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Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2011 in Geschichte-Sozialwissenschaften
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 Seite 8 von 9 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 Anforderungen Lösungsqualität Der Prüflingmaximal erreichbare Punktzahl EK ZK DK 1 diskutiert aus unterschiedlichen … 10 2 diskutiert aus unterschiedlichen … 10 3 formuliert ein Fazit … 4 4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) …………………………………………………………….. …………………………………………………………….. Summe 3. Teilaufgabe 24 Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80 Darstellungsleistung Anforderungen Lösungsqualität Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl EK ZK DK 1 strukturiert seinen Text … 5 2 bezieht beschreibende, deutende … 4 3 belegt seine Aussagen … 3 4 formuliert unter Beachtung … 4 5 schreibt sprachlich richtig … 4 Summe Darstellungsleistung 20 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100 aus der Punktsumme resultierende Note Note ggf. unter Absenkung um ein bis zwei Noten punkte gemäß § 17 Abs. 5 APOWbK Paraphe ggf. arithmetisches Mittel der Punktsummen aus EK und ZK: ___________ ggf. arithmetisches Mittel der Notenurteile aus EK und ZK: _____________ Die Klausur wird abschließend mit der Note: ________________________ (____ Punkte) bewertet. Unterschrift, Datum:
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 1 W2 Seite 9 von 9 Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: Note Punkte Erreichte Punktzahl sehr gut plus 15 100 – 95 sehr gut 14 94 – 90 sehr gut minus 13 89 – 85 gut plus 12 84 – 80 gut 11 79 – 75 gut minus 10 74 – 70 befriedigend plus 9 69 – 65 befriedigend 8 64 – 60 befriedigend minus 7 59 – 55 ausreichend plus 6 54 – 50 ausreichend 5 49 – 45 ausreichend minus 4 44 – 39 mangelhaft plus 3 38 – 33 mangelhaft 2 32 – 27 mangelhaft minus 1 26 – 20 ungenügend 0 19 – 0
GS LK HT 2 W2 Seite 1 von 4 Name: _______________________ Nur für den Dienstgebrauch! Abiturprüfung 2011 Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs Aufgabenstellung: 1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu riert wieder. (20 Punkte) 2. Erläutern Sie wesentliche Hintergründe, deren Kenntnis für eine Auseinandersetzung mit den Ausführungen des Autors zu Ursachen und Ausgestaltung der mit der national sozialistischen Machtübernahme einhergehenden Veränderungen 1933 erforderlich ist. (36 Punkte) 3. Setzen Sie sich mit den Einschätzungen des Autors zu Ursachen und Rechtmäßigkeit der „nationalen Regeneration“ sowie mit seinen Aussagen zur Rolle von Kommunisten und Juden umfassend auseinander. (24 Punkte) Materialgrundlage: • Hans Wahl: Memorandum über die gegenwärtige Lage in Deutschland, insbesondere über die Judenfrage, 7. Juni 1933. In: Armin Boyens: Kirchenkampf und Ökumene 1933 – 1939. Darstellung und Dokumente. München 1969, S. 299 ff. Zugelassene Hilfsmittel: • Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung • Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist
GS LK HT 2 W2 Seite 2 von 4 Name: _______________________ Nur für den Dienstgebrauch! Das folgende Memorandum1 wurde als Antwort auf verschiedene Schreiben von kirchlichen Organisationen und einzelnen Personen aus dem Ausland zur Situation der Juden in Deutsch land am 7. Juni 1933 vom evangelischen Kirchenbundesamt versandt. Autor des Textes ist der Oberkonsistorialrat Hans Wahl. Ein Oberkonsistorialrat übernimmt in einem Konsistorium, einer Verwaltungsbehörde der evangelischen Kirche, kirchenleitende Aufgaben. Was sich in den letzten Monaten in Deutschland vollzogen hat und noch vollzieht, ist eine Revolution oder besser noch eine nationale Regeneration von tiefster und weitester innerer Auswirkung. Die Bildung der Regierung und der Ausbau ihrer Machtstellung haben sich freilich nicht im Wege der Gewalt, sondern im Rahmen der Verfassung und mit den Mitteln der Mehrheitsentscheidung, der Wahl und Abstimmung vollzogen. Die Gesetze werden auf 5 Grund einer Ermächtigung erlassen, die eine 2/3 Mehrheit des verfassungsmäßig gewählten Reichstages der Regierung auf 4 Jahre erteilt hat. Aber auf Grund dieser Ermächtigung will die Regierung an die Stelle des Alten in Staat und Wirtschaft etwas in vieler Hinsicht grund sätzlich Neues setzen. Wie jede politische Umwälzung, so formt auch die deutsche Revolution von 1933 auf vielen Gebieten neue Vorstellungen von dem, was für das Wohl des Volkes 10 und für die Erhaltung seines Lebens notwendig und gut ist. […] Die Mischung der liberalen und marxistischen Ideen, die der Verfassung des NachkriegsDeutschlands ihren Stempel aufgedrückt hat, hat sich für das Verfassungs und Volksleben nicht als fruchtbar erwiesen. Sie hat es vor allem nicht vermocht, die gefährlichen sozialen und politischen Gegensätze, die im deutschen Volk seit langer Zeit vorhanden waren, auszugleichen. Diese Not ist die 15 letzte Ursache der nationalsozialistischen Bewegung einerseits, und andererseits erwächst aus ihr ihre Aufgabe. Dies ist der Angelpunkt für das Verständnis des heutigen Geschehens in Deutschland. Von hier aus müssen daher auch die Einzelheiten bewertet werden. […] Das deutsche Volk kämpft seit jetzt beinahe 2 Jahrzehnten um sein Leben. Die Regierung will in einer großen organisatorischen und geistigen Anstrengung in Staat, Wirtschaft und 20 Kultur die verfallende Ordnung unseres Volkslebens wieder zu einem kraftvollen Organis mus gestalten. Zucht und Ordnung, Sparsamkeit und Fleiß, sozialer Frieden und Pflege der nationalen Kulturgüter des deutschen Volkes sind Mittel und Ziel dieses Weges zugleich. Die erhoffte endliche Konsolidierung2 der Verhältnisse in Deutschland wird auch für die Weltpolitik, für die Erhaltung des Friedens – freilich nicht ohne kluge und im Geiste der 25 Gerechtigkeit betätigte Handhabung der internationalen Probleme durch das Ausland – von großer und positiver Bedeutung werden. Bekanntlich ist eine starke Regierung meist eine bessere Garantie für den Frieden als eine schwache, die allen möglichen unkontrollierbaren Einflüssen ausgesetzt ist. […] Als eine ihrer Hauptaufgaben im Innern hat die Regierung naturgemäß die geistige und poli30 tische Überwindung des Marxismus besonders in der Form des Kommunismus erkannt, der in Deutschland – wie übrigens auch in anderen Ländern – eine unmittelbare, den Staat und die Kirchen bedrohende Stärke erreicht hatte. Dabei sind selbstverständlich einzelne von der Staatsgewalt ergriffene Maßregeln nicht frei von Härten. […] 1 Denkschrift 2 Festigung, Sicherung
GS LK HT 2 W2 Seite 3 von 4 Name: _______________________ Nur für den Dienstgebrauch! Der Versuch einer gewaltsamen Aufrichtung der kommunistischen Diktatur schien auf 35 dem Wege der Verwirklichung. Es braucht nicht ausführlich dargelegt zu werden, welches Schicksal die Kirche bei dem fanatischen Haß des Kommunismus gegen Religion und Kirche im Falle eines Sieges des Kommunismus gefunden haben würde. Der Standpunkt der Reichs regierung, daß sie durch Übernahme der Regierung am 30. Januar 1933 eine in sicherer Aus sicht stehende Katastrophe verhindert habe, wird auch von den Kirchen geteilt. 40 Für einen so machtvollen Umschwung der Dinge, wie wir ihn erlebt haben, wird das Gesamt urteil eines disziplinierten Verlaufs geschichtlich bestehen. Wie bei der Wucht dieser Revo lution und der tiefgehenden Erregung der Bevölkerung aber nur natürlich ist, sind einzelne Gewaltakte – auch gegen Juden, aber nicht allein oder vorzugsweise gegen diese – vorge kommen, die nicht nur von den Kirchen, sondern auch von der Regierung mißbilligt und 45 bedauert werden. Doch sie stehen in keinem Verhältnis zu den grausamen und schmachvollen Vorgängen der Revolution von 1918, die allerdings von der christlichen Welt seinerzeit nicht beachtet worden sind. Im großen und ganzen kann bezeugt werden, daß die Bevölkerung eine Disziplin bewahrt hat, wie sie wohl selten bei einer Staatsumwälzung bewiesen worden ist. […] 50 Die Judenfrage ist in Deutschland kein eigentliches Nachkriegsproblem, wenngleich sie die für die heutige Zeit charakteristische Zuspitzung erst nach dem Kriege unter der Einwirkung der deutschen Revolution von 1918 einerseits und des Versailler Vertrages andererseits erfah ren hat. Weite Schichten des Volkes empfanden die Haltung mancher jüdischer Kreise im Kriege und insbesondere unmittelbar nach dem Kriege gegenüber dem Lebenskampf unseres 55 Volkes als zweideutig oder gar als feindlich. Hinzu kam, daß die Juden seit dem Umsturz von 1918 dank ihrer guten Beziehungen zu den marxistischen Parteien eine unverhältnismäßig große Zahl von öffentlichen Ämtern und anderen Stellen errangen, die für das öffentliche Leben bedeutsam sind. (Hierbei sei eingeschaltet, daß die Parlamentsabgeordneten der marxis tischen Parteien allergrößtenteils aus der Kirche ausgetreten waren und diese Parteien zu den 60 Organisationen der Freidenker enge Beziehungen und zahlreiche Personalverbindungen besaßen). Dazu kam weiterhin, daß die Regierungen seit 1918 die Ostgrenzen für die jüdische Einwanderung weit öffneten und zahllose kulturell minderwertige Ostjuden sich in Deutsch land niederlassen konnten oder gar das deutsche Bürgerrecht erhielten. Hand in Hand damit ging das jüdische Vordringen in Wissenschaft, Presse und Literatur, in Theater und Film, 65 während vielfach deutsche Gelehrte und Künstler in den Hintergrund gedrängt wurden. […] Nicht nur das Bewußtsein von dem prozentualen Mißverhältnis zwischen der Gesamtzahl der Juden in Deutschland und der Zahl der von ihnen innegehabten bedeutenden Stellen förderte die Erregung im Volke; vielmehr drang im Volke die Erkenntnis durch, daß der jüdische Geist besonders in Literatur, Theater und Film christliche Religion und Sitte, Familienleben 70 und Volkstum, schließlich alle die Bindungen untergrub, ohne die eine Erhaltung des Volks tums und des Staates nicht möglich ist. Nicht deutlich genug kann insbesondere die Bedro hung der christlichen Kultur betont werden, die sich hier unter dem Schutze der Geistesfreiheit vollzog. […]
GS LK HT 2 W2 Seite 4 von 4 Name: _______________________ Nur für den Dienstgebrauch! All dies hat nicht nur den im Volke latent3 vorhandenen antisemitischen Stimmungen zum 75 Durchbruch verholfen, sondern zwang auch den ruhiger Denkenden zu der Einsicht, daß etwas geschehen müsse zur Abwehr der unserem Volkstum je länger desto mehr drohenden Gefahr. […] Zusammenfassend sei festgestellt, daß es sich gegenwärtig in Deutschland nicht um eine „Judenverfolgung“ mit dem Ziel wirtschaftlicher und persönlicher Vernichtung handelt, 80 vielmehr, abgesehen von dem Boykott, der als einmaliger Akt und als Abwehrmaßnahme anzusehen ist, im wesentlichen um eine gesetzliche Reduzierung des nach dem Weltkriege übermäßig gewordenen Anteils des jüdischen Elements an öffentlichen oder öffentlich bedeut samen Stellungen. Trotz dieser Reduzierung dürfte aber nicht überall der dem Bevölkerungs verhältnis entsprechende Anteil hergestellt werden. Die Maßregel zeigt prinzipiell den Cha85 rakter einer Schutzmaßnahme zur Sicherung des deutschen Volkes. Ein Kampf gegen die jüdische Religion oder die freie Ausübung des jüdischen Kults findet überhaupt nicht statt. […] (Rechtschreibung, Zeichensetzung und Hervorhebungen entsprechen der Vorlage.) 3 versteckt, nicht offenkundig
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 Seite 1 von 11 Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft Abiturprüfung 2011 Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 1. Aufgabenart Bearbeitung einer Quelle mit gegliederter Aufgabenstellung 2. Aufgabenstellung1 1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu riert wieder. (20 Punkte) 2. Erläutern Sie wesentliche Hintergründe, deren Kenntnis für eine Auseinandersetzung mit den Ausführungen des Autors zu Ursachen und Ausgestaltung der mit der national sozialistischen Machtübernahme einhergehenden Veränderungen 1933 erforderlich ist. (36 Punkte) 3. Setzen Sie sich mit den Einschätzungen des Autors zu Ursachen und Rechtmäßigkeit der „nationalen Regeneration“ sowie mit seinen Aussagen zur Rolle von Kommunisten und Juden umfassend auseinander. (24 Punkte) 3. Materialgrundlage • Hans Wahl: Memorandum über die gegenwärtige Lage in Deutschland, insbesondere über die Judenfrage, 7. Juni 1933. In: Armin Boyens: Kirchenkampf und Ökumene 1933 – 1939. Darstellung und Dokumente. München 1969, S. 299 ff. 4. Bezüge zu den Vorgaben 2011 1. Inhaltliche Schwerpunkte • Macht und Herrschaftsstrukturen am Ende des Rechts und Verfassungsstaates in Deutschland 1933/34 � Das Scheitern der Weimarer Republik (politische, ökonomische, gesellschaftliche Ursachen) � Machtübernahme der Nationalsozialisten (Aufbau und Organisation des Führer staates, Gleichschaltung, Rassenpolitik) � Anpassung und Widerstand 2. Medien/Materialien •entfällt 1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 Seite 2 von 11 Nur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel • Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung • Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist 6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen Teilleistungen – Kriterien a) inhaltliche Leistung Teilaufgabe 1 Anforderungen Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl 1 nennt den Autor (Oberkonsistorialrat Hans Wahl), die Form der Quelle (Denkschrift/ Memorandum), den Zeitpunkt des Erscheinens (07.06.1933), die Adressaten (ver schiedene Kirchen, kirchliche Stellen und Personen im Ausland) und die Quellenart (Primärquelle). 2 2 nennt als Thema des Textes in etwa: Die Beurteilung der aktuellen politischen Lage und der gesellschaftlichen Rolle von Kommunisten und Juden in Deutschland. 2 3 formuliert als Kernaussage des Autors, dass Deutschland sich nach der Machtüber nahme der Nationalsozialisten auf einem guten, die Belastungen aus der Weimarer Republik überwindenden Weg befinde, vor allem weil die nationalsozialistische Regie rung dabei sei, die vom Kommunismus und vom Judentum ausgehenden Bedrohungen abzubauen. 2 4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative Funktion der Hauptaussagen verdeutlichen, sinngemäß in folgender Weise wieder: Wahl • begrüßt die nationalsozialistische Machtergreifung als gewaltlose, auf legalem Vorgehen basierende Revolution im positiven Sinne, • bewertet die Strukturen der Weimarer Republik überwiegend als gefährlich und sieht in diesen Gefahren die wesentliche Ursache für die Notwendigkeit einer innen und außenpolitische Verbesserung der deutschen Lage durch die national sozialistische Regierung auf der Basis der Wiederbelebung konservativer Werte, • befürwortet (auch gewalttätige) Maßnahmen gegen Kommunisten als notwendig und begründet dies mit der Behauptung, von ihnen gehe eine große Gefahr für Staat und Kirche aus, • behauptet eine fortlaufende Zuspitzung der schon vorher virulenten Judenfrage mit Beginn der Weimarer Republik, • bilanziert, dass die Juden eine Gefahr für das deutsche Volk darstellen würden, und begründet dies u. a. mit ihrem unverhältnismäßig hohen Anteil an der Aus übung öffentlicher Ämter, • betont zusammenfassend, dass eine Judenverfolgung gegenwärtig nicht stattfinde und rechtfertigt Boykottmaßnahmen mit der notwendigen Reduzierung des zu großen Anteils der Juden an öffentlich bedeutsamen Stellen. 4
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 Seite 3 von 11 Nur für den Dienstgebrauch! 5 gibt (in Verbindung mit dem Gedankengang) die Hauptaussagen des Textes struktu riert wieder: • In Deutschland vollziehe sich seit dem 30.01.1933 eine Revolution bzw. eine nationale Regeneration im positiven Sinne. Dabei seien die Machtergreifung und die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes mit einer Zweidrittelmehrheit auf legalem Weg erfolgt. • Die durch liberalmarxistische Ideen gekennzeichnete Weimarer Verfassung habe nicht zu positiven Entwicklungen für das Volk geführt und Gegensätze nicht aus gleichen können. Die Ursache der nationalsozialistischen Bewegung liege in der Notwendigkeit der Überwindung dieser Schwächen. Nach zwei Jahrzehnten des Verfalls werde der nationalsozialistischen Regierung durch Wiederbelebung alter Tugenden wie Zucht und Ordnung die Konsolidierung der Verhältnisse im Inneren und damit auch eine starke und friedliche Weltpolitik gelingen. • Der Regierung sei die Überwindung des Kommunismus, der eine massive Gefahr für Kirche und Staat darstelle, gelungen. Auch wenn bedauerliche Gewaltakte gegenüber politischen Gegnern vorgekommen seien, so sei das Vorgehen insge samt zu begrüßen und im Sinne der Kirchen erfolgt. • Besonders seit dem ersten Weltkrieg seien die Juden aus verschiedenen Gründen für das deutsche Volk bedrohlich: � Die Haltung der Juden im Krieg und nach Kriegsende sei von vielen Deutschen als feindlich empfunden worden. � Aufgrund ihrer Beziehungen zu marxistischen Parteien würden unverhältnis mäßig viele Juden öffentliche Ämter bekleiden. � Zu viele „kulturell minderwertige Ostjuden“ seien nach Deutschland eingewan dert und hätten das Bürgerrecht erhalten. � In Wissenschaft und Kultur hätten Juden deutsche Gelehrte und Künstler in den Hintergrund gedrängt. • Die überproportionale Präsenz der Juden stelle eine drohende Gefahr für das deut sche Volkstum und die christliche Kultur dar, welche abgewehrt werden müsse. • Eine „Judenverfolgung“ mit dem Ziel einer wirtschaftlichen und persönlichen Ver nichtung der Juden finde gegenwärtig nicht statt, sondern lediglich eine gesetzliche Reduzierung des übermäßigen Anteils der Juden an bedeutsamen öffentlichen Ämtern, ohne dass die Freiheit der jüdischen Religionsausübung dadurch beein trächtigt werde. 10 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 2 W2 Seite 4 von 11 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 2 Anforderungen Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl erläutert wesentliche Hintergründe, deren Kenntnis für eine Auseinandersetzung mit den Ausführungen des Autors zu Ursachen und Ausgestaltung der mit der national sozialistischen Machtübernahme einhergehenden Veränderungen 1933 erforderlich ist; er stellt mit folgenden Punkten einen Zusammenhang her: 1 mit wesentlichen Kennzeichen der Weimarer Republik, da nach Wahls Auffassung in den von ihren Strukturen ausgehenden negativen Entwicklungen eine wesentliche Ursache der nationalsozialistischen Bewegung liege; er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.: • den Versuch einer Verankerung liberaler und pluralistischer Grundsätze nach dem Ersten Weltkrieg im Zuge der Ablösung des autoritär strukturierten Kaiserreichs durch eine neue, Meinungsvielfalt zulassende Staatsform, wie z. B. die Repräsen tanz eines breiten Meinungsspektrums im Reichstag durch die Wahl der Abgeord neten nach dem Verhältniswahlrecht zeigt, • die Inkraftsetzung einer demokratischen Verfassung mit Gewaltenteilung und Wahl aller politischen Funktionsträger durch Männer und Frauen als zentralen Elementen der Machtkontrolle, • die Tatsache, dass es den Politikern in der Weimarer Republik gelungen ist, trotz der äußerst schwierigen Situation nach der Niederlage im 1. Weltkrieg eine wirtschaft liche und gesellschaftliche Stabilisierung zwischen 1924 und 1929 zu erreichen, • die Tatsache, dass die Bildung tragfähiger Mehrheiten allerdings schwierig war, weil der Staat auch solchen Parteien und Verbänden gegenüber Toleranz zeigte, die nicht auf dem Boden der demokratischen Verfassung standen, • die Tatsache, dass sich im Zuge der gesellschaftlichen Liberalisierung in den „goldenen Zwanzigern“ besonders im großstädtischen Milieu eine kulturelle Vielfalt entwickeln konnte, die u. a. traditionelle Vorstellungen von „Zucht und Ordnung“ in Frage stellte, • die Tatsache, dass es den Politikern der Weimarer Republik trotz der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg gelungen ist, durch eine diplomatische Außen politik in die Völkergemeinschaft zurückzukehren und auf dem Verhandlungs wege eine deutliche Reduzierung der ursprünglich geforderten Reparationsforde rungen zu erreichen, • die Tatsache, dass die Umsetzung der in der Weimarer Verfassung verankerten demokratischen und liberalen Grundsätze u. a. durch das Weiterwirken monarchis tischer Traditionen aus dem Kaiserreich sowie durch antidemokratische und anti semitische Strömungen stark beeinträchtigt worden ist. 8