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Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2018 in Geschichte-Sozialwissenschaften

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Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK HT 1 W1 
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 bewertet das Frauenbild … 20    
2 ein zusammenfassendes Fazit … 4    
3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 3. Teilaufgabe 24    
 Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80    
 
 
Darstellungsleistung 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 strukturiert seinen Text … 5    
2 bezieht beschreibende, deutende … 4    
3 belegt seine Aussagen … 3    
4 formuliert unter Beachtung … 4 
5 schreibt sprachlich richtig … 4    
 Summe Darstellungsleistung 20    
 
 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100    
 aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach-
folgender Tabelle     
 Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte 
gemäß § 17 Abs. 5 APO-WbK     
      
 Paraphe     
 
Berechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 52 APO-WbK 
 
Die Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet. 
 
 
Unterschrift, Datum:
11

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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) 
Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: 
 
Note Punkte Erreichte Punktzahl 
sehr gut plus 15 100 – 95 
sehr gut 14 94 – 90 
sehr gut minus 13 89 – 85
gut plus 12 84 – 80 
gut 11 79 – 75 
gut minus 10 74 – 70 
befriedigend plus 9 69 – 65 
befriedigend 8 64 – 60 
befriedigend minus 7 59 – 55 
ausreichend plus 6 54 – 50 
ausreichend 5 49 – 45 
ausreichend minus 4 44 – 40 
mangelhaft plus 3 39 – 33 
mangelhaft 2 32 – 27 
mangelhaft minus 1 26 – 20 
ungenügend 0 19 – 0
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! 
 
 
 
Abiturprüfung 2018 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Grundkurs 
Aufgabenstellung: 
 
1. Geben Sie Gedankengang und Hauptaussagen des vorliegenden Textes strukturiert 
wieder. (24 Punkte) 
 
2. Ordnen Sie den vorliegenden Text in den historischen Hintergrund des Ausbaus der 
NS-Herrschaft seit 1933 ein und arbeiten Sie Goebbels Sicht auf die Rolle der Parteien 
heraus. (32 Punkte) 
 
3. Nehmen Sie aus heutiger Perspektive Stellung zu Goebbels Sicht auf die Rolle der 
Parteien. (24 Punkte) 
 
 
Materialgrundlage: 
 
 Rede von Joseph Goebbels in Danzig am 06.04.1935. In: Helmut Heiber (Hrsg.): Goebbels 
Reden, Band 1: 1932 – 1939. Düsseldorf 1971, S. 206 – 211 
(Die Rechtschreibung und die Hervorhebungen folgen dem Original, die Publikumsreak-
tionen und die wissenschaftlichen Fußnoten wurden aus Gründen der Lesbarkeit gekürzt.) 
 
 
Zugelassene Hilfsmittel: 
 Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 
 Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht 
Deutsch ist
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! 
Joseph Goebbels am 06.04.1935 in Danzig1: 
 
Deutsche Männer und Frauen des Danziger Landes! 
[…] Dieser deutschen Stadt bringe ich den Gruß des Deutschen Reiches und des deutschen 
Volkes! Denn ich stehe vor Euch nicht als Vertreter einer parlamentarischen Partei, ich ver-
trete nicht eine Gruppe des Volkes, – ich spreche zu Euch als der Repräsentant der ganzen 
Nation. Denn die Zeiten, da Deutschland durch die Parteien zerrissen war und deshalb in Kraft-5 
losigkeit und Ohnmacht versank, – die Zeiten sind endgültig dahin! Aus dem Wirrwarr der 
Parteien hat sich wieder strahlend und stark das ewige Deutsch Reich erhoben, dieses ewige 
Deutsche Reich, das auch Euer Mutterland ist und zu dem zu bekennen heute keine Schande 
mehr sein kann, denn die Jahre, da wir in Schmach und Demütigung versanken, liegen hinter 
uns, und vor uns liegen die Jahre, da das Reich sich wieder zu neuer Macht und zu neuem 10 
Ansehen erheben wird! 
[…] Es kann nun niemand bezweifeln, daß diese kühne Politik2 schon sichtbare Erfolge auf-
zuweisen hat. Denn als wir die Macht übernahmen, war das Reich ein Chaos. Heute, nach 
zweijähriger Regierungstätigkeit, ist das Reich wieder ein Staat der Zucht, der Ordnung und 
der Disziplin. Als wir die Macht übernahmen, saßen im Deutschen Reichstag noch siebzehn 15 
Parteien, – wir haben sie weggefegt und haben eine Bewegung zur alleinigen Macht geführt! 
Will nun etwa jemand behaupten, daß wir damit dem Volke Schaden zugefügt haben? Glaubt 
Ihr, in Deutschland gäbe es noch einen Menschen, der etwa der Wirtschaftspartei blutige Trä-
nen nachweinte? Nein, wir haben die Parteien beseitigt, weil wir große Projekte durchführen 
wollten und weil wir wußten: Wir können sie nicht durchführen, wenn uns diese Parteien 20 
dauernd zwischen den Füßen herumlaufen! Wie hätten wir beispielsweise eine Armee auf-
bauen wollen, solange im Reichstag noch 130 sozialdemokratische Landesverräter saßen? 
Wie hätten wir beispielsweise Reichsautobahnen bauen können, solange im Reichstag noch 
Dutzend[e] von Parteien saßen, die an diesen Reichsautobahnen nur verdienen wollten? Hätten 
wir ein solches Projekt dem Reichstag vorgelegt, – die Sozialdemokraten hätten vermutlich 25 
gesagt: Wir bauen keine Autobahnen, denn die Arbeiter haben ja doch keine Autos. Die Deut-
sche Volkspartei hätte gesagt: Wir sind mit dem Projekt einverstanden, wenn die Mitglieder 
der Deutschen Volkspartei ein bestimmtes Aktienpaket für Zementfabriken bekommen. Die 
Wirtschaftspartei hätte vermutlich gesagt: Wir sind einverstanden, wenn man unserm Partei-
vorsitzenden, dem Bäckermeister Drewitz3, die Erlaubnis gibt, an den Autobahnen Bäcker- 30 
läden aufzuschlagen. Wollen Sie mit diesen Parteien Weltgeschichte machen? Diese Parteien 
machen keine Geschichte, sie machen Geschichten! 
Darum haben wir sie durch eine starke, zentrale Führung ersetzt. […] Fünfzehn Jahre lang 
haben die anderen Parteien am Arbeitslosenproblem herumexperimentiert. Wir haben dieses 
Problem angefaßt, und in zwei Jahren haben wir es zu zwei Dritteln bereits gelöst! 35 
                                                 
1 In der seit 1920 unter Völkerbundprotektorat stehenden „Freien Stadt Danzig“ war am 07.04.1935 der Volkstag (das Parla-
ment) neu zu wählen. 
2 Goebbels bezieht sich hier auf die Erfolge der Politik des NS-Staates. 
3 Hermann Drewitz (1887 – 1955): deutscher Politiker, zählte zu den Begründern der Reichspartei des deutschen Mittel-
standes (Wirtschaftspartei) und war von 1920 bis 1931 sowie 1932/33 Vorsitzender der Partei auf Reichsebene.
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! 
Die sich so christlich dünkenden Parteien haben uns Heidentum vorgeworfen; und während 
sie uns das vorwarfen, haben wir im Winterhilfswerk eine der größten aller christlichen Taten 
der Weltgeschichte vollzogen! Die parlamentarischen Parteien waren zu schwach, das Reich 
zu einigen. Jedesmal, wenn eine deutsche Regierung in Genf oder in Paris oder in Spa oder 
in Cannes verhandelte4, fiel ihr entweder eine Partei oder ihr fiel ein deutsches Land in den 40 
Rücken! Heute ist das vorbei, das Ausland kann sich auf keinen Bundesgenossen im Reiche 
selbst mehr berufen! Denn heute spricht im Namen des Reiches ein Mann! Und in seiner 
Stimme klingen die Stimmen von 66 Millionen Deutschen wider! 
Damit aber nicht genug. Wir haben nicht nur die gefahrlosen, wir haben auch die gefährli-
chen Probleme angefaßt. Wir haben nicht aus Angst vor dem Weltjudentum den Griff ins 45 
jüdische Wespennest in Deutschland unterlassen, – wir haben die Juden aus dem öffentlichen 
Leben herausgefegt! Sie können nicht mehr auf den Bühnen oder im Film oder in den Zeitun-
gen im Namen des deutschen Volkes reden, sie haben kein Recht mehr, die deutsche Nation 
zu repräsentieren. […] 
 
                                                 
4 Anspielungen auf die Abrüstungskonferenz in Genf 1932 – 34 und weitere internationale Konferenzen, die sich v. a. mit 
den Reparationsleistungen Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg beschäftigten.
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft 
Abiturprüfung 2018 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Grundkurs 
1. Aufgabenart 
Interpretation sprachlicher oder nichtsprachlicher historischer Quellen 
 
 
2. Aufgabenstellung1 
1. Geben Sie Gedankengang und Hauptaussagen des vorliegenden Textes strukturiert 
wieder. (24 Punkte) 
 
2. Ordnen Sie den vorliegenden Text in den historischen Hintergrund des Ausbaus der 
NS-Herrschaft seit 1933 ein und arbeiten Sie Goebbels Sicht auf die Rolle der Parteien 
heraus. (32 Punkte) 
 
3. Nehmen Sie aus heutiger Perspektive Stellung zu Goebbels Sicht auf die Rolle der 
Parteien. (24 Punkte) 
 
 
3. Materialgrundlage 
 Rede von Joseph Goebbels in Danzig am 06.04.1935. In: Helmut Heiber (Hrsg.): Goebbels 
Reden, Band 1: 1932 – 1939. Düsseldorf 1971, S. 206 – 211 
(Die Rechtschreibung und die Hervorhebungen folgen dem Original, die Publikumsreak-
tionen und die wissenschaftlichen Fußnoten wurden aus Gründen der Lesbarkeit gekürzt.) 
 
 
4. Bezüge zum Kernlehrplan und zu den Vorgaben 2018 
Die Aufgaben weisen vielfältige Bezüge zu den Kompetenzerwartungen und Inhaltsfeldern des 
Kernlehrplans bzw. zu den in den Vorgaben ausgewiesenen Fokussierungen auf. Im Folgenden 
wird auf Bezüge von zentraler Bedeutung hingewiesen. 
 
1. Inhaltsfelder und inhaltliche Schwerpunkte 
 Inhaltsfeld 4: Die Zeit des Nationalsozialismus – Voraussetzungen, Herrschaftsstrukturen, 
Nachwirkungen und Deutungen 
 Politische und ideologische Grundlagen des Nationalsozialismus 
 Nationalsozialistische Herrschaft und „Volksgemeinschaft“ 
 
2. Medien/Materialien 
 entfällt 
  
                                                 
1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel 
 Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 
 Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht 
Deutsch ist 
 
 
6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen 
Teilleistungen – Kriterien 
a) inhaltliche Leistung 
Teilaufgabe 1 
 Anforderungen maximal 
erreichbare 
PunktzahlDer Prüfling 
1 benennt den Redner (Joseph Goebbels), die Textsorte (Wahlkampfrede), die Adressa-
ten (Wähler und Anhänger der NSDAP, die Einwohner Danzigs, die zeitgenössische 
Öffentlichkeit), den Zeitpunkt und Ort, an dem die Rede gehalten wurde (Danzig am 
06.04.1935, d. h. am Vorabend der Wahl) sowie die Art des zu untersuchenden Mate-
rials (Quelle). 2 
2 nennt als Thema in etwa: die erfolgreiche Bilanz der bisherigen Tätigkeit der national-
sozialistischen Regierung in Deutschland. 2 
3 formuliert als Kernaussage in etwa: Die Stärke und Entschlossenheit der national-
sozialistischen Politik hätten unter Führung Hitlers in der Innen- wie der Außenpolitik 
für das deutsche Volk und die deutsche Nation bereits mehr erreicht als die Parteien 
zuvor in der Republik. 4 
4 gibt den Gedankengang des Redners mit Hilfe von Verben, die die argumentative 
Funktion der Hauptaussagen verdeutlichen, in etwa wie folgt wieder: 
Goebbels 
 richtet eine Grußadresse der Heimat an die Einwohner Danzigs, 
 rekapituliert den Wiederaufstieg Deutschlands, die innenpolitischen Erfolge der 
Nationalsozialisten sowie den Zukunftsoptimismus und das neue Selbstbewusst-
sein der Deutschen, 
 übt anhand der Beispiele von Wiederaufrüstung und Autobahnbau Kritik an den 
übrigen Parteien und parlamentarischen Verfahrensweisen, 
 nennt die Überwindung des Parteienpluralismus und die Etablierung des Führer-
prinzipes als Gründe für den Erfolg,  
 hebt die Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichen Leben als Erfolg hervor. 4
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! 5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem in Kriterium 4 skizzierten 
Gedankengang strukturiert wieder (Die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, 
um die Punkteanteile ausweisen zu können.): 
 Die Zeiten des Pluralismus seien in Deutschland vorbei, ein neues Deutsches Reich 
habe sich etabliert, auf das jeder Deutsche stolz sein könne. 
 Die Erfolge nach zweijähriger Regierungszeit lägen auf der Hand: Als der National-
sozialismus die Macht übernommen habe, habe es in Deutschland noch 17 Parteien 
gegeben – diese habe man beseitigt und so die Realisierung großer Projekte wie 
Autobahnbau und Wiederaufrüstung ermöglicht. 
 Die Parteien seien durch eine starke Führung ersetzt und das Arbeitslosenproblem 
gelöst worden und mit dem Winterhilfswerk sei eine der größten christlichen Taten 
der Menschheitsgeschichte vollbracht worden. 
 Auch die Außenpolitik werde nicht mehr durch die Zerstrittenheit der deutschen 
Parteien und den Föderalismus behindert, nun spreche nur noch ein Mann im 
Namen des Reiches und des Volkes. 
 Auch gefährliche Probleme würden angefasst, so habe der Nationalsozialismus 
z. B. die Juden aus dem öffentlichen Leben und hier vor allem aus dem kulturellen 
und intellektuellen Leben entfernt. 12 
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)  
 
 
Teilaufgabe 2 
 Anforderungen maximal 
erreichbare 
PunktzahlDer Prüfling 
 ordnet den vorliegenden Text in den historischen Hintergrund des Ausbaus der NS-
Herrschaft seit 1933 ein; er nimmt dabei Bezug auf:  
1 die politischen Entwicklungen im Kontext der Etablierung der nationalsozialistischen 
Diktatur mit der Beseitigung von Rechtsstaat und parlamentarischer Demokratie von 
der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler bis zur Verabschiedung des Ermächtigungs-
gesetzes; er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, von denen der vierte und der 
letzte Aspekt obligatorisch sind, z. B.: 
 Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 durch Hindenburg, 
 die am 01. Februar 1933 erfolgte Auflösung des Reichstages durch den Reichsprä-
sidenten von Hindenburg, 
 die am 04. Februar per Notverordnung des Reichspräsidenten erlassene „Verord-
nung zum Schutze des Deutschen Volkes“, welche die Presse- und Versammlungs-
freiheit weitgehend einschränkte, 
 die nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar erfolgte Notverordnung „zum 
Schutze von Volk und Staat“, welche die Grundrechte der Weimarer Verfassung 
erheblich einschränkte bzw. aufhob, 
 den Beginn der Verhaftungs- und Terrorwelle gegen politische Gegner, insbeson-
dere Kommunisten, Sozialdemokraten und bürgerliche Liberale,  
 die Einrichtung der ersten Konzentrationslager (KZ Dachau ab dem 22. März 1933),  
 die Sicherung der Mehrheit für NSDAP und DNVP durch die Reichstagsauflösung 
und -neuwahl (05.03.1933) unter unfreien Bedingungen, 
 den Tag von Potsdam als propagandistisches Großereignis zur Aufwertung Hitlers, 
 die scheinlegale Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes mit manipulierter 
Herbeiführung einer Zweidrittelmehrheit als Indiz für die nur noch scheinbare Ach-
tung verfassungsmäßiger Spielregeln und die Machtkonzentration bei der Exeku-
tive und die Aufhebung der Gewaltenteilung durch Verabschiedung des Ermäch-
tigungsgesetzes.  10
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! 2 die Sicherung und den Ausbau der Macht hin zu einer totalitären Diktatur Hitlers und 
der NSDAP durch weitere Maßnahmen zur Ausschaltung des Parlamentarismus und 
Gleichschaltung sowohl des Staatsapparates als auch weiterer Lebensbereiche, die 
auch in Goebbels Rede Erwähnung finden, bis zum Zeitpunkt des Erscheinens des 
Textes im April 1935, von denen er mindestens drei Aspekte berücksichtigt, z. B.: 
die brutale Beseitigung von Teilen der SA-Führung im Kontext des sogenannten 
„Röhm-Putsches“ aufgrund von machtpolitischen und ideologischen Differenzen 
innerhalb der NSDAP, 
die Gleichschaltung von Presse, Film und Rundfunk, die als Mittel zur Beeinflus-
sung der Bürger eingesetzt wurden und die Goebbels in seiner Rede direkt anspricht,
die bis zum 05. Juli erfolgte Selbstauflösung der im Reichstag vertretenen bürger-
lichen Parteien, aus Furcht vor Verfolgung und Unfähigkeit zu politischer Betä-
tigung,
das „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien“ vom 14. Juli 1933, mit dem der 
nationalsozialistische Einparteienstaat endgültig etabliert wurde, 
die Beseitigung der Gewaltenteilung zwischen Reich und Ländern 1933/34 durch
die Aufhebung des Föderalismus, d. h. durch die Gleichschaltung der Länder mit 
dem Reich und die damit verbundene Aufhebung der Rechte der Länder, welche 
auch Goebbels thematisiert, 
die Gleichschaltung des Beamtenapparats durch das Gesetz zur „Wiederherstellung
des Berufsbeamtentums“, 
die auch von Goebbels thematisierte Etablierung des Führerprinzipes auf allen 
Ebenen und in allen Bereichen von Staat und Gesellschaft, 
die Gleichschaltung im kulturellen Bereich u. a. durch die Errichtung der Reichs-
kulturkammer, 
die von Goebbels erwähnte Etablierung antisemitischer Maßnahmen und Gesetze 
mit dem Ziel der Entrechtung und Ausschaltung von Juden aus dem öffentlichen 
Leben, 
die Zusammenlegung der Ämter des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten 
und die Vereidigung der Reichswehr auf die Person des ‚Führers und Reichskanz-
lers‘ Hitler nach Hindenburgs Tod im August 1934, auf die auch Goebbels indi-
rekt Bezug nimmt. 10 
3 arbeitet Goebbels ablehnende Sicht auf die Rolle der politischen Parteien heraus. Er 
berücksichtigt dabei mindestens drei Aspekte, z. B.: 
 Goebbels’ antidemokratisches und antipluralistisches Verständnis von Parteien, 
wenn er von einem „Wirrwarr der Parteien“ spricht, 
 seine durchgängige Kritik, Diffamierung und Verachtung der Rolle und der Arbeit 
der Parteien und der Prozesse parlamentarischer Kompromissbildungen: „Die par-
lamentarischen Parteien waren zu schwach, das Reich zu einigen.“, 
 die Beschuldigung und Beschimpfung der Parteien mit Hilfe von klischeehaften 
Stereotypen: „Wie hätten wir beispielsweise eine Armee aufbauen wollen, solange 
im Reichstag noch 130 sozialdemokratische Landesverräter saßen?“, 
 die sprachliche Diskreditierung der anderen Parteien: „Diese Parteien machen keine 
Geschichte, sie machen Geschichten!“, 
 Goebbels positiven Rekurs auf das Führerprinzip in Abgrenzung zum Mehrheits-
prinzip, welches die übrigen Parteien vertreten „Denn heute spricht im Namen des 
Reiches ein Mann!“, 
 die mangelnde Bereitschaft zur Aushandlung von Kompromissen, welche die par-
teiübergreifende Grundlage parlamentarischer Arbeit darstellt: „Nein, wir haben 
die Parteien beseitigt, weil wir große Projekte durchführen wollten und weil wir 
wußten: Wir können sie nicht durchführen, wenn uns diese Parteien dauernd zwi-
schen den Füßen herumlaufen!“. 12 
4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)
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Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK HT 2 W1 
  Seite 5 von 9 
Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 
 Anforderungen maximal 
erreichbare 
PunktzahlDer Prüfling 
1 nimmt aus heutiger Perspektive Stellung zu Goebbels Sicht auf die Rolle der Parteien, 
indem er die heutige Sicht auf die Rolle der Parteien beschreibt, die durch eine ebenso 
tiefe wie breite Präsenz und Verankerung der Parteien in Staat und Gesellschaft auf 
allen Ebenen geprägt ist, auch wenn aktuell Tendenzen zu einer neuen Skepsis gegen-
über den Parteien und demokratischen Verfahrensweisen zu beobachten sind. Er macht 
deutlich, dass Goebbels Position in jeglicher Hinsicht den Vorstellungen der freiheit-
lich-rechtlichen Grundordnung entgegengesetzt ist; er berücksichtigt dabei z. B.: 
 die im Grundgesetz fixierte herausragende Rolle und Verantwortung der Parteien 
für die politische Willensbildung und die Funktionsweise parlamentarischer und 
demokratischer Prozesse, 
 die Tatsache, dass das politische System der Bundesrepublik eine klassische Par-
teiendemokratie ist, 
 die allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz der Notwendigkeit und der Arbeit von 
Parteien im Prozess der politischen und gesellschaftlichen Willensbildung, 
 die Tatsache, dass Parteien die unterschiedlichen politischen Vorstellungen und 
Interessen in der Gesellschaft artikulieren, sie zu politischen Konzepten und Pro-
grammen bündeln und Lösungen für politische Probleme suchen,  
 die gesellschaftliche wie politische Verankerung der Parteien von der kommunalen 
Ebene bis auf die europäische Ebene, 
 die (bisweilen kritisierte) Omnipräsenz der Parteien in Alltag und Medien, 
 die Chance auf politische Betätigung, für die die Parteien und ihre Unterorganisa-
tionen den Bürgerinnen und Bürgern auf verschiedenste Weise Gelegenheit bieten,  
 die klare Ausrichtung aller in Deutschland legalen Parteien an den Rahmenbedin-
gungen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, 
 den Meinungspluralismus innerhalb der Parteien, der politische Debatten und par-
teipolitische Entwicklungen fördert, 
 die Entstehung neuer Parteien wie der Grünen, der Partei Die Linke oder der AfD 
als Ausweis für eine lebendige politische Kultur, 
 die Rolle der Oppositionsparteien in den Parlamenten, die die jeweilige Regierung 
kontrollieren, kritisieren und politische Alternativen entwickeln.  
 
Orientierung für eine 10 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: 
Der Prüfling gelangt unter Bezugnahme auf den Text zu einer nachvollziehbaren Argu-
mentation, in der insgesamt mindestens zwei Gesichtspunkte sachgerecht berücksich-
tigt werden. Die Argumentation enthält keine gravierenden sachlichen Fehler. 
Orientierung für eine 20 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: 
Der Prüfling entwickelt unter vertiefter Bezugnahme auf den Text eine differenzierte 
Argumentation, in der erörternd insgesamt mindestens vier Gesichtspunkte sachge-
recht berücksichtigt werden. Die Argumentation enthält keine sachlichen Fehler. 20 
2 formuliert ein Fazit, in dem er aufzeigt, dass aus heutiger Perspektive Goebbels Sicht 
auf die Rolle der Parteien und die von ihm angeführten Argumente mit der freiheit-
lich-demokratischen Grundordnung, wie sie sich aus dem Grundgesetz und der poli-
tischen Realität in Deutschland ergibt, völlig unvereinbar ist. 4 
3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)
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