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Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2018 in Geschichte-Sozialwissenschaften
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK NT 1 W1
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Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3
Anforderungen Lösungsqualität
Der Prüfling maximal
erreichbare
Punktzahl EK ZK DK
1 beurteilt, inwiefern die
20
2 formuliert ein Fazit
4
3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4)
..
..
Summe 3. Teilaufgabe 24
Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80
Darstellungsleistung
Anforderungen Lösungsqualität
Der Prüfling maximal
erreichbare
Punktzahl EK ZK DK
1 strukturiert seinen Text
5
2 bezieht beschreibende, deutende
4
3 belegt seine Aussagen
3
4 formuliert unter Beachtung
4
5 schreibt sprachlich richtig
4
Summe Darstellungsleistung 20
Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100
aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach-
folgender Tabelle
Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte
gemäß § 17 Abs. 5 APO-WbK
Paraphe
Berechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 52 APO-WbK
Die Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet.
Unterschrift, Datum:
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK NT 1 W1 Seite 9 von 9 Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: Note Punkte Erreichte Punktzahl sehr gut plus 15 100 95 sehr gut 14 94 90 sehr gut minus 13 89 85 gut plus 12 84 80 gut 11 79 75 gut minus 10 74 70 befriedigend plus 9 69 65 befriedigend 8 64 60 befriedigend minus 7 59 55 ausreichend plus 6 54 50 ausreichend 5 49 45 ausreichend minus 4 44 40 mangelhaft plus 3 39 33 mangelhaft 2 32 27 mangelhaft minus 1 26 20 ungenügend 0 19 0
GS GK NT 2 W1 Seite 1 von 3 Name: _______________________ Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Abiturprüfung 2018 Geschichte/Sozialwissenschaften, Grundkurs Aufgabenstellung: 1. Geben Sie Gedankengang und Hauptaussagen des vorliegenden Textes strukturiert wieder. (24 Punkte) 2. Ordnen Sie den Text in die politischen Bemühungen um eine internationale Friedens- ordnung in Europa zwischen 1918 und 1926 ein. Stellen Sie ausgehend vom Text der Position Stresemanns zum deutschen Beitritt zum Völkerbund die Position seiner poli- tischen, rechtsnationalen Gegner gegenüber. (34 Punkte) 3. Beurteilen Sie die Bedeutung des Völkerbunds für die Friedenssicherung in Europa bis zu seiner Auflösung 1946. (22 Punkte) Materialgrundlage: Verhandlungen des Deutschen Reichstags. III. Wahlperiode 1924. Bd. 389. Stenographi- sche Berichte, Berlin 1925, S. 6448 6451 In: http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w3_bsb00000073_00001.html (Zwischenrufe der Abgeordneten und darauffolgende Reaktionen des Redners sowie der im Original befindliche Fettdruck wurden ausgelassen.) Zugelassene Hilfsmittel: Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist
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Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch!
Außenminister Gustav Stresemann in einer Rede vor dem Reichstag am 22. März 1926:1
[
]
Man kann eine verschiedene Auffassung vom Völkerbund haben, und in der Weltöffentlich-
keit bestehen verschiedene Auffassungen. Die eine ich möchte sie die idealistische Auffas-
sung nennen sieht in ihm die Vereinigung der Völker unter dem alleinigen Gesichtspunkt
der Erhaltung des Friedens und der Förderung aller humanitären Ideale. Wer zu dieser Auf-
fassung neigt, der wird die allerstärkste Reaktion erfahren haben von einer Tagung, in der 5
sich doch deutlich zeigte, wie stark das Eigeninteresse sich geltend machte gerade gegenüber
den allgemeinen Menschheitszielen.2
Die andere Auffassung sieht im Völkerbund lediglich eine neue diplomatische Methode der
Vertretung der Völker und sieht ihn an unter einem sehr stark realistischen Gesichtspunkt.
Aber unter beiden Gesichtspunkten hat sein Ansehen gelitten. Wenn der Völkerbund ein Ziel 10
haben muß, gleichgültig, welche der beiden Auffassungen über ihn richtig ist, dann muß es
das Ziel der Universalität sein. Wenn er diesem Ziele so weit nahe kommen konnte, wie es
ihm durch das Eintrittsgesuch Deutschlands ermöglicht war, dann hatte er dem Näherkommen
dieses Weltzieles alles andere hintan zu stellen und mußte die moralische Autorität besitzen,
diesem Ziele auch alles andere unterstellen zu können. [
] 15
Ich habe vorhin darauf hingewiesen, wie jetzt die Situation im Völkerbund steht. Deutschland
steht vor der Entscheidung, ob es angesichts der Krisis, in der sich der Völkerbund befindet,
und angesichts des Ausganges von Genf seine grundsätzliche Einstellung gegenüber dem Völ-
kerbund ändern soll oder nicht.
Aber ist die Krise, in der sich der Völkerbund befindet, nicht vielleicht eine Krisis, die dadurch 20
hervorgerufen wurde, daß gerade durch die Tatsache des Eintritts Deutschlands jene bisherige
Konstruktion des Völkerbundes als Instrument der Siegerstaaten doch eine grundlegende Ver-
änderung erlitt und daß dadurch eine ganze Reihe von Fragen aufgeworfen wurden, die bis
dahin in der Tiefe ruhten? Wir haben uns die Frage vorzulegen, ob wir auf Grund der gemach-
ten Erfahrungen unser Ziel der Mitwirkung im Völkerbund als gleichberechtigte Großmacht 25
weiter verfolgen sollen. Das wird davon abhängen, ob wir die Verhandlungen des Völkerbun-
des als eine für Deutschland durch den Völkerbund herbeigeführte Niederlage und Demüti-
gung ansehen sollen. Meine Herren, ich darf hier einmal eines sagen. Diese Anschauung, daß
Deutschland gedemütigt und als ein eine neue Niederlage empfangendes Volk von Genf her-
vorgeht, ist eine Anschauung, die es nur in Deutschland gibt und nirgends sonst in der Welt. 30
[
]
1 Die westlichen Siegermächte waren ab 1925 daran interessiert, Deutschland als Mitglied des Völkerbundes zu gewinnen
und hatten auch einen prestigeträchtigen Sitz im Ständigen Rat, dem Leitungs- und Krisengremium, versprochen. In
Deutschland wurde der Beitritt allerdings auch kritisch gesehen, da hierdurch Verpflichtungen zur gegenseitigen Unter-
stützung und Friedenswahrung verbunden waren.
2 Stresemann bezieht sich auf die vorhergegangene Tagung des Völkerbundes in Genf, auf der Brasilien, Polen und Spanien
einen Ständigen Sitz im Rat des Völkerbundes für sich gefordert hatten.
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Ich darf doch auch darauf hinweisen, wie verschieden die Auffassung über die künftige Stel-
lung Deutschlands im Völkerbunde war. Von der rechten Seite ist immer gesagt worden: da
geht der deutsche Michel nun wieder mal auf den Leim; was werdet ihr denn im Völkerbunde
sein! Fünftes Rad am Wagen, Satellit Frankreichs oder Satellit Englands, je nachdem die An- 35
schauungen darüber schwankten, wem wir uns eigentlich nun politisch hingegeben hätten.
Wenn diese Auffassung richtig gewesen wäre, daß wir nur fünftes Rad am Wagen gewesen
wären, dann wäre dieser Kampf im Völkerbunde um den ständigen Sitz Deutschlands im Völ-
kerbundsrat nicht entbrannt.
Gerade dieser Kampf hat doch das eine gezeigt, daß es sich hier um einen Kampf handelte, um 40
eine Stellung Deutschlands im Völkerbund, die auf anderer Seite jedenfalls als eine sehr große
Stärkung der Position Deutschlands unter den Völkern angesehen wurde. Von dem Gesichts-
punkt aus ist meiner Meinung nach die Situation gegeben, daß gerade, weil es sich um einen
Kampf um unsere Stellung im Völkerbunde handelt, wir diesen Kampf fortzusetzen haben,
zumal wir nicht dem Vökerbund, der in ganz überwiegender Mehrheit, beinahe mit Einmü- 45
tigkeit, sich auf den Standpunkt des Wunsches gestellt hat, Deutschland in seinen Reihen zu
sehen, verantwortlich machen können für das Veto einer einzigen Macht, die dem zuwider
war.3 [
]
3 Brasilien hatte auf der vorhergehenden Sitzung des Völkerbunds sein Veto gegen einen ständigen Sitz für Deutschland
im leitenden Rat des Völkerbundes eingelegt, da es sich selber einen solchen erhofft hatte.
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Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft
Abiturprüfung 2018
Geschichte/Sozialwissenschaften, Grundkurs
1. Aufgabenart
Interpretation sprachlicher oder nichtsprachlicher historischer Quellen
2. Aufgabenstellung1
1. Geben Sie Gedankengang und Hauptaussagen des vorliegenden Textes strukturiert
wieder. (24 Punkte)
2. Ordnen Sie den Text in die politischen Bemühungen um eine internationale Friedens-
ordnung in Europa zwischen 1918 und 1926 ein. Stellen Sie ausgehend vom Text der
Position Stresemanns zum deutschen Beitritt zum Völkerbund die Position seiner poli-
tischen, rechtsnationalen Gegner gegenüber. (34 Punkte)
3. Beurteilen Sie die Bedeutung des Völkerbunds für die Friedenssicherung in Europa bis
zu seiner Auflösung 1946. (22 Punkte)
3. Materialgrundlage
Verhandlungen des Deutschen Reichstags. III. Wahlperiode 1924. Bd. 389. Stenographi-
sche Berichte, Berlin 1925, S. 6448 6451
In: http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w3_bsb00000073_00001.html
(Zwischenrufe der Abgeordneten und darauffolgende Reaktionen des Redners sowie der
im Original befindliche Fettdruck wurden ausgelassen.)
4. Bezüge zum Kernlehrplan und zu den Vorgaben 2018
Die Aufgaben weisen vielfältige Bezüge zu den Kompetenzerwartungen und Inhaltsfeldern des
Kernlehrplans bzw. zu den in den Vorgaben ausgewiesenen Fokussierungen auf. Im Folgenden
wird auf Bezüge von zentraler Bedeutung hingewiesen.
1. Inhaltsfelder und inhaltliche Schwerpunkte
Inhaltsfeld 6: Frieden im 20. und 21. Jahrhundert
Internationale Friedensordnung nach dem Ersten Weltkrieg
2. Medien/Materialien
entfällt
1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK NT 2 W1 Seite 2 von 9 Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist 6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen Teilleistungen Kriterien a) inhaltliche Leistung Teilaufgabe 1 Anforderungen maximal erreichbare PunktzahlDer Prüfling 1 benennt den Autor (Gustav Stresemann, deutscher Außenminister), die Textsorte (poli- tische Rede), die Adressaten (Reichstagsabgeordnete, Öffentlichkeit), Ort und Zeit- punkt der Rede (Reichstag Berlin, 22.03.1926) sowie die Art des zu untersuchenden Materials (Quelle). 2 2 nennt als Thema in etwa: politische Überlegungen bezüglich des Beitritts Deutsch- lands zum Völkerbund. 2 3 formuliert als Kernaussage in etwa: Man könne den Völkerbund als Bund zur Frie- denserhaltung oder als Völkervertretung sehen durch einen Beitritt würde Deutsch- lands Position unter den Völkern definitiv gestärkt. 4 4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative Funk- tion der Hauptaussagen verdeutlichen, in etwa wie folgt wieder: Stresemann stellt zwei mögliche Sichtweisen auf den Völkerbund dar, behauptet, dass erst durch den Beitritt Deutschlands der Universalitätsanspruch des Völkerbunds Realität würde, erklärt die damals aktuelle Krise des Völkerbunds als Zeichen für die neue Gleich- berechtigung Deutschlands, widerlegt die Kritik von rechten Parteien mit dem Argument, dass Deutschlands Stellung durch den Völkerbund gestärkt würde. 4 5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem in Kriterium 4 skizzierten Gedankengang strukturiert wieder (Die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, um die Punktanteile ausweisen zu können.): Neben einer idealistischen Auffassung über den Völkerbund als Vereinigung der Völker zur Friedenswahrung stehe eine realistische Auffassung: Der Völkerbund sei eine diplomatische Möglichkeit der Völkervertretung. Erst durch das Beitrittsgesuch Deutschlands würde der Völkerbund seinem Univer- salitätsanspruch gerecht. Die durch das Beitrittsgesuch Deutschlands ausgelöste Krise des Völkerbunds belege, dass der Bund nicht länger Instrument der Siegermächte des Krieges bleibe, sondern Deutschland gleichberechtigte Großmacht werden könne. Die Kritik der rechten Parteien, Deutschland gehe damit auf die Siegermächte zu und unterwerfe sich ihnen, würde durch den tatsächlichen Kampf um eine ange- messene Stellung im Völkerbund, der Deutschland aufnehmen wolle, widerlegt. 12 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK NT 2 W1 Seite 3 von 9 Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 2 Anforderungen maximal erreichbare PunktzahlDer Prüfling ordnet den Text in die politischen Bemühungen um eine internationale Friedensord- nung in Europa zwischen 1918 und 1926 ein, indem er folgende Aspekte aufführt: 1 die Friedensbemühungen Wilsons und das tatsächliche Kriegsende im Jahre 1918, das durch den militärischen Zusammenbruch der Mittelmächte, den Waffenstillstand auf Basis des 14-Punkte-Plans Wilsons und den Rückzug der deutschen Truppen gekenn- zeichnet ist; er berücksichtigt dabei mindestens zwei Punkte, darunter den ersten obli- gatorisch: den 14-Punkte-Plan des US-amerikanischen Präsidenten Wilson (8. Januar 1918), der auf der Basis des Selbstbestimmungsrechtes der Völker und einer internationa- len Kontrolle des Friedens in Form eines Völkerbunds hoffte, einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erzielen, die sich abzeichnende Niederlage der Mittelmächte nach dem Kriegseintritt der USA, die Versorgungskrise von Militär und ziviler Bevölkerung, die wachsende Unzufriedenheit über die wirtschaftliche Lage und die politischen Restriktionen, die zur Novemberrevolution 1918 in Deutschland (und Österreich) mit dem Ergebnis einer Regierungsübernahme durch linksorientierte Parteien führte, den Waffenstillstand am 11. November 1918, den die deutsche Regierung auf Grundlage des 14-Punkte-Plans von Wilson den Alliierten anbot, die daraus resultierende Räumung der noch besetzten Gebiete im Westen, des west- lichen Rheinufers, die Auslieferung des schweren Kriegsmaterials, der Kriegsflotte und die Aufhebung des Friedensvertrages von Brest-Litowsk, um Deutschland eine Fortsetzung des Krieges unmöglich zu machen, die Unabhängigkeitserklärungen der Völker der k.u.k.-Monarchie auf der Basis des von Wilson formulierten Selbstbestimmungsrechts der Völker, wodurch auch Österreich-Ungarn keine Möglichkeit zur Fortführung des Krieges hatte. 8 2 die Friedensverhandlungen bzw. Friedensschlüsse in den Jahren 1919 und 1920, die neben deutschen Reparationsleistungen durch territoriale, wirtschaftliche und militä- rische Restriktionen eine erneute kriegerische Aggression Deutschlands verhindern sollten; er berücksichtigt dabei mindestens zwei Punkte, z. B.: die Friedensverhandlungen der Alliierten in Versailles, an denen Deutschland nicht teilnehmen durfte und die geprägt waren von den Überlegungen, einen erneuten Krieg zu verhindern und Wiedergutmachung von Deutschland zu erhalten, die Unterzeichnung des Versailler Vertrages unter deutschem Protest angesichts der alliierten Androhung einer Besetzung Deutschlands, die Abtretung deutscher Gebiete (Elsass-Lothringen, Posen, Westpreußen, Kolo- nien u. a.) und die Abstimmungen über den Verbleib bei Deutschland in anderen Regionen (Eupen-Malmedy, Nordschleswig, Oberschlesien u. a.), die (befristete) Besetzung des Rheinlands durch alliierte Truppen, um Reparations- leistungen zu erzwingen und ein mögliches Aufmarschgebiet deutscher Truppen zu kontrollieren, die wirtschaftlichen Bestimmungen, die noch näher zu bestimmende Reparations- leistungen von Deutschland in großem Umfang vorsahen, die militärischen Bedingungen, die eine strikte Abrüstung der schweren Waffen- gattungen, eine Reduzierung des Heeres auf 100.000 Mann und der Marine auf 15.000 Mann und das Verbot der Luftwaffe vorsahen, den Kriegsschuldartikel 231, der die alleinige Kriegsschuld Deutschland zuschrieb und der in Deutschland auf lange Zeit Widerspruch und Revanchegedanken her- vorrief. 6
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK NT 2 W1 Seite 4 von 9 Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! 3 den auf Vorschlag von Wilsons 14-Punkte-Plan im Versailler Vertrag verankerten Völkerbund als internationalem Gremium zur Vermittlung und Friedenswahrung unter den Nationen; er berücksichtigt dabei mindestens zwei Punkte, z. B.: die Gründung desselben durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs auf der Kon- ferenz von Versailles, die Organisation des Völkerbunds mit Sitz in Genf, einer Vollversammlung und einem vorsitzenden Rat mit ständigen und nichtständigen Mitgliedern, das Fernbleiben der USA, die sich aus weiteren internationalen Konflikten nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs fernhalten wollten, die im Text angesprochene Einladung an Deutschland, dem Völkerbund beizutre- ten, die erst 1925 ausgesprochen wurde und schließlich 1926 angenommen wurde, die Schwierigkeiten, im Völkerbund einvernehmliche Beschlüsse zu fassen, da sowohl in der Versammlung als auch im häufiger tagenden Rat durch ein Veto eines einzelnen Staates Beschlüsse verhindert werden können und der Rat zudem einstimmig votieren musste, das Versagen des Völkerbunds in internationalen Krisensituationen aufgrund feh- lender Machtmittel (etwa eigener Truppenkontingente und einheitlicher Sanktionen). 8 4 die weiteren internationalen Abkommen zwischen Deutschland und seinen ehemali- gen Gegnern, die Frieden bewahren und für Ausgleich sorgen sollten; er berücksich- tigt dabei mindestens einen Punkt, z. B.: die weiteren Verträge der Reparationsverhandlungen (Dawes 1924, Young 1930, Lausanne 1932), die eine weniger umfangreiche Leistung Deutschlands festlegten, was zwar zu internationaler Entspannung führte, in Deutschland aber weiter Revan- chismus-Gedanken Vorschub leistete, den Vertrag von Rapallo 1922, der zu einem Interessensausgleich zwischen Deutsch- land und der Sowjetunion führte, den Vertrag von Locarno 1925, der zu einem Ausgleich Deutschlands mit seinen Nachbarstaaten führte, wobei zwar die Westgrenzen durch Deutschland garantiert wurden, nicht jedoch seine Ostgrenzen. 3 5 stellt ausgehend vom Text der Position Stresemanns zum deutschen Beitritt zum Völ- kerbund die Position seiner politischen, rechtsnationalen Gegner gegenüber, die in einem Beitritt eine Demütigung Deutschlands und die Akzeptanz des verhassten Versailler Vertrages samt der bestehenden Grenzen sahen. Er berücksichtigt dabei mindestens zwei Aspekte, z. B.: der Beitritt und eine internationale Aufwertung Deutschlands sei eine Farce, denn schon die Abstimmung über einen ständigen Sitz im Völkerbundrat zeige die Unstimmigkeit und Ablehnung der deutschen Position, durch den Beitritt zum Völkerbund akzeptiere Deutschland dauerhaft den ihm dik- tierten Versailler Vertrag, insbesondere die Zuweisung der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands, da in diesem Vertrag auch die Völkerbundsatzung festgehalten wurde, durch den Beitritt verzichte Deutschland auf eine Revision seiner Grenzen im Osten und Westen, da es sich zu einem friedfertigen Ausgleich unterschiedlicher nationaler Interessen verpflichte, durch den Beitritt verzichte Deutschland auf einen eigenen Großmachtstatus, da es nur eine unter vielen vertretenen Nationen im Völkerbund sei, durch den Beitritt verzichte Deutschland auf eine oppositionelle Haltung gegen- über den Reparationsforderungen und nähere sich den Alliierten an, mit dem Beitritt verzichte Deutschland auf eine national eigenständige Politik und müsse sich international an den anderen Völkerbundmitgliedern, insbesondere an den anderen Großmächten orientieren, durch den Beitritt unterwerfe sich Deutschland einer internationalen Verschwörung zur Niederhaltung Deutschlands. 9 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK NT 2 W1 Seite 5 von 9 Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 Anforderungen maximal erreichbare PunktzahlDer Prüfling 1 beurteilt die Bedeutung des Völkerbunds für die Friedenssicherung in Europa bis zu seiner Auflösung 1946. Er berücksichtigt dabei einerseits Argumente, die die Bedeutung des Völkerbunds für die Friedenssicherung betonen, da durch die Einbindung der ehemaligen Kriegsgegner in den Völkerbund und die bis 1939 in Europa anhaltende Friedensepoche die Friedenssicherung gelang, z. B. anhand folgender Punkte: bis 1939 gab es trotz tiefgreifender Differenzen zwischen den Alliierten und dem nach Revanche strebenden Deutschland keinen erneuten europäischen Krieg, die Verträge von Versailles (die parallel zum Völkerbund entstanden) und Locarno (in dem die Westgrenzen von Deutschland und den Alliierten garantiert wurden), wurden einvernehmlich eingehalten, das Vorkriegsmodell der Friedenswahrung, die balance of power der fünf europäi- schen Großmächte, fand aufgrund des Ausscheidens Österreich-Ungarns und Russ- lands aus dem Kreis der Großmächte keine Fortführung, dennoch kam es nicht zu erneuten Krisensituationen, trotz des Fernbleibens der USA aus dem Völkerbund und des amerikanischen mili- tärischen Rückzugs aus Europa kam es lange Zeit auch ohne Ordnungs- und Sieger- macht nicht zu einem erneuten Krieg, da der Völkerbund als Möglichkeit der Ver- mittlung und somit der Friedenssicherung diente, konfliktbeladene Abstimmungen in den vom Versailler Vertrag festgelegten Ab- stimmungsgebieten wurden erfolgreich vom Völkerbund organisiert und führten so nicht zu Auseinandersetzungen bspw. zwischen Polen und Deutschland, ein Teil der ehemaligen deutschen Kolonien wurde (offiziell) vom Völkerbund verwaltet, so dass diese nicht den konkurrierenden europäischen Kolonialmächten zugeschlagen wurden, die Idee und die Grundstruktur des Völkerbunds als friedenssichernde Institution lebte nach dem Zweiten Weltkrieg in der UNO unter großer Anteilnahme der Natio- nen wieder auf. andererseits die Mängel und Versäumnisse des Völkerbunds, der ohne Möglichkei- ten zur Durchsetzung einer Frieden erhaltenden Politik und mit unzureichenden Struk- turen in vielen Krisen keine einvernehmliche und friedenswahrende Lösung brachte und den Weg in den Zweiten Weltkrieg (der sich auch mit dem Austritt Deutschlands andeutete) nicht verhindern konnte, z. B. anhand folgender Punkte: der Völkerbund erreichte nie die angestrebte Universalität, d. h. den Zusammen- schluss möglichst vieler Staaten für eine durchsetzungsfähige Friedenspolitik, da insbesondere die USA dem Völkerbund dauerhaft fernblieben und auch die Sowjet- union erst 1934 dem Bund beitrat, während Deutschland, Italien und Japan in den 1930er Jahren diesen wieder verließen, der Völkerbund besaß nicht die nötigen Mittel für eine Durchsetzung von Frieden erhaltenden Maßnahmen, wie etwa eine militärische Eingreiftruppe oder die heu- tigen Blauhelmsoldaten, der Völkerbund, insbesondere der Ständige Rat, war auf Einstimmigkeit bei Ab- stimmungen verpflichtet, was bei Konflikten zwischen einzelnen Mitgliedern zu einer Blockade des Völkerbunds führte (vgl. auch Text), der Völkerbund erreichte tatsächlich nur in relativ unbedeutenden Konfliktfällen, etwa kleineren territorialen Streitigkeiten, Lösungen bei größeren Konflikten wurde er erst gar nicht angerufen oder versagte aufgrund von Blockadehaltungen bei Abstimmungen, 18