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AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPÄISCHEN
                                                                                                                         GASMARKT




            das deutsche Gasnetz eingespeist wird, welches der Regulierung des EnWG
            unterliegt. Das Erdgas wird zwischen der Grenze des deutschen Küstenmeeres
            und      dem     Anlandeterminal    in   Lubmin     lediglich   durchgeleitet,
            Netzkoppelungspunkte zu anderen Leitungen sind nicht vorhanden.
            Eine Verschiebung des Startpunkts der deutschen Regulierung (von bisher
            Lubmin) um ca. 50 km entlang der Nord stream 2 Pipeline bis an die Grenze des
            deutschen Küstenmeeres hat keine Auswirkungen auf die              bestehende
            Wettbewerbssituation. Faktisch bzw. technisch hat mit oder ohne Regulierung
            niemand anderes als der die Pipeline insgesamt nutzende Transportkunde (aktuell
            Gazprom export) Zugriff auf den deutschen Leitungsabschnitt und auf das dort
            transportierte Erdgas.

            Es bleibt mit oder ohne Regulierung daher bei der gleichen
            Wettbewеrbssituation.'~`

   5.2.4 Im Gegenteil, eine Regulierung des deutschen Pipeline-
         Abschnittes der Nord Stream 2 könnte effektives
         Funktionieren des Gasmarktes beeinträchtigen
            Wurde der deutsche Abschnitt der Nord Stream 2 reguliert werden, so wurde
            dieser Abschnitt Teil des zukunftigen einheitlichen deutschen Marktgebiets. In
            diesem Fall wären auch die REGENT- und die AMELIE-Festlegungen der
            Bundesnetzagentur fur diesen Pipeline-Abschnitt anwendbar. Folglich wurden die
            Kosten des deutschen Abschnitts der Nord Stream 2 im gesamten deutschen
            Marktgebiet sozialisiert werden. was Auswirkungen auf die Marktintegration und
            das effektive Funktionieren des Binnenmarktes haben könnte.

            Gebührenerhöhender Effekt der Einbeziehung von Nord Stream 2 in das
            deutsche Marktgebiet kann Marktintegration behindern

            Der   marktgebietseinheitliche Netztarif gemäß REGENT wurde durch die
            Integration des deutschen Nord Stream 2 Abschnittes c.p. ansteigen, da die durch
            die marktgebietsweit einheitlichen Tarife zu deckende Kostenbasis stiege, ohne
            dass sich die Entry- oder Exit-Kapazität veränderte.




               Es sei darauf hingewiesen, dass die EU-Kommission in der Entscheidung zur Regulierungsausnahme der
               OPAL aus dem Jahr 2016 eine andere Argumentation suggeriert: „Das Argument der BNetzA, Gazprom
               könne selbst ohne eine Ausnahmeregelung über Auktionen 100 % der verfügbaren Kapazität buchen. lässt
               allerdings die weiterhin vorhandenen erheblichen Unterschiede im Vergleich zu einer vollständig regulierten
               Pipeline unberücksichtigt. Insbesondere unterliegt die OGT keinen Vorschriften Tiber die
               eigentumsrechtliche Entflechtung und ist von der allgemeinen Entgeitregulierung ausgenommen. Diese
               Bestimmungen würden in dem von der BNetzA beschriebenen alternativen Szenario die
               Missbrauchsmöglichkeiten effektiv verringern. (EU Kornmission (2016), Ѕ. 31). Aus ökonomischer
               Perspektive ist allerdings nicht nachvollziehbar. inwiefern eine eigentumsrechtliche Entflechtung oder eine
               Anwendung der Entgeltregulierung die Marktmissbrauchsmöglichkeiten effektiv verringern kann, wenn
               ohnehin, das heißt selbst bei eigentumsrechtlicher Entflechtung und bei Anwendung der Entgeltregulierung,
               nur ein und derselbe shipper die Leitung nutzen kann.

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             Trotz der kurzen Kilometeranzahl der Pipeline, die unter die Regulierung fallen
             würden, würde ein signifikanter Anteil der Kosten von Nord Stream 2 dem
             regulierten Pipeline-Abschnitt zugeteilt werden miássen, da die Anlandestation in
             Lubmin einen großen Anteil an den Kosten der gesamten Pipeline ausmacht.
             Höhere Tarife an       Grenzubergangspunkten zwischen         Deutschland    und
             benachbarten Märkten könnten sich nachteilig auf die Marktintegration auswirken,
             da die Transaktionskosten für den grenzüberschreitenden Handel ansteigen.

             Risiko, dass Einbeziehung von Nord Stream 2 in deutsches Marktgebiet
             zu Vergemeinschaftung von Gazprom exports Kosten führen könnte, was
             Wettbewerb mindern könnte

            Dies   ist eine allgemein gültige Logik: Durch die             Ausweitung bzw.
            Zusammenlegung         von     Marktgebieten      steigen     tendenziell    die
            Netznutzungsentgelte an, wobei mit den gestiegenen Netznutzungsentgelten
            andererseits im Mittel höhere Transportentfernungen verbunden sind. Dies gilt
            auch im vorliegenden Fall. Die Integration des deutschen Leistungsabschnitts der
            Nord Stream 2 in das deutsche Marktgebiet wirkt analog zu einer
            Marktgebietszusammenlegung. Tendenziell steigen die Netzentgelte an allen
            Entry- und Exit-Punkten für alle Transportkunden und im Mittel steigt die
            Transportentfernung.
            Der Anstieg der Transportentfernung kommt allerdings nur der Gazprom export als
            einzigem denkbaren Nutzer der Nord Stream 2 (im deutschen wie im nicht-
            deutschen Abschnitt) zugute. Ggf. könnte Nord Stream 2 in diesem Szenario das
            Transportentgelt für den nun auf den nichtdeutschen Leitungsabschnitt verkürzten
            unregulierten Transport absenken. Dies käme dann der Gazprom export zugute,
            nicht jedoch anderen Transportkunden,           die  Kapazitäten an      anderen
            Einspeisepunkten ins Marktgebiet buchen.

            Integration von Nord Stream 2 Pipeline stellt zudem eine Herausforderung
            für die Regulierung dar

            Eine Integration des deutschen Abschnitts der Nord Stream 2 Pipeline in das
            deutsche Marktgebiet stellt zudem eine Herausforderung für die Entgeltregulierung
            dar, insbesondere im Rahmen des Effizienz-Benchmarks zur Bestimmung des
            Entwicklungspfades der zulässigen Erlösobergrenze eines jeden FNB. Da eine
            Offshore-Pipeline wie die Nord Stream 2 systematisch mit höheren Kosten
            einhergehen dürfte als eine Onshore-Pipeline, bedarf es eines entsprechenden
            Korrekturfaktors, welchen es bisher — mangels der Existenz von Offshore-
            Pipelines     unter   den      regulierten FNB      —    in    der     deutschen
            Anreizregulierungsverordnung (ARegV) nicht gibt. Weil es keine weiteren
            Offshore-Pipelines zum Vergleich der Angemessenheit bestimmter Kosten der
            Nord Stream 2 gibt, besteht das Risiko einer systematischen Über- oder


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             Unterschätzung der Effizienz, was sich wiederum auch auf die Effizienzwerte und
             somit Erlösobergrenzen der anderen regulierten FNB auswirkt.


     5.3 Keine Beeinträchtigung der
         Versorgungssicherheit durch eine Freistellung
         von der Regulierung
            Eine Freistellung von der Regulierung würde zu keiner Veränderung der
            Nutzungsmöglichkeiten von Nord Stream 2 gegenüber dem Regulierungsfall
            führen (siehe Abschnitt 5.2.2). Die Pipeline steht als Importmöglichkeit für
            russisches Gas zur Verfügung — unabhängig davon, ob ein Teil der Pipeline
            reguliert wird oder nicht.
            Wie ebenfalls in Abschnitt 5.2.2 ausgeführt, hängt die konkrete Nutzung der
            Pipeline von betriebswirtschaftlichen Überlegungen der Gazprom export ab. Der
            Freistellungsfall wiirde die Weiterführung des Status Quo der vertraglichen
            Vereinbarungen zwischen Gazprom export und der Nord Stream 2 AG sichern.
            Der bestehende Langfrist-Transportvertrag über die volle Pipeline-Kapazität mit
            Ship-or-Pay-Klausel reflektiert die Absicht von Gazprom export, Biber die Pipeline
            langfristig Gas nach Europa zu exportieren.
            Mit oder ohne Regulierung ist davon auszugehen, dass Gazprom export die
            Pipeline in voller Kapazität nutzen würde, wenn die Versorgungslage in
            Deutschland oder der gesamten EU eng wäre, der Verkauf von Gas also finanziell
            attraktiv wäre.
            Eine Freistellung von der Regulierung würde also weder die grundsätzliche
            Verfügbarkeit von Nord Stream 2 als lmportpipeline, noch die von Gazprom export
            anvisierte langfristige Nutzung der Pipeline zur Versorgung des europäischen
            Marktes beeinflussen.
            Atls Versorgungssicherheitssicht besteht daher keine Beeinträchtigung durch eine
            Freistellung von der Regulierung. Dies gilt sowohl für die EU insgesamt als auch
            für die einzelnen Mitgliedsstaaten. Negative Auswirkungen der Freistellung auf die
            Versorgungssicherheit in einzelnen Staaten, z.B. in Zentral- oder Osteuropa, sind
            nicht zu erkennen. Die Solidarität im Energiesektor ist somit durch die Freistellung
            der Nord stream 2 Pipeline nicht verletzt.




             45   Vergleiche Kapitel 6 für eine Analyse der Auswirkungen der Nord Stream 2 Pipeline selbst auf die
                  Solidarität im Energiesektor.

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        6 NORD STREAM 2 WIRD NICHT ZU EINER
          BEEINTRÄCHTIGUNG DER
          VERSORGUNGSSICHERHEIT IN
          EINZELNEN EUROPÄISCHEN STAATEN
          FUHREN („ENERGIESOLIDARITÄT" )
            In den vorangehenden Kapiteln haben wir gezeigt, dass die Nord Stream 2
            Pipeline die    Gasversorgung    in Deutschland        und der EU sicherer,
            umweltfreundlicher und kostengünstiger gestalten wird.

            Hintergrund: Analyse möglicher Beeinträchtigungen der
            Versorgungssicherheit in einzelnen Ländern

            Im Einklang mit dem             Konzept     der   Solidarität im Energiesektor
            („Energiesolidarität") ' analysieren wir im Folgenden, inwieweit die Nord Stream
            2 Pipeline die Versorgungssicherheit in einzelnen europäischen Ländern
            beinträchtigen könnte.
            Für die EU-Mitgliedsstaaten in Nord-, West- und Südeuropa ist ein positiver oder
            allenfalls neutraler Effekt der Nord Stream 2 Pipeline offensichtlich, da die Pipeline
            — wie in den vorangegangenen Kapiteln erläutert — zusätzliche Transportkapazität
            sowie die Möglichkeit zusätzlicher Importmengen bereitstellt.
            In größerem Detail analysieren wir im Folgenden die Auswirkungen von Nord
            Stream 2 auf die Versorgungssicherheit in EU-Ländern in Zentral- und Osteuropa
            (Central and Eastern Europe — CEE).
            Hintergrund hierfür ist, dass Nord Stream 2 in zweiter Stufe potenziell
            Auswirkungen insbesondere auf Transitländer zwischen Russland und
            Nordwesteuropa haben könnte:
                 Zum einen fließen über Nord Stream 2 zunächst nach Deutschland importierte
                 Gasmengen auch weiter in die CEE-Region — nicht zuletzt über die EUGAL-




            ''   Das Konzept der Solidarität im Energiesektor ist in Art. 194 Abs. 1 des Vertrags über die Arbeitsweise der
                 Europäischen Union (AEUV) hinterlegt. In einer Entscheidung vom 10. September 2019 hat das Gericht der
                 Europäischen Union einen Beschluss der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2016 zu den
                 modifizierten Nutzungsbedingungen der Gasleitung OPAL mit Verweis auf mangelnde Berücksichtigung der
                 Auswirkungen auf weitere betroffene Ländern in Osteuropa unter dem Stichwort ,.Energiesolidariat für
                 nichtig erklärt hat, siehe Gericht der Europäischen Union (2019). In der Urteilsbegründung hebt das Gericht
                 hervor, dass die Anwendung des Grundsatzes der Solidarität im Energiesektor nicht bedeute, dass die
                 Energiepolitik der Union keinesfalls negative Auswirkungen auf die besonderen Interessen eines
                 Mitgliedstaats im Energiebereich haben dorfe. Die Unionsorgane und die Mitgliedstaaten seien jedoch
                 verpflichtet. im Rahmen der Umsetzung dieser Politik den Interessen sowohl der Union als auch der
                 verschiedenen Mitgliedstaaten Rechnung zu tragen und sie im Konfliktfall gegeneinander abzuwägen. Nach
                 unserem Verständnis wird das Urteil des Gerichts der Europäischen Union gerichtlich angefochten.

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                   Pipeline, die große Mengen Gas direkt von der Nord Stream 2 nach Tschechien
                   transportieren kann.
                   Zum anderen wurden in der Vergangenheit Befirchtungen geäußert, dass sich
                   ein zunehmender Transport von russischem Gas durch die Ostsee nachteilig
                   auf die Energieversorgung in den traditionellen Transitländern von russischem
                   Gas in die EU auswirken könnte.
                   Beispielsweise wurden Befürchtungen geäußert, dass die Inbetriebnahme der
                   Nord Stream 2 Pipeline dazu führen könnte, dass eine direkte Belieferung der
                   westeuropäischen Märkte zu einer Verstopfung der innereuropäischen West-
                   ost-Kapazitäten führen könnte, was die          Integration der ost- und
                   westeuropäischen Märkte vermindern könnte.

            Ergebnis: Keine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit durch Nord
            Stream 2

                 Wie wir im Folgenden ausführen, sind diese Befürchtungen unbegründet. Aus
                 mehreren     Gründen    ist   nicht     von   einer  Beeinträchtigung  der
                 Versorgungssicherheit in zentral- und osteuropäischen Ländern durch Nord
                 Stream 2 auszugehen:
             ©      Die zunehmende Marktintegration sowohl innerhalb der CEE-Märkte, als
                   auch zwischen den CEE-Märkten und Nordwesteuropa, führt für die CEE-
                   Länder unabhängig von Gastransport Ober Nord Stream 2 zu zunehmend
                   diversifizierten Importoptionen (Kapitel 6.1);
             ®      In Summe zeigt sich für die einzelnen potenziell weiteren betroffenen
                   Länder in CEE, dass sie sowohl Ober Pipeline- als auch Ober LNG-
                   Anbindungen Ober diversifizierte Importoptionen verfügen (Kapitel 6.2). In allen
                   Ländern wird zudem durch neue Infrastrukturprojekte der Anteil der aus
                   Russland kommenden Pipelines an den Gesamtkapazitäten in den
                   kommenden Jahren deutlich abnehmen.
            ■      Selbst falls dieser potenzielle Wettbewerb nicht ausreichend disziplinierend
                   wirken sollte, koppeln zusätzlich die Regelungen der kartellrechtlichen
                   Vereinbarung zwischen der EU-Kommission und Gazprom die CEE-Märkte
                   stärker an NWE (Kapitel 6.3).




             47   Vgl. Bruegel (2017)
            '43   Vgl. REKK (2017)

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     6.1 Stark gestiegene Marktintegration in den letzten
         Jahren hat bereits zu diversifizierten
         Importoptionen in Osteuropa geführt
            Preisdifferenzierung war in der vorliberalisierten Zeit möglich

            In den vorliberalisierten Gasmärkten waren die Gasexporteure in der Lage,
            Preisdifferenzierungen zwischen den einzelnen Ländern durchzusetzen. Je nach
            Wettbewerbssituation, die bspw. von den Substitutionsmöglichkeiten oder dem
            Zugang zu anderen Anbietern abhängig war, ergaben sich somit zum Teil
            divergierende Preise zwischen Nachbarländern. In einem solchen Marktumfeld
            war es tatsächlich denkbar, dass sich die Wettbewerbssituation in einem Land
            durch den Bau einer zusätzlichen Pipeline verbesserte, was mit Preissenkungen
            in diesem Land einherging.    Umgekehrt waren in einer solchen Gaswelt auch
            Fälle denkbar, in denen neue Pipelines mit höheren Beschaffungskosten
            einhergehen konnten. Dies lag an den vertraglichen Strukturen, mit denen
            teilweise konkret benannte Gasfelder oder eben auch Transportpipelines
            festgelegt wurden. Die Erlöse aus diesen Verträgen waren früher explizit zur
            Finanzierung neuer Felder oder Pipelines vorgesehen.

            Preisdifferenzierung durch erfolgreiche Markt- und Preisintegration im
            Zuge der Liberalisierung nicht mehr möglich

            In einem liberalisierten Markt kann eine zusätzliche Transportroute aber per
            Definition keine Abhängigkeiten erhöhen und auch nicht zu steigenden
            Beschaffungspreisen fuhren, da die neue Route nur eine zusätzliche Option
            darstellt, Gas uber diese Route anstatt Ober Alternativrouten zu transportieren.
            Letzten Endes werden in einem liberalisierten Umfeld immer kommerzielle
            Argumente entscheiden, welches Volumen Ober die neuen Routen gekauft wird
            und nicht wir froher durch die Lieferanten vordefinierte und vertraglich gebundene
            Exportrouten.
            In den letzten Jahren bzw. bereits Jahrzehnten hat in Europa — angestoßen durch
            die intensiven Bemuhungen der EU, weiterer europäischer Institutionen sowie der
            nationalen Regulierungsbehörden wie der BNetzA — eine zunehmende Integration
            der Gasmärkte stattgefunden. Dies zeigt sich in einer weitgehenden Angleichung
            des Großhandelspreisniveaus in den einzelnen europäischen Staaten: Laut
            ACER, der Agentur fur die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden in der
            EU. weichen die meisten Import- und Hubpreise in Europa nur noch geringfugig
            von denen des liquidesten Handelsplatzes in Europa, dem niederländischen TTF,
            ab. Wie aus Abbildung 49 ersichtlich wird, beliefen sich die Abweichungen in
            nahezu allen westeuropäischen und vielen zentral- und osteuropäischen Ländern


            79   Solche Argumentationen finden sich auch heute noch, bspw. bei Bruegel (2017).

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             im Jahresdurchschnitt fCir 2018 auf weniger als 1 €/MWh. So entsprachen bspw.
             die Hubpreise in Polen, Tschechien oder der Slowakei fast vollständig denen in
             den Niederlanden, Belgien oder Deutschland. Größere Preisdifferenzen zum TTF
             ließen sich nur noch in eher isolierten und Randmärkten mit schlechter
             Infrastrukturanbindung wie Finnland, Kroatien oder Irland sowie Staaten außerhalb
             der EU (wie der Ukraine oder Nordmazedonien) beobachten.
             Abbildung         49:    Durchschnittliche Großhandelspreise in Europa und
                                   Abweichungen zum Hub-Preis am niederländischen TTF
                                   (2018)




                                                                                ~
                                                                                 sE




                 ~и            UK NBP
                                                  NLIF

                                                        ~
                                                                                            PL итР
                                                          DE NCG GPL       ©
                                         B~X
                                          EL ZEE                                CZ VOB       II                    ~
                                                                                             SK                        UA
                                                                      AT VTР
                                                                                            D              ©
                                          FR PEG                                             U               RO
                                                                           sј         -
                                                                                                             дBG
                                                                1T P5V                                MK
                          ~
                  ~           ES
                     PT                                                                           ~
                                                                                                   GR


                                     ■    Import paces declared at the border               51 еиго'A4Wh
                                          Hub hedging prices                              Q 1-3 euro1h14Vh
                                     ■    Indigenous production                           ■ > 3 euro/MWh


            Quelle: ACER (2019а), S. 19

            Die hohe Konvergenz der west- und osteuropäischen Handelsplätze wird in
            Abbildung  50   verdeutlicht. Sowohl die  Korrelationen zwischen    den
            osteuropäischen Handelsplätzen untereinander als auch zu denen Westeuropas
            sind durchweg hoch und liegen nur noch geringfügig unter den Spitzenwerten des
            Kontinents. So sind die hochliquiden Handelsplätze in Nordwest-Europa (v.a. TTF,


             ='= Vgl. ACER (2019b). Ahnliche Werte und Aussagen finden sich auch bei EU Kommission (2019).

frontier economics                                                                                                               121
40

AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPÄISCHEN
                                                                                                                                       GASMARKT




             NBP, GPL, NCG und ZEE) zu fast 100% korreliert. Aber auch die Korrelationen
             der polnischen (PL-VTP), tschechischen (CZ-VOB) und slowakischen (sK-VTP)
             Preise untereinander sowie mit den westeuropäischen Preisen bewegen sich in
             ähnlich hohen Korrelationsgraden (zumeist im Bereich 95 bis 97 ,5%). Damit
             erreichen sie ähnliche oder sogar bessere Werte als „klassische"
             Vergleichskorrelationen wie NBP/TTF oder ZEE/NCG.
            Die Integration des ungarischen Hubs liegt merklich unter diesen Werten. Mit 79
            bis 85% Korrelation zu anderen ost- und westeuropäischen Hubs ist das Niveau
            aber noch hinreichend hoch, um von einer weitreichenden Preisintegration zu
            sprechen. Dies gilt für den lettischen Hub nur noch sehr begrenzt. Auch wenn das
            durchschnittliche Preisniveau nur ungefähr 1 bis 1,5 €/MWh Tiber den
            Vergleichsmärkten liegt, sind die Korrelationskoeffizienten mit lediglich rund 50%
            eher gering ausgeprägt.
            Abbildung 50: Korrelationen zwischen europäischen Hubpreisen (2018)
                                       +99%                    .97.5%   *95%          +905.                       в95%   в19%   +59%
                     100
                      95
                                                                               ..........
                      90
                      85
                      80
                      75
                      70
                      65
                      60
                      55
                      50
                           KK~z~1`1=~K                                            w~шC m ~~ш
                                              zz
                           1   1   1   1                   1
                                           г1 г1   1   1                          1           1   1   1   1   1   1
                           p ~~ ш(7U'
                                т
                                     ш
                                      т2                   а

                           С1 Z 2 N 8- LL N Q 4



            Quelle: ACER (2019а), S. 41 (eigene Hervorhebungen)

            Die hohen Korrelationen implizieren, dass sich die Ausschläge bei den absoluten
            Preisspreads im Laufe eines Handelsjahres in engen Grenzen halten. Fir
            Tschechien, Polen, Ungarn und die Slowakei konnten in 2018 nur noch in
            Einzelfällen Ausreißer von mehr als 3 €/MWh Aufschlag gegeniber dem TTF
            beobachtet werden. Der Anteil von Handelstagen mit solch hohen Abweichungen
            belief sich in allen vier Ländern auf unter 5% der Handelstage. Damit schnitten die
            osteuropäischen Hubs deutlich besser ab als Hubs in Spanien, Frankreich und
            Italien, bei denen Preisaufschläge iber 3 €/MWh an bis zu fast 20% der
            Handelstage auftraten. Ähnlich hoch lagen die Abweichungen gegenüber dem TTF
            in Litauen (rund 15%), wobei sich hier gegeniber 2017 (fast 40%) eine deutliche
            Verbesserung eingestellt hat.




            i 51   Vgl. ACER (2019b),              Ѕ. 42.

frontier economics                                                                                                                          122
41

AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPAISCHEN
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             Auch beim Vergleich Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn untereinander sind
             hohe Preisabweichungen in der Zwischenzeit kaum noch zu beobachten.

             Begründung der zunehmenden Preisintegration

             Diese weitreichende Preisintegration hat verschiedene Ursachen:

                 Gestiegene physische Integration: Zum einen liegt sie in einer hohen
                 physischen Integration der meisten osteuropäischen Länder untereinander
                 sowie zt.1 den westlichen Nachbarländern (vor allem Deutschland und
                 Österreich) begri~ndet. Waren früher die meisten Länder in Osteuropa
                 weitestgehend isoliert und nur über Transitleitungen miteinander verbunden
                 (wie bspw. dem Transgas-System von der Ukraine über die Slowakei weiter in
                 Richtung Westen), stellt sich die Situation heute deutlich komfortabler da. So
                 sind nicht nur Kapazitäten in Gegenrichtung der traditionellen Ost-West-Achse
                 geschaffen worden, die meisten osteuropäischen Länder sind nun auch mit
                 Nachbarn abseits der Transitpipelinerouten verbunden. Dies sind auch
                 Pipelines in Nord-Süd- bzw. sCtd-Nord-Richtung.
             n    Effizientere Regulierung verhindert vertragliche Engpässe: Zusätzlich
                 wurden auch Buchungs-Engpässe auf bestehenden                Pipelines  bzw.
                 Grenziњergangspunkte durch effizientere Regulierung beseitigt oder reduziert.
                 Im     jüngsten   Congestion  Report      weist  ACER       insgesamt      31
                 Grenzübergangspunkte mit Engpässen in Europa aus, von denen kein einziger
                 in Polen. Tschechien oder der Slowakei beheimatet ist. Lediglich an drei
                 ungarischen Grenzpunkten zu Österreich, Rumänien und Kroatien wurden
                 Engpässe ausgewiesen.154
                 LNG hat preis-disziplinierende Wirkung auf Pipeline -Gasimporte: Die
                 Substitutions-Beziehung zwischen LNG und Pipeline-Gas bewirkt auch, dass
                 selbst Gasanbieter mit einem hohen Marktanteil davon abgehalten werden,
                 (iberhöhte Preise zu verlangen. In der Wettbewerbsökonomie spricht man von
                 „bestreitbaren Märkten", wenn potenzielle Wettbewerber das Marktverhalten
                 der bestehenden Anbieter disziplinieren. Im Fall bestreitbarer Märkte führt auch
                 eine hohe Marktkonzentration nicht dazu, dass Preise Uber dem
                 wettbewerblichen Niveau liegen. In den europäischen Gasmärkten stellen
                 LNG-Terminals eine Möglichkeit für Gasanbieter dar, kurzfristig in den Markt
                 einzutreten oder ihre Mengen zu erhöhen. sofern Preise entsprechend hoch
                 sind.
                 Die europäischen LNG-Terminals waren in den letzten Jahren nur gering
                 ausgelastet (siehe Abschnitt 2.4.7), die Infrastruktur ist jedoch verfügbar und
                 ein zusätzlicher Import ist innerhalb kurzfristiger Zeiträume möglich. Gemäß


            152 Vgl. ACER (2019b).   S. 43.
             s~ Siehe Kapitel 6   für ausfuhrliche Betrachtungen der einzelnen Lander.
            154 Vgl. ACER   (2019а), S. 3.

frontier economics                                                                                   123
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AUSWIRKUNG DER NORD STREAM 2 PIPELINE AUF DEN EUROPÄISCHEN
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                      dem IEA Global Gas Security Report 2018, könnte eine LNG Lieferung nach
                      Südwest-Europa am 3. Tag nach der entsprechenden Order ankommen.'`
                      Folglich können LNG-Anbieter kurzfristig darauf reagieren, wenn Preise in den
                      europäischen Gasmärkten ansteigen — sei es                aufgrund steigender
                      Gasnachfrage oder aufgrund einer hypothetischen Preiserhöhung durch einen
                      Anbieter mit hohem Marktanteil. Durch die zunehmende Marktintegration (die
                      sich u.a. in der hohen Preisintegration z.B. zwischen NWE und CEE
                      widerspiegelt), gilt dies auch für Länder ohne „eigenes" LNG-Terminal.
                Е~ Weiterentwicklung der Handelsplätze in Osteuropa: Neben der reinen
                    Transportinfrastruktur haben sich auch die Handelsmärkte in Osteuropa
                   weiterentwickelt. In der Zwischenzeit wird, zusätzlich zum österreichischen
                   VTP, der historisch gewachsen eine wichtige Rolle im Gashandel in Osteuropa
                   spielt, mit dem tschechischen VOB ein weiterer Handelsplatz in der Liste von
                   Hubs mit einem mittleren Marktentwicklungsgrad geführt. Mit Bezug auf
                   verschiedene Indizes zur Bewertung von Hubs (wie Umsatz, Produktvielfalt.
                   Marktteilnehmer oder Churn-Rate) liegt der VOB in der Zwischenzeit in
                   derselben Kategorie wie die Handelspunkte in Spanien. Frankreich und sogar
                   dem Zeebrugge-Hub in Belgien. In Polen, Ungarn und der Slowakei existieren,
                   im Gegensatz zu den anderen Ost- bzw. südosteuropäischen Ländern
                   mittlerweile nationale Gashubs, allerdings ohne bislang die Handelstiefe
                   Tschechiens oder gar der westeuropäischen Märkte zu erreichen.
                n      Ungeachtet der teilweise noch geringen Ausbaustufe einiger nationaler
                      Gashandelsplätze ist der Einfluss von Marktpreisen auch in Osteuropa
                      stark gestiegen. Wie aus Abbildung 51 zu entnehmen ist, hat sich der Anteil
                      der ölpreisindizierten Verträge von 100% in 2005 auf nur noch 25% in 2018
                      reduziert. Das bedeutet, dass die meisten Gasimporte entweder auf den
                      nationalen Hub laufen oder, im Falle nicht vorhandener oder illiquider Hubs.
                      auf einen Handelspunkt in Westeuropa. Dies gilt in der Zwischenzeit explizit
                      auch für Lieferverträge aus Russland.157




            155
                     IEA Global Gas security Review 2018, Ѕ. 17.
            '        Vgl. OIEs (2019a), Ѕ. 3.
                57   Vgl. EU Kommission (2019), Ѕ. 29.

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