Aufenthaltsrechtliche Situation von afghanischen Flüchtlingen in Deutschland
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/2565 Bundesland Ausreisepflichtige Hamburg 294 Hessen 399 Mecklenburg-Vorpommern 125 Niedersachsen 466 Nordrhein-Westfalen 488 Rheinland-Pfalz 272 Saarland 99 Sachsen 100 Sachsen-Anhalt 38 Schleswig-Holstein 299 Thüringen 97 7. Wie viele Afghaninnen und Afghanen sind seit dem 1. Januar 2006 frei- willig ausgereist (bitte nach Geschlecht, Alter – minderjährig/volljährig – und Jahren und jeweils pro Jahr gewährten Rückkehrhilfen auflisten)? Die der Bundesregierung hierzu vorliegenden Angaben können der nachstehen- den Übersicht entnommen werden. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Zahl der freiwilligen Ausreisen höher sein kann, jedoch werden nur Aus- reisen mittels des Bund-Länder-Programms REAG/GARP (Reintegration and Emigration Programme for Asylum-Seekers in Germany/Government Assisted Repatriation Programme) statistisch erfasst; weitere Informationen zum REAG/ GARP-Programm unter www.bamf.de.
Drucksache 18/2565 Jahr Altersgruppen Aufenthaltsdauer in Deutschland Gesamtkosten Aus- Männer Frauen 0-12 13-18 19-30 31-45 46-60 über 0 bis 6 über 6 bis über über über reisen 60 Monate 12 Monate 12 Monate 3 Jahre 5 Jahre gesamt bis 3 Jahre bis 5 Jahre 2006 217 180 37 17 14 81 65 28 12 15 2 24 73 103 106 601,99 € 2007 83 61 22 11 2 34 24 8 4 8 6 13 6 50 40 224,30 € 2008 59 43 16 9 2 17 19 8 4 4 2 8 4 41 26 362,67 € 2009 34 29 5 4 3 15 7 4 1 8 0 6 1 19 19 498,33 € – 12 – 2010 83 63 20 11 12 29 18 10 3 25 15 8 0 35 55 278,04 € 2011 80 64 16 6 10 36 20 6 2 27 21 19 0 13 53 116,71 € 2012 139 93 46 31 9 57 25 11 6 59 34 30 7 9 87 165,14 € 2013 94 75 19 17 9 46 14 5 3 35 20 25 11 3 61 990,67 € Juli 2014 65 52 13 11 3 25 20 4 2 23 11 20 3 8 Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 13 – Drucksache 18/2565 8. Bei wie vielen Afghaninnen und Afghanen wurde seit dem 1. Januar 2006 ein Verfahren zur Prüfung des Widerrufs oder der Rücknahme der Asyl- oder Flüchtlingsanerkennung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eingeleitet, wie viele Entscheidungen wurden getroffen, und in wie vielen Fällen wurde die Anerkennung widerrufen (bitte nach Jahren auflisten)? Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden: eingeleitete Entscheidungen darunter: Widerrufs- Jahr verfahren insgesamt Widerruf/ Widerruf/ Widerruf/ Rücknahme Rücknahme Rücknahme Artikel 16a GG § 60 I § 60 II, III, V, AufenthG VII AufenthG 2006 619 634 60 134 406 2007 1 180 551 88 90 165 2008 3 773 3 765 30 121 53 2009 604 697 18 51 17 2010 411 611 20 24 23 2011 583 633 19 14 37 2012 542 558 6 26 36 2013 1 259 873 1 2 11 Jan-Jun 2014 479 864 2 3 13 Gesamt 9 450 9 186 244 465 761 9. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Zahl der Personen vor, die infolge des Widerrufs oder der Rücknahme einer Asyl- oder Flüchtlingsanerkennung oder eines subsidiären bzw. Abschiebungsschut- zes ihren Aufenthaltstitel verloren haben bzw. die abgeschoben wurden (bitte nach Jahren auflisten)? Hierzu liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Statistische Auswertungen von Daten des AZR lassen allenfalls in wenigen Einzelfällen die Vermutung zu, dass es infolge des Widerrufs oder der Rücknahme einer Asyl- oder Flüchtlings- anerkennung oder eines subsidiären Schutzes bzw. Abschiebungsschutzes zum Widerruf oder Erlöschen eines Aufenthaltstitels bzw. zu einer Abschiebung ge- kommen sein könnte.
10. Aus welchen Bundesländern wurden seit dem Jahr 2006 Personen mit dem Zielstaat Afghanistan abgeschoben (bitte nach Jahren und Geschlecht auf- listen und angeben, wie viele Minderjährige sich unter den Abgeschobe- nen befunden haben)? Bundesländer 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Anzahl/MJ Anzahl/MJ Anzahl/MJ Anzahl/MJ Anzahl/MJ Anzahl/MJ Anzahl/MJ Anzahl/MJ Anzahl/MJ Baden-Württemberg 12m, 0w/0 3m, 0w/0 0 0 0 0 1m, 0w/0 1m, 0w/0 0 Bayern 27m, 0w/0 6m, 0w/0 1m, 0w/0 2m, 0w/0 4m, 0w/0 7m, 0w/0 1n, 0w/0 3m, 0w/0 1m, 0w/0 Drucksache 18/2565 Berlin 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Brandenburg 6m, 1w/0 3m, 0w/0 0 0 0 0 0 0 0 Bremen 0 0 1m, 0w/0 0 0 0 0 0 0 Hamburg 36m, 0w/0 17m, 0w/0 1m, 0w/0 2m,0w/0 1m, 0w/0 0 0 0 0 Hessen1 23m, 0w/0 20m,0w/0 9m, 0w/0 3m, 0w/0 5m, 0w/0 5m, 0w/0 2 4 0 Mecklenburg- 4m, 0w/0 0 0 0 2m, 0w/0 1m, 0w/0 1m, 0w/0 0 1m, 0w/0 Vorpommern Niedersachsen 4m, 0w/0 1m, 0w/0 2m, 0w/0 0 0 1m, 0w/0 0 0 0 – 14 – Nordrhein-Westfalen 11m, 7w/4 6m, 0w/0 1m, 4w/3 2m/0w/0 2m, 0w/0 1m, 0w/0 2m, 0w/0 1m, 0w/0 0 Rheinland-Pfalz 2m, 0w/0 0 0 0 3m, 0w/0 0 1m, 0w/0 0 0 Saarland 2m, 0w/0 0 0 1m, 0w/0 0 0 0 0 0 Sachsen 7m, 0w/0 1m, 0w/0 2m, 0w/0 0 0 0 0 1m, 0w/0 1m, 0w/0 Sachsen-Anhalt 1m, 0w/0 1m, 0w/0 0 0 0 0 0 0 0 Schleswig-Holstein2 11m, 0w 5m, 0w 2m, 0w 1m, 0w 0 0 0 0 3m, 0w Thüringen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 In HE wird das Kriterium Minderjährigkeit statistisch nicht erfasst. Seit 2012 wird auch das Geschlecht der Abgeschobenen nicht mehr erhoben. 2 In SH wird das Kriterium Minderjährigkeit statistisch nicht erfasst. Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 15 – Drucksache 18/2565 11. Welche Praxis ist der Bundesregierung aus den anderen EU-Staaten hin- sichtlich der Anerkennung eines Schutzbedarfs bei afghanischen Asyl- suchenden und hinsichtlich der zwangsweisen Aufenthaltsbeendigung ausreisepflichtiger Afghaninnen und Afghanen bekannt (bitte so genau wie möglich antworten)? Zur Anerkennungspraxis anderer EU-Mitgliedstaaten wird auf die beim Statis- tischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) abrufbaren Daten zu Entschei- dungen in Fällen afghanischer Staatsangehöriger verwiesen. Hinsichtlich der Praxis der zwangsweisen Aufenthaltsbeendigung ausreise- pflichtiger afghanischer Staatsangehöriger in anderen EU-Staaten liegen fol- gende Erkenntnisse vor: In Belgien müssen ausreisepflichtige Afghanen das Schengengebiet verlassen. Es wird die Möglichkeit der freiwilligen Ausreise eingeräumt. Wird diese nicht wahrgenommen, wird von der Ausländerbehörde mittels EU-Laissez-Passer ab- geschoben. Polen, Schweden und das Vereinigte Königreich führen Rückfüh- rungen nach Afghanistan durch. 12. Welche Prognose hat die Bundesregierung zur weiteren Entwicklung der Zahl von Asylsuchenden aus Afghanistan in der EU und in Deutschland insbesondere nach dem vollständigen Rückzug der USA und ihrer Alliier- ten aus Afghanistan, und welche Prognosen und Einschätzungen sind ihr dazu bekannt (auch, wenn sie sich diese nicht zu eigen machen will)? Der Bundesregierung sind keine Prognosen und Einschätzungen bekannt, inwie- weit ein vollständiger Abzug der USA und ihrer Alliierten sich auf die Entwick- lung der Zahl von Asylsuchenden aus Afghanistan in der EU und in Deutschland auswirken wird. Derzeit ist ein vollständiger Abzug aus Afghanistan nicht vor- gesehen. Es wird davon ausgegangen, dass auch im Jahr 2015 die USA und die NATO in Afghanistan, wenn auch in einem personell wesentlich geringerem Maße als im Rahmen der ISAF-Mission, präsent sein werden.
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