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Anlage AS 2
                               AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPAISCHEN
                                                                                            GASMARKT




             bei den Haushaltskunden als auch bei den anderen Endkunden einen
             außergewöhnlich hohen Marktkonzentrationsgrad auf und schneidet auch bei
             anderen Wettbewerbsindikatoren wie den Wechselraten schlecht ab.''
             Das bedeutet, dass die Marktintegration häufig durch gegenläufige innenpolitische
             Entscheidungen behindert wird und die Ursache nicht in der Errichtung
             europäischer Infrastrukturprojekte wie Nord Stream liegt. Dies verdeutlicht auch
             das nachfolgende Beispiel Tschechiens, welches als weiteres historisches
             Transitland von russischem Erdgas eine sehr positive Entwicklung der
             Wettbewerbsintensität und Handelsliquidität zu verzeichnen hat.

   6.2.2 Tschechien
              Abbildung 53 zeigt die Entwicklung der Gasnachfrage sowie der Importoptionen
              für Tschechien.
             Tschechien war historisch ein Gastransitland. Daher überstiegen die
             lmportkapazitäten systematisch die heimische Nachfrage. Historisch erfolgten die
             Importe über die Slowakei. heute wird der Großteil des tschechischen Gases
             dagegen in West-Ost-Richtung über Deutschland geliefert, nicht zuletzt durch die
             OPAL-Pipeline als Verbindungspunkt mit Nord Stream.
              Seit 2011 besteht zudem die zuvor angesprochene Anbindung an Polen (0,5
              bcm/a).
              Durch die Inbetriebnahme der EUGAL-Pipeline — die Anbindung Tschechiens an
              Nord Stream 2 — erhöht sich ab spätestens 2021 die Transportkapazität aus
              Deutschland. Zudem soll 2022 ein geplanter Interkonnektor zum österreichischen
              Gasnetz am Grenzübergangspunkt Postoma / Reintal in Betrieb genommen
              werden.
              Insgesamt zeigt der Vergleich zwischen der Nachfrage und den Importkapazitäten,
              dass die heute bereits starke Anbindung Tschechiens an den deutschen Markt
              zukünftig noch verstärkt wird.
              Wie in Kapitel 6.1 gezeigt, hat der tschechische Gasmarkt eine gänzlich andere
              Entwicklung genommen als der polnische. Der Großhandelsmarkt ist in den NWE-
              Markt eingebunden und die Endkunden genießen einen nahezu westeuropäischen
              Standard an Wettbewerb. Anders als in Polen liegt der Anteil der russischen
              Importe in Tschechien bei nahezu 100%, ohne dass sich dies negativ auf den
              Gasmarkt ausgewirkt hat."'




                 Vgl. CEER (2018), Ѕ. 22, 27, 33 und 38.
                 Vgl. IFA (2019), s. 111.42

frontier есс .Опhiсs                                                                              130
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             Abbildung 53            Nachfrage und Importkapazitäten in Tschechien (bcm/a)
                       120
                       100

              m        80
              F
                       60
                       40
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                                        2021                            2025                           2030

                                                DE                     sK                 —6-1mportbedarf

             Quelle:      Frontier Economics auf Basis von Entsog TYNDP 2018 und eigenen Infrastrukturannahmen.. LNG-
                         Kapazitäten beziehen sich auf das Szenario „less advanced" (yearly capacity). Die Gasnachfrage
                         entspricht dem Frontier--Szenario (siehe Abschnitt 2.4.3).
             Hinweis: Basierend auf einem angenommenen Energiegehalt von 10.6917 TWh/BCM (Eurostat).




   6.2.3      Slowakei
            Auch die      Slowakei war historisch ein Gastransitland, weshalb           die
            Importkapazitäten systematisch die heimische Nachfrage überstiegen. Die
            Slowakei ist physisch stark mit Tschechien integriert (und hat über Tschechien
            wiederum Zugang zum Markgebiet Nordwesteuropas). Bis 2022 steigt die
            Importkapazität aus Tschechien aufgrund des             Kapazitätsausbaus   am
            Grenzübergangspunkt Lanzhot um 13 bcm/a an. Zusätzlich ist die Slowakei mit
            dem österreichischen Gasmarkt physisch verbunden.

             Abbildung 54            Nachfrage und Importkapazitäten in der Slowakei (bcm/a)
                     160
                     140
                     120
             _и      100
             Е        80
             д
                      60
                      40
                      20
                       0
                                        2021                           2025                           2030

                                          AT                 CZ                UA            —p--Importbedarf

            Quelle:      Frontier Economics auf Basis von Entsog TYNDP 2018 und eigenen Infrastrukturannahmen.. LNG-
                        Kapazitäten beziehen sich auf das Szenario „less advanced" (yearly capacity). Die Gasnachfrage
                        entspricht dem Frontier-Szenario (siehe Abschnitt 2.4.3).
            Hinweis: Basierend auf einem angenommenen Energiegehalt von 10.6917 TWh/BCIW (Eurostat).




frontier economics                                                                                                          131
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                                  AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPAISCHEN
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               Insgesamt könnte die vergleichsweise geringe Nachfrage der Slowakei (ca. 5,4
               bcm/a) vollständig über Importe aus Tschechien (34 bcm/a in 2020 bzw. 47 bcm/a
               in 2030) und/oder aus Österreich (9 bcm/a) gedeckt werden. Wie bereits oben
               ausgeführt, bestehen aktuell Planungen, die osteuropäischen Länder mit einer
               neuen Nord-Süd-Route zu verbinden. Dadurch könnte die Slowakei Teil eines
               bidirektionalen Korridors werden, der von Polen bis auf den westlichen Balkan
               verlaufen könnte. Perspektivisch soll dieses von der EU gefördertes Projekt die
               LNG-Terminals in Polen (Swinoujsciе) und Kroatien (Krk) als Start- bzw. Ende-
               Punkte haben.1i8
               Darüber hinaus ist die Slowakei an der geplanten Eastring-Pipeline beteiligt (die in
               der Abbildung im Sinne einer konservativen Betrachtung nicht enthalten ist). Die
               Eastring-Pipeline soll die Slowakei mit den Gasmärkten Ungarns, Rumäniens und
               Bulgarien verbinden und der Slowakei hierüber Gasimporte aus der Balkan-Region
               bzw. der Türkei ermöglichen. Bis 2025 soll die Eastring-Pipeline mit einer Kapazität
               von 20 bcm/a in Betrieb gehen, bis 2030 soll die Kapazität auf 40 bcm/a
               ansteigen. 179


   6.2.4        Ungarn                                                             .
               Ungarn war ebenfalls historisch ein Transitland, was sich am Vergleich zwischen
               Nachfrage (ca. 10 bcm/a) und lmportkapazítäten (37 bcm/a in 2020) in Abbildung
               55 zeigt. Ungarn besitzt über klassische Ost-West-Kanäle eine Importkapazität
               von 29 bcm/a (23 bcm/a aus der Ukraine, 2 bcm/a aus Rumänien und 5 bcm/a aus
               der Slowakei). Darüber hinaus kann Ungarn aus Kroatien und Österreich Gas
               importieren.
               Im fortgeschrittenen Planungsstadium ist zudem die Anbindung Ungarns an die
               Onshore-Verlängerung der TurkStream-Pipeline. Diese wird voraussichtlich ab
               Oktober 2021 eine Kapazität von 15 bcm/a aus Serbien bereitstellen und Ungarn
               damit mit dem Gastransitsystem verbinden, das russisches Gas über die Türkei
               nach Bulgarien und Serbien transportiert.180




               1e    Vgl Gaz system (2019ь).
               19    Vgl. Eastring (2018).
                B0    Die finale Investitionsentscheidung (EID) über den letzten Abschnitt der Onshore-Fortsetzung der
                     TurkStream Pipeline von Serbien nach Ungarn ist noch nicht gefallen. Das Projekt befindet sich allerdings
                     im fortgeschrittenen Planungsstadium: Die ungarische Regulierungsbehörde hat das Projekt bereits
                     genehmigt, die zuständigen FNB haben im Oktober 2019 ein Open Season Verfahren eröffnet, vgl. FGSZ
                     (2019). Alle vorgelagerten Abschnitte dieser Verbindungsleitung der TurkStream (also von der Türkei nach
                     Bulgarien und nach Serbien) haben zudem bereits FID-Status, weswegen wir die zukünftige Verfügbarkeit
                     der Pipeline von Serbien nach Ungarn hier selbst unter konservativer Betrachtung annehmen.

frontier   ~c "91пl,,Ѕ                                                                                                           132
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                               AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPAISCHEN
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             Abbildung 55           Nachfrage und Importkapazitäten in Ungarn (bcm/a)
                       60

                       50

              ,a       40

                       30
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                       20



                        0.
                                         2021                          2025                           2030


                                    AT           RS            R0             sK          UA      —4—lmportbedarf

             Quelle:     Frontier Economics auf Basis von Entsog TYNDP 2018 und eigenen Infrastrukturannahmen.. LNG-
                        Kapazitäten beziehen sich auf das Szenario „less advanced" (yearly capacity). Die Gasnachfrage
                        entspricht dem Frontier-Szenario (siehe Abschnitt 2.4.3).
             Hinweis: Basierend auf einem angenommenen Energiegehalt von 10.6917 71/Vh/BCM (Eurostat).



            Über diese als gesichert geltenden Entwicklungen hinaus existieren weitere
            geplante Infrastrukturprojekte. Im Sinne einer konservativen Betrachtung sind
            diese nicht in Abbildung 55 eingeflossen; sie zeigen jedoch, dass das Potenzial für
            weitere West-Ost- oder Nord-Süd-Kapazitäten besteht:
             °     Eine Verbindung des ungarischen mit dem slowenischen Gasnetz (mit 2 bcm/a
                   Importkapazität) ist zum Jahr 2024 hin geplant. Da Slowenien wiederum mit
                   dem italienischen Markt verbunden ist, bekäme Ungarn damit auch indirekt
                   Zugang zum italienischen Markt, in dem eine hohe LNG-Kapazität installiert ist
                   (22 bcm/a im Jahr 2020).
                   Zudem wäre auch Ungarn an der geplanten Eastring-Pipeline beteiligt, der
                   Verbindung zwischen den Gasmärkten Bulgarien, Rumänien, Ungarn und
                   Slowakei. Im Einzelnen stiege durch die Eastring-Pipeline die Importkapazität
                   Ungarns aus Rumänien auf 47 bcm/a im Jahr 2030 und diejenige aus der
                   Slowakei auf 48 bcm/a (2030) an.
            Ungarn kann zur Deckung seines Gasbedarfs also neben Importen von
            russischem Gas entlang der Transitroute über die Ukraine auch auf Importe aus
            Österreich und Kroatien sowie ab 2025 über Serbien und die Türkei zurückgreifen.
            Die Inbetriebnahme der Eastring-Pipeline würde Ungarn darüber hinaus noch
            stärker an die Gasquellen der Schwarzmeerregion und der Türkei bzw. den
            südlichen Transitkorridor für russisches Gas anbinden.


    6.3 Kartellrechtlicher Vergleich zwischen der
        Europäischen Kommission und Gazprom sorgt


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                             AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPÄISCHEN
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            für zusätzliche Kopplung zwischen CEE und
            NWE
            Viele Gasmärkte der . CEE-Region sind bereits heute integriert — sowohl
            untereinander als auch mit dem Gasmarkt in NWE (Kapitel 6.1). Wie für Polen,
            Tschechien, die Slowakei und Ungarn in Kapitel 6.2 im Detail gezeigt, sind für die
            nächsten Jahre weitere Infrastrukturprojekte (Pipeline und LNG) geplant, die die
            Marktintegration weiter vorantreiben werden.
            In der Zwischenzeit wirkt zudem ein kartellrechtlicher Vergleich zwischen der
            Europäischen Kommission und Gazprom von Mai 2018 in Richtung einer stärkeren
            Kopplung der CEE-Länder, sowohl untereinander als mit dem NWE-Markt.181 Der
            Kartellrechtliche Vergleich hat eine Laufzeit von 8 Jahren und umfasst vier
            Verpflichtungen für Gazprom export, die den freien grenzüberschreitenden
            Gasfluss zu wettbewerbichen Preisen sichern sollen:
            1. Gazprom export darf Kunden vertraglich nicht einschränken, das gekaufte Gas
               grenzüberschreitend weiterzuverkaufen.
            2. Um den Handel zwischen den CEE-Ländern auch dann zu ermöglichen, wenn
               Länder eine beschränkte physische Anbindung zu anderen Mitgliedsstaaten
               haben, können Gazprom export-Kunden Swaps durchfUhren.182 So können
               beispielsweise Kunden, die Gas mit Lieferung für Ungarn, Polen oder die
               Slowakei gekauft hatten, mit Gazprom export stattdessen eine Lieferung in
               Bulgarien oder den baltischen Staaten vereinbaren und umgekehrt. Hierdurch
               sollen laut der Europäischen Kommission Bulgarien und die Baltischen Staaten
               so gestellt werden, als ob es bereits ausreichend lnterkonnektorkapazität zu
               den Nachbarstaaten gäbe.ls'
            3. Sofern Preise in Langfristverträgen von den Preisen an den liquiden Hubs in
               Westeuropa abweichen, können Gazprom export Kunden eine entsprechende
               Anpassung verlangen. Neue Vertragspreise müssen im Einklang mit Preisen
               an liquiden Hubs in NWE gesetzt werden. Diese Regelungen beziehen sich auf
               die baltischen Staaten, Bulgarien und Polen. In Bezug auf Tschechien, die
               Slowakei und Ungarn hat die Europäische Kommission eine solche Regelung




                Siehe EU Kommission (2018а).
                Die Europäische Kommission stuft Bulgarien sowie Estland, Lettland und Litauen als Länder mit
                beschränkter physischer Anbindung ein. Filr Tschechien, Ungarn, Polen und die Slowakei stellt sie dagegen
                explizit fest, dass die notwendige Infrastruktur, die die Märkte untereinander verbindet, besteht: „For gas to
                actually flow freely across Central and Eastern Europe; it is also necessary to have infrastructure in place
                 for its transport, namely interconnectors that link national gas markets with each other. Such infrastructure
                already exists in the Czech Republic, Hungary, Poland and Slovakia" (EU Kommission, 2018а)
             53 This mechanism enables gas to flow to aid from the Ba/tics and Bulgaria, as if gas interconnectons with EU
                neighbours existed already" (EU Kommission, 2018а)

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                 nicht als notwendig angesehen.184 Die Gasmärkte in diesen Ländern sind
                 bereits ausreichend mit dem Westeuropäischen Gassystem vernetzt.185
             Der Vergleich zwischen der Europäischen Kommission und Gazprom bewirkt also,
             dass die Preisintegration zwischen CEE und NWE sowie die Marktintegration
             zwischen den CEE-Ländern auch unabhängig von der physischen Integration
             ansteigt. Im Zusammenspiel mit der weiteren Verbesserung der physischen
             Integration,   unterstützend   diese   Mechanismen     die  wettbewerbliche
             Gasversorgung in der CEE-Region.




            iz, Vgl. EU Kommission (2018а).
               Vgl. Arthur D. Little (2018), S.7. In Bezug auf den tschechischen Markt hat die Europäische Kommission
               z. B. bereits 2017 explizit darauf hingewiesen, dass der tschechische Markt seit 2012 gut mit den
               westeuropäischen Hubs verbunden ist: „First, the Czech gas market has become better connected with
               Western Europe as of 2012. The development of gas interconnectors allowed for reverse gas flows from
               Nestern Europe to the Czech Republic. This means that Gazprom's Czech customers could get access to
               Western European liquid and competitive gas hubs. The emergence of this alternative source of supply
               forced Gazprom to adjust its prices by introducing references to hub prices, bringing them back into line with
               competitive Western European prices. This is the reason why the Commission did not raise concerns of
               excessive prices in the Czech Republic.", EU Kommission (20170.

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       7 NEBENBESTIMMUNGEN FÜR DIE
         REGULIERUNGSFREISTELLUNG DER
         NORD STREAM 2 PIPELINE NICHT
         ERFORDERLICH
            Gemäß § 28b Abs. 2 EnWG sollen die im Rahmen eines Antrags auf
            Regulierungsfreistellung einzureichenden Gutachten insbesondere auch zu der
            Frage Stellung nehmen, ob Nebenbestimmungen im Rahmen                    der
            Freistellungsentscheidung zur Einhaltung der Voraussetzungen nach § 28b Abs.
            1 S.1 Nr. 2 und 3 beitragen können.
            Wie in Kapitel 2 erläutert, wird die Nord Stream 2 Pipeline einen Beitrag zur
            Versorgungssicherheit leisten. Sie stellt eine zusätzliche Transportinfrastruktur zur
            Verfügung und erhöht damit die Belastbarkeit des Energiesystems, gestärkt durch
            die Tatsache, dass es sich um eine Offshore-Pipeline ohne Transiterfordernis
            handelt. Des Weiteren trägt sie zur Diversifikation der Bezugsquellen bei, indem
            sie den kürzesten Zugang zu neuen russischen Gasquellen ermöglicht. Darüber
            hinaus erhöhen die über die Nord Stream 2 gelieferten Gasmengen die sichere
            Gasversorgung in der EU und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Deckung
            des zukünftigen europäischen Gasimportbedarfs. In Kapitel 6 führen wir zudem
            aus, dass insbesondere die Versorgungssicherheit in Osteuropa durch die Nord
            Stream 2 Pipeline nicht gefährdet wird und damit die Energiesolidarität in der EU
            gewährleistet ist.
            Schließlich trägt Nord Stream 2, wie in Kapitel 4 erläutert, auch positiv zur
            Erreichung der Klimaschutzziele bei, indem sie den Umstieg auf den weniger СО2-
            intensiven Brennstoff Erdgas ermöglicht. Darüber hinaus weist die Nord Stream 2
            Pipeline     geringere    Treibhausgasemissionen       auf    als     alternative
            Erdgastransportrouten oder LNG.
            Es ist nicht erkennbar, dass es Nebenbestimmungen bedarf um die positive
            Auswirkung der Nord Stream 2 Pipeline auf Versorgungssicherheit und
            Klimaschutz im Fall einer Freistellung von der Regulierung zu gewährleisten.
            Wie in Kapitel 5 ausgeführt, hätte eine Freistellung von Nord Stream 2 von der
            Regulierung außerdem keine nachteilige Auswirkung auf den Wettbewerb sowie
            das effektive Funktionieren des EU-Erdgasbinnenmarktes und würde auch zu
            keiner Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit führen. Die Voraussetzungen
            nach § 28b Abs. 1 S.1 Nr.3 sind also ohnehin erfüllt.
            Entsprechend sind auch keine Nebenbestimmungen erforderlich, um potenzielle
            negative Effekte einer Freistellung von Nord Stream 2 zu verhindern.




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         8 SCHLUSSFOLGERUNGEN
             In diesem Gutachten haben wir untersucht, inwieweit bestimmte Voraussetzungen
             für eine Freistellung von der Energieregulierung des §28b EnWG aus der
             Perspektive eines ökonomischen Sachverständigen im Fall der Nord Stream 2
             Pipeline erfüllt sind.
             Auf Basis der in den vorangehenden Kapiteln erläuterten umfassenden Analyse
             schlussfolgern wir, dass mit der Nord Stream 2 Pipeline mindestens folgende
             zentrale positive Beiträge im Sinne des §28b Abs. 1 Nr. 2 EnWG („objektive
             Begründung") verbunden sind:
             °    Die Nord Stream 2 Pipeline wird einen Beitrag zur Versorgungssicherheit
                 in Deutschland und der EU leisten.
                 Die Nord Stream 2 Pipeline wird einen Beitrag zur Preisgünstigkeit von
                 Erdgas in Deutschland und der EU leisten.
                 Die Nord Stream 2 Pipeline wird einen Beitrag zum Klimaschutz in
                 Deutschland und der EU leisten, unter anderem indem sie eine zunehmende
                 Umstellung von Kohle- und Ölversorgung auf weniger С02-intensive Erdgas-
                 Versorgung ermöglicht.
             Zudem konstatieren wir, dass es aus ökonomischer Perspektive keiner
             Nebenbestimmungen bedarf, um den Beitrag der Nord Stream 2 Pipeline zur
             Versorgungssicherheit und zum Klimaschutz im Fall einer Freistellung zu
             gewährleisten.
             Des Weiteren zeigt unsere Analyse, dass die Voraussetzung des § 28b Abs. 1 Nr.
             3 EnWG erfüllt ist, dass sich die Freistellung der Nord Stream 2 Pipeline von der
             Regulierung nicht nachteilig auf den Wettbewerb auf dem Erdgasbinnenmarkt in
             der    EU und dessen effektives Funktionieren auswirkt und                     die
             Versorgungssicherheit in der Europäischen Union nicht beeinträchtigt wird:
             ° Keine nachteilige Auswirkung einer Freistellung für den Wettbewerb auf
               dem Erdgasbinnenmarkt sowie das effektive Funktionieren des
               Binnenmarkts. Die wettbewerbsrechtlich relevanten Akteure im als
               relevantem Produktmarkt definierten Großhandelsmarkt für Gas sind die
               Gasproduzenten. Eine Freistellung der Nord Stream 2 Pipeline von der
               Regulierung hat keinen Einfluss darauf, welche Gasproduzenten die Pipeline
               nutzen können. Entsprechend wirkt sich die Freistellung nicht negativ auf den
               Wettbewerb aus:
                 a    Durch das gesetzlich garantierte russische Exportmonopol für Pipeline-Gas
                     ist Gazprom export der einzige Transportkunde mit Zugang zum Entry der
                     Nord Stream 2 in Russland und daher — mit und ohne Freistellung — der
                     einzige Transportkunde, der die Kapazität nutzen kann.


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                     Gazprom export ist zugleich Eigentümer der Gasmengen, die über die Nord
                     Stream 2 transportiert werden. Unabhängig davon, ob der deutsche
                     Pipeline-Abschnitt reguliert wird oder nicht, werden iáber Nord Stream 2
                     ausschließlich Gasmengen im Eigentum von Gazprom export transportiert.
                  Eine Freistellung hat also keinen Einfluss darauf, welche Produzenten den
                  Markt über die Nord Stream 2 beliefern können und kann daher schon rein
                  logisch keine negative Auswirkungen auf den Wettbewerb haben.
                  Im Gegensatz könnte die Integration des deutschen Teilstücks der Nord
                  Stгеam 2 Pipeline im Rahmen einer Regulierung von Nord Stream 2 allerdings
                  zu erhöhten Netznutzungstarifen an allen Grenzübeгgangsрunkten nach
                  Deutschland führen, wodurch Marktintegration und. Wettbewerb im
                  europäischen Gasmarkt tendenziell geschwächt werden könnten.
           ®      Keine Beeinträchtigung        der   Versorgungssicherheit durch eine
                  Freistellung von der Regulierung: Eine Freistellung von der Regulierung
                  würde weder die grundsätzliche Verfügbarkeit von Nord Stream 2 als
                  Importpipeline, noch die von Gazprom export anvisierte langfristige Nutzung
                  der Pipeline zur Versorgung des europäischen Marktes beeinflussen. Es
                  besteht daher keine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit durch eine
                  Freistellung der Nord Stream 2 von der Regulierung
           Da die Freistellung der Nord Stream 2 von der Regulierung keine nachteilige
           Auswirkung auf den Wettbewerb, das effektive Funktionieren des EU-
           Erdgasbinnenmarktes oder die Versorgungssicherheit hat, sind auch keine
           Nebenbestimmungen erforderlich, um potenzielle negative Effekte einer
           Freistellung von Nord Stream 2 zu verhindern.




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