Bedeutung, Nutzung und Bewirtschaftung der baden-württembergischen Kulturliegenschaften: „Historische Schätze bewahren, für die Gegenwart öffnen und nachhaltig für die Zukunft weiterentwickeln“

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Landtag von Baden-Württemberg                                                           Drucksache 16 / 3244 Werbemaßnahmen, Events, Messen, Außen- und Verkehrsmittelwerbung, Direkt- marketing, Kooperationen. Der Einsatz der Mittel erfolgt nach dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit z. B. durch die Betrachtung von Tausender- Kontakt-Preisen bei Anzeigenbuchungen oder einer Betrachtung von Kosten-pro- Besucher bei Messeauftritten. Die SSG legen dabei besonderes Augenmerk auf ihre Internetpräsenz und die so- zialen Medien. 2013 realisierten sie ein neues Internetportal mit insgesamt 3.000 Einzelseiten. Die Zugriffszahlen lagen 2016 mit 6,7 Millionen Seitenansichten um rund 25 % höher als bei der Einführung des neuen Portals. Im November 2017 wur- de der gesamte Auftritt inhaltlich und optisch weiter verbessert. Die Inhalte aller Seiten werden jetzt passend zu jedem Endgerät, sei es Desktop, Tablet oder Smart- phone, ausgespielt. Zudem sind zum jeweiligen Themenjahr passende Themen- portale, die auch nach Abschluss der Themenjahre fortbestehen, abrufbar. Zurzeit gibt es drei dieser sogenannten Landingpages (Garten, ÜberKreuz, Tisch&Tafel). Für 2019 werden Online-Buchung und Bezahlfunktion für Eintrittskarten und Shop-Artikel umgesetzt. Zusätzlich betreiben die SSG 18 Facebook-Kanäle, einen Instagram Account sowie einen Twitter Kanal auf Deutsch und Englisch. Diese Social Media Kanäle werden auch in Kampagnen eingebunden. So regte die zum Valentinstag stattfindende Küss-mich-Aktion 2017 3815 Paare zum Schlossbesuch in Schwetzingen, Mannheim, Heidelberg, Ludwigsburg sowie Solitude an. „Digitalisierung“ umschreibt ein weiteres entscheidendes Zukunftsfeld für die At- traktivität der SSG. Selbstbestimmtes, auf Neugier basierendes informelles Lernen wird an Bedeutung gewinnen. Dies deckt sich mit dem Wunsch der Besucherinnen und Besucher, die Monumente vermehrt „auf eigene Faust“ zu erkunden. Neben der baugeschichtlichen Rekonstruktion, interaktiven Orientierungsplänen und di- gitaler Vermittlung eröffnen sich große Chancen durch Virtual-Reality-Formate, die das Leben in den Schlössern und Klöstern erlebbar machen und gleichzeitig die barrierefreie Teilhabe verbessern. Darüber hinaus ist die Einführung von Online- Tickets geplant. Corporate Design und Verbesserung der Kundenorientierung: In den letzten Jahren konnten die SSG ihre Standards durch die Entwicklung eines konsistenten Erscheinungsbildes für den Besuchs- und den Vermietungsmarkt in allen Kommunikationskanälen deutlich verbessern und damit effizienter und ef- fektiver werden. Mit Hilfe einer konsequenten Markenführung stieg die Bekanntheit der SSG von 13 % im Jahr 2011 auf 34 % im Jahr 2016. Der zweimalige Gewinn des renom- mierten German Brand Award 2016 und 2017 für Excellence in Brand Strategy, Management und Creation unterstreicht diesen Erfolg. Besucherbefragungen: Bereits zweimal (2011 und 2016) überprüften die SSG ihre strategische Ausrich- tung mit Hilfe umfassender repräsentativer Besucherbefragungen. Durch die Um- fragen konnten drei Hauptzielgruppen (vgl. Antwort zu Frage II.6) typologisch identifiziert werden, auf die die Weiterentwicklung der SSG aufbauen kann. Umsetzung von sozialen, ökologischen und ethnischen Standards: Qualität stellt für SSG einen weiteren Erfolgsfaktor dar. Dabei ist nicht nur die Ergebnisqualität, sondern auch die Prozessqualität von Bedeutung. Deshalb achten die SSG auf Umweltstandards, z. B. durch die Verwendung von FSC-zertifizierten und Recycling-Papier und klimaneutralen Druck. Gleiches gilt für die Weiterent- wicklung des Shop-Angebots durch Fairtrade-Produkte wie dem Café Burundi der burundischen Kleinbauerngenossenschaft „Mboneramiryango“. Die Zusammenar- beit mit der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen Bezirk Bruchsal-Bret- ten e. V. bei der Herstellung von Comebags aus alten Werbebannern ist ein weiteres Beispiel. Die in den Shops angebotenen Liegestühle werden aus FSC zertifiziertem Holz gefertigt, die Baumwolltaschen aus Bio-Baumwolle. 11
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Landtag von Baden-Württemberg                                                            Drucksache 16 / 3244 6.	Mit welchen Werbemaßnahmen und Angeboten werden unterschiedliche Ziel- gruppen angesprochen, um die Verweildauer der Gäste in Baden-Württemberg durch Kooperation mit weiteren Tourismusangeboten (z. B. im Bereich nachhal- tiger oder Rad-Tourismus) zu erhöhen? Zu II. 6.: Märkte und Zielgruppen: Die wichtigsten innerdeutschen Märkte sind für die SSG neben Baden-Württem- berg die Pfalz, Südhessen, Bayerisch-Schwaben, Nordrhein-Westfalen. Die wich- tigsten ausländischen Quellmärkte stellen die Schweiz, Niederlande, Frankreich, Österreich, Italien, Großbritannien, Japan, China, USA und Kanada dar. Inhaltlich werden die Zielgruppen im Besucher- und Vermietungsmarkt, dort getrennt nach Geschäfts- und Privatkunden, differenziert angesprochen. Für den Besuchermarkt konnten durch die Befragungen der Jahre 2011 und 2016 drei Gruppen mit deutlich unterscheidbaren Motivationen, Besuchswartungen und soziodemographischem Profil identifiziert werden, die inzwischen mit unter- schiedlichen Botschaften gezielt angesprochen werden: die regelmäßigen Besu- cherinnen und Besucher, die sporadischen Besucherinnen und Besucher und die Erstbesucherinnen und -besucher. Die Gruppe der regelmäßigen Besucherinnen und Besucher wird angesprochen mit: Überblicksbroschüren, Sonderführungsbroschüren, Anzeigen, Magazinen, Messeauftritten, Newslettern; die Gruppe der sporadischen Besucherinnen und Be- sucher darüber hinaus mit: Website, Social Media, Außen- und Verkehrsmittelwer- bung, Kampagnen wie „Küss mich im Schloss“, die Gruppe der Erstbesucherinnen und -besucher zusätzlich mit Empfehlungsmarketing. Da sich die Verteilung der drei Hauptzielgruppen in den einzelnen Monumenten teilweise deutlich unterscheidet, bedarf es individualisierter Konzepte für Ange- botsentwicklung und Bewerbung. Generell gilt es, den hohen Anteil an Erstbe- sucherinnen und -besuchern als Basis für den künftigen Besuchserfolg sicherzu- stellen. Aktuell gelingt dies gut; der Anteil konnte seit 2011 von 42 % auf 51 % gesteigert werden. Optimierungsmöglichkeiten und individuelle Maßnahmen wer- den für jedes Monument regelmäßig überprüft. Dass sich dies lohnt, zeigt sich am Beispiel Schloss Weikersheim. Durch Verbesserung der Kundenorientierung und durch individuell abgestimmte Marketingmaßnahmen gelang es den SSG, die Bewertung der Gesamtzufriedenheit mit „sehr gut“ zwischen 2011 und 2016 von 76 % auf 99 % zu steigern und gleichzeitig die Gruppe der sporadischen Besuche- rinnen und Besucher deutlich zu verstärken. Produktentwicklung: Die SSG verbessern die Profilierung der einzelnen Monumente, indem sie Allein- stellungsmerkmale betonen, die Sonderführungsprogramme bereinigen und inhalt- lich differenzieren und die Angebote im Vermietungs- und Gruppenreisemarkt ver- einheitlichen. Das Führungsangebot an Sonderführungen umfasste im Jahr 2017 420 unterschiedliche Führungen mit jeweils mehreren Terminen, die sich in sechs unterschiedliche Führungsprofile aufteilen. Eines der Führungsprofile ist z. B. die Kostümführung. 72 verschiedene Kostümführungen gab es 2017. Das Führungs- programm wird jährlich überarbeitet. Für die Saison 2018 wurden 101 neue Son- derführungen konzipiert. Die Einführung neuer Angebotsformate wie „Themenjahre“, Schlosserlebnistag, der 2017 mit 30 teilnehmenden Monumenten zum siebten Mal stattfand, Erlebnis- tag im Kloster, Verleihung der Auszeichnung „Schloss des Jahres“ schuf jährlich landesweit neue Besuchsanlässe. Oster-, Weihnachts-, Kunsthandwerkermärkte, Gartenmessen, Open-Airs und Indoor-Musikangebote, Lesungen, Theater und sonstige Kulturformate ergänzen das Angebot und generieren zusätzliche regel- mäßige Aufmerksamkeit für die Monumente. Besuchsverstärkend, mitunter auch besuchsauslösend wirken dabei die Angebote der 19 gastronomischen Betriebe der SSG. 12
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Landtag von Baden-Württemberg                                                           Drucksache 16 / 3244 Preisgestaltung: Die SSG verfolgen eine Festpreisstrategie. Die Standardangebote werden verein- zelt durch exklusive Spezialangebote ergänzt. Vertrieb: Der direkte Verkauf von Eintrittskarten vor Ort wird durch Bestellmöglichkeiten per Telefon und E-Mail ergänzt. Geplant ist die Einführung einer Online-Bestell- und Bezahlfunktion. Kommunikationsmaßnahmen: Hier geht es im Schwerpunkt um die Steigerung der Markenbekanntheit und die Verbesserung des Images der SSG, vgl. dazu die Beantwortung von Frage II.5. Die SSG verknüpfen ihre Kernangebote, die dem Bereich des Kulturtourismus angehören, dabei zunehmend mit den Kernthemen aus der Tourismuskonzeption Baden-Württemberg 2009 Natur und Genuss. Die barrierefreie und nachhaltige Ausformung der Angebote und Betriebsabläufe wird fortlaufend verbessert. Nach- haltigkeit umschreibt eine der Hauptaufgaben der SSG. Sie bewahrt nicht nur die ihr anvertrauten Bau- und Gartendenkmale für künftige Generationen, sondern beachtet in Pflege und Vermittlung auch die zunehmende Bedeutung ihrer Garten- anlagen und Bau-Ensembles als schützenwerte Biotope und Biodiversitätsinseln. Ein besonderes Augenmerk legen die SSG auf die Verbesserung des Angebots für den Radtourismus. Seit 2017 besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Landes- verband Baden-Württemberg des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Für die Verbesserung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit arbeiten die SSG mit der Landes-Behindertenbeauftragten und dem Verband der Mehrfachbehinderten eng zusammen. Für die Weiterentwicklung von Führungs- und sonstigen Vermittlungs- angeboten, die Aspekte des Naturschutzes in den Mittelpunkt stellen, besteht eine eingespielte Zusammenarbeit mit dem BUND und den Fledermausbeauftragen der Regierungspräsidien. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit sind die SSG in Bezug auf Corporate Design, Internetseite, Messeauftritte, Kampagnen und Motivent- wicklung Best Practice innerhalb der Branche. 7.	Wie gestaltet sich das Auslandsmarketing der SSG z. B. durch Nutzung der Lan- desvertretungen in Berlin und Brüssel? Zu II. 7.: Im Bereich Auslandsmarketing haben die SSG als relevante Quellmärkte die Schweiz, Niederlande, Frankreich, Österreich, Italien, Großbritannien Japan, Chi- na sowie USA und Kanada identifiziert. Um das Auslandsmarketing kostengünstig und erfolgreich umsetzen zu können, setzen die SSG bei Internet, Social Media, bei Messeauftritten und Roadshows neben Zusammenarbeit mit der Deutschen Zentra- le für Tourismus e. V. vor allem auf Kooperationen mit der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg, seit 2017 zusätzlich intensiviert durch eine dauerhafte medienübergreifende Strategie zur Verbreitung der Inhalte, die zu einer Erhöhung der Bekanntheit der Monumente und Angebote der SSG online wie auch im analo- gen Bereich führt. Alle Monumentflyer erscheinen auf Deutsch und Englisch. Bei besuchsstarken Monumenten existieren bis zu zehn Sprachversionen. Insgesamt gab es 2017 127 Versionen mit einer Gesamtauflage von 1.834.000 Exemplaren. Messen: Für das Auslandsmarketing nutzen die SSG sowohl Messen für Geschäftskundin- nen und -kunden, bei denen sie sich an Reiseveranstalter und -journalistinnen und -journalisten als Multiplikatoren wendet, als auch Tourismusmessen in den Nach- barländern, bei denen sie sich mit Erfolg direkt an die mögliche Endkundschaft wenden können. In der ersten Gruppe nutzen die SSG beispielsweise die ITB, Ber- lin GTM Germany Travel Mart, der größte Incoming-Workshop für das Reiseland Deutschland; in der zweiten Gruppe unter anderem die FESPO in Zürich und die Vakantiebeurs in Utrecht. 13
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Landtag von Baden-Württemberg                                                              Drucksache 16 / 3244 Roadshows: Die SSG stellen seit 2010 regelmäßig bei sogenannten Roadshows in den Zielkon- tinenten Nordamerika und Asien den direkten Kontakt zu ausländischen Multipli- katoren her. Ausbau des fremdsprachigen Internetangebots: Für das Auslandsmarketing wird der Internetauftritt der SSG immer wichtiger. Für die kommenden Monate ist die Einrichtung eines englischsprachigen Twitter- und Facebook Accounts geplant. Die Website der SSG soll eine Gesamtübersetzung ins Englische sowie weitere fremdsprachige Teilübersetzungen erhalten. Nutzung der Landesvertretungen in Berlin und Brüssel: Neben der Teilnahme an den Festveranstaltungen aus Anlass der Landesgründung 2012 sind für die Landesvertretung in Berlin vor allem die regelmäßigen Präsen- tationen der SSG in Zusammenarbeit mit Tourismus Baden-Württemberg auf den „Stallwächterpartys“ zu nennen. In der Landesvertretung in Brüssel war die SSG bislang nicht an einer Veranstaltung beteiligt. 8.	Wie haben sich der jährliche Aufwand und die erzielten Erträge hinsichtlich einer wirtschaftlichen Nutzung z. B. – sofern bekannt – im Vergleich mit anderen deutschen Schlösserverwaltungen in den letzten zehn Jahren entwickelt? Zu II. 8.: Eine vergleichbare Datenermittlung begann für die SSG mit der Neuorganisation zum 1. Januar 2009, wobei in den SAP-gestützten Finanzsystemen des Landesbe- triebs die neue SSG-Struktur ab dem 1. Januar 2010 umgesetzt war. Sowohl im Vergleich mit den anderen großen Einrichtungen zur Vermittlung des kulturellen Erbes in Baden-Württemberg als auch im Vergleich mit den drei anderen großen Schlösserverwaltungen in Deutschland zeigt sich, dass die SSG seit 2009 einen wirtschaftlich erfolgreichen Weg beschreiten konnten. Die SSG erzielten in der alten Struktur im Jahr 2008 vergleichbare Erträge in Höhe von 9,7 Mio. €. Die Erträge der SSG stiegen seitdem bis einschließlich 31. Dezember 2017 um 57 % auf 15,2 Mio. € im Jahr 2017. Der jährliche Aufwand der SSG stieg vom 1. Januar 2009 bis zum 31. Dezember 2016 um 36,7 % von 18,0 Mio. € auf 24,6 Mio. €. Zum Aufwand 2008 liegen keine Vergleichszahlen vor. Wesentlich für den wirtschaftlichen Erfolg der SSG waren die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Führungsgebühren. Rund zwei Drittel der SSG-Erträge ent- stammen dieser Quelle. Sie wuchsen seit der Neustrukturierung der SSG zum 1. Januar 2009 um 77 % auf 11,05 Mio. €. Den größten Anteil an den Einnahmen, die nicht aus Eintritten und Führungen kommen, haben Einnahmen aus Vermie- tung und Verpachtung einschließlich Gestattungen und Parkgebühren, die sich im Jahr 2017 auf 3,34 Mio. €. beliefen. In der Zusammenschau der Entwicklung der Besuchszahlen und der Einnahmeentwicklung bei Eintritten zeigt sich, dass die konsequente Positionierung als kulturtouristischer Dienstleister in Kombination mit engagierter Arbeit auch bei regelmäßigen Preisanpassungen der Eintritte kei- nen Besuchsverlust erzeugt, sondern im Gegenteil zu einer deutlichen Steigerung der Nachfrage am kulturellen Erbe des Landes führt und damit nicht nur das Ver- mittlungspotenzial der SSG erhöht, sondern zusätzlich das Einnahmevolumen der SSG deutlich ansteigen ließ. Ein Vergleich mit den Schlossverwaltungen in Deutschland ist durch die unter- schiedlichen Aufgabenprofile, Rechtsformen sowie durch Art und Umfang der zur Verfügung gestellten Daten nur sehr bedingt möglich. Für die Bayerische Schlös- serverwaltung stiegen die Einnahmen ohne Zuweisungen und Zuschüsse zwischen 2009 und 2017 um 23,2 % von 51,31 Mio. € auf 63,21 Mio. €. Die Ausgaben stiegen ohne Bau-, Energie-, und Mietaufwendungen um 23 % von 57,2 Mio. € auf 70,33 Mio. €. Für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Branden- burg sind vergleichbare Ausgaben nicht zu ermitteln. Die Erträge zwischen 2012 und 2016 sanken von 16,5 Mio. € auf 15,6 Mio. €. Für weitere Jahre lagen keine Angaben vor. Die Einnahmen aus Eintritten sanken zwischen 2012 und 2016 von 12,91 Mio. € auf 9,5 Mio. €. Die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen 14
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Landtag von Baden-Württemberg                                                            Drucksache 16 / 3244 gGmbH wurden 2012 gegründet. Die Daten für das Jahr 2009, als SBG Sachsen noch als Staatsbetrieb organsiert war, sind aufgrund eines anderen Aufgabenzu- schnitts nicht vergleichbar. Die Umsatzerlöse der gGmbH stiegen von 2013 bis 2017 um 15 % auf 9,68 Mio. €. III. Z  ur pädagogischen, demokratiepolitischen und gesell- schaftlichen Nutzung der landeseigenen Kulturliegen- schaften: 1.	Inwiefern werden die SSG-Monumente für die Vermittlung pädagogischer Fra- gen hinsichtlich des Wissens um die historische Entwicklung Baden-Württem- bergs und seiner Regionen, der Bedeutung von Denkmalschutz und Denkmaler- halt, der Verantwortung gegenüber der Geschichte und zur politischen Bildung genutzt? Zu III. 1.: Die Kulturliegenschaften des Landes bieten ein einzigartiges, nahezu unerschöpf- liches Potenzial an Vermittlungsmöglichkeiten. Die kontinuierlich steigenden Besuchszahlen in den SSG-Monumenten belegen, dass in breiten Bevölkerungs- kreisen ein großes Interesse an Tradition und Geschichte vorhanden ist und hier weiteres Potential noch ausgeschöpft werden kann. Die Schlösser, Klöster, Burgen, Ruinen und historische Gärten Baden-Württembergs sind einzigartige außerschuli- sche Lernorte der Landesgeschichte, die immer zugleich das Verständnis für Denk- malschutz und die gesellschaftliche Notwendigkeit des Denkmalerhalts wecken. Die SSG bieten dabei ein breites Angebot an erlebnisorientierten Vermittlungsfor- maten, die sich speziell an Schulkassen, Kinder und Jugendliche richten. Unter- haltsam und lebendig gestalteten Führungen sollen die Schülerinnen und Schüler motivieren, ihre eigene Kultur und die Geschichte ihres Landes wertzuschätzen. Das Programmangebot ist auf den Bildungsplan der Schulen abgestimmt. Die vielen verschiedenen Vermittlungsformate der SSG bieten für jede Altersstufe eine große Auswahl. Insgesamt können 103 unterschiedliche Schulklassenführun- gen in den Monumenten der SSG gebucht werden. Die Führungsangebote orientie- ren sich dabei an Klassenstufen, Unterrichtsfächern sowie Schularten und eröffnen so einen facettenreichen Zugang zu den Originalschauplätzen: fachkundig, spiele- risch und interaktiv. An den barocken Residenzschlössern Mannheim, Ludwigs- burg und Rastatt beispielsweise kann das Zeremoniell an einem absolutistischen Fürstenhof in den Vor- und den Audienzzimmern spielerisch nacherlebt werden. Im Kloster Bebenhausen, dem Sitz des ehemaligen Landtages von Württemberg- Hohenzollern, können Oberstufenschülerinnen und -schüler in Rollenspielen die Entwicklung der politischen Beteiligung in Südwestdeutschland kennenlernen. Diese Schulklassenangebote können in zehn nach Regionen aufgeteilten Schul- klassenbroschüren oder auf der Homepage nachgelesen werden. 2.	Inwiefern kooperieren die SSG hierbei (z. B. mit der Landeszentrale für politi- sche Bildung oder weiteren Institutionen sowie Vereinen) und fördern Veranstal- tungen durch Nutzungsüberlassung oder finanziell auch mit Mitteln aus Bund, EU und aus privaten Quellen? Zu III. 2.: Die SSG kooperieren mit zahlreichen Bildungsinstitutionen und kulturgeschicht- lich ausgerichteten gemeinnützigen Vereinen, welche die nachhaltige Kulturarbeit der SSG unterstützen. Regelmäßig oder projektbezogen werden gemeinsame Ver- anstaltungen, Tagungen, Feste, Werbemaßnahmen und Messeauftritte durchge- führt. Räume in den Schlössern, Klöstern und Burgen des Landes Baden-Württem- berg werden von den SSG häufig als Veranstaltungsorte zur nichtkommerziellen kulturellen Nutzung überlassen. Für die Entwicklung des aktuellen Schulklassenangebotes kooperierten die SSG mit der Koordinationsstelle für die Arbeitskreise Landesgeschichte im Ministeri- um für Kultus, Jugend und Sport, dem Kompetenzzentrum für geschichtliche Lan- deskunde im Unterricht im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. 15
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Landtag von Baden-Württemberg                                                           Drucksache 16 / 3244 Im Rahmen der „Themenjahre“ erfolgten und erfolgen projektbezogene Koopera- tionen mit z. B. dem Heilbäderverband Baden-Württemberg e. V., den Evangeli- schen Landeskirchen in Baden und Württemberg, dem Diözesanmuseum Rotten- burg, der Eberhard Karls Universität in Tübingen, der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg, dem Naturpark Schönbuch und der General- direktion Kulturelles Erbe Rheinland Pfalz. Regelmäßige gemeinsame Kooperationen zu Vermittlungs- und Besuchsangebo- ten verbinden die SSG mit dem Badischen Landesmuseum, dem Landesmuseum Württemberg, der Staatsgalerie Stuttgart, dem Archäologischen Landesmuseum, dem Wehrgeschichtlichen Museum in Rastatt, dem Kurpfälzischen Museum in Heidelberg, dem Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim und zahlreichen Städ- tischen Museen. Die interdisziplinär ausgerichtete wissenschaftliche Forschungsarbeit bildet die Grundlage der Kulturarbeit. Hierfür wurden zahlreiche Forschungsprojekte auf Kooperationsbasis auf den Weg gebracht: Die SSG kooperieren mit dem Lan- desamt für Denkmalpflege, dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart, dem Generallan- desarchiv Karlsruhe, der Universitätsbibliothek Mannheim, den Universitäten Dortmund, Kiel, Leipzig, München, Mainz, Weimar, Mannheim, Tübingen und Karlsruhe, dem Rudolstädter Arbeitskreis zur Residenzkultur, dem Arbeitskreis Orangerien in Deutschland e. V., der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Lan- deskunde am Oberrhein, der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden- Württemberg, dem Historischen Verein Württemberg-Franken, dem Landesverein Badische Heimat e. V., dem Württembergischen Geschichts- und Altertumsvereins e. V., der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finan- zen Ludwigsburg, der Filmakademie Baden-Württemberg und dem Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg e. V.. 2021, zum 175. Jubiläum der Einweihung, planen die Wilhelma und die SSG, die Damaszenerhalle dauerhaft mit einer Ausstellung der letzten originalen Ausstat- tungsstücke aus den Depots der SSG zu präsentieren. Damit wird erstmals wieder seit Ende des 2. Weltkrieges ein umfassender Blick auf die kostbare Einrichtung dieses einzigartigen Refugiums möglich. Zudem erarbeiten die SSG im Rahmen der Digitalisierungsoffensive Baden-Württemberg die virtuelle Rekonstruktion des zerstörten königlichen Wohnhauses, des sogenannten „maurischen Landhauses“. Der einzigartigen Bedeutung von Schloss Heidelberg als einem der weltweit be- kanntesten Kulturdenkmäler und als hochbedeutender Ort der Literaturgeschichte trägt die SSG in einer Kooperation mit der „UNESCO City of Literature Heidel- berg“ Rechnung. Untrennbar sind Schlösser und Klöster mit der Musik verknüpft. Zu diesem Thema haben sich zahlreiche Gemeinschaftsprojekte entwickelt, bei- spielsweise mit der Gesellschaft für Musikgeschichte Baden-Württemberg, der Forschungsstelle Hofmusik der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Mozartgesellschaft Schwetzingen sowie für das Projekt „Klingende Residenz“ mit dem Vocalensemble Rastatt. Forschungsarbeit zu Technologie und Materialkunde bildet den Grundstock für Erhalt, fachgerechte Restaurierung, Konservierung und Instandsetzung. Die Res- tauratorinnen und Restauratoren der SSG haben gemeinsame Forschungsprojekte mit der Technischen Hochschule Köln, Fakultät für Konservierungswissenschaften (Restaurierung und Konservierung von Textilien und archäologischen Fasern so- wie Europäischer Lack im asiatischen Stil), der Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart (DBU-Projekt Luftschadstoffe in Innenräumen von Museen und histo- rischen Gebäuden), der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart (Technolo- gie der Malerei) und zum Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim (Materialbestimmung am Silberservice im Mannheimer Schloss). Das gemeinsa- me Forschungsprojekt mit dem Fraunhofer Institut zum Thema „Glaskorrosion“ wurde 2015 gestartet und ist international von herausragender Bedeutung, da hier Grundlagenforschung für den Erhalt historischer Glaskunstwerke betrieben wird. Der finanzielle Umfang beträgt ca. 150.000,00 €, der zeitliche Umfang 3,5 Jahre. Besondere Relevanz besitzt das Projekt insbesondere für die SSG, denn in ihrem Besitz befinden sich ca. 900 historische Glasobjekte. 16
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Landtag von Baden-Württemberg                                                                         Drucksache 16 / 3244 3.	Verfügen die SSG über spezielle zielgruppenspezifische Angebote, um die Ge- schichte und Kultur Baden-Württembergs z. B. Kindern, Menschen mit Behin- derung oder Menschen mit Migrationshintergrund auch jenseits des touristisch erlebbaren Wertes zu vermitteln? Zu III. 3.: Die SSG bieten ein vielfältiges und spezifisches Vermittlungsangebot für alle Bür- gerinnen und Bürger des Landes Baden-Württemberg. Zielgruppengerechten An- geboten und innovativen Vermittlungsformaten wird besondere Aufmerksamkeit zuteil, bestehende Konzeptionen befinden sich in einem dynamischen Prozess der Erweiterung. Die interne Arbeitsgruppe „Zukunftswerkstatt SSG“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Blick in die Zukunft und damit auch auf den bevorstehen- den demographischen Wandel zu richten. Speziell konzipierte Angebote und Führungen richten sich an Menschen aller Al- tersstufen mit verschiedenen Beeinträchtigungen: Barrierefreiheit für Rollstuhlfah- rerinnen und -fahrer, Hilfestellung für Gehbehinderung wie Führungen im Sitzen oder „Easy-going-Rundgänge“, Tast- und Geruchsführungen für Sehbehinderte, Gebärdensprache für Hörbehinderung oder Führungen in einfacher Sprache bzw. für Demenzkranke. Neben den Führungen stellen die SSG auch zahlreiche mobile und dauerhaft eingebaute technische Hilfen zur verbesserten barrierefreien Teilha- be bereit. Aktuell untersucht eine Fachagentur die besuchsstarken Monumente der SSG umfassend auf Verbesserungsmöglichkeiten für die barrierearme Teilhabe. In Zusammenarbeit mit der PH Heidelberg wird aktuell Schloss Heidelberg auf ver- besserte Möglichkeiten der Inklusion hin untersucht. Innerhalb des Leuchtturm- projektes „Virtuelle Besichtigung ohne Barrieren“ der Digitalisierungsinitiative Baden-Württembergs werden zudem innovative Vermittlungsformate in moderns- ter Technik für Menschen mit Beeinträchtigung umgesetzt. Spezifische Angebote und Projekte richten sich an Menschen mit Migrationshinter- grund. Diese Formate intendieren eine Kulturvermittlungsfunktion über die Aus- einandersetzung mit der Geschichte des Landes wie der Monumente, gemeinsame Wurzeln im kulturellen Erbe zu entdecken. Eine Arbeitsgruppe „Zukunftswerkstatt SSG“ befasst sich kontinuierlich mit dem transkulturellen Öffnungs- und Diver- sifizierungsprozess der SSG. Fremdsprachige Führungsprogramme in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch zählen zum Standard der meisten Monumente, für Schloss Heidelberg sind insgesamt 20 Fremdsprachen buchbar. Zielgruppenspezifische Angebote richten sich ebenso an Schulklassen, um am Lehrplan orientierte Themen am Monument erlebbar zu machen. Vgl. Frage III-1. I V. 	Z u r n a c h h a l t i g e n u n d z u k u n f t s g e r i c h t e t e n We i t e r e n t - wicklung der Kulturliegenschaften des Landes: 1.	Welche Strategie verfolgen die SSG, um die Wirtschaftlichkeit des Erhalts und der Nutzung der Kulturliegenschaften zu verbessern und diese somit nachhaltig für die Bewohnerinnen und Bewohner des Landes und seine Gäste zu sichern? Zu IV. 1.: Die SSG entwickeln fortlaufend innerhalb des vorhandenen Etats neue Vermitt- lungsangebote, um damit neue Besuchergruppen zu interessieren. Die bisherige Entwicklung bei Einnahmen, Besuchszahlen, Bekanntheit und Besucherzufrieden- heit belegen die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen. Die bedeutendste Aufgabe der SSG bleibt dabei, die umfassende Teilhabe am kul- turellen Erbe zu ermöglichen. Ziel ist es, dauerhaftes Interesse für die Geschichte des Landes und seine Denkmale und das Verständnis der Bevölkerung für die Tra- dition Baden-Württembergs und den Wert des kulturellen Erbes zu entwickeln. Die dabei erzielten Erträge werden in den Erhalt der Sammlungen, historischen Gärten, Denkmalerhalt und die Verbesserung des Vermittlungsangebots reinvestiert. Die Bewahrung des kulturellen Erbes ist dabei oberstes Gebot. Nutzung und Öff- nen darf nicht zu Zerstörung oder Beschädigung des Denkmals führen. Vermie- 17
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Landtag von Baden-Württemberg                                                             Drucksache 16 / 3244 tungen und Verpachtungen bringen stabile Erträge, für die Schlossshops erarbeitet aktuell eine Arbeitsgruppe Strategien zur weiteren Umsatzsteigerung. In der Dritt- mittelakquise liegt weiteres Potential. Die ertragreichste Einnahmequelle der SSG sind Eintritte und Führungsgebühren. Die SSG werden daher ihre konsequente kulturtouristische Ausrichtung fortsetzen und in Zusammenarbeit mit den Tourismuseinrichtungen des Landes und den Ak- teuren benachbarter touristischer Felder wie Wandern, Genuss, Natur zusätzliche Zielgruppen erreichen. Mit der kulturtouristischen Expertise der SSG können darüber hinaus weitere lan- deseigene Kulturliegenschaften entwickelt werden. So wird z. B. die Sammlung Domnick bei Nürtingen von den SSG seit 2017 im Rahmen eines Geschäftsbe- sorgungsvertrages mit Erfolg betreut: Bereits im ersten Jahr verdoppelten sich die Besuchszahlen, die Umsatzerlöse steigerten sich bei stabilem Etatansatz um 67 %. 2.	Kooperieren die SSG mit Trägern öffentlicher Verkehrsmittel z. B. durch Kombi- tickets für Anreise und Eintritt oder streben sie sonstige Maßnahmen an, wie die Einrichtung von (E-)Shuttle-Bussen, Anpassung der Fahrpläne und Linienfüh- rung, um den Besuch der landeseigenen Kulturliegenschaften umweltverträgli- cher auszurichten? Zu IV. 2.: Die SSG kooperieren mit etlichen Trägern öffentlicher Verkehrsmittel, z. B. mit der Heidelberger Straßen- und Bergbahn GmbH, der Deutschen Bundesbahn, dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und dem Naldo Verkehrsverbund Neckar-Alb- Donau GmbH. Die Kooperationen wurden geschlossen mit dem Ziel gegenseitiger Bewerbung und der Schaffung eines Anreizes, dass Besucherinnen und Besucher der SSG-Monumente mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Die Gäste, die mit einem Tagesticket der beteiligten Verkehrsunternehmen in eines der SSG-Monu- mente kommen, erhalten eine Ermäßigung in der Regel in Höhe von 10 % auf den regulären Eintrittspreis. Mittelfristig ist vorgesehen, alle SSG-Monumente in eine Kooperation mit Trägern öffentlicher Verkehrsmittel einzubinden. In Heidelberg besteht durch die Einführung des sogenannten Schlosstickets im Jahr 2010 eine Kooperation der SSG mit der Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG (HSB). Dieses Ticket berechtigt sowohl zur Fahrt mit der Bergbahn als auch zum Eintritt in das Schloss. Mit Hilfe der Einführung des Kombitickets ist es ge- lungen, den Individualverkehr am Schlossberg Heidelberg zahlenmäßig deutlich zu reduzieren. Im Jahr 2014 wurden 42 % aller Tickets, die auch zum Eintritt in das Heidelberger Schloss berechtigen, an den Bergbahnkassen gelöst. Für einzelne Monumente, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln derzeit noch nicht zu erreichen sind, wird versucht, die Linienführung der Busse so zu ändern, dass eine umweltverträgliche Anreise möglich ist. Hier ist beispielhaft die Hochburg bei Emmendingen zu nennen. 3.	Planen die SSG die Anreise bzw. Erreichbarkeit per Fahrrad attraktiver zu ge- stalten, z. B. durch Radabstellanlagen und E-Bike-Ladesäulen für Radtouristin- nen und Radtouristen? Zu IV. 3.: Die SSG sind bestrebt, die Anreise und Erreichbarkeit der überlassenen Kultur- objekte per Fahrrad auszubauen bzw. zu verbessern. Zu diesem Zweck wurde der ADFC in einem ersten Schritt mit einer Untersuchung beauftragt, die eine entspre- chende Anbindung einzelner Monumente zum Gegenstand hat. Die Infrastruktur in den einzelnen Objekten stellt sich wie folgt dar: 19 von 48 Standorten verfügen be- reits über geeignete Fahrradabstellplätze, weitere 4 Monumente werden noch 2018 mit Abstellplätzen ausgestattet. Aktuell besteht in 15 Kulturobjekten die Möglich- keit, E-Bikes aufzuladen. An weiteren vier Standorten ist dies in der Planung. Die Lademöglichkeit besteht nicht allein durch Ladesäulen, sondern auch durch die Möglichkeit, den Akku am ausgewiesenen Servicepoint abzugeben. 18
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Landtag von Baden-Württemberg                                                          Drucksache 16 / 3244 4.	Haben die SSG die Möglichkeit, die eigenen oder verpachteten gastronomi- schen Betriebe z. B. durch eine Ausrichtung nach den Slow-Food-Kriterien oder durch Einkauf regionaler Lebensmittel nachhaltiger auszurichten? Zu IV. 4.: In den Gastronomiepachtverträgen der SSG gibt es keine Vorgaben für die Lebens- mittelbeschaffung. Entsprechende vertragliche Regelungen wären nicht durchsetz- bar. Die SSG versuchen, die Gastronomen zu überzeugen, auf freiwilliger Basis fair gehandelte, nachhaltig und regional erzeugte Produkte zu verwenden und ihnen zu vermitteln, welche Chance diese für den gastronomischen Betrieb darstellen: für die Neukundengewinnung, die Verbesserung ihrer Chancen im Wettbewerb, aber auch, um einen konkreten Beitrag für eine gerechtere Welt zu leisten. Im vergan- genen Jahr haben die SSG alle 19 Gastronomen angeschrieben und auf die „Faire Woche“ als größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland aufmerksam gemacht. Auch 2018 werden die SSG im Rahmen des Themenjahres „Von Tisch und Tafel“ wieder die Initiative ergreifen und verstärkt darum werben, der Grundhaltung der Slow-Food-Bewegung entsprechende regionale Produkte und Gerichte anzubie- ten. Die SSG stellen den Restaurants dafür kostenlose Speisekarten und Tischauf- steller mit dem Layout des Themenjahres zur Verfügung. Zudem unterstützen die SSG entsprechende Initiativen vor Ort. So wurde in Heidelberg die Anlage eines Apotheker- (Museum) und Kräutergartens (Gastronomie) mit einer anlagengene- tischen Untersuchung zur Klärung und behördlichen Abstimmung eines denkmal- pflegerisch verträglichen Standortes unterstützt und in der Umsetzung beraten. 5.	Was unternehmen die SSG, um die Bewirtschaftung der Kulturliegenschaften ökologischer auszurichten, z. B. in puncto Biodiversität der Anlagen und Pes- tizideinsatz bei der Grünflächengestaltung und -pflege sowie bei der Gebäude- pflege? Zu IV. 5.: In den historischen Gärten der SSG (Außenanlagen und Orangerien) werden be- reits seit Jahren überwiegend mechanisch oder biologisch (Bacillus thuringiensis, Nematoden zur Schneckenbekämpfung) Unkraut- und Schädlingsbekämpfung durchgeführt. Die Gärtnerinnen und Gärtner der Regiebetriebe werden dazu fort- laufend geschult. Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben des Bundesamts für Ver- braucherschutz und Lebensmittelsicherheit müssen in geringem Maße Mittel aus der Gruppe der Fungizide und Insektizide verwendet werden. Zur Düngung kommen fast ausschließlich Bio-Substrate zum Einsatz. Organisch- mineralische Dünger finden lediglich auf den Rasen- und Heckenflächen Verwen- dung. Auf allen anderen Kulturflächen werden ausschließlich organische Dünger und Grünkompost eingesetzt. Für in Kübelkultur gehaltene Orangerie-Pflanzen werden Spezialsubstrate ohne Torfanteil verwendet, in Favorite wird das Substrat durch die dortigen Gärtner selbst gemischt. Die Gärtnerei im Botanischen Garten in Karlsruhe versteht sich geradezu als Bio- Betrieb. Es werden ausschließlich organische Dünger, Pflanzenhilfsstoffe, die für den Bio-Anbau zugelassen und zertifiziert sind, und Nützlinge zur Bekämpfung saugender und beißender Insekten eingesetzt. Ein weiterer Schritt wird künftig die vollkommen torffreie Gärtnerei sein. Darüber hinaus arbeiten die SSG verstärkt mit Naturverjüngung sowie dem Ver- pflanzen und Aufschulen von Sämlingen aus den historischen Gärten, etwa von den alten, auch naturschutzfachlich bedeutenden Eichen. In Heidelberg werden die Wiesenflächen der Steillagen seit Ende der 1990er Jahre im Rahmen eines Beweidungsprojektes als extensiv genutzte Ganzjahresweiden genutzt. Ziel dieser Beweidungsform ist es, eine Entwicklung der Flächen zu ei- nem möglichst naturnahen Zustand zu gewährleisten und diese alten Allmenden 19
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Landtag von Baden-Württemberg                                                             Drucksache 16 / 3244 offen zu halten. Die Beweidung wird ohne Pflanzenschutz- oder Düngemittel be- trieben. Bei der Weidepflege werden die Weideflächen zur Zurückdrängung von unerwünschtem, dornigem Gehölzaufwuchs (Brombeer-, Kratzbeerenaufwuchs) einmalig im Winter gemäht. Im Rahmen eines Amphibienschutzprojektes werden die u. a. bei den Wasserbecken des Gartens vorkommende geschützte Arten wie Feuersalamander, Bergmolch, Grasfrosch und Erdkröte von den Naturschutzver- bänden betreut. Die Bewirtschaftung der Wasserbecken wurde vom Regiebetrieb entsprechend den sensiblen Lebensräumen angepasst. Zum Schutz der örtlichen Fledermauspopulation verzichten die SSG seit 2016 auf den Weihnachtsmarkt am Heidelberger Schloss. In Schwetzingen werden in den landschaftlichen Gartenteilen seit 2015 in einem wissenschaftlich begleiteten Prozess von ehemaligen Scherrasen auf zweischürige Wiesen umgestellt, was einerseits die Biodiversität fördert und andererseits einen verstärkten Blühaspekt mit sich bringt. Zur gezielten Förderung der Wiesenent- wicklung wurde auf Teilflächen die Methode der Mähgutübertragung angewendet. Vergleichbares gilt für Wiesenflächen im Schlossgarten Rastatt-Favorite. Der Artenschutz spielt bei allen Pflege- und Betriebsentscheidungen eine gewich- tige Rolle. Zahlreiche Monumente der SSG – Gebäude wie Gärten – bieten ei- ner Vielzahl unterschiedlicher Arten Lebensraum, z. B. Hasen, Turmfalken, Uhus und Wendehälse, verschiedenen Arten von Fledermäusen, Reptilien, Amphibien, Schmetterlingen und Käfern. Bei allen baulichen Maßnahmen wird auf geschützte Tier- und Pflanzenarten besonders Rücksicht genommen. Soweit die Gebäudereinigung von Dienstleistungsunternehmen durchgeführt wird, sind die „Besonderen Vertragsbedingungen“ des Landes Baden-Württemberg Ver- tragsbestandteil. Hier wird darauf hingewiesen, dass umweltverträglichere Verfah- ren und Mittel anzuwenden sind. Darüber hinaus soll in Zukunft in den Vertrags- bedingungen auf die Broschüre „Saubere SacheN! – Wegweiser für nachhaltige Reinigungsdienstleitungen verwiesen werden. Die Auftragnehmer werden damit verpflichtet, die Mindestkriterien der Broschüre einzuhalten. 6.	Verfügen die SSG über einen Masterplan für den Erhalt der Monumente, der die energetische Sanierung und den Einsatz von erneuerbaren Energiegewinnungs- quellen für die landeseigenen Kulturliegenschaften in Erwägung zieht? Zu IV. 6.: Das 2012 vom Ministerrat beschlossene „Energie- und Klimaschutzkonzept für landeseigene Liegenschaften“ sieht Maßnahmen in den Handlungsfeldern energe- tische Sanierung, erneuerbare Energien, Energiestandard und Energiemanagement vor, um CO2-Ziele für die Landesgebäude einschließlich der landeseigenen Kultur- liegenschaften bis 2020 bzw. 2030 zu erreichen. Bis zum Jahr 2020 sollen mindes- tens 40 % und bis zum Jahr 2030 mindestens 60 % CO2 gegenüber 1990 reduziert werden. Auf Grund denkmalrechtlicher Vorgaben und der sensiblen Bausubstanz bei den Gebäuden der SSG kann es im Einzelfall Einschränkungen bei bestimmten Technologien geben. 7.	Welche Möglichkeiten sehen die SSG, die gleichberechtigte Teilhabe von Men- schen mit Behinderung nach der UN-Behindertenrechtskonvention bei der Wei- terentwicklung der Erholungs-, Freizeit-, Bildungs- und kulturellen Angebote insbesondere im Hinblick auf die Zugänglichkeit baulicher Einrichtungen zu berücksichtigen? Zu IV. 7.: Im Rahmen verschiedener Untersuchungen prüfen die SSG die Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe von Menschen mit besonderem Betreuungsaufwand. Derzeit erfassen die SSG den Status Quo an den neun besuchsstärksten Objekten. Hieraus resultierend werden kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen erarbeitet werden, welche Menschen mit Sicht-, Hör-, Mobilitätseinschränkungen als auch mit kog- nitiven Einschränkungen einen Besuch in den Kulturliegenschaften ermöglichen sollen. Ein Aspekt liegt dabei auch auf der Berücksichtigung von mittelfristig nicht barrierefrei erschließbaren denkmalgeschützten Räumen und Arealen. 20
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