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Abitur-Prüfung in Nordrhein-Westfalen aus 2011 in Geschichte-Sozialwissenschaften
GS LK HT 3 W2 Seite 4 von 4 Name: _______________________ Nur für den Dienstgebrauch! Reformen allerdings — dafür sind alle, auch Gorbatschow. Er hat gegenüber Honecker aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht. – „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, 70 sagte er zu den „Entwicklungsproblemen“ der DDR. Und nach den Bruderküssen steckte er Honecker sein ReformRezept hinter den Spiegel: „Demokratisierung, Offenheit, Rechts staatlichkeit, freie Entwicklung aller Völker, menschenwürdige Entwicklung aller Bürger.“ Zwar will der Kremlherr sich aus den inneren Angelegenheiten des SEDStaates heraushal ten: „Die Fragen, die die DDR betreffen, werden nicht in Moskau, sondern in Berlin beant75 wortet.“ Aber er hat keinen Zweifel daran gelassen, wo er steht. Den Neuerern in Honeckers Schatten muß das eine Ermutigung sein. Überrollt von freieren Geistern […] Die deutsche Frage, die heute auf der Tagesordnung steht, ist nicht die Frage der Wie dervereinigung, es ist die Frage der Reform in der DDR. Erich Honecker wehrt sich alters80 starr […]. Er hätte sich einen nobleren Abgang verschaffen können, wäre er selber an die Spitze der Reformbewegung getreten. So wird er überrollt werden von freieren Geistern. Der Dialog, den die Obrigkeit in Dresden und Leipzig mit den Reformgruppen führt, mag ein Vorbote des Kommenden sein. Der andere deutsche Staat wird so schnell nicht verschwinden, aber er wird ein anderer wer85 den. Das Jubelfest zum 40. Jahrestag der DDRGründung war der letzte Aufmarsch der alten Garde. Sie ergibt sich nicht, aber sie stirbt. Bald wird das Requiem fällig. Anmerkungen: Theo Sommer (geb.1930): Journalist, seit 1958 tätig für die Wochenzeitung „Die Zeit“, bis 1973 zunächst als politischer Redakteur, dann bis 1992 als Chefredakteur und bis 2000 als Mitherausgeber. (Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Vorlage.)
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 Seite 1 von 10 Nur für den Dienstgebrauch! Unterlagen für die Lehrkraft Abiturprüfung 2011 Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs 1. Aufgabenart Bearbeitung einer Quelle mit gegliederter Aufgabenstellung 2. Aufgabenstellung1 1. Geben Sie den Gedankengang und die Hauptaussagen des vorliegenden Textes struktu riert wieder. (20 Punkte) 2. Erläutern Sie die Ausführungen des Autors im Kontext der deutschen Teilung nach dem 2. Weltkrieg sowie der Überwindung des Kalten Krieges und der damit verbundenen Auswirkungen auf die Strukturen in der DDR bis November 1989. (36 Punkte) 3. Prüfen Sie die Prognosen Sommers im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen der beiden deutschen Staaten und auf das Verhalten der Siegermächte des Zweiten Welt kriegs anhand der tatsächlichen Entwicklungen nach dem Erscheinen des Artikels. (24 Punkte) 3. Materialgrundlage • Theo Sommer: Der alten Garde letzter Aufmarsch. Nach Knüppeln und Kartätschen Drohung: Beginnt nun doch der Dialog? In: Die Zeit, 13.10.1989, Nr. 42 4. Bezüge zu den Vorgaben 2011 1. Inhaltliche Schwerpunkte • Politische Partizipation nach dem 2. Weltkrieg � Teilung Deutschlands und Europas nach 1945 (Blockbildung) �Grundzüge der Entwicklung der beiden deutschen Staaten (1949 – 1989) � Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1989/1990 2. Medien/Materialien • entfällt 1 Die Aufgabenstellung deckt inhaltlich alle drei Anforderungsbereiche ab.
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 Seite 2 von 10 Nur für den Dienstgebrauch! 5. Zugelassene Hilfsmittel • Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung • Muttersprachliches Wörterbuch für Studierende, deren Muttersprache nicht Deutsch ist 6. Vorgaben für die Bewertung der Schülerleistungen Teilleistungen – Kriterien a) inhaltliche Leistung Teilaufgabe 1 Anforderungen Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl 1 nennt den Verfasser (Theo Sommer, Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“), die Form der Quelle (Auszug aus einem Leitartikel der Wochenzeitung „Die Zeit“), die Adressaten (politisch interessierte Leser), den Entstehungszeitpunkt (13.10.1989) und die Quellenart (Primärquelle). 2 2 nennt als Thema des Artikels in etwa: Überlegungen des Autors zur Situation und zu weiteren Entwicklungsperspektiven der DDR. 2 3 arbeitet als Kernaussage heraus, dass es hinsichtlich der DDR nicht um Wiederver einigung gehe, sondern dass sie als eigenständiger, reformierter Staat überleben werde, wenn nach dem Abtreten der bisherigen Führung die Forderungen der Bürger nach demokratischer Umgestaltung umgesetzt würden. 2 4 gibt den Gedankengang des Autors mit Hilfe von Verben, die die argumentative Funktion der Hauptaussagen verdeutlichen, sinngemäß in folgender Weise wieder: Theo Sommer • kritisiert die Haltung der DDRStaatsmacht anlässlich der Vierzigjahrfeier der DDR und stellt der offiziellen Jubelstimmung die tatsächliche, durch außerge wöhnliche Massenproteste geprägte Situation gegenüber, • verortet die Reformgruppen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und betont die Berechtigung ihrer Forderungen nach einer demokratischen, liberalen und wirtschaftlichen Umgestaltung, • hebt hervor, dass unter den Zielsetzungen der verschiedenen Reformprogramme die Wiedervereinigung keine zentrale Rolle spiele, • konstatiert, dass das Verlangen nach Wiedervereinigung um so stärker sei, je stärker die DDRFührung Reformen verweigere, • skizziert unter der Annahme eines langen, kontinuierlichen Reformprozesses in der DDR wahrscheinlichere Alternativen zur Wiedervereinigung, • verweist dabei auf die reservierte Haltung der Siegermächte in der Frage eines neuen Gesamtdeutschland, • prognostiziert angesichts des Eintretens Gorbatschows für demokratische und liberale Reformen die Ausschaltung der bisherigen DDRFührung, aber ein Wei terbestehen der DDR im neuen Gewand. 4
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 Seite 3 von 10 Nur für den Dienstgebrauch! 5 gibt die Hauptaussagen des Textes in Verbindung mit dem Gedankengang struktu riert wieder (die Trennung beider Kriterien erfolgt hier nur, um die Punktanteile aus weisen zu können): • Bei den Feiern zum 40jährigen Bestehen der DDR habe die DDRFührung die offiziellen Feierlichkeiten von der demonstrierenden Bevölkerung abgeschottet und sich damit unbeweglich gezeigt. Die allabendlichen massenhaften Demonstra tionen hätten jedoch den pflichtgemäßen Jubel der dazu extra abkommandierten Gruppen Lügen gestraft. • Neben der Kirche drängten nun auch neu gegründete Reformgruppen in Intellek tuellen und Künstlerkreisen offen auf Veränderung. In neuen politischen Gruppie rungen, in den Blockparteien und sogar in der SED zeigten sich ebenfalls kritische Stimmen. Die Zielsetzungen der verschiedenen Reformgruppen, unter denen das Neue Forum die größte sei, seien übereinstimmend auf den demokratischen Umbau der DDR mit der Durchsetzung von Menschenrechten und wirtschaftlichen Refor men ausgerichtet. Die DDRObrigkeit müsse sich diesen Ansprüchen des mündi gen Bürgers stellen. • Auffällig sei, dass die Forderungen der Protestgruppen sich nicht auf die Abschaf fung der DDR in Form einer Wiedervereinigung richteten. Die Zweistaatlichkeit werde akzeptiert und für die DDR ein „dritter Weg“ als Alternative zur kapitalis tischen BRD anvisiert, auch wenn für die Mehrheit der DDRBürger möglicher weise der Wunsch nach einer Vereinigung der beiden Staaten im Vordergrund stehe. • Zweifel an der Reformfähigkeit der SEDSpitze könnten allerdings dazu führen, dass die deutsche Einheit zum Rettungsanker werde. Umgekehrt gelte aber auch, dass der Drang zur Einheit nachlassen werde, wenn in der DDR Reformen durch gesetzt werden können. • Es sei zu erwarten, dass über längere Zeiträume hinweg Alternativen in Form eines lockeren Zusammenwirkens unter einem europäischen Dach überlegt werden – auch angesichts der problematischen Auswirkungen eines vereinigten Deutsch lands auf das empfindliche europäische Gleichgewicht, aber auch als Alternative zum Einheitsstaat Bismarck’scher Prägung. • Die Wiedervereinigung habe im Ausland nur wenige Befürworter, die Sieger mächte hielten sich trotz ihrer Zuständigkeit für „Deutschland als Ganzes“ bislang zurück. • Gorbatschow habe Honecker sein eigenes, auf Demokratisierung, Rechtsstaatlich keit und Freiheit zielendes Reformkonzept mit auf den Weg gegeben, was den kritischen Stimmen in seinem Umfeld Auftrieb geben müsse. Derzeit stehe nicht die Frage der Wiedervereinigung auf der Tagesordnung, sondern die Frage der Reformen in der DDR. Honecker und die alte Garde würden von der Entwicklung überrollt werden. Die DDR jedoch werde nicht so schnell verschwinden, sondern in reformierter Gestalt weiter existieren. 10 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (2)
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 Seite 4 von 10 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 2 Anforderungen Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl erläutert die Ausführungen des Autors im Kontext der deutschen Teilung nach dem 2. Weltkrieg sowie der Überwindung des Kalten Krieges und der damit verbundenen Auswirkungen auf die Strukturen in der DDR bis November 1989, indem er folgende Sachverhalte berücksichtigt: 1 die 1945 nach der bedingungslosen Kapitulation und nach der Übernahme der unein geschränkten Regierungsgewalt durch die Siegermächte von diesen in Potsdam fest gelegte gemeinsame Zuständigkeit für alle „Deutschland als Ganzes“ betreffenden Angelegenheiten, die der Autor anspricht. 4 2 die Hintergründe für die Bildung zweier deutscher Staaten 1949 und die sich daraus ergebende deutsche Teilung bis 1989/90; er berücksichtigt mindestens zwei Aspekte, z. B.: • die mit dem Zerfall der Kriegskoalition verbundene Spaltung der Welt in zwei sich feindlich gegenüberstehende Machtblöcke mit konträren politischen, gesellschaft lichen und wirtschaftlichen Systemen, • das Auseinanderleben der unter dieser Prämisse gegründeten beiden deutschen Staaten aufgrund ihrer unterschiedlichen Strukturen und ihrer jeweiligen Zugehö rigkeit zu einem der Blöcke, • die Abkapselung der DDR gegenüber der Bundesrepublik, z. B. durch den Bau der Mauer, durch die Erschwernis bzw. Unmöglichkeit von Besuchen Westdeut scher in der DDR und umgekehrt, • die Konfrontation der westlichen Siegermächte gegenüber der UdSSR im Zusam menhang mit der „deutschen Frage“ als Teil des Kalten Krieges. 6 3 die problematischen Strukturen des Herrschafts und Gesellschaftssystems der DDR als Ursachen der Protestbewegungen; er berücksichtigt mindestens drei der folgenden Aspekte: • das Machtmonopol der SED, beruhend auf dem Anspruch, aufgrund einer als einzig richtig deklarierten Weltanschauung in allen Bereichen die alleinige Ent scheidungskompetenz auszuüben, • die Vermischung von Partei und Staatsapparat, bei der die SED über alle politi schen und gesellschaftlichen Schlüsselpositionen verfügt, • die allgegenwärtige Überwachung der Bürger durch die Staatssicherheit, • die politische Bevormundung der Bürger der DDR, z. B. durch Einheitslisten und Manipulationen bei den Wahlen, • die Nichtbeachtung der Menschenrechte, z. B. durch Verweigerung der Meinungs und Demonstrations sowie der Reisefreiheit, durch willkürliche Verhaftungen und politisch geprägte Gerichtsurteile gegen Oppositionelle, • die geringe Leistungsfähigkeit des sozialistischen Wirtschaftssystems, die unzu reichende Versorgung mit Konsumgütern sowie die Umweltzerstörung. 8
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 Seite 5 von 10 Nur für den Dienstgebrauch! 4 die Vorgänge in der DDR, die zu der von Sommer beschriebenen Situation und schließlich zum Fall der Mauer führen; er berücksichtigt mindestens fünf Aspekte, z. B.: • die Fälschung der Kommunalwahlen 1989 und die sich dagegen richtende öffent liche Kritik verbunden mit dem Einspruch gegen die Gültigkeit der Ergebnisse, • die Rolle der evangelischen Kirche und die Montagsdemonstrationen in Leipzig gegen das SEDRegime mit der Forderung nach gesellschaftspolitischen Verän derungen in der DDR, • die Bildung von oppositionellen politischen Gruppierungen im September/Oktober 1989, so z. B. die des Neuen Forum, • das Festhalten an der Zweistaatlichkeit und an einem nichtkapitalistischen Gesell schaftssystem für die DDR durch einen großen Teil der Reformbewegung, • die Massenfluchtwelle als Ausdruck des starken Gegensatzes zwischen Staatsfüh rung und Bevölkerung, • das Herunterspielen des Umfangs und der Bedeutung der Fluchtbewegung durch die „alte Garde“ unter Honecker in Verbindung mit dem starren Festhalten am bisherigen Kurs, • den Versuch, durch die Ablösung Honeckers durch Krenz und die Ankündigung einer demokratischen Erneuerung des Sozialismus das System noch zu retten, • die am 09.11.1989 angekündigte Regelung für Westreisen, die bei den DDRBür gern zu spontanen Besuchen Richtung Westen und zu einer faktischen Öffnung der DDRGrenzen führte. 10 5 den Zusammenhang der Entwicklung in der DDR mit der von Gorbatschow betrie benen Politik der Perestroika und Glasnost im Zuge der Überwindung des Kalten Krieges; er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.: • die von Gorbatschow eingeleiteten Reformversuche in der Sowjetunion, • den Verzicht Moskaus auf jeglichen Führungsanspruch in Osteuropa mit dem Widerruf der BreschnewDoktrin, • die mit dem Wegfall dieser Doktrin ermöglichte Erhöhung des Freiraums der Bürger in den osteuropäischen Staaten, die zur Stärkung der dortigen Reform kräfte führt, • die Vorbildwirkung solcher antikommunistischen Oppositionsbewegungen für die bis dahin nur schwach ausgebildete Opposition in der DDR, • die Schwächung der Position der SED durch die fehlende Unterstützung Gorbat schows bei der Zurückdrängung oppositioneller Bewegungen. 8 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4)
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 Seite 6 von 10 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 Anforderungen Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl prüft die Prognosen Sommers im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen der beiden deutschen Staaten und auf das Verhalten der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs anhand der tatsächlichen Entwicklungen nach dem Erscheinen des Artikels, indem er folgende Überlegungen in seine Argumentation aufnimmt: 1 die Widerlegung der Annahme Sommers, in der DDR würden letztlich die auf Eigen staatlichkeit ausgerichteten Reformkräfte die Oberhand behalten – vor allem wenn die SEDFührung Reformbereitschaft zeige –, so dass sie auf der Basis umfassender Reformen als eigenständiger Staat noch geraume Zeit bestehen bleibe; er berücksich tigt mindestens vier Aspekte, z. B.: • die Tatsache, dass die Wiedervereinigung in Form des Beitritts der neuen Bundes länder zur Bundesrepublik und das InKraftTreten des Grundgesetzes in der ehe maligen DDR – entgegen der Annahme Sommers – durch den Einigungsvertrag bereits auf den 3. Oktober 1990 terminiert wurde, • die Tatsache, dass selbst der Rücktritt Honeckers Ende Oktober 1989 und die Übernahme seiner Position durch Egon Krenz und das damit verbundene Signal einer gewissen Reformbereitschaft der DDRFührung dem Wunsch nach einem Sozialismus neuer Prägung nicht zu einer Mehrheit verholfen hat, • die Tatsache, dass die eher unverhoffte Maueröffnung im November 1989 die Bereitschaft großer Teile der Bevölkerung, den Slogan „Wir sind das Volk“ durch den Slogan „Wir sind ein Volk“ zu ersetzen, deutlich beschleunigte – trotz zuneh mender Reformbereitschaft der neuen SEDFührung, • die Tatsache, dass die Macht der SED in wenigen Wochen in rasantem Tempo zer rann, mit der Folge, dass z. B. die Volkskammer Anfang Dezember den Führungs anspruch der SED aus der Verfassung strich und das Politbüro geschlossen zurück trat, • die Überlegung, dass diejenigen, die hauptsächlich von der Erfüllung ihrer ökono mischen Nachholbedürfnisse und vom Wunsch nach Reisefreiheit geleitet wurden, offensichtlich im Oktober 1989 (noch) keine, den auf Eigenstaatlichkeit bedachten Reformgruppen vergleichbare, öffentliche Stimme hatten, • die Tatsache, dass der Versuch verschiedener Repräsentanten der Bürgerbewegun gen, über Verhandlungen am Zentralen Runden Tisch seit Dezember eine demo kratische Umgestaltung der DDR bei Wahrung ihrer Eigenständigkeit zu erreichen, immer stärker überlagert wurde durch die Forderung nach einer raschen Wieder vereinigung von Seiten der Mehrheit der Bevölkerung, • die Tatsache, dass auch das Ergebnis der ersten freien Wahl der Volkskammer im März 1990 ein eindeutiges Votum in die Richtung einer Wiedervereinigung dar stellte, bei dem die Parteien Erfolg hatten, die sich für eine schnelle politische Vereinigung ausgesprochen hatten, • die Tatsache, dass sich auch in der Bundesrepublik unter Helmut Kohl diejenigen Strömungen durchsetzten, die auf eine schnelle Wiedervereinigung statt auf Zwei staatlichkeit drängten. 12
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 Seite 7 von 10 Nur für den Dienstgebrauch! 2 die Präzisierung der von Sommer eher skeptisch gesehenen Rolle der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs gegenüber der Bildung eines das europäische Gleichgewicht möglicherweise bedrohenden Gesamtdeutschlands; er berücksichtigt mindestens drei Aspekte, z. B.: • die Tatsache, dass für das Ausland mit der Überwindung der deutschen Teilung in der Tat die Frage der Friedensverträglichkeit Deutschlands im Vordergrund stand, verbunden mit Ängsten vor einer neuen deutschen Großmacht und einer wirtschaftlichen Übermacht Deutschlands in Europa, • die Tatsache, dass der Deutschlandvertrag aus den 50er Jahren die Vorbehalts rechte der drei Westmächte für alle Fragen, die Deutschland als Ganzes betreffen, regelte, so dass die deutsche Einheit nicht gegen den Willen der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs herzustellen war, • die Tatsache, dass Gorbatschow einer Vereinigung der beiden deutschen Staaten auf der Basis der Forderung der Westmächte, das vereinte Deutschland müsse Mit glied der NATO bleiben, tatsächlich skeptisch gegenüber stand, aber nach intensi ven Verhandlungen und hohen finanziellen Zusagen der Bundesrepublik schließ lich zustimmte, • die Tatsache, dass der Westen trotz seiner Vorbehalte gegen eine von den Deut schen gewünschte staatliche Einheit kaum mehr ein Veto einlegen konnte, wenn die SU, die bis dahin nach offizieller Version allein einer Beseitigung der deut schen Spaltung entgegenstand, bereit war, ihre Zustimmung zu geben, • die Tatsache, dass nach einer raschen Folge diplomatischer Verhandlungen im Jahr 1990 die Zerstreuung der Ängste des Auslands vor einem zu mächtigen Gesamtdeutschland insgesamt gelungen ist, so dass schließlich alle Seiten in Form des ZweiplusVierVertrages die Vereinigung der beiden deutschen Staaten akzeptierten. 8 3 formuliert ein Fazit, in dem er deutlich macht, dass sich Sommers Prognosen vom 13. Oktober 1989 als zu vorsichtig erwiesen haben und dass der Wunsch nach einem Beitritt zur Bundesrepublik mit dem Fall der Mauer eine solche Beschleunigung erfuhr, dass Zweifel am Sinn einer Vereinigung in den beiden deutschen Staaten selbst und die Skepsis des Auslands durch diplomatisches Geschick, vor allem von Seiten Helmut Kohls, – anders als Sommer vermutet – kurzfristig überwunden werden konnten. 4 4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (4) b) Darstellungsleistung Anforderungen Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl 1 strukturiert seinen Text schlüssig, stringent sowie gedanklich klar und bezieht sich dabei genau und konsequent auf die Aufgabenstellung. 5 2 bezieht beschreibende, deutende und wertende Aussagen schlüssig aufeinander. 4 3 belegt seine Aussagen durch angemessene und korrekte Nachweise (Zitate u. a.). 3 4 formuliert unter Beachtung der Fachsprache präzise und begrifflich differenziert. 4 5 schreibt sprachlich richtig (Grammatik, Orthographie, Zeichensetzung) sowie syntaktisch und stilistisch sicher. 4
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 Seite 8 von 10 Nur für den Dienstgebrauch! 7. Bewertungsbogen zur Prüfungsarbeit Name des Prüflings: ____________________________________ Kursbezeichnung: ____________ Schule: _____________________________________________ Teilaufgabe 1 Anforderungen Lösungsqualität Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl EK2 ZK DK 1 nennt den Verfasser … 2 2 nennt als Thema … 2 3 arbeitet als Kernaussage … 2 4 gibt den Gedankengang … 4 5 gibt die Hauptaussagen … 10 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (2) …………………………………………………………….. …………………………………………………………….. Summe 1. Teilaufgabe 20 Teilaufgabe 2 Anforderungen Lösungsqualität Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl EK ZK DK erläutert die Ausführungen … 1 die 1945 nach … 4 2 die Hintergründe für … 6 3 die problematischen Strukturen … 8 4 die Vorgänge in … 10 5 den Zusammenhang der … 8 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) …………………………………………………………….. …………………………………………………………….. Summe 2. Teilaufgabe 36 2 EK = Erstkorrektur; ZK = Zweitkorrektur; DK = Drittkorrektur
Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW GS LK HT 3 W2 Seite 9 von 10 Nur für den Dienstgebrauch! Teilaufgabe 3 Anforderungen Lösungsqualität Der Prüflingmaximal erreichbare Punktzahl EK ZK DK prüft die Prognosen … 1 die Widerlegung der … 12 2 die Präzisierung der … 8 3 formuliert ein Fazit … 4 4 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium: (4) …………………………………………………………….. …………………………………………………………….. Summe 3. Teilaufgabe 24 Summe der 1., 2. und 3. Teilaufgabe 80 Darstellungsleistung Anforderungen Lösungsqualität Der Prüfling maximal erreichbare Punktzahl EK ZK DK 1 strukturiert seinen Text … 5 2 bezieht beschreibende, deutende … 4 3 belegt seine Aussagen … 3 4 formuliert unter Beachtung … 4 5 schreibt sprachlich richtig … 4 Summe Darstellungsleistung 20 Summe insgesamt (inhaltliche und Darstellungsleistung) 100 aus der Punktsumme resultierende Note Note ggf. unter Absenkung um ein bis zwei Noten punkte gemäß § 17 Abs. 5 APOWbK Paraphe ggf. arithmetisches Mittel der Punktsummen aus EK und ZK: ___________ ggf. arithmetisches Mittel der Notenurteile aus EK und ZK: _____________ Die Klausur wird abschließend mit der Note: ________________________ (____ Punkte) bewertet. Unterschrift, Datum: