Unsere Klageerwiderung

Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Dokumente zu Glyphosat und Urheberrecht

raphael thomas - Rechtsanwälte - THOMAS RECHTSANWÄLTE - ORANIENBURGER STR. 23 - 10178 BERLIN Raphael Thomas Rechtsanwalt Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht Landgericht Köln 50922 Köln Kay Witte Rechtsanwalt* Vittorio de Vecchi Lajolo Avvocato Rechtsanwalt** Datenschutzbeauftragter (TÜV) Dr. Sebastian Creutz Rechtsanwalt** Vorab per Fax: 0221 477 3333 Jan Busemann Rechtsanwalt** Oranienburger Str. 23 10178 Berlin Tel: +49 30 220 6616 70 fax: +49 30 220 6616 77 Zweigstelle Chiemsee: Markstatt 6 83339 Chieming Info@thomas-law-office.com www.thomas-law-office.com * Angestellte(r) RA(in) ** Of Counsel/Freier Mitarbeiter Ihr Zeichen: Unser Zeichen: Datum: 14 O 163/19 109-12 15.10.2019 In Sachen Bundesinstitut für Risikobewertung ./. Semsrott Az.: 14 O 163/19 bedanken wir uns für die gewährte Fristverlängerung und beantragen, wie folgt zu erkennen: I. die Klage wird abgewiesen. II. der Kläger trägt die Kosten des Rechtsstreits. Bankverbindung: Kontoinhaber: Raphael Thomas; Bank: Deutsche Kreditbank AG, 10919 Berlin, Germany IBAN: DE71 1203 0000 1008 3448 95 BIC: BYLADEM 1001 Steuernummer: 34/559/00064 USt.-ID.: DE233979049
2 Begründung A. Soweit der Kläger seine Ansprüche auf eine angebliche Verletzung seines Vervielfältigungs- rechts gem. § 16 UrhG stützt, ist das LG Köln nicht zuständig und die Klage somit unzulässig. B. Die Klage ist darüber hinaus auch unbegründet und vollumfänglich abzuweisen, da dem Kläger die geltend gemachten Ansprüche nicht zustehen. I. Kein urheberrechtsfähiges W erk Bei der streitgegenständlichen Zusammenfassung (Anlage K 1) handelt es sich schon nicht um ein urheberrechtlich geschütztes Werk gem. § 2 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 UrhG, da es an einer per- sönlichen geistigen Schöpfung fehlt, die erforderliche Schöpfungshöhe wird nicht erreicht. Der Kläger behauptet, bei der Zusammenfassung (Anlage K 1) handele es sich „nicht lediglich um eine Übersetzung von Auszügen des umfangreichen englischspra- chigen Addendums, sondern um eine eigenständige Aufbereitung, die eine individuelle Auswahlentscheidung an Inhalten trifft, diese Inhalte eigenständig umschreibt und dabei sprachlich bewusst das Ziel verfolgt, ein schnelles einfaches Verständnis zu ermögli- chen“. (Klageschrift Seite 6, oben) Der Kläger führt weiter aus, der urheberrechtliche Schutz ergebe sich „insbesondere aus der individuell-selektiven Bearbeitung des Stoffes, die sich keines- wegs darauf beschränkt, das Addendum zitierend oder reproduzierend wiederzugeben, sondern geprägt ist von einer eigenschöpferischen Auswahl wesentlicher Informationen und deren individueller sprachlicher und textlicher Aufbereitung mit dem didaktischen Ziel einer leicht verständlichen Vermittlung“. (Klageschrift Seite 10, unten) Diese Behauptungen des Klägers sind nachweislich falsch.
3 Bei der „Zusammenfassung“ handelt es sich nämlich lediglich um die deutsche Fassung der sich auf den Seiten „ii“ bis „iv“ befindenden Teile des Addendums, die mit „Preface“ und „Abstract“ überschriebenen sind. Beweis: -Seite 1 bis 5 des Addendums, in der Form wie es derzeit bei der EFSA unter https://www.efsa.europa.eu/de/news/glyphosate-background- documents-published zum Download bereitgehalten wird, bei- gefügt als Anlage B 1 Der in der „Zusammenfassung“ mit „Vorwort“ überschriebene Teil entspricht nahezu wortgetreu dem „Preface“ des Addendums. Ebenso verhält es sich mit der „Zusammenfassung der Bewer- tung der IARC-Monographie“ der „Zusammenfassung“ und dem „Abstract“ des Addendums, wie die nachfolgende Gegenüberstellung deutlich macht. Stellungnahme des BfR zur Monographie über Glyphosat IARC- Assessment of IARC Monographs Volu- me 112 (2015): Glyphosate Vorwort Preface Der Entwurf des Bewertungsberichtes (RAR, engl. Renewal Assessment Report ) für Gly- phosat wurde im März 2014 veröffentlicht. Im Februar 2015 wurde der durch das Bundesinsti- tut für Risikobewertung (BfR) erstellte und nach der Konsultation mit den Mitgliedsstaaten und der Öffentlichkeit überarbeitete RAR für Gly- phosat im Rahmen eines Experten-Treffens bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsi- cherheit (EFSA, engl. European Food Safety Authority) diskutiert. Im Nachgang zu diesem Treffen wurde der RAR für Glyphosat durch das BfR nochmals ergänzt. Es wurden weitere Erläu- terungen zu bestimmten Sachfragen und zusätz- liche Bewertungstabellen zur Klarstellung einge- fügt. Am 01. April 2015 wurde diese ergänzte Version an das Bundesamt für Verbraucher- schutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zur Wei- terleitung an die EFSA übermittelt. In February 2015 a revised health risk assess- ment report on glyphosate prepared by the Fe- deral Institute for Risk Assessment (BfR) was discussed at the expert meeting of the European Food Safety Authority (EFSA). Subsequently, the report was amended by the BfR. This revision comprised additional evaluation tables as well as additional amendments for more clarification on some factual matters. On 1 April 2015 BfR sent this supplemented and revised version of the report to the Federal Office of Consumer Protec- tion and Food Safety (BVL) for forwarding to EFSA. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC, eng/. International Agency for Research on Cancer), eine Einrichtung der Weltgesund- heitsorganisation (WHO, engl. World Health Or- ganization), hat Glyphosat auf Grundlage der weltweit frei verfügbaren Literatur zu Glyphosat The International Agency for Cancer Research (IARC) of the World Health Organization (WHO) evaluated glyphosate as “probably carcinogenic to humans (Group 2A)”, based on the available and evaluated studies by IARC. The full report on glyphosate from the IARC monograph (Volu-
4 bewertet und den Wirkstoff als "wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen (Gruppe 2A)" beurteilt. Die vollständige Monographie zu Gly- phosat (Volume 112) wurde am 29. Juli 2015 veröffentlicht. me 112) has been publicly available since 29 July 2015. Als berichterstattender Mitgliedstaat (RMS, engl. Rapporteur Member State) für das europäische Verfahren zur erneuten Genehmigung des Wirk- stoffes Glyphosat wurde Deutschland von der EFSA beauftragt, eine Bewertung dieser IARC- Monographie bis zum 31. August 2015 zu erstel- len, damit dieser wissenschaftliche Bericht noch im laufenden Verfahren berücksichtigt werden kann. Das BfR hat diese Bewertung in Form eines Addendums zum vorangegangenen RAR erstellt und an das BVL zur Weiterleitung an die EFSA übermittelt. Dieses Addendum wird in einer Konsultation von allen anderen Mitgliedsstaaten kommentiert. Auf einem Experten-Treffen der EFSA ("Pesticides Peer Review teleconference TC 117 Mammalian Toxicology") wird das Er- gebnis der Konsultation am 29. September 2015 beraten. Die resultierende europäische Bewer- tung der IARC­ Monographie wird von der EFSA in ihre Schlussfolgerung ("EFSA conclusion") im erneuten Genehmigungsverfahren zu Glyphosat einfließen und an die EU-Kommission übermittelt. Danach wird der abschließende RAR durch die EFSA veröffentlicht werden. Um die Integrität des Entscheidungsprozesses zu schützen, ist eine vorherige Veröffentlichung des überarbeiteten RAR, einschließlich des Addendums, nicht ange- zeigt. As Rapporteur Member State (RMS) for the Eu- ropean renewal of approval of glyphosate, Ger- many was commissioned by EFSA to evaluate the IARC Monographs Volume 112 on glyphosa- te by 31 August 2015, so that this scientific analysis could be included in the renewal pro- cess of the active substance glyphosate. Once this addendum has been subjected to a consul- tation process with the other Member States and a subsequent discussion in a separate Ex- pert Meeting of EFSA at the end of September 2015, the results of this Addendum may be considered in the “EFSA Conclusion on the peer review of the pesticide risk assessment” of gly- phosate. Zusammenfassung der IARC-Monographie Abstract Bewertung der Auf Grundlage der epidemiologischen Studien an Menschen kommt die IARC zur der Schlussfol- gerung, dass es begrenzte Hinweise für die Kan- zerogenität von Glyphosat beim Menschen gebe (,There is limited evidence in humans for the carcinogenicity of glyphosate"). Der RMS hält wie die IARC die drei anderen IARC-Kategorien („Evidence suggesting Iack of carcinogenicity“, „Inadequate evidence of carcinogenicity“, „Suffi- cient evidence of carcinogenicity“) zur Klassifizie- rung der Ergebnisse aus den Humanstudien für nicht anwendbar. Die Bewertung der epidemio- logischen Studien durch den RMS, im Ergebnis der durchgeführten Konsultationen, entspricht weitgehend der Bewertung durch die IARC. Gleichwohl wird vom RMS festgestellt, dass die Based on the studies on cancer in humans IARC concluded: „There is limited evidence in humans for the carcinogenicity of glyphosate”. The Rap- porteur Member State (RMS) agrees with IARC that the other IARC categories are not suitable for the classification of the evidence from studies in humans. The evaluation of the epide- miological studies by the RMS is compa- rable to IARC. However, RMS adopts a more cautious view since no consistent posi- tive association was observed, and the most powerful study showed no effect. The IARC interpretation is more precautionary. It was also noted that in the epidemiological stu- dies a differentiation between the effects of glyphosate and the co- formulants is
5 Studien keine konsistent positive Assoziation zeigen und insbesondere die aussagestärkste Studie keinen Effekt nachweist. Es wird vom RMS darauf hingewiesen, dass die bislang vor- liegenden epidemiologischen Studien prinzipiell nicht zwischen den von Glyphosat hervorgerufe- nen Effekten und denen von Pflanzenschutzmit- teln (PSM) oder Beistoffen differenzieren können. not possible. Auf Grundlage der Studien zur Kanzerogenität bei Tieren kommt die IARC zu der Schlussfolge- rung, dass es ausreichend Hinweise für die Kan- zerogenität von Glyphosat bei Versuchstieren gebe („There is sufficient evidence in experimen- tal animals for the carcinogenicity of glyphosa- te“). Die IARC verweist in diesem Zusammen- hang insbesondere auf zwei Studien, in denen Glyphosat einen positiven Trend für die Häufig- keit von seltenen Nierentumoren und Häman- giosarkomen bei männlichen Mäusen und von Inselzelladenomen der Bauchspeicheldrüse bei männlichen Ratten bewirkte. Für die Gesamtbe- urteilung des kanzerogenen Potenzials von Gly- phosat ist jedoch von Bedeutung, dass deutlich mehr Tierstudien durchgeführt wurden, als durch die Bestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 gefordert werden. Vom RMS wurden für die Spezies Maus fünf Langzeitfütterungsstu- dien zur Kanzerogenität und für die Spezies Rat- te neun Studien zur chronischen Toxizität und Kanzerogenität berücksichtigt; in sieben Studien an Ratten erfolgte die Verabreichung von Gly- phosat über die Nahrung und in zwei Studien über das Trinkwasser. Elf dieser Studien lagen als Originalstudien vor. Sie wurden unter GLP­ Bedingungen und nach harmonisierten OECD- Testrichtlinien durchgeführt. Aus diesen Gründen stützt sich die Bewertung des RMS vorrangig auf diese elf Studien. ln der Präambel für die Arbeit der IARC ist vorgeschrieben, dass ausschließlich öffentlich zugängliche Studien berücksichtigt werden dürfen. Daher konnte die IARC nicht alle vom RMS bewerteten Studien in der Monogra- phie zu Glyphosat (Volume 112) berücksichtigen. ln Anlage ist eine Übersicht zu ausgewählten Tumorinzidenzen aus drei Studien an CD-1 Mäusen beigefügt. Based on carcinogenicity studies in experimental animals IARC concluded that glyphosate in- duced a positive trend in the incidence of rare renal tumours; a positive trend for haeman- giosarcoma in male mice and increased pancre- atic islet-cell adenoma in male rats in two stu- dies, and therefore: „There is sufficient evidence in animals for the carcinogenicity of glyphosate”. A much larger number of animal studies have been performed to evaluate the carcinogenic potential of glyphosate than necessary by the legal requirements. In mice, a total of five long- term carcinogenicity studies using dietary admi- nistration of glyphosate were considered. In rats, seven chronic toxicity and carcinogenicity stu- dies using dietary administration of glyphosate and two studies with application via drinking- water were reviewed. • Nierentumore ln zwei Studien an CD-1 Mäusen und einer Studie an Swiss Albino Mäusen zeigt die statistische Auswertung mit dem Cochran- Armitage-Test (linearer Trend-Test) einen • Renal tumours: In two studies in CD-1 mice and one study in Swiss albino mice, the statistical analy- sis with the Cochran-Armitage test for li- near trend yielded a significant result,
6 signifikanten Trend, wohingegen ein paar- weiser Vergleich keinen statistisch signifi- kanten Unterschied zwischen den einzel- nen Gruppen ergab. Dabei lagen die kom- binierten lnzidenzen für Adenome und Kar- zinome innerhalb des lnzidenzbereichs der historischen Kontrollen von bis zu 6 Pro- zent. Außerdem ist von Bedeutung, dass die bei den höchsten Dosierungen von 1460 bis 4841 mg/kg Körpergewicht pro Tag beobachteten Effekte durch übermä- ßige Toxizität beeinflusst worden sein kön- nen. ln beiden Studien an CD-1 Mäusen, jedoch nicht in der Studie an Swiss Albino Mäusen, war die Zunahme des Körperge- wichtes im Vergleich mit der Kontrollgruppe um mehr als 15 Prozent reduziert, die Sterblichkeit war jedoch nicht verändert. Diese Dosierungen liegen oberhalb der von der OECD empfohlenen Höchstdosierung von 1000 mg/kg Körpergewicht pro Tag für diese Tierversuche und können beim Menschen bereits nach einmaliger Auf- nahme zu Todesfällen führen. • Hämangiosarkome whereas the analysis by pair- wise compa- risons indicated no statistically significant differences between the groups and the incidences were within the historical con- trol range of up to 6% for adenoma and carcinoma combined. A confounding effect of excessive toxicity cannot be excluded at the highest doses of 1460 - 4841 mg/kg bw/d. In both studies in CD-1 mice, but not in Swiss albino mice, the body weight gain was decreased by more than 15% compared to controls, but mor- tality/survival was not affected. ln zwei Studien an CD-1 Mäusen wurden die lnzidenzen von Hämangiosarkomen in männlichen Mäusen mit zusätzlichen statis- tischen Methoden ausgewertet. Für beide Studien ergab die Auswertung mit dem Cochran-Armitage-Test einen signifikanten Trend, wohingegen ein paarweiser Ver- gleich keinen statistisch signifikanten Un- terschied zwischen den einzelnen Gruppen ergab. Für Hämangiosarkome in männli- chen Mäusen liegt der lnzidenzbereich der historischen Kontrollen bei bis zu 12 Pro- zent, wenn verschiedene Organe berück- sichtigt werden. Daher wurden die beo- bachteten Hämangiosarkome durch den RMS in Übereinstimmung mit der Beurtei- lung des WHO Panels des "Joint FAO HO Meeting on Pesticide Residues" (JMPR) aus dem Jahr 2004 als spontan und nicht als behandlungsbedingt beurteilt. • Pankreastumore und weitere Tumore Die statistisch signifikant erhöhte lnzidenz von gutartigen Pankreastumoren in männli- chen Ratten in der niedrigsten Dosis- Haemangiosarcoma: • . • In two studies in CD-1 mice, the in- cidences of haemangiosarcoma in male mice were reconsidered for statistical eva- luation. For both studies, the statistical analysis with the Cochran- Armitage test for linear trend yielded a significant result, whereas the analysis by pair-wise compa- risons indicated no statistically significant differences between the groups. The background incidences for haemangiosar- coma in male CD-1 mice were up to 12% if multiple organs were considered. There- fore, the observed incidences for haeman- giosarcoma were spontaneous and unrela- ted to treatment. " Pancreatic an other tumors The statistically significant increase in pan- creatic tumours incidences in the male rats of the low dose groups are considered in-
7 Gruppe wurde durch den RMS als zufällig beurteilt, da kein entsprechender Effekt bei höheren Dosierungen beobachtet wurde. Im Hinblick auf die positiven Trends bei den lnzidenzen von Leberzelladenomen in männlichen Ratten und Schilddrüsen-C- Zell-Adenomen bei weiblichen Ratten weist auch die IARC darauf hin, dass es keine Hinweise für eine Zunahme dieser gutarti- gen Tumore gibt. • Maligne Lymphome cidental. With regard to the positive trend for liver cell adenoma in male rats and thy- roid C-cell adenoma in female rats for the study of Stout and Ruecker, IARC also noted a lack of evidence for progression. " • Malignant lymphoma Die IARC hat einen Review-Artikel zu fünf Langzeitfütterungsstudien an Mäusen zi- tiert, in dem eine statistisch signifikant er- höhte lnzidenz von malignen Lymphomen beschrieben wurde. Die IARC Arbeitsgrup- pe hat jedoch die einzelnen Studien nicht bewertet, da die in dem Review-Artikel be- richteten Daten als unzureichend angese- hen wurden. Für drei der Studien an CD-1 Mäusen wurden die lnzidenzen von malig- nen Lymphomen in männlichen Mäusen durch den RMS mit zusätzlichen statisti- schen Methoden ausgewertet. Für zwei Studien ergab die statistische Auswertung mit dem Cochran-Armitage-Test einen sig- nifikanten Trend, wohingegen ein paarwei- ser Vergleich für alle drei Studien keinen statistisch signifikanten Unterschied zwi- schen den einzelnen Gruppen ergab. Zu- dem lagen die beobachteten lnzidenzen für maligne Lymphome von bis zu 12 Prozent in allen Studien innerhalb des Bereichs der historischen Kontrollen von bis zu 21,7 Prozent. Daher wurden die beobachteten malignen Lymphome als spontan, nicht behandlungsbedingt und auch nicht als ein gesundheitliches Risiko bei sachgerechter Anwendung von glyphosathaltigen PSM beurteilt. IARC also considered a review article con- taining information on five long-term bioas- say feeding studies in mice, in which a sta- tistically significant increase in the in- cidence of malignant lymphoma was re- ported, but the Working Group was unable to evaluate this study because of the li- mited experimental data provided in the review article and supplemental informati- on. In three studies in CD-1 mice, the in- cidences of malignant lymphoma in male mice were reconsidered for statistical eva- luation by the RMS. For two studies, the statistical analysis with the Cochran- Armitage trend test yielded a significant re- sult, whereas the analysis by pair-wise comparisons indicated no statistically sig- nificant differences between the groups for all three studies. The incidences observed in the above studies, with a maximum of 12%, were all within the historical control range. Therefore, the observed malignant lymphomas were spontaneous and unrela- ted to treatment. " Für die Gesamtbewertung der großen Datenba- sis an Tierstudien wurde entsprechend den in- ternational vereinbarten Bewertungsgrundsätzen und relevanten Leitlinien eine Wichtung der Hin- weise ("Weight of Evidenz") vorgenommen. Da- mit soll sichergestellt werden, dass alle Befunde im Kontext der Ergebnisse aller Studien und unter besonderer Berücksichtigung der biologi- schen Relevanz der Befunde bewertet wurden. Es ist darauf hinzuweisen, dass nicht nur eine For an overall conclusion, the large volume of animal data for glyphosate has been evaluated using a weight of evidence approach. It should be avoided to base any conclusion only on the statistical significance of an increased tumour incidence identified in a single study without consideration of the biological significance of the finding. In summary, based on the data from five carcinogenicity studies in mice and seven chro- nic toxicity and carcinogenicity studies in rats,
8 statistische Signifikanz von Tumorinzidenzen in einzelnen Studien zum ausschlaggebenden Kri- terium bei der Beurteilung des kanzerogenen Potenzials einer Substanz herangezogen werden kann. Zusammenfassend ist festzustellen, dass auf Grundlage von elf validen Kanzerogenitäts- studien an Mäusen und Ratten gemäß dem "Weight of Evidenz" geschlussfolgert werden kann, dass bei sachgerechter Anwendung von Glyphosat als Herbizid kein Krebsrisiko für den Menschen besteht. Diese Einschätzung wird in dem vom RMS initiierten Verfahren hinsichtlich der gefahrenbasierten Einstufung und Kenn- zeichnung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP-Verordnung) durch die Europäi- sche Chemikalien Agentur (ECHA. engl. Euro- pean Chemicals Agency) zusätzlich überprüft werden. the weight of evidence suggests that there is no carcinogenic risk related to the intended herbicidal uses and, in ad- dition no hazard classification for carci- nogenicity is warranted for glyphosate according to the CLP criteria. " Auf der Grundlage von weiteren Studien, die auch mögliche Wirkmechanismen untersuchen, kommt die IARC zu der Schlussfolgerung, dass es deutliche Hinweise gebe, dass Glyphosat Genotoxizität und oxidativen Stress auslösen könne, während es für rezeptorvermittelte Effek- te, Zellproliferation oder Zelltod und Beeinträchti- gung des Immunsystems durch Glyphosat nur schwache Hinweise gebe. Based on the mechanistic and other studies, IARC concluded: „There is mechanistic evidence for genotoxicity, oxidative stress, inflammation, immunosuppression, receptor-mediated effects, and cell proliferation or death of glyphosate”. Glyphosat wurde in einer umfassenden Batterie von in vitro und in vivo Mutagenitäts- und Ge- notoxizitäts-Tests geprüft. Berücksichtigt man alle verfügbaren Daten und verwendet einen "Weight of Evidenz" Ansatz, so ergibt sich, dass Glyphosat in vivo keine Mutationen hervorruft. Im Einklang mit der CLP-Verordnung wird somit keine Einstufung von Glyphosat als mutagen als erforderlich gehalten. Insgesamt ergeben sich aus den mechanistischen und anderen Studien keine zureichenden Hinweise für einen krebser- zeugenden Mechanismus des Wirkstoffes Gly- phosat. Glyphosate has been tested in a broad spect- rum of mutagenicity and genotoxicity tests in vitro and in vivo. Taking into account all available data and using a weight of evi- dence approach, it is concluded that glyphosate does not induce mutations in vivo and no hazard classification for mu- tagenicity is warranted according to the CLP criteria. In the absence of sufficient evidence for a carcinogenic risk related to the intended herbicidal uses the me- chanistic and other studies do not provi- de further evidence for a carcinogenic mechanism. " Aminomethylphosphonsäure (AMPA, engl. ami- nomethylphosphonic acid}, ein Metabolit von Glyphosat, wurde in einer ausreichenden Anzahl von in vitro und in vivo Mutagenitäts- und Ge- notoxizitäts-Tests geprüft. Berücksichtigt man alle verfügbaren Daten und verwendet einen "Weight of Evidenz" Ansatz, so ergibt sich, dass AMPA in vivo keine Mutationen hervorruft und somit, im Einklang mit der CLP-Verordnung, keine Einstufung von AMPA als mutagen erfor- derlich ist. AMPA has been tested for mutagenicity and genotoxicity in vitro and in vivo in an adequate range of assays. Taking into account all available data and using a weight of evidence approach, it is concluded that AMPA does not induce muta- tions in vivo and no hazard classification for mutagenicity is warranted according to the CLP criteria.
9 " Weltweit eingesetzte glyphosathaltige Formulie- rungen von PSM wurden in einer breiten Batterie von in vitro und in vivo Mutagenitäts- und Ge- notoxizitäts-Tests geprüft. Da die Zusammenset- zung der Formulierungen geschütztes Firmenei- gentum ist und in den publizierten Studien nicht benannt wurde, war die genaue Zusammenset- zung der Mischungen in den getesteten Formu- lierungen in den einzelnen Studien jedoch nicht nachvollziehbar. Für eine toxikologische Charak- terisierung solcher Mischungen ist jedoch die Kenntnis aller Bestandteile, wie sie in den Zulas- sungsverfahren von PSM garantiert wird, von ausschlaggebender Bedeutung. ln den veröffent- lichten Studien wurden positive Ergebnisse aus in vitro Studien zu Chromosomenschädigung, zu DNA-Strangbrüchen sowie SCE-Induktion be- richtet. Für einige glyphosathaltige Formulierun- gen liegen aber auch positive Ergebnisse aus in vivo Chromosomenaberrations- oder Mikrokern- tests sowie Tests auf DNA­Addukte, DNA- Strangbrüche sowie SCE-Induktion vor. Es liegen jedoch keine regulatorisch verwendbaren, d.h. unter GLP-Bedingungen und nach OECD- Testrichtlinien durchgeführte Studien für diese Endpunkte vor. Für die einzelnen glyphosathalti- gen Formulierungen kann daher keine gesicherte Schlussfolgerung hinsichtlich der mutagenen oder zytotoxischen Eigenschaften getroffen wer- den. Glyphosate-based formulations have been ex- tensively tested for mutagenicity and genotoxici- ty in vitro and in vivo in a wide range of assays. However, since formulation compositions are considered proprietary, the specific composition of the formulations tested was not available for the published studies. Positive results from in vitro chromosomal damage assays and tests for DNA strand breakage and SCE induction were reported in published studies. For specific gly- phosate-based formulations, in vivo mammalian chromosomal aberration or micronucleus assays as well as tests for DNA adducts, DNA strand breakage and SCE induction gave positive re- sults in some published studies. However, no "regulatory studies for these endpoints were provided. Thus, for the different glyphosa- te-based formulations, no firm conclusi- ons can be drawn with regard to a need for classification according to the CLP criteria. Im Ergebnis dieser Bewertung empfiehlt der RMS ausdrücklich, dass zukünftig für alle PSM regulatorisch verwendbare Studien zum genato- xischen Potential durchzuführen sind. Das heißt auch, dass für die glyphosathaltige EU- Beispielformulierung entsprechende Untersu- chungen als bestätigende Informationen ("con- firmatory information") im Rahmen der zona- len/nationalen Zulassung des PSM nachzufor- dern sind, die die vorliegenden positiven in vitro und in vivo Befunde entlasten. Berücksichtigt man den geringen Grad der Me- tabolisierung von Glyphosat sowie dessen che- mische Struktur, so ist es unwahrscheinlich, dass es zur Bildung von Glyphosatradikalen kommt, die oxidativen Stress auslösen können. Allerdings stellt die Entkopplung bzw. die Hemmung der mitochondrialen oxidativen Phosphorylierung auch einen anerkannten Mechanismus für die Erzeugung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS, engl. Reactive Oxygen Species) dar. Dies wurde sowohl für Glyphosat als auch für eine Considering the low level of metabolism and the chemical structure of glyphosate, glyphosate radical formation initiating oxidative stress appears unlikely. However, uncoupling or inhibi- tion of mitochondrial oxidative phosphorylation also represents an established mechanism for ROS generation. Notably, uncoupling of oxidati- ve phosphorylation by glyphosate has been reported in rat liver microsomes and a glyphosa- te formulation. Induction of oxidative stress can provide a mechanistic explanation for any obser-
10 glyphosathaltige Formulierung in der Rattenleber gezeigt. Die Auslösung von oxidativem Stress kann eine mechanistische Erklärung für jede zytotoxische/degenerative und indirekt genatoxi- sche Wirkung einer Substanz sein. Allerdings kann aus der alleinigen Beobachtung von oxida- tivem Stress sowie dem Vorliegen eines plausib- len Mechanismus für die Auslösung von oxidati- vem Stress keine Aussage über das genatoxi- sche bzw. kanzerogene Potential von Glyphosat bzw. von glyphosathaltigen Formulierungen ab- geleitet werden. Weiterhin verweist der RMS darauf, dass die vorliegenden Daten nicht die Schlussfolgerung zulassen, dass Glyphosat Im- munsuppression bewirkt. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass aufgrund der geringen Anzahl an Studien und der Tatsache, dass alle Studien Limitierungen aufweisen, keine gesicherten In- formationen über eine immunmodulatorische Wirkung von Glyphosat verfügbar sind. ved cytotoxic/degenerative and indirectly ge- notoxic effects of substances. However, from the sole observation of oxidative stress and the existence of a plausible mechanism for induction of oxidative stress through uncoupling of mito- chondrial oxidative phosphorylation alone, ge- notoxic or carcinogenic activity in humans can- not be deduced for glyphosate and glyphosate based formulations. Furthermore, the RMS con- cludes that the evidence from available data does not allow the conclusion that glyphosate caused immunosuppression. However it is to note that due to the small number of studies assessed and the fact that all studies show limi- tations, no robust information is available to conclude on the immunomodulatory action of glyphosate. Glyphosat wurde in das Screening-Programm der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde (U.S. EPA, engl. United States Environmental Protection Agency) für endokrin-schädliche Sub- stanzen (EDSP, engl. Endocrine Disruptor Screening Programme) aufgenommen. Auf Grundlage der durchgeführten Tier-1 Studien und unter Berücksichtigung von weiteren regula- torischen Studien wurde geschlussfolgert, dass Glyphosat nicht als endokrin­schädliche Sub- stanz eingestuft werden muss und auch keine anderen rezeptorvermittelten Effekte besitzt. Zusätzlich wurden auch Daten zur Apoptose und Proliferation in Zellsystemen von Menschen und Mäusen berichtet, die nicht als zusätzliche me- chanistische Hinweise für die Kanzerogenität von Glyphosat gewertet werden können. Glyphosate was included into the U.S. EPA En- docrine Disruptor Screening Program’s (EDSP). It was concluded that, based on the Tier 1 as- says that had been performed at different inde- pendent laboratories and taking into account the ‘higher tier’ regulatory safety studies, glyphosate should not be considered an endocrine disrupter or to have other receptor-mediated effects. In- formation on apoptosis and proliferation in cell systems from humans and mice was reported, but this was not considered as additional me- chanistic evidence for carcinogenicity of gly- phosate. ln Bezug auf die Exposition mit Glyphosat wur- den im RAR und in der IARC-Monographie keine abweichenden Schlussfolgerungen getroffen. ln der IARC-Monographie wurden Ergebnisse von vier Studien zur Exposition von Anwendern und zwei zur Exposition von Landwirten und ihren Familien bewertet. Die Studien wurden zwischen 1988 und 2007 mit verschiedenen glyphosathal- tigen PSM in unterschiedlichen Ländern Nord- amerikas und Europas durchgeführt. Die in die- sen Studien angegebenen Expositionswerte lagen unterhalb oder in der gleichen Größenord- nung wie die Werte, die im RAR prognostiziert wurden. Results of four occupational and two para- occupational studies using various glyphosate- containing plant protection products have been evaluated in the International Agency for Cancer Research (IARC) monograph, which were car- ried out between 1988 and 2007 in different countries of North America and Europe. The recorded exposure values in these studies were below or in the same order of magnitude as those predicted in the Renewal Assessment Report (RAR).