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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Katastrophenschutzbedarfsplan Stadt Essen

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STADT ESSEN  
KATASTROPHENSCHUTZBEDARFSPLAN  
 Stand: 19.04.2022  51 
 
BETEILIGTE EXPE RTINNEN UND EXPERTEN  
Stabstelle 01 -02 Bürgerbeteiligung und            
Ehrenamt  
Stabstelle 01 -15 Presse - und Kommuni -            
kationsamt  
FB 37 Feuerwehr  
FB 53 Gesundheitsamt  
FB 59 Umweltamt  
Universitätsklinikum Essen  
Westnetz AG  
Amprion GmbH  
Stadtwerke Essen AG  
Wassergewinnung Essen GmbH  Bundespolizei  
Landespolizei  
Malteser  Hilfsdienst  
Deutsches Rotes Kreuz  
Arbeiter -Samariter -Bund  
Johanniter -Unfall -Hilfe  
Deutsche Lebens -Rettungs -Gesellschaft  
Kreisverbindungskommando der Bundeswehr  
Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein  
Industrie - und Handelskammer Ruhr  
Landwirtschaftskammer NRW  
 
 
Abbildung 24: Karte der Trockenheitsgefährdung der Stadt Essen  (Quelle: Feuerwehr Essen)
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Abbildung 25: Problemgebiete der Hitzebelastung in der Stadt Essen  (Quelle: Feu erwehr Essen)
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4.1.3  SCHADENSFOLGEN AUF DAS SCHUTZGUT MENSCH  
Aufgrund der Hitze ist von einem vermehrten Auftreten von internistischen Erkrankungen, wie Dehyd-
ratationen, Exsikkosen, Kreislauferkrankungen, Hitzesynkopen und Hitzschlag auszugehen . Insbeson-
dere durch eine hohe  physische  Belastung  bei körperlicher Belas tung  besteht ein gesteigertes gesund-
heitliches Risiko.  
Intensive Sonneneinstrahlung erhöht das Risiko für einen Sonnenstich oder dermatologische Schädigun-
gen, wie z.B. eine n Sonnenbrand.  
Vorerkrankte n und ältere n Mensche n sowie  Wohnungslose n gilt besonder e Aufmerksamkeit, da sie  auf-
grund ihrer  Erkrankungen  bzw. ihres Aufenthalts in der Hitze  einen höheren Flüssigkeitsbedarf haben, 
gleichzeitig allerdings nicht ausreichend trinken oder nur eingeschränkt Zugang zu Trinkwasser haben. 
Grunderkrankungen können progredieren und den Gesundheitszustand massiv verschlechtern.  
Trinkwasserverunreinigungen können zu gastrointestinalen Beschwerden führen.  
4.1.4  SCHADENSFOLGEN AUF DAS SCHUTZGUT KRITIS  
ENERGIE  
Verteilnetzbetreiber beobachten in Hitzeperioden eine Häufung von kurzfristigen , partiellen Stromaus-
fällen im Verteilnetz. Vermutet wird ein positiver Zusammenhang zwischen Temperatur und Störanfäl-
ligkeit.  Trockene Böden führen zu Schrumpfungen im Erdreich, was zu Kabel - und Leitungsschäden führt 
(„Sommerfrost“).  
Durch d en Betrieb von Klimaanlagen und Ventilatoren wird mit einem erhöhten Strombedarf gerechnet.  
Gleichzeit ig kann  die Leistung konventioneller Kraftwerke aufgrund der höhere n Kühlwassertemperatur 
vermindert  sein. Ein Missverhältnis Einspeisung und Verbrauch kö nnte im Extremfall zu einer kaskaden-
artigen Lastabschaltung durch vorbereitete Lastabwurfszenarien führen. Dies würde vorrangig Großver-
braucher aus dem produzierenden Gewerbe betreffen5. 
WASSER UND ABWASSER  
Sowohl in der Bevölkerung als auch in der Indust rie wird von einem höheren Bedarf an Wasser ausge-
gangen.  Besonders die ü ber 200 landwirtschaftliche n Betriebe sowie Garten - und Landschaftsbaube-
triebe haben  sowohl  einen Mehrb edarf an Betriebswasser als auch an Trinkwasser für Nutz - und  
Haustiere.  Erkenntnisse  aus vergangenen Hitzeperioden offenbar en einen Wasserbedarf in der Stadt 
Essen von 120.000 m3 täglich. Darin enthalten ist das Nutz - und Trinkwasser.  
Aufgrund des o.g. „Sommerfrostes“ besteht analog zum St romnetz eine erhöhte Gefahr von Rohrbrü-
chen. Neben der Lufttemperatur steigt auch die Temperatur im Trinkwassernetz, was die Gefahr einer 
Verkeimung deutlich erhöht.  
Der Pegel der Ruhr wird auf Grundlage des Ruhrverbandsgesetzes über Talsperren geregelt. E in signifi-
kanter Wassermangel gilt als  unwahrscheinlich, ist aber aufgrund Extremwetterlagen nicht vollständig 
ausgeschlossen .  
Die Stadt Essen verfügt über 81 Trinkwassernotbrunnen , die im Zivilschutzfall idealerweise bis zu 700 
m3 Trinkwasser stündlich f ördern können . Die Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass ca. 5 % 
 
5 Hieraus drohende Schadensfolgen entsprechen dem Szenario „Stromausfall“, siehe hierfür 4.2.
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des täglichen Trinkwasserbedarfs durch die Trinkwassernotbrunnen kompensiert werden k ann. Zusätz-
lich muss das Wasser chemisch aufbereitet werden.  
ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT  
Heiße T emperaturen und intensive Sonneneinstrahlung führen zu Einschränkungen in der Landwirt-
schaft. Es besteht ein erhöhter Bedarf an Betriebswasser für Bewässerung und für die Nutztiere bei 
gleichzeitig möglicher Wasserknappheit. In den meisten Ställen müssen L üftungsanlagen dauerhaft be-
trieben werden. Die Hitze ist eine extreme Belastung für Nutztiere, wie z.B. Kühe und Schweine. Viele 
Tiere  werden  den Temperaturen erliegen und abtransportiert werden müssen  (Falltiere) . 
Im Einzelhandel ist eine Knappheit von ab gepacktem Trinkwasser möglich („Hamsterkäufe“).  
FINANZ - UND VERSICHERUNGSWESEN  
Im Finanz - und Versicherungswesen wird nicht von signifikanten Einschränkungen ausgegangen, jedoch 
können ggf. Stromausfälle oder eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Mitarbeit enden sekundär die 
Leistungsfähigkeit einzelner Organisationen mindern.  
GESUNDHEITSWESEN  
Durch die hohen Temperaturen ist das Personal im Gesundheitswesen unmittelbar selbst betroffen und  
dadurch eingeschränkt leistungsfähig.  
Da ältere Personen durch die  Hitze besonders gefährdet sind, achten Pflegerinnen und Pfleger in Pfle-
geheimen besonders darauf , dass alle Bewohnerinnen und Bewohner ausreichend trinken. Kompliziert 
wird die Lage in alternativen Wohnformen für pflegebedürfti ge Menschen , ggf. ohne eine dauerhafte 
Betreuung („Alten - bzw. Pflege -WGs“). Eine Übersicht über derartige Einrichtungen besteht wegen feh-
lender gesetzlicher Meldepflichten oder Regulierungen nicht.  
Aufgrund der hohen Nachf rage ist e ine ärztliche Versorgung außerhalb der Arztpraxen (Hausbesuche 
bettlägeriger Patienten) nicht vollumfänglich bedarfsdeckend möglich, weshalb einige Aufgaben auf den 
Rettungsdienst zurückfallen werden. Zusammen mit der zu erwartenden höheren Anzah l internistischer 
Erkrankungen ist von einer hohen Auslastung des Rettungsdienstes auszugehen. Verschärft wird das 
Problem durch längere Einsatzbindungszeiten bei zunehmend ambulanten Versorgungen.  
Leichen müssen während hoher Temperaturen permanent gekühl t werden, es ist von einem zusätzli-
chen Kühlbedarf bzw. früheren Bestattungen auszugehen.  
IT UND KOMMUNIKATI ON 
Im IT - und Telekommunikationswesen wird nicht von direkten Einschränkungen ausgegangen, jedoch 
können ggf. Stromausfälle oder eingeschränkte Leis tungsfähigkeit der Mitarbeitenden sekundär die 
Leistungsfähigkeit einzelner Organisationen mindern.
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STAAT UND ÖFFENTLICHE VERWALTUNG  
Im Bereich Sta at und öffentliche Verwaltung wird nicht von direkten Einschränkungen ausgegangen, 
jedoch können ggf. Stromau sfälle oder eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden sekundär 
die Leistungsfähigkeit einzelner Verwaltungsbereiche  mindern.  
TRANSPORT UND VERKEHR  
PKW , Busse und Züge heizen sich bei direkter Sonneneinstrahlung schnell auf. Versagt die Klimaanlage, 
besteht eine  unmittelbare  Gefahr für die sich darin befindenden Personen, die beispielsweise durch 
Stau weiter verschärft werden kann.  
Hitze führt auf Asphalt und an Brücken zu Hitzeaufbrüchen. Zum Teil sind Straßen nicht mehr befahrbar, 
was zu Staus und Problemen in Lieferketten führen kann.  
ABFALLENTSORGUNG  
Erhitzter Müll führt zu Geruchsbelästigung.  Es ist  zudem  davon auszugehen, dass Mitarbeitende durch 
die schwere körperliche Arbeit nicht voll leistungsfähig sind.  
BEHÖRDEN UND ORGANISATIONEN MIT SICHERHEITSAUFGABEN (BOS)  
Es ist ein vermehrtes Auftreten  von Wald - und Vegetationsbränden einzuplanen . Im Allgemeine n führt 
die schwere körperliche Arbeit der Feuerwehr zu schnellerer Erschöpfung, weshalb Einsatzkräfte häufi-
ger als üblich Pausen einlegen müssen. Die schwere Einsatzkleidung ist eine zusätzliche Belastung.  Zwi-
schen den Einsätzen sind Pausen zum Erhalt der  körperlichen Leistungsfähigkeit erforderlich, in denen 
auch die Möglichkeit zur Temperaturreduktion besteht.  
Entsprechend der höheren Auslastung der Rettungsmittel muss in der  Leitstelle von einem erhöhtem 
Telefonievolumen und Disposi tionsaufwand ausgegan gen werden . 
Eine eventuelle Mangelversorgung  führt  zu einer Zunahme von Straftaten. Einschränkungen des öffent-
lichen Lebens, beispielsweise Verordnungen zum Wassersparen, führen zu Demonstrationen und ggf. 
Widerstandshandlungen .  
4.1.5  SCHADENSFOLGEN AUF WEITERE  SCHUTZGÜTER  
UMWELT  
Steigende Temperaturen beeinflussen Ökosysteme und führen zu einer starken Veralgung von Gewäs-
sern sowie einem massiven Fischsterben. Auch andere Tiere, z.B. in der Landwirtschaft , erliegen den 
hohen Temperaturen (Falltiere).  
Der Grundw asserspiegel sinkt, Böden trocknen aus. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko für die Entste-
hung von Wald - und Vegetationsbränden.  
Es kommt zu einer stärkere n Schadstoffexposition von Stickoxiden oder Ozon.  
Durch den Ausfall von Kühlungen industrieller Anlag en bzw. selbstentzündlichen Prozessen besteht die 
Gefahr unkontrollierter Schadstoffimmissionen .
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VOLKSWIRTSCHAFT  
Im Gesundheitssektor entstehen hohe Kosten, die auf die Kranken - und Unfallversicherungen umgelegt 
werden.  
Durch Falltiere bzw. durch Ernteaus fälle ist mit hohen finanziellen Einbußen in der Landwirtschaft zu 
rechnen, die aufgrund der zum Teil existenziellen Bedrohung der Betriebe kompensiert werden müssen.  
IMMATERIELLE SCHÄDEN  
Aufgrund der Temperaturen meiden ältere Menschen das Haus zu verlass en. Ihnen muss Hilfe bei der 
Bewältigung ihres Alltages gelei stet werden.  
Aus Sicht der psycho -sozialen Krisendynamik ist davon auszugehen, dass eine Hitzewelle  auch die „Stim-
mung“ der Bevölkerung und die öffentliche Ordnung maßgeblich beeinflusst.  
Da es zu keiner direkten Aufklärung oder Behebung der Stresssituation kommen kann, ist potenziell mit 
einer Verselbstständigung der Lage durch unvorhergesehene Menschenansammlungen bis hin zu Un-
ruhen und Selbstjustiz zu rechnen.  
4.1.6  RESULTIERENDE ANFORDERUNGEN AUS D EM SZENARIO  
Die folgenden Anforderungen resultieren zum einen aus dem vorstehend geschilderten Szenarioverlauf 
und schließen zum anderen unmittelbar aus den Expertengesprächen abgeleitete Bedarfe ein.  
 + Anforderungen und planerisches Versorgungsniveau  
○ Zentrale Koordination in einem Krisenstab über zwei Wochen  
○ Umfassende Erkundung und Lagedarstellung  
○ Steigerung der Kapazitäten im stationären Sektor (Kliniken) und im Rettungsdienst  
○ Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung  
○ Sicherstellung einer adäquaten Risiko - und Krisenkommunikation in der gesamten Bevölkerung 
unter besonderer Berücksichtigung vulnerabler Gruppen und einer aufsuchenden Kommunika-
tion 
○ Sicherstellung des Mehrbedarfs an sauberem Trinkwasser in der gesa mten Bevölkerung und Ver-
sorgung vulnerabler Gruppen  
○ Aufrechterhaltung eines Mindestangebots an Betriebswasser  
○ Sicherstellung einer durchgängigen Stromversorgung kritischer Infrastrukturen  
○ Berücksichtigung zusätzlicher Logistikbedarfe, u.a. zum Trinkwassert ransport und zur Beseiti-
gung von Falltieren  
○ Monitoring von Wald - und Vegetation hinsichtlich der Brandgefahr  und Vorbereitung auf mögli-
che Ereignisse  
○ Sicherstellung der Einsatzfähigkeit der Feuerwehr durch Gebäudetechnik  
○ Stärkung der Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung und Wirtschaft
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4.2 LANGANHALTENDER FLÄCHENDECKENDER STROMAUSFALL  
4.2.1  EINLEITUNG  
Elektrizität ist für die heutige Gesellschaft, insbesondere in den Industrienationen, ein unverzichtbares 
Gut. Mit steigender Elektrifizierung und Digitalisierung st eigt die Vulnerabilität gegenüber einem Strom-
ausfall. Zwar steigt die Zuverlässigkeit technischer Anlagen stetig, jedoch ist ein Stromausfall jederzeit 
möglich . Einer Studie des Hamburger Weltwirtschafts -Institut s (2013)  zufolge betr ägt der wirtschaftli-
che Schaden eines  Stromausfalls in Düsseldorf 13 € pro Einwohner und Stunde. Überträgt man diese 
Summe  auf ein siebentägiges Ereignis in Essen , würde schätzungsweise ein Schaden von 1,2  Mrd.  € 
entstehen.  
Das deutsche Stromnetz ist Teil des eu-
ropäischen Verbundnetzes. Wetterbe-
dingte Einspeiseschwankungen im Be-
reich der regenerativen Energien (z.B. 
Windkraft und Solarstrom) sowie kurz-
fristig auftretende Fluktuationen in der 
Lastabnahme erfordern zunehmend den  
Eingriff in den (trans -) nationalen Netz-
betrieb. Für den übergeordneten Netz-
schutz kann es dabei zu Lastabwürfen 
kommen, die eine Unterbrechung der 
Stromversorgung in den betroffenen Tei-
len des Netzes herbeiführen.  
Weiterhin wirken natürliche Gefahren 
(z.B. Stürme, Überflutungen und Schnee-
fälle sowie sozio -technische Bedrohun-
gen (z.B. Terrorakte und Sabotage) auf 
die Versorgungsstabilität ein.  
Gleichzeitig nimmt eine Unterbrechung 
der Stromversorgung grundlegenden 
Einfluss auf den Betrieb gesellschaftlich  
elementarer und interdependenter Ver-
sorgungslinien, wie etwa die Wasserver-
sorgung bzw. Informations - und Kommu-
nikationstechnik.  
Stromausfälle bedrohen massiv die Funk-
tionsfähigkeit des Gesundheitswesens 
und der Gefahrenabwehr (BOS), was den 
Erhalt der öffentlichen Sicherheit und 
Ordnung gefährdet.  
Ein flächendeckender Stromausfall ha t schwerwiegende Konsequenzen für die private Wirtschaft, die 
öffentliche Hand sowie das gesamtgesellschaftliche Zusammenleben im Allgemeinen  (Abbildung 266). 
 
6 Reichenbach [Hrsg.]: Risiken und Herausforderungen für die öffentliche Sicherheit in Deutschland: Szenarien 
und Leitfaden; Grünbuch des Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit, ProPress -Verl. -Ges., Berlin  Abbildung 26: Angepasste Darstellung auf Basis von Reichenbach  - Auswir-
kungen eines Stromausfall s auf sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens
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4.2.2  FOLGEWORKSHOP  
BEMESSUNGSSZENARIO  
Ein plötzliches und gravierendes Missverhältnis zwischen Stromeinspeisung und Verbrauch führt in ei-
nem Januar zu einem unvorhergesehenen siebentägigen Stromausfall in großen Teilen des Stadtgebie-
tes, NRW und der gesamten Bu ndesrepublik. Betroffen sind neben der Wohnbevölkerung zahlreiche 
Kliniken, öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe in Essen sowie die 
kritische Infrastruktur.  
BETEILIGTE E XPERTINNEN UND EXPERTEN  
Stabstelle 01 -02 Bürgerbetei ligung und              
Ehrenamt  
FB 32 Ordnungsamt  
FB 37 Feuerwehr  
FB 53 Gesundheitsamt  
FB 59 Umweltamt  
Amt für Straßen und Verkehr  
CDO  (Stadt Essen)  
Essener Systemhaus  
Entsorgungsbetriebe Essen  
Universitätsklinikum Essen  
Ruhrbahn GmbH  
AWARE7 GmbH  
Westnetz AG  
Amprion GmbH  
Stadtwerke Essen AG  
Wassergewinnung Essen GmbH  
 
 Emscher Genossenschaft  
und Lippeverband  
Ruhrverband  
Bundespolizei  
Landespolizei  
Technisches Hilfswerk  
Malteser Hilfsdienst  
Deutsches Rotes Kreuz  
Arbeiter -Samariter -Bund  
Deutsche Lebens -Rettungs -Gesellschaft  
Kreisverbindungskommando der Bundeswehr  
Kassenärztliche Vereinigung Rheinland  
Industrie - und Handelskammer Ruhr  
Landwirtschaftskammer NRW  
Deutsche Telekom AG  
STEAG GmbH  
Open Grid Europe GmbH
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4.2.3  SCHADENSFOLGEN AUF DAS SCHUTZGUT MENSCH  
Eine unmittelbare Bedrohung für das Schutzgut Mensch ergibt sich aus den erwartbaren Einschränkun-
gen im Gesundheitswesen und dem Ausfall der medizinischen Versorgung, z.B. durch:  
○ Ausfall lebensnotwendiger Geräte insbesondere bei häuslicher Pflege (z.B. He imbeatmung, Dialyse-
geräte)  
○ Leistungsverlust in Pflegeeinrichtungen  
○ Reduziertes Versorgungsangebot in den Krankenhäusern, wenn Betrieb über  Netzersatzanlagen 
läuft  
○ Versorgungsengpässe bei Medizinprodukten durch ausbleibende Lieferungen  
Grundsätzlich ergibt  sich eine menschliche Betroffenheit weiterhin durch ein erhöhtes Erkrankungs - 
bzw. Infektionsrisiko (insbesondere bei den vulnerablen Gruppen) im Kontext der winterlichen Tempe-
raturen.  Zudem ergibt sich eine Hilfebedürftigkeit für Menschen, die bei fehlen der Heizmöglichkeit in 
Notunterkünften untergebracht und versorgt werden müssen.  
Aufgrund von ausgefallenen Ampeln besteht ein erhöhtes Unfallrisiko für alle Verkehrsteilnehmende n. 
Der Ausfall von Beleuchtung führt sowohl am Arbeitsplatz als auch in der H äuslichkeit zu einem signifi-
kanten Sturzrisiko.  
Fahrstühle gehen unmittelbar nach dem Spannungsverlust außer Betrieb. Personen können in Fahrstüh-
len festsitzen, ohne dass sie sich bemerkbar machen können. Darüber hinaus besteht ein Risiko in der 
Einschrän kung der Alltagsbewältigung vulnerabler Gruppen (z.B. Rollstuhlfahrende oder gehbehinderte 
Menschen), die auf Fahrstühle angewiesen sind, um z.B. einzukaufen oder Hilfe zu suchen . 
4.2.4  SCHADENSFOLGEN AUF DAS SCHUTZGUT KRITIS  
ENERGIE  
Der Übertragungsnetzbetreibe r Amprion und der Verteilnetzbetreiber Westnetz beginnen umgehend 
mit dem Netzwiederaufbau. Der Prozess dauert mindestens 8 Stunden, kann aber abhängig von Ursache 
und Schadensausmaß auch  mehrere  Tage andauern.  Zunächst wird wie folgt verfahren:  
○ Horizontal e und vertikale Netzebenen werden technisch getrennt  
○ Innerhalb der getrennten Netzebene werden Kraftwerke angefahren  
○ Es werden Netzinseln je 1 – 10 MW gebildet  
○ Netzinseln werden einzeln in Betrieb genommen (leuchtende Inseln)  
Die Inbetriebnahme erfolgt nac h technischen Kriterien (höchste Netzstabilität), da ein permanentes 
Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erhalten bleiben muss. Hierfür müssen auch die Prog-
nosen zu Strombereitstellung und -abnahme (Lastkurven) belastbar und möglichst deckungsglei ch sein.  
Eine Priorisierung  anhand anderer Kriterien  durch die Gefahrenabwehrbehörde  (z.B. Vulnerabilität  der 
betroffenen Bevölkerung)  ist nicht möglich , da dies zu wiederholten Abschaltungen der Netzinseln und 
einem vollständigen Neustart des Netzwiederau fbaus führen kann.  
Die Steuerung und Überwachung des Gasnetzes durch die Stadtwerke erfordert eine permanente 
Stromversorgung, die nur teilweise über Notstrom gedeckt werden kann. Weiterhin  ist für die Abnahme  
beim Endkunden  Strom für die Heizungssteuerung erforderlich . Es muss daher  von großflächigen  Aus-
fällen in der Wärmeversorgung ausgegangen werde n.
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Teile der Stadt Essen  (15 % der Gebäude)  werden über das Fernwärmenetz der STEAG versorgt. Die 
zentrale Netzinfrastruktur  wird notstromversorgt. Die Spannungslosigkeit beim Kunden führt aber auch 
hier zum Ausfall der Wärmeversorgung.  
WASSER UND ABWASSER  
Die Trinkwassergewinnung kann im Notstrombetrieb fortgesetzt werden. Hierzu werden entspre-
chende Aggregate im Wasserwerk vorg ehalten.  
Das Trinkwassernetz der Stadtwerke Essen kann aufrechterhalten werden, sofern die Trinkwasserge-
winnung weiter erfolgt. Bis zu einer Höhe von 169 m ü . NN kann die Wasserversorgung aufgrund des 
natürlichen Gefälles gesichert werden. In darüber  liege nden Gebäuden muss die Trinkwasserversorgung 
über Pumpen gesichert werden.  Insbesondere im Essener Süden ist die Wasserversorgung aufgrund der 
Topografie kritisch.  Hierfür sind mobile Netzersatzanlagen erforderlich, die bei den  Stadtwerke n zentral 
vorgehal ten werden.  Diese müssen jedoc h erst transportiert und unter Hinzuziehung von Betriebsper-
sonal  betrieben werden. Die Kraftstoffbevorratung sichert den Betrieb der Notstrompumpen für einen 
Betrieb von bis zu 24 Stunden ab. Darüber hinaus besteht ein Kraftst offbedarf , der derzeit voraussicht-
lich durch die KatS -Behörde gedeckt werden müsste; die s gilt analog  für die Stromversorgung der Netz-
warte  der Stadtwerke.  
Der Abwassertransport erfolgt zu 98 % über Freigefälle. Wenige Kleinsthebeeinrichtungen werden 
durch  die Stadtwerke Essen mit N otstrom  betrieben.  
Die insgesamt 15 Pumpwerke des EGLV werden nicht mit Notstrom  betrieben und fallen aus. Wasser 
staut sich besonders bei Regen in die Kanalisation zurück . Partielle Überflutungen mit Einstauungen von 
bis zu 4 m Höhe bedrohen Menschen und Sachwerte.  
Mit einer  Überflutung  im Bereich der Pumpwerke des Ruhrverbands ist nicht zu rechnen , da diese ent-
weder mit Überläufen ausgestattet sind oder das Wasser die Kl äranlagen stromlos durchfließen kann. 
Standorte, die über Hebeeinrichtungen verfügen, werden mit N otstrom  versorgt.  
ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT  
Großhandelslager können aufgrund der fehlenden Leistung elektrischer Flurförderfahrzeuge nicht mehr 
betrieben werden. Zudem fällt die Kühlung aus, was die Verfügbarkeit verderblicher Lebensmittel wie 
Fleisch oder Molkereiprodukte stark einschränkt. Lebensmittelmärkte werden  nur rudimentär betrie-
ben, da z.B. das Warenwirtschaftssystem und die elektronische Kasse au sfällt. Es ist davon auszugehen, 
dass der privatwirtschaftlich organisierte Lebensmittel markt  unabhängig von den Verfallsdaten der Le-
bensmittel unmittelbar zusammenbricht.  
Das BBK geht von einer Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung aus und  empfiehlt die private Bevorratung 
von Lebensmitteln für einen Zeitraum von 10 Tagen . Dennoch ist davon auszugehen, dass d ie reale  Le-
bensmittelbevorratung in den Haushalten nicht ausreich t. Möglichkeiten zur stromunabhängigen Nah-
rungszubereitung (z.B. Campingkocher) sind vielfach nicht gegeben.  
Der Mahlzeitendienst versorgt pflegebedürftige und ältere Bürgerinnen und Bürger mit einem warmen 
Mittagessen. Ein Ausfall der Stromversorgung führt dazu, dass Mahlzeiten in Großküchen nicht zuberei-
tet werden können.  
In Gewächshäus ern und Ställen der Landwirtschaft fallen die Heizung und Belüftung aus. Zudem gibt es 
Ausfälle in der Futterverteilung und  -aufbereitung. Kühlungen , z.B. für Milch , versagen und Melkmaschi-
nen können nicht mehr betrieben werden, was dazu führt, dass Kühe von Hand gemolken werden
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