Steigende Erwerbstätigkeit von Frauen und ihre anhaltende Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 21 – Drucksache 18/734 20. Wie hoch ist der Anteil der Betriebe, in denen es Maßnahmen zur Vereinbar- keit von Beruf und Familie und zur Förderung der Chancengleichheit gibt? Über den Anteil der Betriebe mit Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zur Förderung der Chancengleichheit berichtet seit dem Jahr 2004 in einem Turnus von vier Jahren das repräsentative Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die aktuell daraus vorliegenden Angaben beziehen sich auf das Jahr 2012; sie sind wegen eines zuletzt erweiter- ten Fragenprogramms nicht direkt mit den Jahren 2004 und 2008 vergleichbar (siehe Bechmann u. a., Beschäftigungsmuster von Frauen und Männern. Aus- wertungen des IAB-Betriebspanels 2012, IAB-Forschungsbericht 14/2013, S. 58 ff.). Demnach gab es bundesweit in 29 Prozent aller Betriebe spezifische Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zur Förderung der Chancengleichheit, die gleichermaßen auf Frauen und Männer gerichtet waren. Die Verbreitung solcher Maßnahmen ist in größeren Betrieben häufiger (siehe Tabelle 15), weshalb potenziell 61 Prozent aller Beschäftigten Zugang zu diesen Maßnahmen hatten. Die IAB-Analyse der Betriebsangaben weist darauf hin, dass Branchen mit bestehenden gesetzlichen Vorgaben zur Gleichstellung von Frauen und Männern auch häufiger entsprechende Maßnahmen auf Ebene des Betriebs oder der Dienststelle aufweisen. Über alle Betriebe 2012 betrachtet nehmen unter den gleichstellungsrelevanten Angeboten Maßnahmen der betrieblichen Arbeitszeitgestaltung, die den Bedürf- nissen von Beschäftigten mit Betreuungspflichten entgegenkommen, die größte Bedeutung ein: Rund 23 Prozent aller Betriebe haben entsprechende Arbeits- zeitregelungen. Hierbei geht es nach den Angaben des IAB-Betriebspanels um betriebliche Angebote wie flexible Arbeitszeiten, Arbeitszeitkonten, Telearbeit und familienfreundliche Teilzeitmodelle. Alle anderen Maßnahmen hingegen bewegen sich im einstelligen Prozentbereich. So unterbreiteten 2012 7 Prozent der Betriebe ihren weiblichen wie männlichen Beschäftigten in Elternzeit ent- sprechende Angebote, z. B. in Form von Weiterbildung. 6 Prozent der Betriebe unterstützten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung und 4 Prozent im Falle pflegebedürftiger Angehöriger. Gezielte Frauenförderung wurde von 2 Prozent der Betriebe angegeben, in entsprechende Netzwerke war 1 Prozent einbezogen. Die entsprechenden Anteilswerte liegen gemäß der vor- liegenden IAB-Analyse dann höher, wenn die befragten Betriebe dem öffent- lichen Dienst angehören und/oder überdurchschnittlich viele Frauen beschäf- tigen.
Drucksache 18/734 – 22 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode Tabelle 15: Anteil der Betriebe mit Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Män- nern, nach Branchen und Betriebsgrößenklassen 2012, in Prozent Anteil der Betriebe mit Maßnahmen in Prozent Öffentliche Verwaltung 64 Erziehung und Unterricht 56 Finanz- und Versicherungs-Dienstleistungen 47 Organisation ohne Erwerbszweck 44 Gesundheits- und Sozialwesen 44 Bergbau, Energie, Wasser, Abfall 38 Information und Kommunikation 35 Unternehmensnahe Dienstleistungen 33 Verarbeitendes Gewerbe 26 Handel und Reparatur 25 Sonstige Personennahe Dienstleistungen 23 Beherbergung und Gastronomie 20 Verkehr und Lagerei 20 Land- und Forstwirtschaft 20 Baugewerbe 15 1 bis 9 Beschäftigte 22 10 bis 49 Beschäftigte 42 50 bis 249 Beschäftigte 67 ab 250 Beschäftigte 86 Insgesamt 29 Quelle: IAB-Betriebspanel 2012. Neben diesem von der großen Zahl der kleineren und mittleren Einheiten in der deutschen Betriebslandschaft geprägten Bild lassen sich zum Stand der Fami- lienfreundlichkeit in der deutschen Wirtschaft weitere Hinweise aus dem „Un- ternehmensmonitor Familienfreundlichkeit“ gewinnen, einer Unternehmens- befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Bundes- ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2003, 2006, 2010, 2013). Demnach schätzen über 80 Prozent der befragten Unternehmen die Be- deutung von Familienfreundlichkeit für sich mittlerweile als wichtig oder eher wichtig ein; das waren im Jahr 2003 mit knapp 47 Prozent noch deutlich weni- ger. Nach diesen Angaben ist seit dem Jahr 2003 die Zahl der Unternehmen mit besonders vielen verschiedenen familienfreundlichen Maßnahmen deutlich ge- stiegen: Der Anteil der Unternehmen, die 13 oder mehr Maßnahmen anbieten, ist mit gut acht Prozent deutlich höher als im Jahr 2003 (etwas mehr als 2 Prozent). Gut 15 Prozent der Unternehmen führen zehn bis zwölf Maßnahmen durch (2009: 17 Prozent; 2006: 15 Prozent; 2003: etwas über 3 Prozent) und weitere 27 Prozent sieben bis neun Maßnahmen (2009: 30 Prozent; 2006: 23 Prozent; 2003: etwas über 9 Prozent). Die Bundesregierung fördert die Unternehmen bei Maßnahmen der Gleichstel- lung im Betrieb. Knapp 100 Unternehmen beteiligen sich an dem vom Bundes- ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Programm „Mehr Frauen in Führungspositionen – Regionale Bündnisse für Chancen- gleichheit“. Politik und Wirtschaft legen hierbei in zehn regionalen Bündnissen regionsspezifische Ziele fest und etablieren konkrete personalpolitische Instru- mente und Maßnahmen, um die Karriereentwicklung von Frauen zu fördern und Strukturen für mehr Chancengleichheit zu schaffen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 23 – Drucksache 18/734 21. Zu welchem Anteil geht die bestehende allgemeine Verdienstlücke zwi- schen Frauen und Männern auf die geringfügige Beschäftigung zurück (von der Frauen überproportional betroffen sind)? Sieht die Bundesregierung hier Handlungsbedarf? Für 2010 hat das Statistische Bundesamt die Bereinigung der Lohnlücke auf der Basis der Verdienststrukturerhebung 2010 ermittelt. Diese Verdienststrukturer- hebung wird nur alle vier Jahre durchgeführt. Danach verdienten Frauen bei ver- gleichbarer Qualifikation und Tätigkeit pro Stunde durchschnittlich 7 Prozent weniger als Männer. Die genaue Komponentenzerlegung des Statistischen Bun- deamtes zeigt, dass 2 Prozentpunkte (von 22) des Verdienstunterschieds (Gender Pay Gap) auf die geringfügige Beschäftigung und den Beschäftigungsumfang zurückzuführen sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Verdienststruktur- erhebung des Statistischen Bundesamtes Betriebe mit weniger als zehn Mitar- beitern nicht erfasst. Frauen sind überproportional in solchen kleinen Betrieben – und dort überproportional nur geringfügig – beschäftigt. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Übergänge aus geringfügiger in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu erleichtern (vgl. die Antwort zu Frage 32). 22. Was sind die zwölf Branchen und Berufsgruppen, in denen derzeit absolut und relativ die meisten Frauen arbeiten? Wie stellt sich in diesen Branchen bzw. Berufsgruppen das Lohnniveau dar verglichen mit dem allgemeinen Durchschnittslohn und gemessen am Niedriglohnanteil? Differenziert nach Wirtschaftsabteilungen (aus der Klassifikation der Wirt- schaftszweige 2008) arbeiteten im Juni 2013 die meisten sozialversicherungs- pflichtig beschäftigten Frauen im Gesundheitswesen (rund 1 781 000 oder 13 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen). Weitere In- formationen können der folgenden Tabelle 16 entnommen werden.
Drucksache 18/734 – 24 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode Tabelle 16: Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit der höchsten Anzahl an sozialversicherungspflichtig be- schäftigten Frauen Anteil beschäftigte Sozialversich- Insgesamt Frauen in erungspflichtig Sozialversich- Branche mit größtem Anteil Frauen nach den Wirtschafts- Rang beschäftigte erungspflichtig Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013 abteilung an Frauen am Beschäftigte am beschäftigten 30.06.2013 30.06.2013 Frauen insgesamt 1 2 3 Insgesamt 13.513.163 29.268.918 - darunter 1 86 Gesundheitswesen 1.780.955 2.193.762 13,2% 2 47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 1.564.194 2.219.650 11,6% 84 Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; 3 Sozialversicherung 1.059.754 1.681.256 7,8% 4 85 Erziehung und Unterricht 782.266 1.125.037 5,8% 5 87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime) 718.633 898.176 5,3% 6 88 Sozialwesen (ohne Heime) 525.358 669.646 3,9% 7 46 Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 476.710 1.338.376 3,5% 8 64 Erbringung von Finanzdienstleistungen 372.589 654.169 2,8% 81 Gebäudebetreuung; Garten- und 9 Landschaftsbau 347.051 647.698 2,6% 10 56 Gastronomie 345.267 644.023 2,6% 11 69 Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung 330.378 422.656 2,4% 12 10 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln 301.112 584.948 2,2% Branche 1 - 12 insgesamt 8.604.267 13.079.397 63,7% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Bei einer Darstellung nach ausgeübter Tätigkeit (Berufshauptgruppen aus der Klassifikation der Berufe 2010) werden die höchsten Werte für Berufe der Unternehmensführung und -organisation ausgewiesen (rund 2 518 000 oder 19 Prozent). Weitere Informationen können der folgenden Tabelle 17 entnom- men werden.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 25 – Drucksache 18/734 Tabelle 17: Die zwölf Berufshauptgruppen mit der höchsten Anzahl an sozialversicherungspflichtig beschäf- tigten Frauen Anteil beschäftigte Sozialversich- Insgesamt Frauen in erungspflichtig Sozialversich- Berufshauptgruppen mit größtem Anteil Frauen Berufshaupt- Rang beschäftigte erungspflichtig nach der KldB 2010 am 30.06.2013 gruppe an Frauen am Beschäftigte am beschäftigten 30.06.2013 30.06.2013 Frauen insgesamt 1 2 3 Insgesamt 13.513.163 29.268.918 - darunter 1 71 Berufe Unternehmensführung,-organisation 2.518.373 3.895.088 18,6% 2 81 Medizinische Gesundheitsberufe 1.836.065 2.205.286 13,6% 3 62 Verkaufsberufe 1.446.262 1.966.113 10,7% 4 83 Erziehung,soz.,hauswirt.Berufe,Theologie 1.129.230 1.334.525 8,4% 5 72 Finanzdienstl.Rechnungsw.,Steuerberatung 838.475 1.367.007 6,2% 6 73 Berufe in Recht und Verwaltung 718.443 955.545 5,3% 7 82 Nichtmed.Gesundheit,Körperpfl.,Medizint. 628.322 764.421 4,6% 8 54 Reinigungsberufe 578.137 746.056 4,3% 9 51 Verkehr, Logistik (außer Fahrzeugführ.) 497.392 1.716.661 3,7% 10 63 Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe 455.077 663.003 3,4% 11 61 Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe 324.610 882.356 2,4% 12 29 Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung 323.310 760.141 2,4% 1 - 12 insgesamt 11.293.696 17.256.202 83,6% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Als Grundlage für die Beantwortung des zweiten Teils der Frage kann das Merk- mal „Entgelt“ aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) herangezogen werden. Auswertungen liegen derzeit bis 2012 vor. Das im Rahmen der Entgeltstatistik abgebildete sozialversicherungspflichtige Brutto- arbeitsentgelt (kurz: Arbeitsentgelt) umfasst alle laufenden oder einmaligen Ein- nahmen aus der Hauptbeschäftigung bis zur so genannten Beitragsbemessungs- grenze in der Rentenversicherung. Auswertungen zu den Entgelten werden je- weils nur für Beschäftigte am 31. Dezember eines Jahres durchgeführt. Umfas- sende methodische Informationen zur Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit können der Veröffentlichung „Sozialversicherungspflichtige Brutto- arbeitsentgelte – Deutschland“ auf den Seiten der BA-Statistik (statistik.arbeits- agentur.de) in der Rubrik „Statistik nach Themen“ → „Beschäftigung“ → „Ent- gelt“ entnommen werden. In Anlehnung an die Definition der OECD gilt hier als geringverdienend, wer als sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter (ohne Auszubildende) weni- ger als zwei Drittel des Medianentgelts aller sozialversicherungspflichtig Voll- zeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) erzielt. Die Einschränkung auf Vollzeit- beschäftigte muss erfolgen, weil in der Beschäftigungsstatistik nur Angaben zu Bruttomonatsentgelten und keine Angaben zu Stundenlöhnen vorliegen. Durch die Beschränkung werden somit Vergleiche zwischen verschiedenen Stichtagen in ihrer Aussagekraft nicht durch unterschiedliche Anteile von Teilzeitbeschäf-
Drucksache 18/734 – 26 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode tigten oder Auszubildenden beeinträchtigt. Diese Schwelle des unteren Lohn- bereichs ist eine statistische Kennziffer der Entgeltverteilung, die keine Aus- sagen über die Lebenssituation oder gar Bedürftigkeit zulässt, da weder sonstige Einkommen noch der Haushaltskontext berücksichtigt sind. Bei der Interpre- tation der Werte ist zudem zu beachten, dass der untere Lohnbereich unabhängig von ggf. entgeltrelevanten Merkmalen wie beispielsweise der Qualifikation, Alter, Beruf, Branche definiert wird. Tabelle 18 Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit der höchsten Anzahl an sozialversicherungspflichtig be- schäftigten Frauen – Medianentgelte und Anteil am unteren Lohnbereich Medianentgelt der Medianentgelt sozialversich- insgesamt bzw. Anteil Frauen im erungspflichtig Vergleich mit unteren Branche mit größtem Anteil Frauen nach den beschäftigten allgemeinem Entgeltbereich Rang Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013 Frauen in Vollzeit Durchschnitts- (Schwelle: 1926 im Dezember entgelt ( in €) 2012 in € Prozent) 1 2 3 Insgesamt 2.558 2.889 30,0% darunter 1 86 Gesundheitswesen 2.507 86,8% 29,8% 2 47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 2.013 69,7% 45,4% 84 Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; 3 Sozialversicherung 3.074 106,4% 4,2% 4 85 Erziehung und Unterricht 3.037 105,1% 10,9% 5 87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime) 2.498 86,5% 26,2% 6 88 Sozialwesen (ohne Heime) 2.418 83,7% 30,8% 7 46 Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 2.597 89,9% 23,8% 8 64 Erbringung von Finanzdienstleistungen 3.706 128,3% 2,7% 81 Gebäudebetreuung; Garten- und 9 Landschaftsbau 1.543 53,4% 69,1% 10 56 Gastronomie 1.419 49,1% 80,7% 11 69 Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung 2.351 81,4% 32,2% 12 10 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln 1.705 59,0% 62,9% Branche 1 - 12 insgesamt 2.515 85,5% 42,0% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Der bundeseinheitliche Schwellenwert für den unteren Lohnbereich lag zum Stichtag 31. Dezember 2012 bei 1 926 Euro. In Vollzeit beschäftigte Frauen (ohne Auszubildende) im Gesundheitswesen er- zielten im Jahr 2012 im Mittel (Median) ein Bruttomonatsentgelt von 2 507 Euro, im Vergleich zu einem wirtschaftsabteilungsübergreifenden Wert von 2 558 Euro. Für Frauen in Berufen der Unternehmensführung und -organisation wird ein Medianentgelt von 2 830 Euro ausgewiesen. Der Anteil der vollzeit- beschäftigten Frauen im unteren Entgeltbereich betrug im Gesundheitswesen 29,8 Prozent und bei Berufen der Unternehmensführung und -organisation 21,1 Prozent. Weitere Informationen können den Tabellen 18 und 19 entnom- men werden.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 27 – Drucksache 18/734 Tabelle 19: Die zwölf Berufshauptgruppen mit der höchsten Anzahl an sozialversicherungspflichtig beschäf- tigten Frauen – Medianentgelte und Anteil am unteren Lohnbereich Medianentgelt Medianentgelt insgesamt bzw. Anteil Frauen im der sozialversich- Vergleich mit unteren Berufshauptgruppen mit größtem Anteil Frauen erungspflichtig Rang allgemeinem Entgeltbereich nach der KldB 2010 am 30.06.2013 beschäftigten Durchschnitts- (Schwelle: 1926 Frauen in Vollzeit entgelt ( in €) (€) Prozent) 1 2 3 Insgesamt 2.558 2.889 30,0% darunter 1 71 Berufe Unternehmensführung,-organisation 2.830 97,9% 21,1% 2 81 Medizinische Gesundheitsberufe 2.479 85,8% 30,4% 3 62 Verkaufsberufe 1.834 63,5% 54,7% 4 83 Erziehung,soz.,hauswirt.Berufe,Theologie 2.749 95,2% 18,3% 5 72 Finanzdienstl.Rechnungsw.,Steuerberatung 3.347 115,9% 10,7% 6 73 Berufe in Recht und Verwaltung 2.963 102,6% 10,9% 7 82 Nichtmed.Gesundheit,Körperpfl.,Medizint. 1.792 62,0% 55,4% 8 54 Reinigungsberufe 1.475 51,1% 75,5% 9 51 Verkehr, Logistik (außer Fahrzeugführ.) 2.084 72,1% 42,8% 10 63 Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe 1.643 56,9% 66,3% 11 61 Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe 3.148 109,0% 12,2% 12 29 Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung 1.679 58,1% 63,3% 1 - 12 insgesamt 2.548 88,2% 38,1% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit 23. Was waren die zwölf Branchen, in denen in den zurückliegenden Jahren absolut als auch relativ die stärksten Beschäftigungszuwächse von Frauen zu verzeichnen waren (bitte jeweils konkrete Zahlen absolut und relativ nennen)? Wie stellt sich in diesen Branchen das Lohnniveau dar verglichen mit dem allgemeinen Durchschnittslohn und gemessen am Niedriglohnanteil? Differenziert nach Wirtschaftsabteilungen (aus der Klassifikation der Wirt- schaftszweige 2008) gab es für Frauen zwischen Juni 2008 und Juni 2013 die größte absolute Zunahme an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung im Gesundheitswesen (+181 000 oder +11,3 Prozent). Weitere Informationen können der folgenden Tabelle 20 entnommen werden.
Drucksache 18/734 – 28 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode Tabelle 20: Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit dem höchsten Zuwachs bei der Zahl der sozialversicherungs- pflichtig beschäftigten Frauen – Anstieg seit Juni 2008 (absolut) Sozialversich- Sozialversich- erungspflichtig erungspflichtig Branche mit größtem Zuwachs Frauen nach den Zuwachs 5 Jahre Rang beschäftigte beschäftigte Zuwachs 5 Jahre Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013 in v.H. Frauen am Frauen am 30.06.2008 30.06.2013 1 2 3 4 Insgesamt 12.394.125 13.513.163 1.119.038 9,0% darunter 1 86 Gesundheitswesen 1.600.111 1.780.955 180.844 11,3% 2 88 Sozialwesen (ohne Heime) 381.431 525.358 143.927 37,7% 3 47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kfz) 1.458.533 1.564.194 105.661 7,2% 4 87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime) 615.054 718.633 103.579 16,8% 5 85 Erziehung und Unterricht 688.290 782.266 93.976 13,7% 6 70 Verw.u.Führ. v.Untern.u.Betr.;Unt.berat. 172.076 259.852 87.776 51,0% 7 81 Gebäudebetreuung;Garten-u.Landschaftsbau 284.904 347.051 62.147 21,8% 8 84 Öffentl. Verwalt.,Verteidigung;Soz.vers. 1.004.617 1.059.754 55.137 5,5% 9 56 Gastronomie 305.953 345.267 39.314 12,8% 10 82 Dienstleistg.f.Untern.u.Privatpers.ang 121.344 159.630 38.286 31,6% 11 71 Architektur-, Ingenieurbüros; Labore 138.335 166.848 28.513 20,6% 12 62 DL der Informationstechnologie 124.796 153.076 28.280 22,7% 1 - 12 insgesamt 6.895.444 7.862.884 967.440 14,0% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Die größte relative Zunahme an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gab es im Bereich „Herstellung von Waren und Erbringung von Dienstleistun- gen durch private Haushalte für den Eigenbedarf ohne ausgeprägten Schwer- punkt“, hier stieg die Zahl der weiblichen Beschäftigten um über 200 Prozent. Absolut betrachtet ist das jedoch lediglich ein Anstieg um 166 auf 237 Beschäf- tigte. Weitere Informationen können der folgenden Tabelle 21 entnommen wer- den.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 29 – Drucksache 18/734 Tabelle 21: Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit dem höchstem Zuwachs bei der Zahl der sozialversiche- rungspflichtig beschäftigten Frauen – Anstieg seit Juni 2008 (in %) Sozialversich- Sozialversich- erungspflichtig erungspflichtig Branche mit größtem Zuwachs Frauen nach Zuwachs 5 Jahre Rang beschäftigte beschäftigte Zuwachs 5 Jahre den Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013 in v.H. Frauen am Frauen am 30.06.2008 30.06.2013 1 2 3 4 Insgesamt 12.394.125 13.513.163 1.119.038 9,0% darunter 1 98 H.v.Waren,Dienstl.d.priv. Haushalte oaS 71 237 166 233,8% 2 70 Verw.u.Führ. v.Untern.u.Betr.;Unt.berat. 172.076 259.852 87.776 51,0% 3 74 Sonst.freiberufl., wiss.u.techn. Tätigk. 20.810 29.136 8.326 40,0% 4 92 Spiel-, Wett- und Lotteriewesen 24.804 34.591 9.787 39,5% 5 88 Sozialwesen (ohne Heime) 381.431 525.358 143.927 37,7% 6 09 DL f.Bergbau u.Gew.v.Steine u.Erden 1.437 1.942 505 35,1% 7 82 Dienstleistg.f.Untern.u.Privatpers.ang 121.344 159.630 38.286 31,6% 8 66 M.Finanz-u.Versicherungs-DL verb.Tätigk. 80.249 101.985 21.736 27,1% 9 75 Veterinärwesen 18.088 22.759 4.671 25,8% 10 21 Herstellung v. pharmazeut. Erzeugnissen 54.530 67.264 12.734 23,4% 11 62 DL der Informationstechnologie 124.796 153.076 28.280 22,7% 12 30 Sonstiger Fahrzeugbau 18.373 22.536 4.163 22,7% 1 - 12 insgesamt 1.018.009 1.378.366 360.357 35,4% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Die Betrachtung des Medianentgelts und des unteren Lohnbereichs wird anhand der absoluten Rechnung vorgenommen. Vollzeitbeschäftigte Frauen (ohne Aus- zubildende) im Gesundheitswesen erzielten im Jahr 2012 im Mittel (Median) ein Bruttomonatsentgelt von 2 507 Euro, im Vergleich zu einem wirtschaftsabtei- lungsübergreifenden Wert von 2 558 Euro. Der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen im unteren Entgeltbereich betrug im Gesundheitswesen 29,8 Prozent. Weitere Informationen können der folgenden Tabelle 22 entnommen werden.
Drucksache 18/734 – 30 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode Tabelle 22: Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit dem höchsten Zuwachs (absolut) bei der Zahl der sozialver- sicherungspflichtig beschäftigten Frauen – Medianentgelte und Anteil am unteren Lohnbereich Medianentgelt Medianentgelt insgesamt bzw. Anteil Frauen im der sozialversich- Vergleich mit unteren Branche mit größtem Zuwachs Frauen nach den Zuwachs 5 Jahre erungspflichtig allgemeinem Entgeltbereich Rang beschäftigten Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013 Durchschnitts- (Schwelle: 1926 Frauen in Vollzeit entgelt ( in €) in € Prozent) 1 2 3 4 Insgesamt 1.119.038 2.558 2.889 30,0% darunter 1 86 Gesundheitswesen 180.844 2.507 86,8% 29,8% 2 88 Sozialwesen (ohne Heime) 143.927 2.418 83,7% 30,8% 3 47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kfz) 105.661 2.013 69,7% 45,4% 4 87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime) 103.579 2.498 86,5% 26,2% 5 85 Erziehung und Unterricht 93.976 3.037 105,1% 10,9% 6 70 Verw.u.Führ. v.Untern.u.Betr.;Unt.berat. 87.776 3.390 117,4% 13,5% 7 81 Gebäudebetreuung;Garten-u.Landschaftsbau 62.147 1.543 53,4% 69,1% 8 84 Öffentl. Verwalt.,Verteidigung;Soz.vers. 55.137 3.074 106,4% 4,2% 9 56 Gastronomie 39.314 1.419 49,1% 80,7% 10 82 Dienstleistg.f.Untern.u.Privatpers.ang 38.286 1.980 68,5% 47,8% 11 71 Architektur-, Ingenieurbüros; Labore 28.513 2.733 94,6% 20,7% 12 62 DL der Informationstechnologie 28.280 3.371 116,7% 16,5% 1 - 12 insgesamt 967.440 2.548 88,2% 40,5% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit 24. Was waren die zwölf Berufsgruppen, in denen in den zurückliegenden Jah- ren absolut als auch relativ die stärksten Beschäftigungszuwächse von Frauen zu verzeichnen waren (bitte jeweils konkrete Zahlen absolut und relativ nennen)? Wie stellt sich in diesen Berufsgruppen das Lohnniveau verglichen mit dem allgemeinem Durchschnittslohn und gemessen am Niedriglohnanteil dar? Seit Berichtsmonat Dezember 2012 erfolgt die Berichterstattung der Beschäf- tigungsstatistik zu Berufen auf Basis der „Klassifikation der Berufe 2010“ (KldB 2010). Eine Darstellung älterer Stichtage ist anhand der KldB 2010 nicht möglich. Ein Vergleich mit früheren Stichtagen auf Basis der Klassifizierung der Berufe 1988 (KldB 1988) ist ebenfalls nicht sinnvoll möglich. Die gewünschte Entwicklung kann daher nicht abgebildet werden. 25. Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um auf die sehr geschlechtsspe- zifische Berufswahl Einfluss zu nehmen, und wenn ja, welche? Der Bundesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, die Erwerbsmöglichkeiten von Frauen zu erweitern. Da die Karriereentwicklung von der Wahl des Aus- bildungsberufs oder des Studienfachs abhängt, ist es erforderlich, Gender- aspekte konsequent auch in der Berufsberatung der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter zu berücksichtigen.