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Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2018 in Geschichte-Sozialwissenschaften

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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch!  die Bildung und Ausdehnung einer v. a. durch die Kirchen getragenen Friedens- und 
Protestbewegung, die grundlegende Probleme wie fehlende Demokratie kritisierte 
und bisher vorenthaltene Freiheitsrechte innerhalb einer reformierten DDR forderte, 
 die Formierung von politischen Initiativen – wie hier der Demokratische Aufbruch –, 
die eine Demokratisierung der DDR forderten, 
 die anwachsende Ausreise- bzw. Fluchtbewegung in den Westen, z. T. über andere 
Ostblockstaaten (sog. „Botschaftsflüchtlinge“, Flucht über die geöffnete ungarisch-
österreichische Grenze),  
 die überraschende Öffnung der Grenze in den Westen, den Fall der Mauer am 
9. November 1989, 
 den 10-Punkte-Plan zur Wiedervereinigung durch Bundeskanzler Helmut Kohl 
(28. November 1989), 
 die im Januar 1990 zunächst für den Mai, dann für den März angekündigten ersten 
freien Wahlen der DDR, an denen auch der Demokratische Aufbruch teilnehmen 
würde, 
 die im vorliegenden Text erkennbaren und in der Bevölkerung der DDR manifesten 
Forderungen nach einer raschen deutschen Wiedervereinigung, 
 die im Text erkennbaren Zweifel der Bürgerrechtsbewegungen, ob die DDR nicht 
vielleicht auch mit einer veränderten politischen Ausrichtung noch Bestand haben 
könnte. 
3 arbeitet die politisch demokratische und moderate Position des „Demokratischen Auf-
bruchs“ in Bezug auf die Gegenwart und Zukunft der DDR heraus; er berücksichtigt 
dabei mindestens drei Punkte, z. B.: 
Der „Demokratische Aufbruch“ 
 zeigt sich demokratisch und fortschrittlich und damit als Alternative zur SED bzw. 
zu den bestehenden Blockparteien der DDR, wie etwa in folgendem Zitat erkenn-
bar wird: „Jetzt gilt es, die demokratische Entwicklung in unserem Land, die erst 
am Anfang steht, unumkehrbar zu gestalten“, 
 präsentiert sich anti-sozialistisch, da er die Politik der SED-PDS deutlich ablehnt, 
wie etwa in folgendem Zitat erkennbar wird: Die Diskussion um die deutsche Ein-
heit „bildet einen neuen Riss in unserer Gesellschaft, gefördert durch eine intole-
rante und verantwortungslose Polemik der SED-PDS“, 
 lehnt das Wirtschaftssystemen der DDR ab, wie etwa in folgendem Zitat erkenn-
bar wird: „Unsere ökonomische Situation lässt uns keinen Spielraum für sozialis-
tische Experimente“, 
 zeigt sich aber auch nicht als Anhänger einer radikalen Marktwirtschaft, sondern 
einer sozialen Absicherung, deren Errungenschaften in der DDR beibehalten wer-
den sollen, wie etwa in folgendem Zitat erkennbar wird: „denn nur durch ökono-
mische Leistungsfähigkeit können wir die sozialen Errungenschaften absichern“, 
 will nicht als nationalistisch gelten, wie ihre Ablehnung der Diffamierungskam-
pagne durch die SED-PDS belegt, in der von „undifferenzierte[r] Betrachtung“ 
durch die SED-PDS die Rede ist, 
 ist keinesfalls eine rechtsradikale Partei, da sie derartige Tendenzen verurteilt, 
wie etwa in folgendem Zitat erkennbar wird: „Auch wir verurteilen rechtsradi-
kale, faschistische und chauvinistische Schmierereien und Übergriffe auf das 
Schärfste“, 
 bekennt sich jedoch zu nationalen Zielen, insbesondere der Wiedervereinigung, 
die aber schrittweise und nicht überhastet erfolgen soll, wie etwa in folgendem 
Zitat erkennbar wird: „Wir finden uns mit der Spaltung Deutschlands nicht ab“, 
 erklärt sein ökologisches Interesse in Bezug auf Umwelt- und Naturschutz, wie 
etwa in folgender Forderung erkennbar wird: „Gemeinsame Verantwortung gegen-
über der Natur bzw. der Umwelt“, 
 zeigt sich realistisch in Bezug auf die nötige Akzeptanz der aktuellen europäischen 
Grenzen, wie etwa in folgendem Ziel erkennbar wird: „Abschluss einer Friedens-
ordnung in Europa bei gleichzeitiger Anerkennung aller bestehenden Grenzen“, 12
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch!  belegt eine pazifistische Einstellung, da er die Entmilitarisierung Deutschlands und 
den alliierten Truppenabzug fordert, wie etwa in folgenden Forderungen erkenn-
bar wird: „Abzug aller alliierten Truppen innerhalb einer festzusetzenden Frist“ 
sowie ein „entmilitarisiertes und humanistisches Deutschland“, 
 ist proeuropäisch eingestellt, da er ein geeintes Europa als Ziel angibt, wie etwa in 
folgendem Ziel erkennbar wird: „Deutschland in einem geeinten Europa“. 
4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)  
 
 
Teilaufgabe 3 
 Anforderungen maximal 
erreichbare 
PunktzahlDer Prüfling 
1 vergleicht die hier angestrebte Vorgehensweise mit dem tatsächlichen Prozess der 
Wiedervereinigung bis zum 03. Oktober 1990. Er berücksichtigt dabei 
einerseits die Gemeinsamkeiten zwischen den Forderungen des Demokratischen Auf-
bruchs und dem tatsächlichen Prozess der Wiedervereinigung, z. B. folgende Aspekte: 
 das abschließende Ziel einer Wiedervereinigung Deutschlands, welches in der staat-
lichen Wiedervereinigung am 03. Oktober 1990 realisiert wurde, 
 die Entmachtung der in der Quelle mehrfach für ihre Polemik und Politik kritisier-
ten SED-PDS als alleinregierender Partei („sozialistische Experimente“), welche 
durch die ersten freien Wahlen der DDR am 18. März 1990 tatsächlich erfolgte, 
 die angestrebte „vertragliche Bindung zwischen den deutschen Staaten“ und die 
„Wirtschafts- und Währungsunion“, die in der „Wirtschafts-, Währungs- und Sozial-
union“ (01. Juli) zwischen der BRD und der DDR verwirklicht wurde, 
 der angestrebte „Abschluss einer Friedensordnung in Europa bei gleichzeitiger 
Anerkennung aller Grenzen in Europa“, der im 2+4-Vertrag vom 12. September 
1990 Realität wurde, 
 die Erlangung des „Selbstbestimmungsrecht[s] der Deutschen in der BRD und der 
DDR“, das Kernbestandteil ebenfalls im 2+4-Vertrag war, 
 die „friedliche[n] Festlegungen mit den europäischen Nachbarn“, die im weiterge-
henden europäischen Einigungsprozess schon 1990 zum „Schengen II-Abkommen“, 
also zum Abbau der Grenzkontrollen im Personenverkehr zwischen den beteiligten 
Staaten führten und weitergehend 1992 mit dem Vertrag von Maastricht fortgesetzt 
wurden – welcher bereits im Einigungsprozess mit der grundlegenden Zustimmung 
Kohls zur Einführung einer Gemeinschaftswährung gegenüber Frankreich eine 
Grundlage fand. 
 
andererseits die Unterschiede zwischen den Forderungen des Demokratischen Auf-
bruchs und dem tatsächlichen Prozess der Wiedervereinigung, z. B. folgende Aspekte: 
 der hier geforderte schrittweise Vereinigungsweg über einen Staatenbund zu einem 
Bundesstaat, der keine Umsetzung fand, sondern innerhalb von 9 Monaten über 
die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion (01. Juli) zur Wiedervereinigung am 
03. Oktober führte, 
 der geforderte „Abzug aller alliierten Truppen“, der nicht vor der Wiedervereini-
gung stattfand und auch bis heute aufgrund der Zugehörigkeit zur NATO politisch 
nicht gewünscht ist, 
 die verlangte „Einheit der deutschen Nation in Würde und Gleichberechtigung“, 
die durch den Beitritt der ostdeutschen Länder nach Artikel 23 erfolgte und nicht 
durch eine neu zu schaffende gesamtdeutsche Verfassung (nach Artikel 146) im 
Einigungsvertrag festgelegt wurde, 
 der angestrebte gewisse wirtschaftliche Wohlstand, der vor der Einheit aufgrund 
einer nicht wettbewerbsfähigen Wirtschaft der DDR nur teilweise erreicht wurde. 
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! Orientierung für eine 10 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: 
Der Prüfling gelangt unter Bezugnahme auf den Text zu einer nachvollziehbaren Argu-
mentation, in der insgesamt mindestens zwei Gesichtspunkte aus den beiden Blöcken 
sachgerecht berücksichtigt werden. Die Argumentation enthält keine gravierenden 
sachlichen Fehler. 
Orientierung für eine 20 Gewichtungspunkten entsprechende Lösungsqualität: 
Der Prüfling entwickelt unter vertiefter Bezugnahme auf den Text eine differenzierte 
Argumentation, in der erörternd insgesamt mindestens vier Gesichtspunkte ausgewo-
gen aus den beiden Blöcken sachgerecht berücksichtigt werden. Die Argumentation 
enthält keine sachlichen Fehler. 
2 formuliert ein Fazit, in dem er zeigt, dass es Übereinstimmungen zwischen den im 
Programm des Demokratischen Aufbruchs geäußerten Forderungen und dem Prozess 
und den Folgen der Wiedervereinigung gab, dass es jedoch insbesondere in der Ge-
schwindigkeit des Einigungsprozesses auch deutliche Differenzen gab, die dem Wäh-
lerwillen und der wirtschaftlichen Anziehungskraft des Westens geschuldet waren. 4 
3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)  
 
b) Darstellungsleistung 
 Anforderungen maximal 
erreichbare 
PunktzahlDer Prüfling 
1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich 
dabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 
2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 
3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 
4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 
5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie 
syntaktisch und stilistisch sicher. 4
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit 
Name des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ 
 
Schule: _____________________________________________ 
 
 
Teilaufgabe 1 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK2 ZK DK 
1 benennt den Autor … 2    
2 nennt als Thema … 2    
3 formuliert als Kernaussage … 4    
4 gibt den Gedankengang … 4    
5 gibt die Hauptaussagen …  12    
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 1. Teilaufgabe 24    
 
 
Teilaufgabe 2 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
 ordnet den Text …     
1 den seit Mitte … 10    
2 die politische Entwicklung … 10    
3 arbeitet die politisch … 12    
4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 2. Teilaufgabe 32    
 
                                                 
2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 vergleicht die hier … 20    
2 formuliert ein Fazit … 4    
3 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
…………………………………………………………….. 
……………………………………………………………..     
 Summe 3. Teilaufgabe 24    
 Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80    
 
 
Darstellungsleistung 
 Anforderungen Lösungsqualität 
 Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 strukturiert seinen Text … 5    
2 bezieht beschreibende, deutende … 4    
3 belegt seine Aussagen … 3    
4 formuliert unter Beachtung … 4 
5 schreibt sprachlich richtig … 4    
 Summe Darstellungsleistung 20    
 
 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100    
 aus der Punktsumme resultierende Note gemäß nach-
folgender Tabelle     
 Note ggf. unter Absenkung um bis zu zwei Notenpunkte 
gemäß § 17 Abs. 5 APO-WbK     
      
 Paraphe     
 
Berechnung der Endnote nach Anlage 4 der Abiturverfügung auf der Grundlage von § 52 APO-WbK 
 
Die Klausur wird abschließend mit der Note ________________________ (____ Punkte) bewertet. 
 
 
Unterschrift, Datum:
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Abiturprüfung 2018 – Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) 
Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: 
 
Note Punkte Erreichte Punktzahl 
sehr gut plus 15 100 – 95 
sehr gut 14 94 – 90 
sehr gut minus 13 89 – 85
gut plus 12 84 – 80 
gut 11 79 – 75 
gut minus 10 74 – 70 
befriedigend plus 9 69 – 65 
befriedigend 8 64 – 60 
befriedigend minus 7 59 – 55 
ausreichend plus 6 54 – 50 
ausreichend 5 49 – 45 
ausreichend minus 4 44 – 40 
mangelhaft plus 3 39 – 33 
mangelhaft 2 32 – 27 
mangelhaft minus 1 26 – 20 
ungenügend 0 19 – 0
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