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STADT ESSEN  
KATASTROPHENSCHUTZBEDARFSPLAN  
 Stand: 19.04.2022  71 
 
wird der Bedarf  angenommen, dass die Hälfte der in Essener Kliniken ve rsorgten Betroffenen sekundär 
zu verlegen  ist, um Behandlungskapazitäten zu schaffen.  Dies führt zu dem Bedarf,  270 Sekundärtrans-
porte (Verlegungen in andere Krankenhäuser) durchzuführen . 20 % der Pa tientinnen und Patienten be-
dürfen der Einschätzung nach einer ärztlichen Behandlung während des Transportes. 20 % benötigen 
einen RTW und 60 % können in einem KTW transportiert werden.  
 
Abbildung 28: Bilanzierung der Schadens folgen auf das Schutzgu t Mensch
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4.3.5  SCHADENSFOLGEN AUF DAS SCHUTZGUT KRITIS  
BEHÖRDEN UND ORGANISATIONEN MIT SICHERHEITSAUFGABEN (BOS)  
Die initiale Alarmierung erfolgt über die Brandmeldeanlage des Objektes. Zeitnah werden erste Erkennt-
nisse von der Ruhrbahn übermittelt. Parallel ist mit einem extremen Anrufaufkommen in der Leitstelle 
zu rechnen.  
Zunächst wird von einem Unfall ausgegangen . Nach erster Erkundung wird das Alarmstichwort entspre-
chend erhöht. Neben den Rettungs - und Löscharbeiten auf der Verteilerebene werden die Tunnel er-
kundet und auch angrenzende Stationen und der Übergang zum Limbecker Platz auf Raucheintrag kon-
trolliert ( Einsatz gemäß Einsatzkonzept der alltäglichen Gefahrenabwehr).  
ManV-Komponenten werden alarmiert und Kliniken vorinformiert . Eine strukturierte Patientenablage 
wird eingerichtet, Patientinnen und Patienten werden (vor -)gesichtet, erstversorgt und abtransp ortiert. 
Weiterhin wird eine Betreuungsstelle für Betroffene eingerichtet.  
Parallel werten Ruhrbahn und Polizei die Aufzeichnungen der Überwachungskameras aus. Nach der Er-
kenntnis einer Terrorlage ziehen sich Einsatzkräfte in einen teilgesicherten Bereich  zurück, da die Gefahr 
eines sogenannten Second Hit  (gezielte Schädigung von Einsatzkräften)  besteht.  
Der Bereich wird durch die Polizei gesichert. Der öffentliche Personennahverkehr wird teilweise einge-
stellt. Im innerstädtischen Bereich werden starke Ra umschutzkräfte  der Polizei  eingesetzt. Es ist damit 
zu rechnen, dass weitere Ereignisse gemeldet werden, die sich nicht bestätigen.  
Nach Rückmeldungen über auffällige Symptome ergeben Messungen an der Einsatzstelle eine Konta-
mination mit dem Kampfstoff S -Lost.  
Der überwiegende Teil der Patientinnen und Patienten befindet sich zum Zeitpunkt der Detektion be-
reits in der Klinik, dort ist eine Massendekontamination erforderlich.  
Personal, Verletzte und Material an der Einsatzstelle w erden dekontaminiert. Dabei kann 80 - 90 % der 
Kontamination bereits durch Ablegen der Kleidung erfolgen.  
GESUNDHEITSWESEN  
Die Essener Krankenhäuser werden zu Beginn des Ereignisses durch den Malteser Hilfsdienst vorinfor-
miert , deren Leitstelle in das ManV -Konzept der Stadt Essen  eingebunden ist.  In den Kliniken werden 
jeweils  Krankenhauseinsatzleitung en etabliert und zusätzliches Personal gemäß de r Krankenhausalarm-
pläne rekrutiert.  
Symptome, die auf eine Stoffbeimischung schließen lassen , treten erst im späteren Verlauf des Eins atzes 
auf. Die Überwiegende Mehrheit der Patientinnen und Patienten befindet sich zu diesem Zeitpunkt  be-
reits in einem Krank enhaus in Essen bzw. in der Umgebung . Eine erhebliche Anzahl an Einsatzkräften , 
Pflegerinnen und Pflegern  und Ärztinnen und Ärzte,  zum großen Teil  auch außerhalb von Essen,  wird 
dann bereits kontaminiert sein.  
Eine Herausforderung stellen  weiterhin Selbsteinweiser  dar, die - an den Strukturen der Gefahrenab-
wehr vorbei  - selbstständig die Notaufnahme aufsuchen. Aufgrund des wahrscheinlich großflächigen 
Eintrags von S -Lost in die Bevölkerung und in das private Umfeld ist mit einer Vielzahl von Patientinnen 
und Patienten zu rechnen, die auch Stunden nach dem Ereignis die No taufnahme aufsuchen.
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ENERGIE  
Auf die flächendeckende Strom - und Energieversorgung nimmt das Szenario keinen Einfluss. Im unmit-
telbaren Bereich des S -Bahnhofes ist die Stromversorgung möglicherweise unterbrochen.  Die Flucht-
wegbeleuchtung in der U -Bahnstat ion ist 30 Minuten intakt  
WASSER UND ABWASSER  
Auf die flächendeckende (Ab) -Wasserversorgung nimmt das Szenario keinen Einfluss.   
ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT  
Auf die Ernährung und Landwirtschaft nimmt das Szenario keinen Einfluss.   
FINANZ - UND VERSICHERUNGSWESEN  
Signifikante Auswirkungen auf das Finanz - und Versicherungswesen sind nicht absehbar.  
IT UND KOMMUNIKATION  
In den Medien wird von dem Ereignis berichtet und über mögliche Hintergründe sp ekuliert. Die Aufklä-
rung über Gerüchte und Fake News ist von besonderer Bedeutung.   
Auf die flächendeckende IT/Telekommunikation nimmt das Szenario keinen Einfluss.   
STAAT UND ÖFFENTLICHE VERWALTUNG  
Es wird ein hohes Aufkommen von Anfragen besorgter Angeh örige r und Bürgerinnen und Bürger erwar-
tet.  
Das Presse - und Kommunikationsamt tauscht Informationen mit Partnern und politischen Vertreterin-
nen und Vertretern aus. Darüber hinaus erfolgt auch der Austausch mit benachbarten Kommunen. Von 
besonderer Bedeutu ng ist die Information potenziell Betroffener/Kontaminierter, die sich von der Ein-
satzstelle entfernt haben , sowie der BOS und Kliniken , auch der umliegenden Städte in der Metropolre-
gion.  
Gesicherte Informationen werden in einem Live -Ticker und über die ei genen Kanäle geteilt. Das Presse - 
und Kommunikationsamt ist in Zusammenarbeit mit anderen Behörden und Pressestellen zentraler An-
sprechpartner für die Medien.   
Im Rahmen der Umweltmedizin wird das Gesundheitsamt bei Feststellung einer Kontamination tätig.  
TRANSPORT UND VERKEHR  
Möglicherweise flüchten Personen in die U -Bahn -Tunnel, der Fahrbetrieb wird daher umgehend einge-
stellt.  
Bahnen werden in die nächste Station gefahren, um den Fahrgästen einen sicheren Ausstieg zu ermög-
lichen. Es ist nicht auszuschlie ßen, dass Bahnen aufgrund defekter Betriebstechnik im Tunnel bleiben.  
Auf polizeiliche Anordnung wird der Personennahverkehr eingeschränkt.
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Der Berliner Platz ist mit mehreren hundert Fahrgästen pro Stunde zentraler Knotenpunkt des Essener 
U-Bahn -Netzes un d wichtiger Umsteigepunkt für viele Pendler. Schwere infra strukturelle Schäden be-
einflussen auch langfristig den öffentlichen Personennahverkehr. Vorrübergehend wird ein Schienener-
satzverkehr etabliert.  
ABFALLENTSORGUNG  
Es fällt kontaminierter Müll an, der  besonders weiterverarbeitet werden muss. Da S -Lost auch in das 
private Umfeld eingetragen wurde, muss auch hier mit kontaminiertem Müll gerechnet werden.  
 
4.3.6  SCHADENSFOLGEN AUF WEITERE SCHUTZGÜTER  
UMWELT  
Die Umgebung und Infrastruktur des U -Bahnhofes Berline r Platz ist kontaminiert.  
VOLKSWIRTSCHAFT  
Größere volkswirtschaftliche Schäden sind nicht abzusehen. In Einzelfällen kann es aus Angst zur Mei-
dung von öffentlichen Verkehrsmitteln kommen.  
Durch die Schäden an Zügen und der U -Bahnstation sowie weiteren angr enzenden Einrichtungen ent-
stehen hohe Versicherungsschäden.  
IMMATERIELLE SCHÄDEN  
Die langfristige psychische Belastung für Helfer, Opfer und Angehörige ist groß.  
Es ist von Angstreaktionen der Bevölkerung auszugehen, in Teilen besteht möglicherweise Panik vor 
einer Kontamination mit S -Lost.
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4.3.7  RESULTIERENDE ANFORDERUNGEN AUS DEM  SZENARIO  
Die folgenden Anforderungen resultieren zum einen aus dem vorstehend geschilderten Szenarioverlauf 
und schließen zum anderen unmittelbar aus den Expertengesprächen abgeleitete Bedarfe ein.  
 
 
 
 
 + Planerisches Versorgungniveau  Szenario Terroranschlag mit Explosion  
○ Effektive Brandbekämpfung, Menschenrettung und Detektion von Kampfstoffen  
○ Umfassend e Erkundung und Lagedarstellung  
○ Entrauchung der Übergänge zum Limbecker Platz und zum angrenzenden Kino sowie  Rauchfrei-
halten von Rettungswegen  
○ Einrichtung einer strukturierten Patientenablage für 90 Verletzte ( 36 rot, 18 gelb, 36 grün) in der 
Primäreinsat zphase  
○ Versorgung und Transport von bis zu 90 Verletzten  
○ Dekontamination, Versorgung und Transport von 600 Sekundärkontaminierten (72 rot, 132 gelb, 
456 grün) über einem Zeitraum von bis zu 48 Stunden nach Ereignis unter Berücksichtigung der 
eigenen Betr offenheit  
○ Sekundärverlegung von 270 Patientinnen und Patienten verschiedener Verletzungsstufen, teils 
durch ITW/RTW, teils durch geschlossene Verbände des KatS  
○ Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Leitstelle (Sonderlagefähigkeit)  
○ Erhöhung der Leistungsfähi gkeit des Regel -Rettungsdienstes  
○ Vorhalten geeigneter PSA  
○ Versorgung von Einsatzkräften  
○ Erfassung und Deutung von Rückmeldungen aus Kliniken  
○ Dekontamination und Massendekontamination an der Einsatzstelle und in der Klinik  
○ Aufrechterhaltung der Grundschutz fähigkeit  der BOS  
○ Zentrale und frühzeitige Koordinierung in einem Krisen - und einem Führungsstab über mehrere 
Tage  
○ Koordination der Maßnahmen mit angrenzenden Gebietskörperschaften  
○ Psychosoziale Versorgung der Betroffenen  
○ Sicherstellen einer Krisenkommunikation
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4.4 VERSORGUNGSMANGELLAGE  
Das Szenario wurde im Rahmen des Folgeworkshops aufgeteilt, sodass sowohl Anforderungen an eine 
Kraftstoff -, als auch an eine Erdg asmangellage betrachtet w erden konnten .  
4.4.1  FOLGEWORKSHOP  
BEMESSUNGSSZENARIO  
Aufgrund massiver langfristiger Lieferausfälle ist d ie Versorgung mit Kraftstoff/ Erdg as in der gesamten 
Bundesrepublik Deutschland mehrere Monate eingeschränkt. BOS und kritische Infrastrukturen sind 
betroffen, der Personen - und Lieferverkehr ist eingeschränkt . 
 
BETEILIGTE EXPERTINNEN UND EXPERTEN  
FB 32 Or dnungsamt  
FB 37 Feuerwehr  
FB 53 Gesundheitsamt  
FB 59 Umweltamt  
FB 66 Amt für Straßen und Verkehr  
EBE Entsorgungsbetriebe Essen  
Ruhrbahn GmbH  
Deutsche Bahn AG  
Westnetz AG  
Stadtwerke Essen  
Wassergewinnung Essen GmbH  
Unabhängige Tanklogistik GmbH  
STEAG GmbH  Open Grid Europe GmbH  
Bundespolizei  
Landespolizei  
Technisches Hilfswerk  
Malteser Hilfsdienst  
Deutsches Rotes Kreuz  
Arbeiter -Samariter -Bund  
Deutsche Lebens -Rettungs -Gesellschaft  
Kreisverbindungskommando der Bundeswehr  
Industrie - und Handelskammer Ruhr  
Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft  
Landwirtschaftskammer NRW
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4.4.2  EINLEITUNG KRAFTSTOFFMANGEL  
Nicht zuletzt die Berichte 2021 aus Großbritannien offenbaren die Vulnerabilität unserer Gesellschaft 
gegenüber einer Versorgungsmangellage mit Kraftstoffen, wie Öl, Diesel, Benzin, Heizöl oder Kerosin. 
1973 führten verschiedene Entwicklungen auf dem Rohölmarkt zur sogenannten Ölpreiskrise. Auf 
Grundlage des Energiesicherungsgesetzes wurden in Deutschland allgemeine Fahrv erbote (autofreie 
Sonntage) und Geschwindigkeitsbegrenzungen verhängt.  
Deutschland ist wesentlich von Rohölimporten abhängig. Wichtigstes Lieferland ist Russland (Bundes-
ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz 2016).  
Ein Kraftstoffmangel ist kein binäre r Status von Verfügbarkeit und Nicht -Verfügbarkeit, sondern viel-
mehr eine zunehmende Verknappung über einen Zeitraum, die eine zunehmende Priorisierung erfor-
derlich macht.  
Die Erfahrung zeigt, dass vor allem Einschränkungen in der Mobilität mit kraftstoffb etriebenen Fahrzeu-
gen zu erwarten sind, entweder aufgrund von Fahrverboten oder eines akuten Kraftstoffengpasses.  Per-
sonal kann infolgedessen  möglicherweise nicht mit dem eigenen PKW Dienststelle n aufsuchen . 
Mit der Energie - und Mobilitätswende finden zune hmend alternative Antriebsarten wie Elektro - und 
Wasserstofffahrzeuge Verbreitung. Der Anteil von Batterie -Elektrofahrzeugen in Deutschland betrug 
2021 0,58 % (Statista).  
Zur Überbrückung von Erdöl -Versorgungsengpässen wird in Deutschland eine strategische  Ölreserve 
vorgehalten. Die Bevorratung reicht aus, um den Erdölbedarf im Notfall mindesten 90 Tage zu decken. 
Ein Teil der strategischen Ölreserve (20.000 m3 von 100.000 m3) wird in den Lagern der Una bhängigen 
Tanklogistik GmbH in Essen vorgehalten. Die Freigabe und Koordination liegt im Zuständigkeitsbereich 
des Bundes, die Handlungsmöglichkeiten der Unteren -KatS -Behörde sind begrenzt.  
4.4.3  SCHADENSFOLGEN AUF DAS SCHUTZGUT MENSCH  (KRAFTSTOFF MANGEL ) 
Direkt e Einwirkungen im Sinne von Toten und Verletzten sind nicht zu erwarten.  
Indirekt machen sich Auswirkungen der eingeschränkten Mobilität auf das Schutzgut Mensch bemerk-
bar. Viele ältere und pflegebedürftige Menschen sind in ihrem häuslichen Umfeld auf Unt erstützung bei 
der Bewältigung ihres Alltags angewiesen. Zum Teil mehrmals täglich ist ein Pflege - oder Mahlzeiten-
dienst erforderlich. Ausfälle haben eine schnelle Verschlechterung des Gesundheitszustandes und ggf. 
Mangelernährung zur Folge.  
Eine verminder te Leistungsfähigkeit des Rettungsdienstes würde zu schweren gesundheitlichen Folge-
schäden bis hin zum Tod aufgrund von Notfällen, wie z.B. einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, führen.  
Insbesondere in den ländlichen Bereichen gibt es noch öl-betriebene Hei zungen, deren Wegfall die Wär-
meversorgung der Bewohnerinnen und Bewohner bzw. der Einrichtung bedrohen. Heizöl wird in der 
Regel bereits einige Monate im Voraus bestellt und geliefert, sodass im Speziellen ein langfristiger Ver-
sorgungsmangel ein Problem da rstellt.
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4.4.4  SCHADENSFOLGEN AUF DAS SCHUTZGUT KRITIS  (KRAFTSTOFF MANGEL ) 
ENERGIE  
Sowohl die Strom - als auch die Gasversorgung ist im Wesentlichen in den Entstörungsdiensten betrof-
fen. Regelmäßig erforderliche Instandhaltungen und Instandsetzungen sowie der Serv ice beim Endkun-
den können möglicherweise aufgrund eines Kraftstoffmangelns nicht vollumfänglich durchgeführt wer-
den, da Fahrzeuge und Netzersatzgeräte nicht betrieben werden können.  
Inspektionen und Wartungen im Gasnetz werden eingeschränkt, was aus sicher heitstechnischen Grün-
den allerdings nur zwei bis vier Wochen möglich ist.  
Sekundär er Einfluss auf das Netz nimmt die eingeschränkte Leistungsfähigkeit von Systemdienstleistern, 
wie beispielsweise Tiefbauunternehmen, die mit dem Verlegen von Erdkabeln und L eitungen beauftragt 
sind.  
Wird in die Müllverbrennungsanlage in Essen -Karnap aufgrund einer reduzierten Abfuhr zu wenig Müll 
eingespeist, kommt es in der Folge zu einer Leistungsminderung der Fernwärmeversorgung.  
WASSER UND ABWASSER  
Instandhaltungen und I nstandsetzungen im Abwassernetz der Stadtwerke Essen sind aufgrund der ein-
geschränkten Personal - und Materiallogistik nicht vollumfänglich möglich.  
ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT  
Logistikzentren großer Lebensmittelketten werden täglich von kraftstoffbetriebe nen LKW angefahren. 
Aufgrund des Kraftstoffmangels kommt es zu Unterbrechungen in den Lieferketten der Lebensmittello-
gistik.  
Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe halten 1.000 bis 10.000 Liter eigenen Kraftstoff vor. Ein Prob-
lem tritt vor allem saison al bei der Ernte und der Bestellung von Äckern  auf. Darüber hinaus werden 
Landmaschinen zum Transport von Tierfutter und Waren benötigt.  
Der Mahlzeitendienst versorgt pflegebedürftige und ältere Bürgerinnen und Bürger mit einem warmen 
Mittagessen. Ein Kraftstoffmangel würde die Verteilung der Mahlzeiten beeinträchtigen.  
FINANZ - UND VERSICHERUNGSWESEN  
Personal kann aufgrund des Kraftstoffmangels möglicherweise nicht mit dem eigenen PKW zur Dienst-
stelle kommen  und arbeitet nach Möglichkei t von zuhause .   
GESUNDHEITSWESEN  
Im Gesundheitswesen ist insbesondere der ambulante Sektor betroffen. Ambulante Pflege - und Haus-
notrufdienste sind auf Kraftstoffe angewiesen, um Fahrzeuge zu betreiben.  
Darüber hinaus ist ein Engpass von Medizinprodukten möglich, sollte die Warenlogistik gestört werden.
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IT UND KOMMUNIKATION  
Personal kann aufgrund des Kraftstoffmangels nicht mit dem eigenen PKW zur Dienststelle kommen.  
Regelmäßig erforderliche Instandhaltungen und Instandsetzungen sowie de r Service beim Endkunden 
können möglicherweise aufgrund eines Kraftstoffmangelns nicht vollumfänglich durchgeführt werden.  
STAAT UND ÖFFENTLICHE VERWALTUNG  
Die Handlungsfähigkeit der Verwaltung im Innendienst ist durch eine Kraftstoffma ngellage nicht einge-
schränkt. Wie auch in anderen Organisationen steht die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes im Mittel-
punkt.  
Durch die Verwaltung ist eine Priorisierung von Kraftstoff erforderlich. Im Rahmen von Ordnungsverfü-
gungen kann durch die Polizei Kraftstoff sicherges tellt werden.  
TRANSPORT UND VERKEHR  
Der Straßenverkehr wird massiv eingeschränkt werden. Ein Umstieg , z.B. auf das Fahrrad oder öffentli-
che Verkehrsmittel , ist erforderlich. Elektrofahrzeuge und alternative Antriebsarten sind in diesem Sze-
nario von einem K raftstoffmangel nicht betroffen und können weiter betrieben werden , machen jedoch 
derzeit nur einen geringen Teil der Mobilitätskonzepte aus . 
Der Schiffverkehr auf dem Rhein -Herne -Kanal wird teilweise reduziert.  
Lieferketten brechen aufgrund der Einschränk ungen im Transportwesen zusammen, alternative Liefer-
wege, wie z.B. die Schiene , werden hoch ausgelastet . 
Die Ruhrbahn wird einen abgestuften Notfallplan aktivieren und den Bus -Betrieb um 15 - 30 % reduzie-
ren. Straßen - und U -Bahnen können uneingeschränkt be trieben werden.  
Im Betrieb der Deutschen Bahn kommt es zu Einschränkungen, da Rangierloks kraftstoffbetrieben sind. 
Einige Nebenstrecken können ggf. nicht mehr betrieben werden, da diese mit Dieselloks befahren wer-
den.  
ABFALLENTSORGUNG  
Die Abfallbeseitigun g der Entsorgungsbetriebe Essen folgt einem  reduzierten Einsatzplan. In kritischen 
Einrichtungen, wie medizinische Einrichtungen oder die Lebensmittelindustrie, wird die Abfuhr nicht 
eingeschränkt.  
BEHÖRDEN UND ORGANISATIONEN MIT SICHERHEITSAUFGABEN (BOS)  
Eine signifikante Zunahme der Einsatzzahlen wird nicht erwartet.  
Über alle Organisationen hinweg besteht die Gefahr einer verminderten Leistungsfähigkeit des Einsatz-
dienstes, einerseits aufgrund der Logistik von Personal zur Dienststelle und andererseits w egen des 
Kraftstoffbedarfs der Einsatzfahrzeuge.  
Müssen ehrenamtliche Mitglieder mit alternativen Mitteln ihre Dienststelle anfahren, werden verlän-
gerte Ausrückzeiten erwartet.
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Durch die Polizei werden Objektschutzmaßnahmen, beispielsweise an Tanklagern,  erforderlich. Durch 
Hortungen (Hamsterkäufe) besteht ein erhebliches Konflikt - und Einsatzpotenzial. Darüber hinaus ist 
mit Demonstrationen und Protesten aufgrund der Einschränkungen des Alltags zu rechnen.  
Im Zuge der Amtshilfe sind Sicherstellungen von  Kraftstoffreserven möglich.  
4.4.5  SCHADENSFOLGEN AUF WEITERE SCHUTZGÜTER  (KRAFTSTOFF MANGEL ) 
UMWELT  
Auf die Umwelt werden keine signifikanten negativen Einflüsse erwartet.  
VOLKSWIRTSCHAFT  
Es werden insbesondere zu Beginn der Mangellage Hortungen und „Hamsterkäuf e“ erwartet. Durch 
Ernteausfälle, unterbrochene Lieferketten, eingeschränkte Personalverfügbarkeit und die reduzierte in-
dustrielle Produktion verzeichnet die Wirtschaft größere finanzielle Einbußen. Eingeschränkte Mobilität 
beeinflusst zudem das Kaufverhal ten sowie die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen.  Der 
Kraftstoffmangel führt aus Sicht der öffentlichen Hand überdies zu einem entsprechenden Verlust von 
Steuereinnahmen. Weiterhin entstehen Kosten für die notwendige Versorgung Hilfebedürftiger.  
IMMATERIELLE SCHÄDEN  
Die Angst vor einer Mangellage bei Verbrauchsgütern des al ltäglichen Bedarfs spielen mit zunehmender 
Dauer eine kritische Rolle.  Es ist potenziell mit einer Verselbstständigung der Lage durch unvorhergese-
hene Menschen ansammlungen bis hin zu Unruhen und Selbstjustiz zu rechnen.
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