Digitale Bildung und Medienbildung in Baden-Württemberg
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 ten Lernen und der individuellen Förderung. Die Versuchsschulen sind fünf Jahre am Schulversuch beteiligt. Die lange Projektlaufzeit ermöglicht es den Schulen, über mehrere Jahrgänge und Klassenstufen hinweg Erfahrungen zu sammeln und digitale Unterrichtsmodelle und -konzepte nachhaltig umzusetzen und zu etablie- ren. Zur Unterstützung der Projektschulen sowie anderer Schulen, die digitale Un- terrichtsszenarien erproben, stellt das Kultusministerium über das Online-Portal www.tabletBS.de Informationen und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Die am Schulversuch „tabletBS – Einsatz von Tablets im Unterricht an beruflichen Voll- zeitschulen“ beteiligten Schulen werden bei der Beschaffung von Geräten vom Kultusministerium finanziell unterstützt. Im Laufe des Projekts werden mehr als 5.000 Schülerinnen und Schüler und mehr als 1.000 Lehrkräfte in bis zu 200 Klas- sen digitale Unterrichtsszenarien erproben und evaluieren. Mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 wurde auch in der Berufsschule im Rah- men der dualen Ausbildung ein Pilotprojekt zur Nutzung von Tablets auf den Weg gebracht (tabletBS.dual – Tableteinsatz in anerkannten Ausbildungsberufen in Baden-Württemberg). Der Schwerpunkt liegt hier in der Identifizierung, Entwick- lung und Erprobung von Einsatzmöglichkeiten im Unterricht in den Bereichen der berufsfachlichen Kompetenz, dem sog. Lernfeldunterricht. Hierzu werden berufs- spezifische Lernsituationen entwickelt, durch deren Umsetzung ein pädagogischer Mehrwert (z. B. hinsichtlich motivationalen Aspekten, stärkerer Selbststeuerung, höherer Medienkompetenz, stärkerer Kooperation und höherer kognitiver Kom- plexität) erwartet wird. Über die Einbeziehung der Ausbildungsbetriebe eröffnen sich dabei zusätzliche Möglichkeiten der Lernortkooperation. Die Rahmenbedin- gungen ermöglichen den Schulen ein längerfristiges begleitetes und unterstütztes Arbeiten, da der Tablet-Einsatz an den jeweiligen Versuchsschulen über die gesam- te Ausbildungsdauer erfolgt. Bei planmäßigem Ausbau wird das Projekt nach drei Jahren einen Ausbaustand erreichen, der zehn duale Ausbildungsberufe mit jeweils fünf Standorten umfasst, sodass insgesamt bis zu 50 Schulen beteiligt sein werden. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden auf diese Weise rund 10.000 Auszubil- dende durch das Projekt einbezogen. Zum Schuljahr 2017/2018 wird auch im Bereich der berufsvorbereitenden Bil- dungsgänge – in den Schulversuchen „Duale Ausbildungsvorbereitung (AVdual)“ und „Pädagogische Erprobung (BFPE)“ – ein Projekt „tabletBS-AVdual/BFPE- Niveaudifferenziertes Lernen digital gestalten“ zum Einsatz von Tablets gestartet. Hier können fünf berufliche Schulen mit digitalen mobilen Endgeräten ausgestattet werden, um das in den Schulversuchen verankerte pädagogische Konzept des ni- veaudifferenzierten Lernens im digitalen Umfeld zu erproben und entsprechende Erfahrungen zu sammeln. Neben diesen Tablet-Projekten läuft seit dem Sommer 2016 das Projekt „Virtuelle Hospitation“, bei dem ein virtuelles Feedback über mobile Geräte zwischen Lehr- kräften erprobt wird. Der Unterschied zum herkömmlichen Feedback zwischen Lehrkräften liegt in der zeitlich unabhängigen und dadurch zeitlichen versetzten Analyse und Rückmeldung, die hier über Schulgrenzen hinweg erfolgt. Alle Be- teiligten wurden mit einem 1 : 1-Setting mit einheitlichen Geräten ausgestattet und können bei Bedarf auf eine individuelle inhaltliche pädagogische Beratung zurück- greifen. I I . T e c h n i s c h e A u s s t a t t u n g d e r a l l g e m e i n b i l d e n d e n u n d b e - ruflichen Schulen 1. Welche Informationen liegen ihr zur technischen Ausstattung der Schulen in Baden-Württemberg – auch im deutschlandweiten beziehungsweise internatio- nalen Vergleich und auch im Hinblick auf die Unterrichtsräume im Sinne eines „intelligenten Klassenzimmers“ – vor (mit Bewertung des Ausstattungsstands)? Die sächliche Ausstattung der Schulen obliegt dem jeweiligen Schulträger. Dem Kultusministerium liegen zu dieser Frage daher keine Informationen vor. Eine Be- wertung des Ausstattungsstandards ist daher nicht möglich. 11
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 2. Wie sind hierbei die im Oktober 2016 angekündigten Pläne des Bundesbildungs- ministeriums zur Verbesserung der technischen Ausstattung der Schulen („Di- gitalpakt“) zu bewerten? Der Digitalpakt#D des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stellt fi- nanzielle Mittel für Schulen ab 2018 in Aussicht. Das Kultusministerium begrüßt grundsätzlich, dass die notwendigen umfänglichen Investitionen in diesem Bereich auch auf Bundesebene gesehen werden. Bei der Festlegung von Kriterien zur Mit- telverteilung an die Länder bzw. Schulträger setzt sich die Landesregierung dafür ein, dass bestehende, landesseitig bereits eingeführte Instrumente und Verfahren der Qualitätssicherung berücksichtigt und Doppelstrukturen somit vermieden wer- den. Hier sind insbesondere aus Sicht von Baden-Württemberg die Medienent- wicklungspläne zu nennen, die dazu dienen, an den Schulen eine mit dem Schul- träger und der Schulverwaltung gut abgestimmte Schulentwicklung in Bezug auf den pädagogischen Einsatz digitaler Medien in die Wege zu leiten. So ist in Baden- Württemberg gewährleistet, dass die Investitionen der Schulträger mit der Nutzung durch die Lehrkräfte und Lernenden in Gleichklang sind. 3. Welche netztechnische Anbindung benötigt eine Schule aus ihrer Sicht, um durchgehend digitalen Unterricht anbieten zu können und welche Informatio- nen liegen ihr – aufgeschlüsselt nach Schulen – zu den derzeit vorhandenen Netzanbindungen der Schulen vor? Informationen zur vorhandenen Netzanbindung der Schulen in Baden-Württem- berg liegen nicht vor. Empfehlungen zur Internetanbindung der Schulen sind im Entwurf der gemeinsam mit den kommunalen Landesverbänden überarbeiteten und aktualisierten „Multimediaempfehlungen“ 2016 („Empfehlungen für die Aus- stattung der weiterführenden allgemein bildenden und beruflichen Schulen mit Multimedia, die Vernetzung der Schulen und die Sicherstellung des laufenden Be- triebs der Schulnetze“) enthalten. Es ist geplant – sobald die noch offenen Fragen in Bezug auf die Finanzierung zwischen Land und kommunaler Seite geklärt wer- den konnten – diese Empfehlungen zu veröffentlichen. 4. Gibt es bezüglich der netztechnischen Anbindung regionale Unterschiede im Land, etwa zwischen Städten und ländlichen Räumen und welche Anstrengun- gen unternimmt sie, um noch bestehende Lücken in der „Breitbandversorgung“ für Schulen zu schließen? Bezüglich der netztechnischen Anbindung gibt es bei den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen grundsätzlich die gleichen regionalen Unterschiede wie bei der Versorgungslage insgesamt, d. h. im Verdichtungsraum liegen bei der Breit- bandversorgung meist günstige und im ländlichen Raum ungünstige Bedingungen vor. Die Landesregierung unterstützt die Kommunen im Land bei der Schließung der Lücken in der Breitbandversorgung der Schulen durch günstige Förderkonditi- onen. Dabei handelt es sich um eine Ergänzungsförderung zu geförderten kommu- nalen Breitbandprojekten, nicht um eine solitäre Schulförderung. 5. Liegen ihr Informationen dazu vor, wie die einzelnen Schulen im Land mit mo- bilen Geräten für den Unterricht ausgestattet sind und wie diese eingesetzt wer- den? Dem Kultusministerium liegen (über die in den Antworten zu den Fragen I. 1. und 2. sowie I. 9. dargestellten Angaben hinaus) keine weiteren Angaben über die Ausstattung bzw. den Einsatz mobiler Geräte an den allgemein bildenden und be- ruflichen Schulen im Land vor. 6. Welche Aussagen kann sie zur Umsetzung des Vorhabens „Lernfabrik 4.0“ ma- chen? Im Rahmen eines Sonderförderungsprogramm des Wirtschaftsministeriums Ba- den-Württemberg wurden Ende 2015 15 Schulträger gewerblich-technischer Be- rufsschulen ausgewählt, um eine Investition in Höhe von jeweils etwa 1 Million Euro rund um Ausbildungsthemen der Produktions- und Automatisierungstechnik zu starten, die als „Lernfabrik 4.0“ bezeichnet wird. Daneben wird eine bestehende Pilotanlage mit Landesmitteln erweitert. Insgesamt werden 28 Berufsschulen von 12
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 diesem Förderprogramm erfasst. Durch ein schlüssiges Investitions- und pädago- gisches Lernkonzept sollen dort künftig die Entwicklungslinien zum Thema „In- dustrie 4.0“ oder „Wirtschaft 4.0“ noch stärker als bisher anschaulich im Unterricht Eingang finden. Verkettete Maschinensysteme auf Basis realer Industriestandards erlauben dabei eine sehr praxisnahe Ausbildung. Durch eine zielgerichtete Wei- terentwicklung der bestehenden Lehrerfortbildungsprogramme soll das Thema für die Erstausbildung und für die Weiterbildung in den Meister- und Technikerschu- len erschlossen werden. Vier Lernfabriken wurden bereits eingeweiht und es wird damit gerechnet, dass alle Berufsschulen, die sich an diesem Programm beteiligen, bis Sommer 2017 die „Lernfabriken 4.0“ in Betrieb genommen haben. Parallel dazu werden entsprechende Lehrerfortbildungsmodule zum Thema angeboten. Angesichts der technischen Komplexität der einbezogenen Hard- und Software wird das Thema mittel- und langfristig eine zentrale Rolle in der Ausbildung spie- len. Nicht zuletzt auch den klein- und mittelständischen Betrieben soll dabei die Aus- und Weiterbildungsleistung der beruflichen Schulen zugutekommen. 7. Welche Bedeutung kommt aus ihrer Sicht der Plattformoffenheit und Kompati- bilität im Bereich Hardware und Software im Kontext Unterricht zu und welche Rolle können hier Open-Source-Software und offene Schnittstellen spielen? Eine offene Plattformarchitektur ist im schulischen Kontext von entscheidender Bedeutung. Zum einen ist es aufgrund der pädagogischen Freiheit der Lehrkräfte bzw. der hohen Dynamik im IT-Bereich grundsätzlich schwierig, abschließende Entscheidungen über den Einsatz bestimmter Anwendungen zu treffen und auf die- ser Basis geschlossen Plattformen zu konzipieren. Zum anderen bieten Open Sour- ce Produkte, freie Standards und offene Formate weitere Vorteile, beispielsweise in Bezug auf die Herstellerunabhängigkeit. Die die Landesregierung tragenden Par- teien betonen in ihrem Koalitionsvertrag ebenfalls die Rolle von offenen Standards und erklären, die IT-Beschaffung des Landes insgesamt in Richtung Open Source weiterentwickeln und den Einsatz freier Software unterstützen zu wollen. Die ge- plante digitale Bildungsplattform für Schulen in Baden-Württemberg zielt speziell darauf ab, eine flexible und offene Grundarchitektur zur Verfügung zu stellen, in die perspektivisch die verschiedenen unterschiedlichen im Einsatz befindlichen Anwendungen und Systeme über entsprechende Schnittstellen eingebunden wer- den können. Auch die Weiterentwicklung der freien Lernmanagement-Software Moodle macht deutlich, dass das Land den Einsatz von Open Source Anwendun- gen fördert und unterstützt. I I I . S t r a t e g i e p r o z e s s M e d i e n b i l d u n g , a u ß e r s c h u l i s c h e A n g e - bote der Medienbildung und digitale Bildung in Erwach- s e n e n b i l d u n g u n d Ve r b r a u c h e r s c h u t z 1. Was sind aus ihrer Sicht die wichtigsten Ergebnisse des 2015/2016 abgeschlos- senen Strategieprozesses „Medienbildung der Landesregierung“? Zunächst zeigte sich, dass nahezu alle Ressorts von dem Thema Medienbildung betroffen sind. Insofern ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit aller Beteiligten erforderlich, um die Medienkompetenz als wichtige Schlüsselqualifikation für eine erfolgreiche Teilhabe an der modernen Mediengesellschaft nachhaltig zu stärken. Bereits der Prozess der Strategiediskussion mit allen betroffenen Ressorts, Insti- tutionen, externen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis sowie der durchgeführte breite Beteiligungsprozess trugen dazu bei, Zuständigkeiten zu klären, das Thema im Rahmen der politischen Agenda zu stärken, wichtige Impul- se zu setzen sowie die Vernetzung der medienpädagogischen Landschaft in Ba- den-Württemberg zu stärken. Dabei wurde zunächst in einer Status-quo-Analyse bilanziert, welche Anstrengungen es bereits im Bereich der Medienbildung in den einzelnen Ressorts bzw. Bildungsinstitutionen in Baden-Württemberg gibt. Darü- ber hinaus wurden wesentliche Handlungsfelder und Ziele sowie weitere Meilen- steine benannt, um Baden-Württemberg auch im Bereich der Medienbildung noch weiter nach vorne zu bringen. Schon jetzt stehen in Baden-Württemberg neben den Maßnahmen im schulischen Bereich im engeren Sinne (siehe Antwort zu den Fragen I. 1. und 2.) umfangreiche Angebote im Bereich der Medienbildung zur Verfügung. Maßgebliche landesweite Angebote finden sich in den Ausführungen zum Status quo zu den jeweiligen The- 13
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 men im Strategiepapier Medienbildung Baden-Württemberg. In der schulischen Medienbildung wurden mit dem Bildungsplan 2016 maßgebliche Weichen für eine strukturell nachhaltige Medienbildung gestellt. Darüber hinaus ist es der Initiati- ve Kindermedienland Baden-Württemberg gelungen, ein bundesweit beachtetes Angebot für die unterschiedlichsten Bevölkerungs- und Berufsgruppen (Kinder und Jugendliche, Auszubildende und Studierende, Eltern, Migrantinnen und Mig- ranten, Pädagoginnen und Pädagogen, Hochschullehrende, Präventionsbeauftrag- te etc.) sowie für verschiedene Themenbereiche auf den Weg zu bringen. In dem Strategieprozess wurde deutlich, dass auch ältere Menschen einen großen Bedarf haben, Medienkompetenzen zu erwerben, um möglichst lange selbstbestimmt zu leben und ihr Potenzial möglichst umfassend entfalten zu können. Um dem großen Bedarf in dieser Altersgruppe besser gerecht zu werden, wurde ergänzend zu den schon bestehenden Angeboten das „Senioren-Medienmentoren-Programm“ konzi- piert und in das Portfolio der Initiative Kindermedienland aufgenommen. Darüber hinaus wurde erkennbar, dass für Migrantinnen und Migranten teilweise andere Zugangswege gefunden werden müssen, um diese mit Angeboten der Medienbil- dung zu erreichen. Die Erfahrungen in diesem Bereich führten bereits zu entspre- chenden Anpassungen in den betroffenen Programmen im Rahmen der Initiative Kindermedienland. Schließlich wurde auf Basis des beschlossenen Strategiepa- piers das Internetportal der Initiative Kindermedienland nochmals überarbeitet, um einen zentralen Zugang zu allen wesentlichen Aspekten und Angeboten im Bereich der Medienbildung inklusive der fortlaufend aktualisierten weiterführenden Links auf die einzelnen Programme zu bieten. Die Landesregierung geht insgesamt davon aus, dass Medienbildung in allen we- sentlichen Handlungsfeldern erfolgen und alle Bevölkerungsgruppen einbeziehen muss. Medienbildung muss als Prozess eines lebenslangen Lernens angelegt sein, der die jeweils aktuellen Entwicklungen aufgreift. Dabei sollen die vorhandenen Ansätze, Programme und Aktivitäten verschiedener Institutionen nun einerseits gebündelt und vernetzt und andererseits, wo notwendig, ergänzt werden. Wo im- mer haushalterisch möglich, sollen Angebote dauerhaft vorgehalten und kontinu- ierlich weiterentwickelt werden. Dies bedeutet beispielsweise, die erfolgreichen Programme der Initiative Kindermedienland systematisch weiterzuführen und jeweils entlang der Bildungskette auszurichten. Langfristiges Ziel des Strategie- prozesses Medienbildung ist es, die Medienbildung als integralen Bestandteil aller Bildungsprozesse zu etablieren. 2. Gibt es ein Monitoring hinsichtlich der Umsetzung der in diesem Strategiepro- zess genannten Meilensteine beziehungsweise Handlungsempfehlungen? Die am Strategieprozess Beteiligten waren sich einig, dass jedes Ressort die kon- kreten Maßnahmen zur Medienbildung im jeweiligen Bereich eigenständig weiter- verfolgt, evaluiert und dokumentiert. Des Weiteren wird sich die für den Strategie- prozess gegründete interministerielle Arbeitsgruppe zur Medienbildung weiterhin in regelmäßigen Abständen treffen, um die Umsetzung der beschlossenen Maß- nahmen im Auge zu behalten und die gegenseitige Information zu befördern. Alle maßgeblichen Weiterentwicklungen werden auf dem zentralen Internetzugang der Initiative Kindermedienland aktualisiert. Die Verantwortlichen der Programme der Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg stehen in regelmäßigem Aus- tausch untereinander sowie mit dem Staatsministerium Baden-Württemberg. Die Zielsetzungen und Schwerpunkte der Programme werden kontinuierlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. 3. Welche Rolle kommt Angeboten der Elternbildung im Kontext der digitalen Bil- dung zu? Die Medienbildung von Eltern und damit eine Unterstützung bei der Mediener- ziehung im Familienalltag ist neben der Schule und Einrichtungen der Jugend- hilfe eine der zentralen Säulen bei der Medienerziehung von Kindern und Ju- gendlichen. Wenn Kinder und Jugendliche zu einem kenntnisreichen, sinnvollen und verantwortlichen Umgang mit Medien und digitalen Technologien angeleitet werden sollen, müssen Eltern über die Mediengesellschaft, vor allem aber über die Medienwelten ihrer Kinder Bescheid wissen. Die Einbeziehung von Eltern ist daher wichtiger Bestandteil bei der Digitalisierungsstrategie des Landes. Eltern haben ebenso wie pädagogische Fachkräfte einen großen Informationsbedarf und 14
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 sie wünschen sich medienpädagogische Anregungen und Unterstützung für ihren Alltag. Dem kommt der bereits in 5. Auflage erschienene Elternratgeber des Lan- desmedienzentrums nach. Das Landesmedienzentrum unterhält für Eltern und Pä- dagoginnen und Pädagogen eine medienpädagogische Beratungsstelle, die Fragen von Eltern beantwortet, sie berät und ggf. weitere Informationen und Beratungsan- gebote zur Verfügung stellt. Das Land hat mit der Initiative Kindermedienland auch verschiedene Program- me für Eltern auf den Weg gebracht, zum Beispiel das „Eltern-Medienmentoren- Programm“, das vom Landesmedienzentrum im Auftrag des Staatsministeriums umgesetzt wird. Dieses Programm soll Eltern zunächst über Medien und digitale Angebote, die bevorzugt von Kindern und Jugendlichen genutzt werden, informie- ren und sie dann in Fragen der Medienerziehung praktisch unterstützen. Bei der Durchführung hat sich gezeigt, dass Eltern nach allgemeinen Informationen v. a. Praxis-Workshops wählen, bei denen sie einzelne digitale Medien bzw. Angebote selbst ausprobieren und sich mit Hintergründen und Wirkungsweisen beschäfti- gen können. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich in diesem Programm die Eltern- Kind-Workshops, bei denen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern z. B. auch Re- geln für den Familienalltag festlegen. Dieses Programm setzt einen Schwerpunkt bei der Medienbildung von Eltern mit Migrations- und Fluchterfahrung. Auch in dem stark nachgefragten Programm „101 Schulen“, welches das Landes- medienzentrum im Auftrag des Staatsministeriums im Rahmen der Initiative Kin- dermedienland durchführt, gibt es zahlreiche Angebote zur Elternbildung im Kon- text der digitalen Bildung. So zum Bespiel Informationsabende oder Workshops für Eltern zu den Themen „Kindliche/Jugendliche Medienwelten“, „Smartphones, Tablets & Apps“, „Erste Schritte im Netz“, „WhatsApp, Facebook & Co.“, „Zwi- schen legal und illegal – Rechtslagen im Netz“, „Abzocke im Internet (u. a. Wer- bung, Abofallen, Online-Shopping)“, „Medien und Gewalt und/oder Rechtsex- tremismus“, „Digitale Spiele“, „Datenschutz und Rechtliches“. Die EU-Initiative Klicksafe, die in Deutschland von zwei Medienanstalten umgesetzt wird, leistet ebenfalls einen maßgeblichen Beitrag zur Elternarbeit im Bereich der Medienkom- petenz. Die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) bietet hierbei zahlreiche Informationsmaterialien und auch direkte Beratung wie zum Beispiel durch sogenannte Internet ABC-Referenten zur Durchführung von Eltern- abenden an. Darüber hinaus qualifiziert die Aktion Jugendschutz (ajs) pädagogi- sche Fachkräfte, die in ganz Baden-Württemberg im LandesNetzWerk für medien- pädagogische Elternarbeit zusammenarbeiten und in verschiedenen Regionen des Bundeslandes Veranstaltungen zu aktuellen medienpädagogischen Themen und Fragestellungen anbieten (z. B. Elternabende zur Information und Diskussion, me- dienpädagogische Workshops für Familien). Diese Referentinnen und Referenten sind regionale Ansprechpartner für medienpädagogische Elternarbeit und initiieren in Kooperation mit anderen Einrichtungen wie z. B. Schulen und Kindergärten Angebote vor Ort, die sehr stark nachgefragt werden. Medienerziehung ist eine Herausforderung für alle Familien. Zugleich zeigen Studien, wie Medienerziehung in Familien mit unterschiedlichem sozialem Hin- tergrund gestaltet wird und welchen spezifischen medienerzieherischen Informa- tions- und Unterstützungsbedarf die jeweiligen Familien haben. Ein besonderes Augenmerk ist deshalb auf Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf zu richten. Um Chancengerechtigkeit für diese Familien und insbesondere für deren Kinder zu erreichen, sind hier besondere Angebote notwendig. Dem kommt die Initiative Kindermedienland mit dem Angebot „Medienpädagogische Fortbildung für die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH)“ der Aktion Jugendschutz (ajs) nach. Dieses Angebot knüpft direkt an bestehende Strukturen im Bereich der Ju- gendhilfe an und richtet sich an Fachkräfte, die bereits in den Familien arbeiten. Es wurden in den Jahren 2010 bis 2016 480 Fachkräfte der SPFH qualifiziert, um die von ihnen betreuten Familien in der Medienerziehung zu unterstützen. Nach einer grundlegenden medienpädagogischen Fortbildung (4-tägig) der Fachkräfte der SPFH nehmen diese zusammen mit den von ihnen betreuten Familien an me- dienpädagogischen Workshops teil und arbeiten dann direkt in den Familien an Themen der Medienerziehung weiter. Elternarbeit ist auch ein Baustein in dem Programm zur frühkindlichen Medienbildung „Medienwerkstatt Kindergarten“, welches im Auftrag des Staatsministeriums im Rahmen der Initiative Kinderme- dienland durchgeführt wird. 15
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 4. Welche Angebote in der Verbraucherbildung und Verbraucherinformation in Be- zug auf Themen der digitalen Bildung und der Medienbildung unterstützt sie und welchen Handlungsbedarf sieht sie zukünftig? Die Verbraucherbildung ist eine von sechs Leitperspektiven im Bildungsplan. Die Leitperspektive Verbraucherbildung zeigt Handlungsspielräume für das In- dividuum auf und fördert den Erwerb und Ausbau von Handlungskompetenzen. Schülerinnen und Schüler sollen dazu befähigt werden, als kritische und mündige Verbraucherinnen und Verbraucher reflektiert Konsumentscheidungen zu treffen. Die Leitperspektive Verbraucherbildung konkretisiert sich im Bereich der Medien- bildung auf die Aspekte von Medien als Einflussfaktoren. 5. Welche Aufgaben übernehmen Volkshochschulen und andere Weiterbildungsein- richtungen sowie Bibliotheken in den hier angesprochenen Feldern? In der inhaltlichen Ausgestaltung der Weiterbildungsangebote sind die Weiterbil- dungsträger und auch die Bibliotheken – sofern diese eigene Kursangebote anbie- ten – frei. Diese Freiheit besitzen die Einrichtungen auch bezüglich der didaktisch- methodischen Ausgestaltung ihrer Angebote. Deshalb kann die Landesregierung keinen Einfluss darauf nehmen, welche Themen wie z. B. Elternbildung angeboten werden und in welcher Form diese vermittelt werden. Die Landesregierung sorgt aber für Rahmenbedingungen, die eine positive Entwicklung des Digitalisierungs- prozesses auch in der Weiterbildung ermöglichen. Das geschieht zunächst durch die Weiterbildungsförderung als solche, so dann spezifisch durch die zusätzliche Förderung des „Digitalen Weiterbildungscampus Baden-Württemberg“, mit dem eine landesweite Infrastruktur für technisch unterstützte Lehr- und Lernszenarien aufgebaut wurde, die es praktisch jeder Einrichtung ermöglicht, ihre neuen Weiter- bildungskonzepte umsetzen zu können. Diese zusätzliche, der Digitalisierung ge- schuldete (Weiterbildungs-)Förderung beinhaltet zum einen die technische Weiter- entwicklung der Infrastruktur und ihre Anpassung an die technische Entwicklung, zum anderen aber auch die direkte Subventionierung der Einrichtungen, indem 70 Prozent der Kosten eines individuell abgeschlossenen SaaS-Vertrags („Soft- ware as a Service“) übernommen werden. Zusätzlich sind alle bei der Durchfüh- rung entsprechender Szenarien zu berücksichtigenden juristischen Absicherungen mit beinhaltet. Jede Einrichtung kann sich somit innerhalb einer hochmodernen, skalierbaren und bezüglich der Datensicherheit und des Datenschutzes optimalen technischen Umgebung – und damit befreit von ressourcenintensiven juristischen und technischen Fragestellungen – ganz gezielt ihre individuellen methodischen und didaktischen Konzeptionen überlegen, technisch realisieren und in ihr Portfo- lio aufnehmen. Außer dem Mehrwert, den der Campus den einzelnen Einrichtungen bietet, erfüllt der Digitale Weiterbildungscampus auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Er soll insbesondere auch die plural gestaltete, regional stark verankerte und damit auch flächendeckende Weiterbildungslandschaft, trotz des Digitalisierungsdrucks, erhalten. Dieser Druck würde ohne dieses Instrument zwangsläufig zu einer Mo- nopolisierung in der Weiterbildungslandschaft führen, da nur noch wenige große Einrichtungen die immensen technischen und finanziellen Anforderungen der Di- gitalisierung aufbringen könnten. Letztlich würde diese negative Entwicklung auf alle Bürgerinnen und Bürger und Weiterbildungsinteressierte durchschlagen. Die Gefahr einer digitalen Spaltung der Gesellschaft würde durch die digitale Spaltung einer monopolisierten Weiterbildungslandschaft verstärkt. Gerade dieser Aspekt hat die Jury des eLearning Journals so überzeugt, dass der Digitale Weiterbil- dungscampus in der Kategorie „Infrastruktur“ den eLearning Award 2017 zuer- kannt bekam. Aufgrund der Bereitstellung dieser technischen Infrastruktur können die Weiterbildungseinrichtungen ihre vielfältigen neuen Aufgaben im Bereich der „digitalen Bildung“ erfolgreich angehen und bewältigen. So bieten einige Bib- liotheken über den Digitalen Weiterbildungscampus eine elektronische Ausleihe von professionellen Lernmodulen in den vielfältigsten Themenbereichen an. Im Bereich der Integration von Flüchtlingen wird dieses Selbstlernangebot durch ge- zielten Deutschunterricht in „virtual classrooms“ erweitert. Dadurch können hoch- kompetente Dozentinnen und Dozenten effektiv eingesetzt werden und Flüchtlinge auch in entlegenen Regionen Live-Unterricht erhalten. Im Volkshochschulbereich sind zurzeit rund 60 Einrichtungen mit ihren unterschiedlichen Weiterbildungs- aktivitäten auf dem Digitalen Campus aktiv. Auch ein kirchlicher Bildungsträger bietet Blended-Learning Angebote über den Campus an. 16
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 I V. F o r s c h u n g u n d L e h r e z u M e d i e n b i l d u n g u n d d i g i t a l e B i l - dung 1. Inwieweit ist die pädagogisch-didaktische Nutzung digitaler Techniken und Me- dien inklusive der Medienethik derzeit Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiter- bildung von Lehrerinnen und Lehrern (mit Angabe der notwendigen und beab- sichtigten Veränderungen und Ergänzungen in der Lehrerbildung)? Zur Umsetzung der Medienbildung im Unterricht ist es unabdingbar, dass die Lehr- kräfte entsprechend aus- und fortgebildet werden. In den Lehrerfortbildungsange- boten zum neuen Bildungsplan werden Aspekte der Medienbildung thematisiert. Insgesamt räumt die Landesregierung der Medienbildung bei der Lehreraus- und fortbildung breiten Raum ein: 1. Phase der Lehrerausbildung Die Rahmenvorgabenverordnung Lehramtsstudiengänge (RahmenVO-KM) be- stimmt grundlegende Elemente des lehramtsbezogenen Bachelor- und Masterstu- diums sowie für alle Fächer und Fachrichtungen Kompetenzen und Studieninhalte, die in den Studien- und Prüfungsordnungen der Pädagogischen Hochschulen, der Universitäten, der Kunsthochschulen und der Musikhochschulen sowie der Hoch- schule für Jüdische Studien Heidelberg umgesetzt werden. Die Medienkompetenz und -erziehung ist wegen ihrer übergeordneten Bedeutung als Querschnittskom- petenz in den Bildungswissenschaften und in allen Fächern verbindlich verankert. Die Fachpapiere im Anhang der RahmenVO-KM enthalten zusätzlich insbeson- dere in den Fachdidaktiken der Studienfächer mediendidaktische Studienelemen- te, die in den Schulpraxisphasen auch praktisch erprobt werden können. Dies gilt ebenso für die gemäß Rahmenvorgabenverordnung Lehramtsstudiengänge beruf- liche Schulen (Rahmen-VO-BS-KM) umgestellten Bachelor-/Masterstudiengänge für das höhere Lehramt an beruflichen Schulen in den beruflichen Fachrichtungen „Gerontologie, Gesundheit und Care“ sowie „Sozialpädagogik/Pädagogik“. Wie die Medienkompetenz und -erziehung als Querschnittskompetenz im Rahmen der vom Wissenschaftsministerium im Einvernehmen mit dem Kultusministerium be- reits genehmigten lehramtsbezogenen Bachelorstudiengänge und der spätestens bis zum Wintersemester 2018/2019 einzurichtenden allgemein bildenden lehramts- bezogenen Masterstudiengänge an den einzelnen Hochschulen konkret umgesetzt wird, unterliegt dem Grundsatz der Freiheit von Forschung und Lehre im Rahmen der Hochschulautonomie und wird daher von den Hochschulen selbst verantwor- tet. Dabei werden im fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Bereich u. a. E-Learning- bzw. Blended-Learning-Konzepte (z. B. auf Basis der Online-Platt- form Moodle) eingesetzt. Darüber hinaus kommen zunehmend MOOCs (Massive Open Online Courses) und OER (Open Educational Resources) auch im Bereich der Lehrerbildung zum Einsatz. Im Bereich der studienbegleitenden Portfolio-Füh- rung werden Online-Lösungen (z. B. Mahara) eingeführt. Perspektivisch wird von den Hochschulen angestrebt, bereits umgesetzte Maßnahmen sukzessive in umfas- sende Medienbildungskonzepte der jeweiligen Hochschulen einzubetten. Im Rahmen der 2. Förderlinie des Programms „Lehrerbildung in Baden-Württem- berg“ fördert das Land hochschulische Projekte zur Digitalisierung in der Lehrer- bildung. Folgende Projekte werden vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst für die Dauer von fünf Jahren vom 1. Februar 2016 bis zum 31. Januar 2021 gefördert: – Verbundprojekt des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädago- gischen Hochschule Karlsruhe: „MINT²KA – Lehr-Lern-Labore in den MINT- Fächern als Innovations- und Vernetzungsfeld in der Lehrerbildung am KIT und an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe“ (Fördervolumen insgesamt rund 2 Mio. Euro) – Universität Tübingen: „Professionswissen stärken im Kontext eines digitalen Unterrichtslabors. Förderung von mediendidaktischer Kompetenz in der Leh- rerausbildung (TüDiLab)“ (Fördervolumen rund 1 Mio. Euro) Die im Rahmen der Reform der Lehrerbildung eingeleiteten Maßnahmen des Lan- des zum Thema Digitalisierung in der Lehrerbildung haben auch Eingang in die lehramtsbezogenen Teile der von der Kultusministerkonferenz am 8. Dezember 2016 verabschiedeten Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ gefunden. 17
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 2. Phase der Lehrerausbildung Im Rahmen der anschließenden Vorbereitungsdienste an den Staatlichen Semina- ren für Didaktik und Lehrerbildung aller Seminarschularten werden die Kenntnisse der ersten Phase der Lehrerausbildung aufgenommen, vertieft und im schulprak- tischen Einsatz konkret umgesetzt. In den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen aller Vorbereitungsdienste sind die Medienkompetenz und -erziehung als Quer- schnittskompetenzen aufgeführt. Seminarveranstaltungen in Pädagogik/Pädagogischer Psychologie sind anteilig verbindlich als E-Learning-Veranstaltung durchzuführen. D. h., ein Teil der in den Ausbildungsveranstaltungen im Fach Pädagogik/Pädagogische Psychologie zu be- handelnden Inhalte wird nach dem Blended-Learning-Konzept vermittelt. Das Lehrangebot der Seminare erstreckt sich von der Vermittlung basaler Fer- tigkeiten im Umgang mit digitalen Medien bis hin zur Reflexion über ethische, gesellschaftliche und rechtliche Fragestellungen. Für die Planung und Steuerung der Medienbildung in der zweiten Phase der Lehrerausbildung gibt ein landesweit gültiger Medienbildungsplan Standards und Rahmenbedingungen vor. Den Medi- enbildungsplan konkretisiert jedes einzelne Seminar aufgrund seiner spezifischen pädagogischen, organisatorischen, technischen und personellen Voraussetzungen sowie aufgrund seiner Arbeits- und Nutzungsbedürfnisse. Seit Anfang 2015 erhalten alle Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbil- dung eine Tablet-Ausstattung, sodass die Voraussetzungen einer praxisorientierten Medienbildung in den Seminaren nochmals verbessert werden konnten. Zur Um- setzung der Thematik wird für Seminarlehrkräfte jährlich eine festgelegte Anzahl Fortbildungen zum Thema „Digitale Medien in der Lehrerausbildung“ durchge- führt. Thematisiert werden u. a. Soziale Netzwerke, Smartphone, Tablet-Einsatz u. a. im Hinblick auf Einsatzmöglichkeiten, fachdidaktische Ansätze und rechtli- che Aspekte. Fortbildung von Lehrkräften: Die Angebote der Lehrkräftefortbildung zur Nutzung digitaler Technik und Medien in der Schule konkretisieren sich in den Schwerpunktthemen Medientechnik, Me- dienpädagogik und -didaktik, Medienerziehung mit medienethischen Anteilen und Medienrecht. An der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen (Landesakademie) werden zentral Fortbildungskonzepte entwickelt, die über die Regierungspräsidien flächendeckend regional angeboten werden. Große Nachfrage erfahren schulinterne Angebote. Die qualifizierten Netzwerk- und Mul- timediaberater werden durch regionale Arbeitskreise an den Regierungspräsidien betreut und weiterqualifiziert. Folgende Fortbildungen stellen einen Auszug aus dem Fortbildungsangebot dar: – Netzwerkbasiskurse als Grundqualifikation für Netzwerkberater/-innen – Ausbildung von Multimediaberaterinnen und Multimediaberatern – Regionale Fortbildungen für Netzwerkberaterinnen und -berater Urheberrecht und Datenschutz – Medienerziehung mit medienethischen Anteilen – Jugendmedienschutz – Angebote zur Lernplattform Moodle – Umsetzung des Basiskurses Medienbildung – Arbeiten mit Tablets – Administration und medienpädagogisch-didaktische Nut- zung Sowohl im Bereich des beruflichen wie auch des allgemein bildenden Schulwesens existieren darüber hinaus spezielle Fortbildungen zum Einsatz digitaler Medien in verschiedenen beruflichen und allgemeinen Unterrichtsfächern, Angebote für den Einsatz von Tablets, zur individuellen Förderung und zur Umsetzung von Inklusi- on sowie Angebote zum E-Learning. Eine abschließende Aufzählung ist, bedingt durch die Vielzahl der Angebote und die verschiedenen Anbieter von Fortbildun- gen (zentral, regional und schulintern), nicht möglich. Die Fortbildungsangebote werden kontinuierlich und bedarfsorientiert weiterentwickelt. 18
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 2. Welche Hochschulen in Baden-Württemberg sind mit Lehrangeboten und For- schungsprojekten in den Bereichen Medienbildung, „gamification“ und digitale Bildung tätig? Umfassende Forschungsaktivitäten zu digitaler Bildung betreibt das Leibniz-Insti- tut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen. Im Rahmen einer DFG-Forschergrup- pe (2008 bis 2016), des Leibniz WissenschaftsCampus „Bildung in Informations- umwelten“ (2009 bis 2016) und der Exzellenzgraduiertenschule LEAD werden in enger Kooperation mit den unterschiedlichsten Fakultäten der Universität Tübin- gen verschiedenste Aspekte des Lernens und Lehrens mit Medien erforscht. The- men sind beispielsweise das digitale Schulbuch, die Nutzung von verkörperlichten Trainings für das Mathematiklernen oder die Nutzung von Videos im Geschichts- unterricht. Im IWM wird zudem seit 2003 das Portal e-teaching.org betrieben. Es wendet sich an Hochschullehrer und informiert niedrigschwellig und praxisnah über Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien für die Hochschullehre. Die Mitglie- der der Community können eigeninitiativ Projekte in die Projektdatenbank des Portals einstellen. Insbesondere an den Pädagogischen Hochschulen des Landes sind die Themen Medienbildung und -pädagogik bzw. digitale Bildung sowohl in den Lehramts- studiengängen als auch in den Studienangeboten des außerschulischen Bildungs- berei-ches in Forschung und Lehre verankert. Aspekte der medialen Vermittlung, der Gestaltung mediengestützter Lernumgebungen (z. B. e-Portfolio, Nutzung von Wikis, Vorlesungsaufzeichnungen, Lernplattformen wie Moodle oder Stud.IP) mit den entsprechenden Voraussetzungen in der Programmierung sowie medienrecht- liche Gesichtspunkte mit den entsprechenden Vermittlungsformen (Online-Veran- staltungen, E-Learning, Blended Learning) sind dabei fester Bestandteil. Im Bereich der Lehre ist das Thema an den Pädagogischen Hochschulen u. a. wie folgt verankert: – In allen Lehramtsstudiengängen wurde die Medienbildung sowohl in den Bil- dungswissenschaften als auch in allen Fächern (Fachwissenschaft und Fach- didaktik) verbindlich verankert. Eine praktische Erprobung mediendidaktischer Elemente erfolgt im Integrierten Semesterpraktikum. Im Übrigen wird auf Zif- fer IV. 1. verwiesen. – Als außerschulische Studienangebote sind z. B. zu nennen: Masterstudiengang „E-LINGO – Frühes Fremdsprachenlernen im Elementar- und Primarbereich“ der Pädagogischen Hochschule Freiburg, Masterstudiengang „E-Learning und Medienbildung“ an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, Zertifikatsstu- diengang „Mediendidaktik“ an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe oder auch Bachelor/Master-Studiengang „Medien- und Bildungsmanagement“ der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Exemplarisch sind aus dem Bereich der Forschungsprojekte zu nennen: – Pädagogische Hochschule Karlsruhe: Projekt des Bundesministeriums für Bil- dung und Forschung Bildungsinitiative L (nachhaltige Förderung der Stu- 2 dierenden in Bezug auf ein selbstgesteuertes, individuelles und kooperatives Lernen, ergänzt durch einen spezifischen Bereich des mediendidaktischen Sup- ports) – Pädagogische Hochschule Ludwigsburg: AduLeT (Advanced Use of Techno- logies in Higher Education) – Identifizierung von Hürden für den Einsatz von E-Learning in der Hochschullehre und Entwicklung von Lösungsmaßnahmen (Erasmus+-Projekt) – Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd: Projekt Pro Media Primar 3P (Entwicklung professioneller medienpädagogischer Kompetenzen zur Gestal- tung von digital unterstützten Lernumgebungen in der Primarstufe für die drei Phasen der Lehrerbildung) 19
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 1256 Zudem ist im Bereich der Lehrerbildung an den Universitäten exemplarisch das Projekt „Digital Teaching Lab (TüDiLab)“ der Universität Tübingen zu nennen, das vom Wissenschaftsministerium im Rahmen des Landesprogramms „Lehrer- bildung in Baden-Württemberg“ gefördert wird. Es wird an der Tübingen School of Education (TüSE) umgesetzt. Mit den zur Verfügung gestellten digitalen Tafeln, Tablets, Notebooks und Smartphones können (zukünftige) Lehrkräfte die unter- schiedlichen Einsatzmöglichkeiten solcher Medien praxisorientiert erproben und so erfahren, welche Potenziale digitale Medien für das Lehren und Lernen haben, wie diese sinnvoll für den Unterricht nutzbar gemacht werden können und welche Kompetenzen sie selbst, aber auch ihre Schülerinnen und Schüler aufweisen müs- sen, um von diesen Potenzialen zu profitieren. Im Rahmen der Initiative wurde an der TüSE auch eine Juniorprofessur zum Thema „Lernen und Lehren mit digitalen Medien in den Fachdidaktiken“ eingerichtet, die am Leibniz-Institut für Wissens- medien (IWM) verortet und eng an das TüDiLab angebunden ist. So ermöglicht das TüDiLab die notwendige Forschung zu den Merkmalen und Wirkungen von medienbasiertem Unterricht. Im Bereich „Gamification“ verfügen zahlreiche Hochschulen in Baden-Württem- berg über Lehrangebote. Diese finden inzwischen auch Beachtung über den wis- senschaftlichen Rahmen hinaus. Zu nennen ist hier z. B. die Initiative „Edutain Me!“ der „GameZone“ auf dem Internationalen Trickfilmfestival Stuttgart. Diese wurde von der Hochschule der Medien in Stuttgart initiiert und findet jährlich in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Kommunikation statt. Die Veranstal- tung richtet sich schwerpunktmäßig an Verantwortungsträger und Multiplikatoren aus den Bereichen Politik, Medien, kulturelle Bildung, Schule, Hochschulen und Jugendschutz. Ziel des innovativen Formates ist es, die Möglichkeit des Einsatzes von Computerspielen und Serious Games im Unterricht und in der Aus- und Wei- terbildung zu fördern. An der Hochschule der Medien ist das Thema „Gamifica- tion“ u. a. fest in den Lehrplan im Studiengang „Mobile Media“ integriert. Auch an der Filmakademie spielt es im Studienschwerpunkt „Interaktive Medien“ eine ge- wichtige Rolle. Auf privater Seite ist insbesondere das SAE-Institut in Stuttgart zu nennen, hier wird „Gamification“ nicht nur in den Game-Ausbildungen, sondern u. a. im Studiengang „Cross Media Production“ unterrichtet. Das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe hat das Thema ebenfalls regelmäßig auch in Ko- operation mit Hochschulen aufgegriffen. 3. Inwieweit erfolgt hierbei eine Kooperation der Hochschulen im Land mit dem Landesmedienzentrum beziehungsweise dem Landesinstitut für Schulentwick- lung? Das Landesmedienzentrum kooperiert in verschiedener Weise mit Hochschulen des Landes. Beispielsweise werden am Karlsruher Institut für Technologie und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe verschiedene Semesterseminare (z. B. zum „Lernen in digitalen Welten“ oder zur „Medientheorie/Medienbildung“) durchgeführt. Bei der Neuorganisation/-strukturierung des Erweiterungsstudien- gangs „Medienpädagogik“ an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe ist das Landesmedienzentrum ebenfalls beteiligt und arbeitet mit der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe sowie der Hochschule Karlsruhe und der Hochschule der Medien im Projekt IT-Schulstadt Karlsruhe eng zusammen. Auch mit den Pädago- gischen Hochschulen in Ludwigsburg und Schwäbisch-Gmünd befindet sich das Landesmedienzentrum in einem intensiven Austausch zu Fragen der Medienbil- dung. Darüber hinaus arbeitet das Landesmedienzentrum im Arbeitskreis „Medi- enbildung in der Grundschule“ mit, der von der Pädagogischen Hochschule Lud- wigsburg initiiert wurde. An ihm sind Seminare, die regionale Lehrerfortbildung, das Landesmedienzentrum, Medienzentren, die Landesanstalt für Kommunikation und freie Anbieter von Fortbildungen beteiligt. Des Weiteren führt das Landes- medienzentrum Einführungsveranstaltungen für Studierende der Hochschulen zu Unterstützungsangeboten der Medienzentren durch und arbeitet aktuell zum The- ma „Medienbildung im Fach Mathematik“ auch eng mit dem Landesinstitut für Schulentwicklung, dem Kultusministerium, Seminarvertretern und der regionalen Lehrerfortbildung zusammen. 20