638322087656504532

/ 16
PDF herunterladen
2 -


      Fortsetzung Einvernahme Ry ter     Frrcel, geb. 1954


      normen. Anlässlich dieses Anlasses knüpfte ich Kontakte zu Natio­
      nalisten verschiedener Länder, wie z.B. Personen aus Spanien,
      also Franco treuer Personen, in England ("Nationale Front in
      England"), der " Vlaamse-Militante-Orde" in Belgien und andere
      mehr."

               An was für Anlässen haben Sie in der Folge
               bei solchen nationalistischen Oranisatioi en
               teilgenommen®


      "An verschiedenen, so z.B. am Fest zugunsten Kriegsversehrter
'<1   am 29.11.1083 in Wevelgem/Flandern (Belgien). Im übrigen habe
      ich im Verlaufe des 1980 an zahlreichen " Stammtischen" nationali­
      stischer Gruppierungen in der BHD, Belgien, Frankreich und Italien
      teilsenommen." Diese Aufenthalte erfolgten vorwiegend über das
      Wochenende, wobei ich per Bahn und allein reiste."

               Sind Sie Mitglied nationalistischer Gruppierungen
               im Ausland, h 2-.1.1781 erwiiiinten Oie mir gegenüber,
               es gehe an Ihre "Off iziersehre" ls "Understurmbann-
               führen" an der Hausdurchsuchung teilzunehmen.


      "Ich gebe auf diese Frage keine Auskunft, und zvar will ich nicht,
      dass Personen i.m Ausland wegen allfälliger Angaben Repressalien
 ©    ausgesetzt werden. Diese Fra en erinnern mich vielmehr an die
      GPU (sowjetische Geheimpolizei) als an die Kantonspolizei Zürich."

               Bekanntlich hatten Sie sich im Oktober 1979 in Nürn­
               berg aufgehalten. Laut Ihrer Mutter interessierten
               Sie sich für die "Wchrsportgruppe Hoffmann" (WIG)


      "Ja, das ist richtig. Ich verschaffte mir von der   SG-Hoffmann
      Informationamaterial, z.B. die Zeitung "Lomendo". Bei meinem
      damaligen Aufenthalt in Nürnberg stand vordergründig die Kultur,
      d.h. der Besuch des Verkehrsmuseums sowie des Germani schen-useums.
      Mit Horfmann hatte ich damals ff persönlich Kontakt. Ich hatte
      Hoffmann an seinem Wohnort in Herolsberg aufgesucht und mich mit
      ihm während rund einer halben Stunde unterhalten und mir bei Hoff-
11

/
                               -3-


    Fortsetzung Einvernahme R y t e r Marcel, geb. 1964


    marn Informationsmaterial über seine Gruppe beschafft. Seither
    unterhalte ich zu Hoffmann keinerlei Kontakte mehr."
                                                                    b


             Haben Sie jemals an paramilitärischen Uebungen
             rechtsextremer Gruppierungen im Ausland teil­
             genommen?

    "Ja. Dies war in Italien. Genauere Angaben mache ich nicht."

             Sie werden nochmals ersucht, diesbezüglich näher
9            Auskunft zu geben.

    "Bei diesen paramilitärischen Hebungen handelt es sich um nichts
    Verbotenes. Wir absolvierten z.B. die Kampfbahn wie auch das
    Ueberrumpeln von Wachen und Stürmen von Lagern sowie Kommando-
    ausbildung, z.B. lautloses Töten des Gegners. Ferner erfolgten
    Schiessübungen mit Luftgewehren."

             Dee nehme ich Ihnen nicht ab.


    "Das verlange ich von Ihnen auch gar nicht, ich will einfach bei
    den Tatsachen bleiben.**

    Unterbruch der Einvernahme um 11.30 Uhr:

                                               gelesen und bestätigt:
                                                 •     •-

                                               ... Y.......
    FortSetzung der Einvernahme um 1^.10 Uhr:

             Sie werden nochmals ersucht, sich hinsichtlich
             einer Mitgliedschaft bei ausländischen neo­
             nazistischen Gruppierungen zu äussern

    "Prinzipiell gehört diese Frage nicht zu meinem Fall. Immerhin
    erkläre ich an dieser Stelle, dass ich eingeschriebenes Mitglied
    der NSDAP-AO bin und manchmal Beiträge entrichtet habe. Ferner
    entrichtete ich an Kriegsveteranen der Alliierten und der Axen-
                                                          ■/   .
12

- 4
     /

 I       Fortsetzung Einvernahme R y t e r        Marcel, geb. 19'~4
 /
/                                                   /ich
         machte behinderten Spenden. Des weitern liess Spenden an Sol-
         datenvereinigungen des ersten Weltkrieges zukommen."

                  In welchen Ausmass und von wem wurden Sie mit
                  Propagandamaterial rechtsextrener Gruppierungen
                  des Auslandes bedient?


         "Hiezu möchte ich keine Erklärungen abgeben, da dies chne weiteres
         als politische Meinunsäusserung verstanden werden kann, die in
         unserer Verfassung garantiert ist. Zweitens kann das Propaganda­
         material ja aufgrund des Impressums identifiziert werden."
     O
                  Ist es nicht so, dass Ihten von Wolfgang Koch
                  jeweils der "Deutsch-Völkische Beobachter" zuge­
                  stellt wurde?


         "Ich kann dies nicht beantworten. Lie zugestellten Sendungen
         erhielt ich jeweils anonym. Es stimmt aber, dass ich von Wolfgang
         Koch schon Postsendungen erhi.lt, doch war diese rein privater
         Natur, es handelte sich also nicht um Propagandamaterial. Es kam
         vor, dass mir Wolfrang Koch Schriften der "HGeV" (Hilfsgemeinschaft
         Nationaler Gefangener eingetragene Vereinigung) zukommen liess."

                  In Ihrer Einvernahme vom 31.12.1980 (ect. 8) hatten
     C            Sie erklärt, Wolfgang .Toch hätte Sie lediglich ein
                  Mal an Ihrem Wohnort in Orsingen aufgesucht. - Gemäss
                  den Angaben Ihrer Mutter weilte Koch wiederholt in
                  Ossingen. Koch sei jeweils von einem unbelernten
                  jüngeren Burschen (ca. 180 cm gross» blonde Haare)
                  begleitet gewesen. - Wer war dieser Begleiter?

         "Ich halte an meinen seinerzeit gemachten Aussagen fest, wonach
         Wolfgang Koch - in Begleitung von Frank Schubert - lediglich einmal
         bei mir u Hause war, d.h. sich im Hause aufhielt. Weitere zwei
         oder drei Mal kreuzte Wolfg ng Koch, jeweils ohne Anmeldung, an
         meinem Wohnort auf. Es handelte sich jedesmal um eien Höflich­
         keitsbesuch, wenn er sich auf der Durchreise befunden hat. Zweimal
         wir Koch jeweils in Begleitung von Frank Schubert. Je einmal haben
         sich beide allein bei mir aufgehalten. Der "blonde Beieiter Kochs"
         war also Frank Schubert.
                                             4,
13

f                           -)-
    i
    f
1
!        Fortsetzung Einvernahme R y t e r   Marcel, geb. 19f4

                 Wurden Sie - äusser von Wolfgang Koch und+Frank
                 Schubert - von weiteren ausländischen Gesinnungs­
                 genossen rechtsextremer Gruppierungen an Ihrem
                 Wohnort aufgesucht?


         "An meinem Wohnort nicht."

                 Wo dann?

         "Nirgends in der Schweiz. Im übrigen sind solche Kontakte
         völlig legal, soweit solche Personen nicht gegen die Gesetze
         des Jeweiligen Gastlandes verstossen. Weitere Angaben erübrigen
         sich somit.”

                 Gesprächsweise haben Sie sich mir gegenüber dahin
                 geäussert, dass Sie heute — nach dem Tod von Frank
                 Schubert - in Ihrer Ideologie bestärkt seien und
                 erklärten.dass Sie sich in "Richtung Abgleiten in
                 den Rechtsterrorismus" ansiedeln.

         "Ich habe das im Protokoll anlässlich her Hafteröffnung geverüber
         dem Staatsanwalt in Aarau bereits erwähnt, des Protokoll aber
         nicht unterschrieben, weil meine Bewerbung für eine Nationalität
         in einem Staat, in dem man seine Nationalität zeigen darf, nicht
         erwähnt wurde und weil sich nur mit solch einem Staat mein ideo­
         logisches Ziel verwirklichen lässt, sogar auf einer Basis des
         grossen propagandistischen wie auch militan en Krieges z.B.
         Lybien für Palästina. Kurzum, ich möchte meine Staatsbürger­
         schaft als Schweizer baldmöglichst ablegen und un in einem
         meiner Ideologie entsprechenden Land die Staatsbürgerschaft
         aufzunehmen. Somit hätte ich die Möglichkeit, in einer vom
         Jeweiligen Staat unterstützten militärischen Organisation zu
         kämpfen, ohne schweizerische- oder ausländische Gesetzte zu
         verletzen. Ich würde z.B. bei nationalistischen Bewegungen
         wie: "den grauen Wölfen” in der Türkei, den Exil-Kroaten oder
         den "Franco-Spaniern" mitkämpfen. Sobald sich mir hiezu Gelegen­
         heit bietet, werde ich vorerst propagandistisch für die Sache
         solcher Völker kämpfen. Man kann mein Vorhaben also nicht als
         Abgleiten in den Rechtsterrorismus qualifizieren, sondern le­
         diglich als Auswanderung bezeichnen."     . f ,
                                                  t‘   i   ‘0
14

!
             /
                                            -6-
         /
     7
         /
                  Fort Setzung Einvernahme R y     —Mar-e?. t .21^-» 1<—
         /

                           Haben Sie noch etwas beizufüren?
/

                  "Nein e entlieh nicht. Wie bereits einmal erwähnt, ist meine
                  Weltanschuuung der Mationalsoziolisnus und der Islam meine
                  Religion. Dns intensive Studium der Geschichte führte mich
                  auch zam Islam hin. Vor rind drei Jahren bin ich zum Islam
/                 übergetreten. Quasi durch mich hat auch meine Mutter diesen
 I
                   Gleuben angenommen."
                                                          gelesen und bestätigt:
                  i.r. (     /0,.-
     A

                  Nachtrag Einv. Ryter       Marcel, 64, vom 25.1.1931, m.lü dhr;


                            Betr. Aufenthalt von Frank Schubert an
                            Ihrem Wohnort in 03 sinnen:

                   »Vollstindigkeitsnalber möchte ich nachträglich darauf hin-
                  weisen, dass sich Frank schubert zweimal allein an meinem   Wohn-

                   ort in Ossinzen aufgehalten hat. Beide Male im Herbst 1980. Einmal
                  habe ich ihm ein Buch über Combot-Schiesser ausgeliehen. Dies
                  hatte er mir nachträglich per Post wieder zugestellt. Beim zweiten
                  Mal habe ich ihm den Karabiner 98 entliehen. Weitere z einal be­
                  suchte er mich - zusammen mit Wolfgang Koch - an meiner Wohnort.
                  Sie befanden sich jeweils puf der Durchreise. Es war also nicht
                   sc, dass sie nj r ihre Besuche jeweils angekindigt hatten. Ce-
                   sprächstnema waren mehr oder weniger ausgewählte Themengebiete
                   über Kultur, Cport, Wahrtechnik, Gesetzesënderan en (sffenge-
                   setze, Einreisevorschriften, politische Vereinigunge    u.s.W.).
                   Ich war von den beiden nie dazu angenalten worden, sie mit Kriegs­
                   material zu beliefern."
                                Sie haben ausdr ichlich Krieggraterial erwähut.
                                '{aber lie - äusser dem bereits bekannten Karabiner -
                                 andere Waffen (inkl. Munition oder Sprengstoffe)
                                den heilen geliefert?

                   "Nein, ich habe dies schon wiederholt gesagt. Koch zeigte nur

                                                                     „/
15

■'t
                                - 7 -

      Portsetzung Einv. E y t o r   Marce~. , gab. 1954

      mässiss Int-.'rosse an '.’affen. In Gegensatz dazu wa” Frank Schubert
      richtiggehend "angefresnen" von Waffen."

                     Haber Eie bei der. beiden jemals     chusswaffen
                     festgestellt?

      "Nein. - Koch könnte sich dieses Risiko nicht einmal leisten,
      da er in der BED und im Ausland teilweise Bespitzelungen unter­
      liegt. Palls Frank Schubert bei seinen Besuchen eine Schusswaf­
      fe getragen haben seilte, hätte er diese bestimmt verdeckt, d.h.
 \•   mit eirem Innenholster getragen. Ich habe bei inm aber nie eine
      solche gesehen."

                     Gegenüber RA Btierlin (sen.) erwähnten Sie etwas
                     von einem Waffenversteck von Trsn’k Schubert. Dieses
                     sei in der Nähe eines Meisfeldes! Präzisieren Sie.


      "Es handelt sich nicht um ein Waf fenversteck. Als ich seinerzeit
      Frank Schubert den Karabiner ausgeliehen habe, tönte er mir gegen­
      über an, er hätte nach dem Grenziibertritt in die Schweiz - er sagte
      etwas vom Raume Basel oder Aargau - eine geeignete Oertlichkeit
      gesehen hätte, die sich für ein Versteck eignen würde. Schubert
      sagte mir noch, dass er den Karabiner "tarnen" werde. Dies heisst
      für mich in Klartext vergraben. Dies erwähnte er im Zusammenhang
      mit seinen Hinweis, dass er noch ins Ausland fahren werde. Frank
      Schubert sagte etwas von einem Maisfeld, machte aber keine näheren
      Angaben. Ich fand es nicht als erwähnenswert, über das von Frank
      Schubert angedeutete Versteck zu sprochen. Die Erfolgsaussichten,
      dass die Waffe durch diese Aeusserung eher gefunden würde, bestehen
      nicht, kann ich doch heine weiteren Angaben machen."

      i.f.                                       Gelesen und bestätigt:
                 /      -(                                   é
16