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Anlage AS 2
                               AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPÄISCHEN
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                  dem IEA Global Gas Security Report 2018, könnte eine LNG Lieferung nach
                  Südwest-Europa am 3. Tag nach der entsprechenden Order ankommen. 155
                  Folglich können LNG-Anbieter kurzfristig darauf reagieren, wenn Preise in den
                  europäischen Gasmärkten ansteigen — sei es aufgrund steigender
                  Gasnachfrage oder aufgrund einer hypothetischen Preiserhöhung durch einen
                  Anbieter mit hohem Marktanteil. Durch die zunehmende Marktintegration (die
                  sich u.a. in der hohen Preisintegration z.B. zwischen NWE und CEE
                  widerspiegelt), gilt dies auch für Länder ohne „eigenes" LNG-Terminal.
            С1    Weiterentwicklung der Handelsplätze in Osteuropa: Neben der reinen
                  Transportinfrastruktur haben sich auch die Handelsmärkte in Osteuropa
                  weiterentwickelt. In der Zwischenzeit wird, zusätzlich zum österreichischen
                  VTP, der historisch gewachsen eine wichtige Rolle im Gashandel in Osteuropa
                  spielt, mit dem tschechischen VOB ein weiterer Handelsplatz in der Liste von
                  Hubs mit einem mittleren Marktentwicklungsgrad geführt. Mit Bezug auf
                  verschiedene Indizes zur Bewertung von Hubs (wie Umsatz, Produktvielfalt,
                  Marktteilnehmer oder Churn-Rate) liegt der VOB in der Zwischenzeit in
                  derselben Kategorie wie die Handelspunkte in Spanien, Frankreich und sogar
                  dem Zeebrugge-Hub in Belgien. In Polen, Ungarn und der Slowakei existieren,
                  im Gegensatz zu den anderen ost- bzw. südosteuropäischen Ländern
                  mittlerweile nationale Gashubs, allerdings ohne bislang die Handelstiefe
                  Tschechiens oder gar der westeuropäischen Märkte zu erreichen. 156
             '    Ungeachtet der teilweise noch geringen Ausbaustufe einiger nationaler
                  Gashandelsplätze ist der Einfluss von Marktpreisen auch in Osteuropa
                  stark gestiegen. Wie aus Abbildung 51 zu entnehmen ist, hat sich der Anteil
                  der ölpreisindizierten Verträge von 100% in 2005 auf nur noch 25% in 2018
                  reduziert. Das bedeutet, dass die meisten Gasimporte entweder auf den
                  nationalen Hub laufen oder, im Falle nicht vorhandener oder illiquider Hubs,
                  auf einen Handelspunkt in Westeuropa. Dies gilt in der Zwischenzeit explizit
                  auch für Liefervèdrägе aus Russland.157




            155
                  IEA Global Gas security Review 2018, S. 17.
            155
                  Vgl. 01Es (2019a), Ѕ. 3.
             57   Vgl. EU Kommission (2019), Ѕ. 29.

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             Abbildung 51: Anteil Preisbildungsverfahren in Gaslieferverträgen
                  100
                  S0
                  80—

                  70
                  60 =-

                  50    -

                  40-
                  30
                  20
                  10
                   0
                         2005    2018      2005    2018 12005           2018     2005    2018    2005    2018    2005     2018
                        Northwest Europe    Europe total       Centra! Europe   Southeast Europe Sca16t1av1a and ( Medearranean
                                                           ~                                         Battle
                                           r oil price escalation & Other         . Gas-on-gas competition

             Quelle: EU Kommission (2019), S. 31

            Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass die zunehmende
            Marktintegration   für   Osteuropa     eine    deutliche   Erweiterung     der
            Beschaffungsoptionen     und   auch eine deutliche bessere preisliche
            Verhandlungsbasis gegenüber Lieferanten geschaffen hat. Speziell die vier
            zentraleuropäischen Länder Tschechien, Polen, Slowakei und Ungarn sind besser
            denn je angebunden an die westlichen Märkte und Preisbildungsmechanismen,
            was Zugang zu nicht-russischen Gasquellen begünstigt                und   das
            Preissetzungsverhalten von Gazprom in enge Grenzen verweist.158

   6.1.1      Gazprom ist auf Gasexporte in die EU angewiesen
            Hinzu kommt, dass von einer einseitigen Abhängigkeit Osteuropas oder der EU
            von Gazprom bzw. Russland nicht die Rede sein kann. Denn: Die Einnahmen aus
            dem europäischen Exportgeschäft sind für Gazprom (und für den russischen
            Staatshaushalt) von hoher Bedeutung. Eine in 2014 von durchgeführte Analyse
            des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln (EWI) zeigt, dass eine
            eimonatige Unterbrechung der russischen Gaslieferungen nach Europa zu einem
            finanziellen Verlust fir Gazprom in Höhe von 4 bis 4,5 Mrd. Euro oder 3,5 % der
            jährlichen Umsätze führen würde.159 Aufgrund des drastischen Preisverfalls des


                   Andere Länder, hier sind vor allem die baltischen Staaten oder einige ehemalige jugoslawische
                   Teilrepubliken zu nennen, sind weder infrastrukturell noch über Hubpreisbildung mit den liquiden Märkten
                   Westeuropas (und teilweise noch nicht einmal zu den zuvor genannten zentraleuropäischen Ländem)
                   verbunden. Bei diesen Ländern bestehen noch diverse Defizite, die sich ín teilweise ungünstige
                   Beschaffungssituationen widerspiegeln. Allerdings ist dieser Zustand vollkommen unabhängig von der Nord
                   streаm Pipeline, die keinen Einfluss auf die Beschaffungssituation dort hat.
             59    Vgl. ewi (2014а).

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            Rubels in den letzten Jahren würden die aktuellen monatlichen Verluste bei rund
            2,75 Mrd. Euro liegen (2,5% des Umsatzes).'~0
            Ein Verlust an Einnahmen aus dem europäischen Geschäft würde also die
            Profitabilität von Gazprom signifikant beeinträchtigen. Darüber hinaus ist der Anteil
            der Gewinne aus dem Europageschäft an Gazproms Profit deutlich höher als der
            Anteil der Exporteinnahmen am Gesamtumsatz, weil europäische Exportpreise
            deutlich höher sind als regulierte russische Preise.'°' Zusätzlich tragen Gazproms
            Gasexporte nach Europa durch die Minerale draktionssteuer (die erneut bei den
            Exportvolumina größer ist als bei den Volumina, die für den inländischen
            Verbrauch produziert werden), die Unternehmenseinkommenssteuer und
            Exportzölle einen wichtigen Teil zum russischen Staatshaushalt bei.162
            Entsprechend hat Gazprom (ebenso wie der russische Staat) sehr hohe
            kommerzielle Anreize, eine jederzeitige Lieferung von Gas in die EU inklusive
            Osteuropa sicherzustellen.


    6.2 Neue Nord-Süd-Verbindungen und LNG-
        Terminals eröffnen traditionellen Transìtländern
        für russisches Gas zudem weitere
        Diversifizierungsmöglichkeiten
            Bereits heute sind CEE- und NWЕ-Märkte gekoppelt und es besteht eine hohe
            Preiskorrelation zwischen den Märkten (vergleiche Kapitel 6.1). Im Folgenden
            zeigen wir die Entwicklung von Transportkapazitäten und LNG-Kapazitäten, die
            die Integration zwischen CEE- und NWЕ-Märkten bis 2030 weiter verstärken
            werden und für die CEE-Region zu einer Diversifikation von Transportrouten und
            Importquellen führt.
            Im Einzelnen betrachten wir im Folgenden die Märkte in Polen, Tschechien, der
            Slowakei und in Ungarn — also die Länder in CEE, die bedeutende Transitländer
            für den Transport von russischem Gas nach NWE sind.




             60    Nach Gazprom (2019b), Ѕ. 117ff, betrug der Netto-Umsatz mit europäischen Kunden im Jahr 2018 2.951
                  Mrd. Rubel, entsprechend rund 36% des gesamten Umsatzes des Unternehmens. Rund 83% der in Europa
                  abgesetzten Mengen stammen aus den Exporten (der Rest aus Trading-Aktivitäten). Da der
                  Geschäftsbericht keine Angaben über unterschiedliche durchschnittliche Preise für Exporte und Handel
                  macht, werden diese hier vereinfachend als gleich angenommen. Dies wLtrde somit rund 2.500 Mrd. Rubel
                  entsprechen, bzw. im Monatsdurchschnitt 204 Mrd. Rubel. Bei einem Wechselkurs von durchschnittlich 74
                  Rubel/Euro in 2018 (Bundesbank (2019) érgeben sich rund 2,75 Mrd. Euro pro Monat.
             61  Nach Gazprom (2019b), Ѕ. 119, lagen die durchschnittlichen russischen Absatzpreise bei rund 4.000 Rubel
                pro mcm, während sich die durchschnittlichen Exportpreise auf ca. 15.500 Rubel pro mcm beliefen.
             62 so beläuft sich der Anteil der Einnahmen aus Il- und Gasverkäufen an den gesamten russischen
                Staatseinnahmen auf aktuell rund 25%. ln Jahren mit besonders hohen Rohstoffpreisen kann dieser Anteil
                noch deutlich dar0ber liegen (bspw. fast 40% in 2014). vgl. Kluge (2018), Ѕ. 47.

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    6.2.1         Polen

             Polen verfügt bereits heute über ausreichend Importkapazität, um den
             Gasbedarf ohne russische Importe zu decken, zudem ist weiterer
             substanzieller Infrastruktur-Ausbau geplant

             Polen hat derzeit einen Gasbedarf von unter 20 bcm/a, mit leicht steigender
             Tendenz. Polen hat im Jahr 2018 Erdgas im Umfang von 5,6 bcm/a produziert und
             die polnische Regierung beabsichtigt die Produktion bis 2030 in etwa auf gleichem
             Niveau zu halten.163 Hieraus ergibt sich ein Importbedarf von derzeit etwa 14
             bcm/a.
             Dem stehen heute bzw. perspektivisch umfassende lmрortmöglichkeitеn
             gegenüber (Abbildung 52):
                     Bereits heute kann Polen 9 bcm/a aus Deutschland164, 16s sowie 5 bcm/a über
                     LNG importieren.
             ы      Der Kapazitäten des bestehenden LNG-Terminals in Swinoujscie befindet
                    sich derzeit im Ausbau. Ab 2022 wird das Terminal 7,5 bcm/a importieren
                    könnеn.166 Zudem ist ab 2023 die Inbetriebnahme eines neuen LNG-Terminals
                    in der Bucht von Danzig geplant, das die LNG-Kapazitäten um 8 bcm/a auf bis
                    zu 15,5 bcm/a erhöht (welches aufgrund des weniger fortgeschrittenen
                    Projektfortschritts in Abbildung 52 im Sinne einer konservativen Betrachtung
                    nicht enthalten ist).16 '
                    Voraussichtlich Ende 2022 erfolgt zudem die Inbetriebnahme der Baltic Pipe,
                    die den Import von bis zu 10 bcm/a aus Dänemark (bzw. indirekt Norwegen)
                    erlaubt. 168


             63
                   Siehe Ausfiihrungen im Nationalen Energie- und Klimaplan, Ministertwo Energii (2019), S. 30f, wobei sich
                   die Absicht dort auf das Produktionsniveau der Jahre 2016 und 2017 von etwa 4 bcrn/a bezieht.
             16'    Hier sind nur physisch vorhandene Kapazitäten an den Grenzpunkten Mallnow und Lasow erfasst, welche
                   auf den 2014 in Mallnow installierten Kompressoren basieren, welche die Jamal-Pipeline auch entgegen der
                   eigentlichen Hauptflussrichtung, also von Deutschland nach Polen, befhllen können („physical reverse
                   flow"). Diese Kapazitäten sind ermöglichen es, Polen physisch aus Deutschland auch in dem Fall zu
                   beliefern, wenn russische Lieferungen nach Deutschland Ober die Jamal Pipeline phasenweise oder
                   vollständig ausbleiben.
                    solange entsprechende Liefermengen ín Ost-West-Richtung über die Jamal Pipeline fließen, können in
                   Mallnow sogenannte „virtual reverse flow Kapazitäten gebucht wérdеn, bei denen die Buchungen in Wést-
                   Ost-Lieferungen virtuell verrechnet werden. Vgl. https://www.ciascade.de/ncJen/press/press-releases/press-
                   release/news/reverse-flow-towards-poland-starts-in-april/ sowie speziell zur Funktionsweise von physischen
                   und virtuellen reverse flow in Mallnow Peters (2018), S. 16ff.
             65
                   zudem zeichnet sich am Übergabepunkt in Mallnow eine weiterer Ausbau der grenziberschreitenden
                   Übertragungskapazität von Deutschland nach Polen ab, sodass ab 2021 von einer Übеrtraguпgskazaptität
                   von knapp 13 bcm/a auszugehen ist, siehe https://www.nep-qas-datenbank.de:8080/app/#!/kapazitaеtеn
                   (NEP-Zyklus: 2020 — SR Konsultation). Da es hierzu unseres Wissens noch keine fielen Beschlusse gibt,
                   ist diese zusätzliche Kapazität in Abbildung 52 im Sinne einer konservativen Betrachtung noch nicht
                   enthalten.
            166    - Vgl Polskìe LNG (2019).
            76'      Vgl. LNG World News (2019).
             68    Vgl. https://www.baltic-pipe.eu/de/

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               u     Darüber hinaus besteht seit 2011 eine bidirektionale Pipeline im Süden mit der
                     Tschechischen Republik mit einer Kapazität von 1 bcm/a15J
                     Allerdings sind diese nur der erste Teil eines möglichen osteuropäischen Nord-
                     Süd-Korridors, der Polen perspektivisch stärker mit den südlichen Nachbarn
                     Tschechien, Slowakei und Ukraine (und diese wiederum mit deren südlichen
                     Nachbarn) verbinden soll.''  0 Da die meisten Pipelines noch in sehr frühen
                     Planungsstadien sind, sind sie in der zusammenfassenden Abbildung 52 im
                     Sínne einer konservativen Betrachtung nicht berücksichtigt.

               Abbildung 52: Nachfrage und Importkapazitäten in Polen (bcm/a)
                         в0
                         7о
                         60
                         50
                         40
                         30
                         20
                         10
                          0
                                          2021                            2025                            2030

                                     DE         ®DK         CZ          LNG           BY         UA      —в—Importbedarf

               Quelle:  Frontier Economics auf Basis von Entsog TYNDP 2018 und eigenen Infrastrukturannahmen. Für die
                        Gasnachfrage 2030 wurde das Sustainаb e Transition Szenario gewählt.
               Hinweis: Basierend auf einem angenommenen Energiegehalt von 10.6917 TWh/BСМ (Eurostat).



               Im Vergleich mit den Transportkapazitäten zeigt sich, dass Polen rechnerisch
               bereits heute unter Berücksichtigung der einheimischen Förderung auf keine
               physischen Gasimporte aus Russland (hier konkret vor allem die Jamal-Europa-
               Pipeline) angewiesen ist. Der gesamte Bedarf könnte alternativ gedeckt werden.
               Durch die substanziellen zu erwartenden weiteren Infrastrukturausbauten nimmt
               die Bedeutung von alternativen Importmöglichkeiten Polens bis 2030 zudem
               deutlich zu.
               Es ist daher nicht erkenntlich, dass die Inbetriebnahme der Nord Stream 2 negative
               Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Polen hat:
                     Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt dass die Transit-Route durch Polen
                     trotz der Inbetriebnahme und Vollauslastung der Nord Stream Pipeline selbst
                     vollständig genutzt wurde (siehe Kapitel 2.3.1). Eine Substitution des Transits
                     von russischem Gas durch Polen hat also nicht stattgefunden.
               ®      Die Analyse der vorhandenen und erwartbaren Produktions- und
                     Importkapazitäten Polens offenbart zudem, dass Polen selbst im Fall einer

               '°º   Mit weiterem Ausbaupotenzial auf 2,5 bcm/a, welche in Abbildung 52 im Sinne einer konservativen
                     Betrachtung nicht enthalten sind.
               10    Vgl. Gaz System (2019a).

frontier   economics                                                                                                             128
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Anlage AS 2
                                   AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPAISCHEN
                                                                                    GASMARKT




                     solchen Substitution weiterhin über ausreichend                                 Möglichkeiten            der
                     Gasbeschaffung von nicht-russischen Quellen verfügt.

             Infrastrukturausbau in Polen korrespondiert mit polnischer Strategie der
             Unabhängigkeit von russischen Gaslieferungen

             Der zunehmende Ausbau der Infrastruktur korrespondiert zudem mit der Strategie
             Polens, bereits kurzfristig unabhängig von russischen Gaslieferungen zu werden.
             In Polens nationalem Energie- und Klimaplan (NECP) von Januar 2019 wird
             beispielsweise das Ziel formuliert, den Anteil des von Energieunternehmen
             importierten Erdgases aus einzelnen Quellen ab 2023 auf 33 % zu begrenzen.' 71
             Diese Unabhängigkeitsbestrebungen gehen dabei deutlich über übliche
             Diversifizierungsstrategien hinaus. Polens Absicht ist es nach Einschätzungen
             vieler Marktteilnehmer, vollständig auf russisches Erdgas zu verzichten. Diese
             durch Marktbeobachter bereits seit längeren geäußerten Vermutungen wurden
             jüngst durch Ankündigungen von PGNiG, den 2022 auslaufenden Liefervertrag mit
             Russland nicht mehr zu verlängern, bestätigt. 172
            Neben dem Ausbau der Importinfrastruktur wurde parallel ein Ausbau der
            innerpolnischen Pipelines begonnen. Bis 2023 sollen 2.000 km zusätzlicher
            Leitungen fertiggestellt werden, die v.a. die süd- und ostpolnischen Regionen mit
            dem LNG-Terminal in Swinemünde sowie den anderen nördlichen und westlichen
            Importmöglichkeiten zu verbinden. Dadurch ist gewährleistet, dass diese
            Regionen bei einem zukünftigen ganz oder teilweise Ausbleiben russischer
            Lieferungen aus dem Osten durch die neuen Importpunkte beliefert werden
            kёnnen.173
            Diese Strategie könnte zu erhöhten Kosten der polnischen Gasbeschaffung174 und
            einer Behinderung der weiteren Integration Polens in den NWE-Handelsraum
            führen. Dies könnte letzten Endes zu einem Wiederauseinanderdriften der
            polnischen Großhandelspreise gegenüber den nordwesteuropäischen Preisen
            führen und negative Auswirkungen auf die polnischen Gaskunden haben.175
            Entgegen der sehr komfortablen Beschaffungssituation attestiert CEER im
            jüngsten Monitoringbericht zu den europäischen Energieeinzelhandelsmärkten
            dem polnischen Gasmarkt einen bedenklichen Zustand. So weist das Land sowohl

            17'     Vgl. Ministertwo Energii (2019), S. 32.
            ' 7'-   Vgl. Reuters (2019).
                    Siehe https://en.gaz-system.pl/our-investments/.
                    So wies der erste LNG-Vertrag mit Katar mit 100% Take-or-Pay, einer 20 iährigen Laufzeit und einer
                    klassischen Ölpreisbindung äußerst ungünstige und nicht mehr zeitgemäße Konditionen auf. Laut dem
                    Branchenmagazin IGIS Heren, ist dieser Vertrag sogar einer der teuersten LNG-Lieferverträge weltweit.
                    Zitiert nach Peters (2018), 5.41. Dieser Einkauf von LNG kann als polnische Reaktion auf die bereits in
                    Kapitel 2.4 angesprochenen Tendenzen im Weltmarkt, LNG aus Preisgründen kurzfristige umzuleiten,
                    angesehen werden. Im Falle. einer kurzfristig steigenden Nachfrage bspw. in Asien, dïirften somit die
                    Lieferanten aus Katar zunächst andere, aus ihrer Sicht weniger lukrative Lieferungen (bspw. nach
                    Großbritannien) umleiten, bevor sie weniger nach Polen liefern.
            175
                    Vgl, bspw. Peters (2018) und Gosling (2019).

frontier economics                                                                                                                  129
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                               AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPAISCHEN
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             bei den Haushaltskunden als auch bei den anderen Endkunden einen
             außergewöhnlich hohen Marktkonzentrationsgrad auf und schneidet auch bei
             anderen Wettbewerbsindikatoren wie den Wechselraten schlecht ab.''
             Das bedeutet, dass die Marktintegration häufig durch gegenläufige innenpolitische
             Entscheidungen behindert wird und die Ursache nicht in der Errichtung
             europäischer Infrastrukturprojekte wie Nord Stream liegt. Dies verdeutlicht auch
             das nachfolgende Beispiel Tschechiens, welches als weiteres historisches
             Transitland von russischem Erdgas eine sehr positive Entwicklung der
             Wettbewerbsintensität und Handelsliquidität zu verzeichnen hat.

   6.2.2 Tschechien
              Abbildung 53 zeigt die Entwicklung der Gasnachfrage sowie der Importoptionen
              für Tschechien.
             Tschechien war historisch ein Gastransitland. Daher überstiegen die
             lmportkapazitäten systematisch die heimische Nachfrage. Historisch erfolgten die
             Importe über die Slowakei. heute wird der Großteil des tschechischen Gases
             dagegen in West-Ost-Richtung über Deutschland geliefert, nicht zuletzt durch die
             OPAL-Pipeline als Verbindungspunkt mit Nord Stream.
              Seit 2011 besteht zudem die zuvor angesprochene Anbindung an Polen (0,5
              bcm/a).
              Durch die Inbetriebnahme der EUGAL-Pipeline — die Anbindung Tschechiens an
              Nord Stream 2 — erhöht sich ab spätestens 2021 die Transportkapazität aus
              Deutschland. Zudem soll 2022 ein geplanter Interkonnektor zum österreichischen
              Gasnetz am Grenzübergangspunkt Postoma / Reintal in Betrieb genommen
              werden.
              Insgesamt zeigt der Vergleich zwischen der Nachfrage und den Importkapazitäten,
              dass die heute bereits starke Anbindung Tschechiens an den deutschen Markt
              zukünftig noch verstärkt wird.
              Wie in Kapitel 6.1 gezeigt, hat der tschechische Gasmarkt eine gänzlich andere
              Entwicklung genommen als der polnische. Der Großhandelsmarkt ist in den NWE-
              Markt eingebunden und die Endkunden genießen einen nahezu westeuropäischen
              Standard an Wettbewerb. Anders als in Polen liegt der Anteil der russischen
              Importe in Tschechien bei nahezu 100%, ohne dass sich dies negativ auf den
              Gasmarkt ausgewirkt hat."'




                 Vgl. CEER (2018), Ѕ. 22, 27, 33 und 38.
                 Vgl. IFA (2019), s. 111.42

frontier есс .Опhiсs                                                                              130
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Anlage AS 2
                                AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPÄISCHEN
                                                                                 GASMARKT




             Abbildung 53            Nachfrage und Importkapazitäten in Tschechien (bcm/a)
                       120
                       100

              m        80
              F
                       60
                       40
                       20
                        0
                                        2021                            2025                           2030

                                                DE                     sK                 —6-1mportbedarf

             Quelle:      Frontier Economics auf Basis von Entsog TYNDP 2018 und eigenen Infrastrukturannahmen.. LNG-
                         Kapazitäten beziehen sich auf das Szenario „less advanced" (yearly capacity). Die Gasnachfrage
                         entspricht dem Frontier--Szenario (siehe Abschnitt 2.4.3).
             Hinweis: Basierend auf einem angenommenen Energiegehalt von 10.6917 TWh/BCM (Eurostat).




   6.2.3      Slowakei
            Auch die      Slowakei war historisch ein Gastransitland, weshalb           die
            Importkapazitäten systematisch die heimische Nachfrage überstiegen. Die
            Slowakei ist physisch stark mit Tschechien integriert (und hat über Tschechien
            wiederum Zugang zum Markgebiet Nordwesteuropas). Bis 2022 steigt die
            Importkapazität aus Tschechien aufgrund des             Kapazitätsausbaus   am
            Grenzübergangspunkt Lanzhot um 13 bcm/a an. Zusätzlich ist die Slowakei mit
            dem österreichischen Gasmarkt physisch verbunden.

             Abbildung 54            Nachfrage und Importkapazitäten in der Slowakei (bcm/a)
                     160
                     140
                     120
             _и      100
             Е        80
             д
                      60
                      40
                      20
                       0
                                        2021                           2025                           2030

                                          AT                 CZ                UA            —p--Importbedarf

            Quelle:      Frontier Economics auf Basis von Entsog TYNDP 2018 und eigenen Infrastrukturannahmen.. LNG-
                        Kapazitäten beziehen sich auf das Szenario „less advanced" (yearly capacity). Die Gasnachfrage
                        entspricht dem Frontier-Szenario (siehe Abschnitt 2.4.3).
            Hinweis: Basierend auf einem angenommenen Energiegehalt von 10.6917 TWh/BCIW (Eurostat).




frontier economics                                                                                                          131
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Anlage AS 2
                                  AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPAISCHEN
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               Insgesamt könnte die vergleichsweise geringe Nachfrage der Slowakei (ca. 5,4
               bcm/a) vollständig über Importe aus Tschechien (34 bcm/a in 2020 bzw. 47 bcm/a
               in 2030) und/oder aus Österreich (9 bcm/a) gedeckt werden. Wie bereits oben
               ausgeführt, bestehen aktuell Planungen, die osteuropäischen Länder mit einer
               neuen Nord-Süd-Route zu verbinden. Dadurch könnte die Slowakei Teil eines
               bidirektionalen Korridors werden, der von Polen bis auf den westlichen Balkan
               verlaufen könnte. Perspektivisch soll dieses von der EU gefördertes Projekt die
               LNG-Terminals in Polen (Swinoujsciе) und Kroatien (Krk) als Start- bzw. Ende-
               Punkte haben.1i8
               Darüber hinaus ist die Slowakei an der geplanten Eastring-Pipeline beteiligt (die in
               der Abbildung im Sinne einer konservativen Betrachtung nicht enthalten ist). Die
               Eastring-Pipeline soll die Slowakei mit den Gasmärkten Ungarns, Rumäniens und
               Bulgarien verbinden und der Slowakei hierüber Gasimporte aus der Balkan-Region
               bzw. der Türkei ermöglichen. Bis 2025 soll die Eastring-Pipeline mit einer Kapazität
               von 20 bcm/a in Betrieb gehen, bis 2030 soll die Kapazität auf 40 bcm/a
               ansteigen. 179


   6.2.4        Ungarn                                                             .
               Ungarn war ebenfalls historisch ein Transitland, was sich am Vergleich zwischen
               Nachfrage (ca. 10 bcm/a) und lmportkapazítäten (37 bcm/a in 2020) in Abbildung
               55 zeigt. Ungarn besitzt über klassische Ost-West-Kanäle eine Importkapazität
               von 29 bcm/a (23 bcm/a aus der Ukraine, 2 bcm/a aus Rumänien und 5 bcm/a aus
               der Slowakei). Darüber hinaus kann Ungarn aus Kroatien und Österreich Gas
               importieren.
               Im fortgeschrittenen Planungsstadium ist zudem die Anbindung Ungarns an die
               Onshore-Verlängerung der TurkStream-Pipeline. Diese wird voraussichtlich ab
               Oktober 2021 eine Kapazität von 15 bcm/a aus Serbien bereitstellen und Ungarn
               damit mit dem Gastransitsystem verbinden, das russisches Gas über die Türkei
               nach Bulgarien und Serbien transportiert.180




               1e    Vgl Gaz system (2019ь).
               19    Vgl. Eastring (2018).
                B0    Die finale Investitionsentscheidung (EID) über den letzten Abschnitt der Onshore-Fortsetzung der
                     TurkStream Pipeline von Serbien nach Ungarn ist noch nicht gefallen. Das Projekt befindet sich allerdings
                     im fortgeschrittenen Planungsstadium: Die ungarische Regulierungsbehörde hat das Projekt bereits
                     genehmigt, die zuständigen FNB haben im Oktober 2019 ein Open Season Verfahren eröffnet, vgl. FGSZ
                     (2019). Alle vorgelagerten Abschnitte dieser Verbindungsleitung der TurkStream (also von der Türkei nach
                     Bulgarien und nach Serbien) haben zudem bereits FID-Status, weswegen wir die zukünftige Verfügbarkeit
                     der Pipeline von Serbien nach Ungarn hier selbst unter konservativer Betrachtung annehmen.

frontier   ~c "91пl,,Ѕ                                                                                                           132
132

Anlage AS 2
                               AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPAISCHEN
                                                                                GASMARKT




             Abbildung 55           Nachfrage und Importkapazitäten in Ungarn (bcm/a)
                       60

                       50

              ,a       40

                       30
                                                                    -----------                        -- ----
                       20



                        0.
                                         2021                          2025                           2030


                                    AT           RS            R0             sK          UA      —4—lmportbedarf

             Quelle:     Frontier Economics auf Basis von Entsog TYNDP 2018 und eigenen Infrastrukturannahmen.. LNG-
                        Kapazitäten beziehen sich auf das Szenario „less advanced" (yearly capacity). Die Gasnachfrage
                        entspricht dem Frontier-Szenario (siehe Abschnitt 2.4.3).
             Hinweis: Basierend auf einem angenommenen Energiegehalt von 10.6917 71/Vh/BCM (Eurostat).



            Über diese als gesichert geltenden Entwicklungen hinaus existieren weitere
            geplante Infrastrukturprojekte. Im Sinne einer konservativen Betrachtung sind
            diese nicht in Abbildung 55 eingeflossen; sie zeigen jedoch, dass das Potenzial für
            weitere West-Ost- oder Nord-Süd-Kapazitäten besteht:
             °     Eine Verbindung des ungarischen mit dem slowenischen Gasnetz (mit 2 bcm/a
                   Importkapazität) ist zum Jahr 2024 hin geplant. Da Slowenien wiederum mit
                   dem italienischen Markt verbunden ist, bekäme Ungarn damit auch indirekt
                   Zugang zum italienischen Markt, in dem eine hohe LNG-Kapazität installiert ist
                   (22 bcm/a im Jahr 2020).
                   Zudem wäre auch Ungarn an der geplanten Eastring-Pipeline beteiligt, der
                   Verbindung zwischen den Gasmärkten Bulgarien, Rumänien, Ungarn und
                   Slowakei. Im Einzelnen stiege durch die Eastring-Pipeline die Importkapazität
                   Ungarns aus Rumänien auf 47 bcm/a im Jahr 2030 und diejenige aus der
                   Slowakei auf 48 bcm/a (2030) an.
            Ungarn kann zur Deckung seines Gasbedarfs also neben Importen von
            russischem Gas entlang der Transitroute über die Ukraine auch auf Importe aus
            Österreich und Kroatien sowie ab 2025 über Serbien und die Türkei zurückgreifen.
            Die Inbetriebnahme der Eastring-Pipeline würde Ungarn darüber hinaus noch
            stärker an die Gasquellen der Schwarzmeerregion und der Türkei bzw. den
            südlichen Transitkorridor für russisches Gas anbinden.


    6.3 Kartellrechtlicher Vergleich zwischen der
        Europäischen Kommission und Gazprom sorgt


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