.
Aminata Touré (Schleswig-Holstein): Sehr geehrte Drittens und abschließend: der Unterhaltsvorschuss.
Frau Präsidentin! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Die Insbesondere Kinder von Alleinerziehenden sind häufig
Einführung einer Kindergrundsicherung ist trotz aller von Armut betroffen. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass
politischen Kompromisse im Vorfeld ein großer und Alleinerziehende überwiegend finanziell profitieren,
wichtiger Schritt, um Kinderarmut in Deutschland zu wenn Unterhaltsvorschuss parallel zum Kinderzusatzbe-
bekämpfen. Deshalb freue ich mich, dass wir als Länder trag bezogen wird. In diesen Fällen soll, anders als bei
die Gelegenheit bekommen, diesen Aufschlag mit weite- der bisherigen Rechtslage, bei den Betroffenen nur ein
ren Ideen zu unterfüttern. Ich möchte auf drei zentrale Teil des Unterhaltsvorschusses auf den Kinderzusatzbe-
Punkte eingehen, die uns als Land Schleswig-Holstein trag angerechnet werden. Ein paralleler Bezug von Un-
besonders wichtig sind und zu denen wir alleine oder mit terhaltsvorschuss bei Kindern ab sieben Jahren soll vom
anderen Ländern gemeinsam Anträge in die Ausschüsse Einkommen des Elternteils abhängig sein. Erwerbshin-
eingebracht haben. dernisse wie die Betreuung weiterer Kinder, die Pflege
von Kindern mit Behinderung oder der Bezug von Mut-
Erstens. Es gibt Nachbesserungsbedarf bei dem Auf- terschaftsgeld werden im aktuellen Entwurf noch nicht
gabenpaket, das beim Familienservice liegen soll, und berücksichtigt. Eine Ausnahmeregelung bei diesem Per-
den Finanzierungsfragen, die damit verbunden sind. In sonenkreis ist unserer Meinung nach notwendig.
der Kindergrundsicherung sollen Kindergeld, Bürgergeld,
Sozialhilfe, Kinderzuschlag und die Leistungen des Bil- Es ist unsere Verantwortung als Politik, dafür Sorge zu
dungs- und Teilhabepakets für Kinder zusammengeführt tragen, dass kein Kind in Armut hineingeboren wird und
werden. Der aktuelle Entwurf ist hinsichtlich der Aufga- kein Kind in Armut leben muss. Die Kindergrundsiche-
benteilung bei den Bildungs- und Teilhabeleistungen rung ist ein wichtiger erster Schritt, um genau dieser
definitiv verbesserungswürdig. Der Familienservice soll Verantwortung gerecht zu werden. Wir freuen uns auf die
die Zuständigkeit für die pauschalierbaren Leistungen weiteren Beratungen.
übernehmen. Den Ländern soll die Zuständigkeit für die
nicht pauschalierbaren Leistungen übertragen werden. Amtierende Präsidentin Wiebke Osigus: Herz-
Aus Perspektive der Familien wird damit eine Leistung lichen Dank dafür! – Nächste Rednerin ist Frau Senatorin
auf unterschiedliche Behörden aufgeteilt. Ich begrüße die Günther-Wünsch aus Berlin. – Bitte!
Ziffern der Strichdrucksache, die vorsehen, dass alle
Leistungen für Bildung und Teilhabe aus einer Hand vom Katharina Günther-Wünsch (Berlin): Sehr geehrte
Familienservice geleistet werden. Diese Aufgabenbünde- Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Als
lung beim Familienservice ist wichtig. Im Falle, dass Senatorin für Bildung, Jugend und Familie in Berlin liegt
diese Aufgabenbündelung nicht stattfindet, müssten wir mir das Thema der Reduzierung von Kinderarmut beson-
in Schleswig-Holstein Leistungs- und Verwaltungsaufga- ders am Herzen, und das aus einem guten Grund, denn in
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Berlin ist die Zahl der von Armut betroffenen Kinder Der mit dem Gesetzentwurf verbundene massive Bü-
alarmierend hoch. Fast jedes vierte Kind bei uns in Berlin rokratieaufwuchs, insbesondere für Familien, aber eben
wächst in einer Familie auf, die Grundsicherungsleistun- auch für die Verwaltung, durch viele neue unterschiedli-
gen bezieht. Die negativen Auswirkungen von Armut auf che Anlaufstellen und Antragstellungswege. Die geplante
Kinder und Jugendliche sind in vielen Studien belegt und Umsetzung über die Bundesagentur für Arbeit unter der
lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ihre Teilhabe ist neuen Bezeichnung Familienservice würde mit Doppel-
eingeschränkt, sie haben weniger erfolgreiche Bildungs- und Parallelstrukturen einhergehen, die Beratungsstruktu-
biografien, und sie leiden unter einer mangelnden Ge- ren bei den Jobcentern würden den Familien verloren
sundheit. gehen, und sie verlieren dort sehr eingeübte Ansprech-
partner.
Um diese langfristigen Folgen zu reduzieren, haben
wir in Berlin unlängst eine Strategie gegen Kinderarmut Als problematisch sehen wir ebenfalls, dass weiterhin
entwickelt. Bereits jetzt hat das Land Berlin eine vielfäl- Bürgergeld und Sozialhilfe als Auffangsysteme fortbe-
tige Landschaft an Angeboten, die es für Kinder und stehen sollen. Nahezu alle Sachverständigen haben die
Jugendliche und ihre Familien kostenfrei zur Verfügung bundeseinheitliche Wohnkostenpauschale problemati-
stellt, um sie teilhaben zu lassen. Unsere Familienser- siert, die den Kinderzusatzbetrag künstlich erhöhen wür-
vicebüros in Kooperation mit der Bundesagentur für de, aber andererseits bei den Eltern vom Jobcenter in
Arbeit bieten einen umfassenden Service unter einem derselben Höhe wieder weggekürzt werden würde.
Dach und zeigen, wie Bürokratie tatsächlich abgebaut
werden kann. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir in unse- Kritik gibt es auch an den neuen Begriffen als Um-
rem Land bereits jetzt in vielen Bereichen zur Entlastung etikettierungen und Neuzuordnungen. Diese werden viele
von Familien beitragen. Wir passen die Infrastruktur an Familien verwirren. Beispielsweise sei nur genannt: Aus
die Bedürfnisse vor Ort an, sei es in der Familienbildung, dem „Kindergeld“ wird der „Garantiebetrag“ und aus der
in der Qualität der Kita- und der Ganztagsbetreuung oder „Bedarfsgemeinschaft“ die „Familiengemeinschaft“.
in der Freizeitgestaltung für Jugendliche und der Berufs-
orientierung. Diesen Weg werden wir weiterhin mit viel Und zum Schluss: Insbesondere der Kindergrundsi-
Engagement gehen. Wir haben uns aufgemacht, die Fol- cherungscheck geht komplett am Ziel vorbei. Eine Ab-
gen von Armut für Kinder und Jugendliche zu reduzieren, frage der relevanten Daten erfolgt erst nach einer Einwil-
und ich weiß, dass es auch andere Bundesländer wie ligung der Familien. Es kann dann aber auch nur ein Teil
Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Thüringen der Daten überhaupt erhoben werden, und diese Daten
und Niedersachsen ähnlich machen, indem sie Präven- dürfen wiederum nicht weiterverwendet werden. Das
tionsstrategien verfolgen. gleicht einem Schildbürgerstreich.
Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, Kinder effektiv Schon diese kritischen Punkte zeigen sehr deutlich,
vor Armut zu schützen und ihnen definitiv bessere Per- dass der vorliegende Gesetzentwurf in seiner derzeitigen
spektiven zu geben. In dieser Hinsicht hatten wir als Form nicht ausreichend ist, um die Herausforderung der
Land Berlin sehr hohe Erwartungen an ein umfassendes Kinderarmut effektiv anzugehen. Für eine Leistung, die
Konzept zur Kindergrundsicherung. Dieses Konzept wir als Kindergrundsicherung bezeichnen und für die wir
sollte eben nicht nur darauf abzielen, die Armut zu ver- zukünftig auch bereit sind, viel Geld bereitzustellen,
ringern und die Existenzsicherung zu stärken, sondern muss die Messlatte wesentlich höher liegen. Hier kann es
auch und insbesondere die Antrags- und Genehmigungs- nicht darum gehen, Versprechen zu machen, die sich
prozesse zu vereinfachen und die Bürokratie zu reduzie- später nicht erfüllen, geschweige denn umsetzen lassen.
ren. Die zentrale Frage, die wir uns also heute hier stellen
müssen, ist: Ist der vorliegende Gesetzentwurf in seiner Die drei großen Ziele, die mit dem Konzept einer Kin-
derzeitigen Fassung wirklich geeignet, um effektiv gegen dergrundsicherung verkündet wurden, sind also mit Le-
Kinderarmut vorzugehen? ben zu füllen: Zunächst einmal ein Mehr an Leistung für
Kinder und Jugendliche, danach insbesondere eine stär-
Leider müssen wir feststellen, dass der aktuelle Ent- kere Transparenz dieser Leistungen und weniger Büro-
wurf nur rudimentäre Ansätze für die dringend nötige kratie, damit bestehende Ansprüche besser eingelöst
Zielerreichung aufweist und damit noch ein langer Weg werden können. Was heißt das für unsere weitere Befas-
zu gehen ist. Folgende kritische Punkte sehen wir in dem sung mit dem vorliegenden Gesetzentwurf? Wir müssen
Gesetzentwurf: an folgenden Punkten noch mal intensiv in die Diskussi-
on gehen: Die Rechtskreise und Leistungsbereiche müs-
Zunächst die verfassungsrechtlich problematische sen sinnvoll aufeinander abgestimmt werden, und die
Übertragung der Kindergrundsicherung auf die Bundes- Leistungen für Bildung und Teilhabe müssen neu sortiert
agentur für Arbeit, da die Länder nach Artikel 30 und und die Zuständigkeiten sinnvoll strukturiert werden.
Artikel 83 Grundgesetz Bundesgesetze ausführen und es
sich bei der Kindergrundsicherung eben nicht nur um die Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich weiß,
Weiterentwicklung des Kinderzuschlags handelt. dass das hier in wenigen Worten einfach klingt. Mir ist
durchaus die Komplexität hinter den einzelnen Punkten
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bewusst. Lassen Sie uns also konstruktiv weiter dafür gergeld oder Sozialhilfe beantragen. Beispiele hierfür
streiten, wie wir tatsächlich eine existenzsichernde neue sind: Mehrbedarf bei behinderungsbedingten Kosten, bei
Leistung für Familien so gestalten können, dass sie vor krankheitsbedingt kostenaufwendiger Ernährung oder bei
Ort umsetzbar ist und wirklich zur Entlastung von Fami- notwendigen Erstausstattungen wie beispielsweise einem
lien, aber insbesondere zur Armutsprävention von Kin- Jugendbett.
dern beiträgt! – Vielen Dank!
Für diesen Personenkreis gibt es insofern weder eine
Amtierende Präsidentin Wiebke Osigus: Herz- Vereinfachung noch eine nennenswerte materielle Ver-
lichen Dank dafür! – Nächste Rednerin ist Frau Senatorin besserung. Diese Familien müssen sich vielmehr an zwei
Schlotzhauer aus Hamburg. – Bitte schön! Leistungsträger wenden, für die weiterhin in Länderzu-
ständigkeit verbleibenden, jedoch nicht pauschalierten
Melanie Schlotzhauer (Hamburg): Sehr geehrte Leistungen für Bildung und Teilhabe möglicherweise
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kolle- sogar noch an eine dritte Stelle. Das erzeugt sowohl für
gen! Zunächst einmal ist es ja eine gute Nachricht, dass die Betroffenen als auch für die Verwaltung einen hohen
wir heute über einen ganz konkreten Gesetzentwurf der zusätzlichen Aufwand. Es besteht sogar die Gefahr, dass
Bundesregierung zur Einführung einer Kindergrundsiche- es zu einer Unterdeckung kommt, wenn ergänzende Be-
rung beraten können. Es muss Anspruch unseres Landes darfe künftig im Einzelfall nicht hinreichend abgefragt
sein, seine jüngsten Mitbürgerinnen und Mitbürger, die oder erkannt werden.
Kinder und ihre Familien, bestmöglich und gerade auch
finanziell zu unterstützen, um von Anfang an ein gutes Auch wenn ich mit der Bundesagentur für Arbeit eine
Aufwachsen zu ermöglichen. Ich begrüße es daher aus- hochkompetente Organisation an unserer Seite weiß: Der
drücklich, dass wir uns auf diesen Weg machen und ver- neue Familienservice der Bundesagentur muss flächende-
suchen, im Interesse der Familien und Kinder in unserem ckend als kompetenter Ansprechpartner vor Ort agieren.
Land das Dickicht aus den verschiedensten familienpoli- Er muss die Familien im Hinblick auf die Beantragung
tischen Leistungen zu lichten. Richtig ist daher, dass der aller in Betracht kommenden Leistungen umfassend
Gesetzentwurf den Ansatz verfolgt, Leistungen für Fami- beraten und unterstützen. Darüber hinaus könnte eine
lien zu bündeln und eine einheitliche Leistung für alle gegenwärtig im Gesetzentwurf nicht vorgesehene An-
Kinder einzuführen. tragsweiterleitung des Familienservice an andere zustän-
dige Leistungsträger die von mir beschriebene Problema-
Ich freue mich auch, dass der uns dazu vorliegende tik zumindest etwas abmildern.
Gesetzentwurf finanzielle Verbesserungen für berufstäti-
ge Alleinerziehende vorsieht. Gleichwohl treiben mich Bei den Bedarfen für Unterkunft und Heizung wird es
mit Blick auf die konkrete Ausgestaltung des Gesetzent- nach dem vorliegenden Gesetzentwurf für die Familien
wurfs mit seinen vielen leistungsrechtlichen Schnittstel- im SGB-II- beziehungsweise SGB-XII-Bezug eine Dop-
len erhebliche Bedenken um. So richtig der Ansatz einer pelzuständigkeit von zwei Leistungsträgern geben, wenn
Leistungsbündelung ist, so wichtig ist es, dies im Gesetz- es nicht zu Nachbesserungen im Gesetzentwurf kommt,
gebungsprozess handwerklich so umzusetzen, dass Fami- nämlich dem Familienservice einerseits und dem Grund-
lien tatsächliche Erleichterungen bei der Beantragung sicherungsträger andererseits. Diese unterschiedliche
dieser Leistungen und in ihrem Alltag erfahren. Ich ma- Zuständigkeit birgt eine große Gefahr für das Auftreten
che mir jedoch begründete Sorgen, dass gerade Familien von Miet- und Heizschulden, die eine Wohnungskündi-
mit wenig Ressourcen durch die neue Kindergrundsiche- gung beziehungsweise Energiesperre nach sich ziehen
rung nicht Erleichterungen, sondern eher weitere Er- können. Derartige Schwierigkeiten würden zum Beispiel
schwernisse erfahren, konkret dadurch, dass sie nach dem vermieden, wenn die Wohnkostenpauschale nur an Fami-
bisherigen Entwurf der Bundesregierung nunmehr mit lien ausgezahlt würde, die keine weiteren Transferleis-
mehr Behörden konfrontiert sein werden als schon zuvor. tungen nach dem SGB II oder SGB XII benötigen. Fami-
Das haben auch die Vorrednerinnen bereits angespro- lien, deren Unterkunftskosten auch vom Jobcenter bezie-
chen. hungsweise Sozialamt übernommen werden, sollten da-
gegen keine anzurechnenden Kinderwohnkostenpauscha-
Unsere zentrale Leitlinie muss es aber sein, das kon- len erhalten. Diese Familien sollten ihre Unterkunftsbe-
krete Leben der Familien vor Ort wirksamer zu verbes- darfe stattdessen gänzlich durch Bürgergeld beziehungs-
sern. Das gelingt uns mit der Kindergrundsicherung nur weise Sozialhilfe aus einer Hand abdecken können.
dann, wenn wir es schaffen, Leistungen tatsächlich zu
bündeln und aus einer Hand anzubieten. Dies ist mit dem Auch die unterschiedliche Dauer der im Gesetz vorge-
vorliegenden Gesetzentwurf aus meiner Sicht jedoch sehenen Bewilligungszeiträume im Gesetzentwurf der
noch nicht gewährleistet. Vielmehr werden Doppelstruk- Bundesregierung einerseits sowie im SGB II und
turen innerhalb der Verwaltung verstetigt und auch neu SGB XII andererseits möchte ich hier einmal kurz an-
geschaffen. So sind existenzsichernde Mehr- und Son- sprechen. Das sind einmal sechs und einmal zwölf Mona-
derbedarfe sowie einmalige Bedarfe bislang auch künftig te. Hier besteht ein Risiko für kurzfristige Leistungsun-
nicht durch den Kinderzusatzbetrag abgedeckt, sondern terbrechungen. Diese Leistungsunterbrechungen können
die betroffenen Familien müssen hierfür weiterhin Bür- finanziell von den Familien nicht aufgefangen werden. In
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der Konsequenz ist daher eine Vereinheitlichung der ebenso sehen. Es geht uns um die beste Lösung. Dazu
Zeiträume auf jeweils ein Jahr anzustreben. liegen aus den Ausschüssen nun viele konkrete Vorschlä-
ge vor, wie wir das Gesetz noch besser machen können.
Im Ergebnis gehen wir also mit dem vorliegenden Mit Freude habe ich gelesen, dass der Ausschuss für
Entwurf eines Bundeskindergrundsicherungsgesetzes Frauen und Jugend die Kindergrundsicherung ausdrück-
zwar einen wichtigen Schritt und auch in die richtige lich begrüßt. Und sie ist ja tatsächlich ein Systemwech-
Richtung. Aus meiner Sicht muss der Gesetzentwurf sel. Sie führt die wesentlichen kindbezogenen Leistungen
jedoch noch deutliche Änderungen erfahren, um für die zusammen, die Familien zustehen. Alle Kinder haben
Familien in unserem Land einen echten Gewinn darzu- künftig einen Anspruch auf die Kindergrundsicherung, ob
stellen. Ich schließe daher mit meiner Hoffnung, dass die aktuell im Bürgergeldbezug oder nicht.
umfangreichen Stellungnahmen des Bundesrates mit
zahlreichen konkreten Änderungsbitten konstruktiv auf- Zuständig ist der neue Familienservice, zu dem die
genommen werden und dass es im weiteren parlamentari- Familienkassen umgebaut werden. Dieser Familienser-
schen Verfahren zu konkreten Verbesserungen kommt. vice wird mit dem Kindergrundsicherungscheck prüfen,
Diese Verbesserungen brauchen wir, um eine gelingende wer Anspruch hat, und er wird Familien proaktiv infor-
Umsetzung des Gesetzes ganz im Sinne der Kinder und mieren und Beratung anbieten. Der Familienservice zahlt
ihrer Sorgeberechtigten in diesem Land sicherzustellen. – den Kindergarantiebetrag – vormals Kindergeld – aus,
Herzlichen Dank! plus gegebenenfalls den Kinderzusatzbetrag, je nach
Einkommen der Eltern und nach Alter der Kinder. Durch
Amtierende Präsidentin Lucia Puttrich: Besten die Anpassung an die Inflation und Neudefinition des
Dank! – Nun spricht Frau Bundesministerin Paus vom Existenzminimums bekommt ein fünfjähriges Kind im
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Bürgergeld voraussichtlich 31 Euro mehr im Monat.
Jugend. Liegt die Inflation im Jahr 2025 wieder bei 3 Prozent,
dann ergeben sich in der Kindergrundsicherung, weil die
Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Wohnkostenpauschale eingeschlossen ist, bis zu
Frauen und Jugend: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr 532 Euro für die kleinsten und 638 Euro für die ältesten
geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kol- Kinder. Das ist eine Investition in Chancengerechtigkeit.
legen! Vor wenigen Tagen kamen in einem „Tagesspie-
gel“-Artikel fünf Menschen zu Wort, die als Kinder von Alleinerziehenden wird der Unterhaltsvorschuss nicht
Sozialhilfeempfängerinnen und -empfängern aufgewach- mehr ganz, sondern nur noch zu 45 Prozent auf die Kin-
sen sind, darunter eine junge Frau, die trotz guter Noten dergrundsicherung angerechnet. Sie dürfen so etwas mehr
ihr Jurastudium abbrach, allein weil sie den Eindruck als die Hälfte vom Unterhaltsvorschuss behalten – ab
hatte, nicht dazuzugehören. Sie formulierte es so: „Die dem siebten Lebensjahr des Kindes, sofern sie selbst
Scham, den Selbsthass, weil einem immer die Schuld für mindestens 600 Euro verdienen. Die Kindergrundsiche-
die eigene Armut zugeschrieben wird, […] die wird man rung ist außerdem so konzipiert, dass weniger Geld fließt,
nie wieder los.“ je höher das Erwerbseinkommen ist, aber immer so, dass
sich Arbeit lohnt. Die Kindergrundsicherung will ganz
Studien belegen: Als Kind in Armut aufzuwachsen, bewusst eine Brücke bauen von Transferleistungen in die
hat gravierende Folgen für das Selbstbewusstsein, für die Erwerbstätigkeit.
Gesundheit, für den Bildungserfolg. Die OECD rechnet
uns vor, dass sich bereits 2019 die gesamtgesellschaftli- Im engen Austausch mit der Bundesagentur für Arbeit
chen Kosten vergangener und aktueller Kinderarmut in und mit Hochdruck arbeiten wir außerdem daran, dass die
Deutschland auf etwa 3,4 Prozent unseres Bruttoinlands- Kindergrundsicherung so unbürokratisch wie möglich bei
produktes beliefen. Um die Dimensionen plastischer zu allen Familien ankommt, und das digital. Dabei greifen
machen: Fallen die 60 Milliarden Euro Investitionen aus wir Hinweise aus den Ländern zur Digitalisierung und
dem Klima- und Transformationsfonds weg, ist laut zum Datenaustausch auf, für die ich sehr dankbar bin.
Wirtschaftsexperten für 2024 von einem etwa 0,5 Prozent Denn Sie haben recht: Das ist ein Knackpunkt. Wir müs-
geringeren Wachstum auszugehen. sen daran arbeiten, dass die Schnittstellen reibungslos
funktionieren. Intensiv prüfen wir, wie der Familienser-
Meine Damen und Herren, die Kinderarmut hat sich in vice am besten eine Frontoffice-Funktion übernehmen
unserem Land strukturell verfestigt, weil Eltern nicht die kann und damit insbesondere für Familien im Bürger-
Gelder bekommen, die ihnen zustehen, weil das beste- geldbezug unnötige Ämtergänge vermieden werden kön-
hende System unzureichend ist. Dabei wissen wir doch nen. Aus Perspektive der Familien sollen die Leistungen
alle – erst recht, wenn wir uns unsere demografische wie aus einer Hand wirken. Wenn es dazu erforderlich
Entwicklung anschauen –: Jedes Kind verdient die best- ist, dass unterschiedliche Stellen Hand in Hand arbeiten,
mögliche Förderung. Wir brauchen jedes einzelne. dann kann genau das im Hintergrund passieren, also im
Backoffice. So werden Anträge, die beispielsweise im
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihre zahlreichen Jobcenter entgegengenommen werden, an die zuständige
konstruktiven Verbesserungsvorschläge zur Kinder- Stelle im Familienservice weitergeleitet und umgekehrt.
grundsicherung zeigen mir, dass viele von Ihnen das
390 Bundesrat – 1038. Sitzung – 24. November 2023
Intensiv diskutieren wir auch weiter die Neuorganisa- Ziffer 10! – Mehrheit.
tion der Leistungen für Bildung und Teilhabe. Damit sind
Herausforderungen für die Länder verbunden; das sehe Ziffer 11! – Mehrheit.
ich sehr wohl. Die Stellungnahmen der Ausschüsse zei-
gen, wie wichtig den Ländern das Thema ist, und dazu Ziffer 12! – Mehrheit.
liegen unterschiedliche und zum Teil konkurrierende
Vorschläge von Ihnen vor. Die unterschiedlichen Optio- Ziffer 13! – Mehrheit.
nen wollen wir prüfen, und sie werden uns sicherlich im
Ziffer 15! – Mehrheit.
weiteren Verfahren beschäftigen. Ich bin aber zuversicht-
lich, dass wir uns auf eine Lösung verständigen können, Ziffer 16! – Mehrheit.
die im Bundestag und im Bundesrat Zustimmung finden
wird. Ziffer 17! – Mehrheit.
Sehr geehrte Damen und Herren, im eingangs zitierten Damit entfallen die Ziffern 18, 19 und 20.
Zeitungsartikel schildert ein junger Mann als stärkste
Kindheitserinnerung die Scham im Ministrantenunter- Ziffer 21! – Mehrheit.
richt, weil sein einziges Paar Schuhe so stank. Er lernte
die Lektion: Am Ende zählt, dass seinen Eltern das Geld Damit entfällt Ziffer 22.
für Schuhe fehlte. – Wir lernen aus einer aktuellen Studie
der Bertelsmann Stiftung: Zusätzliches Geld für arme Ziffer 23! – Mehrheit.
Familien kommt bei den Kindern an. Gerade einkom-
mensarme Eltern geben es direkt für Anschaffungen für Ziffer 26! – Mehrheit.
ihre Kinder und für deren soziale Teilhabe aus. Die El-
Damit entfallen die Ziffern 27 bis 32, 34 bis 39 und 43.
tern sparen eher an sich selbst. Der Sachverständigenrat
zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwick- Ziffer 41! – Mehrheit.
lung sagt, dass die Kindergrundsicherung die Armutsge-
fährdung von Kindern senken kann. Deshalb, sehr geehr- Damit entfällt Ziffer 42.
te Damen und Herren, lassen Sie uns gemeinsam die
Strukturen schaffen für den Ausweg aus der Kinderar- Ziffer 46! – Mehrheit.
mut, für diese so notwendige Investition in die Zukunft
unseres Landes, in sein wichtigstes Kapital, in unsere Damit entfällt Ziffer 47.
Kinder! – Ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihre Anmer-
kungen und für die weitere Zusammenarbeit. Ziffer 51! – Mehrheit.
Amtierende Präsidentin Lucia Puttrich: Besten Damit entfallen die Ziffern 52, 53 und 54.
Dank!
Ziffer 56! – Mehrheit.
Es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor.
Ziffer 57! – Mehrheit.
Insofern können wir zur Abstimmung kommen. Dazu
liegen Ihnen die Ausschussempfehlungen und ein Lan- Ziffer 58! – Mehrheit.
desantrag vor.
Ziffer 59 soll nach Buchstaben getrennt abgestimmt
Wir beginnen mit dem Landesantrag. Wer stimmt werden.
zu? – Minderheit.
Bitte Ihr Handzeichen für Buchstabe a! – Mehrheit.
Dann rufe ich die Ausschussempfehlungen auf:
Nun bitte Ihr Handzeichen für Buchstabe b! – Mehr-
Ziffer 1! – Mehrheit. heit.
Ziffer 2! – Minderheit. Ziffer 63! – Mehrheit.
Ziffer 3! – Minderheit. Ziffer 64! – Minderheit.
Ziffer 4! – Mehrheit. Ziffer 66! – Mehrheit.
Ziffer 7! – Minderheit. Damit entfällt Ziffer 67.
Ziffer 8! – Mehrheit. Ziffer 69! – Mehrheit.
Ziffer 9! – Mehrheit. Ziffer 71! – Mehrheit.
Bundesrat – 1038. Sitzung – 24. November 2023 391
Damit entfällt Ziffer 72. Ziffer 19! – Mehrheit.
Ziffer 74! – Mehrheit. Damit entfällt Ziffer 20.
Ziffer 84! – Minderheit. Wir fahren fort mit Ziffer 38. – Mehrheit.
Ziffer 85 soll nach Buchstaben getrennt abgestimmt Damit entfällt Ziffer 39.
werden.
Ziffer 43! – Mehrheit.
Bitte zuerst Ihr Handzeichen für Buchstabe a! – Mehr-
heit. Damit entfällt Ziffer 44.
Nun bitte Ihr Handzeichen für Buchstabe b! – Minder- Ziffer 47! – Mehrheit.
heit.
Damit entfällt Ziffer 48.
Wer stimmt für die Buchstaben c und e? – Mehrheit.
Jetzt bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledig-
Bitte Ihr Handzeichen für Buchstabe d! – Minderheit. ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit.
Nun bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledig- Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung ge-
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit. nommen.
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung ge- Wir kommen zu Tagesordnungspunkt 21:
nommen. TOP 21
Entwurf eines Gesetzes zur Förderung geordneter
Jetzt haben wir keinen Tagesordnungspunkt mehr mit Kreditzweitmärkte und zur Umsetzung der Richtlinie
Reden, aber viele Abstimmungen. (EU) 2021/2167 über Kreditdienstleister und Kredit-
käufer und zur Änderung weiterer finanzrechtlicher
Ich rufe Tagesordnungspunkt 20 auf: Bestimmungen (Kreditzweitmarktförderungs-
TOP 20
gesetz) (Drucksache 507/23)
Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Be-
kämpfung von Finanzkriminalität (Finanzkrimina- Es liegen keine Wortmeldungen vor.
litätsbekämpfungsgesetz – FKBG) (Drucksa-
che 506/23) Aus den Ausschussempfehlungen rufe ich zur Einzel-
abstimmung auf:
Es liegen keine Wortmeldungen vor. – Eine Erklä-
rung zu Protokoll1 wurde von Frau Ministerin Hoff- Ziffer 6! – Mehrheit.
mann (Brandenburg) abgegeben.
Damit entfällt Ziffer 7.
Aus den Ausschussempfehlungen rufe ich zur Einzel-
abstimmung auf: Nun bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledig-
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit.
Ziffer 1! – Mehrheit.
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung ge-
Damit entfällt Ziffer 2. nommen.
Ziffer 3! – Mehrheit. Tagesordnungspunkt 22:
TOP 22
Damit entfällt Ziffer 4. Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Rück-
führung (Rückführungsverbesserungsgesetz)
Jetzt bitte Ihr Handzeichen für Ziffer 10! – Mehrheit. (Drucksache 563/23)
Damit entfällt Ziffer 11. Es liegen keine Wortmeldungen vor.
Ziffer 12! – Mehrheit. Wir kommen zur Abstimmung über die Ausschuss-
empfehlungen.
Damit entfällt Ziffer 13.
Zu Ziffer 1 ist getrennte Abstimmung gewünscht.
Bitte Ihr Handzeichen für Ziffer 14! – Mehrheit.
Bitte zunächst das Handzeichen für Buchstabe a! –
Minderheit.
1 Anlage 9
392 Bundesrat – 1038. Sitzung – 24. November 2023
Nun zu Buchstabe b, zu dem um weitere getrennte Ab- Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung ge-
stimmungen gebeten worden ist. nommen.
Bitte zunächst das Handzeichen für Doppelbuchsta- Tagesordnungspunkt 23:
be cc! – Minderheit. TOP 23
Entwurf eines Gesetzes zur Zulassung virtueller
Doppelbuchstabe ee! – Minderheit. Wohnungseigentümerversammlungen, zur Erleich-
terung des Einsatzes von Steckersolargeräten und
Doppelbuchstabe gg! – Minderheit. zur Übertragbarkeit beschränkter persönlicher
Dienstbarkeiten für Erneuerbare-Energien-Anlagen
Nun bitte noch das Handzeichen für Ziffer 1 im Übri-
(Drucksache 508/23)
gen! – Minderheit.
Es liegen keine Wortmeldungen vor.
Weiter mit Ziffer 2! – Minderheit.
Wir kommen zur Abstimmung über die Ausschuss-
Ziffer 4! – Minderheit.
empfehlungen.
Ziffer 5! – Mehrheit.
Ziffer 1! – Minderheit.
Ziffer 9! – Minderheit.
Ziffer 2! – Minderheit.
Ziffer 10! – Minderheit.
Ziffer 3! – Minderheit.
Ziffer 11! – Mehrheit.
Ziffer 4! – Mehrheit.
Ziffer 12! – Mehrheit.
Ziffer 5! – Mehrheit.
Auch bei Ziffer 13 ist getrennte Abstimmung ge-
Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf ent-
wünscht.
sprechend Stellung genommen.
Bitte zunächst das Handzeichen für den ersten Absatz
von Ziffer 13! – Minderheit. Tagesordnungspunkt 26:
TOP 26
Nun bitte Ihr Handzeichen für den zweiten Absatz von Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Par-
Ziffer 13! – Mehrheit. laments und des Rates zur Änderung der Richtlinie
2012/29/EU über Mindeststandards für die Rechte,
Wir fahren fort mit Ziffer 14. – Minderheit. die Unterstützung und den Schutz von Opfern von
Straftaten sowie zur Ersetzung des Rahmenbe-
Ziffer 15! – Mehrheit. schlusses 2001/220/JI
COM(2023) 424 final; Ratsdok. 11840/23
Ziffer 18! – Minderheit. (Drucksache 346/23, zu Drucksache 346/23)
Ziffer 19! – Minderheit. Es liegen keine Wortmeldungen vor.
Ziffer 20! – Minderheit. Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussempfeh-
lungen vor.
Ziffer 22! – Minderheit.
Ziffer 3! – Minderheit.
Ziffer 23! – Mehrheit.
Ziffer 4! – Minderheit.
Ziffer 24! – Minderheit.
Ziffer 5! – Mehrheit.
Ziffer 25! – Minderheit.
Ziffer 9! – Mehrheit.
Ziffer 26! – Minderheit.
Ziffer 12! – Mehrheit.
Ziffer 27! – Mehrheit.
Ziffer 14! – Mehrheit.
Damit entfällt Ziffer 28.
Ziffer 18! – Mehrheit.
Nun bitte das Handzeichen für alle noch nicht erledig-
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit. Ziffer 19! – Minderheit.
Bundesrat – 1038. Sitzung – 24. November 2023 393
Ziffer 21! – Minderheit. Nun bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledig-
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit.
Ziffer 31! – Minderheit.
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung ge-
Ziffer 32! – Mehrheit. nommen.
Nun bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledig- Wir kommen zu Punkt 29:
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit.
TOP 29
Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Par-
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung ge- laments und des Rates über europäische grenzüber-
nommen. greifende Vereine
COM(2023) 516 final; Ratsdok. 12800/23
Wir kommen zu Tagesordnungspunkt 27: (Drucksache 479/23, zu Drucksache 479/23)
TOP 27
Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Es liegen keine Wortmeldungen vor.
Parlaments und des Rates über einen Rahmen für den
Zugang zu Finanzdaten und zur Änderung der Ver- Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussempfeh-
ordnungen (EU) Nr. 1093/2010, (EU) Nr. 1094/2010, lungen vor.
(EU) Nr. 1095/2010 und (EU) Nr. 2022/2554
COM(2023) 360 final; Ratsdok. 11220/23 Ziffer 1! – Minderheit.
(Drucksache 429/23, zu Drucksache 429/23)
Nun bitte Ihr Handzeichen für die Ziffern 2 bis 4 ge-
Es liegen keine Wortmeldungen vor. meinsam! – Minderheit.
Wir stimmen über die Ausschussempfehlungen ab. Ziffer 6! – Minderheit.
Ziffer 3! – Mehrheit. Ziffer 7! – Minderheit.
Ziffer 9! – Mehrheit. Ziffer 8! – Minderheit.
Ziffer 13! – Minderheit. Ziffer 9! – Minderheit.
Nun bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledig- Jetzt bitte Ihr Handzeichen für die Ziffern 10 und 11
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit. gemeinsam! – Minderheit.
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung ge- Ziffer 19, zunächst ohne den letzten Satz! – Mehrheit.
nommen.
Jetzt bitte Ihr Handzeichen für den letzten Satz der
Wir kommen zu Tagesordnungspunkt 28 b): Ziffer 19! – Mehrheit.
Ziffer 21, zunächst ohne den letzten Satz! – Mehrheit.
TOP 28b)
Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen
Parlaments und des Rates über Zahlungsdienste im
Binnenmarkt und zur Änderung der Verordnung Jetzt bitte Ihr Handzeichen für den letzten Satz der
(EU) Nr. 1093/2010 Ziffer 21! – Minderheit.
COM(2023) 367 final; Ratsdok. 11222/23
Jetzt kommt der Satz, den Sie kennen: Nun bitte Ihr
(Drucksache 443/23, zu Drucksache 443/23)
Handzeichen für alle noch nicht erledigten Ziffern der
Es liegen keine Wortmeldungen vor. Ausschussempfehlungen! – Mehrheit.
Wir stimmen über die Ausschussempfehlungen ab. Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung ge-
nommen.
Ziffer 1! – Mehrheit.
Tagesordnungspunkte 30 a) und b) rufe ich zur ge-
Ziffer 2! – Minderheit. meinsamen Beratung auf:
TOP 30a)
Ziffer 3! – Mehrheit. a) Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen
Parlaments und des Rates zur Schaffung eines
Ziffer 5! – Mehrheit. Unionskodexes für Humanarzneimittel und zur
Aufhebung der Richtlinie 2001/83/EG und der
Ziffer 7! – Mehrheit. Richtlinie 2009/35/EG