LA18-GESO-GK-A-AUFG

Abitur-Prüfung in Hessen aus 2018 in Gesundheitsökonomie

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Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2018  
Gesundheitsökonomie Thema und Aufgabenstellung 
Grundkurs Vorschlag A 
Seite 1 von 5Hinweise für den Prüfling 
 
Auswahlzeit: 30 Minuten Bearbeitungszeit: 180 Minuten  
 
Auswahlverfahren 
Wählen Sie von den zwei vorliegenden Vorschlägen einen zur Bearbeitung aus. Der nicht ausgewählte 
Vorschlag muss am Ende der Auswahlzeit der Aufsicht führenden Lehrkraft zurückgegeben werden.
 
 
Erlaubte Hilfsmittel 
1. ein Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung 
2. ein eingeführter Taschenrechner (Bei grafikfähigen Rechnern und Computeralgebrasystemen ist 
ein Reset durchzuführen.) 
3. eine Liste der fachspezifischen Operatoren Deutsch/Fachbereich II 
 
 
Sonstige Hinweise 
keine 
In jedem Fall vom Prüfling auszufüllen 
 
 
Name:   Vorname:   
 
 
Prüferin/Prüfer:   Datum:
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Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2018  
Gesundheitsökonomie Thema und Aufgabenstellung 
Grundkurs Vorschlag A 
Seite 2 von 5Prävention/Arzneimittelversorgung/Vergütungssysteme 
 
Aufgaben 
 
1 Laut der von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen und im Jahr 2010 veröffent-
lichten Studie „Special Eurobarometer 332“ steht der Tabakkonsum bei den vermeidbaren Todes-
ursachen in der Europäischen Union an erster Stelle. Die Zahl der Todesfälle infolge direkten 
oder indirekten Tabakkonsums beziffert die EU-Kommission auf etwa 700000 jährlich. In 
Deutschland sind es nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums ca. 110000. Mit 
den zahlreichen durch den Tabakkonsum verursachten Krankheits- und Todesfällen gehen große 
finanzielle Belastungen für das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft eines Landes einher. 
Umso wichtiger sind daher zielorientierte und zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen. 
 
1.1 Die tabakbedingten Gesamtkosten für das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft erhält man 
durch die Addition der direkten, indirekten und intangiblen Kosten. 
Ordnen Sie die in Material 1 aufgeführten Kosten den verschiedenen Kostenarten zu und erläutern 
Sie drei mögliche Probleme bei der Ermittlung der oben genannten Kosten. 
(10 BE) 
 
1.2 Stellen Sie die Unterschiede zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention sowie zwischen 
universeller und zielgruppenspezifischer Prävention dar und entwerfen Sie für die Verhaltens- und 
Verhältnisprävention jeweils eine zielgruppenspezifische und eine universelle Maßnahme zur 
Vermeidung bzw. Reduzierung des Tabakkonsums. 
(10 BE) 
 
1.3 Erläutern Sie drei Gründe für den teilweise geringen Erfolg von Präventionsmaßnahmen bezogen 
auf den Tabakkonsum. 
(6 BE) 
 
1.4 Obwohl Präventionsmaßnahmen das Auftreten von Krankheiten und Todesfällen signifikant 
verhindern können, wird der Prävention im deutschen Gesundheitswesen eine zu geringe 
Bedeutung beigemessen. Ein Grund hierfür sind u.a. fehlende finanzielle Anreize für Ärzte zur 
Erbringung präventiver Leistungen. 
Erläutern Sie die vier Grundvergütungsformen (Einzelleistungsvergütung, Kopfpauschale, Fall-
pauschale und erfolgsabhängige Vergütung) und erörtern Sie jeweils deren Eignung, das Angebot 
an Präventionsmaßnahmen im ambulanten Bereich sowohl in quantitativer als auch in qualitativer 
Hinsicht zu fördern. 
(16 BE) 
 
1.5 In Material 2 wird ein internetbasiertes Präventionskonzept vorgestellt, das die hausärztliche 
Versorgung unterstützen soll.  
Stellen Sie auf der Basis von Material 2 die Vorteile des Präventionskonzepts dar. 
(10 BE)
2

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Gesundheitsökonomie Thema und Aufgabenstellung 
Grundkurs Vorschlag A 
Seite 3 von 52 Jedes Jahr erscheint der Arzneimittelreport der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), in dem 
die Ausgaben- und Verordnungsstruktur von Arzneimitteln statistisch ausgewertet wird. Auch 
die private Krankenversicherung (PKV) erhebt ihre Arzneimitteldaten in der Studie des Wissen-
schaftlichen Instituts der PKV. Eine Analyse beider Datensätze zeigt sowohl bei der GKV als 
auch bei der PKV einen enormen Anstieg der Ausgaben für Arzneimittel im Zeitraum zwischen 
1997 und 2012. Dabei stiegen die Arzneimittelausgaben der PKV mit 137,7% im Betrachtungs-
zeitraum deutlich stärker als die der GKV (Anstieg von 77,7%). 
 
2.1 Hinsichtlich der Zugänglichkeit (Abgabevoraussetzung und -ort) für Patienten lassen sich vier 
verschiedene Arzneimittelgruppen voneinander unterscheiden. 
Nennen und beschreiben Sie diese. 
(8 BE) 
 
2.2 Erläutern Sie vier Ursachen für die hohen Ausgaben im Arzneimittelsektor und stellen Sie drei 
der folgenden Instrumente zur Kostenregulierung im Arzneimittelbereich dar: die Kosten-
Nutzen-Bewertung, die Rabattverträge, die Festbetragsregelung und das Richtgrößenbudget.  
(14 BE) 
 
2.3 Sowohl die GKV als auch die PKV verzeichnen hohe Arzneimittelausgaben. Eine Möglichkeit, 
die Arzneimittelausgaben zu reduzieren, besteht in der Erhöhung der Generikaquote. 
Entwerfen Sie drei Maßnahmen zur Erhöhung der Generikaquote. 
(6 BE) 
 
 
3 Die Vergütung von niedergelassenen Ärzten unterscheidet sich zwischen der GKV und der PKV. 
Stellen Sie die Unterschiede in der Vergütung dar und beurteilen Sie deren Auswirkungen auf 
Leistungserbringer und Versicherte.  
(20 BE)
3

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Gesundheitsökonomie Thema und Aufgabenstellung 
Grundkurs Vorschlag A 
Seite 4 von 5Material 1 
Übersicht über Kosten des Tabakkonsums in Deutschland 
Kosten für in Mio. Euro 
verlorene Lebensjahre  ca. 70.000,00 
Mortalitätsverluste in bewerteter Arbeitszeit 6.693,46 
ambulante Einrichtungen 3.875,15  
stationäre Einrichtungen 2.857,84 
Verluste durch Zigarettenpausen 28,34 
Arbeitsunfähigkeit GKV 2.650,11 
Produktionsausfälle durch Rehabilitation 83,92 
Frühberentung 2.970,17 
 
geändert nach: Publikation des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg: Die Kosten des Rauchens für Gesund-
heitswesen und Volkswirtschaft in Deutschland, Stand 2009. 
http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Kosten_des_Rauchens.html (abgerufen am 11.05.2014). 
 
 
Material 2 
Susanne Theisen: Ein Coach für alle Fälle (15.03.2013) 
Über die Onlineplattform HausMed bietet der Deutsche Hausärzteverband Gesundheitscoachings an,
mit deren Hilfe Patienten ihren Lebensstil verändern können.  
Wie kann man die hausärztliche Versorgung innovativ weiterentwickeln und insbesondere das Internet 
für Hausärzte und ihre Patienten nutzbar machen? Diese Frage stand am Anfang der Konzeption von 
HausMed, erklärt HausMed-Geschäftsführer Dr. Florian Frensch. Internetcoachings zu präventiven 5 
Zwecken waren für den Verband die naheliegende Antwort. 
An der Plattform gefiel der Ärztevertretung besonders die Möglichkeit, Patienten außerhalb der Praxis 
bei der Veränderung ungesunder Verhaltensweisen unterstützen zu können. „Mit diesem Thema stößt 
man bei allen Hausärzten auf offene Ohren. Sie begleiten Patienten über viele Jahre und erleben oft, 
wie durch einen falschen Lebensstil chronische Krankheiten entstehen“, so Psychologe und Wirtschafts- 10 
ingenieur Frensch. […] 
Auf der HausMed-Seite stehen Nutzern zahlreiche Patienteninformationen über Krankheiten und Me-
dikamente zur Verfügung. Außerdem gibt es Tipps für ein gesünderes Leben – abrufbar auch für un-
registrierte User. Auf Werbung für Pharmaprodukte wird verzichtet. Im Mittelpunkt stehen die HausMed 
Coaches zu sieben verschiedenen Themengebieten: abnehmen, Raucherentwöhnung, stressfrei leben, 15 
gesunder Rücken, Diabetes, Depression und Bluthochdruck. In zwölfwöchigen Kursen bekommen die 
Patienten regelmäßig Informationen zu ihrem Thema und Aufgaben, die sie erfüllen müssen, um ihre 
Lebensweise umzustellen.  
Ulrich Girbinger aus Krefeld ist mit dem HausMed Coach seinen überflüssigen Pfunden zu Leibe 
gerückt. „Ich habe bei meinem Hausarzt den Flyer für das Programm gesehen und mich dann von ihm 20 
genauer informieren lassen“, erzählt der 48-Jährige. Im November 2012 startete er mit dem Programm 
„Leichter leben“, zum Abschluss hatte er sechs Kilo abgenommen. […] Mit dem Ablauf des Trainings-
programms kam Girbinger nach eigener Aussage gut zurecht. „Man wird ganz langsam an die Materie 
herangeführt, indem man jede Woche etwas Neues lernt. In der ersten Woche ging es beispielsweise 
darum aufzuschreiben, was man isst. In der zweiten standen die Trinkgewohnheiten im Mittelpunkt. 25 
Später kamen die Themen Sport und Bewegung hinzu“, fasst er zusammen.
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Gesundheitsökonomie Thema und Aufgabenstellung 
Grundkurs Vorschlag A 
Seite 5 von 5Im Paket inklusive sind außerdem ein auf Gewicht und Alter abgestimmter Wochen-Essplan sowie 
Listen zur Visualisierung, wie viel Sport man gemacht und wie viel Fett, Kohlehydrate und Flüssigkeit
man zu sich genommen hat. Das alles schriftlich genau nachzuhalten, sei ihm von allen Aufgaben am 
schwersten gefallen, berichtet der Kraftfahrzeugmeister. Ansonsten hatte er keine Probleme. 30 
Bisher hält Girbinger sein neues Gewicht. „Es ist aber nicht so, dass ich nach zwölf Wochen mein 
Lebensmuster völlig umgestellt habe“, sagt er. „Die Informationen, die mir über das Coaching ver-
mittelt wurden, habe ich zwar im Hinterkopf, aber so konsequent schreibe ich nicht mehr alles auf.“ […] 
Der HausMed Coach wird in zwei Varianten angeboten: mit und ohne hausärztliche Betreuung – letztere 
ist im Schnitt 30 Euro teurer. Insgesamt rangieren die Preise für das dreimonatige Programm zwischen 35 
50 und 130 Euro. Einige Kassen erstatten die Kosten, einzelne haben das Angebot auch in den regulären 
Hausärztevertrag aufgenommen. 
In Sachen Compliance zeigen sich laut Frensch deutliche Unterschiede zwischen den zwei Varianten: 
„Bei den selbstständigen Coachings liegt sie bei 50 Prozent, mit ärztlicher Betreuung bei 70 Prozent.“ 
Die Einbindung der Praxis sorgt laut dem HausMed-Geschäftsführer vor allen Dingen dafür, dass die 40 
Motivation dauerhaft stimmt. Wenn sie sinkt und der Teilnehmer sich beispielsweise länger nicht ein-
geloggt hat, können die Praxen das online im „Patienten-Cockpit“ sehen.  
Die Folge: Ein Praxismitarbeiter kontaktiert den Patienten per Telefonanruf oder SMS und spornt ihn 
erneut an. Unangenehm sei den Patienten dieses Maß an Beobachtung nicht, sagt Frensch: „Sie geben 
vorher ihr Einverständnis, dass der Hausarzt ihr Teilnahmeverhalten nachverfolgen kann. Dass die 45 
Praxis das sieht, ist quasi das Verkaufsargument und wird von den Patienten positiv aufgenommen.“ 
Zurzeit machen 1.800 Hausärzte bei HausMed mit, pro Monat kommen laut Frensch 30 bis 100 dazu. 
Mitmachen kann theoretisch jede Praxis in Deutschland. Allgemeinarzt Dr. Heiko Weerda aus Pfaffen-
hofen ist seit eineinhalb Jahren dabei. Er sei gleich von dem Konzept überzeugt gewesen, erinnert sich 
der 44-Jährige. […] 50 
„HausMed nutzt die Vorteile des Mediums Internet ideal: Die Patienten können zeitlich und örtlich 
unabhängig und vor allen Dingen selbstständig für ihre Gesundheit aktiv werden und sich trotzdem 
von ihrem Arzt, der sie gut kennt, an die Hand nehmen lassen“, begründet er. Für die ärztliche Ver-
sorgung bedeute das seiner Meinung nach eine Verbesserung. 
Im Durchschnitt betreuen Weerda und sein Team pro Monat zwei bis drei Patienten, die ein HausMed 55 
Coaching durchlaufen. Der Aufwand sei überschaubar. „Meine Hauptaufgabe ist es, den Patienten in das 
Programm hineinzubringen und mit Einstiegsinformationen zu versorgen. Hat er sich eingeschrieben, 
bekommen wir eine Mitteilung darüber“, erklärt Weerda. „Dann muss man eigentlich nur noch täglich 
Mails checken, um nachzuschauen, ob ein Patient kontaktiert werden muss oder einen 
Motivationsschub braucht.“  60 
Im Schnitt fielen zwei bis drei Anrufe pro Monat, maximal zwei bis drei pro Woche, an. Für seine 
Helferinnen bedeutet das nach Weerdas Angaben einen täglichen Zeitaufwand von fünf Minuten. Für 
jeden Patienten sind die HausMed Coachings nach Ansicht des Mediziners nicht geeignet. Eine gewisse 
Affinität zum Internet sollte bestehen. „Dass das nur auf junge Menschen zutrifft, ist jedoch eine Fehl-
annahme. Wir haben bei uns in der Praxis sogar festgestellt, dass mehr Senioren das Angebot nutzen“, 65 
so der Mediziner. […] 
 
geändert nach: Susanne Theisen: Ein Coach für alle Fälle, 15.03.2013, http://www.zm-online.de/starter/brennpunkt/Ein-
Coach-fuer-alle-Faelle_109964.html (abgerufen am 12.06.2014).
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