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Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2017 in Geschichte-Sozialwissenschaften

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Ministerium für Schule und Bildung NRW GS LK HT 1 W2 
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit 
Name des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ 
 
Schule: _____________________________________________ 
 
 
Teilaufgabe 1 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK2 ZK DK 
1 benennt den Autor … 2    
2 nennt als Thema … 2    
3 formuliert als Kernaussage … 4    
4 gibt den Gedankengang … 4    
5 gibt die Hauptaussagen … 10    
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 1. Teilaufgabe 22    
 
 
Teilaufgabe 2 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
 ordnet den Text …     
1 die politischen Voraussetzungen … 8    
2 die wirtschaftlichen Voraussetzungen … 8    
3 die politische Entwicklung … 8    
4 erläutert den politischen … 10    
5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 2. Teilaufgabe 34    
 
                                                 
2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 beurteilt u. a. … 20    
2 formuliert ein Fazit … 4    
3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 3. Teilaufgabe 24    
 Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80    
 
 
Darstellungsleistung 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 strukturiert seinen Text … 5    
2 bezieht beschreibende, deutende … 4    
3 belegt seine Aussagen … 3    
4 formuliert unter Beachtung … 4 
5 schreibt sprachlich richtig … 4    
 Summe Darstellungsleistung 20    
 
 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100    
 aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach-
folgender Tabelle     
 Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte 
gemäß § 17 Abs. 5 APO-WbK     
      
 Paraphe     
 
Berechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 52 APO-WbK 
 
Die Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet. 
 
 
Unterschrift, Datum:
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) 
Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: 
 
Note Punkte Erreichte Punktzahl 
sehr gut plus 15 100 – 95 
sehr gut 14 94 – 90 
sehr gut minus 13 89 – 85
gut plus 12 84 – 80 
gut 11 79 – 75 
gut minus 10 74 – 70 
befriedigend plus 9 69 – 65 
befriedigend 8 64 – 60 
befriedigend minus 7 59 – 55 
ausreichend plus 6 54 – 50 
ausreichend 5 49 – 45 
ausreichend minus 4 44 – 40 
mangelhaft plus 3 39 – 33 
mangelhaft 2 32 – 27 
mangelhaft minus 1 26 – 20 
ungenügend 0 19 – 0
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Name: _______________________ 
 
 
Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 
 
 
 
Abiturprüfung 2017 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 
Aufgabenstellung: 
 
1. Geben Sie Hauptaussagen und Gedankengang des vorliegenden Textes strukturiert 
wieder. (22 Punkte) 
 
2. Erläutern Sie die für das Verständnis des Textes notwendigen politischen und militäri-
schen Hintergründe sowie die Umstände und Folgen des Attentats vom 20. Juli 1944. 
Charakterisieren Sie anschließend Evans’ Sichtweise auf Stauffenberg. (36 Punkte) 
 
3. Setzen Sie sich mit der im Text geäußerten Überlegung auseinander, dass „Stauffenberg 
als Vorbild für künftige Generationen schlecht geeignet“ (Z. 30 f.) sei. (22 Punkte) 
 
 
Materialgrundlage: 
 
 Richard J. Evans: Sein wahres Gesicht. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 04/2009 
vom 23.01.2009, S. 8 – 10 
hier aus: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27927/1/1 
 
 
Zugelassene Hilfsmittel: 
 
 Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 
 Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht 
Deutsch ist
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Name: _______________________ 
 
 
Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 
Richard J. Evans1: Sein wahres Gesicht (2009) 
 
Nur wenige Ereignisse der innerdeutschen Geschichte des Zweiten Weltkriegs waren von 
höherer Dramatik als der Versuch des Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 
1944 den Führer des deutschen Reiches, Adolf Hitler, zu ermorden. Die geflüsterten Gesprä-
che und geheimen Unterredungen der Verschwörer im Vorfeld; die abgebrochenen Atten-
tatsversuche am 11. und 15. Juli; die atemberaubende Kühnheit bei der Durchführung des 5 
Bombenanschlags; der Zufall, durch den Hitler mit dem Leben davonkam; die chaotischen 
Zustände bei Beginn der Operation Walküre, die immer aussichtslosere Lage der letzten Stun-
den im Armeehauptquartier in der Berliner Bendlerstraße; die tiefe Tragödie der hastigen Hin-
richtung Stauffenbergs; das Rätsel seiner letzten Worte: »Es lebe das geheiligte Deutschland!« 
Dass die Verschwörung des 20. Juli 1944 jetzt Thema eines Hollywood-Films geworden ist, 10 
überrascht nicht.2 
Doch Stauffenberg eignet sich nicht für die Rolle des Actionhelden, der aus dem einfachen 
moralischen Antrieb handelt, wie er dem Bestreben Hollywoods genügt, Geschichte im Rah-
men starker Gegensätze von Gut und Böse abzuhandeln. Stauffenbergs Moralverständnis war 
ein vielschichtiges Konglomerat3 aus katholischer Lehre, einem aristokratischen Ehrenkodex, 15 
dem Ethos4 des Alten Griechenland und deutscher romantischer Dichtung. 
Mehr als alles andere prägte ihn in dieser Hinsicht wohl der Einfluss des Dichters Stefan 
George,5 dessen Ehrgeiz es war, ein »Geheimes Deutschland« wiederzubeleben, das den 
Materialismus der Weimarer Republik hinwegfegen und das Leben in Deutschland zu seiner 
wahren Spiritualität zurückführen sollte. Vom Gedankengut Georges inspiriert, ersehnte 20 
Stauffenberg ein idealisiertes mittelalterliches Reich, durch das Europa – unter der Führung 
Deutschlands – ein neues Maß an Kultur und Zivilisation erlangen würde. Eine Sinnsuche 
dieser Art war nicht untypisch für die utopistischen Ideen, die am Rande der Weimarer Repu-
blik gediehen – optimistisch und ehrgeizig, aber auch abstrakt und unrealistisch: eine völlig 
ungeeignete Grundlage für eine reale politische Zukunft. […] 25 
Selbst gegen Ende der Dreißigerjahre war Stauffenberg merklich stärker dem Nationalsozia-
lismus zugetan als viele ältere Offiziere. Verwandte beschrieben ihn als das einzige »braune« 
Mitglied der Familie. Obwohl er später jegliche Begeisterung für den Nationalsozialismus ver-
lieren sollte, hatte er für die parlamentarische Demokratie zeitlebens nur Verachtung übrig. 
Allein schon aus diesem Grund ist Stauffenberg als Vorbild für künftige Generationen schlecht 30 
geeignet. […] 
In Feldzügen der ersten beiden Kriegsjahre kämpfte Stauffenberg tapfer und mit Begeisterung. 
Erst 1941, in den Monaten nach der Invasion der Sowjetunion, kamen ihm Zweifel, ob der 
                                                 
1 Richard J. Evans, geboren 1947 in London, ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Cambridge mit dem 
Schwerpunkt Nationalsozialismus. 
2 Gemeint ist der 2008 erschienene Film „Operation Walküre – das Stauffenberg Attentat“ mit Tom Cruise in der Rolle 
des Claus von Stauffenberg.  
3 Konglomerat: Gemisch, Gemengelage 
4 Ethos: Gewohnheit, Sitte, Bräuche 
5 Stefan George (1868 – 1933): einflussreicher deutscher Lyriker, der der Weimarer Republik distanziert gegenüberstand 
und dessen Ideen von Stauffenberg beeinflussten. Die Gedichte seines Spätwerks erschienen mit dem Titel „Das neue 
Reich“, wobei er das „neue Reich“ als ein geistiges auffasste und eine Vereinnahmung durch den NS ablehnte.
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Name: _______________________ 
 
 
Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 
Nationalsozialismus die Ideale verwirklichen würde, die er erreichen wollte. Stauffenberg 
erkannte, dass Hitler die deutschen Ressourcen in einer Weise beanspruchte, die ein Scheitern 35 
unausweichlich machte. 
Wichtiger noch, die Massentötungen von Zivilisten hinter der Ostfront, die Ermordung von 
dreieinhalb Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen und vor allem die Erschießung Hun-
derttausender Juden überzeugte Stauffenberg, dass das nationalsozialistische Regime rück-
sichtslos jenes Wohlwollen zertrampelte, das ihm die Völker, die es vom Joch Stalins befreit 40 
hatte, anfänglich entgegengebracht hatten. Es verriet seine Vorstellung eines neuen Europa, 
das unter der gütigen Herrschaft des Deutschen Reichs gedieh. Das Regime, so dachte er, ver-
riet sogar die Ideale des Nationalsozialismus selbst. 
Wie die wenigen anderen Offiziere, die die Art und Weise der Kriegsführung an der Ostfront 
missbilligten, fand Stauffenberg also zuerst zu einer Haltung, die eher von militärischen als 45 
von moralischen Überlegungen geprägt war. Im Verlauf des Jahres 1942 erkannte Stauffen-
berg allerdings, dass diese Gräueltaten nicht nur kontraproduktive Begleiterscheinungen einer 
brutalen Politik der Kriegsführung waren, sondern letztlich das Wesen des deutschen Kriegs-
einsatzes darstellten. Hitler und die Führung der Nationalsozialisten verrieten Deutschland: 
Sie verhinderten nicht nur die Umsetzung der spirituellen Werte des »Geheimen Deutsch- 50 
land«, sie negierten diese. Sie pervertierten militärische Werte und verwickelten die Streit-
kräfte in grauenvolle Verbrechen, die gegen die grundsätzlichsten Prinzipien verstießen, nach 
denen er und andere Offiziere lebten. Hätte Stauffenberg den Krieg überlebt, dann hätte er 
kein Verständnis für diejenigen gehabt, die später behaupteten, die Wehrmacht sei vom mörde-
rischen Geist des Nationalsozialismus unbefleckt geblieben. Die Armee selbst war zu einem 55 
Instrument des Verbrechens geworden. 
Es war diese moralische Überzeugung – gewonnen, als Deutschland in Europa noch die abso-
lute Vorherrschaft innehatte –, die Stauffenberg von den eher pragmatischen Ansichten einiger 
anderer Verschwörer unterschied. Von jenen, denen vor allem daran gelegen war, Deutsch-
land vor der totalen Niederlage zu retten, mit der das Land nach Stalingrad rechnen musste. 60 
Stauffenberg wurde aktiv, als viele andere Mitglieder des militärisch-aristokratischen Wider-
stands noch zögerten. 
Der Schwur, den er für die Verschwörer ersann, verpflichtete sie auf eine neue Ordnung, »die 
alle Deutschen zu Trägern des Staates macht« – aber auch dazu, »die Gleichheitslüge« zu 
verachten« und sich »den naturgegebenen Rängen« zu beugen. Wie beinahe alle Zweige des 65 
Widerstands war Stauffenberg der Meinung, der Parlamentarismus, die einzig praktikable 
Form einer demokratischen Politik, habe in der Weimarer Republik seine Bankrotterklärung 
abgeliefert; dass dieses politische System nach dem Krieg wiederauferstehen sollte, hätte 
Stauffenberg verärgert und auch überrascht. 
Auch hier waren seine Vorstellungen – in ihrer arroganten Zurückweisung sozialer und poli- 70 
tischer Gleichberechtigung – eher rückwärts- als zukunftsgewandt. Diese Ablehnung von 
Gleichheit und Demokratie teilten, in verschiedenen Ausprägungen, die vielfältigen Gruppie-
rungen innerhalb des Widerstands. Somit hatte der Versuch, politische Persönlichkeiten ande-
rer Weltanschauungen, etwa Sozialdemokraten, mit ins Boot zu holen, nie eine realistische 
Aussicht auf Erfolg. […] 75
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft 
Abiturprüfung 2017 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 
1. Aufgabenart 
Analyse von Darstellungen und kritische Auseinandersetzung mit ihnen 
 
 
2. Aufgabenstellung1 
1. Geben Sie Hauptaussagen und Gedankengang des vorliegenden Textes strukturiert 
wieder. (22 Punkte) 
 
2. Erläutern Sie die für das Verständnis des Textes notwendigen politischen und militäri-
schen Hintergründe sowie die Umstände und Folgen des Attentats vom 20. Juli 1944. 
Charakterisieren Sie anschließend Evans’ Sichtweise auf Stauffenberg. (36 Punkte) 
 
3. Setzen Sie sich mit der im Text geäußerten Überlegung auseinander, dass „Stauffenberg 
als Vorbild für künftige Generationen schlecht geeignet“ (Z. 30 f.) sei. (22 Punkte) 
 
 
3. Materialgrundlage 
 Richard J. Evans: Sein wahres Gesicht. In: Süddeutsche Zeitung Magazin, Heft 04/2009 
vom 23.01.2009, S. 8 – 10 
hier aus: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27927/1/1 
 
 
4. Bezüge zum Kernlehrplan und zu den Vorgaben 2017 
Die Aufgaben weisen vielfältige Bezüge zu den Kompetenzerwartungen und Inhaltsfeldern des 
Kernlehrplans bzw. zu den in den Vorgaben ausgewiesenen Fokussierungen auf. Im Folgenden 
wird auf Bezüge von zentraler Bedeutung hingewiesen. 
 
1. Inhaltsfelder und inhaltliche Schwerpunkte 
 Inhaltsfeld 4: Die Zeit des Nationalsozialismus – Voraussetzungen, Herrschaftsstrukturen, 
Nachwirkungen und Deutungen 
 Politische und ideologische Grundlagen des Nationalsozialismus 
 Nationalsozialistische Herrschaft und „Volksgemeinschaft“ 
 Völkermord und Vernichtungskrieg 
 Das Handeln der Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus 
– Motive und Formen des Widerstandes am Beispiel der ‚Weißen Rose‘ und im 
Kontext des 20. Juli 1944 
 
                                                 
1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 2. Medien/Materialien 
 entfällt 
 
 
5. Zugelassene Hilfsmittel 
 Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 
 Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht 
Deutsch ist 
 
 
6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen 
Teilleistungen – Kriterien 
a) inhaltliche Leistung 
Teilaufgabe 1 
 Anforderungen maximal 
erreichbare 
PunktzahlDer Prüfling 
1 benennt den Autor (Historiker Richard J. Evans), die Textsorte (Zeitschriftenartikel), 
die Adressaten (historisch interessierte Öffentlichkeit), den Zeitpunkt der Veröffent-
lichung (Januar 2009) sowie die Art des zu untersuchenden Materials (populärwissen-
schaftliche Darstellung). 2 
2 nennt als Thema in etwa: Stauffenbergs politische Grundpositionen und die Motive 
für sein Widerstandshandeln. 2 
3 formuliert als Kernaussage in etwa: Stauffenberg sei aufgrund der deutschen Kriegs-
verbrechen zum Verschwörer gegen Hitler geworden, tauge aber heute aufgrund seiner 
rückwärtsgewandten aristokratischen und antidemokratischen Weltanschauung nicht 
als Vorbild.  4 
4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative Funk-
tion der Hauptaussagen verdeutlichen, in etwa wie folgt wieder: 
Evans 
 stellt die cineastische Dramatik des Stauffenberg-Attentats dar, obwohl dieser nicht 
zum Kinohelden tauge, 
 umschreibt die seiner Ansicht nach irrealen moralischen Zukunftsvisionen Stauf-
fenbergs, 
 stellt Stauffenberg als früheren Anhänger des Nationalsozialismus dar, 
 sieht den Grund für sein Umdenken in den deutschen Kriegsverbrechen, 
 bewertet Stauffenbergs Ideologie als rückwärtsgewandt und behauptet, dass seine 
Zukunftspläne daher hätten scheitern müssen. 4 
5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem in Kriterium 4 skizzierten 
Gedankengang strukturiert wieder (Die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, um 
die Punkteanteile ausweisen zu können.): 
 Der Attentatsversuch vom 20. Juli biete einerseits in seiner Dramatik aufgrund der 
unsicheren Vorbereitungen, der Beherztheit des Attentats und der aussichtslosen 
Lage der Verschwörer nach seinem Misslingen genügend Stoff für einen aktuellen 
Spielfilm, obwohl der Protagonist Stauffenberg andererseits aufgrund seiner viel-
schichtigen Moralvorstellung nicht zum hollywoodtypischen Schwarz-Weiß-Helden 
tauge. 10
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch!  Stauffenberg sei geprägt gewesen durch den Dichter Stefan George und dessen 
Vorstellung einer mittelalterlichen deutschen Reichsidee und einer damit verbun-
denen führenden Rolle eines neuen deutschen Reiches in Europa. 
 Stauffenberg sei zunächst ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus 
gewesen und habe die parlamentarische Demokratie zeitlebens verachtet. 
 Trotz anfänglicher begeisterter Kriegsteilnahme habe er durch die deutschen 
Kriegsverbrechen, bei denen auch die Wehrmacht dem Nationalsozialismus als 
Instrument gedient habe, eine Pervertierung der NS-Ideale erkannt. Daher sei er 
noch vor der Wende von Stalingrad zum Gegner der Nationalsozialisten geworden. 
 In seinem rückwärtsgerichteten antiparlamentarischen und antiegalitären Standes-
denken habe es allerdings keinen Platz für eine Zusammenarbeit mit Andersden-
kenden gegeben, weshalb seine politischen Pläne für die Zukunft hätten scheitern 
müssen. 
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)  
 
Teilaufgabe 2 
 Anforderungen maximal 
erreichbare 
PunktzahlDer Prüfling 
 erläutert die für das Verständnis des Textes notwendigen politischen und militärischen 
Hintergründe sowie die Umstände und Folgen des 20. Juli 1944, indem er sich auf 
folgende Aspekte bezieht:  
1 den politischen Hintergrund der nationalsozialistischen Machtübernahme und des 
Machtausbaus, die einen totalitären Führerstaat schufen, der durch seine repressiven 
Maßnahmen kaum einen Spielraum für politisch andere Sichtweisen und Handlungen 
zuließ; er berücksichtigt dabei mindestens drei Aspekte, z. B.: 
 die Machtübertragung an Hitler durch den Reichspräsidenten von Hindenburg am 
30. Januar 1933, 
 den Machtausbau Hitlers und seiner Regierung unter Anwendung verschiedener 
Gesetze und Verordnungen (Reichstagsbrandverordnung, Ermächtigungsgesetz), 
die Grundrechte, Parlamentarismus und Gewaltenteilung aufhoben und die Macht 
bei Hitler (nach Hindenburgs Tod 1934 „Führer und Reichskanzler“) konzentrier-
ten, 
 das Verbot zur Betätigung bzw. Neugründung von oppositionellen Parteien, die 
eine legale politische Betätigung außerhalb der NSDAP unmöglich machte,  
 die ‚Gleichschaltung‘ der Länder und Kommunen, sodass auf allen Ebenen Natio-
nalsozialisten an der Regierung waren, 
 die ‚Gleichschaltung‘ des gewerkschaftlichen, kulturellen und öffentlichen Lebens, 
die Pluralismus und ein selbstbestimmtes Leben nahezu ausschloss, 
 die repressiven Maßnahmen des NS-Staatsapparates gegen Oppositionelle und 
Gegner, gegen Nicht-Angepasste und Kriegsdienstverweigerer, gegen Juden und 
sogenannte „Nicht-Arier“, welche mit Lagerhaft oder Hinrichtung, Folter und 
Mord bedroht wurden.  8
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 2 den militärischen Hintergrund des Angriffs- und Vernichtungskrieges NS-Deutsch-
lands gegen den Großteil der europäischen Staaten, der aus der deutschen Zivilgesell-
schaft eine militarisierte Gesellschaft schuf und der in seinen brutalen Dimensionen der 
Kriegsführung und der Kriegsverbrechen alle bisherigen Kriege übertraf; er berück-
sichtigt dabei mindestens drei Aspekte, z. B.: 
die (Re-)Militarisierung Deutschlands durch Bruch der Versailler Abrüstungsbe-
dingungen und eine forcierte Aufrüstung mitsamt Kriegsvorbereitungen unter der 
Ankündigung, Deutschland wieder zu einer starken Nation machen zu wollen,
die schnellen und äußerst brutal geführten Angriffskriege (u. a. gegen Polen und 
Frankreich) unter Missachtung von Neutralität und Haager Landkriegsordnung seit 
September 1939,
den Überfall auf die Sowjetunion (‚Unternehmen Barbarossa‘) seit Juni 1941,
die insbesondere in Polen und in der Sowjetunion begangenen Kriegsverbrechen, 
die durch die Ermordung der einheimischen Bevölkerung zu neuem ‚Lebensraum 
im Osten‘ führen sollten, 
die Verschleppung und Ermordung von Teilen der osteuropäischen und insbeson-
dere jüdischen Bevölkerung zu Arbeitseinsätzen in Deutschland und in Arbeits- 
und Vernichtungslager, wie Auschwitz im besetzten Polen, 
die Tätigkeit der auch von der Wehrmacht unterstützten Einsatzgruppen hinter der 
Front, die die gezielte Vernichtung der einheimischen intellektuellen, politisch
aktiven und insbesondere jüdischen Bevölkerung betrieben, was offenbar Stauf-
fenberg zum Umdenken bewog, 
die nach der Niederlage von Stalingrad langsam zurückweichende Ostfront, die 
– gemeinsam mit den weiteren Fronten in der Normandie und in Italien – im Jahr 
1944 eine Niederlage Deutschlands immer wahrscheinlicher erschienen ließ. 8 
3 die Umstände des Hitler-Attentats am 20. Juli, dem als gemeinsame Ursache die 
Ablehnung von Hitlers Kriegsführung, der Repressionen im totalitären Staat, der 
NS-Rassenpolitik und des Holocausts von militärischen und bürgerlichen Oppositio-
nellen zu Grunde lag und die zu verschiedenen Widerstandshandlungen und insbeson-
dere zu Versuchen zur Beseitigung Hitlers führte; er berücksichtigt dabei mindestens 
zwei Aspekte, z. B.: 
 die seit Kriegsbeginn existierenden Widerstandsgruppierungen, so den Kreisauer 
Kreis aus überwiegend liberalkonservativ eingestellten adeligen und bürgerlichen 
Mitgliedern, und militärische Hitlergegner um Ludwig Beck, die ein sofortiges 
Kriegsende, ein Ende der Judenverfolgung und eine neue Staats- und Regierungs-
form nach der Herrschaft Hitlers anstrebten und deren Mitglieder zu einem sich 
1943 bildenden Kreis um Stauffenberg gehörten, 
 die – wie im Text erwähnt – bei Stauffenberg durch die Kriegsverbrechen in Ost-
europa entstehenden Zweifel über die Richtigkeit von Hitlers Befehlen und die 
wachsende Überzeugung, nur durch die Tötung Hitlers könne der Krieg gestoppt 
werden, 
 die Versetzung Stauffenbergs auf eigenen Wunsch von der Ostfront nach Berlin, 
wo er am 1. Juli 1944 zum Stabschef des Heeresamtes ernannt wurde, von wo er 
Zugang zu militärischen Lagebesprechungen mit Hitler besaß, 
 die Planung und Aufstellung einer Übergangsregierung nach dem erhofften erfolg-
reichen Attentat, 
 die im Text erwähnten, von Stauffenberg zuvor abgebrochenen zwei Versuche, 
Hitler in den zwei Wochen vor dem 20. Juli zu töten, 
 die komplexe Planung und Durchführung des Bombenattentats auf Hitler im Haupt-
quartier der ‚Wolfschanze‘ sowie die unglücklichen Umstände, die ein erfolgrei-
ches Attentat verhinderten. 6
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