Elektromobilität und Wertschöpfung

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Landtag von Baden-Württemberg                                                           Drucksache 15 / 5774 in Karlsruhe betrieben. Hier zeigt sich, dass bei den Verkehrsunternehmen ein zunehmendes Interesse besteht solche Busse einzusetzen und dass die Mehr- kosten für diese neue Technik fallen. – Reduzierung der Fahrwiderstände und Optimierung der Nebenaggregate als wichtiger Baustein der Elektromobilität Um den Energieverbrauch von Elektrofahrzeugen zu senken um damit zum ei- nen höhere Reichweiten und zum anderen kleinere und damit günstigere Batte- rien realisieren zu können ist die Reduzierung der Fahrwiderstände und die Re- duzierung des Energieverbrauchs von Nebenverbrauchern im Fahrzeug für die Elektromobilität von besonderer Bedeutung. Leichtbauwerkstoffe und -technologien sind hierbei ein wesentlicher Treiber für Innovationen im Umfeld der Elektromobilität. Mit dem verstärkten Einsatz von Leichtbautechnologien geht ein Strukturwandel einher, der Veränderungen für Industrie und Arbeitskräfte mit sich bringt. Zur aktiven Begleitung und Un- terstützung der Unternehmen und Institutionen bei diesem Strukturwandel wur- de die Landesagentur Leichtbau BW GmbH gegründet. Sie ist das Kernelement der 2013 durch die Landesregierung gestartete Landesinitiative Leichtbau. Im Bereich der wirtschaftsnahen Forschung besteht ihre Aufgabe darin, For- schungsverbünde zu initiieren und somit neue Innovationen anzuregen, einen funktionierenden Technologietransfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft zu ermöglichen und die Forschungseinrichtungen zu stärken. Begleitend hierzu beinhaltet die Landesinitiative ein aus Landesmitteln gefördertes Verbundfor- schungs- und Validierungsprogramm. Faserverstärkte Bauteile werden im Automobilen Leichtbau vermehrt eine Rol- le spielen. Das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft förderte daher den Aufbau des Zentrums für Hochleistungsfasern an den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf. Mit dem Zentrum wurde die zur Entwicklung einer neuen Generation von Carbonfasern auf der Basis nachwachsender Rohstoffe und kostengünstiger Hochleistungs-Keramikfasern erforderliche Infrastruktur aufgebaut. Durch das Wissenschaftsministerium gefördert (u. a. mit Mitteln des Europä- ischen Fonds für Regionale Entwicklung) arbeiten im Fraunhofer-Innovations- cluster „KITe hy-LITE“ über dreißig Partner aus universitärer Forschung und Industrie unter der Federführung des Fraunhofer ICT zusammen. Ziel der Ver- bundpartner ist die Entwicklung von leistungsfähigen Hybridstrukturen zur Ge- wichts- und Leistungsoptimierung von Strukturbauteilen sowie von Material- kombinationen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der damit verbunde- nen CO2-Emissionen. Aufbauend auf das Innovationscluster hat sich die Forschungsinitiative „KITe hyLITE PLUS – Technologie- und Netzwerkentwicklung für hybride Leicht- baulösungen in der Automobilindustrie“ des Karlsruher Instituts für Techno- logie (KIT) und des Fraunhofer ICT gebildet. Die Forschungsaktivitäten von KITe hyLITE PLUS konzentrieren sich auf die Entwicklung von leichten Werkstoffen, effizienten Verarbeitungsprozessen und innovativen Konzepten zur Produktionssteigerung. Dabei werden besonders zukunftsträchtige, hybri- de Bauweisen für den Fahrzeugleichtbau untersucht und im experimentellen Maßstab erprobt. Zum Ausbau der Aktivitäten in Wissenschaft und Wirtschaft und zur schnelle- ren Einführung von Innovationen wurde der Technologie-Cluster Composites TC² mit Förderung des Wissenschaftsministeriums eingerichtet. In ihm ar- beiten das KIT, die Universität Stuttgart, die Hochschulen Esslingen, Konstanz und Weingarten, die Fraunhofer Institute für Chemische Technologie, für Werkstoffmechanik, für Produktionstechnik und Automatisierung sowie für Kurzzeitdynamik, das DLR-Institut für Bauwesen und Konstruktionsfor- schung, die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf und die Unternehmen Daimler und Porsche sowie mittelständische Unternehmen zusammen. In sechs Projekten werden Technologien für die Industrialisierung von Verbundwerkstoffen entwickelt und in Testanlagen erprobt. Der Transfer findet in drei Projekten statt. 21
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Landtag von Baden-Württemberg                                                            Drucksache 15 / 5774 Im Forschungscampus „ARENA2036 – Active Research Environment for the Next Generation of Automobiles“ werden Forschungen und Entwicklungen im Bereich des Leichtbaus sowie innovativer Produktionstechnologien zusammen- gebracht, um den Weg für den Automobilbau der Zukunft zu bereiten. Um die- ses ehrgeizige Ziel zu erreichen, arbeiten zahlreiche Beteiligte des Forschungs- campus ARENA2036 aus Wissenschaft und Wirtschaft in einer öffentlich-pri- vaten Partnerschaft eng zusammen. Die in der Region Stuttgart vorhandenen Kompetenzen in Leichtbau und Produktion werden dadurch strategisch gebün- delt und in einem gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprogramm um- gesetzt. Das Wissenschaftsministerium unterstützt mit Mitteln des Europä- ischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) den Bau eines Forschungsge- bäudes, in dem sowohl die Forschungsprojekte umgesetzt als auch die Ergeb- nisse aus der Forschung in Prototypen überführt werden sollen, um so die De- monstration der Marktreife und damit den Technologietransfer zu erleichtern. Innerhalb des Verbundforschungsprogramms „Hybrider Leichtbau“ werden fünf Projekte durch die Landesregierung gefördert. Beim hybriden Leichtbau kommen Werkstoffverbunde zum Einsatz, die aus unterschiedlichen Werk- stoffen hergestellt oder gefügt werden (z. B. Metall und faserverstärkte Kunst- stoffe). Die einzelnen Verbundprojekte haben eine Laufzeit zwischen zwei und drei Jahren und bearbeiten Forschungsthemen entlang der Wertschöpfungskette hybrider Leichtbauteile von der automatisierten Herstellung über die Verbin- dungstechnik bis zu deren Bearbeitung, wie sie unter anderem in der Automo- bilindustrie zunehmend eingesetzt werden. Im Angesicht von Energiewende und Rohstoffknappheit haben sich die Redu- zierung des Energieverbrauchs, die Schonung limitierter Rohstoff-Ressourcen sowie der Zwang zur Verringerung der Produktionskosten zu Innovationstrei- bern entwickelt. Neue Produkte und Verfahren, die z. B. im Bereich der Elek- tromobilität oder der regenerativen Energien eingesetzt werden, müssen diesen aktuellen Entwicklungen und Trends Rechnung tragen. Daraus resultiert ein massiver Forschungs- und Entwicklungsbedarf, der sich sowohl auf Bereiche der Grundlagen- als auch der angewandten Forschung erstreckt. Der vom Wis- senschaftsministerium geförderte Forschungsverbund „ZAFH SPANTEC- light – Zerspanungstechnologie Leichtbauwerkstoffe – Verständnis der quanti- tativen Zusammenhänge zwischen Werkstoff- und Anwendungseigenschaften zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Maschinen- und Werkzeugherstel- ler“ adressiert dringende Fragestellungen aus dem Bereich der Werkstofftech- nik und des Leichtbaus. Es ist ein Zusammenschluss der drei Hochschulen Aa- len, Mannheim und Ulm unter der Federführung der Hochschule Aalen. Der Leichtbau gewinnt angesichts steigender Rohstoff- und Energiekosten zu- nehmend an Bedeutung. Hierbei werden Carbonfasern aufgrund ihrer einzigar- tigen mechanischen und funktionellen Eigenschaften vor allem im Automotiv- sektor zunehmend als Substitutionsmaterialien traditioneller Werkstoffe einge- setzt. Neben den technischen Eigenschaften von Carbon steht zunehmend auch die Herkunft der Carbonfaser, d. h. ihre Rohstoffbasis, im Mittelpunkt strategi- scher Überlegungen. Kommerzielle Carbonfasern für den Einsatz in Verbund- werkstoffen werden ausschließlich aus petrochemischen Grundstoffen herge- stellt. Daher sind cellulosebasierte Carbonfasern für die Carbonfaser verarbei- tende Industrie, vor allem im Automotivsektor, von großer technischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Die Entwicklung von Carbonfasern auf der Basis des nachwachsenden Rohstoffs Cellulose ist hochinnovativ, da solche „green- Carbonfibers“ völlig unabhängig von petrochemischen Rohstoffen wären. Das Wissenschaftsministerium fördert daher das Forschungsvorhaben „Green-Car- bonfibers: Carbonfasern aus dem nachwachsenden Biopolymer Cellulose“ an der Universität Stuttgart. Technologien zur Reichweitenverlängerung (Range Extender) wird ein großes Potenzial zugemessen. Diese bieten wiederum den vielen Zulieferunternehmen im Land enormes Potenzial, an der elektromobilen Automobilwelt teilzuhaben. Der Freikolbenlineargenerator stellt hierbei eine viel versprechende und effi- ziente Lösung dar. Am 19. Februar 2013 konnte das DLR Institut für Fahrzeug- konzepte in Stuttgart im Rahmen eines Proof of Concept einen lauffähigen Prototypen im Laborumfeld der Öffentlichkeit demonstrieren. In einem seitens 22
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Landtag von Baden-Württemberg                                                            Drucksache 15 / 5774 Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft geförderten Projekt soll aktuell die Betriebsstrategie sowie das Baukonzept weiterentwickelt und damit ein weite- rer Schritt in Richtung einer industriellen Umsetzung realisiert werden. Im Rahmen eines gemeinsamen Vorhabens von DLR und Fraunhofer wird mit Förderung des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft ein neuartiger Ther- moelektrischer Generator (TEG) zur Steigerung der Effizienz von Range Ex- tender Fahrzeugen erforscht. Hierbei soll der TEG speziell für den Anwen- dungsfall Range Extender untersucht werden. Es wurde bereits eine deutliche Steigerung des Wirkungsgrads der Gesamtkomponente nachgewiesen. Dies wird mittels einer neuen TEG-Bauweise ermöglicht, welche speziell die Anfor- derungen eines Range Extenders berücksichtigt. Neben der wissenschaftlichen Analyse der thermodynamischen, thermomechanischen und konstruktiven Kri- terien wird die Bauweise auf ihren Einsatz in einem konstanten Betriebspunkt angepasst. Das Ziel des vom Wissenschaftsministerium geförderten Forschungsprojekts „e-genius“ an der Universität Stuttgart war es, den elektrischen Antrieb auf Ba- sis eines Lithium-Ionen Akkusystem zu erproben. Im ebenfalls durch das Wis- senschaftsministerium geförderten Nachfolgeprojekt „Ökoflieg“ soll vorrangig untersucht werden, wie eine Range-Extender-Lösung am Beispiel des Flugzeu- ges aus dem Forschungsprojekt „e-Genius“ aussehen muss und welche neuen Flugleistungen mit einem geeigneten System zu erwarten sind sowie wie die Erkenntnisse aus allen Energiesystemvarianten in Zusammenarbeit mit dem Institut für technische Thermodynamik des DLR Stuttgart in einen sinnvollen Entwurf für ein größeres Flugzeug überführt werden können. Weiter fördert das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft ein Forschungs- projekt zur Entwicklung einer Wärmepumpe nach dem magnetokalorischen Wirkprinzip zur Klimatisierung von Batterien in Elektrofahrzeugen am Fraun- hofer Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) in Freiburg. Die Wärme- pumpe nutzt den Effekt aus, dass spezielle Materialien sich erwärmen, wenn sie einem starken Magnetfeld ausgesetzt sind und sich abkühlen sobald man das Magnetfeld entfernt. Eine solche Wärmepumpe ist besonders für die Kli- matisierung von Traktionsbatterien in der Elektromobilität interessant. Dies zeigen erste Untersuchungen, welche ein Wirkungsgradpotenzial gegenüber heutigen Systemen von 20 bis 30 % versprechen. Außerdem wird beim Betrieb einer magnetokalorischen Wärmepumpe kein klima- bzw. umweltschädliches Kältemittel benötigt. Die Eigenschaften eines Reifens stellen eine wichtige Einflussgröße dar, um den Energieverbrauch eines Fahrzeuges zu reduzieren. In drei seitens Ministe- rium für Finanzen und Wirtschaft geförderten Vorhaben am Institut für Ver- brennungsmotoren und Kraftfahrwesen (IVK) der Universität Stuttgart, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Hochschule Esslingen wird im Verbund an der Optimierung der aerodynamischen Eigenschaften sowie der Reduzierung des Rollwiderstands von Reifen unter den speziellen Randbedin- gungen der Elektromobilität gearbeitet. – Brennstoffzellentechnologie als bedeutendes Element der Elektromobilität Die Brennstoffzellentechnologie hat aus Sicht der Landesregierung ebenfalls ein großes Potenzial, sich zu einer Schlüsseltechnologie für die Elektromobi- lität zu entwickeln. III. 3. Wie bewertet sie den bisherigen Erfolg der Landesinitiative Elektromobi- lität II und welchen Einfluss werden diese Erkenntnisse auf mögliche zu- künftige Landesinitiativen haben? Zu III. 3.: Baden-Württemberg besitzt heute national wie auch international einen ausge- zeichneten Ruf als Automobilstandort. Aus Baden-Württemberg kommen Hoch- schulen und Forschungseinrichtungen sowie Automobilhersteller und Zulieferer, die die Geschichte des Automobils maßgeblich beeinflusst und vorangetrieben 23
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Landtag von Baden-Württemberg                                                            Drucksache 15 / 5774 haben. Damit diese Position, die zugehörigen Wertschöpfungsanteile und Arbeits- plätze auch zukünftig gesichert werden können, müssen vor allem die KMU-ge- prägten Zulieferer auf die zukünftigen Herausforderungen und Technologien der Branche vorbereitet werden. Die zukünftige motorisierte Individualmobilität wird in erster Linie von den drei technologischen Trends – Elektrifizierung und Hybridisierung des Antriebsstrangs, – vernetztes und automatisiertes Fahren sowie – Reduzierung der Fahrwiderstände, insb. Leichtbaumaterialien und -technologien geprägt sein. Um Wertschöpfung und damit Arbeitsplätze sichern zu können, müs- sen die Unternehmen der beteiligten Branchen nicht nur die Technologien zukünf- tiger Fahrzeuge und Antriebe sowie der zugehörigen Infrastruktur beherrschen, sondern in der Lage sein, diese konkurrenzfähig in Komponenten und Produkten umzusetzen und am Standort zu produzieren. Die wesentlichen Antworten auf die Fragen der zukünftigen Produktion erhofft sich die Fachwelt von den Themen – alternative Produktions- und Fertigungsverfahren, – Ressourceneffiziente Fabrik und – Industrie 4.0. Forschung und Entwicklung kommt hierbei eine zentrale Rolle zu. Mit den beiden Landesinitiativen Elektromobilität I und II, der Landesinitiative Leichtbau, dem Spitzencluster Elektromobilität Süd-West, der ARENA 2036, dem Schaufenster Elektromobilität LivingLab BWe mobil sowie gezielten Investitionen in die Forschungsinfrastruktur, wie das Batterieforschungslabor eLaB und die Bat- terieforschungsproduktionslinie FPL am ZSW in Ulm, die Fraunhofer Projektgrup- pe Neue Antriebssysteme (NAS) in Karlsruhe und dem Fraunhofer Kompetenzzen- trum für energetische und informationstechnische Mobilitätsschnittstellen (KEIM) in Esslingen sowie dem Ausbau des KIT-Mobilitätszentrums oder dem Fahrsimula- tor an der Universität Stuttgart wurden und werden aktuell wegweisende Maßnah- men und Aktivitäten des Landes und des Bundes umgesetzt. Ein Engagement des Landes ist weiter erforderlich und in seiner Ausrichtung auf Erhalt und Ansiedlung von Forschung, Entwicklung, Innovation und Wertschöpfung in den neuen Techno- logien zu fokussieren. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind oftmals nicht in der Lage, den aufwendigen Schritt von der Innovation in die Großserienproduk- tion aus eigener Kraft zu gehen. Um den Nachweis einer Verwendbarkeit der neuen Technologien unter den Gesichtspunkten Fertigungskosten und Qualität in einer späteren Großserienproduktion am Standort Baden-Württemberg zu erbringen, ist deren Erforschung unter realistischen Fertigungsbedingungen zwingend erforder- lich. Ohne diese Fertigungsmethodik ist es nicht möglich, die neuen Technologien für eine industrielle Anwendung auf Eignung und Prozesstauglichkeit zu überprü- fen. Mit einer gezielt auf die spätere wirtschaftliche Produzierbarkeit in Baden- Württemberg ausgerichtete Forschungs- und Validierungsförderung kann diese Lücke auf Technologieseite geschlossen werden. Um KMUs die Technologievali- dierung und die Skalierbarkeit auf Großserienniveau effektiv und bezahlbar zu er- möglichen, sind Forschungsproduktions- bzw. Pilotlinien an anwendungsorientier- ten Forschungseinrichtungen ein sinnvolles Instrument, welches im Verbund zur vorindustriellen Erprobung herangezogen werden kann. Begleitend hierzu hat das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft speziell für die Belange der KMUs im Rahmen der Landesinitiative Elektromobilität II erfolgreich ein Gutscheinprogramm Strukturwandel Elektromobilität aufgelegt. Im Rahmen des Gutscheinprogramms werden Beratungsleistungen gefördert, welche Chancen und Risiken bei dem Transformationsprozess durch die Elektromobilität aufzeigen. Um mit einer Förderung der wirtschaftsnahen Forschung gezielte Effekte auf die Ansiedlung von Wertschöpfung im Land zu erreichen, muss diese zeitlich strate- gisch parallel zum Übergang von der Marktvorbereitung zum Markthochlauf und begleitend zum Markthochlauf erfolgen. Analog zu den Einschätzungen vieler Experten und der Nationalen Plattform Elektromobilität ist eine Umsetzung derar- tiger Maßnahmen ab 2015 sinnvoll. 24
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Landtag von Baden-Württemberg                                                            Drucksache 15 / 5774 Automobilhersteller allokieren aktuell verstärkt ihre Wertschöpfung an Produk- tionsstandorten, an denen auch ein dominierender Markt für die hergestellten Pro- dukte existiert. System- und zunehmend Komponenten- und Teilelieferanten sind gezwungen, Teile ihrer Produktion in diese Märkte und an die Produktionsstand- orte der Hersteller zu verlagern. Dieser Trend wird sich zukünftig noch verstär- ken. Es ist also unabdingbar, den Heimatmarkt für Produkte, welche auf die zukünftigen Technologien setzen, zu stärken. Dies wird nur erfolgreich sein, wenn neben den Zuliefererunternehmen auch die Bürgerinnen und Bürger im Land auf diesem Wandel mitgenommen werden. Das Land muss hier an seiner Vorreiterrolle und Vorbildfunktion festhalten. Mit der Beschaffungsinitiative zur Erneuerung des Landesfuhrparks und der Förderung des ÖPNV konnten bereits erste Erfolge erzielt werden. Weiter konnten über Modell- und Demonstrations- vorhaben in Kommunen viele Bürgerinnen und Bürger erreicht und informiert werden. Dies hat sich als erfolgreiche Maßnahme zur Mitnahme der künftigen Nutzer auf dem Weg zur Elektromobilität erwiesen. Wie unter Ziffer II. 2. dargestellt, hat die Brennstoffzellentechnik aus Sicht der Landesregierung ebenfalls ein großes Potenzial, sich zu einer Schlüsseltechnolo- gie für die Elektromobilität zu entwickeln. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft unterstützt daher im Rahmen der Landesinitiative II im In- novationsprogramm Wasserstoffinfrastruktur H2BW erfolgreich Forschung und den Infrastrukturaufbau im Bereich Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie. Im Rahmen der Landesinitiative Elektromobilität II wurde vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) ein Ideenwettbewerb für Mo- dellprojekte ausgeschrieben, mit denen die E-Mobilität im Alltag ländlicher Städ- te und Gemeinden praktisch erprobt werden soll. Aus über 30 Anträgen wurden 20 kommunale und interkommunale Projektideen durch eine Fachjury ausge- wählt. Diese werden vom MLR während der Projektlaufzeit von Mai 2013 bis Dezember 2015 mit bis zu 50 % der zuwendungsfähigen Ausgaben, aber maximal 100.000 Euro, bei interkommunaler Zusammenarbeit mit bis zu 60 % der zuwen- dungsfähigen Ausgaben, aber maximal 150.000 Euro gefördert. Es handelt sich hierbei unter anderem um Projekte zur Verbesserung der Grund- und Nahversorgung in ländlichen Gemeinden, den Einsatz elektrischer Bürger- busse z. B. für den Transport von Senioren, behinderten Menschen und Schülern, e-Car-Sharing-Projekte mit touristischer Ausrichtung, die Verwendung eines Elektroautos als Lern- und Anschauungsobjekt für die Ausbildung von Mechatro- nikern an einem ländlichen Berufsschulzentrum oder den Einsatz eines elektri- schen Minikippers bei der Pflege kommunaler Grünflächen. Die Modellvorhaben sollen möglichst über die Projektlaufzeit hinaus verstetigt werden. Um die Elektromobilität im Ländlichen Raum auch auf größerer, zusammenhän- gender Fläche sichtbar und erfahrbar zu machen, führt das Ministerium für Länd- lichen Raum und Verbraucherschutz seit Februar 2014 ein entsprechendes e-mo- biles Modellvorhaben auch im regionalen Maßstab durch. Als Gebietskulisse wurde der Naturpark Südschwarzwald ausgewählt, da im Naturpark und seiner näheren Umgebung bereits fünf vom Ministerium für Ländlichen Raum und Ver- braucherschutz im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Elektromobilität Ländlicher Raum“ geförderte kommunale Modellprojekte laufen, viele innovative mittelstän- dische Unternehmen vorhanden sind, der Tourismus eine große Rolle spielt und zudem Vorbereitungen für den Aufbau der deutschlandweit ersten leistungsfähi- gen und flächendeckenden Ladeinfrastruktur in einer ländlich geprägten Region getroffen werden. Im Rahmen des Projekts „Naturpark Südschwarzwald – Modellregion E-Mobi- lität Ländlicher Raum“ sollen von den Akteuren der Region (Kommunen, Touris- musorganisationen, KMU u. a.) „bottom-up“ praxistaugliche Ideen für nachhalti- ge Mobilitätskonzepte unter besonderer Berücksichtigung der E-Mobilität gene- riert werden. Bei der Vorstellung erster Zwischenergebnisse am 11. September 2014 wurden Vorschläge für die besonderen Mobilitätsanforderungen von Unter- nehmen des Ländlichen Raums, z. B. den Flottenverkehr, die Mitarbeitermobi- lität, den Pendlerverkehr, die Standortlogistik und für eine nachhaltige und attrak- tive Mobilität von Studenten der Dualen Hochschule im Ländlichen Raum disku- tiert. 25
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Landtag von Baden-Württemberg                                                           Drucksache 15 / 5774 III. 4. Wie bewertet sie die Auswirkungen der Elektromobilität im Hinblick auf Weiterbildung und Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Unternehmen und welche Schritte sind notwendig, um sie in dieser Technik fortzubilden? Zu III. 4.: Eine solide Qualifikation basiert auch in der Elektromobilität auf der Vermittlung sicherer Grundlagenkenntnisse mit anschließender Spezialisierung in den relevan- ten Themenfeldern. Dies gilt gleichermaßen für den akademischen wie den ge- werblichen Bereich. Diese aus einer umfangreichen Studie des Spitzenclusters Elektromobilität Süd-West im Bereich der akademischen Bildung sowie einer Re- cherche im gewerblichen Bereich resultierenden Erkenntnisse werden von der Promotorengruppe Mobilität der Forschungsunion in ihrem Abschlussbericht ebenfalls bestätigt. Da die bisher klaren Grenzen zwischen Ausbildungsdisziplinen aufgehoben wer- den, empfiehlt die Promotorengruppe, Disziplinen übergreifende Aus- und Wei- terbildungen einzurichten, in denen Disziplinen wie zum Beispiel Fahrzeugtech- nik, Elektrotechnik, Elektrochemie, Informatik, Produktionstechnik, Verfahrens- technik und Energiemanagement mit Blick auf die Elektromobilität integriert werden. Der Schlüssel zu einer fundierten Vertiefungsausbildung für die Elektro- mobilität liegt in der Kombination von bestehenden Aus- und Weiterbildungsmo- dulen, die eine Systemkompetenz vermitteln. Dazu gehört z. B. eine flächen- deckende Einführung der Hochvoltausbildung für beteiligte Naturwissenschaftler und Ingenieure sowie gewerblich ausgebildete Fachkräfte. Das Spitzencluster Elektromobilität Süd-West realisierte gemeinsam mit dem Mi- nisterium für Finanzen und Wirtschaft 2013 ein umfangreiches Weiterbildungspro- gramm, bei dem bereits mehr als fünfzig Multiplikatoren geschult wurden. Grund- lage ist ein themenspezifisches Schulungskonzept, das vom Öko-Institut e. V. ge- meinsam mit dem Clustermanagement des Spitzenclusters erarbeitet wurde. Der Beirat der Landesagentur e-mobil BW, bestehend aus Vertretern von Indus- trie und Wissenschaft, hat als vordringliches Handlungsfeld „Fachkräftebedarf und Bildung“ für sich identifiziert und unterstützt die Aktivitäten in diesem Be- reich durch eine Arbeitsgruppe. In Workshops werden Handlungsempfehlungen erarbeitet und anschließend über den Aufsichtsrat bzw. Gesellschafter der e-mobil BW GmbH der Landesregierung zugänglich gemacht. Weiter wurden in Baden-Württemberg mehrere Maßnahmen umgesetzt bzw. ge- startet: – An der Universität Stuttgart ermöglicht der Bachelor-/Master-Studiengang Fahr- zeug- und Motorentechnik eine fakultätsübergreifende Vertiefung in Richtung Elektromobilität. Darüber hinaus existieren umfangreiche Lehrangebote zu allen Themen der Mobilität, auch seitens der Fakultäten für Bauingenieurwesen und Luft- und Raumfahrt, die kontinuierlich erweitert und angepasst werden. – Die HECTOR School of Engineering and Management des KIT bietet berufs- begleitend einen Executive Master „Green Mobility Engineering“ an, der sich speziell an zukünftige Führungskräfte im Bereich der Elektromobilität richtet. – Seit 2013 bietet die Hochschulföderation SüdWest (HfSW) e. V. die vernetzten Kompetenzen der Hochschulen Aalen, Esslingen, Heilbronn, Mannheim und Ravensburg-Weingarten in einem berufsbegleitenden Masterstudiengang „Elek- tromobilität“ an. Zur Unterstützung des technologischen Transferprozesses werden weiter folgende Maßnahmen in Baden-Württemberg durchgeführt: – Lehrgang „Weiterbildung von Ausbildern und Multiplikatoren im Handwerk zum Thema Elektromobilität“ des Weiterbildungszentrums für innovative Energietechnologien der Handwerkskammer Ulm (WBZU) über Ausbildungs- institutionen der Handwerkskammern und der Technischen Akademien zur Verknüpfung des akademischen und praktischen Wissens 26
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Landtag von Baden-Württemberg                                                            Drucksache 15 / 5774 – Jährliche Durchführung einer Summer School am FKFS zu der internationale Referenten, Unternehmensvertreter und Studenten eingeladen werden – Förderung der Weiterbildung und Qualifizierung im Bereich Elektromobilität durch das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft über Mittel des Europä- ischen Sozialfonds (Förderprogramm Fachkurse Schwerpunkt Elektromobi- lität) III. 5. Wie wirkt sich die Clusterförderung des Landes auf die Elektromobilität aus? Zu III. 5.: Die Clusterpolitik des Landes Baden-Württemberg versteht sich als Impulsgeber mit dem Ziel Innovationspotenziale zu schöpfen. Sie unterstützt dazu den Auf- und Ausbau nachhaltiger, sich langfristig selbsttragender Strukturen und begleitet die Cluster-Akteure mit bedarfsorientierten Angeboten im Entwicklungs- und Professionalisierungsprozess der Cluster-Initiativen und Innovationsnetze. Dazu sind alle clusterpolitischen Maßnahmen systematisch aufeinander abgestimmt. Die baden-württembergische Cluster-Strategie ist gekennzeichnet durch Dialog- orientierung, einen bottom-up-Ansatz und eine aktive Einbeziehung aller Cluster- Akteure. Die baden-württembergische Landesregierung unterstützt systematisch die Entwicklung/-Weiterentwicklung von regional, national sowie international sichtbaren Clustern, Cluster-Initiativen und landesweiten Netzwerken. Zahlreiche Cluster-Initiativen wurden bisher in bundesweiten und regionalen Wettbewerben ausgezeichnet. Das belegt eindrucksvoll den Erfolg und die Effektivität der clus- terpolitischen Maßnahmen. Clusterpolitik ist ein zentraler Bestandteil der Innova- tionspolitik des Landes mit dem Ziel insbesondere die Innovations- und Wettbe- werbsfähigkeit kleine und mittlere Unternehmen zu erhöhen. Die zentrale Maßnahme innerhalb der Landesstrategie Elektromobilität beinhaltet deshalb den Auf- und Ausbau sowie die Etablierung der Landesagentur für Elek- tromobilität und Brennstoffzellentechnologie. Die e-mobil BW GmbH wurde im Frühjahr 2010 gegründet. Durch die e-mobil BW wird zwischenzeitlich die Funk- tion eines „Daches“ für Elektromobilität inkl. Brennstoffzellen- und Wasserstoff- technik in Baden-Württemberg effizient wahrgenommen. Sie hat sich als zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle für alle Belange rund um die Elektromobilität in Baden-Württemberg etabliert und ist ein anerkannter Partner für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die e-mobil BW repräsentiert die Akteure und Akti- vitäten zur Elektromobilität in Baden-Württemberg und macht diese gegenüber Bund, EU und den weltweiten Mobilitätsregionen sichtbar. Die Agentur arbeitet hierbei eng verzahnt mit den bereits bestehenden Netzwerken und Landesagentu- ren. Um im Umfeld der Elektromobilität schnell bezahlbare und kundenorientierte Konzepte und Lösungen zu schaffen, sind eine enge Verzahnung aller Akteure und die Industrialisierung der Technologien erforderlich. Der Spitzencluster Elek- tromobilität Süd-West verwirklicht dieses Ziel in Baden-Württemberg. Die ge- samte Koordination während der Antragsstellung sowie das Clustermanagement wurden und werden durch die e-mobil BW wahrgenommen. Nur durch die effi- ziente und engagierte Arbeit der e-mobil BW und aller Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik konnte sich der Cluster Elektromobilität Süd-West im Spitzenclusterwettbewerb des Bundes durchsetzen. Er ist bundesweit der einzige geförderte Spitzencluster im Themenfeld der Elektromobilität. Mit der Auszeich- nung ist eine Förderung in Höhe von 40 Millionen Euro für Forschungsprojekte verbunden, die die Entwicklung großserienfähiger Elektrofahrzeuge, deren Pro- duktion, Ladetechnologien und IT-Lösungen vorantreiben sollen. Der Zeitraum der Bundesförderung beträgt insgesamt fünf Jahre und endet 2017. Für die erste Förderphase bis 2015 sind bereits 13 innovative Projekte definiert und bewilligt. Zum Beispiel sollen neue Produktionsverfahren die Kosten für die Herstellung von Energiespeichern senken. Neue Konzepte für eine vernetzte Mobilität, kabel- loses Laden oder ein neuartiges Diagnosemanagement zielen neben den Kosten auch auf Handhabbarkeit, Komfort und Umweltverträglichkeit ab. Aufbauend auf den Projekten im Spitzencluster-Wettbewerb werden mit einer zusätzlichen För- 27
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Landtag von Baden-Württemberg                                                            Drucksache 15 / 5774 derung durch das Land weitere Maßnahmen zur Clusterentwicklung umgesetzt. Die Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie die Internationalisierung des Clusters bilden dabei zentrale Elemente und sollen zum einen die bestehenden Arbeits- plätze sichern und zum anderen den Standort Baden-Württemberg attraktiver für neue Arbeitskräfte machen. 2014 wurde dem Spitzencluster Elektromobilität Süd- West das Label „Cluster-Exzellenz Baden-Württemberg“ verliehen. Das Label übernimmt hinsichtlich der Qualitätskriterien und des Begutachtungsprozesses die Vorgaben der von der Europäischen Kommission unterstützten European Cluster Exzellenz Initiative (ECEI). Zusätzlich basiert es neben den derzeit 31 ECEI-Kri- terien auf weiteren Kriterien, die sich auf die nachhaltige Finanzierung und die In- ternationalisierungsbestrebungen einer Clusterinitiative oder eines (landesweiten) Netzwerkes beziehen. Die Gesamtkoordination des Schaufensters LivingLab BWe mobil wird ebenfalls durch die e-mobil BW gemeinsam mit der Wirtschafts- förderung Region Stuttgart (WRS) wahrgenommen. Die Clusterförderung durch das Land war und ist somit die Basis für eine erfolg- reiche Umsetzung der Maßnahmen im Bereich Elektromobilität im Land, einer ausgezeichneten nationalen wie internationalen Sichtbarkeit und Anerkennung so- wie ein Multiplikator und Unterstützer bei der Akquise von Fördermitteln des Bundes und der EU. III. 6. Wie unterstützt sie den Handel, Werkstatt-, Kundendienst- und Ersatzteile- markt der Elektromobilität und welche Maßnahmen ergreift sie, um diesen Sektor in Baden-Württemberg zu etablieren? Zu III. 6.: Der seit vielen Jahren negative Beschäftigungstrend im Kraftfahrzeuggewerbe wird sich je nach Durchdringung alternativer Antriebe und der weiteren gesellschaft- lichen und marktseitigen Entwicklung verstärken. Für die Marktteilnehmer ist die Erschließung neuer Geschäftsfelder daher von Bedeutung. Gerade die Elektrifizie- rung bietet dem Kraftfahrzeuggewerbe nicht nur im Verkauf, sondern auch im Af- ter Sales vielfältige Chancen. Neue Angebote könnten z. B. im Bereich zusätzlicher Dienstleistungen in den Bereichen Ladeinfrastruktur, Vernetzung, innovative Mo- bilitätskonzepte, Softwareupdating sowie in einer ganzheitlichen Kunden- und Fahrzeugbetreuung liegen. Während im Hinblick auf die Veränderungen in der Au- tomobilproduktion und Automobilentwicklung bereits eine Reihe von Unter- suchungen zur Verfügung stehen, ist die Entwicklung des After Sales hinsichtlich zukünftiger Mobilitätslösungen noch wenig erforscht. Das Ministerium für Finan- zen und Wirtschaft hat deshalb gemeinsam mit der IG Metall Baden-Württemberg und der e-mobil BW eine derartige Untersuchung initiiert. In einem durch das Mi- nisterium für Finanzen und Wirtschaft geförderten gemeinsamen Forschungsvorha- ben am Institut für Automobilwirtschaft (IFA) der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen und dem Center of Automotive Service Technology (CAST) an der Hochschule Esslingen wurden die Auswirkungen der Elektrifizierung auf den After Sales und Aftermarket wissenschaftlich untersucht. Ein besonderer Fokus lag hierbei auf den zu erwartenden Beschäftigungs-Effekten. Hierfür wurden drei Referenzszenarien erarbeitet, welche alle Formen der Elektrifi- zierung des Antriebsstranges sowie zu erwartende Verläufe in der Marktdurchdrin- gung und im Kraftfahrzeuggewerbe einschließen. Neben den quantitativen Auswir- kungen auf die Beschäftigung im Kraftfahrzeuggewerbe und in der Teileindustrie, welche insbesondere auch vom Diffusionsverlauf der elektrifizierten Antriebskon- zepte abhängen, werden auch qualitative Effekte berücksichtigt. Diese umfassen sowohl Veränderungen bezüglich der Aufgaben und Prozesse im After Sales, der einzusetzenden Servicetechnologien als auch die veränderten Qualifikationsanfor- derungen der Beschäftigten. Die Verifikation der Arbeitsprozesse für die Wartung und Reparatur elektrifizierter Fahrzeuge erfolgte im Rahmen einer labortechni- schen Untersuchung am Center of Automotive Service Technology (CAST) der Hochschule Esslingen an aktuellen Fahrzeugmodellen. Darüber hinaus wurden mögliche Beschäftigungswirkungen in der Automobilzulieferindustrie durch Ver- änderungen hinsichtlich der Art und Anzahl der benötigten Ersatzteile analysiert. Auf Basis der Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Untersuchungen wurde eine Studie „Entwicklung der Beschäftigung im After Sales – Effekte aus der Elektro- 28
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Landtag von Baden-Württemberg                                                            Drucksache 15 / 5774 mobilität“ erarbeitet. Diese Studie wird über die Studienreihe der e-mobil BW be- worben und sowohl elektronisch als auch in gedruckter Form bereitgestellt. Ne- ben der wissenschaftlichen Analyse und Erarbeitung von möglichen Szenarien zeigt die Studie auch mögliche Anpassungsstrategien im Kraftfahrzeuggewerbe im Hinblick auf die Veränderungen im After Sales Geschäft auf und gibt hier konkrete Handlungsempfehlungen. Weiter hat das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft im Rahmen der Landes- initiative Elektromobilität II ein Gutscheinprogramm Strukturwandel Elektromo- bilität aufgelegt. Im Rahmen des Gutscheinprogramms werden Beratungsleistun- gen für das Handwerk und den Handel gefördert, welche Chancen und Risiken bei dem Transformationsprozess durch die Elektromobilität aufzeigen. Im Vorfeld wurden Berater gezielt zu den Fragestellungen des Strukturwandels geschult, um KMU fundiert auf dem Weg in die Elektromobilität begleiten zu können. Der Gutschein kann nur in Anspruch genommen werden, wenn die Beratung durch ei- nen dieser zertifizierten Berater erfolgt. Gefördert werden bis zu drei Beratungs- tage. Es werden maximal 80 % der Beratungskosten gefördert. Die maximale För- dersumme beträgt pro Beratung und Unternehmen 2.400,– Euro. Dr. Schmid Minister für Finanzen und Wirtschaft 29
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