Drucksache 17 / 12 570 Kleine Anfrage 17. Wahlperiode Kleine Anfrage der Abgeordneten Marianne Burkert-Eulitz (GRÜNE) vom 16. August 2013 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 23. August 2013) und Antwort Ist die Jungenarbeit in Berlin für den Senat mehr als nur Gewalt- und Kriminalitätspräventi- on? Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre ten, der Jugend- und Jugendsozialarbeit, im Bereich der Kleine Anfrage wie folgt: Hilfen zur Erziehung und bei Angeboten, die in Koopera- tion von Schulen und Jugendhilfe stattfinden. Hier hat ein 1. Warum findet sich das Thema Jungenarbeit in der Aufbau von Strukturen zur Unterstützung und Begleitung öffentlichen Außendarstellung des Berliner Senates vor von Mädchen und Jungen stattgefunden, mit der Folge, allem auf der Internetseite der Senatsverwaltung für dass durch eine Thematisierung von geschlechtsbezoge- Inneres unter dem Titel Gewalt- und Kriminalitäts- nen Fragen und eine Auseinandersetzung mit geschlech- prävention? terbewussten Ansätzen, Mädchen und Jungen in nicht- formalen und formalen Bildungsinstitutionen besser ge- Zu 1.: Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt – fördert und unterstützt werden. in der federführenden Zuständigkeit der Senatsverwaltung Im Sinne der Chancengleichheit wird neben der nach für Inneres und Sport - hat sich in den Jahren 2006 und wie vor wichtigen Mädchenarbeit eine adäquate Jungen- 2007 intensiv mit dem Zusammenhang von männlicher förderung an die Seite gestellt, d.h. eine an den Interessen Sozialisation und Gewalt beschäftigt. Hintergrund war die und dem „eigenen Leben“ von Jungen orientierte Arbeit. Tatsache, dass auch bei Kindern und Jugendlichen delin- Jungenarbeit in diesem Sinne versteht sich als Hilfe in der quentes Verhalten hauptsächlich ein männliches Phäno- Persönlichkeitsentwicklung, bietet „Möglichkeitsräume“ men ist. Männliche Kinder und Jugendliche setzen sich auch in Abgrenzung von stereotypen männlichen Verhal- häufiger über gesellschaftliche Normen und Regeln hin- tensweisen. Dieser Ansatz geht von der Erweiterung der weg und fallen durch Anwendung von Gewalt auf. Der Verhaltens- und Handlungsperspektiven aus. Es erfolgt in Anteil an männlichen Intensivstraftätern bzw. Mehrfach- der Arbeit keine Konzentration auf das sozial „nicht Ge- tätern ist deutlich erhöht. So waren im Jahr 2012 im Al- wünschte“ innerhalb des Lebens von Jungen, sondern eine tersbereich der jugendlichen und heranwachsenden Tat- auf das Subjekt bezogene positive Sichtweise, bei der der verdächtigen 72,8 % männlich (vgl. Polizeiliche Krimi- Frage nachgegangen wird „Was braucht welcher Junge?“. nalitätsstatistik 2012). Es geht z.B. um die Unterstützung von Jungen in ihren Die Landeskommission hat sich deshalb verstärkt mit beruflichen Möglichkeiten, in ihren persönlichen Hand- den Lebenslagen von Jungen auseinandergesetzt. Im Er- lungsoptionen - z.B. diese auch in gesellschaftliche Berei- gebnis wurden auf der Internetseite der Senatsverwaltung che auszuweiten, die bisher eher als weiblich identifiziert für Inneres und Sport unter der Rubrik Gewalt- und Kri- werden. Ziel ist eine Erweiterung des Berufswahlspekt- minalitätsprävention Männliche Sozialisation und Gewalt rums, eine Flexibilisierung männlicher Rollenbilder und (vgl. die Förderung von sozialen Kompetenzen, wie z.B. Em- http://www.berlin.de/lb/lkbgg/gewalt_und_kriminalitaet- pathiefähigkeit. spraevention/maennliche-sozialisation-und-ge- walt/index.html) u. a. Artikel zum Thema Jungenarbeit Im Bereich der Hilfen zur Erziehung wird im Kontext eingestellt. von Vertragsabschlüssen gemäß des Berliner Rahmen- vertrages Jugend (BRV Jug) der genderorientierten Aus- richtung von Konzepten und Leistungsangeboten Rech- 2. Welche Vorstellungen von „Jungenarbeit“ hat das nung getragen. Hier finden sich themenzentrierte ge- Land Berlin? schlechtsspezifische Betreuungssettings in allen Leis- tungsbereichen entsprechend dem jeweiligen individuel- Zu 2.: Geschlechtsbewusste Ansätze gehören inzwi- len Bedarf. schen zum festen Bestandteil der pädagogischen Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe, d.h. in den Kindertagsstät- Die Drucksachen des Abgeordnetenhauses sind bei der Kulturbuch-Verlag GmbH zu beziehen. Hausanschrift: Sprosserweg 3, 12351 Berlin-Buckow · Postanschrift: Postfach 47 04 49, 12313 Berlin, Telefon: 6 61 84 84; Telefax: 6 61 78 28.