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Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2018 in Geschichte-Sozialwissenschaften
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK HT 2 W1 Seite 6 von 9 Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! b) Darstellungsleistung Anforderungen maximal erreichbare Punktzahl Der Prüfling 1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich dabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie syntaktisch und stilistisch sicher. 4
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Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit
Name des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________
Schule: _____________________________________________
Teilaufgabe 1
Anforderungen Lösungsqualität
Der Prüfling maximal
erreichbare
Punktzahl EK2 ZK DK
1 benennt den Redner
2
2 nennt als Thema
2
3 formuliert als Kernaussage
4
4 gibt den Gedankengang
4
5 gibt die Hauptaussagen
12
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2)
..
..
Summe 1. Teilaufgabe 24
Teilaufgabe 2
Anforderungen Lösungsqualität
Der Prüfling maximal
erreichbare
Punktzahl EK ZK DK
ordnet den vorliegenden
1 die politischen Entwicklungen
10
2 die Sicherung und
10
3 arbeitet Goebbels ablehnende
12
4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4)
..
..
Summe 2. Teilaufgabe 32
2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur
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Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3
Anforderungen Lösungsqualität
Der Prüfling maximal
erreichbare
Punktzahl EK ZK DK
1 nimmt aus heutiger
20
2 formuliert ein Fazit
4
3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4)
..
..
Summe 3. Teilaufgabe 24
Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80
Darstellungsleistung
Anforderungen Lösungsqualität
Der Prüfling maximal
erreichbare
Punktzahl EK ZK DK
1 strukturiert seinen Text
5
2 bezieht beschreibende, deutende
4
3 belegt seine Aussagen
3
4 formuliert unter Beachtung
4
5 schreibt sprachlich richtig
4
Summe Darstellungsleistung 20
Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100
aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach-
folgender Tabelle
Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte
gemäß § 17 Abs. 5 APO-WbK
Paraphe
Berechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 52 APO-WbK
Die Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet.
Unterschrift, Datum:
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK HT 2 W1 Seite 9 von 9 Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: Note Punkte Erreichte Punktzahl sehr gut plus 15 100 95 sehr gut 14 94 90 sehr gut minus 13 89 85 gut plus 12 84 80 gut 11 79 75 gut minus 10 74 70 befriedigend plus 9 69 65 befriedigend 8 64 60 befriedigend minus 7 59 55 ausreichend plus 6 54 50 ausreichend 5 49 45 ausreichend minus 4 44 40 mangelhaft plus 3 39 33 mangelhaft 2 32 27 mangelhaft minus 1 26 20 ungenügend 0 19 0
GS GK HT 3 W1 Seite 1 von 3 Name: _______________________ Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Abiturprüfung 2018 Geschichte/Sozialwissenschaften, Grundkurs Aufgabenstellung: 1. Geben Sie Gedankengang und Hauptaussagen des vorliegenden Textes strukturiert wieder. (24 Punkte) 2. Ordnen Sie den Text in den Hintergrund der politischen Umbrüche in Mittel- und Ost- europa seit Mitte der 1980er Jahre bis zur Veröffentlichung des vorliegenden Textes ein und arbeiten Sie die politische Position des Demokratischen Aufbruchs in Bezug auf die Gegenwart und Zukunft der DDR heraus. (32 Punkte) 3. Vergleichen Sie die hier angestrebte Vorgehensweise mit dem tatsächlichen Prozess der Wiedervereinigung bis zum 03. Oktober 1990. (24 Punkte) Materialgrundlage: Der Demokratische Aufbruch und die deutsche Frage. Aus: Lausitzer Rundschau (Organ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands für den Bezirk Cottbus), Nr. 9, 11.01.1990, 39. Jahrgang hier aus: http://www.ddr89.de/ddr89/da/cottbus.html Zugelassene Hilfsmittel: Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist
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Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch!
Erklärung des Demokratischen Aufbruchs in der Lausitzer Rundschau am
11. Januar 19901
Die Vereinigung der beiden deutschen Staaten ist ein Thema, aber für uns jetzt nicht das
Thema Nr. 1. Jetzt gilt es, die demokratische Entwicklung in unserem Land, die erst am
Anfang steht, unumkehrbar zu gestalten. Wir kämpfen zunächst um eine umfassende Wirt-
schaftsreform, um gleichberechtigten Zugang zu allen Medien, um ein neues Wahlgesetz
und um die restlose Auflösung der stalinistischen politischen Strukturen. 5
Und doch bewegt die deutsche Frage, die Zukunft beider deutscher Staaten im Herzen von
Europa, die Menschen unglaublich. Das Für und Wider einer deutschen Einheit bildet einen
neuen Riss in unserer Gesellschaft, gefördert durch eine intolerante und verantwortungslose
Polemik der SED-PDS2 unter der Überschrift Angetreten gegen rechts (ganzseitige Anzeige
im ND3)! So einfach ist das; wer für eine Vereinigung ist, ist ein Rechter, ein Nationalist, wer 10
wider die Vereinigung ist, ist ein Linker, ein Sozialist. Diese undifferenzierte Betrachtung
erschreckt uns. Deshalb ist eine klare Stellungnahme des Demokratischen Aufbruchs zur
deutschen Frage notwendig.
Wir finden uns mit der Spaltung Deutschlands nicht ab. Wir streben nach einer Überwindung
der Teilung unter folgenden Voraussetzungen: 15
Abschluss einer Friedensordnung in Europa bei gleichzeitiger Anerkennung aller bestehen-
den Grenzen
Selbstbestimmungsrecht der Deutschen in der DDR und der BRD einschließlich Abzug
aller alliierten Truppen innerhalb einer festzusetzenden Frist
ausschließlich friedliche Festlegungen mit den europäischen Nachbarn als umfassende 20
kooperative Politik in Europa
Der Weg führt von vertraglicher Bindung zwischen den deutschen Staaten über einen Staaten-
bund zu einem Bundesstaat. Die Länge der Wegstrecke wird vorrangig durch die wirtschaft-
liche Entwicklung der DDR bestimmt, der Weg selbst muss durch alle Bürger gebaut, bzw.
gestaltet werden. Unsere ökonomische Situation lässt uns keinen Spielraum für sozialistische 25
Experimente. Eine Wirtschafts- und Währungsunion muss angestrebt werden, denn nur durch
ökonomische Leistungsfähigkeit können wir die sozialen Errungenschaften absichern, die
Umweltprobleme lösen und eine weitgehende Vollbeschäftigung sichern. Wir sind für eine
Einheit der deutschen Nation in Würde und Gleichberechtigung! Ein Traum von Wiederver-
einigung heute, Porsche morgen und den Bahamas übermorgen entspricht nicht den Realitäten 30
in Europa und in den beiden deutschen Staaten.
1 Der Demokratische Aufbruch war eine von mehreren Oppositionsparteien in der DDR, die sich im Herbst 1989 grün-
deten und in Wahlbündnissen an den ersten freien Wahlen im März 1990 teilnahmen.
2 Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands wurde im Dezember 1989 durch Zusatzbezeichnung zur Partei des
Demokratischen Sozialismus.
3 Die Tageszeitung Neues Deutschland war das Zentralorgan der SED, in der die Regierungspolitik der DDR offiziell
dargestellt wurde.
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Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch!
Wir alle können gewiss sein: Die vielfältigen familiären, kulturellen, wirtschaftlichen und
historischen Gemeinsamkeiten gilt es zu bewahren und zügig auszubauen, damit zusammen-
wächst, was zusammengehört. Gemeinsame Verantwortung gegenüber der Natur bzw. der
Umwelt sowie gegenüber dem Frieden in der Welt wird die Annäherung und somit die Ein- 35
heit der deutschen Nation fördern.
Das Herangehen der SED-PDS an das Problem des Rechtsradikalismus ist beängstigend.
Auch wir verurteilen rechtsradikale, faschistische und chauvinistische4 Schmierereien und
Übergriffe5 auf das Schärfste. Hier ist der Einsatz rechtsstaatlicher Mittel (Polizei, Zoll) not-
wendig und zur Zeit6 ausreichend. Demonstrationen und groß angelegte Publikationen doku- 40
mentieren zwar die Ablehnung dieser Tendenzen, sind aber nicht geeignet, deren Ausbreitung
zu verhindern. Die Einheitsfront aller in der DDR offiziell wirkenden Kräfte gegen den Rechts-
radikalismus ist da, sie braucht nicht beschworen zu werden. Wichtiger ist es, differenziert
auf die Zielgruppen dieser Bewegung, besonders auf die Jugend, einzugehen, um einer weite-
ren Ausbreitung entgegen zu wirken. Wir alle haben uns die Demokratie in einer großartigen, 45
friedlichen Revolution im Herbst 1989 erkämpft. Wir dürfen sie weder durch ein Aufkommen
des Rechtsradikalismus noch durch ein Wiedererstarken des Stalinismus7 gefährden lassen.
Beide streben eine Diktatur der Minderheit über die Mehrheit des Volkes an. Wir wollen ein
demokratisches, entmilitarisiertes und humanistisches Deutschland in einem geeinten Europa
schaffen. 50
Demokratischer Aufbruch
Kreisorganisation Cottbus
4 Die Überzeugung, überlegen zu sein, etwa in nationaler Hinsicht.
5 im Original Übergriffs
6 im Original Zelt
7 Brutale Herrschaftsweise des sowjetischen Diktators Stalin (1878 1953), die in allen kommunistischen Ostblockstaaten
gefürchtet war, aber auch nachgeahmt wurde.
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Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft
Abiturprüfung 2018
Geschichte/Sozialwissenschaften, Grundkurs
1. Aufgabenart
Interpretation sprachlicher oder nichtsprachlicher historischer Quellen
2. Aufgabenstellung1
1. Geben Sie Gedankengang und Hauptaussagen des vorliegenden Textes strukturiert
wieder. (24 Punkte)
2. Ordnen Sie den Text in den Hintergrund der politischen Umbrüche in Mittel- und Ost-
europa seit Mitte der 1980er Jahre bis zur Veröffentlichung des vorliegenden Textes ein
und arbeiten Sie die politische Position des Demokratischen Aufbruchs in Bezug auf
die Gegenwart und Zukunft der DDR heraus. (32 Punkte)
3. Vergleichen Sie die hier angestrebte Vorgehensweise mit dem tatsächlichen Prozess der
Wiedervereinigung bis zum 03. Oktober 1990. (24 Punkte)
3. Materialgrundlage
Der Demokratische Aufbruch und die deutsche Frage. Aus: Lausitzer Rundschau
(Organ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands für den Bezirk Cottbus), Nr. 9,
11.01.1990, 39. Jahrgang
hier aus: http://www.ddr89.de/ddr89/da/cottbus.html
4. Bezüge zum Kernlehrplan und zu den Vorgaben 2018
Die Aufgaben weisen vielfältige Bezüge zu den Kompetenzerwartungen und Inhaltsfeldern des
Kernlehrplans bzw. zu den in den Vorgaben ausgewiesenen Fokussierungen auf. Im Folgenden
wird auf Bezüge von zentraler Bedeutung hingewiesen.
1. Inhaltsfelder und inhaltliche Schwerpunkte
Inhaltsfeld 5: Nationalismus, Nationalstaat und europäische Integration
Entstehung, Auswirkungen und Überwindung der deutschen und europäischen
Teilung 1945 bis 1989/90
Lebenssituation der Menschen in der DDR
2. Medien/Materialien
entfällt
1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK HT 3 W1 Seite 2 von 9 Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung Herkunftssprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist 6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen Teilleistungen Kriterien a) inhaltliche Leistung Teilaufgabe 1 Anforderungen maximal erreichbare PunktzahlDer Prüfling 1 benennt den Autor (unbekannter Verfasser aus der Partei Demokratischer Aufbruch), die Textsorte (Stellungnahme in einem Zeitungsartikel), die Adressaten (Öffentlichkeit der DDR im Bezirk Cottbus), den Zeitpunkt der Veröffentlichung (11. Januar 1990) sowie die Art des zu untersuchenden Materials (Quelle). 2 2 nennt als Thema in etwa: die Sichtweise des Demokratischen Aufbruchs auf den ein- zuschlagenden Weg zur Deutschen Einheit und die zu lösenden gesellschaftlichen Probleme. 2 3 formuliert als Kernaussage in etwa: Die Wiedervereinigung müsse demokratisch geordnet und europäisch einvernehmlich angegangen werden; zuvor sei es notwendig, die politisch extremen Tendenzen zu bekämpfen, damit ein demokratisches, entmili- tarisiertes, humanistisches und geeintes Deutschland geschaffen werden könne. 4 4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative Funktion der Hauptaussagen verdeutlichen, in etwa wie folgt wieder: Der Demokratische Aufbruch nennt die Wiedervereinigung das nicht vordringlichste politische Ziel, formuliert die zuvor zu erringenden internationalen Grundlagen der Einheit, entwirft einen politischen Weg zur Wiedervereinigung, verurteilt rechtsradikale Tendenzen und die Antwort der SED-PDS darauf, umreißt abschließend das Ziel eines demokratischen Deutschlands in Europa. 4 5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem in Kriterium 4 skizzierten Gedankengang strukturiert wieder (Die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, um die Punkteanteile ausweisen zu können.): Nicht die schnelle Wiedervereinigung sei vorrangig, sondern die Durchsetzung demokratischer Normen in der DDR, wie die Polemik der SED-PDS gegen die Einheits-Forderungen der Menschen belegt, die von ihr grundlegend als nationa- listisch und rechts diffamiert würden. Vor einer Wiedervereinigung seien internationale Ziele zu erreichen, so eine um- fassende Friedensordnung, die Anerkennung der europäischen Grenzen, das deut- sche Selbstbestimmungsrecht und der Abzug aller Truppen, sowie eine koopera- tive Politik mit den europäischen Nachbarn. Der Einheit müsse zunächst ein Staatenbund auf dem Weg zum Bundestaat und eine Wirtschafts- und Währungsunion zur Schaffung sozial und ökonomisch ab- gesicherter Lebensverhältnisse vorangehen; familiäre, kulturelle, wirtschaftliche und historische Gemeinsamkeiten und der Umweltschutz müssten dabei berück- sichtigt werden. 12
Ministerium für Schule und Bildung NRW GS GK HT 3 W1 Seite 3 von 9 Abiturprüfung 2018 Nur für den Dienstgebrauch! Dem Problem rechtsgerichteter und stalinistischer Tendenzen in der DDR müsse geschlossen entgegengetreten werden, derzeitige staatliche Maßnahmen seien aber ausreichend und damit von der SED-PDS angestrebte Lösungen unnötig. Das Ziel sei weiterhin, ein demokratisches, entmilitarisiertes und humanistisches Deutschland in einem geeinten Europa zu schaffen. 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2) Teilaufgabe 2 Anforderungen maximal erreichbare PunktzahlDer Prüfling ordnet den Text in den Hintergrund der politischen Umbrüche in Mittel- und Osteuropa sowie der DDR seit Mitte der 1980er Jahre bis zur Veröffentlichung des vorliegenden Textes ein und arbeitet die politische Position des Demokratischen Aufbruchs in Bezug auf die Gegenwart und Zukunft der DDR heraus, indem er folgende Aspekte berücksichtigt: 1 den seit Mitte der 80er Jahre einsetzenden und sich bis 1989 beschleunigenden poli- tischen Wandel in Ost- und Mitteleuropa durch die Reformen in der Sowjetunion und damit z. T. verknüpfte politische Prozesse des Umbruchs in anderen sozialistischen Ländern als Voraussetzung für das Zustandekommen der deutschen Einheit; er berück- sichtigt dabei mindestens drei Punkte, z. B.: die sich verschärfende wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Krise in den sozialistischen Ländern als Folge wirtschaftlicher Strukturprobleme, politi- scher Repression und fehlender demokratischer Legitimation und des Rüstungs- wettlaufs mit dem Westen als Ausgangspunkt für den politischen Wandel, die sowjetische Liberalisierungspolitik in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (Glasnost und Perestroika) durch den Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU Michail Gorbatschow, welcher erste Reformen (u. a. freie Meinungsäuße- rung ) auf den Weg brachte, die Aufgabe der Breschnew-Doktrin, was den Weg zu Reformen und zur Demo- kratisierung in den Ostblockstaaten ermöglichte, die Entstehung antikommunistischer Reformbewegungen in Polen und Ungarn sowie in anderen Staaten und sowjetischen Teilrepubliken als Zeichen des einset- zenden politischen Wandels, wachsende Konflikte zwischen und innerhalb der sozialistischen Staaten in Hin- blick auf die von Gorbatschow angestoßenen Reformen und deren Auswirkungen auf das eigene Land, den Abbau von Sperranlagen an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich Mitte 1989, welcher eine Fluchtbewegung von Bürgern der DDR in den Westen auslöste. 10 2 die politische Entwicklung in der DDR im Jahre 1989, die in Folge der Umbrüche in den östlichen Nachbarstaaten ebenfalls eine Welle von politischer und wirtschaftlicher Unzufriedenheit erfuhr, die schließlich zum Mauerfall und Forderungen nach der Wiedervereinigung führten; er berücksichtigt dabei mindestens drei Punkte, z. B.: die wachsende Unzufriedenheit insbesondere der jugendlichen Bevölkerung der DDR, die aufgrund von Mangelwirtschaft und weiterhin bestehender politi- scher und kultureller Repression sich nach westlichen Waren und kulturellen Wer- ten sehnte, ohne dass ein Einlenken der SED-Führung in Sicht gewesen wäre, die strikte Weigerung der DDR-Führung, trotz der beginnenden Reformen in der Sowjetunion ihr Machtmonopol in Frage zu stellen und mehr persönliche, politi- sche, wirtschaftliche oder kulturelle Freiheiten für die Bevölkerung zu gewähren, 10