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Dieses Dokument ist Teil der Anfrage „Übersicht der Untersuchungsausschüsse

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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - Dr. Susanne Reichrath Frühere Koordinatorin für kultu- 13.03.2012 relle Angelegenheiten (14. WP) 5. Karl Rauber Minister a.D. 13.03.2012 (14. WP) 5. Stephan Toscani Minister 13.03.2012 (14. WP) 3., 5. und 7. Annegret Kramp- Karrenbauer Ministerpräsidentin 13.03.2012 (14. WP) 3. Prof. Dr. Meinrad Grewenig Generaldirektor des Weltkultur- 02.10.2012 erbes Völklinger Hütte, zur Zeit (15. WP) der Vernehmung geschäftsfüh- render Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz 1. Gerd Marx Projektsteuerer 02.10.2012 (15. WP) 3. Jürgen Schreier Minister a. D. 02.10.2012 und 30.04.2013 (15. WP) 3. und 10. Gerhard Wack Staatssekretär a.D. 04.06.2013 (15. WP) 11. Dr. Axel Spies Staatssekretär im Finanz- und Europaministerium 04.06.2013 (15. WP) 11. Thomas Ackermann Finanzbeamter im Finanz- und Europaministerium 04.06.2013 (15. WP) 11. Helga Knich-Walter Ministerium für Bildung und Kultur 03.09.2013 (15. WP) 12. Christa Matheis früher Ministerium für Bildung und Kultur 03.09.2013 (15. WP) 12. Harald Popp Ministerium für Bildung und Kultur 21.01.2014 (15. WP) 14. Janek Pfeufer Dipl. Ing. Architekt 11.03.2014 (15. WP) 15. - 17 -
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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - Thomas Bernd Rechtsanwalt 11.03.2014 (15. WP) 16. Thomas Witsch Wirtschaftsprüfer, Ernst & Y- oung Wirtschaftsprüfungsge- sellschaft 01.04.2014 (15. WP) 17. Nico Andres Wirtschaftsprüfer, Ernst & Y- oung Wirtschaftsprüfungsge- sellschaft 01.04.2014 (15. WP) 17. Joachim Demmer Wirtschaftsprüfer, Pricewater- house Coopers AG 01.04.2014 (15. WP) 17. Patrick Weber von Freital Wirtschaftsprüfer, Pricewater- house Coopers AG 01.04.2014 (15. WP) 17. Professor Edwin Kohl Unternehmer/Geschäftsführer 06.05.2014 (15. WP) 18. 03.06.2014 (15. WP) 18. Wolfgang Gütlein Landesbehindertenbeauftragter 17.06.2014 (15. WP) 19. Bernd Therre Kfm. Vorstand der Stiftung Saarl. Kulturbesitz 17.06.2014 (15. WP) 20. und 21. Claudia Depue Diplom-Ingenieur (FH) Archi- tektur 01.07.2014 (15. WP) 22. Jörg Mühlhäusler Diplom-Ingenieur 01.07.2014 (15. WP) 22. Janek Pfeufer Architekt 01.07.2014 (15. WP) 23. Christian Kühner Bauingenieur 04.07.2014 (15. WP) 23. Klaus-Dieter Groß Diplom-Ingenieur Versorgungs- 04.07.2014 technik (15. WP) 24. Dr. Matthias Zieres Rechtsanwalt 24. Professor Dr. Inge Weber - 18 - 04.07.2014 (15. WP)
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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - Eva Mechtel Rechtsanwältin 04.07.2014 (15. WP) 24. Andreas Thiel Lichtplaner 04.07.2014 (15. WP) 24. Jan Paul Melchior Diplomingenieur 08.07.2014 (15. WP) 22. Gregor Lehnert Geschäftsführer 08.07.2014 (15. WP) 25. Horst Dieter Fries Kriminaloberkommissar 08.07.2014 (15. WP) 25. Stefanie Schwarz Bauingenieurin (WPW) 08.07.2014 22.07.2014 (15. WP) 26. Anne Lutz Architektin (WPW) 22.07.2014 (15. WP) 26. Klaus Kaspari Angestellter der Saarland Ver- sicherungen 22.07.2014 (15. WP) 25. Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig Generaldirektor und Vorsitzen- 22.07.2014 der der Geschäftsführung der 14.07.2015 Weltkulturerbe Völklinger Hütte, (15. WP) Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur gGmbH 27. Ingrid Schwarz Diplom-Restauratorin 28.04.2015 (15. WP) 29. Ute Dietzen-Seitz Gemälde- und Skulpturrestau- ratorin 28.04.2015 (15. WP) 29. Dr. ing. Werner Backes Bauingenieur, WPW Ingenieure 28.04.2015 GmbH (15. WP) 26. Karl Rauber Minister a.D. 17.12.2015 (15. WP) 30. Dr. Susanne Reichrath Frühere Koordinatorin für kultu- 08.03.2016 relle Angelegenheiten (15. WP) 31. - 19 -
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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - Dr. Katharina Wolf-Spieker Referentin für Presse- und Öf- fentlichkeitsarbeit Stiftung Saarl. Kulturbesitz. 08.03.2016 (15. WP) 31. Elisabeth Reichmann Frühere Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kultusministerium 08.03.2016 (15. WP) 31. Annegret Kramp- Karrenbauer Ministerpräsidentin 29.11.2016 (15. WP) 32. II. Tatsächliche Feststellungen Zu den von dem Einsetzungsbeschluss vorgegebenen Beweisfragen (Drucksache 15/38) wurden in der Beweisaufnahme folgende Feststellungen getroffen: Einleitung Die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz (im Folgenden: SSK) ist eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts, deren Zweck es ist, die ihr übertragenen Kulturgüter zu bewahren und in geeigneter Weise der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Die SSK ist u.a. Träger des Saarlandmuseums. Organe der Stiftung sind das Kuratorium und der Vorstand. Vorsitzender des Kuratoriums und Kurator war nach dem Gesetz zur Errichtung der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz der jeweils für die Angelegenheiten der Kultur zuständige Minis- ter, und zwar im hier interessierenden Zeitraum: - Minister a. D. Jürgen Schreier vom 29.9.1999 bis 03.09.2007, - Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer vom 03.09.2007 bis 10.11.2009, - Minister a. D. Karl Rauber vom 10.11.2009 bis 24.08.2011, - Minister Stefan Toscani vom 24.08.2011 bis 09.05.2012. Herr Dr. Ralph Melcher wurde 2003 auf Vorschlag des damaligen Kultusministers Schreier zum Direktor des Saarlandmuseums bestellt. Nach einer Neuordnung der Stiftungsstrukturen wurde Herr Dr. Melcher zusätzlich zum alleinigen Stiftungsvorstand berufen. Verwaltungsleiter der Stiftung und zuständig für die Abrechnung von Reisekosten und Spe- sen war seit Dezember 1990 Herr Jürgen Lang. Frau Dr. Susanne Reichrath war Koordinatorin für kulturelle Angelegenheiten. Im Juli 2006 beschloss das Kuratorium der SSK einen Erweiterungsbau zur Modernen Gale- rie des Saarlandmuseums, den sog. IV. Pavillon. Die Umsetzung des Bauprojektes sowie der vorangegangene EU-weite Realisierungswettbewerb wurden durch die SSK ohne Einbe- ziehung von in der Landesverwaltung vorhandenen Bausachverstandes durchgeführt. Aufgrund verschiedener Faktoren kam es zu einer Kostensteigerung bei der Neubaumaß- nahme. Zum einen war die Kostenschätzung von 12,6 Millionen Euro aus dem Jahr 2006 nach Auffassung des Landesrechnungshofes von Anfang an unrealistisch, zum anderen wa- ren Steigerungen der Baunebenkosten zu verzeichnen. Der Landesrechnungshof kam wei- terhin zu der Überzeugung, dass deutlich überhöhte Honorarforderungen und eine Reihe von Doppel- und Mehrfachbeauftragungen vorläge, die fachlich nicht erforderlich gewesen seien. - 20 -
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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - Die SSK schloss 85 Einzelverträge mit 23 Freischaffenden, wobei nach Auffassung des Rechnungshofes zum Teil überhöhte Honorare vereinbart wurden. Dies führte nach Ein- schätzung des Landesrechnungshofes zu Mehrkosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Mit der Projektsteuerung wurde die Gerd Marx Projektentwicklung & Projektsteuerung GmbH (im Folgenden: Marx GmbH), deren Geschäftsführer der Betroffene Gerd Marx ist, beauftragt. Der Projektsteuerung wurde ein nach Einschätzung des Landesrechnungshofes um 687.000 Euro überhöhtes Honorar eingeräumt. Im Rahmen des Realisierungswettbewerbs und der Umsetzung des Museumsneubaues führten Herr Dr. Melcher und der Projektsteuerer Gerd Marx eine Vielzahl von Reisen in un- terschiedliche Städte Europas durch. Die Kosten belaufen sich nach Schätzung des Landes- rechnungshofes auf 59.000 Euro. Hinzu kamen weitere Spesenabrechnungen des Stiftungs- vorstandes wegen Übernachtungen in Hotels der gehobenen Kategorie und wegen Verpfle- gungen in der gehobenen Gastronomie. Im Einzelnen war nach der Beweisaufnahme folgender Sachverhalt – chronologisch darge- stellt- festzustellen: 2006: Am 10.07.2006 fasste das Kuratorium der SSK in seiner 90. Sitzung den Beschluss, die schon länger geplante Museumserweiterung in einem offenen Realisierungswettbewerb EU- weit auszuloben. Der im Wettbewerb vorgegebene Kostenrahmen betrug 9 Millionen Euro. Das gewählte offene Auslobungsverfahren führte angesichts der großen Teilnehmerzahl zu Wettbewerbskosten in Höhe von 0,96 Millionen Euro, nach den Buchungsunterlagen der SSK sogar zu Kosten in Höhe von 1,22 Millionen Euro, wobei es hier jedoch zu Falschbu- chungen kam. 655 Interessenten forderten die Auslobungsunterlagen an, 345 Architekten reichten schließ- lich Entwurfsarbeiten ein. Vom 10. bis 12. November 2006 lud der Projektsteuerer Gerd Marx den damaligen Stif- tungsvorstand Dr. Melcher, den damaligen Kurator der Stiftung Jürgen Schreier sowie die Professoren Graf und Schäfer, die Mitglieder des Beirates der SSK waren, zu einem sog. Herrenabend ein. Hierbei wurde u.a. der Isenheimer Altar in Colmar sowie das Liebfrauenmünster in Straßburg besichtigt. Es kam zu einer Essenseinladung durch Herrn Marx in ein Restaurant in Phals- bourg. Die Rechnung belief sich auf 317 Euro. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken klagte Herrn Dr. Melcher später u.a. aufgrund seiner Teilnahme an dem Herrenabend wegen Vorteilsnahme an, Herrn Marx u.a. wegen Vorteils- gewährung. Gegen den damaligen Kurator Schreier erging auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen sei- ner Teilnahme an dem Herrenabend ein rechtskräftiger Strafbefehl über 80 Tagessätze zu je 300 Euro. Im November 2006 verband der damalige Stiftungsvorstand Dr. Melcher einen privaten Ur- laub in Marbella mit einer Dienstreise zum Zwecke der Vorbereitung der für das Jahr 2007 in Saarbrücken geplanten Picasso-Ausstellung. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken bezweifel- te später im Rahmen ihrer Ermittlungen die Notwendigkeit einer Dienstreise nach Marbella, nachvollziehbare Dienstorte wären nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Malaga und Barcelona gewesen, nicht jedoch Marbella. Im Rahmen der Reise wurde ein Mietwagen samt Kindersitzen angemietet. Die Kosten für die Anmietung der Kindersitze erstattete Herr Dr. Melcher der SSK zu einem späteren Zeit- punkt. - 21 -
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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - 2007: Am 02.01.2007 wurde Frau Sabine Marek mit der organisatorischen Abwicklung des Reali- sierungswettbewerbes für 2007 beauftragt. Das Honorar betrug pauschal 36.900 Euro netto bzw. 43.911 Euro brutto. Am 13.02.2007 wurde eine Vorlage in den Ministerrat eingebracht, die Kosten in Höhe von 11,5 Millionen Euro vorsah. Der Ministerrat stimmte dem Neubau einer „Galerie der Gegen- wart“ für das Saarlandmuseum durch die SSK zu. Im März 2007 fand die Auslobung statt. Am 15.05.2007 schloss die SSK mit der Marx GmbH einen Beratervertrag ab, der die Bera- tung der SSK in allen Fragen im Zusammenhang mit dem offenen Realisierungswettbewerb „Galerie der Gegenwart“ zum Gegenstand hatte und eine Vergütung nach Zeitaufwand vor- sah. Mit Schreiben vom 04.07.2007 teilte Rechtsanwalt Thomas Bernd, der von der Stiftung be- auftragt worden war, dem Vorstand der Stiftung Dr. Melcher schriftlich mit, dass davon aus- zugehen sei, dass bei der Beauftragung der Projektsteuerung der Schwellenwert von 211.000 Euro überschritten werde. Zwei bis drei Wochen vor Verfassung dieses Schreibens hatte eine Besprechung stattgefunden, an der auch Herr Schreier teilgenommen hatte. Rechtsanwalt Thomas Bernd wies in dem Gespräch auf die Anwendbarkeit von Verfahren nach dem Vierten Teil des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen und der Vergabe- ordnung bei Erreichen von Schwellenwerten hin. Ob der Schwellenwert in diesem Gespräch betragsmäßig genannt wurde, konnte nicht geklärt werden. Frau Annegret Kramp-Karrenbauer war vom 03.09.2007 bis zum 10.11.2009 Kulturministerin und damit auch Kuratorin der SSK. Am 25.09.2007 nahm Frau Kramp-Karrenbauer erstmalig als Kuratorin an einer Kuratoriumssitzung teil. Herr Schreier hatte ab diesem Zeitpunkt bis zum 02.11.2011 die Funktion des stellvertretenden Kurators inne. Im Oktober 2007 unternahmen Herr Dr. Melcher und Herr Marx eine Reise mit dem Auto nach Wolfsburg und besichtigten das dortige Kunstmuseum, das Phaeno und die Autostadt. Sie übernachteten im Hotel Ritz-Carlton. Die Übernachtung kostete 210 Euro. Herr Dr. Mel- cher und Herr Marx aßen dort je ein 8-Gänge-Menü. Übernachtungs- und Essenskosten wurden zu Lasten der SSK abgerechnet. Der Schaden betrug laut Staatsanwaltschaft Saarbrücken 803 Euro, wobei 132 Euro auf die überteuerte Übernachtung und 630 Euro auf das Essen entfielen. Am 19.11.2007 vergab das Preisgericht die Preise 1 bis 3, zweimal einen fünften Preis und drei Ankäufe. Hierbei kam es zu einem Vergabefehler, da der Entwurf des ersten Preisträgers das vorge- gebene Baufeld um mehr als 50 % überschritt. Die benachteiligten Wettbewerbsteilnehmer beantragten ein Vergabenachprüfungsverfahren und obsiegten. Der Gewinner wurde daraufhin von der Vergabekammer wegen eines Verga- befehlers ausgeschlossen. Es kam zu einem zweiten Auswahlverfahren, bei dem die twoo-Architekten aus Köln, die ursprünglich Viertplatzierten, beauftragt wurden. Bereits aus den Dokumentationen des Preisgerichts ging hervor, dass der Entwurf der twoo-Architekten im Hinblick auf die Flä- chenausnutzung unwirtschaftlich war und die Kostenermittlung als zu niedrig eingeschätzt wurde. Die Kostenschätzung in der Entwurfsplanung der twoo-Architekten belief sich auf 11,35 Millionen Euro. - 22 -
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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - Am 27.12.2007 beschloss das Kuratorium, den Vertrag von Herrn Dr. Melcher um fünf Jahre zu verlängern und seine Grundvergütung ab dem 01.01.2008 zu erhöhen. 2008: Am 22.01.2008 besprachen sich Herr Dr. Melcher, Herr Minister a.D. Schreier, Herr Prof. Merz, Herr Rechtsanwalt Bernd und die Kuratorin Frau Kramp-Karrenbauer zum Bau des IV. Pavillons bei einem Essen in Kuntzes Handelshof. Am 03.03.2008 aßen Herr Marx und Herr Dr. Melcher von 11.30 bis 14.39 Uhr im Restaurant „Villa Medici“ in Neunkirchen. Ausweislich einer Abrechnung von Herrn Dr. Melcher gegen- über der SSK wurde das Thema „Kreisständehaus“ besprochen. Herr Dr. Melcher stellte Herrn Marx an diesem Tag Beratungskosten in Rechnung, wobei die Beratung von 12 bis 16 Uhr stattgefunden haben soll. Herr Marx berechnete umgekehrt der SSK am gleichen Tag zweieinhalb Stunden Beratung zum Preis von 138 Euro je Stunde. Im März 2008 gab es ein Gespräch zum Architektenwettbewerb betreffend IV. Pavillon, an dem der damalige Finanzstaatssekretär Wack, ein Rechtsanwalt der Kanzlei Kappellmann und Herr Dr. Melcher teilnahmen. Herr Dr. Melcher sprach sich in diesem Gespräch gegen den Vorschlag des Rechtsanwaltes aus, die Zuständigkeit für den weiteren Wettbewerb aus der Verantwortung der Stiftung her- auszunehmen, und plädierte dafür, dass das Architektenwettbewerbsverfahren in den Hän- den der SSK bleibt. Am 18.04.2008 fand ein Essen im Sengscheider Hof zum Thema VOF-Verhandlungen statt, an dem Herr Dr. Melcher, Herr Marx, Frau Kramp-Karrenbauer, Herr Schreier, Herr Bernd, Herr Prof. Graf und Herr Prof. Merz teilnahmen. Am 17.06.2008 wurden die twoo-Architekten als vierte Preisträger mit den Grundleistungen der Leistungsphasen 1 bis 3 beauftragt, wobei den twoo-Architekten im Falle der Entschei- dung des Auftraggebers für eine Bauantragstellung ein vertraglicher Anspruch auf Beauftra- gung mit den Leistungsphasen 4 und 5 eingeräumt war. Die Leistungsphase 4 wurde voll- ständig und die Leistungsphase 5 teilweise von den twoo-Architekten erbracht. Am 13.08.2008 schloss Herr Dr. Melcher mit Wirkung für und gegen die SSK mit der Marx GmbH zwei weitere Projektsteuerungsverträge ab: Der eine Vertrag betraf den Neubau Galerie der Gegenwart, somit den Bau des IV. Pavillons. Hier wurden die Leistungsstufen 1 bis 3 für 200.000 Euro pauschal beauftragt. Der weitere Vertrag betraf den Umbau der Modernen Galerie. Dieser Vertrag sah eine Ver- gütung von 5 Prozent der Kosten vor (Auftragswert: 100.000 Euro netto). Im August 2008 wurde die KMW Ingenieurgesellschaft mbH (im Folgenden: KMW), Saar- brücken, mit der Erstellung eines Brandschutzkonzeptes für den IV. Pavillon und einer brandschutztechnischen Beratung beauftragt. In der Folgezeit kam es zu verschiedenen Nachträgen. Im September 2008 wurde das Ingenieurbüro Wetzel & von Seht, Hamburg, mit den Leis- tungsphasen 2 und 3 in der Tragwerksplanung für den IV. Pavillon beauftragt. In der Folge- zeit kam es zu verschiedenen Nachträgen. Im Rahmen der 96. Sitzung des Kuratoriums, am 08.10.2008, wurde dem Kuratorium der Prüfbericht PwC für das Haushaltsjahr 2007 vorgestellt. Es wurde eine ordnungsgemäße Haushaltsführung attestiert. Der Vorstand wurde sodann entlastet. - 23 -
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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - Am 30.10.2008 wurde die RCI GmbH (im Folgenden: RCI), Oberhausen, mit Leistungen zu einem Liegenschaftsenergiekonzept für Wärme, Kälte und Strom für verschiedene Be- standsgebäude, u.a. die Moderne Galerie, sowie für den Neubau IV. Pavillon beauftragt. Ein Ingenieurvertrag vom 11.09./12.11.2008 hat Leistungen der Technischen Gebäudeausrüs- tung zum Gegenstand. Die TA-Planung der RCI wurde durch KMW als fehlerhaft und unwirtschaftlich eingeschätzt. Die diesbezüglichen Aussagen von KMW wurden zum Anlass genommen, den Planungsver- trag mit RCI zu kündigen und mit KMW im August 2010 einen Beratervertrag betreffend Technische Ausrüstung zu schließen. Am 05.11.2008 wurde der Bauantrag für den Neubau des IV. Pavillons gestellt. 2009: Am 21.01.2009 fand ein Gespräch zwischen Herrn Dr. Melcher und der Kuratorin Kramp- Karrenbauer in deren Ministerbüro statt. Nach Aussage der Kuratorin war in diesem Ge- spräch erstmalig die Rede von Finanzierungsproblemen beim IV. Pavillon. Herr Dr. Melcher berichtete ihr von einer Kostenvorlage der twoo-Architekten in Höhe von 13,6 Millionen Euro und einem Kostenbedarf von 3 Millionen Euro für die Moderne Galerie. Am 11.02.2009 lag der SSK eine Kostenhochrechnung der twoo-Architekten mit einer Kos- tensteigerung von 2,5 Millionen vor. Die Berechnung ging von Kosten in Höhe von 23,8 Millionen Euro zzgl. Wettbewerbskosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro aus, insgesamt also von Kosten in Höhe von 25,1 Millionen Euro. Der Verwaltungsleiter der Stiftung Herr Jürgen Lang verfasste wegen der Kostensteigerung einen Briefentwurf an die Kuratorin, datierend auf den 19.02.2009, und gab diesen Entwurf dem damaligen Stiftungsvorstand Herrn Dr. Melcher. Es konnte nicht geklärt werden, ob dieser Brief abgeschickt wurde oder ob es beim Entwurf blieb. Herr Dr. Melcher hatte insoweit nach seiner Zeugenaussage kein Erinnerungsvermö- gen mehr, Herr Lang sah nie einen „Ab-Vermerk“, die Kuratorin Kramp-Karrenbauer hat den Brief nach ihrer Zeugenaussage nie erhalten. Der in den Akten befindliche Briefentwurf trägt keine Unterschrift von Dr. Melcher. Am 03.03.2009 fand eine große Ingenieurbesprechung statt. Nach der Aussage des Zeugen Dr. Melcher ging es u.a. um die Kostenschätzung twoo-Architekten, was jedoch ungeklärt blieb. Am 04.03.2009 fand eine Gesprächsrunde statt, an der der damalige Finanzstaatssekretär Wack, die Kuratorin Frau Kramp-Karrenbauer, Frau Dr. Reichrath, Herr Duis, Herr Bogler, Frau Wandel-Hoefer, Herr Marx und Herr Dr. Melcher teilnahmen. Der Gesprächsinhalt wird zwischen Herrn Dr. Melcher einerseits und anderen Gesprächs- teilnehmern andererseits, unterschiedlich dargestellt. Offen blieb, ob es weitere Gesprächsteilnehmer gab und was Gesprächsgegenstand war. Nach der Aussage von Herrn Dr. Melcher wurde im Rahmen des Gespräches auch die Kos- tenhochrechnung der twoo-Architekten vom 11.02.2009 über insgesamt 25,1 Millionen Euro erörtert. Nach Aussage der Kuratorin sowie der Zeugen Wack und Reichrath, handelte es sich um eine Sitzung des Lenkungsausschusses Kulturmeile mit einem entsprechend großen Teilnehmerkreis und anderem Gesprächsgegenstand. In der 97. Kuratoriumssitzung am 09.03.2009 beschloss das Kuratorium u.a. den Wirt- schaftsplan 2009. Herr Dr. Melcher berichtete jedoch in der Sitzung nichts darüber, dass er beabsichtigte, einen Änderungsvertrag mit dem Projektsteuerer Herr Marx zu schließen, der das Pauschalhonorar von 200.000 Euro auf 5 Prozent der Baukosten erhöhte. - 24 -
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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - Mit Schreiben vom 12.03.2009 bat das Kultusministerium das Finanzministerium um Zu- stimmung zum Wirtschaftsplan der SSK für das Jahr 2009. Etwa sechs bis acht Tage später, im März 2009, gab es ein Gespräch zwischen dem dama- ligen Finanzstaatssekretär Wack, Herrn Ackermann und Herrn Dr. Melcher, in dem das Be- stehen einer Finanzierungslücke thematisiert wurde. Am 19.03.2009 um 13.29 Uhr sendete der Verwaltungsleiter der SSK Herr Jürgen Lang eine Email an Herrn Ackermann im Finanzministerium, wobei Herr Dr. Melcher und Herr Marx in „CC“ gesetzt waren: In der Email wurden die Kosten mit 18,7 Millionen Euro, die Nebenkos- ten mit 800.000 Euro und die Wettbewerbskosten mit 1,3 Millionen Euro beziffert. Vom 20.03.2009 bis 25.03.2009 reiste Herr Dr. Melcher nach Sylt, wo seine Ehefrau wegen einer Kur verweilte, und legte einen dienstlichen Termin in die Zeit seines beabsichtigten Syltaufenthaltes, den er nach den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen auf Kosten der SSK abrechnete. Der Schaden für die SSK belief sich nach staatsanwaltschaftlicher Berechnung auf 213,41 Euro. Am 09.04.2009 schloss Herr Dr. Melcher mit der Marx GmbH einen 1. Ergänzungsvertrag zum Projektsteuerungsvertrag vom 13.08.2008. Der Vertrag vom 13.08.2008 wurde um die Leistungsstufen 4 bis 5 erweitert, das Pauschalhonorar von 200.000 Euro durch eine Vergü- tung in Höhe von 5 Prozent der Kosten für Planung und Ausführung ersetzt. Herr Dr. Melcher informierte das Kuratorium nicht im Vorfeld über diesen Vertragsabschluss. Am 14.04.2009 wurde die Genehmigung zum Bau des IV. Pavillons erteilt. Im Mai 2009 überwies Herr Marx einen Betrag von 8.225 Euro auf das Konto von Herrn Dr. Melcher. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Saarbrücken handelte es sich dabei um Schmiergeld, da nach ihrer Auffassung darüber getäuscht wurde, dass eine Beratungs- leistung stattgefunden habe. Dies führte u.a. zu einer Anklage gegen Herrn Dr. Melcher we- gen Vorteilsannahme und gegen Herrn Gerd Marx wegen Vorteilsgewährung. Am 04.05.2009 richtete das Finanzministerium ein Schreiben an die Kuratorin Kramp- Karrenbauer. In dem Schreiben wurde der Wirtschaftsplan 2009 nebst Satzung genehmigt. In diesem waren die Kosten für den IV. Pavillon mit 18,7 Millionen Euro ausgewiesen, die Kosten für den Umbau der Modernen Galerie mit 3,1 Millionen Euro. Es wurde von einem Finanzierungsdefizit von 14,8 Millionen Euro ausgegangen. Die in dem Schreiben vom 04.05.2009 genannten Kosten waren Gegenstand einer Bespre- chung am 14.05.2009, an der die Kuratorin Kramp-Karrenbauer, Frau Dr. Reichrath, Herr Dr. Melcher und Herr Marx teilnahmen. Herr Dr. Melcher und Herr Marx bestätigten die im Schreiben vom 04.05.2009 genannten Kostenbeträge. Am 19.05.2009 informierte die Kuratorin Kramp-Karrenbauer das Kabinett entsprechend, welches beschloss, die Gesamtfinanzierung sicherzustellen. Herr Dr. Melcher belieferte am 22.07.2009 in einer Email das damalige Ministerium für Kultur und Bildung mit Informationen für die am Folgetag geplante Pressekonferenz. Am 23.07.2009 fand eine Pressekonferenz zur Ankündigung des Spatenstichs statt. Im Vorfeld der Pressekonferenz lagen verschiedene Entwürfe einer gemeinsamen Presse- mitteilung von SSK und dem damaligen Ministerium für Bildung, Familie und Frauen vor. In einem Entwurf war von Kosten in Höhe von 20,1 Millionen Euro die Rede: „Die Gesamtkosten von 20,1 Mio. Euro für den Museumsneubau teilen sich das Land, die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz und Kohl Medical AG…“ - 25 -
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Drucksache 15/2108 Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - Nach Überarbeitung der Presseerklärung durch die damalige Kulturministerin Annegret Kramp-Karrenbauer wurde obiger Passus durch folgend Formulierung ersetzt: „An den Gesamtkosten für den Museumsneubau beteiligen sich das Land, die Stiftung Saar- ländischer Kulturbesitz und Kohl Medical AG…“ Zu den Kosten der Baumaßnahme heißt es in dem überarbeiteten Entwurf an anderer Stelle: „Das Bauvorhaben der Galerie der Gegenwart wurde 2007 mit reinen Baukosten von 9 Mio. Euro ausgeschrieben. Zuzüglich der sogenannten Baunebenkosten belief sich die Kalkulati- on 2007 auf 12,5 Mio. Euro. Nach der aktuellen Kostenschätzung und weiteren nachgeführ- ten Berechnungen geht die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz von faktischen reinen Bau- kosten in einer Höhe von 11,7 Mio. Euro und Baunebenkosten von 2,8 Mio. Euro aus. Damit beläuft sich die Gesamtsumme auf 14,5 Mio. Euro.“ In einer Ministerratsvorlage vom 23.07.2009 wurden die Gesamtkosten einschließlich der Sanierung der Modernen Galerie des Saarlandmuseums mit 20,1 Millionen Euro beziffert. Am 28.7.2009 wurde das Konzept in einer Größenordnung von 20,1 Millionen Euro in der Ministerratssitzung angenommen. Am 06./12.08.2009 erhielt die Firma Modernbau GmbH den Auftrag zum Aushub der Bau- grube und der Baugrubensicherungsarbeiten. Der Vertrag sah zunächst einen Werklohn von ca. 1,2 Millionen Euro vor. Nach einem Nachtragsauftrag vom 13./15.12.2010 belief sich der Gesamtauftragswert auf ca. 1,4 Millionen Euro. Der Erste Spatenstich erfolgte am 07.08.2009. In der 98. Sitzung des Kuratoriums vom 25.08.2009 bezifferte die Kuratorin Kramp- Karrenbauer die Baukosten auf 14,5 Millionen einschließlich Nebenkosten. Sie wies darauf hin, dass zu dieser Summe noch Folgekosten für die Außenraumgestaltung und Innen-/ Außensanierung des Bestandsgebäudes der Modernen Galerie hinzukämen. Der damalige Finanzstaatssekretär Wack sah die Finanzierung des Bauvorhabens zum da- maligen Zeitpunkt als nicht gefährdet an. In derselben Kuratoriumssitzung erklärte Herr Dr. Melcher dem Kuratorium wahrheitswidrig, die Vergabe der Projektsteuerung sei aufgrund einer Ausschreibung erfolgt. Obwohl Dr. Mel- cher juristisch beraten war, hatte er dennoch eine Vergabe ohne Ausschreibung vorgenom- men. Am 30.08.2009 fanden Landtagswahlen statt. In der 99. Sitzung des Kuratoriums vom 08.10.2009 berichtete der Vorstand Dr. Melcher, dass die begonnenen Baumaßnahmen im Zeitplan lägen. 2010: Im Januar 2010 reiste Herr Dr. Melcher, der sich als Direktor der Berlinischen Galerie be- worben hatte, nach Berlin. Da der potentielle neue Arbeitgeber nicht bereit war, die Reise- kosten für das Bewerbungsgespräch in Berlin zu übernehmen, verlegte Herr Dr. Melcher ein Dienstgeschäft nach Berlin. Die SSK übernahm die Kosten in Höhe von 645 Euro für drei Übernachtungen. Der Schaden für die SSK belief sich laut Auffassung der Staatsanwalt- schaft Saarbrücken auf 596,60 Euro. Im März 2010 gab es eine Landtagsanfrage der Abgeordneten Ries und Commerçon. In der Beantwortung der Landtagsanfrage wurden die Kosten für den Bau des IV. Pavillon mit 18,7 Millionen Euro angegeben (ohne die Anschlusskosten an die Moderne Galerie). Ab April 2010 kam es zunehmend zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit den twoo- Architekten um deren Honoraransprüche. - 26 -
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