Steigende Erwerbstätigkeit von Frauen und ihre anhaltende Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt

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Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode                       – 21 –                       Drucksache 18/734 20. Wie hoch ist der Anteil der Betriebe, in denen es Maßnahmen zur Vereinbar- keit von Beruf und Familie und zur Förderung der Chancengleichheit gibt? Über den Anteil der Betriebe mit Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zur Förderung der Chancengleichheit berichtet seit dem Jahr 2004 in einem Turnus von vier Jahren das repräsentative Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die aktuell daraus vorliegenden Angaben beziehen sich auf das Jahr 2012; sie sind wegen eines zuletzt erweiter- ten Fragenprogramms nicht direkt mit den Jahren 2004 und 2008 vergleichbar (siehe Bechmann u. a., Beschäftigungsmuster von Frauen und Männern. Aus- wertungen des IAB-Betriebspanels 2012, IAB-Forschungsbericht 14/2013, S. 58 ff.). Demnach gab es bundesweit in 29 Prozent aller Betriebe spezifische Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zur Förderung der Chancengleichheit, die gleichermaßen auf Frauen und Männer gerichtet waren. Die Verbreitung solcher Maßnahmen ist in größeren Betrieben häufiger (siehe Tabelle 15), weshalb potenziell 61 Prozent aller Beschäftigten Zugang zu diesen Maßnahmen hatten. Die IAB-Analyse der Betriebsangaben weist darauf hin, dass Branchen mit bestehenden gesetzlichen Vorgaben zur Gleichstellung von Frauen und Männern auch häufiger entsprechende Maßnahmen auf Ebene des Betriebs oder der Dienststelle aufweisen. Über alle Betriebe 2012 betrachtet nehmen unter den gleichstellungsrelevanten Angeboten Maßnahmen der betrieblichen Arbeitszeitgestaltung, die den Bedürf- nissen von Beschäftigten mit Betreuungspflichten entgegenkommen, die größte Bedeutung ein: Rund 23 Prozent aller Betriebe haben entsprechende Arbeits- zeitregelungen. Hierbei geht es nach den Angaben des IAB-Betriebspanels um betriebliche Angebote wie flexible Arbeitszeiten, Arbeitszeitkonten, Telearbeit und familienfreundliche Teilzeitmodelle. Alle anderen Maßnahmen hingegen bewegen sich im einstelligen Prozentbereich. So unterbreiteten 2012 7 Prozent der Betriebe ihren weiblichen wie männlichen Beschäftigten in Elternzeit ent- sprechende Angebote, z. B. in Form von Weiterbildung. 6 Prozent der Betriebe unterstützten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung und 4 Prozent im Falle pflegebedürftiger Angehöriger. Gezielte Frauenförderung wurde von 2 Prozent der Betriebe angegeben, in entsprechende Netzwerke war 1 Prozent einbezogen. Die entsprechenden Anteilswerte liegen gemäß der vor- liegenden IAB-Analyse dann höher, wenn die befragten Betriebe dem öffent- lichen Dienst angehören und/oder überdurchschnittlich viele Frauen beschäf- tigen.
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Drucksache 18/734                                     – 22 –           Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode Tabelle 15: Anteil der Betriebe mit Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Män- nern, nach Branchen und Betriebsgrößenklassen 2012, in Prozent Anteil der Betriebe mit Maßnahmen in Prozent Öffentliche Verwaltung                                                             64 Erziehung und Unterricht                                                           56 Finanz- und Versicherungs-Dienstleistungen                                         47 Organisation ohne Erwerbszweck                                                     44 Gesundheits- und Sozialwesen                                                       44 Bergbau, Energie, Wasser, Abfall                                                   38 Information und Kommunikation                                                      35 Unternehmensnahe Dienstleistungen                                                  33 Verarbeitendes Gewerbe                                                             26 Handel und Reparatur                                                               25 Sonstige Personennahe Dienstleistungen                                             23 Beherbergung und Gastronomie                                                       20 Verkehr und Lagerei                                                                20 Land- und Forstwirtschaft                                                          20 Baugewerbe                                                                         15 1 bis 9 Beschäftigte                                                               22 10 bis 49 Beschäftigte                                                             42 50 bis 249 Beschäftigte                                                            67 ab 250 Beschäftigte                                                                86 Insgesamt                                                                          29 Quelle: IAB-Betriebspanel 2012. Neben diesem von der großen Zahl der kleineren und mittleren Einheiten in der deutschen Betriebslandschaft geprägten Bild lassen sich zum Stand der Fami- lienfreundlichkeit in der deutschen Wirtschaft weitere Hinweise aus dem „Un- ternehmensmonitor Familienfreundlichkeit“ gewinnen, einer Unternehmens- befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Bundes- ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2003, 2006, 2010, 2013). Demnach schätzen über 80 Prozent der befragten Unternehmen die Be- deutung von Familienfreundlichkeit für sich mittlerweile als wichtig oder eher wichtig ein; das waren im Jahr 2003 mit knapp 47 Prozent noch deutlich weni- ger. Nach diesen Angaben ist seit dem Jahr 2003 die Zahl der Unternehmen mit besonders vielen verschiedenen familienfreundlichen Maßnahmen deutlich ge- stiegen: Der Anteil der Unternehmen, die 13 oder mehr Maßnahmen anbieten, ist mit gut acht Prozent deutlich höher als im Jahr 2003 (etwas mehr als 2 Prozent). Gut 15 Prozent der Unternehmen führen zehn bis zwölf Maßnahmen durch (2009: 17 Prozent; 2006: 15 Prozent; 2003: etwas über 3 Prozent) und weitere 27 Prozent sieben bis neun Maßnahmen (2009: 30 Prozent; 2006: 23 Prozent; 2003: etwas über 9 Prozent). Die Bundesregierung fördert die Unternehmen bei Maßnahmen der Gleichstel- lung im Betrieb. Knapp 100 Unternehmen beteiligen sich an dem vom Bundes- ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Programm „Mehr Frauen in Führungspositionen – Regionale Bündnisse für Chancen- gleichheit“. Politik und Wirtschaft legen hierbei in zehn regionalen Bündnissen regionsspezifische Ziele fest und etablieren konkrete personalpolitische Instru- mente und Maßnahmen, um die Karriereentwicklung von Frauen zu fördern und Strukturen für mehr Chancengleichheit zu schaffen.
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Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode                    – 23 –                      Drucksache 18/734 21. Zu welchem Anteil geht die bestehende allgemeine Verdienstlücke zwi- schen Frauen und Männern auf die geringfügige Beschäftigung zurück (von der Frauen überproportional betroffen sind)? Sieht die Bundesregierung hier Handlungsbedarf? Für 2010 hat das Statistische Bundesamt die Bereinigung der Lohnlücke auf der Basis der Verdienststrukturerhebung 2010 ermittelt. Diese Verdienststrukturer- hebung wird nur alle vier Jahre durchgeführt. Danach verdienten Frauen bei ver- gleichbarer Qualifikation und Tätigkeit pro Stunde durchschnittlich 7 Prozent weniger als Männer. Die genaue Komponentenzerlegung des Statistischen Bun- deamtes zeigt, dass 2 Prozentpunkte (von 22) des Verdienstunterschieds (Gender Pay Gap) auf die geringfügige Beschäftigung und den Beschäftigungsumfang zurückzuführen sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Verdienststruktur- erhebung des Statistischen Bundesamtes Betriebe mit weniger als zehn Mitar- beitern nicht erfasst. Frauen sind überproportional in solchen kleinen Betrieben – und dort überproportional nur geringfügig – beschäftigt. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Übergänge aus geringfügiger in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu erleichtern (vgl. die Antwort zu Frage 32). 22. Was sind die zwölf Branchen und Berufsgruppen, in denen derzeit absolut und relativ die meisten Frauen arbeiten? Wie stellt sich in diesen Branchen bzw. Berufsgruppen das Lohnniveau dar verglichen mit dem allgemeinen Durchschnittslohn und gemessen am Niedriglohnanteil? Differenziert nach Wirtschaftsabteilungen (aus der Klassifikation der Wirt- schaftszweige 2008) arbeiteten im Juni 2013 die meisten sozialversicherungs- pflichtig beschäftigten Frauen im Gesundheitswesen (rund 1 781 000 oder 13 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen). Weitere In- formationen können der folgenden Tabelle 16 entnommen werden.
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Drucksache 18/734                                       – 24 –            Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode Tabelle 16: Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit der höchsten Anzahl an sozialversicherungspflichtig be- schäftigten Frauen Anteil beschäftigte Sozialversich-     Insgesamt Frauen in erungspflichtig  Sozialversich- Branche mit größtem Anteil Frauen nach den                                        Wirtschafts- Rang                                                           beschäftigte    erungspflichtig Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013                                          abteilung an Frauen am     Beschäftigte am beschäftigten 30.06.2013       30.06.2013 Frauen insgesamt 1                2                3 Insgesamt                                                13.513.163        29.268.918                  - darunter 1      86 Gesundheitswesen                                        1.780.955        2.193.762           13,2% 2      47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)          1.564.194        2.219.650           11,6% 84 Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; 3      Sozialversicherung                                         1.059.754        1.681.256              7,8% 4      85 Erziehung und Unterricht                                  782.266        1.125.037              5,8% 5      87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime)                   718.633           898.176             5,3% 6      88 Sozialwesen (ohne Heime)                                  525.358          669.646              3,9% 7      46 Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)              476.710        1.338.376              3,5% 8      64 Erbringung von Finanzdienstleistungen                     372.589           654.169             2,8% 81 Gebäudebetreuung; Garten- und 9      Landschaftsbau                                               347.051          647.698              2,6% 10      56 Gastronomie                                               345.267           644.023             2,6% 11      69 Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung            330.378          422.656              2,4% 12      10 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln               301.112          584.948              2,2% Branche 1 - 12 insgesamt                                   8.604.267       13.079.397            63,7% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Bei einer Darstellung nach ausgeübter Tätigkeit (Berufshauptgruppen aus der Klassifikation der Berufe 2010) werden die höchsten Werte für Berufe der Unternehmensführung und -organisation ausgewiesen (rund 2 518 000 oder 19 Prozent). Weitere Informationen können der folgenden Tabelle 17 entnom- men werden.
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Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode                  – 25 –                            Drucksache 18/734 Tabelle 17: Die zwölf Berufshauptgruppen mit der höchsten Anzahl an sozialversicherungspflichtig beschäf- tigten Frauen Anteil beschäftigte Sozialversich-     Insgesamt Frauen in erungspflichtig    Sozialversich- Berufshauptgruppen mit größtem Anteil Frauen                                       Berufshaupt- Rang                                                         beschäftigte    erungspflichtig nach der KldB 2010 am 30.06.2013                                             gruppe an Frauen am      Beschäftigte am beschäftigten 30.06.2013        30.06.2013 Frauen insgesamt 1                2                3 Insgesamt                                               13.513.163       29.268.918                   - darunter 1     71 Berufe Unternehmensführung,-organisation              2.518.373        3.895.088             18,6% 2     81 Medizinische Gesundheitsberufe                        1.836.065        2.205.286             13,6% 3     62 Verkaufsberufe                                        1.446.262        1.966.113             10,7% 4     83 Erziehung,soz.,hauswirt.Berufe,Theologie              1.129.230        1.334.525               8,4% 5     72 Finanzdienstl.Rechnungsw.,Steuerberatung                 838.475       1.367.007               6,2% 6     73 Berufe in Recht und Verwaltung                          718.443           955.545              5,3% 7     82 Nichtmed.Gesundheit,Körperpfl.,Medizint.                 628.322          764.421              4,6% 8     54 Reinigungsberufe                                        578.137           746.056              4,3% 9     51 Verkehr, Logistik (außer Fahrzeugführ.)                  497.392       1.716.661               3,7% 10     63 Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe                 455.077          663.003              3,4% 11     61 Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe                  324.610          882.356              2,4% 12     29 Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung                 323.310          760.141              2,4% 1 - 12 insgesamt                                        11.293.696       17.256.202              83,6% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Als Grundlage für die Beantwortung des zweiten Teils der Frage kann das Merk- mal „Entgelt“ aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) herangezogen werden. Auswertungen liegen derzeit bis 2012 vor. Das im Rahmen der Entgeltstatistik abgebildete sozialversicherungspflichtige Brutto- arbeitsentgelt (kurz: Arbeitsentgelt) umfasst alle laufenden oder einmaligen Ein- nahmen aus der Hauptbeschäftigung bis zur so genannten Beitragsbemessungs- grenze in der Rentenversicherung. Auswertungen zu den Entgelten werden je- weils nur für Beschäftigte am 31. Dezember eines Jahres durchgeführt. Umfas- sende methodische Informationen zur Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit können der Veröffentlichung „Sozialversicherungspflichtige Brutto- arbeitsentgelte – Deutschland“ auf den Seiten der BA-Statistik (statistik.arbeits- agentur.de) in der Rubrik „Statistik nach Themen“ → „Beschäftigung“ → „Ent- gelt“ entnommen werden. In Anlehnung an die Definition der OECD gilt hier als geringverdienend, wer als sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter (ohne Auszubildende) weni- ger als zwei Drittel des Medianentgelts aller sozialversicherungspflichtig Voll- zeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) erzielt. Die Einschränkung auf Vollzeit- beschäftigte muss erfolgen, weil in der Beschäftigungsstatistik nur Angaben zu Bruttomonatsentgelten und keine Angaben zu Stundenlöhnen vorliegen. Durch die Beschränkung werden somit Vergleiche zwischen verschiedenen Stichtagen in ihrer Aussagekraft nicht durch unterschiedliche Anteile von Teilzeitbeschäf-
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Drucksache 18/734                                        – 26 –              Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode tigten oder Auszubildenden beeinträchtigt. Diese Schwelle des unteren Lohn- bereichs ist eine statistische Kennziffer der Entgeltverteilung, die keine Aus- sagen über die Lebenssituation oder gar Bedürftigkeit zulässt, da weder sonstige Einkommen noch der Haushaltskontext berücksichtigt sind. Bei der Interpre- tation der Werte ist zudem zu beachten, dass der untere Lohnbereich unabhängig von ggf. entgeltrelevanten Merkmalen wie beispielsweise der Qualifikation, Alter, Beruf, Branche definiert wird. Tabelle 18        Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit der höchsten Anzahl an sozialversicherungspflichtig be- schäftigten Frauen – Medianentgelte und Anteil am unteren Lohnbereich Medianentgelt der     Medianentgelt sozialversich-     insgesamt bzw.     Anteil Frauen im erungspflichtig      Vergleich mit        unteren Branche mit größtem Anteil Frauen nach den       beschäftigten        allgemeinem       Entgeltbereich Rang Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013        Frauen in Vollzeit   Durchschnitts-    (Schwelle: 1926 im Dezember           entgelt ( in            €) 2012 in €            Prozent) 1                   2                   3 Insgesamt                                                        2.558                2.889            30,0% darunter 1     86 Gesundheitswesen                                              2.507               86,8%             29,8% 2     47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)                2.013               69,7%             45,4% 84 Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; 3     Sozialversicherung                                               3.074             106,4%               4,2% 4     85 Erziehung und Unterricht                                      3.037             105,1%              10,9% 5     87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime)                       2.498               86,5%             26,2% 6     88 Sozialwesen (ohne Heime)                                      2.418               83,7%             30,8% 7     46 Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)                  2.597               89,9%             23,8% 8     64 Erbringung von Finanzdienstleistungen                         3.706             128,3%               2,7% 81 Gebäudebetreuung; Garten- und 9     Landschaftsbau                                                   1.543               53,4%             69,1% 10     56 Gastronomie                                                   1.419               49,1%             80,7% 11     69 Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung                2.351               81,4%             32,2% 12     10 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln                   1.705               59,0%             62,9% Branche 1 - 12 insgesamt                                         2.515                85,5%            42,0% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Der bundeseinheitliche Schwellenwert für den unteren Lohnbereich lag zum Stichtag 31. Dezember 2012 bei 1 926 Euro. In Vollzeit beschäftigte Frauen (ohne Auszubildende) im Gesundheitswesen er- zielten im Jahr 2012 im Mittel (Median) ein Bruttomonatsentgelt von 2 507 Euro, im Vergleich zu einem wirtschaftsabteilungsübergreifenden Wert von 2 558 Euro. Für Frauen in Berufen der Unternehmensführung und -organisation wird ein Medianentgelt von 2 830 Euro ausgewiesen. Der Anteil der vollzeit- beschäftigten Frauen im unteren Entgeltbereich betrug im Gesundheitswesen 29,8 Prozent und bei Berufen der Unternehmensführung und -organisation 21,1 Prozent. Weitere Informationen können den Tabellen 18 und 19 entnom- men werden.
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Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode                           – 27 –                              Drucksache 18/734 Tabelle 19: Die zwölf Berufshauptgruppen mit der höchsten Anzahl an sozialversicherungspflichtig beschäf- tigten Frauen – Medianentgelte und Anteil am unteren Lohnbereich Medianentgelt Medianentgelt insgesamt bzw.      Anteil Frauen im der sozialversich- Vergleich mit         unteren Berufshauptgruppen mit größtem Anteil Frauen              erungspflichtig Rang                                                                                    allgemeinem        Entgeltbereich nach der KldB 2010 am 30.06.2013                  beschäftigten Durchschnitts-     (Schwelle: 1926 Frauen in Vollzeit entgelt ( in             €) (€) Prozent) 1                 2                    3 Insgesamt                                                             2.558                2.889            30,0% darunter 1      71 Berufe Unternehmensführung,-organisation                           2.830              97,9%              21,1% 2      81 Medizinische Gesundheitsberufe                                     2.479              85,8%              30,4% 3      62 Verkaufsberufe                                                     1.834              63,5%              54,7% 4      83 Erziehung,soz.,hauswirt.Berufe,Theologie                           2.749              95,2%              18,3% 5      72 Finanzdienstl.Rechnungsw.,Steuerberatung                           3.347            115,9%               10,7% 6      73 Berufe in Recht und Verwaltung                                     2.963            102,6%               10,9% 7      82 Nichtmed.Gesundheit,Körperpfl.,Medizint.                           1.792              62,0%              55,4% 8      54 Reinigungsberufe                                                   1.475              51,1%              75,5% 9      51 Verkehr, Logistik (außer Fahrzeugführ.)                            2.084              72,1%              42,8% 10      63 Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe                           1.643              56,9%              66,3% 11      61 Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe                            3.148            109,0%               12,2% 12      29 Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung                           1.679              58,1%              63,3% 1 - 12 insgesamt                                                      2.548               88,2%             38,1% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit 23. Was waren die zwölf Branchen, in denen in den zurückliegenden Jahren absolut als auch relativ die stärksten Beschäftigungszuwächse von Frauen zu verzeichnen waren (bitte jeweils konkrete Zahlen absolut und relativ nennen)? Wie stellt sich in diesen Branchen das Lohnniveau dar verglichen mit dem allgemeinen Durchschnittslohn und gemessen am Niedriglohnanteil? Differenziert nach Wirtschaftsabteilungen (aus der Klassifikation der Wirt- schaftszweige 2008) gab es für Frauen zwischen Juni 2008 und Juni 2013 die größte absolute Zunahme an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung im Gesundheitswesen (+181 000 oder +11,3 Prozent). Weitere Informationen können der folgenden Tabelle 20 entnommen werden.
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Drucksache 18/734                                         – 28 –             Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode Tabelle 20: Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit dem höchsten Zuwachs bei der Zahl der sozialversicherungs- pflichtig beschäftigten Frauen – Anstieg seit Juni 2008 (absolut) Sozialversich-  Sozialversich- erungspflichtig  erungspflichtig Branche mit größtem Zuwachs Frauen nach den                                                     Zuwachs 5 Jahre Rang                                                  beschäftigte    beschäftigte    Zuwachs 5 Jahre Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013                                                          in v.H. Frauen am       Frauen am 30.06.2008       30.06.2013 1               2                3                4 Insgesamt                                          12.394.125      13.513.163        1.119.038              9,0% darunter 1     86 Gesundheitswesen                                 1.600.111       1.780.955           180.844           11,3% 2     88 Sozialwesen (ohne Heime)                           381.431          525.358          143.927           37,7% 3     47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kfz)               1.458.533       1.564.194           105.661             7,2% 4     87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime)            615.054          718.633          103.579           16,8% 5     85 Erziehung und Unterricht                           688.290          782.266           93.976           13,7% 6     70 Verw.u.Führ. v.Untern.u.Betr.;Unt.berat.           172.076          259.852           87.776           51,0% 7     81 Gebäudebetreuung;Garten-u.Landschaftsbau           284.904          347.051           62.147           21,8% 8     84 Öffentl. Verwalt.,Verteidigung;Soz.vers.         1.004.617       1.059.754            55.137             5,5% 9     56 Gastronomie                                        305.953          345.267           39.314           12,8% 10    82 Dienstleistg.f.Untern.u.Privatpers.ang             121.344          159.630           38.286           31,6% 11    71 Architektur-, Ingenieurbüros; Labore               138.335          166.848           28.513           20,6% 12    62 DL der Informationstechnologie                     124.796          153.076           28.280           22,7% 1 - 12 insgesamt                                    6.895.444       7.862.884           967.440            14,0% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Die größte relative Zunahme an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gab es im Bereich „Herstellung von Waren und Erbringung von Dienstleistun- gen durch private Haushalte für den Eigenbedarf ohne ausgeprägten Schwer- punkt“, hier stieg die Zahl der weiblichen Beschäftigten um über 200 Prozent. Absolut betrachtet ist das jedoch lediglich ein Anstieg um 166 auf 237 Beschäf- tigte. Weitere Informationen können der folgenden Tabelle 21 entnommen wer- den.
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Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode                     – 29 –                             Drucksache 18/734 Tabelle 21: Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit dem höchstem Zuwachs bei der Zahl der sozialversiche- rungspflichtig beschäftigten Frauen – Anstieg seit Juni 2008 (in %) Sozialversich-   Sozialversich- erungspflichtig  erungspflichtig Branche mit größtem Zuwachs Frauen nach                                                       Zuwachs 5 Jahre Rang                                                 beschäftigte     beschäftigte    Zuwachs 5 Jahre den Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013                                                          in v.H. Frauen am        Frauen am 30.06.2008       30.06.2013 1                2               3                 4 Insgesamt                                        12.394.125       13.513.163        1.119.038              9,0% darunter 1     98 H.v.Waren,Dienstl.d.priv. Haushalte oaS                71              237              166          233,8% 2     70 Verw.u.Führ. v.Untern.u.Betr.;Unt.berat.         172.076           259.852          87.776            51,0% 3     74 Sonst.freiberufl., wiss.u.techn. Tätigk.          20.810            29.136            8.326           40,0% 4     92 Spiel-, Wett- und Lotteriewesen                   24.804            34.591            9.787           39,5% 5     88 Sozialwesen (ohne Heime)                         381.431           525.358         143.927            37,7% 6     09 DL f.Bergbau u.Gew.v.Steine u.Erden                1.437             1.942              505           35,1% 7     82 Dienstleistg.f.Untern.u.Privatpers.ang           121.344           159.630          38.286            31,6% 8     66 M.Finanz-u.Versicherungs-DL verb.Tätigk.          80.249           101.985          21.736            27,1% 9     75 Veterinärwesen                                    18.088            22.759           4.671            25,8% 10     21 Herstellung v. pharmazeut. Erzeugnissen           54.530            67.264          12.734            23,4% 11     62 DL der Informationstechnologie                   124.796           153.076          28.280            22,7% 12     30 Sonstiger Fahrzeugbau                             18.373            22.536           4.163            22,7% 1 - 12 insgesamt                                  1.018.009        1.378.366          360.357             35,4% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Die Betrachtung des Medianentgelts und des unteren Lohnbereichs wird anhand der absoluten Rechnung vorgenommen. Vollzeitbeschäftigte Frauen (ohne Aus- zubildende) im Gesundheitswesen erzielten im Jahr 2012 im Mittel (Median) ein Bruttomonatsentgelt von 2 507 Euro, im Vergleich zu einem wirtschaftsabtei- lungsübergreifenden Wert von 2 558 Euro. Der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen im unteren Entgeltbereich betrug im Gesundheitswesen 29,8 Prozent. Weitere Informationen können der folgenden Tabelle 22 entnommen werden.
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Drucksache 18/734                                             – 30 –               Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode Tabelle 22: Die zwölf Wirtschaftsabteilungen mit dem höchsten Zuwachs (absolut) bei der Zahl der sozialver- sicherungspflichtig beschäftigten Frauen – Medianentgelte und Anteil am unteren Lohnbereich Medianentgelt Medianentgelt insgesamt bzw.     Anteil Frauen im der sozialversich- Vergleich mit        unteren Branche mit größtem Zuwachs Frauen nach den Zuwachs 5 Jahre erungspflichtig            allgemeinem       Entgeltbereich Rang                                                                       beschäftigten Abteilungen der WZ 08 am 30.06.2013                                            Durchschnitts-    (Schwelle: 1926 Frauen in Vollzeit entgelt ( in            €) in € Prozent) 1                 2                 3                   4 Insgesamt                                               1.119.038             2.558               2.889            30,0% darunter 1     86 Gesundheitswesen                                       180.844             2.507              86,8%             29,8% 2     88 Sozialwesen (ohne Heime)                               143.927             2.418              83,7%             30,8% 3     47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kfz)                     105.661             2.013              69,7%             45,4% 4     87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime)                103.579             2.498              86,5%             26,2% 5     85 Erziehung und Unterricht                                93.976             3.037            105,1%              10,9% 6     70 Verw.u.Führ. v.Untern.u.Betr.;Unt.berat.                87.776             3.390            117,4%              13,5% 7     81 Gebäudebetreuung;Garten-u.Landschaftsbau                62.147             1.543              53,4%             69,1% 8     84 Öffentl. Verwalt.,Verteidigung;Soz.vers.                55.137             3.074            106,4%               4,2% 9     56 Gastronomie                                             39.314             1.419              49,1%             80,7% 10    82 Dienstleistg.f.Untern.u.Privatpers.ang                  38.286             1.980              68,5%             47,8% 11    71 Architektur-, Ingenieurbüros; Labore                    28.513             2.733              94,6%             20,7% 12    62 DL der Informationstechnologie                          28.280             3.371            116,7%              16,5% 1 - 12 insgesamt                                          967.440             2.548               88,2%            40,5% Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit 24. Was waren die zwölf Berufsgruppen, in denen in den zurückliegenden Jah- ren absolut als auch relativ die stärksten Beschäftigungszuwächse von Frauen zu verzeichnen waren (bitte jeweils konkrete Zahlen absolut und relativ nennen)? Wie stellt sich in diesen Berufsgruppen das Lohnniveau verglichen mit dem allgemeinem Durchschnittslohn und gemessen am Niedriglohnanteil dar? Seit Berichtsmonat Dezember 2012 erfolgt die Berichterstattung der Beschäf- tigungsstatistik zu Berufen auf Basis der „Klassifikation der Berufe 2010“ (KldB 2010). Eine Darstellung älterer Stichtage ist anhand der KldB 2010 nicht möglich. Ein Vergleich mit früheren Stichtagen auf Basis der Klassifizierung der Berufe 1988 (KldB 1988) ist ebenfalls nicht sinnvoll möglich. Die gewünschte Entwicklung kann daher nicht abgebildet werden. 25. Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um auf die sehr geschlechtsspe- zifische Berufswahl Einfluss zu nehmen, und wenn ja, welche? Der Bundesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, die Erwerbsmöglichkeiten von Frauen zu erweitern. Da die Karriereentwicklung von der Wahl des Aus- bildungsberufs oder des Studienfachs abhängt, ist es erforderlich, Gender- aspekte konsequent auch in der Berufsberatung der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter zu berücksichtigen.
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