SchlussberichtBatterie-OberleitungsbusBerlin-Spandau230120.pdf
Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Machbarkeitstudie Oberleitungsbusse“
3 Grundlagen 25 Außer bei Obussen mit kontinuierlicher Energieversorgung muss der beachtliche Einfluss der Bordnetzverbraucher im Auslegungsprozess der Fahrzeugenergiespeicher berücksich- tigt werden. Beispielsweise in [79] wird daher für eine unbestimmte Übergangszeit die Nut- zung einer Brennstoffheizung in Batteriebussen gefordert, da andererseits die erzielbaren Fahrzeugreichweiten für den ÖPNV unbefriedigend sind. 3.2.2.2 Elektrische Energieerzeugung und -bereitstellung Der Primärenergiebedarf eines Elektrobusses hängt, bezüglich Effizienz und Schadstoff- emission, direkt von der Art der Energieerzeugung ab. Um im Folgenden konventionelle dieselbasierte und verschiedene elektrische Antriebskonzepte energetisch miteinander ver- gleichen zu können, ist eingangs die Beschäftigung mit der Wirkungsgradkette elektrischer Energieversorgung erforderlich. Die in Tabelle 3-3 aufgeführten mittleren Wirkungsgrade unterschiedlicher Kraftwerkstypen zeigen zunächst die Effizienz unterschiedlicher Energieerzeuger. Der Wirkungsgrad be- zieht sich auf den eingesetzten „Rohstoff“, wobei kommerziell die unterschiedlichen Kosten des „Rohstoffs“ zu berücksichtigen sind. Der schlechte Wirkungsgrad von Solaranlagen wird durch die kostenlose Bereitstellung der Sonneneinstrahlung kompensiert. Tabelle 3-3: Physikalischer Wirkungsgrad von Energieerzeugungssystemen, nach [76] Bauart Wirkungsgrad Solarkraftwerk 0,15 0,15…0,2 Photovoltaikanlage Wasserkraftwerk 0,85 0,50…0,42 Thermisches Kraftwerk Gas und Dampf-Kraftwerk > 0,55 Kernkraftwerk 0,33…0,36 Windkraftanlagen 0,40…0,45 Übertragen und verteilt wird die Energie über Höchst-, Hoch- und Mittelspannungsnetze. Einschließlich der notwendigen Umspannvorgänge sind die Übertragungsverluste gering. In der ProBas-Datenbank des Umweltbundesamtes finden sich bspw. die nachstehenden Effizienzangaben (Tabelle 3-4). Tabelle 3-4: Effizienz unterschiedlicher Freileitungsanlagen, nach [76] Spannungsebene Eigenschaften Einheit 30 kV 150 kV 400 kV Leistung [MW] 15 60 900 Verluste [%/100 km] 2,00 0,44 0,33 Wissenschaftliche Beratung des BMVI zur Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie
26 3 Grundlagen Spannungsebene Eigenschaften Einheit 30 kV 150 kV 400 kV Länge [km] 50 100 300 Gesamtverluste [%] 1,00 0,44 0,99 Gesamtwirkungsgrad [%] 99,00 99,56 99,01 Nicht betrachtet werden an dieser Stelle der Einfluss der Trassenlängen, die Netzverma- schung und die Verluste in Folge der tatsächlich fließenden Ströme. Nach [76] kann der Gesamtwirkungsgrad der Kette 380 kV – 150 kV – 6 kV mit 96% und für die Kette 380 kV – 150 kV – 6 kV – 0,4 kV mit 94% angenommen werden. 3.2.3 Oberleitungsbus Wirkungsgrad der Energieversorgung: 0,34 (Kraftwerk – Fahrzeug) 0,93 (Eingang Unterwerk – Fahrzeug) Fahrzeugwirkungsgrad: 0,855 (bei direkter Speisung des Antriebs aus der Oberleitung) Energieverbrauch: rund 2,4 kWh/km (mit Möglichkeit der Rekuperation) Verfügbarkeit: vergleichbar einem konventionellem Dieselbus Lebensdauer: Fahrzeuge: 15-20 Jahre Infrastrukturanlagen: mindestens 30 Jahre Teilstudie „Machbarkeit eines Hybridoberleitungsbusbetriebs – „Berlin-Spandau“
3 Grundlagen Abbildung 3-4: 27 Prinzip der Energieübertragung beim Obus ohne fahrleitungsfreie Ab- schnitte, eigene Darstellung, nach [76] Der Oberleitungsbus (Obus) ist nach heutigem Stand das einzige System, welches einen vergleichbaren technischen Reifegrad besitzt wie der Dieselbus. Die Energieübertragung beim klassischen Oberleitungsbus erfolgt konduktiv und kontinuierlich über die zweipolige Fahrleitung. Dies ist notwendig, da im Gegensatz zur Schienenbahn die Fahrbahn nicht die Funktion der Rückleitung übernehmen kann. Die Gesamtsystemverluste der Übertragung ergeben sich aus den in Abbildung 3-4 ange- gebenen Verlusten der Teilsysteme. Innerhalb des Systems gibt es keine Begrenzungen der Reichweite, jedoch sind die Fahr- zeuge hinsichtlich der betrieblichen Freiheitsgrade an das Fahrleitungsnetz gebunden. Der Zwang, die Fahrleitung zweipolig auszuführen und die U-förmig ausgeführten Schleif- stücke der Stromabnehmer führen zu aufwendigen und optisch auffälligen Weichen und Kreuzungen in der Fahrleitung. Durch Einsatz eines Energiespeichers an Bord der Fahr- zeuge können Abzweige, Kreuzungen oder Streckenabschnitte, wo eine Elektrifizierung aufwändig oder aus ästhetischen Gründen unerwünscht ist, fahrleitungsfrei ausgeführt wer- den. [15] [16] Wissenschaftliche Beratung des BMVI zur Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie
28 3 Grundlagen Tabelle 3-5: Vor- und Nachteile von Oberleitungsbussen mit ausschließlicher Versor- gung aus der Fahrleitung, nach [76] Technisch: Vorteile Hohe bereitstellbare Leistung (für Traktion und Nebenverbraucher) Hoher Wirkungsgrad der Energieübertragung Hohe Drehmomente über den gesamten Drehzahlbereich Möglichkeit zur Rekuperation von Bremsenergie Ökonomisch: Hohe Lebensdauer von Anlagen und Fahrzeugen Geringer Energieverbrauch der Fahrzeuge (Rekuperation und keine Ener- giequelle an Bord) Ökologisch: Reduzierte lokale Schadstoffemission Reduzierte Lärmemission Nachteile Technisch: Notwendigkeit der doppelten Isolation des Fahrzeuges Kosten Begrenzung der betrieblichen Freiheitsgrade durch Spurzwang Ökonomisch: Hoher Investitionsaufwand für die Infrastrukturanlagen Hoher Investitionsaufwand für die Fahrzeuge Ökologisch/Optisch: 3.2.4 Beeinflussung des Stadtbildes durch Oberleitungsanlagen Hybridoberleitungsbus (Streckenlader) Wirkungsgrad der Energieversorgung: 0,34; vom Kraftwerk zum Fahrzeug 0,93; vom Eingang des Unterwerks zum Fahrzeug Fahrzeugwirkungsgrad: 0,855; bei direkter Speisung des Antriebs aus der Oberleitung 0,75 – 0,70; bei Speisung des Antriebs aus der Batterie, unter Berücksichtigung des Lade- und Entladewirkungsgrads Energieverbrauch: Für 18 m- Gelenkbusse rund 3,0 kWh/km Lebensdauer: Fahrzeuge: 15-20 Jahre (vergleichbar mit dem Obus) Infrastrukturanlagen: mindestens 30 Jahre Teilstudie „Machbarkeit eines Hybridoberleitungsbusbetriebs – „Berlin-Spandau“
3 Grundlagen Abbildung 3-5: 29 Prinzip der Energieübertragung beim HObus mit abschnittsweise Fahr- leitungsfreien Abschnitten, eigene Darstellung, nach [76] Wie schon oben angeführt ist es möglich, einen Oberleitungsbus mit einem leistungsfähigen Energiespeicher auszurüsten. Damit besteht die Möglichkeit, nicht elektrifizierte Abschnitte mit dem Obus zu erschließen beziehungsweise den Infrastrukturbedarf in zu elektrifizieren- den Abschnitten zu reduzieren (Verzicht auf Weichen und Kreuzungen). Zudem ergeben sich für den Betrieb zusätzliche Freiheitsgrade, sodass beispielsweise Baustellen und Staus umfahren werden können. Begrenzt wird die gewonnene Flexibilität durch den An- drahtvorgang. Dieser ist heute bereits im Stillstand mit Hilfe von Trichtern automatisch mög- lich, jedoch verliert man einige Sekunden Zeit und das Fahrzeug muss in einer bestimmten Position stehen. So sind beispielsweise Überholvorgänge schwierig zu realisieren, wenn nur punktuell angedrahtet werden kann. Wissenschaftliche Beratung des BMVI zur Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie
30 3 Grundlagen Tabelle 3-6: Vor- und Nachteile von Oberleitungsbussen mit abschnittsweiser Nachla- dung unter Fahrdraht, nach [75] Technisch: Vorteile Hohe bereitstellbare Leistung (für Traktion und Nebenverbraucher) Hoher Wirkungsgrad der Energieübertragung Hohe Drehmomente über den gesamten Drehzahlbereich Möglichkeit zur Rekuperation von Bremsenergie Lebensdauerfreundliche Batterie-Ladekonzepte, ohne Schnellladung mög- lich - unter Oberleitung mit geringeren Leistungen nachladbar Ökonomisch: Reduzierte Infrastrukturkosten – speziell Kreuzungen und Weichen entfal- len Hohe Lebensdauer von Anlagen und Fahrzeugen Geringer Energieverbrauch der Fahrzeuge (Rekuperation) Ökologisch: Reduzierte lokale Schadstoffemission Reduzierte Lärmemission Reduzierte optische Beeinflussung des Stadtbildes Technisch: Notwendigkeit der doppelten Isolation des Fahrzeuges Kosten Zusätzlicher Bedarf an Regelungstechnik – auf Kosten der Zuverlässigkeit Nachteile Ökonomisch: Gegenüber Obus erhöhte Fahrzeugkosten und zusätzliche Kosten für die Batterie Reduzierter aber immer noch hoher Investitionsaufwand für die Infrastruk- turanlagen Die Lebensdauer der Batterie entspricht nicht der Lebensdauer des Fahr- zeugs – Wechsel notwendig Ökologisch/Optisch: Verschlechterter „ökologischer Fußabdruck“ durch zusätzlich benötigte Komponenten 3.2.5 Elektrobusse mit punktueller, automatisierter Nachladung 3.2.5.1 Allgemeines Wirkungsgrad der Energieversorgung: 0,35 vom Primärenergieträger (Kraftwerk) zur Nachladestation 0,90 … 0,93 für das Übertragungssystem Fahrzeugwirkungsgrad: 0,82; der Wirkungsgrad der E-Traktion wird durch den Batteriewirkungsgrad und durch den Wirkungsgrad des Ladegeräts reduziert 0,75 – 0,70; bei Speisung des Antriebs aus der Batterie, unter Berücksichtigung des Lade- und Entladewirkungsgrads Energieverbrauch: Für 18 m- Gelenkbusse rund 3,0 kWh/km Teilstudie „Machbarkeit eines Hybridoberleitungsbusbetriebs – „Berlin-Spandau“
3 Grundlagen 31 Drastische Reichweitenreduzierung bei Einsatz elektrischer Heizgeräte und Klima- anlagen Lebensdauer: Fahrzeuge: 15-20 Jahre Infrastrukturanlagen: mindestens 30 Jahre Abbildung 3-6: Prinzip der Energieübertragung Elektrobus mit punktueller automatisier- ter Nachladung, eigene Darstellung, nach [76] Der Infrastrukturaufwand kann auf ein Minimum reduziert werden, wenn nur noch an explizit dafür vorgesehenen Streckenpunkten Nachlademöglichkeiten geschaffen werden (Fahrlei- tungsnetz entfällt). Üblicherweise werden dafür spezielle Stromabnehmer verwendet, die durch Vergrößerung der Kontaktfläche zwischen Stromabnehmer und Nachladestation im Stillstand die benötigten hohen Ströme übertragen können. Schleifschuhe für Obusfahrlei- tungen können aus thermischen Gründen nur einen geringen Strom im Stillstand des Fahr- zeugs übertragen. In der Praxis unterscheidet man zwischen „Übernachtladern“ (im Depot) und „Gelegenheits- ladern“ (zum Beispiel an Endhaltestellen). Für alle Elektrobuskonzepte, die nicht kontinuierlich oder zumindest über längere Ab- schnitte aus der Oberleitung nachgeladen werden, stellt die Versorgung der Hilfsbetriebe wie Heizung und Klimatisierung eine Herausforderung dar. Wissenschaftliche Beratung des BMVI zur Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie
32 3 Grundlagen Tabelle 3-7: Vor- und Nachteile von Elektrobussen mit punktueller, automatisierter Nachladung, nach [76] Technisch: Vorteile Hoher betrieblicher Freiheitsgrad des Fahrzeugs Hoher Wirkungsgrad der Energieübertragung Verteilter Antrieb mit hohem Drehmoment möglich Möglichkeit zur Rekuperation von Bremsenergie in den Speicher Doppelte Isolation entfällt, da das Fahrzeug beim Laden über ein Kontakt- system geerdet werden kann Ökonomisch: Hohe Lebensdauer von Anlagen und Fahrzeugen Signifikant reduzierte Infrastrukturkosten gegenüber Obussystemen Geringer Energieverbrauch der Fahrzeuge (Rekuperation) Ökologisch: Reduzierte lokale Schadstoffemission Reduzierte Lärmemission Stark reduzierte optische Beeinflussung des Stadtbildes Technisch: Nachteile Erhöhte Ladeverluste durch erhöhte Ladeleistungen (Wärme) Elektrisches Heizen des Fahrgastraums aus der Batterie reduziert die Reichweiten erheblich Schnellladung erhöht Verluste im Speicher (Wärme – Kühlung notwendig) Schnellladung erschwert bei hohen Umgebungstemperaturen Ökonomisch: Hohe Infrastrukturkosten gegenüber Dieselsystem Hohe Fahrzeugbeschaffungskosten Lebensdauer der Batterie entspricht nicht der Lebensdauer der Fahrzeuge – Wechsel erforderlich Ökologisch/Optisch: 3.2.5.2 „ökologischer Fußabdruck“ durch zusätzlich benötigte Komponenten und große Speicher schlechter als beim Dieselbussystem Übernachtlader Als „Übernachtlader“ (mitunter auch „Volllader“ oder Depotlader genannt) werden jene Bat- teriebusse bezeichnet, die zum Nachladen des Energiespeichers die nächtliche Betriebs- pause nutzen. Die Ladeinfrastruktur kann bei diesem Konzept auf Nachladeeinrichtungen in den Betriebshöfen beschränkt werden. Entlang der zu befahrenden Strecken werden keine zusätzlichen Ladeeinrichtungen benötigt. Die Nachladung des Energiespeichers kann zum Beispiel erfolgen per Kabel (Bodenelektranten oder Überkopfaufhängung des Steckers), mit speziellen leistungsfähigen Pantographensystemen, bei HObussen über die konventionellen Stromabnehmer (Ladeleistung sehr be- grenzt). Teilstudie „Machbarkeit eines Hybridoberleitungsbusbetriebs – „Berlin-Spandau“
3 Grundlagen 33 Bei ausreichender Standzeit kann die Nachladung „lebensdauerfreundlich“ mit geringer C- Rate erfolgen. Falls die Standzeit ausreicht, ist zur Reduktion der Anschlussleistung auch eine zeitlich versetzte Ladung von Fahrzeuggruppen möglich. Mit der Installation eines intelligenten Flotten-Batteriemanagements ist es somit möglich, die speisenden Netze moderat und kontinuierlich (ohne Spitzen) zu belasten. Jedoch werden für Übernachtlader große (schwere) Energiespeicher an Bord der Fahr- zeuge benötigt, da die erneute Ladung erst in der nächsten Betriebspause erfolgen kann. In Beispielprojekten wurden Speicher bis zu 300 kWh auf den Fahrzeugen installiert [95]. Die Energiedichte heutiger Batterien begrenzt die an Bord speicherbare Energie. Dieses Konzept ist somit vor allem für den Einsatz auf Linien mit geringem Tagesenergiebedarf anwendbar. Mit der momentan verfügbaren Speichertechnologie sind damit, innerhalb der Grenzen der Tragfähigkeit der Fahrzeugrahmen, Reichweiten von etwa 200…300 km mög- lich. [17],[94], [95], [96] Bei Unternehmen mit kurzen Betriebspausen wegen ausgedehntem Nachtverkehr und star- ker Frühspitze reduziert sich die verfügbare Ladezeit entsprechend. Dies führt zu höheren Ladeströmen und damit zu einem Bedarf an leistungsfähigerer Ladeinfrastruktur einschließ- lich leistungsfähigem Netzanschluss und letztlich auch zu geringerer Batterielebensdauer. 3.2.5.3 Gelegenheitslader Gelegenheitsladung (opportunity-charging) bedeutet, dass der Energiespeicher nicht nur in den Betriebspausen im Betriebshof nachgeladen wird, sondern auch an den Endhaltestel- len bzw. an Haltestellen mit längeren Wartezeiten. Auch Systeme zur Schnellladung sind bereits in der Erprobung bzw. im Praxiseinsatz. Die Vorteile hierbei sind, dass bei richtiger Dimensionierung des Energiespeichers eine deutlich größere Reichweite möglich ist oder der Energiespeicher kleiner ausgelegt werden kann. In Beispielprojekten wurden Speicher zwischen 60 und 160 kWh auf den Fahrzeugen installiert [95]. Damit können pro Tag Reich- weiten bis etwa 300 km erreicht werden. Die Ladeleistungen sind höher gegenüber der „Übernachtladung“ im Depot und kann induktiv (bis zu 200 kW) oder konduktiv über Panto- graph (bis zu 500 kW) erfolgen [94], [95]. Nachteilig bei diesem Konzept ist der Bedarf an zusätzlicher Ladeinfrastruktur im Liniennetz (Gleichrichterstation und Übertragungstech- nik), der mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Betriebserfahrungen aus bereits realisier- ten Projekten zeigen, dass diese Technik für Netze mit mittleren Verkehrsaufkommen und ausreichend langen Wendezeiten an Endhaltestellen geeignet ist. [18] [19] Der in Kapitel 3.2.4 erwähnte HObus kann auch als spezielle Form des Gelegenheitsladers aufgefasst werden, da er die nur abschnittsweise verfügbare Fahrleitung zur Nachladung des Speichers nutzt. Wissenschaftliche Beratung des BMVI zur Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie
34 3.2.5.4 3 Grundlagen Elektrobusse mit punktueller nicht automatisierter Nachladung Steckerbasiert nachzuladende Fahrzeuge können als Depotlader oder Gelegenheitslader betrieben werden. Jedoch sind sie für Schnellladekonzepte aufgrund der limitierten, über- tragbaren Leistungen ungeeignet. Typische, heute verfügbare Ladestationen können Leis- tungen DC zwischen 90 kW und 170 kW (typischerweise 600V/150A, 400V/250A oder 400V/425A) übertragen [76]. Die Ladegeräte können bei diesem Konzept entweder fahr- zeugseitig mitgeführt werden oder in den externen Ladegeräten untergebracht werden. Letztgenannte Ladegeräte werden normalerweise an 400 V Drehstrom angeschlossen. In [79] wird darauf hingewiesen, dass das Nachladen mit Steckern grundsätzlich nicht ma- nipulationssicher ist und bei fehlender Verriegelung durch Dritte unterbrochen werden kann (allerdings besteht keine Gefährdungsgefahr). Steckerbasierte Lösungen lassen sich nicht automatisieren. Zudem unterliegen die Lade- kabel einem erhöhten Verschleiß und sie sind, wenn die Stecker gekühlt werden müssen (wenn hohe Ladeleistungen vorgesehen sind), sehr schwer. 3.2.6 Gefäßgrößen Nachfolgend werden für einen Single 12-m-Bus, einen Gelenkbus, einen Doppelgelenkbus und einen Doppelstockbus Angaben zu deren ungefähren Sitz- und Stehplatzkapazitäten (für 4 bis 6 Personen/m²) laut verschiedener Hersteller und der Gesamtplatzanzahl im Be- trieb getroffen. Dabei variieren die Angaben je nach Hersteller und dienen daher nur als Orientierungsgröße. Für die Berechnung spezifischer wirtschaftlicher Größen wird mit dem Wert der Gesamt- platzkapazität gerechnet (letzte Zeile der Tabelle 3-8). Für den Doppelgelenkbus wird ein zusätzlicher Wert von 156 Plätzen für die Berechnung der spezifischen Annuität zu Grunde gelegt. Tabelle 3-8: Platzkapazitäten für verschiedene Bussysteme (nach [14], [15], [17]) Single 12 m Gelenkbus Doppelgelenkbus Doppelstockbus Sitzplätze [Hersteller- angabe] 26 - 34 44 - 47 56 - 60 70 - 83 Stehplätze [Hersteller- angabe] 36 - 44 52 - 55 94 - 127 10 - 30 70 99 130 80 - 113 Gesamt [Betrei- beran- nahme] Teilstudie „Machbarkeit eines Hybridoberleitungsbusbetriebs – „Berlin-Spandau“