LA17-BIO-GK-A1-LOES

Abitur-Prüfung in Hessen aus 2017 in Biologie

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Nicht für den Prüfling bestimmt Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2017 
Biologie Lösungs- und Bewertungshinweise 
Grundkurs Vorschlag A1 
Seite 1 von 5I Erläuterungen 
Aufgabenart 
materialgebundene Aufgabenstellung 
 
Voraussetzungen gemäß Lehrplan und Erlass „Hinweise zur Vorbereitung auf die schriftlichen 
Abiturprüfungen“ in der für den Abiturjahrgang geltenden Fassung 
Q2: Ökologie und Stoffwechselphysiologie 
Strukturierung von Ökosystemen: Übersicht über abiotische Faktoren, Toleranzkurven, ökologische 
Potenz; Übersicht über biotische Faktoren, Konkurrenz, ökologische Nische; Klimawandel 
 
 
II Lösungshinweise und Bewertungsraster 
In den nachfolgenden Lösungshinweisen sind alle wesentlichen Gesichtspunkte, die bei der Bearbei-
tung der einzelnen Aufgaben zu berücksichtigen sind, konkret genannt und diejenigen Lösungswege 
aufgezeigt, welche die Prüflinge erfahrungsgemäß einschlagen werden. Selbstverständlich sind jedoch 
Lösungswege, die von den vorgegebenen abweichen, aber als gleichwertig betrachtet werden können, 
ebenso zu akzeptieren. 
 
Aufg. erwartete Leistungen BE 
1 Unterrichtsbezogene Angaben der Definitionen der Begriffe „abiotische Faktoren“  
„biotische Faktoren“ und „ökologische Nische“, z.B.: 
Als abiotische Faktoren bezeichnet man die Einflüsse der unbelebten Natur, die auf 
einen Organismus einwirken, z.B. Licht, Temperatur, Mineralstoffgehalt des Bodens 
oder Wasser. 
Biotische Faktoren sind Einflüsse aus der belebten Umwelt, mit denen ein Organismus 
in Wechselwirkung steht, z.B. Fressfeinde, Konkurrenten oder Parasiten. 
Die ökologische Nische bildet die Gesamtheit aller von einer Art genutzten bzw. mit 
ihr in Wechselwirkung stehenden biotischen und abiotischen Faktoren.   
 
 
 
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Biologie Lösungs- und Bewertungshinweise 
Grundkurs Vorschlag A1 
Seite 2 von 5Aufg. erwartete Leistungen BE 
2 Beschriftete Zeichnung der Temperaturtoleranzkurve (unterrichtsbezogen):  
Erwartet wird eine Toleranzkurve mit Achsenbeschriftung (x-Achse: Temperatur,  
Y-Achse: z.B. Lebensvorgänge) bzgl. des Faktors Temperatur mit der entsprechenden 
Beschriftung des Minimums (bei ca. –7° C), des Maximums (bei ca. 42°C) und den 
jeweiligen Pessima bei ca. –5 °C bis –7 °C bzw. 37 °C bis 42 °C und dem Präferen-
dum bei ca. 13 °C bis ca. 23 °C.	 
 
Beschreibung und Erklärung der entsprechenden Kurvenbereiche:  
Der Gletscher-Hahnenfuß hat bezüglich des Faktors Temperatur einen breiten Tole-
ranzbereich. Bei Temperaturen im Präferendum kann am effektivsten Fotosynthese 
stattfinden. Mit steigenden bzw. fallenden Temperaturen nimmt die Fotosyntheseleis-
tung der Pflanze ab. 
Jenseits des Minimums bzw. Maximums stirbt die Pflanze ab, in den Bereichen von 
Kältehemmung und Hitzehemmung (Pessima) überlebt die Pflanze, jedoch findet nur 
ein stark herabgesetzter Stoffwechsel statt. Im Bereich der Kältehemmung ist kaum 
Fotosynthese mehr möglich, bei Hitzehemmung werden lebenswichtige Enzyme, z.B. 
die der CO 2-Fixierung, durch Hitze gehemmt bzw. führt ein Verschluss der Stomata 
bei hohen Temperaturen zu einer verminderten CO 2-Aufnahme und damit Fotosynthe-
seleistung. 
 
Material 1 basiert auf:  
Herbert Reisigl, Richard Keller: Alpenpflanzen im Lebensraum, Stuttgart 1994, S. 20.  
 
 
 
 
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Biologie Lösungs- und Bewertungshinweise 
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3 Zusammenfassung der abiotischen Faktoren und Herleitung der sich daraus ergeben-
den Schwierigkeiten für Hochgebirgspflanzen: 
Charakteristisch sind grundsätzlich Extrembedingungen mit hohen Schwankungen. 
– Abiotischer Faktor Temperatur: 
Lange kalte Winter, geringe durchschnittliche Temperaturen, extreme Unterschiede 
zwischen Tag und Nacht und geringe Bodentemperaturen führen dazu, dass Pflan-
zen kurze Vegetationsperioden haben und auch im Sommer wenig Zeit für Foto-
synthese und Wachstum bleibt; niedrige Temperaturen führen zu herabgesetzter 
Enzymaktivität (RGT-Regel); Bodenorganismen zeigen geringere Aktivität, wo-
raus eine geringere Mineralisierungsrate des Bodens resultiert. 
Im Sommer liegen teilweise tagsüber lokal aber auch sehr hohe Bodentemperatu-
ren vor, die zu Schädigungen der Zellen führen können. 
– Abiotischer Faktor Wasser:  
Es treten hohe jahreszeitliche Schwankungen mit z.T. sehr trockenen Phasen auf, 
was zu einer Unterversorgung mit Wasser und infolgedessen einer geringeren  
Biomasseproduktion führen kann. Die herabgesetzte Transpirationsrate durch 
Schließen der Spaltöffnungen bei hoher Sonneneinstrahlung führt außerdem zu ei-
ner geringeren Aufnahme von Wasser und darin gelösten Mineralstoffen über die 
Wurzel. 
– Abiotischer Faktor Wind bzw. Schnee: 
Starker Wind setzt den Wassergehalt durch erhöhte Verdunstung ebenfalls herab 
und führt somit zu Austrocknungen. Durch Wind kommt es zu Schneeverwehun-
gen und Schneeanlagerungen an bestimmten Stellen, was durch die Schneedecke 
dort einen Frost- und Verdunstungsschutz darstellt, aber die Vegetationsperiode 
weiter verkürzt, da die Pflanzen länger von Schnee bedeckt sind. 
 
Material 2 basiert auf: 
Herbert Reisigl, Richard Keller: Alpenpflanzen im Lebensraum, Stuttgart 1994. 
Vom schwierigen Leben der Hochgebirgspflanzen: 
https://www.uibk.ac.at/botany/alpine-garden/hochgebirgspflanzen (abgerufen am 08.07.2016). 
Ulrich Lüttge et al.: Botanik, Weinheim 2002, S.349. 
Deutscher Alpenverein: Naturraum Alpen: 
http://www.alpenverein.de/natur-umwelt/natur-und-umweltschutz/naturraum-alpen-
kultur_aid_10272.html (abgerufen am 08.04.2016). 
Projektwochen Berner Oberland, Modul Alpenpflanzen: 
http://www.projektwochen.info/module_natur_alpenpflanzen.php (abgerufen am 16.04.2016). 
Christoph Frei, Jürg Schmidli: Das Niederschlagsklima der Alpen – wo sich Extreme nahe kommen 
http://iacweb.ethz.ch/staff//sprenger/dynmet_HS09/Promet_niederschlag.pdf (abgerufen am 08.04.2016).  
 
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4 Analyse der in Material 3 dargestellten Anpassungserscheinungen: 
– Morphologische Unterschiede zwischen Tal- und Hochgebirgspflanzen:    
Durch den auffälligen Zwergwuchs bei der Zwerg-Primel (Blüten und Blätter di-
rekt oberhalb der Bodenoberfläche) sind die Angriffsfläche für den Wind und da-
mit auch der Wasserverlust durch Transpiration reduziert. Ebenso wird es dadurch 
möglich, dass alle Pflanzenteile im Winter unter Schnee zu liegen kommen, was 
einen Frostschutz darstellt. Durch die Wuchsform profitiert die Pflanze außerdem 
von den höheren Temperaturen in Bodennähe, was sich positiv auf die Biomasse-
produktion auswirkt.  
– Das Wurzelsystem der Zwerg-Primel macht einen wesentlich höheren Anteil an 
Trockenmasse aus (30% im Vergleich zu nur 14% bei der Talpflanze) und ist we-
sentlich länger und feiner verzweigt, sodass sich bessere Möglichkeiten ergeben, 
dem Boden sowohl Wasser als auch Mineralsalze zu entnehmen. Außerdem ge-
währleistet es einen besseren Halt in Stein und Geröll. 
– Fotosyntheseleistung in Abhängigkeit vom CO 2-Angebot: 
Bei gleichem CO 2-Angebot zeigt der Gletscher-Hahnenfuß, die alpine Pflanze, eine 
deutlich höhere Fotosyntheserate. Offensichtlich kann der Gletscher-Hahnenfuß 
das angebotene CO 2 besser nutzen als die Talpflanze. Dies bedeutet, dass er in gro-
ßer Höhe bei geringerem CO 2-Angebot im Unterschied zur Talpflanze noch effi-
zient Fotosynthese betreiben kann.  
– Bei der Klebrigen Primel (Hochgebirgspflanze) vergehen von der Bildung des Sa-
mens bis zur Blüte zwei Jahre: Die produzierten Samen keimen erst im Folgejahr 
und erst im zweiten Jahr nach Samenfreisetzung erfolgt die Blüte. Diese zeitliche 
Verzögerung stellt eine Anpassung an die sehr kurze Vegetationszeit von nur vier 
Monaten (Juli – Oktober) dar.  
Die Hohe Schlüsselblume, die Talpflanze, hat eine lange Vegetationszeit von Mitte 
Februar bis Ende November. Dies bedeutet, dass jedes Jahr aus den reifen Samen 
neue Pflanzen entstehen, die im Folgejahr Blüten und ebenfalls wieder Samen er-
zeugen. 
 
Material 3 basiert auf:  
Herbert Reisigl, Richard Keller: Alpenpflanzen im Lebensraum, Stuttgart 1994, S. 28–29.  
 
 
 
 
 
 
 
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5 Entwicklung einer begründeten Hypothese zu möglichen Auswirkungen der Klimaer-
wärmung:  
Denkbar wären z.B. folgende Überlegungen:  
Die Erhöhung der Durchschnittstemperatur und damit verbundene verlängerte Vegeta-
tionsperiode in bestimmten Höhenlagen der Alpen führt zu einer Verschiebung der 
Gebiete, in denen Pflanzenarten vorkommen, d.h. zu einer Neuansiedlung derjenigen 
Pflanzen, die vormals in eher tiefer gelegenen Regionen vorkamen. Dies hat Auswir-
kungen auf die zwischenartliche Konkurrenz und führt mit zunehmender Klimaer-
wärmung zu einer anderen Artenzusammensetzung.  
Es könnte zum Aussterben der an die besonderen klimatischen Verhältnisse der Hö-
henlagen angepassten Arten kommen.  6 
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Seite 5 von 5III Bewertung und Beurteilung 
Die Bewertung und Beurteilung erfolgt unter Beachtung der nachfolgenden Vorgaben nach § 33 der 
Oberstufen- und Abiturverordnung (OAVO) vom 20. Juli 2009 (ABl. S. 408), zuletzt geändert durch 
Verordnung vom 13. Juli 2016 (ABl. S. 306). Nach § 52 (Übergangsregelungen) sind bei der Bewer-
tung und Beurteilung der sprachlichen Richtigkeit in der deutschen Sprache die Bestimmungen 
des § 9 Abs. 12 OAVO in Verbindung mit Anlage 9b in der seit 16. August 2016 geltenden Fassung 
anzuwenden. In den modernen Fremdsprachen sowie den alten Sprachen gelten die Bestimmungen 
des § 9 Abs. 13 in Verbindung mit den Anlagen 9b und c bzw. 9d der Verordnung in der bis zum 
15. August 2016 geltenden Fassung. Bei der Berechnung von Prozentwerten und Fehlerindizes ge-
mäß Anlage 9 OAVO werden die berechneten Werte nicht gerundet. Für die Umrechnung von Pro-
zentanteilen der erbrachten Leistungen in Notenpunkte ist Anlage 9a zu § 9 Abs. 12 OAVO in der 
bis zum 15. August 2016 geltenden Fassung anzuwenden. Darüber hinaus sind die Vorgaben der Er-
lasse „Hinweise zur Vorbereitung auf die schriftlichen Abiturprüfungen (Abiturerlass)“ und „Durch-
führungsbestimmungen zum Landesabitur“ in der für den Abiturjahrgang geltenden Fassung zu be-
achten. 
 
Bei der Bewertung und Beurteilung ist auch die Intensität der Bearbeitung zu berücksichtigen. Als Be-
wertungskriterien dienen über das Inhaltliche hinaus qualitative Merkmale wie Strukturierung, Diffe-
renziertheit und Schlüssigkeit der Argumentation. 
 
Im Fach Biologie besteht die Prüfungsleistung aus der Bearbeitung je eines Vorschlags aus den Auf-
gabengruppen A und B, wofür insgesamt maximal 100 BE vergeben werden können. Ein Prüfungs-
ergebnis von 5 Punkten (ausreichend) setzt voraus, dass insgesamt 46% der zu vergebenden BE er-
reicht werden. Ein Prüfungsergebnis von 11 Punkten (gut) setzt voraus, dass insgesamt 76% der zu 
vergebenden BE erreicht werden. 
 
 
Gewichtung der Aufgaben und Zuordnung der Bewertungseinheiten zu den Anforderungs-
bereichen 
 
Aufgabe Bewertungseinheiten in den Anforderungsbereichen Summe AFB I AFB II AFB III 
1 6    6 
2 5  6   11 
3 4 6  2 12 
4 13 2 15 
5  6 6 
Summe 15 25 10 50 
 
Die auf die Anforderungsbereiche verteilten Bewertungseinheiten innerhalb der Aufgaben sind als 
Richtwerte zu verstehen.
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