GS11_x_L_HT_W2

Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2011 in Geschichte-Sozialwissenschaften

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Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW  GS LK HT 2 W2 
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Nur für den Dienstgebrauch! 2 mit der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten und mit dem Ausbau ihrer 
Machtstellung, da der Autor diesen Prozess als „nationale Regeneration“ begrüßt; 
er berücksichtigt mindestens vier Aspekte, z. B.: 
• die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler eines Präsidialkabinetts durch den 
Reichspräsidenten v. Hindenburg am 30. Januar 1933, 
• die Auflösung des Reichstags durch v. Hindenburg auf Druck der neuen Koalitions­
regierung mit dem Ziel, der NSDAP durch Neuwahl eine absolute Mehrheit zu 
ermöglichen, und die Durchführung der Wahl am 5. März 1933, 
• den „Tag von Potsdam“ als Versuch der Nationalsozialisten, durch öffentlich 
inszenierten Schulterschluss mit den bürgerlichen Eliten Anerkennung als mit 
diesen vergleichbare, legitime gesellschaftliche Kraft zu erreichen, 
• die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes am 23. März 1933 mit Zwei­
drittelmehrheit nach einer Änderung der Geschäftsordnung des Reichstags ohne 
Beteiligung der bereits verhafteten Abgeordneten der KPD und Teilen der SPD­
Abgeordneten – gegen die Stimmen der anwesenden SPD­Mitglieder, 
• die Tatsache, dass die nationalsozialistische Regierung durch die mit Hilfe des 
Ermächtigungsgesetzes herbeigeführte Aufhebung der Gewaltenteilung zwischen 
Legislative und Exekutive Gesetze, selbst solche verfassungsändernden Inhalts, 
verabschieden konnte, 
• die Errichtung des Einparteienstaats durch das sukzessive Verbot aller Parteien 
außer der NSDAP und durch die Verschmelzung von Partei und Staat.  10 
3 mit staatlichen Maßnahmen zur Ausschaltung politischer Gegner der Nationalsozia­
listen, vor allem von Kommunisten und Juden, mit dem Ziel, eine nationale Neuord­
nung des Volkslebens durch Gleichschaltung zu erreichen, da der Autor sich auf 
Teile dieses Prozesses bezieht; er berücksichtigt mindestens vier Aspekte, z. B.: 
• die, Übergriffe auf den Einzelnen ermöglichende, Außerkraftsetzung der Grund­
rechte durch den Erlass der Reichstagsbrandverordnung, z. B.: Freiheit der Person, 
Meinungs­, Presse­, Vereins­ und Versammlungsfreiheit, Post­ und Telefonge­
heimnis, Unverletzlichkeit der Wohnung und des Eigentums, 
• Ausschaltung und Terrorisierung vieler Oppositioneller, vor allem aus dem linken 
politischen Spektrum, und Erschwerung der politischen Arbeit mittels der Will­
kürmaßnahmen infolge der Brandverordnung, z. B.: Beginn der „Säuberungen“ 
im öffentlichen Dienst, Verbot von Zeitungen, „Schutzhaft“, Errichtung von 
Konzentrationslagern durch die SA, 
• die vor allem gegen die links orientierte Arbeiterbewegung gerichtete gewaltsame 
Zerschlagung der Gewerkschaften am 02.05.1933 und ihre Ersetzung durch die, 
jede Interessenskollision zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern negierende 
Deutsche Arbeitsfront, 
• die Aufhebung individueller Freiheitsspielräume durch eine fast lückenlose Über­
wachung der Bevölkerung durch den Sicherheitsdienst (SD) und die Geheime 
Staatspolizei (Gestapo), 
• die Entfernung jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst durch das von der Regie­
rung erlassene „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, 
• den „Boykott­Tag“ vom 01.04.1933 als erste öffentliche antijüdische Aktion und 
das Verbot jüdischer Zeitungen und Vereinigungen,  
• die Berufsverbote für ‚nichtarische’ Arbeiter und Angestellte im öffentlichen 
Dienst, Bücherverbrennungen und die beginnende Ausschaltung der Juden aus 
dem Kulturleben. 10
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Nur für den Dienstgebrauch! 4 mit der Verbreitung ideologischer Behauptungen durch die Nationalsozialisten als 
Bestandteil der „nationalen Regeneration“, da der Autor sich ihrer zum Teil bedient; 
er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.: 
• die im Sozialdarwinismus wurzelnde Behauptung von der Existenz einer überle­
genen ‚arischen’ Rasse und ihres Auftrags, sich im ‚Kampf ums Dasein’ durch­
setzen zu müssen, 
• die Behauptung von der Minderwertigkeit einer ‚jüdischen Rasse’, die als angeb­
lich parasitäre Existenz das ‚arische’ deutsche Volk existenziell bedrohe und die 
es deshalb zu bekämpfen gelte, 
• die Behauptungen von der Existenz einer jüdischen Weltverschwörung und von 
der Bedrohung Deutschlands durch Kommunismus und Bolschewismus, 
• die Postulierung einer Volksgemeinschaft, die die Einheit von Volk und Führer ver­
körpere, womit sich jegliche Form einer demokratischen Machtkontrolle erübrige, 
• die Verbreitung der Vorstellung von einem Führerprinzip, das unbedingte Treue 
und Gehorsam gegenüber Hitler erfordere und mit dem Anspruch auf liberale 
Freiheitsrechte des Einzelnen nicht vereinbar sei. 8 
5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)   
 
 
Teilaufgabe 3 
Anforderungen  
Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  
 setzt sich mit den Einschätzungen des Autors zu Ursachen und Rechtmäßigkeit der 
„nationalen Regeneration“ ab 1933 sowie mit seinen Aussagen zur Rolle von Kom­
munisten und Juden umfassend auseinander, indem er folgende Überlegungen in 
seine Argumentation aufnimmt:  
1 die Frage nach der Angemessenheit und der sachlichen Richtigkeit der Behauptung 
Wahls, es handele sich um eine gewaltlose, legale Umgestaltung des unter den Folgen 
einer zweifelhaften Verfassung leidenden deutschen Staates, die die Situation nach 
20 Jahren existenzieller Bedrohung endlich im Hinblick auf eine bessere Zukunft für 
das deutsche Volk stabilisiere; er berücksichtigt mindestens fünf Aspekte, z. B.: 
• die Fragwürdigkeit der Bewertung der Weimarer Verfassung durch den Autor 
als durch liberale und marxistische Ideen negativ geprägtes Regelwerk, von dem 
Unheil für den Staat ausgegangen sei, angesichts der Tatsache, dass diese Verfas­
sung darauf zielte, Freiheitsspielräume für den Einzelnen, Meinungsvielfalt und 
umfassende Mitwirkungsmöglichkeiten für die Bevölkerung zu sichern, 
• die Fragwürdigkeit der Aussage Wahls, nur durch eine starke Regierung der 
Nationalsozialisten könnten die vielschichtigen Krisen beseitigt werden, obwohl 
die Regierungen der Weimarer Republik zahlreiche Krisen überwinden, den Staat 
zwischen 1924 und 1929 konsolidieren konnten und beachtliche außenpolitische 
Erfolge erzielten, 
• die Fragwürdigkeit der Tatsache, dass Wahl auf die in der Weimarer Republik 
bestehenden Gegensätze nicht mit der Forderung nach Intensivierung der demo­
kratischen Kultur und nach wirkungsvollem Schutz der demokratischen Verfas­
sung, sondern mit der Rechtfertigung einer nationalistischen demokratiefeind­
lichen Bewegung reagiert, 
• die Fragwürdigkeit des Versuchs Wahls, mit der Behauptung, das deutsche Volk 
kämpfe seit 20 Jahren um sein Leben, die Notwendigkeit der nationalsozialisti­
schen Machtübernahme zu legitimieren – angesichts der Tatsache, dass eine 
Destabilisierung der Demokratie in der Weimarer Republik vor allem von ein­
flussreichen antidemokratischen und antisemitischen Gruppen ausgegangen ist, 12
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Nur für den Dienstgebrauch! • die Überlegung, dass die Art und Weise der Einsetzung Hitlers als Reichskanzler 
zwar dem Wortlaut der Verfassung nicht widersprach, dass aber die Tatsache, dass 
es sich um ein weiteres Präsidialkabinett handelte, das sich in starkem Maße auf 
Notverordnungen des Reichspräsidenten und nicht auf das Parlament stützte, nicht 
dem demokratischen Geist der Weimarer Verfassung entsprach, 
• die Überlegung, dass die Neuwahl des Reichtags Anfang März 1933 zwar dem Ziel 
diente, den Nationalsozialisten auf scheinbar legale Weise durch demokratische 
Wahlen die absolute Mehrheit zu verschaffen, dass aber illegalen Manipulationen 
und der Ausübung politischen Drucks Tür und Tor geöffnet waren, so dass es sich, 
anders als Wahl suggeriert, nicht mehr um wirklich freie Wahlen handelte, 
• die Überlegung, dass bis auf die SPD zwar tatsächlich alle anwesenden Parteien 
im Reichstag ihre Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz gegeben haben, dass 
die angebliche Zweidrittel­Mehrheit aber, anders als Wahl es behauptet, nicht auf 
legale Weise, sondern mit fragwürdigen Mitteln, vor allem mit Gewalt gegen linke 
Abgeordnete, erreicht worden ist,  
• die Überlegung, dass die Außerkraftsetzung der Gewaltenteilung zwischen Legis­
lative und Exekutive durch das Ermächtigungsgesetz nicht zu einer positiven Ent­
wicklung beitrug, wie Wahl suggeriert, sondern der menschenverachtenden natio­
nalsozialistischen Diktatur den Weg ebnete, 
• die Überlegung, dass die Nationalsozialisten, anders als Wahl behauptet, schon vor 
ihrer Machtübernahme, erst recht aber danach den Einsatz von Gewalt und Terror 
zum festen Bestandteil ihres Vorgehens gemacht haben, so dass mit der „nationa­
len Regeneration“ keine Konsolidierung der Verhältnisse im Sinne des Gemein­
wohls einherging. 
2 die Frage nach der Angemessenheit der Einschätzungen des Autors im Hinblick auf 
Juden und Kommunisten und seiner Rechtfertigung des staatlichen Vorgehens gegen 
sie mit der Behauptung, von ihnen gehe eine ernsthafte Bedrohung für den deutschen 
Staat aus; er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.:  
• die Überlegung, dass keine ernsthafte Gefahr einer erfolgreichen kommunistischen 
Machtübernahme bestand, wie die Wahlergebnisse für die KPD z. B. ebenso zeigen 
wie fehlende Indizien für eine ausreichende Massenbasis für eine revolutionäre 
Erhebung, 
• die Überlegung, dass der Kommunismus zwar in der Tat eine antireligiöse bzw. 
eine antikirchliche Ausrichtung hatte, dass es aber keine Indizien dafür gibt, dass 
die KPD in Deutschland eine konkrete Bedrohung für die Kirchen darstellte, 
• die fragwürdige Vorstellung Wahls, dass von den Juden eine gesellschaftliche 
Bedrohung ausgehe, die offenbar nicht auf Fakten sondern auf von der NS­Ideolo­
gie aufgegriffenen antisemitischen Stereotypen beruhte, sowie seine, Religionszu­
gehörigkeit und Nationalität vermischende, Gegenüberstellung von Juden einer­
seits und Deutschen andererseits, 
• die fragwürdige, empirisch nicht zu belegende, sondern eher Verschwörungstheo­
rien bedienende Behauptung Wahls, dass zahlreiche Juden in enger Beziehung zu 
marxistischen Parteien gestanden und in für das deutsche Volk gefährlich über­
proportionaler Weise öffentliche Ämter innegehabt hätten, 
• die Fragwürdigkeit der – trotz vorsichtiger Relativierungen – insgesamt schonungs­
los diffamierenden Bewertungen des Autors im Hinblick auf Juden und Kommu­
nisten, ihre Einschätzung als „minderwertig“ und seine fehlende Bereitschaft, ihnen 
uneingeschränkt Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit 
zuzubilligen, 
• die Fragwürdigkeit der Beurteilung des Autors, das Vorgehen der Nationalsozia­
listen gegen politische Gegner sei erforderlich und „selbstverständlich […] nicht 
frei von Härten“ und eine „Judenverfolgung“ gebe es derzeit nicht, angesichts der 
Willkürmaßnahmen und des politischen Terrors sowie der eklatanten Missachtung 
der Menschenrechte ab 1933. 8
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Nur für den Dienstgebrauch! 3 formuliert ein bewertendes Fazit, in dem er berücksichtigt, dass die Aussagen Wahls 
zu den Veränderungen ab 1933 in Deutschland im Hinblick auf den Verlust demokra­
tischer und liberaler Werte und Strukturen beschönigend und verharmlosend sind und 
seine Vorstellungen von Juden und Kommunisten zum größten Teil falsch und mit 
Vorurteilen durchsetzt – dass das Memorandum somit im Dienst der Nationalsozia­
listen steht. 4 
4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)   
 
 
b) Darstellungsleistung 
Anforderungen  
Der Prüfling maximal 
erreichbare
Punktzahl 1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich 
dabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 
2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 
3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 
4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 
5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie 
syntaktisch und stilistisch sicher. 4
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Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit 
Name des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ 
 
Schule: _____________________________________________
 
 
Teilaufgabe 1 
 Anforderungen  Lösungsqualität 
  Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK2 ZK DK 
1 nennt den Autor …  2      
2 nennt als Thema … 2      
3 formuliert als Kernaussage …  2      
4 gibt den Gedankengang …  4      
5 gibt (in Verbindung …  10      
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) 
…………………………………………………………….. ……………………………………………………………..        
 Summe 1. Teilaufgabe  20      
 
 
Teilaufgabe 2 
 Anforderungen  Lösungsqualität 
  Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
 erläutert wesentliche Hintergründe …        
1 mit wesentlichen Kennzeichen …  8      
2 mit der Machtübertragung …  10      
3 mit staatlichen Maßnahmen …  10      
4 mit der Verbreitung …  8      
5 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
……………………………………………………………..
……………………………………………………………..        
 Summe 2. Teilaufgabe  36      
 
                                                  
2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur
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Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 
Anforderungen Lösungsqualität
Der Prüflingmaximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK
 setzt sich mit …        
1 die Frage nach …  12      
2 die Frage nach …  8      
3 formuliert ein bewertendes … 4      
4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
…………………………………………………………….. ……………………………………………………………..        
 Summe 3. Teilaufgabe  24      
 Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80      
 
 
Darstellungsleistung 
 Anforderungen  Lösungsqualität 
  Der Prüfling maximal
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 strukturiert seinen Text …  5 
2 bezieht beschreibende, deutende …  4 
3 belegt seine Aussagen …  3       
4 formuliert unter Beachtung …  4       
5 schreibt sprachlich richtig …  4       
 Summe Darstellungsleistung  20       
 
 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100       
 aus der Punktsumme resultierende Note          
 Note ggf. unter Absenkung um ein bis zwei Noten­
punkte gemäß § 17 Abs. 5 APO­WbK        
          
 Paraphe         
ggf. arithmetisches Mittel der Punktsummen aus EK und ZK: ___________ 
 
ggf. arithmetisches Mittel der Notenurteile aus EK und ZK: _____________ 
 
Die Klausur wird abschließend mit der Note: ________________________ (____ Punkte) bewertet. 
 
 
Unterschrift, Datum:
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Nur für den Dienstgebrauch! Grundsätze für die Bewertung (Notenfindung) 
Für die Zuordnung der Notenstufen zu den Punktzahlen ist folgende Tabelle zu verwenden: 
 
Note Punkte Erreichte Punktzahl 
sehr gut plus 15 100 – 95 
sehr gut 14 94 – 90 
sehr gut minus 13 89 – 85 
gut plus 12 84 – 80 
gut 11 79 – 75 
gut minus 10 74 – 70 
befriedigend plus 9 69 – 65 
befriedigend 8 64 – 60 
befriedigend minus 7 59 – 55 
ausreichend plus 6 54 – 50 
ausreichend 5 49 – 45 
ausreichend minus 4 44 – 39 
mangelhaft plus 3 38 – 33 
mangelhaft 2 32 – 27 
mangelhaft minus 1 26 – 20 
ungenügend 0 19 – 0
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Name: _______________________ 
 
 
Nur für den Dienstgebrauch! 
 
 
 
Abiturprüfung 2011 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 
Aufgabenstellung: 
 
1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu­
riert wieder.  (20 Punkte)  
2. Erläutern Sie die Ausführungen des Autors im Kontext der deutschen Teilung nach dem 
2. Weltkrieg sowie der Überwindung des Kalten Krieges und der damit verbundenen 
Auswirkungen auf die Strukturen in der DDR bis November 1989. (36 Punkte)  
3. Prüfen Sie die Prognosen Sommers im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen der 
beiden deutschen Staaten und auf das Verhalten der Siegermächte des Zweiten Welt­
kriegs anhand der tatsächlichen Entwicklungen nach dem Erscheinen des Artikels. 
  (24 Punkte)  
 
Materialgrundlage: 
 
• Theo Sommer: Der alten Garde letzter Aufmarsch. Nach Knüppeln und Kartätschen­
Drohung: Beginnt nun doch der Dialog? In: Die Zeit, 13.10.1989, Nr. 42 
 
 
Zugelassene Hilfsmittel: 
 
• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 
• Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist
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Name: _______________________ 
 
 
Nur für den Dienstgebrauch! 
Auszug aus einem Leitartikel Theo Sommers vom 13.10.1989 in der Wochenzeitung 
„Die Zeit“: 
 
Der alten Garde letzter Aufmarsch 
Nach Knüppeln und Kartätschen1­Drohung: Beginnt nun doch der Dialog? 
 
Ein Jubelfest hätte die Vierzigjahrfeier der DDR werden sollen, doch sie wurde etwas ganz 
anderes: fast ein Requiem2. […] 
Die Staatsmacht demonstrierte noch einmal Stärke, Rechthaberei, Unbeweglichkeit: Schlag­
stöcke und Schäferhunde, Sperrgitter und Stasi­Kordons3 schotteten die Welt der Herrschen­
den von jener der Aufbegehrenden ab. Das eigene Volk und die westlichen Besucher mußten 5 
von den Jubelfeiern ausgeschlossen werden;was an Applaus laut wurde, war die pflicht­
gemäße Hervorbringung dazu abkommandierter Jubelkolonnen. Wie den Menschen in der 
DDR wirklich zumute war, das zeigte sich in den spontanen Demonstrationen, die Abend 
für Abend Zigtausende auf die Straße brachten. […] 
Traum vom „dritten Weg“ 10 
Nicht nur auf den Straßen schaffte sich der Unmut Luft. Schauspieler und Opern­Ensembles,
Rockmusiker, Schriftsteller und Künstler verlangten Dialog, Öffnung, Reform. Die Kirche, 
die seit längerem auf Wandel drängt, ist nicht mehr die einzige Institution, die ausspricht, was 
die Menschen umtreibt. Sechs oder sieben Reformgruppen agieren ohne Furcht, darunter 
auch eine neu formierte sozialdemokratische Partei. Das Neue Forum, die größte der Grup­15 
pen, hat 11 000 Unterschriften gesammelt. In den Blockparteien rührt sich schon seit einiger
Zeit Widerspruchsgeist, aber selbst in der SED rumort es nun […] 
Die gleichen Gedanken durchziehen alle Reform­Manifeste der letzten Wochen. Die DDR 
muß sich den vorhandenen Widersprüchen stellen, die Obrigkeit die Mündigkeit des Bürgers 
respektieren. Schluß mit der Geheimniskrämerei. Weg mit Wahlverfahren, die dem Wähler­20 
willen widersprechen: freie Wahlen. Staat und Gesellschaft sollen demokratisch umgestaltet, 
die Menschenrechte durchgesetzt werden; Informationsfreiheit („Information ist Bürgerrecht 
und Staatspflicht“), Meinungsfreiheit („Widerrrede4 ist nicht Widerstand“), Reisefreiheit ein­
schließlich Ausreisefreiheit. Wirtschaftliche Reformen sind dringlich: Dezentralisierung, 
Freisetzung der persönlichen Initiative, Teilhabe statt Bevormundung – darauf laufen sämt­25 
liche Skizzen einer ostdeutschen Perestrojka hinaus. 
Es fällt auf, daß ein Ziel nirgends erwähnt ist: die Wiedervereinigung. Die intellektuellen, 
kirchlichen und parteipolitischen Wortführer der Reform wollen die DDR nicht abschaffen, 
sondern sie verändern. Die deutsche Zweistaatlichkeit nehmen sie als Gegebenheit hin, die 
meisten sogar mit billigendem Unterton. Die kapitalistische Bundesrepublik ist nicht ihr Vor­30 
bild; sie träumen noch einmal den Traum vom „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, vom 
                                                  
1 Schrotladung 
2 Totenmesse 
3 Absperrung, Sperrgürtel 
4 Gegenrede
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Nur für den Dienstgebrauch! 
„dritten Weg“, vom prosperierenden Kommunismus. Reform, rasche Reform gilt beispiels­
weise den Unterhaltungskünstlern auch als Mittel gegen den Wiedervereinigungsdruck: 
„Feiges Abwarten liefert gesamtdeutschen Denkern Argumente und Voraussetzungen“. 
Es mag sein, daß diese Sicht von der Mehrheit der DDR­Bürger nicht geteilt wird. Wer daran 35 
zweifelt, daß die Führung je wirkliche Reformen zulassen wird, der klammert sich wohl an 
den Gedanken der deutschen Einheit; der Anschluß wird ihm zum Ersatz für die Auswande­
rung. In der Tat ist ein dialektischer5 Zusammenhang zwischen Reformverweigerung und 
Einheitsverlangen nicht zu leugnen: Je weniger Reform das SED­Politbüro gestattet, desto 
kräftiger werden sich enttäuschte Hoffnungen in Fluchtversuchen und Wiedervereinigungs­40 
streben Luft machen.  
Desto lauter auch wird der Ruf nach Einheit in der Bundesrepublik wieder werden. Solange 
der Anschluß der DDR an den westdeutschen Staat als einzige Möglichkeit erscheint, jenseits 
der Elbe freiheitliche Zustände zu schaffen, ist das Pochen auf die Einheit nur folgerichtig. 
Doch gilt zugleich der Umkehrschluß: Wenn die Reform erst einmal läuft, wird der Drang 45 
zur Einheit nachlassen.  
Das Für und Wider des Vorhabens, achtzig Millionen Deutsche wieder in einem Staat zu 
vereinen, wird dann ohne akute Herzensnot erörtert werden können. Andere Erwägungen 
werden Vorrang gewinnen, zumal Überlegungen über die Wirkung einer kritischen Masse 
Gesamtdeutschland auf das prekäre6 europäische Gleichgewicht. Und andere Modelle deut­ 50 
schen Zusammenlebens als das des Bismarckschen Einheitsstaates werden sich wieder in den 
Vordergrund schieben, losere Konstruktionen; Zusammenwirken statt Zusammenschluß; 
deutsche Zweistaatlichkeit unter einem europäischen Dach, wie immer dessen Unterbau aus­
sehen mag, das allen Freiheit verbürgt.  
Aber bis dahin wird viel Zeit ins geteilte Land gehen. Gewiß, das Tempo des Wandels in 55 
Osteuropa hat alle überrascht, und wenn sich erst einmal der Wille zur Reform in der DDR 
Geltung verschafft, mag sich auch dort manches schneller vollziehen, als es heute vorstellbar 
erscheint. Doch sollte man die Schwierigkeiten nicht unterschätzen. Die Polen haben fast 
zehn Jahre gebraucht, bis sie die Vorherrschaft der kommunistischen Partei brechen konnten; 
in Ungarn hat es vier Jahre gedauert; in der Sowjetunion ist die Entwicklung dahin noch um­60 
stritten, jedenfalls noch nicht abgeschlossen.[…] Die DDR steht in dieser Hinsicht erst ganz 
am Anfang.  
Die deutsche Einheit hat im Ausland wenige beherzte Fürsprecher. Die Siegermächte waschen 
sich ihre Hände in Unschuld, trotz ihrer Verantwortung für „Deutschland als Ganzes“. Einer
nach dem anderen erklären sie jetzt, die deutsche Frage sei eine Frage der Deutschen, erst 65 
Mitterrand, dann Bush, zuletzt auch Gorbatschow; Margaret Thatcher hat gegenwärtig bren­
nendere Sorgen, wird es aber wohl mit ihrem Amtsvorgänger Heath halten, wonach man gut 
für die Wiedervereinigung sein konnte, solange es keine Aussicht darauf gab. […] 
                                                  
5 dialektisch: hier: durch gegensätzliche Entwicklung gekennzeichnet 
6 prekär: heikel
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