GS11_x_L_HT_W2

Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2011 in Geschichte-Sozialwissenschaften

/ 41
PDF herunterladen
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW  GS LK HT 1 W2 
    Seite 8 von 9 
Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 
Anforderungen Lösungsqualität
Der Prüflingmaximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK
1 diskutiert aus unterschiedlichen …  10      
2 diskutiert aus unterschiedlichen …  10      
3 formuliert ein Fazit … 4      
4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4)
…………………………………………………………….. ……………………………………………………………..        
 Summe 3. Teilaufgabe  24      
 Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80      
 
 
Darstellungsleistung 
 Anforderungen  Lösungsqualität 
  Der Prüfling maximal
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 strukturiert seinen Text …  5       
2 bezieht beschreibende, deutende …  4 
3 belegt seine Aussagen …  3 
4 formuliert unter Beachtung …  4       
5 schreibt sprachlich richtig …  4       
 Summe Darstellungsleistung  20       
 
 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100       
 aus der Punktsumme resultierende Note          
 Note ggf. unter Absenkung um ein bis zwei Noten­
punkte gemäß § 17 Abs. 5 APO­WbK        
          
 Paraphe         
 
ggf. arithmetisches Mittel der Punktsummen aus EK und ZK: ___________ 
 
ggf. arithmetisches Mittel der Notenurteile aus EK und ZK: _____________ 
 
Die Klausur wird abschließend mit der Note: ________________________ (____ Punkte) bewertet. 
 
 
Unterschrift, Datum:
11

Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW  GS LK HT 1 W2 
    Seite 9 von 9 
Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) 
Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: 
 
Note Punkte Erreichte Punktzahl 
sehr gut plus 15 100 – 95 
sehr gut 14 94 – 90 
sehr gut minus 13 89 – 85 
gut plus 12 84 – 80 
gut 11 79 – 75 
gut minus 10 74 – 70 
befriedigend plus 9 69 – 65 
befriedigend 8 64 – 60 
befriedigend minus 7 59 – 55 
ausreichend plus 6 54 – 50 
ausreichend 5 49 – 45 
ausreichend minus 4 44 – 39 
mangelhaft plus 3 38 – 33 
mangelhaft 2 32 – 27 
mangelhaft minus 1 26 – 20 
ungenügend 0 19 – 0
12

GS LK HT 2 W2 
      Seite 1 von 4 
 
 
 
Name: _______________________ 
 
 
Nur für den Dienstgebrauch! 
 
 
 
Abiturprüfung 2011 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 
Aufgabenstellung: 
 
1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu­
riert wieder.  (20 Punkte)  
2. Erläutern Sie wesentliche Hintergründe, deren Kenntnis für eine Auseinandersetzung 
mit den Ausführungen des Autors zu Ursachen und Ausgestaltung der mit der national­
sozialistischen Machtübernahme einhergehenden Veränderungen 1933 erforderlich ist.
  (36 Punkte)  
3. Setzen Sie sich mit den Einschätzungen des Autors zu Ursachen und Rechtmäßigkeit 
der „nationalen Regeneration“ sowie mit seinen Aussagen zur Rolle von Kommunisten 
und Juden umfassend auseinander.  (24 Punkte)  
 
Materialgrundlage: 
 
• Hans Wahl: Memorandum über die gegenwärtige Lage in Deutschland, insbesondere über 
die Judenfrage, 7. Juni 1933. In: Armin Boyens: Kirchenkampf und Ökumene 1933 – 1939. 
Darstellung und Dokumente. München 1969, S. 299 ff. 
 
 
Zugelassene Hilfsmittel: 
 
• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 
• Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist
13

GS LK HT 2 W2 
      Seite 2 von 4 
 
 
 
Name: _______________________ 
 
 
Nur für den Dienstgebrauch! 
 
Das folgende Memorandum1 wurde als Antwort auf verschiedene Schreiben von kirchlichen 
Organisationen und einzelnen Personen aus dem Ausland zur Situation der Juden in Deutsch­
land am 7. Juni 1933 vom evangelischen Kirchenbundesamt versandt. Autor des Textes ist der 
Oberkonsistorialrat Hans Wahl. Ein Oberkonsistorialrat übernimmt in einem Konsistorium, 
einer Verwaltungsbehörde der evangelischen Kirche, kirchenleitende Aufgaben. 
 
Was sich in den letzten Monaten in Deutschland vollzogen hat und noch vollzieht, ist eine 
Revolution oder besser noch eine nationale Regeneration von tiefster und weitester innerer 
Auswirkung. Die Bildung der Regierung und der Ausbau ihrer Machtstellung haben sich 
freilich nicht im Wege der Gewalt, sondern im Rahmen der Verfassung und mit den Mitteln 
der Mehrheitsentscheidung, der Wahl und Abstimmung vollzogen. Die Gesetze werden auf 5 
Grund einer Ermächtigung erlassen, die eine 2/3 Mehrheit des verfassungsmäßig gewählten 
Reichstages der Regierung auf 4 Jahre erteilt hat. Aber auf Grund dieser Ermächtigung will 
die Regierung an die Stelle des Alten in Staat und Wirtschaft etwas in vieler Hinsicht grund­
sätzlich Neues setzen. Wie jede politische Umwälzung, so formt auch die deutsche Revolution 
von 1933 auf vielen Gebieten neue Vorstellungen von dem, was für das Wohl des Volkes 10 
und für die Erhaltung seines Lebens notwendig und gut ist. […] Die Mischung der liberalen 
und marxistischen Ideen, die der Verfassung des Nachkriegs­Deutschlands ihren Stempel 
aufgedrückt hat, hat sich für das Verfassungs­ und Volksleben nicht als fruchtbar erwiesen. 
Sie hat es vor allem nicht vermocht, die gefährlichen sozialen und politischen Gegensätze, 
die im deutschen Volk seit langer Zeit vorhanden waren, auszugleichen. Diese Not ist die 15 
letzte Ursache der nationalsozialistischen Bewegung einerseits, und andererseits erwächst 
aus ihr ihre Aufgabe. Dies ist der Angelpunkt für das Verständnis des heutigen Geschehens 
in Deutschland. Von hier aus müssen daher auch die Einzelheiten bewertet werden. […] 
Das deutsche Volk kämpft seit jetzt beinahe 2 Jahrzehnten um sein Leben. Die Regierung 
will in einer großen organisatorischen und geistigen Anstrengung in Staat, Wirtschaft und 20 
Kultur die verfallende Ordnung unseres Volkslebens wieder zu einem kraftvollen Organis­
mus gestalten. Zucht und Ordnung, Sparsamkeit und Fleiß, sozialer Frieden und Pflege der 
nationalen Kulturgüter des deutschen Volkes sind Mittel und Ziel dieses Weges zugleich. 
Die erhoffte endliche Konsolidierung2 der Verhältnisse in Deutschland wird auch für die 
Weltpolitik, für die Erhaltung des Friedens – freilich nicht ohne kluge und im Geiste der 25 
Gerechtigkeit betätigte Handhabung der internationalen Probleme durch das Ausland – von 
großer und positiver Bedeutung werden. Bekanntlich ist eine starke Regierung meist eine 
bessere Garantie für den Frieden als eine schwache, die allen möglichen unkontrollierbaren 
Einflüssen ausgesetzt ist. […] 
Als eine ihrer Hauptaufgaben im Innern hat die Regierung naturgemäß die geistige und poli­30 
tische Überwindung des Marxismus besonders in der Form des Kommunismus erkannt, der 
in Deutschland – wie übrigens auch in anderen Ländern – eine unmittelbare, den Staat und 
die Kirchen bedrohende Stärke erreicht hatte. Dabei sind selbstverständlich einzelne von der 
Staatsgewalt ergriffene Maßregeln nicht frei von Härten. […] 
                                                  
1 Denkschrift 
2 Festigung, Sicherung
14

GS LK HT 2 W2 
      Seite 3 von 4 
 
 
 
Name: _______________________ 
 
 
Nur für den Dienstgebrauch! 
Der Versuch einer gewaltsamen Aufrichtung der kommunistischen Diktatur schien auf 35 
dem Wege der Verwirklichung. Es braucht nicht ausführlich dargelegt zu werden, welches 
Schicksal die Kirche bei dem fanatischen Haß des Kommunismus gegen Religion und Kirche 
im Falle eines Sieges des Kommunismus gefunden haben würde. Der Standpunkt der Reichs­
regierung, daß sie durch Übernahme der Regierung am 30. Januar 1933 eine in sicherer Aus­
sicht stehende Katastrophe verhindert habe, wird auch von den Kirchen geteilt. 40 
Für einen so machtvollen Umschwung der Dinge, wie wir ihn erlebt haben, wird das Gesamt­
urteil eines disziplinierten Verlaufs geschichtlich bestehen. Wie bei der Wucht dieser Revo­
lution und der tiefgehenden Erregung der Bevölkerung aber nur natürlich ist, sind einzelne 
Gewaltakte – auch gegen Juden, aber nicht allein oder vorzugsweise gegen diese – vorge­
kommen, die nicht nur von den Kirchen, sondern auch von der Regierung mißbilligt und 45 
bedauert werden. Doch sie stehen in keinem Verhältnis zu den grausamen und schmachvollen 
Vorgängen der Revolution von 1918, die allerdings von der christlichen Welt seinerzeit nicht 
beachtet worden sind. Im großen und ganzen kann bezeugt werden, daß die Bevölkerung eine 
Disziplin bewahrt hat, wie sie wohl selten bei einer Staatsumwälzung bewiesen worden ist. 
[…] 50 
Die Judenfrage ist in Deutschland kein eigentliches Nachkriegsproblem, wenngleich sie die 
für die heutige Zeit charakteristische Zuspitzung erst nach dem Kriege unter der Einwirkung 
der deutschen Revolution von 1918 einerseits und des Versailler Vertrages andererseits erfah­
ren hat. Weite Schichten des Volkes empfanden die Haltung mancher jüdischer Kreise im 
Kriege und insbesondere unmittelbar nach dem Kriege gegenüber dem Lebenskampf unseres 55 
Volkes als zweideutig oder gar als feindlich. Hinzu kam, daß die Juden seit dem Umsturz von 
1918 dank ihrer guten Beziehungen zu den marxistischen Parteien eine unverhältnismäßig 
große Zahl von öffentlichen Ämtern und anderen Stellen errangen, die für das öffentliche 
Leben bedeutsam sind. (Hierbei sei eingeschaltet, daß die Parlamentsabgeordneten der marxis­
tischen Parteien allergrößtenteils aus der Kirche ausgetreten waren und diese Parteien zu den 60 
Organisationen der Freidenker enge Beziehungen und zahlreiche Personalverbindungen 
besaßen). Dazu kam weiterhin, daß die Regierungen seit 1918 die Ostgrenzen für die jüdische 
Einwanderung weit öffneten und zahllose kulturell minderwertige Ostjuden sich in Deutsch­
land niederlassen konnten oder gar das deutsche Bürgerrecht erhielten. Hand in Hand damit 
ging das jüdische Vordringen in Wissenschaft, Presse und Literatur, in Theater und Film, 65 
während vielfach deutsche Gelehrte und Künstler in den Hintergrund gedrängt wurden. […] 
Nicht nur das Bewußtsein von dem prozentualen Mißverhältnis zwischen der Gesamtzahl der 
Juden in Deutschland und der Zahl der von ihnen innegehabten bedeutenden Stellen förderte 
die Erregung im Volke; vielmehr drang im Volke die Erkenntnis durch, daß der jüdische 
Geist besonders in Literatur, Theater und Film christliche Religion und Sitte, Familienleben 70 
und Volkstum, schließlich alle die Bindungen untergrub, ohne die eine Erhaltung des Volks­
tums und des Staates nicht möglich ist. Nicht deutlich genug kann insbesondere die Bedro­
hung der christlichen Kultur betont werden, die sich hier unter dem Schutze der Geistesfreiheit 
vollzog. […]
15

GS LK HT 2 W2 
      Seite 4 von 4 
 
 
 
Name: _______________________ 
 
 
Nur für den Dienstgebrauch! 
All dies hat nicht nur den im Volke latent3 vorhandenen antisemitischen Stimmungen zum  75 
Durchbruch verholfen, sondern zwang auch den ruhiger Denkenden zu der Einsicht, daß 
etwas geschehen müsse zur Abwehr der unserem Volkstum je länger desto mehr drohenden 
Gefahr. […] 
Zusammenfassend sei festgestellt, daß es sich gegenwärtig in Deutschland nicht um eine 
„Judenverfolgung“ mit dem Ziel wirtschaftlicher und persönlicher Vernichtung handelt, 80 
vielmehr, abgesehen von dem Boykott, der als einmaliger Akt und als Abwehrmaßnahme 
anzusehen ist, im wesentlichen um eine gesetzliche Reduzierung des nach dem Weltkriege 
übermäßig gewordenen Anteils des jüdischen Elements an öffentlichen oder öffentlich bedeut­
samen Stellungen. Trotz dieser Reduzierung dürfte aber nicht überall der dem Bevölkerungs­
verhältnis entsprechende Anteil hergestellt werden. Die Maßregel zeigt prinzipiell den Cha­85 
rakter einer Schutzmaßnahme zur Sicherung des deutschen Volkes. Ein Kampf gegen die 
jüdische Religion oder die freie Ausübung des jüdischen Kults findet überhaupt nicht statt. 
[…] 
 
(Rechtschreibung, Zeichensetzung und Hervorhebungen entsprechen der Vorlage.) 
 
                                                  
3 versteckt, nicht offenkundig
16

Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW  GS LK HT 2 W2 
    Seite 1 von 11 
Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft 
Abiturprüfung 2011 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 
1. Aufgabenart 
Bearbeitung einer Quelle mit gegliederter Aufgabenstellung 
 
 
2. Aufgabenstellung1 
1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu­
riert wieder.  (20 Punkte)  
2. Erläutern Sie wesentliche Hintergründe, deren Kenntnis für eine Auseinandersetzung 
mit den Ausführungen des Autors zu Ursachen und Ausgestaltung der mit der national­
sozialistischen Machtübernahme einhergehenden Veränderungen 1933 erforderlich ist.
  (36 Punkte)  
3. Setzen Sie sich mit den Einschätzungen des Autors zu Ursachen und Rechtmäßigkeit 
der „nationalen Regeneration“ sowie mit seinen Aussagen zur Rolle von Kommunisten 
und Juden umfassend auseinander.  (24 Punkte)  
 
3. Materialgrundlage 
• Hans Wahl: Memorandum über die gegenwärtige Lage in Deutschland, insbesondere über 
die Judenfrage, 7. Juni 1933. In: Armin Boyens: Kirchenkampf und Ökumene 1933 – 1939. 
Darstellung und Dokumente. München 1969, S. 299 ff. 
 
 
4. Bezüge zu den Vorgaben 2011 
1. Inhaltliche Schwerpunkte 
• Macht­ und Herrschaftsstrukturen am Ende des Rechts­ und Verfassungsstaates in 
Deutschland 1933/34 
� Das Scheitern der Weimarer Republik (politische, ökonomische, gesellschaftliche 
Ursachen) 
� Machtübernahme der Nationalsozialisten (Aufbau und Organisation des Führer­
staates, Gleichschaltung, Rassenpolitik) 
� Anpassung und Widerstand 
 
2. Medien/Materialien 
•entfällt
 
                                                  
1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.
17

Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW  GS LK HT 2 W2 
    Seite 2 von 11 
Nur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel 
• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 
• Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist 
 
 
6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen 
Teilleistungen – Kriterien 
a) inhaltliche Leistung 
Teilaufgabe 1 
Anforderungen  
Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl
1 nennt den Autor (Oberkonsistorialrat Hans Wahl), die Form der Quelle (Denkschrift/ 
Memorandum), den Zeitpunkt des Erscheinens (07.06.1933), die Adressaten (ver­
schiedene Kirchen, kirchliche Stellen und Personen im Ausland) und die Quellenart 
(Primärquelle). 2 
2 nennt als Thema des Textes in etwa: Die Beurteilung der aktuellen politischen Lage 
und der gesellschaftlichen Rolle von Kommunisten und Juden in Deutschland. 2 
3 formuliert als Kernaussage des Autors, dass Deutschland sich nach der Machtüber­
nahme der Nationalsozialisten auf einem guten, die Belastungen aus der Weimarer 
Republik überwindenden Weg befinde, vor allem weil die nationalsozialistische Regie­
rung dabei sei, die vom Kommunismus und vom Judentum ausgehenden Bedrohungen 
abzubauen. 2 
4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative 
Funktion der Hauptaussagen verdeutlichen, sinngemäß in folgender Weise wieder: 
Wahl 
• begrüßt die nationalsozialistische Machtergreifung als gewaltlose, auf legalem 
Vorgehen basierende Revolution im positiven Sinne,  
• bewertet die Strukturen der Weimarer Republik überwiegend als gefährlich und 
sieht in diesen Gefahren die wesentliche Ursache für die Notwendigkeit einer 
innen­ und außenpolitische Verbesserung der deutschen Lage durch die national­
sozialistische Regierung auf der Basis der Wiederbelebung konservativer Werte, 
• befürwortet (auch gewalttätige) Maßnahmen gegen Kommunisten als notwendig 
und begründet dies mit der Behauptung, von ihnen gehe eine große Gefahr für 
Staat und Kirche aus, 
• behauptet eine fortlaufende Zuspitzung der schon vorher virulenten Judenfrage 
mit Beginn der Weimarer Republik, 
• bilanziert, dass die Juden eine Gefahr für das deutsche Volk darstellen würden, 
und begründet dies u. a. mit ihrem unverhältnismäßig hohen Anteil an der Aus­
übung öffentlicher Ämter, 
• betont zusammenfassend, dass eine Judenverfolgung gegenwärtig nicht stattfinde 
und rechtfertigt Boykottmaßnahmen mit der notwendigen Reduzierung des zu 
großen Anteils der Juden an öffentlich bedeutsamen Stellen. 4
18

Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW  GS LK HT 2 W2 
    Seite 3 von 11 
Nur für den Dienstgebrauch! 5 gibt (in Verbindung mit dem Gedankengang) die Hauptaussagen des Textes struktu­
riert wieder: 
• In Deutschland vollziehe sich seit dem 30.01.1933 eine Revolution bzw. eine 
nationale Regeneration im positiven Sinne. Dabei seien die Machtergreifung und 
die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes mit einer Zweidrittelmehrheit auf 
legalem Weg erfolgt.  
• Die durch liberal­marxistische Ideen gekennzeichnete Weimarer Verfassung habe 
nicht zu positiven Entwicklungen für das Volk geführt und Gegensätze nicht aus­
gleichen können. Die Ursache der nationalsozialistischen Bewegung liege in der 
Notwendigkeit der Überwindung dieser Schwächen. Nach zwei Jahrzehnten des 
Verfalls werde der nationalsozialistischen Regierung durch Wiederbelebung alter 
Tugenden wie Zucht und Ordnung die Konsolidierung der Verhältnisse im Inneren 
und damit auch eine starke und friedliche Weltpolitik gelingen. 
• Der Regierung sei die Überwindung des Kommunismus, der eine massive Gefahr 
für Kirche und Staat darstelle, gelungen. Auch wenn bedauerliche Gewaltakte 
gegenüber politischen Gegnern vorgekommen seien, so sei das Vorgehen insge­
samt zu begrüßen und im Sinne der Kirchen erfolgt. 
• Besonders seit dem ersten Weltkrieg seien die Juden aus verschiedenen Gründen 
für das deutsche Volk bedrohlich: 
� Die Haltung der Juden im Krieg und nach Kriegsende sei von vielen Deutschen 
als feindlich empfunden worden. 
� Aufgrund ihrer Beziehungen zu marxistischen Parteien würden unverhältnis­
mäßig viele Juden öffentliche Ämter bekleiden. 
� Zu viele „kulturell minderwertige Ostjuden“ seien nach Deutschland eingewan­
dert und hätten das Bürgerrecht erhalten. 
� In Wissenschaft und Kultur hätten Juden deutsche Gelehrte und Künstler in den 
Hintergrund gedrängt. 
• Die überproportionale Präsenz der Juden stelle eine drohende Gefahr für das deut­
sche Volkstum und die christliche Kultur dar, welche abgewehrt werden müsse. 
• Eine „Judenverfolgung“ mit dem Ziel einer wirtschaftlichen und persönlichen Ver­
nichtung der Juden finde gegenwärtig nicht statt, sondern lediglich eine gesetzliche 
Reduzierung des übermäßigen Anteils der Juden an bedeutsamen öffentlichen 
Ämtern, ohne dass die Freiheit der jüdischen Religionsausübung dadurch beein­
trächtigt werde. 10 
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)
19

Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW  GS LK HT 2 W2 
    Seite 4 von 11 
Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 2 
Anforderungen  
Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  
 erläutert wesentliche Hintergründe, deren Kenntnis für eine Auseinandersetzung mit 
den Ausführungen des Autors zu Ursachen und Ausgestaltung der mit der national­
sozialistischen Machtübernahme einhergehenden Veränderungen 1933 erforderlich 
ist; er stellt mit folgenden Punkten einen Zusammenhang her:  
1 mit wesentlichen Kennzeichen der Weimarer Republik, da nach Wahls Auffassung 
in den von ihren Strukturen ausgehenden negativen Entwicklungen eine wesentliche 
Ursache der nationalsozialistischen Bewegung liege; er berücksichtigt mindestens 
drei Aspekte, z. B.: 
• den Versuch einer Verankerung liberaler und pluralistischer Grundsätze nach dem 
Ersten Weltkrieg im Zuge der Ablösung des autoritär strukturierten Kaiserreichs 
durch eine neue, Meinungsvielfalt zulassende Staatsform, wie z. B. die Repräsen­
tanz eines breiten Meinungsspektrums im Reichstag durch die Wahl der Abgeord­
neten nach dem Verhältniswahlrecht zeigt, 
• die Inkraftsetzung einer demokratischen Verfassung mit Gewaltenteilung und 
Wahl aller politischen Funktionsträger durch Männer und Frauen als zentralen 
Elementen der Machtkontrolle, 
• die Tatsache, dass es den Politikern in der Weimarer Republik gelungen ist, trotz der 
äußerst schwierigen Situation nach der Niederlage im 1. Weltkrieg eine wirtschaft­
liche und gesellschaftliche Stabilisierung zwischen 1924 und 1929 zu erreichen,  
• die Tatsache, dass die Bildung tragfähiger Mehrheiten allerdings schwierig war, 
weil der Staat auch solchen Parteien und Verbänden gegenüber Toleranz zeigte, 
die nicht auf dem Boden der demokratischen Verfassung standen, 
• die Tatsache, dass sich im Zuge der gesellschaftlichen Liberalisierung in den 
„goldenen Zwanzigern“ besonders im großstädtischen Milieu eine kulturelle 
Vielfalt entwickeln konnte, die u. a. traditionelle Vorstellungen von „Zucht und 
Ordnung“ in Frage stellte, 
• die Tatsache, dass es den Politikern der Weimarer Republik trotz der Niederlage 
Deutschlands im Ersten Weltkrieg gelungen ist, durch eine diplomatische Außen­
politik in die Völkergemeinschaft zurückzukehren und auf dem Verhandlungs­
wege eine deutliche Reduzierung der ursprünglich geforderten Reparationsforde­
rungen zu erreichen, 
• die Tatsache, dass die Umsetzung der in der Weimarer Verfassung verankerten 
demokratischen und liberalen Grundsätze u. a. durch das Weiterwirken monarchis­
tischer Traditionen aus dem Kaiserreich sowie durch antidemokratische und anti­
semitische Strömungen stark beeinträchtigt worden ist. 8
20

Zur nächsten Seite