Elektromobilität und Wertschöpfung
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 zeug verbunden. Zur Kompensation der gewichtssteigernden Batteriemodule wird der Leichtbau weiter an Bedeutung gewinnen. Dadurch wird sich der Ma- terial-Mix in den Fahrzeugen verändern, der auch zu veränderten Schadensbil- dern bei Unfällen führen kann. So wird zum Beispiel die digitale Vermessung mit minimalen Messtoleranzen für eine ordnungsgemäße Reparatur immer wichtiger. Beim Einsatz von Carbon müssen zur Schadensdiagnose zusätzlich Thermographie und Ultraschall eingesetzt werden. Weiterhin werden auch bei der Karosseriereparatur verstärkt neue Techniken zum Einsatz kommen. Im Vorlauf zum Einsatz solcher Technologien entsteht in den Karosserie- und Lackierbetrieben zwar ein erhöhter Qualifizierungsaufwand, dem jedoch höhe- re Umsätze je Reparaturereignis gegenüberstehen. – Connected Drive: Wie oben beschrieben, wird die Elektrifizierung zu einer weiter steigenden Vernetzung von Fahrzeugen, Fahrern und insbesondere der Infrastruktur führen. Der Verkauf von speziellen Apps für Elektrofahrzeuge wird an Bedeutung gewinnen, so zum Beispiel für eine „Green Navigation“, bei der umweltrelevante Aspekte in die Routenplanung mit einbezogen werden. Der Einbau und die Wartung von Systemen der Car-IT wird dem After Sales sowohl qualitative wie auch quantitative Wachstumsimpulse geben. – Innovative Mobilitätskonzepte: Wie ebenfalls oben aufgezeigt geht die Aus- breitung der Elektromobilität einher mit der Entwicklung und Nachfrage nach innovativen Mobilitätskonzepten. Mit der Umsetzung von Mobilitätskonzepten sind zahlreiche technische und logistische Aufgaben verbunden. Dies betrifft die kompetente Pflege und Wartung von Fahrzeugen, die im Rahmen solcher Mobilitätskonzepte eingesetzt und dort naturgemäß einer höheren Bean- spruchung unterliegen als in der individuellen, privaten Nutzung eines Fahr- zeugs. Das Kraftfahrzeuggewerbe muss sich in solche Mobilitätskonzepte als Partner noch stärker als in der Vergangenheit einbringen. – Ausbau einer ganzheitlichen Kunden- und Fahrzeugbetreuung: Wie bei der Einführung jeder neuen Technologien steigen auch bei der Elektrifizierung des Antriebsstranges die Risiken von außerplanmäßigen Störungen im Fahrbetrieb. Das Kraftfahrzeuggewerbe muss daher seine Notfalldienste ausbauen. Auch die zusätzliche Bereitstellung von Ersatzfahrzeugen könnte mit der Elektrifizie- rung an Bedeutung zunehmen, so etwa wenn der Besitzer eines batterieelektri- schen Fahrzeugs für seine Urlaubsreise temporär ein Fahrzeug mit höherer Reichweite möchte. Insgesamt bietet die Elektrifizierung dem Kraftfahrzeuggewerbe nicht nur im Verkauf, sondern gerade auch im After Sales vielfältige Chancen, sich neue Ge- schäftsfelder zu erschließen. Zu f): Elektromobile als dezentrale Stromspeicher Die Einbindung von Elektrofahrzeugen in ein zunehmend „smartes“ Energienetz (Smart Grid), die wirksame Nutzung der Fahrzeugbatterie als dezentraler Speicher und das Lademanagement werden künftig zu den Aufgaben von Energieunterneh- men in der Elektromobilität zählen. Seit Jahren wird deshalb das Thema „Ve- hicle-to-Grid“ diskutiert. Hierbei ist vorgesehen, die Fahrzeugbatterie bidirektio- nal als dezentraler Speicher im Stromnetz zu nutzen. Vehicle-to-Grid-Konzepte können aber die Lebensdauer der Fahrzeugbatterie negativ beeinflussen und set- zen voraus, dass der Fahrzeugnutzer einen Teil seiner „Lade-Autonomie“ an das Energieunternehmen abgibt. Hierbei ist noch unklar, ob und für welche Gegen- leistung der Nutzer bereit ist, seine Fahrzeugbatterie als Speicher zur Verfügung zu stellen. Teilweise wird die Fahrzeugbatterie heute durch den Nutzer des Fahr- zeugs selbst vom Fahrzeughersteller oder einem Dienstleister geleast, was die Nut- zung innerhalb von Vehicle-to-Grid-Konzepten weiter komplexer werden lässt. In der Marktstudie „Future Mobility“ waren 45,9 % der Befragten Nutzer von Elek- trofahrzeugen grundsätzlich bereit, die eigene Fahrzeugbatterie als dezentralen Stromspeicher zur Verfügung zu stellen. 54,1 % lehnten dies grundsätzlich ab. Die Studie zeigt weiter, dass über ein Viertel der Befragten, welche grundsätzlich zur Beteiligung an Vehicle-to-Grid-Konzepten bereit sind, mehr als 200 Euro pro Jahr Kompensationsleistung durch das Energieunternehmen für die Bereitstellung des Fahrzeugspeichers erwarten würden. 11
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 Die Themen im Bereich Vehicle-to-Grid sind ebenfalls Teil der Arbeiten der Na- tionalen Plattform Elektromobilität. Ziel der Entwicklungen im Themencluster Netzintegration der NPE ist eine in das Stromnetz integrierte Ladeinfrastruktur, die das intelligente Laden sowie perspektivisch das Rückspeisen ins Stromnetz er- möglicht. Dafür werden über die Möglichkeiten des gesteuerten Ladens der Batte- rie (Grid to Vehicle) hinaus auch die Möglichkeiten des bidirektionalen Ener- gieaustauschs (Vehicle to Grid) untersucht. Dies umfasst auch das Angebot dyna- mischer Tarife zur Incentivierung der Kunden. Im Rahmen der Ansätze zur netz- technischen, beziehungsweise energiemarktorientierten Steuerung, werden recht- liche Zugriffsmöglichkeiten des Netzbetreibers oder des Energiedienstleisters auf die Ladesteuerung der einzelnen Fahrzeuge untersucht, mit dem Ziel, die Versor- gungsqualität aufrechtzuerhalten. Zudem werden die technischen Voraussetzun- gen für die Bewertung des Netzzustandes und das regulierende Eingreifen in Echtzeit anhand bestehender Netze erprobt und entwickelt. Dies erfolgt aktuell z. B. in Forschungs- und Demonstrationsvorhaben im Rahmen der Schaufenster Elektromobilität. In Baden-Württemberg werden Aspekte der Vehicle-to-Grid- Konzepte beispielsweise in Projekten im Schaufenster LivingLab BWe mobil so- wie im Spitzencluster Elektromobilität Süd-West erforscht und validiert. Zu den Aspekten der Ladeinfrastruktur sowie dezentraler Speicher im Zusammen- hang mit der Elektromobilität wird weiter auf die Drucksache 15/4968 Frage 3 ver- wiesen. II. 2. Welche weiteren bedeutenden Entwicklungen sieht sie für die Elektromobi- lität in Zukunft? Zu II. 2.: Wichtige weitere Bausteine bei der Strategie zur Elektrifizierung des Antrieb- strangs sind zum einen die Steigerung der Effizienz im Fahrzeug und zum ande- ren die Reduzierung der Fahrwiderstände. Da auch mittelfristig die mitgeführte Energiemenge durch die Batterie stark begrenzt sein wird, ist es zur Steigerung der Reichweiten bzw. zur Reduzierung von Kosten, Volumen und Gewicht der Batterie erforderlich, den Energieverbrauch im Betrieb zu reduzieren und die mit- geführte Energie so effizient wie möglich zu nutzen. Die Elektrifizierung der Ne- benaggregate, die Einführung eines 48 V Bordnetzes, neue schnelldrehende Elek- tromotoren, integrierte Hochvolt-Elektronikkomponenten, Fahrzeugleichtbau, roll- widerstands- und aerodynamisch optimierte Reifen, neue Ansätze zur Fahrzeug- und Antriebsstrangklimatisierung, Fahrgastraumisolation sowie Testing- und Vali- dierungsprozesse für eine optimierte Gesamtantriebsstrangintegration sind einige beispielhafte Entwicklungen auf diesem Weg. Die Brennstoffzellentechnik, die im Fahrzeug Wasserstoff als chemischen Ener- giespeicher nutzt um den Strom zum Fahren an Bord zu erzeugen, hat aus Sicht der Landesregierung ebenfalls ein großes Potenzial, sich zu einer Schlüsseltech- nologie für die Elektromobilität zu entwickeln. Rein batterieelektrische Antriebe und Brennstoffzellenantriebe sind dabei keine gegensätzlichen Entwicklungen, sondern sie haben ihre jeweiligen Vorzüge und Charakteristika. Insbesondere die kurzen Tankzeiten und längeren Reichweiten sowie die Verknüpfung mit der langfristigen Speichermöglichkeit von Wasserstoff sind als Stärken der Brenn- stoffzellentechnologie zu sehen. Für eine zukünftige emissionsfreie Mobilität werden beide Antriebstechnologien benötigt. Für eine reibungslose Versorgung elektrisch betriebener Fahrzeuge ist der zügige Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Ladestationen erforderlich. Schnellla- desäulen, die das Aufladen der Batterien auf rund 80 % der Gesamtkapazität in weniger als einer halben Stunde ermöglichen, können maßgeblich zu einer weiter steigenden Attraktivität der Elektromobilität beitragen. Die Schnellladetechnik ist hierbei besonders für die interurbane Elektromobilität interessant. Dies zeigen nicht nur erste Pilotversuche in Europa, USA und Japan, sondern auch die Ergeb- nisse diverser Nutzerbefragungen. 12
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 III. Unterstützung der wirtschaftsnahen Forschung durch die Landesregierung III. 1. Welche Schlüsseltechnologien der Elektromobilität fördert sie und durch welche Maßnahmen tut sie dies? III. 2. Welche Forschungseinrichtungen fördert sie im Bereich der Elektromobi- lität und der relevanten Technologien? Zu III. 1. und III. 2.: Die Ziffern III. 1. und III. 2. werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet: Die Elektromobilität als branchenübergreifende Entwicklung wird nicht nur Ein- fluss auf die Automobilindustrie haben. Sie wird vielmehr zu einer Konvergenz der Branchen Automobilindustrie, Informations- und Kommunikationstechnik, Ener- giewirtschaft und Produktion führen. Innovative Geschäftsmodelle und ein sich wandelndes Nutzerverhalten rücken in den Fokus. Baden-Württemberg ist als Tech- nologiestandort für die Elektromobilität bereits heute gut aufgestellt: Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und zahlreiche Institute der außeruni- versitären Forschung bilden ein über die gesamte Wertschöpfungskette gespanntes vernetztes System, um einerseits Technologien der Zukunft zu entwickeln und an- dererseits die erforderlichen hochqualifizierten Nachwuchskräfte für Wirtschaft und Wissenschaft bereit zu stellen. Dabei gewinnen die Auftragsforschung der Wirt- schaft an den Hochschulen und die dort durchgeführten Kooperationsprojekte der Wirtschaft mit der Wissenschaft im Innovationsprozess immer mehr an Bedeutung. Im Bereich der wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen arbeiten die Einrichtun- gen der Fraunhofer-Gesellschaft, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der Innovationsallianz Baden-Württemberg (InnBW) zumeist in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen an den Herausforderungen der Elektromobilität. Diese Institutionen sind teilweise durch Bund und Land, teilweise nur durch das Land grundfinanziert. Weiter unterstützt das Land diese Einrichtungen durch strate- gische Sonderinvestitionen zur Stärkung der Forschungsinfrastruktur sowie durch gezielte Projektförderungen. In der Forschung und Entwicklung von elektrifizierten Antriebsstrangkomponenten und der zugehörigen Ladeinfrastruktur entsteht im Spitzencluster Elektromobilität Süd-West durch die aktive Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen ein solides Fundament. Um eine hohe Wertschöpfungstiefe bei den neuen Antriebsstrangkomponenten zu erzeugen, müssen Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung auf die industrielle Fertigung übertragen werden. Hierfür hat Baden-Württemberg mit seinem hervorra- gend aufgestellte Anlagen- und Maschinenbau beste Voraussetzungen. Um wesent- liche Anteile der Wertschöpfung im Land auf sich zu vereinen, muss es den hier an- sässigen Unternehmen gelingen, nicht nur im Bereich der Forschung und Entwick- lung, sondern auch in der Herstellung bedeutender elektrifizierter Antriebsstrang- komponenten eine Spitzenposition im globalen Wettbewerb einzunehmen. Dabei ist das Erreichen einer großen Wertschöpfungstiefe eine wesentliche Grundvorausset- zung für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Weiterhin kann auch durch die Planung und Installation von Produktionsanlagen durch im Land ansässige Unternehmen und die im Laufe der betrieblichen Nutzung der Einrichtungen erforderlichen Opti- mierungen erhebliche Wertschöpfung generiert werden. Gerade mit Blick auf den bevorstehenden Markthochlauf der Technologien der Elektromobilität ist es für die Unternehmen im Land wichtig eine starke wirtschaftsnahe Forschung als Partner zu haben, ohne hierbei die Grundlagenforschung zu vernachlässigen, welche die Basis für zukünftige Innovationen legt. Das Themenfeld Elektromobilität erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise von der Erzeugung und Bereitstellung der elektrischen Energie über die Umset- zung in Mobilität im Fahrzeug bis hin zu attraktiven Geschäftsmodellen, die alle Beteiligten miteinander sinnvoll vernetzen. Für eine breite Markteinführung sind die Kostenstrukturen, die Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge sowie der zugehöri- gen Infrastruktur zu verbessern. Hierfür besteht an zahlreichen Stellen der Wert- schöpfungskette noch Forschungs-, Optimierungs- und Vernetzungsbedarf. 13
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 – Akzeptanz neuer Technologien Die großen Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft steht, wie z. B. der Klimawandel, die Energiewende oder der demografische Wandel können nur durch vielfältiges Wissen und die Zusammenarbeit vieler Akteure bewältigt werden. Das Wissenschaftsministerium hat deshalb eine Förderlinie für eine neue Form der gesellschaftsnahen Forschung aufgelegt – die Reallabore. Grund- idee ist, dass sich die Wissenschaft mit den Erfahrungen verschiedener Akteure aus dem Alltag und dem Fachwissen von Experten aus Wirtschaft, Verbänden, Verwaltung und Politik auseinandersetzt und dieses Wissen in den Forschungs- prozess integriert. In Reallaboren begleiten die Wissenschaftlerinnen und Wis- senschaftler z. B. die Sanierung von Stadtteilen oder die Einführung neuer Mo- bilitäts- und Energiesysteme. Zusammen mit den späteren Nutzern werden Lö- sungen erarbeitet, die praxistauglich, nutzerfreundlich und sozial akzeptiert sind. Im Reallabor der Universität Stuttgart „Future City Lab_Stuttgart: Realla- bor für nachhaltige Mobilitätskultur“ dient der unmittelbare Bezugsraum der Universität, Stadt und Region Stuttgart als reales Handlungsfeld, konkreter La- borraum und experimentelle Plattform für die Erforschung und Entwicklung nachhaltiger Mobilitätsvisionen und -praktiken. Dabei werden Akteure der Zi- vilgesellschaft als „Mitforscher“ in den Prozess des Wissenserwerbs, der Gene- rierung von Forschungsdaten und Entwicklung von Szenarien und Pilotprojek- ten eingebunden. – Speichertechnologie als eine Schlüsseltechnologie für eine massenmarktfähige Elektromobilität Vor allem bei den Batteriespeichern sind Anstrengungen erforderlich, um die globale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie zu behaupten und zu stärken. Bei der für das Land Baden-Württemberg besonders relevanten Wertschöpfungskette der Automobilindustrie wird im Zusammenhang mit hy- bridisierten oder elektrischen Antriebssträngen ein dominierender Wertschöp- fungsanteil im elektrischen Speichersystem liegen. Ein europaweites Alleinstellungsmerkmal innerhalb dieses Themenfeldes ist der Batterieforschungsstandort Ulm. Das Zentrum für Sonnenenergie und Was- serstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) mit seinem Labor für Batterie- technologie (eLaB) und der Forschungsproduktionslinie bildet hierbei einen Nukleus für den Ausbau des Standortes Ulm zu dem national führenden Batte- rieforschungsstandort. Mit der Gründung des neuen Helmholtz-Instituts für elektrochemische Energiespeicher in Ulm (HIU) wurde ein weiterer Baustein geschaffen. Träger des HIU ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft die neue Einrichtung in Koope- ration mit der Universität Ulm ins Leben gerufen hat. Assoziierte Partner sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), ebenfalls Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, sowie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasser- stoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Das HIU führt die Expertise die- ser vier Partner zusammen, mit dem Ziel, anwendungsorientierte Grundlagen- forschung für die Entwicklung fortschrittlicher Batteriesysteme zu betreiben. Im HIU werden wissenschaftliche Grundlagen für die Entwicklung elektroche- mischer Speicher für mobile und stationäre Anwendungen geschaffen und wei- terentwickelt, um u. a. einen Beitrag zur Lösung aktueller Fragen beim Einsatz in der Elektromobilität und im Zusammenhang mit der Speicherung elektri- scher Energie aus fluktuierenden Energiequellen zu leisten. Dafür wird am HIU eine enge Vernetzung zwischen batteriespezifischer Grundlagenforschung und konkreten Anwendungen im System verwirklicht. Das HIU deckt wie kein an- deres Institut in Deutschland nahezu alle Felder in der Batterie(grundlagen)for- schung ab. Neben der Forschung und Entwicklung kümmert sich das HIU auch um die Lehre und die Nachwuchsförderung im Bereich Elektrochemische Energie- speicherung, um qualifizierte junge Wissenschaftler und Ingenieure für For- schung und Wirtschaft in diesem strategisch wichtigen Feld auszubilden. Mit der Forschungsproduktionslinie am ZSW in Ulm soll ein weiterer Baustein für in Deutschland produzierte Hochleistungsbatterien gesetzt werden. Das 14
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 Forschungsinstitut ZSW errichtete mit Unterstützung des BMBF und des Mi- nisteriums für Finanzen und Wirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Industrie- verbund KLiB eine Anlage zur Erforschung seriennaher Fertigungsprozesse von großen Lithium-Ionen-Batterien. Die Produktionslinie wurde in das ZSW Labor für Batterietechnologie (eLaB) integriert. Die Forschungsproduktions- linie soll Herstellverfahren für prismatische Lithium-Batterien ab einer Größe von 20 Amperestunden (Ah) erforschen, entwickeln und testen. Die Industrie favorisiert genau diese Technologie für Elektrofahrzeuge. Gleichzeitig können neue Materialien und Herstellverfahren validiert werden. Die Forschungspro- duktionslinie schließt damit die Lücke beim Übergang vom Labormaßstab zur Serienfertigung, um die deutsche Industrie hin zum Leitanbieter von Batterien zu entwickeln. Mit der Forschungsproduktionslinie zur Erprobung neuer leis- tungsstärkerer Verfahren und Anlagenkomponenten eröffnet sich einmalig in Deutschland allen Unternehmen und Forschungsorganisationen entlang der Wertschöpfungskette eine Entwicklungsplattform, um eigene Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen zu ergänzen. Gerade mittelständischen Unterneh- men bietet sich hier eine Möglichkeit, innovative Konzepte für Komponenten, Prozesse und Qualitätssicherungsmaßnahmen zu erproben. Obwohl seit vielen Jahren intensiv im Laborbereich an Lithium-Ionen-Techno- logien geforscht wird, gibt es bisher noch zu wenig Wissen über den Einfluss des Produktionsprozesses auf Qualität, Sicherheit und Herstellkosten von Li- Ionen-Batterien. Das eLaB verfügt seit 2011 über Produktionstechnologien für kleine Lithium-Ionen-Zellen bis fünf Amperestunden (Ah) und über ein großes Sicherheits- und Batterietestzentrum. Mit der neuen Forschungsproduktions- linie können unter realen Produktionsbedingungen Musterserien hergestellt und Prozess- und Verfahrensparameter optimiert werden. Ziel ist, die Qualität der Zellen zu erhöhen, die Ausschussrate zu minimieren und gleichzeitig die Her- stellkosten zu reduzieren. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bündelt alle Arbeiten zur Spei- cherung elektrischer Energie für mobile und stationäre Anwendungen im Pro- jekt „Competence E“. Mit dieser weltweit einmaligen Fokussierung von 26 In- stituten aus den Bereichen Chemie, Materialforschung, Produktions- und Ver- fahrenstechnik, Elektrotechnik, Produktentwicklung, Fahrzeugsysteme, In- formatik und Technikfolgenabschätzung auf das Gesamtsystem „Elektrischer Energiespeicher“ wird es möglich, industriell anwendbare kostengünstige Lö- sungen für stationäre Speichersysteme und elektrische Antriebssysteme der zu- künftigen Generationen zu entwickeln. Dabei wird ein integrierter Ansatz vom Molekül über die Batterie, den Elektromotor mit Leistungselektronik bis hin zum vollständigen funktionsfähigen elektrischen Antrieb verfolgt. Wie in der Stellungnahme zu Ziffer II. 1. 4. aufgezeigt, kann die PowerCap- Technologie eine Alternative zu klassischen Lithium-Ionen-Technologien dar- stellen. Im Rahmen eines vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft geför- derten Verbundprojektes des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA, Stuttgart), des Fraunhofer-Instituts für Chemische Tech- nologie (ICT, Pfinztal), des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstofffor- schung Baden-Württemberg (ZSW, Ulm), des Karlsruher Instituts für Technolo- gie (KIT, Karlsruhe), des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart und des Instituts für Steuerungstechnik der Werkzeug- maschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) der Universität Stuttgart wurde ein erster Schritt für eine Etablierung der Zukunftstechnologie „Powercaps“ in Baden-Württemberg mit weltweiter Vorreiterschaft durch den Einsatz und die Kombination von Hochenergie-Superkondensatortechnologie und neuartiger Hochleistungsbatterietechnologie, welche dem Stand der Technik wesentlich überlegen ist, erreicht. Durch diese der aktuellen Lithium-Ionen-/Produktions- Technologie überlegenen Technologie bestünde die große Chance, dieses Feld wirtschaftlich erfolgreich in Baden-Württemberg aufzubauen und sich am Welt- markt zu behaupten. Neben diesem Anwendungsfeld kann auch der Maschinen- bau durch die Powercaps-Technologie und die damit mögliche Steigerung der Energieefizienz stark profitieren. Im durch das Wissenschaftsministerium geförderten Projekthaus „e-drive“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wird schwerpunktmäßig die Optimie- 15
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 rung von Elektro- und Hybridfahrzeugen, einschließlich leistungsfähiger Bat- teriesysteme, erforscht. Das Kompetenzbündnis aus Wissenschaft und Wirt- schaft soll gezielt die Marktreife von Elektro- und Hybridfahrzeugen be- schleunigen. Die Bereiche Leistungselektronik, Steuerungs- und Regelungs- technik, Elektromaschinen und Energiespeicher werden zusammengeführt, so- dass wertvolle Synergien für die Forschungsaktivitäten zur nachhaltigen Mo- bilität generiert werden. Im Projekthaus wird ein breiter Systemansatz ver- folgt, bei dem neben der Entwicklung der Komponenten-Hardware auch Softwarelösungen für deren Ansteuerung und Betrieb sowie Werkzeuge für die sichere Auslegung entstehen. Wichtige Zielsetzung ist, die jeweiligen Schlüsselkomponenten optimal in den Antriebsstrang zu integrieren, um einen deutlichen Mehrwert in den Bereichen Energieverbrauch, Umweltverträglich- keit, Fahrdynamik und Komfort bei vertretbaren Kosten zu erreichen. Ent- wicklungen mit eher kurzfristiger Anwendung werden dabei ebenso verfolgt wie grundlagenorientierte Projekte mit langfristigem Anwendungshorizont. Bei all diesen Entwicklungen werden auch wirtschaftliche und produktions- technische Aspekte berücksichtigt. Im Rahmen des Projekthauses wird darüber hinaus ein Promotionskolleg „e- drive“ am KIT vonseiten des Wissenschaftsministerium gefördert, in dem zu Themen der Elektromobilität geforscht wird. Um die fluktuierende erneuerbare Energie kontinuierlich der Mobilität bereit zu stellen, sind auch im stationären Umfeld neue Speichertechnologien und Konzepte erforderlich. Innerhalb des Projekts RedoxWind am Fraunhofer Insti- tut für Chemische Technologie (ICT, Pfinztal) wird aktuell die Entwicklung und der Aufbau eines getriebelosen Windrads in Kombination mit einer Redox- Flow-Batterie in Baden-Württemberg erforscht und in Form eines Großdemon- strators realisiert. Neue Werkstoffe für die elektrochemische Energiespeicherung und Energie- wandlung stehen im Fokus des neuen Materialwissenschaftlichen Zentrums für Energiesysteme (MZE), das derzeit am KIT entsteht. Ein Schwerpunkt hier ist unter anderem die Entwicklung neuer Batteriematerialien und -kon- zepte. Im MZE sollen daher Materialkonzepte für eine effiziente Energie- wandlung und -speicherung entwickelt werden. Ein Fokus in der Weiterent- wicklung der Speicher liegt auf Lithium-Schwefel-Batterien. Die wissen- schaftlich-technischen Herausforderungen finden sich vor allem bei den elek- trochemischen Speichern: es geht darum, mit geringeren Herstellungskosten eine höhere Energiedichte zu erreichen. Darüber hinaus wird es Aktivitäten im Bereich der piezoelektrischen Bauelemente und der Magnetwerkstoffe geben. Während Piezoelektrika wichtige Materialien für energieautarke Systeme sind, gelten die Magnetwerkstoffe als Schlüsselkomponenten für den immer größer werdenden Bereich der Elektromobilität. – Energetische und informationstechnische Mobilitätsschnittstellen und Automa- tisierung als Schlüsseltechnologien für eine vernetzte, automatisierte und inter- modale Elektromobilität Das erste Fraunhofer-Anwendungszentrum in Baden-Württemberg wurde ge- zielt an den Schlüsseltechnologien zur Vernetzung und Automatisierung der Mobilität und intermodalen Lösungen ausgerichtet. Das Kompetenzzentrum für energetische und informationstechnische Mobilitätsschnittstellen (KEIM) ist im September 2012 mit einer Anschubfinanzierung des Ministeriums für Fi- nanzen und Wirtschaft für drei Jahre an der Hochschule Esslingen in Koopera- tion mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) eröffnet worden. Zentrales Innovationsfeld des KEIM ist die Entwicklung und Gestaltung von energetischen und informationstechnischen Mobilitätsschnitt- stellen. Informationen, wie beispielsweise Verkehrsdaten, Identifizierungsda- ten, Präferenzen und Abrechnungsdaten müssen zwischen den Nutzern, den Fahrzeugen, den Mobilitätsanbietern und der Infrastruktur ausgetauscht wer- den. Ziel des KEIM ist die Erforschung und Entwicklung dieser Mobilitäts- schnittstellen mit einem starken Anwendungsbezug. Insbesondere mittelstän- dische Unternehmen sollen befähigt werden, innovative Produkte in diesem Innovationsfeld anzubieten. Aktuell bearbeiten sechs wissenschaftliche und 16
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 zwölf studentische Mitarbeiter Projekte im Bereich des Lade- und Lastmanage- ment, der vernetzten Sensorik und der strategischen Flottenplanung. Weiter fördert das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft den Aufbau eines Zentrums für Mobilitätsforschung, dem sogenannten Ambient Mobility Lab. Mit dem Ambient Mobility Lab wird am Fraunhofer Institut für Arbeitswirt- schaft und Organisation (IAO) in Stuttgart – in Kooperation mit dem Massa- chusetts Institute of Technology (MIT), USA – ein erster Baustein für ein Zen- trum für Mobilitätsforschung geschaffen. Dieses Zentrum soll stetig um wei- tere Kooperationen mit weltweit führenden Forschungseinrichtungen in Form von gemeinsamen Forschungslaboren im Bereich Mobilität erweitert werden. Jedes neu eingerichtete Forschungslabor forscht zu einem definierten Schwer- punkt im Kontext Mobilität. Ziel des Ambient Mobility Lab ist es, als wegbe- reitende Smart-Mobility-Forschungseinrichtung zu einem weltweiten Vorreiter bei Untersuchung, Entwurf, Entwicklung und Test eines nachhaltigen, sensitiv- adaptiven, vernetzten und intermodalen Mobilitätssystems zu avancieren, das mit anderen städtischen Systemen der Zukunft interagiert. Im Rahmen der ge- meinsamen Initiative des SENSEable City Laboratory am MIT und des Mobi- lity Innovation Lab am Fraunhofer IAO sollen aus dem interdisziplinären For- schungsansatz des MIT und der Stärke von Fraunhofer, Konzepte in Produkte umzusetzen, Synergien geschaffen werden. Innerhalb des vom Wissenschaftsministerium geförderten Projektes „Elektro- fahrzeuge und Antriebe (ElefAnt)“ an der Universität Stuttgart wurde der größ- te und leistungsfähigste Fahrsimulator an einer europäischen Forschungsein- richtung errichtet. Mit der Förderung des Fahrsimulators sowie von For- schungsprojekten soll die Entwicklung eines Forschungs- und Entwicklungs- zentrums „Elektro- und Hybridfahrzeuge“ an der Universität Stuttgart unter- stützt werden. Ein Schwerpunkt des Vorhabens ist die Erforschung elektrofahr- zeugspezifischer Assistenzsysteme zur präzisen Vorhersage der Reichweite und zur zuverlässigen Erreichung des Fahrtziels durch vorausschauendes Ener- giemanagement. Weiterhin wird mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums ein neuarti- ger Fahrdynamikprüfstand an der Universität Stuttgart aufgebaut. Er bildet ein Modul in der Weiterentwicklung des eben genannten Forschungs- und Ent- wicklungszentrums „Elektro- und Hybridfahrzeuge“ an der Universität Stutt- gart. Dieser Prüfstand stellt einen wichtigen FuE-Baustein auf dem Gebiet der Fahrsicherheit und des Fahrkomforts von Kraftfahrzeugen mit hybriden oder elektrischen Antrieben dar. Im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen be- steht hier zunehmend der Bedarf, bei der Entwicklung konsequent wissen- schaftliche Herangehensweisen anzuwenden. Dem Fahrzeugdynamikprüfstand kommt in diesem Kontext als Werkzeug für Forschung und Methodenentwick- lung eine wichtige Rolle zu. Zur Ableitung von Anforderungen an künftige Fahrzeug- und Mobilitätskon- zepte wird am KIT der Ausbau des Zentrums Mobilitätssysteme durch das Wissenschaftsministerium gefördert. Ziel ist es, die Forschung für die Steige- rung der Energieeffizienz und die Reduktion des CO2-Ausstoßes im Bereich Mobilität voranzutreiben. Das Innovationscluster „regional eco mobility 2030 (REM 2030)“ ist ein Bau- stein zur Entwicklung der Mobilität von morgen und steht unter dem Leitthema einer effizienten regionalen Individualmobilität 2030. Ein interdisziplinäres Team aus Baden-Württemberg entwickelt und bewertet ganzheitliche Konzepte für eine effiziente regionale Individualmobilität. Die Betrachtung eines sys- temischen Ansatzes, der die Themen Fahrzeug, Infrastruktur und neue Ge- schäftsmodelle verbindet, ist hierbei zentral. Im Innovationscluster arbeiten Universitäten, Fraunhofer-Institute und Industrie eng zusammen. Das Forschungszentrum Informatik Karlsruhe (FZI) arbeitet als eines der im Rahmen der Innovationsallianz Baden-Württemberg (innBW) durch das Minis- terium für Finanzen und Wirtschaft grundfinanzierten wirtschaftsnahen For- schungseinrichtungen im Anwendungsfeld Mobilität daran, Fahrzeuge auto- nom fahrfähig, sicherer und umweltfreundlicher zu machen. Das FZI ent- wickelt hierfür Algorithmen und Sensortechnologien für konventionelle Fahr- 17
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 zeuge und Elektrofahrzeuge. Es beschäftigt sich auch mit entsprechenden In- frastrukturlösungen, IKT-basierte Vernetzungs- und Nutzungskonzepten sowie Geschäftsmodellen. Im Forschungsfeld „Sichere und intelligente Fahrzeuge“ werden am FZI Konzepte und Funktionen für intelligente Fahrzeuge und deren funktionale Sicherheit erforscht, entwickelt und evaluiert. Hierzu gehören auch autonome Fahrfunktionen im Überland- und Innenstadtbereich mit dem instru- mentierten Testfahrzeug CoCar. Im Forschungsfeld „Eingebettete Systeme und Embedded Security“ beziehen sich die Aktivitäten im Anwendungsfeld Mobi- lität auf die Weiterentwicklung von Werkzeugen zur Modellierung und Bewer- tung von Elektrik/Elektronik Architekturen sowie dem Umgang und der Be- wertung mit Modellierungs- und Analysemethoden für funktionale Sicherheit in frühen Phasen des Entwicklungslebenszyklus. Mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums gründete die Universität Stuttgart, die Hochschule Reutlingen und die Bosch-Gruppe das „Robert Bosch Zentrum für Leistungselektronik“. Zur Leistungselektronik zählen Bauelemen- te, Komponenten und Systeme, die zum Beispiel für Hybrid- und Elektrofahr- zeuge zum Einsatz kommen. Sie ist für die erfolgreiche und wirtschaftliche Anwendung von Lösungen der Elektromobilität, der Photovoltaik, in Wind- kraftanlagen, in der Mikroelektronik, in der Medizin und der Antriebstechnik in der Industrie von großer Bedeutung. Mit der Kooperation entsteht ein bei- spielgebendes Studien- und Forschungszentrum sowie ein herausragender For- schungs- und Lehrverbund, der die ganze Bandbreite von Hochschulausbil- dung, Forschung, Technologietransfer, Nachwuchsförderung und wissenschaft- licher Weiterbildung abdeckt. Der Spitzencluster „MicroTec Südwest“ soll als führender Forschungs-, Ent- wicklungs- und Produktionsstandort für intelligente Produkte mit integrierter Mikrosystemtechnik etabliert werden. Die Mikrosystemtechnik schafft als Schlüsseltechnologie in zahlreichen Anwendungsfeldern die Voraussetzungen für intelligente Produkte, Prozesse und Dienstleistungen. Die im Cluster ent- wickelten hochinnovativen Produkte wirken in einer Vielzahl von starken An- wenderbranchen. Im Cluster wird u. a. auch der Bereich „Smart Mobility“ adressiert. Hier geht es z. B. um die Weiterentwicklung von smart systems, die gelieferte Daten mit weiteren Informationen kombinieren und damit die Fehler- neigung eines Verkehrsteilnehmers reduzieren können. Gleichzeitig ermög- lichen sie eine optimierte Fahrzeugsteuerung und Navigation. Ebenso soll ein relevanter Beitrag zur ressourcenschonenden und schadstoffarmen Mobilität geleistet werden, indem durch Messungen von Sensoren, Emissionen deutlich verringert und dadurch die Abgasnormen eingehalten werden können. Vom Bund werden in diesem Verbund einzelne Forschungsprojekte über 5 Jahre mit insgesamt 40 Mio. € gefördert; die Wirtschaftspartner investieren die gleiche Summe zusätzlich. Das Land fördert den Spitzencluster zur Stärkung des Clus- termanagements und zum Aufbau dauerhafter Clusterstrukturen. – Systemische Gesamtfahrzeugintegration und Industrialisierung als Schlüssel- technologien für eine effiziente und bezahlbare Elektromobilität Mit dem Ziel der Gründung eines neuen Fraunhofer Instituts (erstmals wieder seit 1981) wird unter der Leitung der Fraunhofer Institute für Chemische Tech- nologie (ICT) in Pfinztal und Werkstoffmechanik (IWM) in Freiburg und in Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Karlsruhe eine Fraunhofer Projektgruppe „Neue Antriebssysteme – NAS“ auf- bzw. ausge- baut. Die Projektgruppe wurde an das Institut für Kolbenmaschinen (IFKM) des KIT angebunden und hat 2010 ihre Arbeit aufgenommen. NAS erhält eine 5-jährige Anschubfinanzierung seitens des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft und geht nach positiver Evaluation im Frühjahr 2014 durch die Fraunhofer-Gesellschaft ab 1. Januar 2015 als Fraunhofer-Projektgruppe in die 90/10-Bund/Länder-Finanzierung über. NAS beschäftigt aktuell rund 25 wis- senschaftliche Mitarbeiter und 16 studentische Hilfswissenschaftler. Das Ziel der Projektgruppe ist ein ganzheitlicher Ansatz für eine zukünftige nachhaltige Mobilität und dezentrale Energieversorgung. Der Schwerpunkt hierbei liegt auf neuen Antriebsstrang- und Motorenkonzepten für stationäre und mobile An- wendungen. Einen Schwerpunkt legt die Projektgruppe hierbei auf die effizien- te Ausgestaltung einzelner Komponenten und deren Zusammenspiel bei der 18
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 Gesamtantriebsstrangintegration. Hierbei spielen hauptsächlich das Verhalten und die Interaktion von thermischen und elektrischen Energieströmen eine Rol- le. Das Themenfeld Gesamtantriebsstrangintegration ist vor allem mit Blick auf die Hybridisierung und die Elektromobilität eines der bedeutendsten Zukunfts- felder der Fahrzeugindustrie. NAS hat in der bisherigen Aufbauphase sehr um- fangreiche Kompetenzen auf diesem Gebiet aufgebaut und sich damit ein Al- leinstellungsmerkmal nicht nur in Baden-Württemberg erarbeitet. Innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft ist NAS weltweit das einzige Team, welches sich ge- samtheitlich mit diesen Fragestellungen befasst. Das Wissenschaftsministerium unterstützt ein von der Universität Stuttgart und der Hochschule Esslingen gemeinsam getragenes Promotionskolleg „HYBRID“ zum Thema Elektromobilität. Im Zentrum der Forschung stehen dabei Hybridantriebstechniken. Die beteiligten Hochschulen bündeln ihre fahrzeugtechnischen Kompetenzen auf einem der wichtigsten Zukunftsgebie- te der Fahrzeugtechnik, dem der hybridisierten Antriebsstränge. Der Innovationsrat Baden-Württemberg hatte der Landesregierung empfohlen, vorwettbewerbliche Verbundforschungsprojekte auf dem Themenfeld Elektro- mobilität zwischen Wirtschaft und Wissenschaft – insbesondere unter Beteili- gung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) – zu fördern. In der Vergan- genheit haben sich Verbundforschungsprojekte als besonders geeignet erwiesen, Forschungsergebnisse mit Breitenwirkung für die Wirtschaft zu gewinnen. Im Rahmen der gemeinsamen Ausschreibung des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft und des Wissenschaftsministeriums vom 28. März 2011 werden ak- tuell vier laufende Verbundforschungsvorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 1,6 Mio. Euro mit Mitteln in Höhe von 740.000 Euro gefördert. In den Verbundprojekten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft werden Themen wie die IKT-basierte Untersuchung des Fahrzeugverhaltens von Realkunden, die In- tegration und Demonstration multimodaler Mobilitätslösungen, ein Sicherheits- fahrwerk mit Elektro-Allradantrieb für E-Bikes und E-Motorräder sowie das emissionsfreie Range Extending erforscht. Der von der Landesagentur e-mobil BW GmbH koordinierte Spitzencluster „Elektromobilität Süd-West – road to global market“ hat das Ziel, die Elektro- mobilität in Deutschland voranzubringen und Baden-Württemberg zu einem wesentlichen Anbieter elektromobiler Lösungen zu machen. Er nutzt die ein- maligen Möglichkeiten der Region Karlsruhe – Mannheim – Stuttgart – Ulm, um renommierte große, mittlere und kleine Unternehmen aus den Bereichen Fahrzeugtechnologie, Energietechnologie, Informations- und Kommunika- tionstechnologie (IKT) sowie dem Querschnittsfeld Produktionstechnologie untereinander und mit Forschungsinstituten vor Ort zu vernetzen. Mit über 80 Akteuren aus Industrie, Hochschulen und Forschungsinstituten ist der Clus- ter bundesweit einer der größten regionalen Verbünde auf dem Gebiet der Elektromobilität. Das Land verfügt mit den Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissen- schaften und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Baden-Württem- berg auf dem Gebiet der Elektromobilität über eine leistungsfähige Forschungs- infrastruktur. Die zunehmenden Anforderungen an Größe und Leistungsmerk- male der Prüfstände und der sich verstärkende Wettbewerb um Fördermittel an den Hochschulen machen neue Wege und Vorgehensweisen erforderlich. Sub- stanzielle Innovationen lassen sich bei dem hohen Stand der Forschung in Ba- den-Württemberg am ehesten auf der System- und Komponentenebene und dem Zusammenführen der vorhandenen Expertisen und Kompetenzen erwarten. Das Wissenschaftsministerium hat dazu eine Arbeitsgruppe aus Vertretern verschie- dener Hochschulen und Hochschularten und der e-mobil BW eingesetzt, um ein einheitliches Konzept zu erarbeiten, wie die Förderung der Forschungs- infrastruktur, deren Zugänglichkeit für die Akteure in diesem Bereich und die Befähigung der Hochschulen, auch im überregionalen Wettbewerb um weitere Fördermitteln erfolgreich zu sein, am besten realisiert werden kann. Diese Ar- beitsgruppe unter der Moderation des Wissenschaftsministeriums hat den Auf- bau eines (virtuellen) standortübergreifenden Prüfstandverbundes im Sinne ei- ner weiteren Optimierung und Brückenbildung über die bestehenden Prüfstän- de vorgeschlagen und ein entsprechendes Konzept erarbeitet, das derzeit ab- 19
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 15 / 5774 schließend geprüft wird. Abgerundet werden wird dieser Prüfstandverbund durch weitere komplementäre Funktionen auf der Komponenten- und Datenebene. – Erprobung und Validierung von Technologien und Geschäftsmodellen als Schlüssel für einen erfolgreichen Markthochlauf der Elektromobilität Neben der Forschung und Entwicklung zukünftiger Fahrzeug- und Infrastruk- turtechnologien und deren Produktionstechnik ist es notwendig, auch den Weg für einen erfolgreichen Markthochlauf zu ebnen. Baden-Württemberg realisiert dies mit dem Schaufenster „LivingLab BWe mobil“, ein intermodales, interna- tional vernetztes, bürger- und herstellernahes Schaufenster Elektromobilität. Baden-Württemberg ist bundesweit eine von vier geförderten Schaufensterre- gionen und schafft mit seinem Konzept ein Schaufenster für zukunftsfähige Lösungen nach außen, das gleichzeitig als Katalysator für unternehmerische In- novationen nach innen wirkt. Der Einsatz von Fahrzeugen im Alltag, integrier- te Konzepte, die ÖPNV und elektromobilen Individualverkehr intelligent ver- knüpfen, Pilotlösungen für Infrastruktur wie Ladestationen im öffentlichen und halböffentlichen Raum sowie Entwicklungspartnerschaften zwischen Nutzern und Herstellern werden dabei verzahnt mit Stadtentwicklungskonzepten und städtebaulichen Referenzprojekten. Ziel ist es, in einem ganzheitlichen Ansatz Schlüsselfragen zum Markthochlauf der Elektromobilität in Baden-Württem- berg und Deutschland zu beantworten um diese in umweltfreundliche und wirt- schaftlich tragfähige Mobilitätskonzepte integrieren zu können. Ein zentrales Element des baden-württembergischen Schaufensters Elektromo- bilität „LivingLab BWe mobil“ ist das sogenannte Online-Schaufenster. Hier- bei handelt es sich um eine online-Plattform, die sowohl das zentrale Informa- tionsmedium zu allen Aktivitäten des LivingLab BWe ist wie auch den Nutzern die Gelegenheit bietet, sich aktiv am Technologiewandel hin zur Elektromobi- lität zu beteiligen und sich einzubringen. Mit dem Online-Schaufenster werden gleichzeitig auch neue Instrumente der Bürgerbeteiligung im praktischen Einsatz entwickelt und erprobt, um die Ein- bindung von Bürgerinnen und Bürgern in Veränderungsprozesse künftig noch wirksamer zu gestalten. Es wird vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) federführend betreut und vom Wissenschaftsministeri- um gefördert. Im Sinne einer nachhaltigen Mobilität müssen alltagstaugliche Mobilitätslösun- gen in intelligente intermodale Reiseketten integriert und für Bürgerinnen und Bürger mit einem hohen Aufmerksamkeitsgrad erfahrbar werden. Bürgerbus- Initiativen sind hierbei ein hervorragender Ansatzpunkt und bieten die Mög- lichkeit bestehende Lücken im ÖPNV zu schließen. Innovative Bedienformen, wie Ruftaxis, Anrufsammeltaxis, Bürgerbusse werden insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung immer wichtiger. Wenngleich die Aufgabenträgerschaft für den straßengebundenen ÖPNV bei den Stadt- und Landkreisen liegt, so sah sich das Land doch in der Verpflichtung, diesen bei der Einrichtung, Schaffung und Umsetzung von innovativen Bedienformen be- ratend zur Seite zu stehen. Vor diesem Hintergrund wurde bei der NVBW ein Kompetenzzentrum innovative Bedienformen eingerichtet, das die kommuna- len Aufgabenträger beraten soll und einen Leitfaden für diese Bedienformen schaffen wird. Grundvoraussetzung zur demonstrativen Umsetzung eines elek- tromobilen Bürgerbus-Konzepts ist ein „bürgerbustaugliches“ Fahrzeugkon- zept. Im Rahmen des vom BMVBS geförderten Projekts EleNa II wird aktuell an der Hochschule Esslingen ein E-Fahrzeug-Umrüstsatz für leichte Nutzfahr- zeuge entwickelt. Auf dieser Basis wird im Rahmen eines vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft geförderten Projekts an der Hochschule Esslingen ein elektrisch betriebenes Bürgerbus-Fahrzeugkonzept entwickelt und prototypen- haft in fahrbereiten Demonstratoren umgesetzt. Die Fahrzeugerprobung und Anwendung in e-Bürgerbus-Geschäftsmodellen wird im Rahmen des Schau- fensters LivingLab BWe mobil durchgeführt. Darüber hinaus fördert das Land im Bereich des öffentlichen Linienbusver- kehrs mit der Landesinitiative Elektromobilität II batterieelektrische und Hy- brid-Busse. Mit Fördermittel des Landes werden seit 2013 zwei Brennstoffzel- lenbusse im Shuttlebetrieb zwischen Campus Süd und Campus Nord beim KIT 20