LA17-BIO-LK-A1-AUFG

Abitur-Prüfung in Hessen aus 2017 in Biologie

/ 8
PDF herunterladen
Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2017 
Biologie Thema und Aufgabenstellung 
Leistungskurs Vorschlag A1 
Seite 1 von 8Hinweise für den Prüfling 
 
Auswahlzeit: 45 Minuten Bearbeitungszeit (insgesamt): 240 Minuten  
 
Auswahlverfahren 
Es gibt zwei Aufgabengruppen A und B. Aus jeder Gruppe stehen zwei Vorschläge zur Auswahl, von 
denen jeweils einer auszuwählen und zu bearbeiten ist.
Die beiden nicht ausgewählten Vorschläge müssen am Ende der Auswahlzeit der Aufsicht führenden 
Lehrkraft zurückgegeben werden. 
 
 
Erlaubte Hilfsmittel 
1. ein Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung 
2. ein eingeführter Taschenrechner (Bei grafikfähigen Rechnern und Computeralgebrasystemen ist 
ein Reset durchzuführen.) 
3. eine Liste der fachspezifischen Operatoren 
 
 
Sonstige Hinweise 
keine 
  
In jedem Fall vom Prüfling auszufüllen 
 
 
Name:   Vorname:   
 
 
Prüferin/Prüfer:   Datum:
1

Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2017 
Biologie Thema und Aufgabenstellung 
Leistungskurs Vorschlag A1 
Seite 2 von 8Ökologie und Stoffwechselphysiologie 
Ameisenpflanzen 
 
 
Aufgaben
 
1 Geben Sie je eine Definition sowie jeweils ein Beispiel für die interspezifischen Beziehungen 
„Parasitismus“ und „Konkurrenz“ an. 
(6 BE) 
 
 
2 Fassen Sie die Ergebnisse der Untersuchungen in den Abbildungen 2.1 und 2.2 zusammen. 
Benennen und begründen Sie die Form der Vergesellschaftung von Ameisen mit 
Ameisenpflanzen der Gattung Macaranga. (Material 1 und 2) 
(8 BE) 
 
 
3 Beschreiben Sie die Synthese von Jasmonsäure und erläutern Sie das Modell zur Regulation der 
Sekretion extrafloralen Nektars. (Material 3 und 4)  
(15 BE) 
 
 
4 Analysieren Sie die Ergebnisse der Freilandexperimente im Hinblick auf die Bildung und 
Wirkung von Jasmonsäure. (Material 3, 4 und 5) 
(13 BE) 
 
 
5 Erklären Sie die biologische Funktion der Veränderbarkeit der Produktion extrafloralen Nektars 
und der von Futterkörperchen. (Material 1, 3, 4, 5 und 6) 
(8 BE)
2

Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2017 
Biologie Thema und Aufgabenstellung 
Leistungskurs Vorschlag A1 
Seite 3 von 8Material 1 
Ameisenpflanzen 
In den Tropen haben zahlreiche Pflanzen Allianzen mit unterschiedlichsten Insekten entwickelt, die 
sie vor Fressfeinden schützen. In Südostasien ist die Baumgattung Macaranga beheimatet. Bei diesen 
Bäumen handelt es sich um so genannte Ameisenpflanzen. 
An Pflanzen der Gattung Macaranga leben Ameisen der Gattung Crematogaster. Diese entfernen 
Pilzsporen und Eier anderer Insekten, greifen Raupen an und verdrängen Käfer von den Pflanzen. 
Außerdem kappen sie die Ranken von Schlingpflanzen, sobald diese den Wirtsbaum berühren. Die 
Ameisen werden mit extrafloralem Nektar aus extrafloralen Nektarien belohnt. Dies sind 
Nektardrüsen, die sich im Gegensatz zu floralen Nektarien außerhalb der Blüte meist an den 
Laubblättern befinden und durch die die Pflanzen Nektar (= wässerige Zuckerlösung) ausscheiden. 
Viele Macaranga-Arten produzieren zusätzlich noch so genannte Futterkörperchen, von denen sich 
hauptsächlich die den Baum besiedelnden Ameisen ernähren. Aber auch andere räuberische Insekten 
und Nektarkonsumenten werden aus der Umgebung angelockt. Extraflorale Nektarien und 
Futterkörperchen werden nicht zur Anlockung von bestäubenden Insekten genutzt. 
Futterkörperchen weisen einen relativ hohen Gehalt an Lipiden und Proteinen auf. Für deren 
Produktion werden bis zu 7% des im Boden verfügbaren Stickstoffs und mehr als 5% der aus der 
Fotosynthese gewonnen Energie aufgewendet. 
Man unterscheidet zwei Typen von Ameisenpflanzen: Fakultative Ameisenpflanzen sind solche, die 
nur zum Nahrungserwerb besucht werden; als obligate Ameisenpflanzen bezeichnet man Arten, die 
dauerhaft von Ameisen bewohnt werden. 
 
 
Material 2 
Untersuchungen an Ameisenpflanzen und deren Besiedlern 
In einem Fütterungsexperiment untersuchte man das Verhalten von Ameisen, die eine obligate 
Ameisenpflanze besiedelten. In einem Wahlversuch bot man den Besiedlern Insekteneier, Insekten 
und Futterkörperchen an. Dabei konnte man beobachten, dass die Besiedler (Ameisen) nahezu alle 
Insekteneier von der Pflanze entfernten und Insekten durch Bisse vertrieben. Futterkörperchen dienten 
zu 100% als Nahrungsquelle. 
In einem zweiten Versuch wurde bei 30 Ameisenpflanzen die Ausbildung zusätzlicher Futterkörper- 
chen stimuliert, bei weiteren 30 Ameisenpflanzen wurden dagegen die Futterkörperchen entfernt. Im 
Kontrollversuch wurden die Pflanzen nicht manipuliert. Nach 30 Tagen wurde die Anzahl der 
Ameisen und die Altersstruktur der Ameisenpopulation bestimmt. Das Ergebnis ist in Abbildung 2.1 
dargestellt.
3

Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2017 
Biologie Thema und Aufgabenstellung 
Leistungskurs Vorschlag A1 
Seite 4 von 8Abbildung 2.1: Individuenanzahl verschiedener Entwicklungsstadien einer 
Ameisenkolonie in Abhängigkeit vom Futterkörperchen-Angebot an einer obligaten 
Ameisenpflanze (Macaranga bancana) 
 
 
 
 
Bei einer weiteren Untersuchung wurde die Blattmasse vor und 40 Tage nach dem Ausschluss von 
Ameisen bei drei verschiedenen Macaranga-Arten ermittelt. Das Ergebnis dieser Untersuchung wurde 
mit Pflanzen in Anwesenheit von Ameisen (Kontrolle) verglichen. Das Ergebnis dieser Untersuchung 
zeigt Abbildung 2.2. 
 
Abbildung 2.2: Blattmasseverlust bei obligaten und fakultativen Macaranga-Pflanzen 
ohne und mit Ameisenbesiedlung 
 
 Macaranga bancana Macaranga hosei Macaranga tanarius 
Art der 
Vergesellschaftung obligate
Ameisenpflanze obligate
Ameisenpflanze fakultative
Ameisenpflanze 
Blattmasseverlust 
in % ohne 
Ameisen: 
2,6 Kontrolle: 
1,2  ohne 
Ameisen: 
1,7 Kontrolle: 
 
0,2  ohne 
Ameisen: 
4,2 Kontrolle:
 
3,2
4

Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2017 
Biologie Thema und Aufgabenstellung 
Leistungskurs Vorschlag A1 
Seite 5 von 8Material 3 
Biosynthese von Jasmonsäure 
Jasmonsäure ist ein süßlich duftendes Pflanzenhormon, das verschiedene Reaktionen bewirkt. 
Die Synthese von Jasmonsäure erfolgt in mehreren Schritten (siehe Abbildung). Stress (z.B. Angriff 
von Herbivoren auf eine Pflanze) führt zum Anstieg der Konzentration an freier α-Linolensäure. 
α-Linolensäure liegt im Chloroplasten normalerweise nicht als freie Fettsäure vor, sondern ist 
Bestandteil von Membranlipiden. 
 
Biosynthese von Jasmonsäure (Schema) 
 
 
 
Erläuterung: 
α-LeA freie α-Linolensäure  
OPDA Oxophytodiensäure 
JA Jasmonsäure 
enzymkatalysierte Reaktion 
 Transport 
 Freisetzung
5

Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2017 
Biologie Thema und Aufgabenstellung 
Leistungskurs Vorschlag A1 
Seite 6 von 8Material 4 
Regulation des Nektarflusses 
Bei fotosynthetisch aktiven Organismen gibt es zwei Gruppen von Pigmentsystemen: zum einen die 
Gruppe der Fotosynthesepigmente und zum anderen die Gruppe der Fotorezeptoren. 
Phytochrome sind Fotorezeptoren, die in der Lage sind, kleinste Lichtmengen zu absorbieren. In einer 
aktuellen Studie fanden Wissenschaftler heraus, dass die Lichtsteuerung, die mit Hilfe von 
Phytochrom abläuft, entscheidend in die Funktionsweise der Nektarproduktion bei der 
Ameisenpflanze (Macaranga tanarius) eingreift.  
Es zeigte sich auch, dass nicht die Lichtmenge, sondern die Lichtqualität eine entscheidende Rolle 
spielt. Während der Dämmerungszeiten überwiegt der Rotanteil des Lichts. Das Phytochrom 
absorbiert diese langwelligen roten Lichtanteile und wird dadurch aktiviert. Bei Dunkelheit geht es 
allmählich wieder in die inaktive Form über. 
Die folgende Abbildung zeigt ein Modell zur Regulation der Sekretion extrafloralen Nektars (EFN).  
Jasmonsäure verbindet sich u.a. im Zellplasma enzymkatalysiert mit der Aminosäure Isoleucin (Ile). 
Im Zellkern induzieren Jasmonsäure und der Jasmonsäure-Isoleucin-Molekülkomplex vielfältige 
Genexpressionsänderungen. Sie sind Grundlage für die Reaktion der Pflanze auf Stress, z.B. nach 
Fraßschäden durch Herbivoren. Herbivoren sind insbesondere während der Dämmerung aktiv. 
 
Modell zur lichtgesteuerten Regulation der Sekretion extrafloralen Nektars 
 
 
 
Hinweis:  
Die Ursache für die unterschiedliche Wirkung der Jasmonsäure in der Dämmerung und bei Nacht ist 
nicht Gegenstand der Aufgabenstellung.  
 
Erläuterung: 
JA Jasmonsäure 
JA-Ile Jasmonsäure-Isoleucin-Molekülkomplex 
EFN extrafloraler Nektar 
 enzymkatalysierte Reaktion 
 
  Genexpression 
Stärke des Pfeils Intensität der Reaktion 
 Hemmung
6

Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2017 
Biologie Thema und Aufgabenstellung 
Leistungskurs Vorschlag A1 
Seite 7 von 8
Material 5 
„Bodyguards“ der Macarangas – „Hilfe auf Zuruf“ 
Pflanzen haben eine Vielzahl von Abwehrmechanismen gegen Fressfeinde entwickelt. In einer 
Versuchsreihe wurde untersucht, wie Ameisenpflanzen der Art Macaranga tanarius auf 
Beschädigungen reagieren. 
Die Versuchsreihe wurde unter natürlichen Freilandbedingungen in der Nähe von Tampin (Halbinsel 
Malaysia) im August und September 1999 und August 2000 durchgeführt. 
In einer Untersuchung mit Ameisenpflanzen der Art Macaranga tanarius wurde die Nektarproduktion 
aus extrafloralen Nektarien vor und 24 Stunden nach verschiedenen Behandlungen gemessen. Die 
Veränderung der Nektarproduktion ist als relative Änderung angegeben (siehe Abbildung 5.1). 
 
Abbildung 5.1: Nektarproduktion von Macaranga tanarius unter verschiedenen 
Bedingungen 
 
 
 
  Erläuterung: 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
In einer zweiten Freilanduntersuchung wurden 30 Ameisenpflanzen der Art Macaranga tanarius sechs 
Wochen lang alle vier Tage mit gelöster Jasmonsäure besprüht oder künstlich mit Nadelstichen 
beschädigt. Anschließend wurde das Ausmaß an Fraßschäden von Herbivoren im Vergleich zu nicht 
beschädigten, unbehandelten Kontrollpflanzen ermittelt (siehe Abbildung 5.2). Zeitgleich wurde die 
Anzahl aller auf den Ameisenpflanzen auftretenden Insekten registriert. Diese wurden nach ihrem 
Verhalten in drei Gruppen eingeteilt: verteidigende Insekten, die sich räuberisch von Fraßinsekten 
ernähren, sowie Nektarbesucher (Ameisen) und Fraßinsekten (siehe Abbildung 5.3). 
 Sprühkontrolle Aufsprühen von Lösungsmittel  
Jasmonsäure Aufsprühen von Lösungsmittel 
mit Jasmonsäure
7

Hessisches Kultusministerium Landesabitur 2017 
Biologie Thema und Aufgabenstellung 
Leistungskurs Vorschlag A1 
Seite 8 von 8Abbildung 5.2: Auswirkung unterschiedlicher 
Behandlung von Ameisenpflanzen auf das  
Ausmaß von Fraßschäden durch Insekten 
 
 
 
Erläuterung: Kontrolle: keinerlei Behandlung 
 Abbildung 5.3: Individuenzahl  
verschiedener Insektengruppen auf 
Jasmonsäure-behandelten Pflanzen 
und Kontrollpflanzen  
 
 
 
 
Material 6 
Zeitliche Veränderung (A bis F) der Produktion von extrafloralem Nektar und 
Futterkörperchen bei Ameisenpflanzen  
 
Erläuterung: 
 
  Futterkörperchen
8