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Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2011 in Geschichte-Sozialwissenschaften

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GS LK HT 3 W2 
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Name: _______________________ 
 
 
Nur für den Dienstgebrauch! 
Reformen allerdings — dafür sind alle, auch Gorbatschow. Er hat gegenüber Honecker aus 
seinem Herzen keine Mördergrube gemacht. – „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, 70 
sagte er zu den „Entwicklungsproblemen“ der DDR. Und nach den Bruderküssen steckte er 
Honecker sein Reform­Rezept hinter den Spiegel: „Demokratisierung, Offenheit, Rechts­
staatlichkeit, freie Entwicklung aller Völker, menschenwürdige Entwicklung aller Bürger.“ 
Zwar will der Kremlherr sich aus den inneren Angelegenheiten des SED­Staates heraushal­
ten: „Die Fragen, die die DDR betreffen, werden nicht in Moskau, sondern in Berlin beant­75 
wortet.“ Aber er hat keinen Zweifel daran gelassen, wo er steht. Den Neuerern in Honeckers 
Schatten muß das eine Ermutigung sein. 
Überrollt von freieren Geistern 
[…] Die deutsche Frage, die heute auf der Tagesordnung steht, ist nicht die Frage der Wie­
dervereinigung, es ist die Frage der Reform in der DDR. Erich Honecker wehrt sich alters­80 
starr […]. Er hätte sich einen nobleren Abgang verschaffen können, wäre er selber an die 
Spitze der Reformbewegung getreten. So wird er überrollt werden von freieren Geistern. 
Der Dialog, den die Obrigkeit in Dresden und Leipzig mit den Reformgruppen führt, mag 
ein Vorbote des Kommenden sein. 
Der andere deutsche Staat wird so schnell nicht verschwinden, aber er wird ein anderer wer­85 
den. Das Jubelfest zum 40. Jahrestag der DDR­Gründung war der letzte Aufmarsch der alten 
Garde. Sie ergibt sich nicht, aber sie stirbt. Bald wird das Requiem fällig.  
 
Anmerkungen: 
Theo Sommer (geb.1930): Journalist, seit 1958 tätig für die Wochenzeitung „Die Zeit“, bis 1973 zunächst als 
politischer Redakteur, dann bis 1992 als Chefredakteur und bis 2000 als Mitherausgeber. 
(Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Vorlage.)
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Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft 
Abiturprüfung 2011 
Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 
1. Aufgabenart 
Bearbeitung einer Quelle mit gegliederter Aufgabenstellung 
 
 
2. Aufgabenstellung1 
1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu­
riert wieder.  (20 Punkte)  
2. Erläutern Sie die Ausführungen des Autors im Kontext der deutschen Teilung nach dem 
2. Weltkrieg sowie der Überwindung des Kalten Krieges und der damit verbundenen 
Auswirkungen auf die Strukturen in der DDR bis November 1989. (36 Punkte)  
3. Prüfen Sie die Prognosen Sommers im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen der 
beiden deutschen Staaten und auf das Verhalten der Siegermächte des Zweiten Welt­
kriegs anhand der tatsächlichen Entwicklungen nach dem Erscheinen des Artikels. 
  (24 Punkte)  
 
3. Materialgrundlage 
• Theo Sommer: Der alten Garde letzter Aufmarsch. Nach Knüppeln und Kartätschen­
Drohung: Beginnt nun doch der Dialog? In: Die Zeit, 13.10.1989, Nr. 42 
 
 
4. Bezüge zu den Vorgaben 2011 
1. Inhaltliche Schwerpunkte 
• Politische Partizipation nach dem 2. Weltkrieg 
� Teilung Deutschlands und Europas nach 1945 (Blockbildung) 
�Grundzüge der Entwicklung der beiden deutschen Staaten (1949 – 1989)
� Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1989/1990 
 
2. Medien/Materialien 
• entfällt 
 
 
                                                  
1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.
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Nur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel 
• Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung 
• Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist 
 
 
6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen 
Teilleistungen – Kriterien 
a) inhaltliche Leistung 
Teilaufgabe 1 
Anforderungen  
Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl
1 nennt den Verfasser (Theo Sommer, Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“), 
die Form der Quelle (Auszug aus einem Leitartikel der Wochenzeitung „Die Zeit“), 
die Adressaten (politisch interessierte Leser), den Entstehungszeitpunkt (13.10.1989) 
und die Quellenart (Primärquelle). 2 
2 nennt als Thema des Artikels in etwa: Überlegungen des Autors zur Situation und 
zu weiteren Entwicklungsperspektiven der DDR. 2 
3 arbeitet als Kernaussage heraus, dass es hinsichtlich der DDR nicht um Wiederver­
einigung gehe, sondern dass sie als eigenständiger, reformierter Staat überleben 
werde, wenn nach dem Abtreten der bisherigen Führung die Forderungen der Bürger 
nach demokratischer Umgestaltung umgesetzt würden. 2 
4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative 
Funktion der Hauptaussagen verdeutlichen, sinngemäß in folgender Weise wieder: 
Theo Sommer 
• kritisiert die Haltung der DDR­Staatsmacht anlässlich der Vierzigjahrfeier der 
DDR und stellt der offiziellen Jubelstimmung die tatsächliche, durch außerge­
wöhnliche Massenproteste geprägte Situation gegenüber, 
• verortet die Reformgruppen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und 
betont die Berechtigung ihrer Forderungen nach einer demokratischen, liberalen 
und wirtschaftlichen Umgestaltung, 
• hebt hervor, dass unter den Zielsetzungen der verschiedenen Reformprogramme 
die Wiedervereinigung keine zentrale Rolle spiele, 
• konstatiert, dass das Verlangen nach Wiedervereinigung um so stärker sei, je 
stärker die DDR­Führung Reformen verweigere, 
• skizziert unter der Annahme eines langen, kontinuierlichen Reformprozesses in 
der DDR wahrscheinlichere Alternativen zur Wiedervereinigung, 
• verweist dabei auf die reservierte Haltung der Siegermächte in der Frage eines 
neuen Gesamtdeutschland,  
• prognostiziert angesichts des Eintretens Gorbatschows für demokratische und 
liberale Reformen die Ausschaltung der bisherigen DDR­Führung, aber ein Wei­
terbestehen der DDR im neuen Gewand. 4
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Nur für den Dienstgebrauch! 5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem Gedankengang struktu­
riert wieder (die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, um die Punktanteile aus­
weisen zu können): 
• Bei den Feiern zum 40­jährigen Bestehen der DDR habe die DDR­Führung die 
offiziellen Feierlichkeiten von der demonstrierenden Bevölkerung abgeschottet 
und sich damit unbeweglich gezeigt. Die allabendlichen massenhaften Demonstra­
tionen hätten jedoch den pflichtgemäßen Jubel der dazu extra abkommandierten 
Gruppen Lügen gestraft.  
• Neben der Kirche drängten nun auch neu gegründete Reformgruppen in Intellek­
tuellen­ und Künstlerkreisen offen auf Veränderung. In neuen politischen Gruppie­
rungen, in den Blockparteien und sogar in der SED zeigten sich ebenfalls kritische 
Stimmen. Die Zielsetzungen der verschiedenen Reformgruppen, unter denen das 
Neue Forum die größte sei, seien übereinstimmend auf den demokratischen Umbau 
der DDR mit der Durchsetzung von Menschenrechten und wirtschaftlichen Refor­
men ausgerichtet. Die DDR­Obrigkeit müsse sich diesen Ansprüchen des mündi­
gen Bürgers stellen. 
• Auffällig sei, dass die Forderungen der Protestgruppen sich nicht auf die Abschaf­
fung der DDR in Form einer Wiedervereinigung richteten. Die Zweistaatlichkeit 
werde akzeptiert und für die DDR ein „dritter Weg“ als Alternative zur kapitalis­
tischen BRD anvisiert, auch wenn für die Mehrheit der DDR­Bürger möglicher­
weise der Wunsch nach einer Vereinigung der beiden Staaten im Vordergrund 
stehe. 
• Zweifel an der Reformfähigkeit der SED­Spitze könnten allerdings dazu führen, 
dass die deutsche Einheit zum Rettungsanker werde. Umgekehrt gelte aber auch, 
dass der Drang zur Einheit nachlassen werde, wenn in der DDR Reformen durch­
gesetzt werden können.  
• Es sei zu erwarten, dass über längere Zeiträume hinweg Alternativen in Form eines 
lockeren Zusammenwirkens unter einem europäischen Dach überlegt werden – 
auch angesichts der problematischen Auswirkungen eines vereinigten Deutsch­
lands auf das empfindliche europäische Gleichgewicht, aber auch als Alternative 
zum Einheitsstaat Bismarck’scher Prägung.  
• Die Wiedervereinigung habe im Ausland nur wenige Befürworter, die Sieger­
mächte hielten sich trotz ihrer Zuständigkeit für „Deutschland als Ganzes“ bislang 
zurück.  
• Gorbatschow habe Honecker sein eigenes, auf Demokratisierung, Rechtsstaatlich­
keit und Freiheit zielendes Reformkonzept mit auf den Weg gegeben, was den 
kritischen Stimmen in seinem Umfeld Auftrieb geben müsse. Derzeit stehe nicht 
die Frage der Wiedervereinigung auf der Tagesordnung, sondern die Frage der 
Reformen in der DDR. Honecker und die alte Garde würden von der Entwicklung 
überrollt werden. Die DDR jedoch werde nicht so schnell verschwinden, sondern 
in reformierter Gestalt weiter existieren. 10 
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)
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Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 2 
Anforderungen  
Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  
 erläutert die Ausführungen des Autors im Kontext der deutschen Teilung nach dem 
2. Weltkrieg sowie der Überwindung des Kalten Krieges und der damit verbundenen 
Auswirkungen auf die Strukturen in der DDR bis November 1989, indem er folgende 
Sachverhalte berücksichtigt:   
1 die 1945 nach der bedingungslosen Kapitulation und nach der Übernahme der unein­
geschränkten Regierungsgewalt durch die Siegermächte von diesen in Potsdam fest­
gelegte gemeinsame Zuständigkeit für alle „Deutschland als Ganzes“ betreffenden 
Angelegenheiten, die der Autor anspricht. 4 
2 die Hintergründe für die Bildung zweier deutscher Staaten 1949 und die sich daraus 
ergebende deutsche Teilung bis 1989/90; er berücksichtigt mindestens zwei Aspekte, 
z. B.: 
• die mit dem Zerfall der Kriegskoalition verbundene Spaltung der Welt in zwei sich 
feindlich gegenüberstehende Machtblöcke mit konträren politischen, gesellschaft­
lichen und wirtschaftlichen Systemen, 
• das Auseinanderleben der unter dieser Prämisse gegründeten beiden deutschen 
Staaten aufgrund ihrer unterschiedlichen Strukturen und ihrer jeweiligen Zugehö­
rigkeit zu einem der Blöcke, 
• die Abkapselung der DDR gegenüber der Bundesrepublik, z. B. durch den Bau 
der Mauer, durch die Erschwernis bzw. Unmöglichkeit von Besuchen Westdeut­
scher in der DDR und umgekehrt, 
• die Konfrontation der westlichen Siegermächte gegenüber der UdSSR im Zusam­
menhang mit der „deutschen Frage“ als Teil des Kalten Krieges. 6 
3 die problematischen Strukturen des Herrschafts­ und Gesellschaftssystems der DDR
als Ursachen der Protestbewegungen; er berücksichtigt mindestens drei der folgenden 
Aspekte: 
• das Machtmonopol der SED, beruhend auf dem Anspruch, aufgrund einer als 
einzig richtig deklarierten Weltanschauung in allen Bereichen die alleinige Ent­
scheidungskompetenz auszuüben, 
• die Vermischung von Partei­ und Staatsapparat, bei der die SED über alle politi­
schen und gesellschaftlichen Schlüsselpositionen verfügt, 
• die allgegenwärtige Überwachung der Bürger durch die Staatssicherheit, 
• die politische Bevormundung der Bürger der DDR, z. B. durch Einheitslisten und 
Manipulationen bei den Wahlen, 
• die Nichtbeachtung der Menschenrechte, z. B. durch Verweigerung der Meinungs­ 
und Demonstrations­ sowie der Reisefreiheit, durch willkürliche Verhaftungen 
und politisch geprägte Gerichtsurteile gegen Oppositionelle, 
• die geringe Leistungsfähigkeit des sozialistischen Wirtschaftssystems, die unzu­
reichende Versorgung mit Konsumgütern sowie die Umweltzerstörung. 8
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Nur für den Dienstgebrauch! 4 die Vorgänge in der DDR, die zu der von Sommer beschriebenen Situation und 
schließlich zum Fall der Mauer führen; er berücksichtigt mindestens fünf Aspekte, 
z. B.: 
• die Fälschung der Kommunalwahlen 1989 und die sich dagegen richtende öffent­
liche Kritik verbunden mit dem Einspruch gegen die Gültigkeit der Ergebnisse, 
• die Rolle der evangelischen Kirche und die Montagsdemonstrationen in Leipzig 
gegen das SED­Regime mit der Forderung nach gesellschaftspolitischen Verän­
derungen in der DDR, 
• die Bildung von oppositionellen politischen Gruppierungen im September/Oktober 
1989, so z. B. die des Neuen Forum, 
• das Festhalten an der Zweistaatlichkeit und an einem nicht­kapitalistischen Gesell­
schaftssystem für die DDR durch einen großen Teil der Reformbewegung, 
• die Massenfluchtwelle als Ausdruck des starken Gegensatzes zwischen Staatsfüh­
rung und Bevölkerung,  
• das Herunterspielen des Umfangs und der Bedeutung der Fluchtbewegung durch 
die „alte Garde“ unter Honecker in Verbindung mit dem starren Festhalten am 
bisherigen Kurs,  
• den Versuch, durch die Ablösung Honeckers durch Krenz und die Ankündigung 
einer demokratischen Erneuerung des Sozialismus das System noch zu retten,  
• die am 09.11.1989 angekündigte Regelung für Westreisen, die bei den DDR­Bür­
gern zu spontanen Besuchen Richtung Westen und zu einer faktischen Öffnung 
der DDR­Grenzen führte. 10 
5 den Zusammenhang der Entwicklung in der DDR mit der von Gorbatschow betrie­
benen Politik der Perestroika und Glasnost im Zuge der Überwindung des Kalten 
Krieges; er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.: 
• die von Gorbatschow eingeleiteten Reformversuche in der Sowjetunion, 
• den Verzicht Moskaus auf jeglichen Führungsanspruch in Osteuropa mit dem 
Widerruf der Breschnew­Doktrin,  
• die mit dem Wegfall dieser Doktrin ermöglichte Erhöhung des Freiraums der 
Bürger in den osteuropäischen Staaten, die zur Stärkung der dortigen Reform­
kräfte führt, 
• die Vorbildwirkung solcher antikommunistischen Oppositionsbewegungen für 
die bis dahin nur schwach ausgebildete Opposition in der DDR, 
• die Schwächung der Position der SED durch die fehlende Unterstützung Gorbat­
schows bei der Zurückdrängung oppositioneller Bewegungen. 8 
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)
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Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 
Anforderungen  
Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  
 prüft die Prognosen Sommers im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen der beiden 
deutschen Staaten und auf das Verhalten der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs 
anhand der tatsächlichen Entwicklungen nach dem Erscheinen des Artikels, indem 
er folgende Überlegungen in seine Argumentation aufnimmt:  
1 die Widerlegung der Annahme Sommers, in der DDR würden letztlich die auf Eigen­
staatlichkeit ausgerichteten Reformkräfte die Oberhand behalten – vor allem wenn 
die SED­Führung Reformbereitschaft zeige –, so dass sie auf der Basis umfassender 
Reformen als eigenständiger Staat noch geraume Zeit bestehen bleibe; er berücksich­
tigt mindestens vier Aspekte, z. B.: 
• die Tatsache, dass die Wiedervereinigung in Form des Beitritts der neuen Bundes­
länder zur Bundesrepublik und das In­Kraft­Treten des Grundgesetzes in der ehe­
maligen DDR – entgegen der Annahme Sommers – durch den Einigungsvertrag 
bereits auf den 3. Oktober 1990 terminiert wurde,  
• die Tatsache, dass selbst der Rücktritt Honeckers Ende Oktober 1989 und die
Übernahme seiner Position durch Egon Krenz und das damit verbundene Signal 
einer gewissen Reformbereitschaft der DDR­Führung dem Wunsch nach einem 
Sozialismus neuer Prägung nicht zu einer Mehrheit verholfen hat, 
• die Tatsache, dass die eher unverhoffte Maueröffnung im November 1989 die 
Bereitschaft großer Teile der Bevölkerung, den Slogan „Wir sind das Volk“ durch 
den Slogan „Wir sind ein Volk“ zu ersetzen, deutlich beschleunigte – trotz zuneh­
mender Reformbereitschaft der neuen SED­Führung, 
• die Tatsache, dass die Macht der SED in wenigen Wochen in rasantem Tempo zer­
rann, mit der Folge, dass z. B. die Volkskammer Anfang Dezember den Führungs­
anspruch der SED aus der Verfassung strich und das Politbüro geschlossen zurück­
trat, 
• die Überlegung, dass diejenigen, die hauptsächlich von der Erfüllung ihrer ökono­
mischen Nachholbedürfnisse und vom Wunsch nach Reisefreiheit geleitet wurden, 
offensichtlich im Oktober 1989 (noch) keine, den auf Eigenstaatlichkeit bedachten 
Reformgruppen vergleichbare, öffentliche Stimme hatten, 
• die Tatsache, dass der Versuch verschiedener Repräsentanten der Bürgerbewegun­
gen, über Verhandlungen am Zentralen Runden Tisch seit Dezember eine demo­
kratische Umgestaltung der DDR bei Wahrung ihrer Eigenständigkeit zu erreichen, 
immer stärker überlagert wurde durch die Forderung nach einer raschen Wieder­
vereinigung von Seiten der Mehrheit der Bevölkerung, 
• die Tatsache, dass auch das Ergebnis der ersten freien Wahl der Volkskammer im 
März 1990 ein eindeutiges Votum in die Richtung einer Wiedervereinigung dar­
stellte, bei dem die Parteien Erfolg hatten, die sich für eine schnelle politische 
Vereinigung ausgesprochen hatten, 
• die Tatsache, dass sich auch in der Bundesrepublik unter Helmut Kohl diejenigen 
Strömungen durchsetzten, die auf eine schnelle Wiedervereinigung statt auf Zwei­
staatlichkeit drängten. 12
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Nur für den Dienstgebrauch! 2 die Präzisierung der von Sommer eher skeptisch gesehenen Rolle der Siegermächte 
des Zweiten Weltkriegs gegenüber der Bildung eines das europäische Gleichgewicht 
möglicherweise bedrohenden Gesamtdeutschlands; er berücksichtigt mindestens 
drei Aspekte, z. B.: 
• die Tatsache, dass für das Ausland mit der Überwindung der deutschen Teilung 
in der Tat die Frage der Friedensverträglichkeit Deutschlands im Vordergrund 
stand, verbunden mit Ängsten vor einer neuen deutschen Großmacht und einer 
wirtschaftlichen Übermacht Deutschlands in Europa, 
• die Tatsache, dass der Deutschlandvertrag aus den 50er Jahren die Vorbehalts­
rechte der drei Westmächte für alle Fragen, die Deutschland als Ganzes betreffen, 
regelte, so dass die deutsche Einheit nicht gegen den Willen der vier Siegermächte 
des Zweiten Weltkriegs herzustellen war, 
• die Tatsache, dass Gorbatschow einer Vereinigung der beiden deutschen Staaten 
auf der Basis der Forderung der Westmächte, das vereinte Deutschland müsse Mit­
glied der NATO bleiben, tatsächlich skeptisch gegenüber stand, aber nach intensi­
ven Verhandlungen und hohen finanziellen Zusagen der Bundesrepublik schließ­
lich zustimmte, 
• die Tatsache, dass der Westen trotz seiner Vorbehalte gegen eine von den Deut­
schen gewünschte staatliche Einheit kaum mehr ein Veto einlegen konnte, wenn 
die SU, die bis dahin nach offizieller Version allein einer Beseitigung der deut­
schen Spaltung entgegenstand, bereit war, ihre Zustimmung zu geben, 
• die Tatsache, dass nach einer raschen Folge diplomatischer Verhandlungen im 
Jahr 1990 die Zerstreuung der Ängste des Auslands vor einem zu mächtigen 
Gesamtdeutschland insgesamt gelungen ist, so dass schließlich alle Seiten in 
Form des Zwei­plus­Vier­Vertrages die Vereinigung der beiden deutschen Staaten 
akzeptierten. 8 
3 formuliert ein Fazit, in dem er deutlich macht, dass sich Sommers Prognosen vom 
13. Oktober 1989 als zu vorsichtig erwiesen haben und dass der Wunsch nach einem 
Beitritt zur Bundesrepublik mit dem Fall der Mauer eine solche Beschleunigung 
erfuhr, dass Zweifel am Sinn einer Vereinigung in den beiden deutschen Staaten 
selbst und die Skepsis des Auslands durch diplomatisches Geschick, vor allem von 
Seiten Helmut Kohls, – anders als Sommer vermutet – kurzfristig überwunden werden 
konnten. 4 
4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)   
 
 
b) Darstellungsleistung 
Anforderungen  
Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl 1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich
dabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 
2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 
3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 
4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 
5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie 
syntaktisch und stilistisch sicher. 4
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Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW  GS LK HT 3 W2 
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Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit 
Name des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ 
 
Schule: _____________________________________________
 
 
Teilaufgabe 1 
 Anforderungen  Lösungsqualität 
  Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK2 ZK DK 
1 nennt den Verfasser … 2      
2 nennt als Thema … 2      
3 arbeitet als Kernaussage …  2      
4 gibt den Gedankengang …  4      
5 gibt die Hauptaussagen …  10      
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) 
…………………………………………………………….. ……………………………………………………………..        
 Summe 1. Teilaufgabe  20      
 
 
Teilaufgabe 2 
 Anforderungen  Lösungsqualität 
  Der Prüfling maximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
 erläutert die Ausführungen …        
1 die 1945 nach …  4      
2 die Hintergründe für …  6      
3 die problematischen Strukturen …  8      
4 die Vorgänge in …  10      
5 den Zusammenhang der …  8      
6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
……………………………………………………………..
……………………………………………………………..        
 Summe 2. Teilaufgabe  36      
 
                                                  
2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur
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Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 
Anforderungen Lösungsqualität
Der Prüflingmaximal 
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK
 prüft die Prognosen …        
1 die Widerlegung der …  12      
2 die Präzisierung der … 8      
3 formuliert ein Fazit … 4      
4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) 
…………………………………………………………….. ……………………………………………………………..        
 Summe 3. Teilaufgabe  24      
 Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80      
 
 
Darstellungsleistung 
 Anforderungen  Lösungsqualität 
  Der Prüfling maximal
erreichbare 
Punktzahl  EK ZK DK 
1 strukturiert seinen Text …  5 
2 bezieht beschreibende, deutende …  4 
3 belegt seine Aussagen …  3       
4 formuliert unter Beachtung …  4       
5 schreibt sprachlich richtig …  4       
 Summe Darstellungsleistung  20       
 
 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100       
 aus der Punktsumme resultierende Note          
 Note ggf. unter Absenkung um ein bis zwei Noten­
punkte gemäß § 17 Abs. 5 APO­WbK        
          
 Paraphe         
ggf. arithmetisches Mittel der Punktsummen aus EK und ZK: ___________ 
 
ggf. arithmetisches Mittel der Notenurteile aus EK und ZK: _____________ 
 
Die Klausur wird abschließend mit der Note: ________________________ (____ Punkte) bewertet. 
 
 
Unterschrift, Datum:
40

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