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Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2017 in Geschichte-Sozialwissenschaften

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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 4 die Folgen des misslungenen Hitler-Attentats in der ‚Wolfschanze‘, die zu einer 
Verfolgungs-, Verhaftungs- und Hinrichtungswelle der Mitglieder der Stauffenberg-
Gruppe und ihrer Angehörigen führte. Der Prüfling berücksichtigt dabei mindestens 
zwei Aspekte, z. B.: 
 den aufgrund der Meldungen über das Überleben Hitlers nicht durchgeführten 
Plan eines militärischen Staatsstreichs in der Hauptstadt, 
 die Verhaftung Stauffenbergs und seiner engsten Mitverschwörer im Heeresamt 
(Bendlerblock) nach seiner Rückkehr nach Berlin und ihre Erschießung in den 
folgenden Tagen, 
 die Verfolgungswelle durch die Gestapo, die Folterverhöre bzw. Hinrichtungen 
und Schauprozesse vor dem Volksgerichtshof, wobei etwa 5000 Personen hinge-
richtet wurden und Sippenverfolgung auch unbeteiligten Familienangehörigen 
galt. 6 
5 charakterisiert die Sichtweise Evans’ auf Stauffenberg als sachliche Darstellung der 
Einstellung Stauffenbergs zum Hitler-Regime und seiner romantisierend-konservativen, 
aber auch antidemokratischen und ständischen Vorstellungen. Der Prüfling berück-
sichtigt dabei mindestens drei Aspekte, z. B.: 
Evans sieht Stauffenberg  
 als anfänglich überzeugten Anhänger des NS, der sich von diesem eine Abkehr 
von der für ihn unfähigen parlamentarischen Demokratie und ein Erwachen der 
deutschen Gesellschaft im romantisierend-konservativen Sinne mit dem Ziel einer 
Wiederherstellung des Ständestaats erhoffte, 
 als zunächst bereitwillig Hitler folgenden, patriotischen Kriegsteilnehmer und 
Offizier des Generalstabs an der Ostfront,
 als Realisten in einem humanistisch begründeten Prozess des Umdenkens in den 
Monaten nach der Invasion in der Sowjetunion, da er erkannt habe, dass Hitler mit 
diesem Krieg die deutschen (militärischen und wirtschaftlichen) Ressourcen über-
strapaziert habe, 
 in einer gewandelten patriotischen Überzeugung, da die Ermordung Hunderttau-
sender Bewohner der Sowjetunion durch die Deutschen die Bevölkerung gegen 
ihre vermeintlichen Befreier vom Stalinismus aufgebracht habe und dadurch auch 
Deutschland verraten und die Wehrmacht missbraucht habe, 
 als moralisch geläutert, da er trotz eines militärischen Treueeids gegenüber Hitler 
sich innerlich von diesem abgewendet habe und bereit gewesen sei, ein Attentat zu 
verüben und damit sein eigenes Leben auf Spiel zu setzen. 8 
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)  
 
 
Teilaufgabe 3 
 Anforderungen maximal 
erreichbare 
PunktzahlDer Prüfling 
1 setzt sich damit auseinander, dass „Stauffenberg als Vorbild für künftige Generationen 
schlecht geeignet“ (Z. 30 f.) sei. Er berücksichtigt dabei 
einerseits die undemokratische, nationalistische und ständische Einstellung Stauffen-
bergs, die seine Eignung als Vorbild nach heutigen Wertvorstellungen erschwert; er 
berücksichtigt dabei z. B. folgende Aspekte: 
 Stauffenbergs anfängliche Begeisterung für den Nationalsozialismus und die damit 
verbundene Ablehnung der (Weimarer) Demokratie, 
 seine romantisierenden Vorstellungen zur Rückkehr zu einem mittelalterlich anmu-
tenden Ständestaat, der dem Adel und damit seiner eigenen Familie Vorrechte ver-
schafft hätte, 18
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch!  seine offenbar lange Zeit nicht vorhandene Kritik an der nationalsozialistischen 
Rassenpolitik und der Behandlung missliebiger Personen, die dem Menschen-
rechtsgedanken und speziell dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht,  
 seine frühe Begeisterung für den völkerrechtswidrigen Krieg, die erst spät um-
schlägt, als er die Gräueltaten der Deutschen und insbesondere der Wehrmacht 
erkennt, 
 seine erst spät erfolgte endgültige Abwendung von Hitler zu einem Zeitpunkt, als 
ihm der Kriegsgewinn aussichtslos erschien; die Attentatsversuche bzw. das durch-
geführte Attentat am 20.07.1944 erfolgten erst nach der Wende von Stalingrad und 
nach der Landung der Alliierten in der Normandie. 
 
andererseits seinen Wagemut und seine Überzeugung trotz geleistetem Eid auf Hitler 
und Todesgefahr, die Kriegsverbrechen zu beenden und den Diktator Hitler zu beseiti-
gen; er berücksichtigt dabei z. B. folgende Aspekte: 
 Stauffenbergs persönlichen Mut, trotz der offensichtlichen Lebensgefahr für sich, 
seine Familie und seine Mitverschwörer das Attentat zu wagen und damit – bei 
Misslingen – den eigenen Tod in Kauf zu nehmen, 
 seine Entschlossenheit, sich gegen das herrschende Regime und die Meinung des 
größten Teils der deutschen Bevölkerung zu stellen, was auch nach einem erfolg-
reichen Attentat zu erheblichen Problemen und Risiken geführt hätte, 
 seine Bereitschaft, auch gegen seine ständischen Vorstellungen mit anderen – auch 
von der Demokratie überzeugten – Oppositionellen ein Bündnis einzugehen (auch 
wenn Evans diesbezüglich eher skeptisch ist), 
 seine Überzeugung nach den erfahrenen Kriegsverbrechen den Krieg unter Einsatz 
seines Lebens beenden zu müssen, 
 seine moralische Wende trotz geleistetem Soldateneid auf Hitler, diesen töten zu 
wollen, um für Deutschland und seine Kriegsgegner weitere Verluste zu vermeiden. 
 
Orientierung für eine 9 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: 
Der Prüfling gelangt unter Bezugnahme auf den Text zu einer nachvollziehbaren Argu-
mentation, in der insgesamt mindestens drei Gesichtspunkte, die aus beiden Blöcken 
stammen, sachgerecht berücksichtigt werden. Die Argumentation enthält keine gravie-
renden sachlichen Fehler. 
Orientierung für eine 18 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: 
Der Prüfling entwickelt unter vertiefter Bezugnahme auf den Text eine differenzierte 
Argumentation, in der erörternd mindestens fünf Gesichtspunkte, die aus beiden Blö-
cken stammen, sachgerecht berücksichtigt werden. Die Argumentation enthält keine 
sachlichen Fehler. 
2 formuliert ein Fazit, in dem er die nach heutigen Wertvorstellungen nicht annehmbaren 
Einstellungen Stauffenbergs (seine Begeisterung für den Nationalsozialismus, seine 
reaktionären Vorstellungen eines erwünschten Ständestaats) als nicht vertretbar berück-
sichtigt, jedoch insbesondere seine Bereitschaft, bei einem Attentat auf den Diktator 
und Massenmörder Hitler das eigene Leben für das Ende von Leiden und Krieg in 
Deutschland und Europa zu riskieren, positiv hervorhebt, wobei nach erfolgter Abwä-
gung die abschließende Stellungnahme (Vorbild heute – ja oder nein) in ihrer Akzen-
tuierung offen bleiben kann. 4 
3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! b) Darstellungsleistung 
 Anforderungen maximal 
erreichbare 
Punktzahl  Der Prüfling 
1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich 
dabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 
2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 
3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 
4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 
5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie 
syntaktisch und stilistisch sicher. 4
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit 
Name des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ 
 
Schule: _____________________________________________ 
 
 
Teilaufgabe 1 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK2 ZK DK 
1 benennt den Autor … 2    
2 nennt als Thema … 2    
3 formuliert als Kernaussage … 4    
4 gibt den Gedankengang … 4    
5 gibt die Hauptaussagen … 10    
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 1. Teilaufgabe 22    
 
 
Teilaufgabe 2 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
 erläutert die für …     
1 den politischen Hintergrund … 8    
2 den militärischen Hintergrund … 8    
3 die Umstände des … 6    
4 die Folgen des … 6    
5 charakterisiert die Sichtweise … 8    
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 2. Teilaufgabe 36    
 
                                                 
2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 setzt sich damit … 18    
2 formuliert ein Fazit … 4    
3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 3. Teilaufgabe 22    
 Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80    
 
 
Darstellungsleistung 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 strukturiert seinen Text … 5    
2 bezieht beschreibende, deutende … 4    
3 belegt seine Aussagen … 3    
4 formuliert unter Beachtung … 4 
5 schreibt sprachlich richtig … 4    
 Summe Darstellungsleistung 20    
 
 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100    
 aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach-
folgender Tabelle     
 Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte 
gemäß § 17 Abs. 5 APO-WbK     
      
 Paraphe     
 
Berechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 52 APO-WbK 
 
Die Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet. 
 
 
Unterschrift, Datum:
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) 
Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: 
 
Note Punkte Erreichte Punktzahl 
sehr gut plus 15 100 – 95 
sehr gut 14 94 – 90 
sehr gut minus 13 89 – 85
gut plus 12 84 – 80 
gut 11 79 – 75 
gut minus 10 74 – 70 
befriedigend plus 9 69 – 65 
befriedigend 8 64 – 60 
befriedigend minus 7 59 – 55 
ausreichend plus 6 54 – 50 
ausreichend 5 49 – 45 
ausreichend minus 4 44 – 40 
mangelhaft plus 3 39 – 33 
mangelhaft 2 32 – 27 
mangelhaft minus 1 26 – 20 
ungenügend 0 19 – 0
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Name: _______________________ 
 
 
Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 
 
 
 
Abiturprüfung 2017 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 
Aufgabenstellung: 
 
1. Fassen Sie die Hauptaussagen Stolpes zusammen. (20 Punkte) 
 
2. Ordnen Sie den Text in den Prozess der deutschen Wiedervereinigung seit Mitte der 
1980er Jahre ein und charakterisieren Sie die Position der Spiegelredakteure, wie sie 
im Text zum Ausdruck kommt. (36 Punkte) 
 
3. Prüfen Sie mit Blick auf die Situation seit 1990, ob sich Stolpes Forderung, Deutschland 
müsse „zusammenwachsen“, erfüllt hat. (24 Punkte) 
 
 
Materialgrundlage: 
 
 Deutschland wird anders. In: Spiegel 27/1990, S. 42, 52, 53, Interview am 02.07.1990 
von Wolfram Bickerich und Ulrich Schwarz mit Manfred Stolpe 
hier zitiert nach: http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/13499544 
(Die Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Original.) 
 
 
Zugelassene Hilfsmittel: 
 
 Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 
 Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht 
Deutsch ist
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Name: _______________________ 
 
 
Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 
Deutschland wird anders 
Interview am 02.07.1990 von Wolfram Bickerich und Ulrich Schwarz mit Manfred Stolpe1 
 
SPIEGEL: Herr Stolpe, der 1. Juli2 ist der Anfang vom Ende des zweiten deutschen Staates. 
Freut Sie das, oder stimmt Sie das traurig? 
STOLPE: Es ist eine zwiespältige Situation. Auf der einen Seite muß man rundheraus sagen, 
daß es eine Freude ist für jemanden, der davon überzeugt war, daß die Deutschen weiterhin 
zusammengehören. Entgegen meiner eigenen Vorstellung kommt die staatliche Einheit der 5 
Deutschen nun doch sehr viel schneller und nicht erst, wenn ich im Altersheim sitze. Die 
Freude darf man sich nicht vermiesen lassen durch die Sorgen, die mehr kurzfristiger Art sein 
werden, wie ich hoffe, nämlich: Wie gelingt es den Menschen dieses Landes, die Umstellung 
vorzunehmen in ein ganz verändertes pluralistisches, sehr stark von marktwirtschaftlichen 
Gesichtspunkten bestimmtes Leben? Und wie gelingt es den Menschen dieses Landes, die 10 
Erfahrungen aus vier Jahrzehnten, die Verhaltensweisen, die zum Teil noch älter sind, zu 
bewahren und einzubringen in ein künftiges Deutschland?  
[…] 
SPIEGEL: Das Tempo der Vereinigung ist laut Kanzler Kohl vom DDR-Volk erzwungen 
worden. Hat das Volk gewußt, was es tat?  15 
STOLPE: Es ist nicht Aufgabe des Volkes, sich Gedanken zu machen über Durchführungs-
verfahren.  
SPIEGEL: Aber die Durchführungsverfahren sollten nicht seinen Interessen zuwiderlaufen.  
STOLPE: Das souveräne Volk hat sein Ziel genannt und damit eine Situation geschaffen, die 
ihm selbst zum Schaden gereichen kann, wenn es nicht gelingt, die normalerweise erforder- 20 
liche Vorbereitungszeit für das Zusammengehen der beiden deutschen Staaten – die Anglei-
chungsfragen im sozialen, im wirtschaftlichen Bereich – nun wenigstens als Nacharbeitszeit 
an die Einigung anzuhängen. Wir kommen nur dann zu menschenfreundlichen Regelungen, 
wenn die staatliche Einwirkung auf Wirtschaftsprozesse, auf Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen 
noch für mindestens zwei Jahre sehr viel intensiver hier versucht wird, als es in der Bundes- 25 
republik üblich ist. Wir müssen zusammenwachsen und nicht zusammenstürzen. Nacharbeit 
ist auch nötig im verfassungspolitischen Bereich. Der Versuch muß gemacht werden, einen 
gesamtgesellschaftlichen Konsens der politisch mitdenkenden Bürger für die künftige Ver-
fassung zu finden.3 Die Verfassung darf nicht ein abstraktes Dokument sein für die Arbeits-
räume der Juristen, sondern soll den Vertrag beschreiben, den sich eine Gesellschaft für die 30 
Ordnung ihres Zusammenlebens gibt.  
Das Grundgesetz ist dafür eine überzeugende Ausgangsbasis, aber es wäre wichtig, noch einen 
Modus zu finden, wie man in dem künftigen gemeinsamen Deutschland, auch in dem künfti-
gen gemeinsamen Parlament, arbeitet mit der nötigen Rückkopplung zu den Bürgern.  
                                                 
1 Manfred Stolpe (*1936) war nach einem Jura-Studium zunächst Leiter verschiedener Einrichtungen der Evangelischen 
Kirche in der DDR; seit Juli 1990 Mitglied der SPD und ab November 1990 Ministerpräsident des Landes Brandenburg 
bis 2002. 
2 An diesem Tag trat die Wirtschafts- und Währungsunion in Kraft. 
3 1990 wurde die Frage diskutiert, ob sich das wiedervereinte Deutschland eine neue Verfassung nach Artikel 146 GG 
geben sollte oder die DDR nach Artikel 23 GG der Bundesrepublik beitreten sollte.
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! 
SPIEGEL: An welche Änderungen des Grundgesetzes denken Sie?  35 
STOLPE: Für mich steht an erster Stelle, welche Erfahrungen aus der demokratischen Revo-
lution der DDR, welche jungdemokratischen Impulse einzubringen wären in das System Bun-
desrepublik, das dem Bürger vor allem die Rolle des Wählers zuweist, während wir hier in 
den letzten Monaten unmittelbare demokratische Mitwirkungsformen entwickelt haben.  
Zu den Modalitäten des Beitritts muß die Verabredung gehören, daß nach der staatlichen Ein- 40 
heit die Verfassung durchgesehen wird, vor allem darauf hin, ob nicht Formen der direkten 
Demokratie stärker Eingang finden können. Hier liegt die Erfahrung der letzten DDR-Monate 
näher an alten demokratischen Traditionen in Deutschland, etwa von 1848, als das, was das 
Grundgesetz in einer historisch verständlichen Behutsamkeit getan hat.  
SPIEGEL: Dürfen wir Ihnen vorhersagen, was in Ihrer Nachbereitungsphase passiert? Gar 45 
nichts, da ist die Einheit nämlich vollzogen, und die Regierungskoalition4 – wenn sie am Ruder 
bleibt – hat an einer Verfassungsänderung kein Interesse.  
STOLPE: Das wird Kampf bedeuten, das wird Streit bedeuten.  
SPIEGEL: Der Einfluß von 150 Abgeordneten des früheren DDR-Territoriums im nächsten 
Parlament ist eher gering.  50 
STOLPE: Das würde natürlich nicht genügen, aber die blieben ja nicht allein.  
SPIEGEL: Sie würden vielleicht noch 12 Abgeordnete der Bonner Parteiendemokratie fin-
den, die mitmachen.  
STOLPE: Mit 120 sähe es besser aus.  
SPIEGEL: Meinen Sie im Ernst, eine Mehrheit im Westen hätte Interesse daran, auf solche 55 
DDR-Wünsche einzugehen? Das Volk der DDR, unbestritten, wollte die Einheit, auch wenn 
es jetzt Angst davor hat; das Volk der Bundesrepublik ist längst nicht mehr so begeistert über 
die Wiedervereinigung, weil viele im Westen Angst davor haben, vom eigenen Wohlstand 
etwas abgeben zu müssen.  
STOLPE: Das halte ich für ganz normal, denn für die Bundesbürger ändert sich ja auch eini- 60 
ges. Die Menschen haben begriffen, daß die Routine ihres Zusammenlebens, die Gegebenhei-
ten ihrer Abläufe, die politische und soziale Balance in Frage gestellt werden könnten, wenn 
16 Millionen Menschen zuwandern, die dann, was ich sogar hoffe, als letztlich geschlossener 
Block wirken werden.  
Es wird eine neue wirtschaftliche Konkurrenz heranwachsen, man wird – ob man das zugibt 65 
oder nicht – in der Tat teilen müssen. Bestimmte Prioritäten verlagern sich, irgendwo erfolgen 
Abstriche – ich denke, daß man das auch viel offener zugeben müßte –, und ich beobachte 
auch, daß eine Reihe jüngerer Menschen, also sozusagen die Nachgeborenen, die jetzt 30- und 
40jährigen und die noch jüngeren, in ihrer Identität berührt werden. Ihre Deutschland-Iden-
tität war die einer Bundesrepublik mit einer starken West-Bindung, und mit einemmal ist man 70 
durch den Beitritt der DDR mit Osteuropa verheiratet: Die Menschen begreifen, daß dieses 
Deutschland anders wird. Im Grunde wird Deutschland jetzt erst richtig Deutschland.  
SPIEGEL: Herr Stolpe, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.  
 
                                                 
4 Koalition aus CDU/CSU und FDP
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Abiturprüfung 2017 – Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft 
Abiturprüfung 2017 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 
1. Aufgabenart 
Interpretation sprachlicher oder nichtsprachlicher historischer Quellen 
 
 
2. Aufgabenstellung1 
1. Fassen Sie die Hauptaussagen Stolpes zusammen. (20 Punkte) 
 
2. Ordnen Sie den Text in den Prozess der deutschen Wiedervereinigung seit Mitte der 
1980er Jahre ein und charakterisieren Sie die Position der Spiegelredakteure, wie sie 
im Text zum Ausdruck kommt. (36 Punkte) 
 
3. Prüfen Sie mit Blick auf die Situation seit 1990, ob sich Stolpes Forderung, Deutschland 
müsse „zusammenwachsen“, erfüllt hat. (24 Punkte) 
 
 
3. Materialgrundlage 
 Deutschland wird anders. In: Spiegel 27/1990, S. 42, 52, 53, Interview am 02.07.1990 
von Wolfram Bickerich und Ulrich Schwarz mit Manfred Stolpe 
hier zitiert nach: http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/13499544 
(Die Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Original.) 
 
 
4. Bezüge zum Kernlehrplan und zu den Vorgaben 2017 
Die Aufgaben weisen vielfältige Bezüge zu den Kompetenzerwartungen und Inhaltsfeldern des 
Kernlehrplans bzw. zu den in den Vorgaben ausgewiesenen Fokussierungen auf. Im Folgenden 
wird auf Bezüge von zentraler Bedeutung hingewiesen. 
 
1. Inhaltsfelder und inhaltliche Schwerpunkte 
 Inhaltsfeld 5: Nationalismus, Nationalstaat und europäische Integration 
 Entstehung, Auswirkungen und Überwindung der deutschen und europäischen Teilung 
1945 bis 1989/90 
 Inhaltsfeld 6: Frieden im 20. und 21. Jahrhundert 
 Bipolare Ordnung der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg: Ursachen und Überwindung 
des Kalten Kriegs 
 
2. Medien/Materialien 
 entfällt 
  
                                                 
1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.
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