Entwicklungsperspektiven für die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 Die Studiengangsleitungen der DHBW pflegen einen regelmäßigen Austausch mit den Ausbildungsleitungen der Dualen Partner. Dozentinnen und Dozenten aus den Reihen der Dualen Partner nehmen Lehraufträge an der DHBW wahr und wirken bei der Abnahme von Prüfungen mit. Ein wesentliches Element der engen Bindung zwischen der DHBW und den Dualen Partnern ist die Entsendung von Lehrbeauftragten aus den Reihen der Dualen Partner. Die Bereitschaft der Dualen Partner, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Durchführung von Lehrver- anstaltungen an der DHBW zu entsenden oder gar freizustellen, ist jedoch in den vergangenen Jahren erheblich zurückgegangen. Dies nicht zuletzt vor dem Hinter- grund, dass auch die Dualen Partner mit dem zunehmenden Fachkräftemangel umgehen müssen. In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage der Dualen Partner nach Studienplät- zen kontinuierlich gestiegen, wobei es ihnen nicht immer gelingt, in gleichem Maß Studierende zu gewinnen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor der DHBW ist die schnelle Reaktion auf anwendungsorientierte Bedarfe der Partnerunternehmen und der so- zialen Einrichtungen. Die Absolventinnen und Absolventen der DHBW sind zu- dem sofort produktiv einsetzbar, ihre beruflichen Laufbahnen verlaufen über- durchschnittlich erfolgreich und in den meisten Fällen besteht eine hohe Bindung zum Arbeitgeber, was in Zeiten des Fachkräftemangels von besonderer Bedeu- tung ist. Die DHBW hat insbesondere den für die Dualen Partner immer wichtiger werdenden Bereich der Digitalisierung zunehmend in ihren Curricula verankert. Die veränderten Qualifizierungsbedarfe von Unternehmen und sozialen Einrich- tungen lassen weiterhin eine andauernde Nachfrage erwarten. In einigen Berei- chen (z. B. Handel und Banken) sinken die Studierendenzahlen, während sich technische Studiengänge und solche mit IT-Bezug zunehmender Beliebtheit er- freuen. 5. Welche empirischen Befunde und welche Rückmeldungen von DHBW-Rektoren liegen ihr zur Studierfähigkeit von Studienanfängern und zum Qualitätsniveau bei den Absolventen vor? Studierfähigkeit von Studienanfängerinnen und Studienanfängern Die Studierfähigkeit der Studierenden spiegelt sich in den im Vergleich hohen Er- folgsquoten (Anteil der Studierenden in einem Anfängerjahrgang, die ihr Studium erfolgreich abschließen) wider. Zu beobachten ist zugleich, dass Studierende mit Fachhochschulreife seltener ihr Studium erfolgreich abschließen als ihre Kommi- litonen mit allgemeiner Hochschulreife. Insgesamt ist eine zunehmende Heteroge- nität der Studienanfängerinnen und -anfänger hinsichtlich ihres Vorwissens fest- zustellen, was so auch aus den Rektoraten der Studienakademien zurückgemeldet wird. 11
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 Abbildung: Erfolgsquoten nach Hochschulzugangsberechtigung und Anfängerjahr- gang ϵϱ͕Ϭй ϵϬ͕Ϭй ϴϱ͕Ϭй ϴϬ͕Ϭй ϳϱ͕Ϭй ϳϬ͕Ϭй ϲϱ͕Ϭй ϲϬ͕Ϭй ϱϱ͕Ϭй ϱϬ͕Ϭй :Ő͘ϮϬϭϭ;EсϱϲϵͬϲϭϵϬͿ :Ő͘ϮϬϭϮ;EсϲϳϵͬϲϲϮϱͿ :Ő͘ϮϬϭϯ;EсϳϳϬͬϲϭϮϰͿ :Ő͘ϮϬϭϭ;EсϰϰϳͬϯϮϳϭͿ :Ő͘ϮϬϭϮ;EсϱϭϴͬϯϴϵϬͿ :Ő͘ϮϬϭϯ;EсϱϲϯͬϯϱϰϮͿ :Ő͘ϮϬϭϭ;EсϭϲϮͬϲϭϱͿ :Ő͘ϮϬϭϮ;EсϭϵϰͬϲϯϳͿ :Ő͘ϮϬϭϯ;EсϭϳϮͬϲϱϴͿ tŝƌƚƐĐŚĂĨƚ dĞĐŚŶŝŬ ^ŽnjŝĂůǁĞƐĞŶ &,ͲZĞŝĨĞ ůůŐ͘,ŽĐŚƐĐŚƵůƌĞŝĨĞ ,tŝŶƐŐĞƐĂŵƚ Zur Begleitung der Studieneingangsphase bestehen an allen Standorten der DHBW Angebote im Bereich Vorstudium, um mangelnde Fachkenntnisse, insbe- sondere in der Mathematik, auszugleichen und diese zu verbessern. Auf zentraler Ebene wird die Entwicklung relevanter Kennzahlen beobachtet und ausgewertet, darunter beispielsweise die Erfolgsquoten in unterschiedlichen Studierendengrup- pen. Zudem wurde 2015 an der DHBW ein auf vier Jahre angelegtes Studienver- laufspanel zur Analyse der Gründe für Studienabbrüche an der DHBW initiali- siert. Qualitätsniveau von Absolventinnen und Absolventen Die DHBW unterzieht ihr Prüfungswesen sowie die Bewertung der Bachelor- und Masterarbeiten bereits seit Jahren einer externen Begutachtung durch Professorin- nen und Professoren anderer Hochschulen. Diese bescheinigen der DHBW durch- gängig eine sehr hohe Qualität. Die hohe Qualität drücke sich nicht nur in einer hohen Beschäftigungsbefähigung aus, sondern insbesondere auch darin, dass die Absolventinnen und Absolventen der DHBW zugleich befähigt seien, sich in allen tertiären Bildungssystemen weiterzuentwickeln, insbesondere auch in Masterstu- diengängen anderer Hochschulen. Ein Indikator für das Qualitätsniveau der Ab- solventinnen und Absolventen ist die hohe Übernahme- und Beschäftigungsquote, also der Anteil an Absolventinnen wie Absolventen, die direkt im Anschluss an ihr Studium einen Arbeitsplatz erhalten haben. Aufgrund der steigenden Tendenz, direkt im Anschluss an das Bachelor-Studium ein Master-Studium aufzunehmen, wurden dabei die Absolventinnen und Absolventen hinzugerechnet, die sich aus eigener Motivation (nicht aufgrund eines fehlenden Jobangebots) für die Aufnah- me eines Vollzeitstudiums entschieden haben. Die nachfolgenden Daten zeigen die Ergebnisse der DHBW-eigenen Verbleibbefragung (Befragung der Studieren- den am Ende des 3. Studienjahres). 12
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 Tabelle: Übernahmequote und Übergang in Masterstudiengänge (Studienjahr 2016/ 2017)5 =DKOGHU $Q]DKOGHU (LQHQ$UEHLWVSODW]EHNRPPHQKDEHQ (LQ+RFK JHVDPW HUIROJUHL 5FNPHO VFKXOVWXGLXP FKHQ$E GXQJHQ KDEHQDXIJH VFKOVVH GHU$EVRO QRPPHQ LP6WX YHQWHQ DOV9ROO GLHQMDKU EHUGHQ LQGHU LQHLQHU LQHLQHUDQ JHVDPW ]HLWVWXGLXP 9HUEOHLE $XVELO DQGHUHQ GHUHQ)LUPD DXVHLJHQHU %DVLVIU GXQJVVWlWWH )LUPD(LQ (LQULFKWXQJ 0RWLYDWLRQ GLH3UR E]ZLP ULFKWXQJ ZHLOLQ$XV ]HQWELO .RQ]HUQ REZRKOLQ ELOGXQJV GXQJHQ $XVELO VWlWWHNHLQ GXQJVVWlWWH $UEHLWVSODW] $UEHLWVSODW] YRUKDQGHQ YRUKDQGHQ ZDU ZDU +HLGHQKHLP 7HFKQLN :LUWVFKDIW 6R]LDOZHVHQ +HLOEURQQ :LUWVFKDIW .DUOVUXKH 7HFKQLN :LUWVFKDIW /|UUDFK 7HFKQLN :LUWVFKDIW 0DQQKHLP 7HFKQLN :LUWVFKDIW 0RVEDFK 7HFKQLN :LUWVFKDIW 6WXWWJDUW 7HFKQLN :LUWVFKDIW 6R]LDOZHVHQ 6WXWWJDUW+RUE 7HFKQLN 9LOOLQJHQ6FKZHQ QLQJHQ :LUWVFKDIW 6R]LDOZHVHQ =XVDPPHQ GDYRQ 7HFKQLN :LUWVFKDIW 6R]LDOZHVHQ _____________________________________ 5 Die Statistik für das Studienjahr 2018 liegt noch nicht final vor. 13
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 Zudem wird seit 2012 jährlich vom Statistischen Landesamt im Auftrag des Wis- senschaftsministeriums sowie der DHBW eine Absolventenbefragung durchge- führt, zu der jeweils die Absolventinnen und Absolventen befragt werden, deren Abschluss an der DHBW ein bzw. fünf Jahre zurückliegt (Absolventenstudie 2017: Abschlussjahrgänge 2012 und 2016). Die Absolventenstudie 2017 unter- streicht den Erfolg der Absolventinnen und Absolventen in der Arbeitswelt und knüpft damit an die Ergebnisse der bisherigen Absolventenbefragungen an. Die bisherigen Absolventenbefragungen liefern in vielen Punkten, insbesondere hin- sichtlich der Bewertung von beruflicher Situation und Studium identische oder nur gering voneinander abweichende Ergebnisse. Darin zeigt sich ein stabiles Einschätzungsbild, das insbesondere einen reibungslosen Übergang der Absol- ventinnen und Absolventen in den Arbeitsmarkt und eine sehr positive Entwick- lung der Absolventinnen und Absolventen in ihren Unternehmen und sozialen Einrichtungen dokumentiert: – Aufgrund der hohen Übernahmequote erübrigt sich für die meisten Befragten die Stellensuche. 71 % der Antwortenden befanden sich gar nicht erst auf der Suche nach einer Stelle, sondern wurden größtenteils direkt von ihrem Unter- nehmen übernommen, oder begannen ein weiteres Studium. – Diejenigen, die nach einer Beschäftigung suchten, hatten schnell Erfolg. Sie benötigten im Durchschnitt 2,2 Monate, 11,4 Bewerbungsversuche und 3,1 Be- werbungsgespräche, um eine Stelle zu finden. – Die Absolventinnen und Absolventen gehen insgesamt gesehen nach dem Stu- dium überwiegend direkt in unbefristete Stellen. – Nach 5 Arbeitsjahren ist das Gehaltsniveau gegenüber dem Berufseinstieg merk- lich angestiegen und fast alle beschäftigten Absolventinnen und Absolventen haben einen unbefristeten Vertrag. – Die Aufnahme eines weiteren Studiums im Anschluss an den Bachelor-Ab- schluss ist eine gern gewählte Option. Als Grund wurde überwiegend eigenes Interesse an einem weiteren Studium angegeben, nur in 7 % der Fälle ein feh- lendes Jobangebot. – Die berufliche Situation wird überwiegend als dem Studium angemessen emp- funden, besonders Arbeitsinhalte, -atmosphäre und Ausstattung werden positiv bewertet. 6. Welche Entwicklung haben die Studienabbrüche an der DHBW (aufgeschlüs- selt nach Studiengängen und Standorten) in den letzten Jahren genommen und welche Gründe bzw. Einflussfaktoren fallen hierbei ins Gewicht? Die Erfolgsquoten (Anteil der Studierenden in einem gemeinsamen Anfängerjahr- gang, die ihr Studium erfolgreich abschließen) liegen insgesamt auf einem recht hohen Niveau, und damit umgekehrt die Abbruchquoten vergleichsweise niedrig. Gleichzeitig sind die Erfolgsquoten in den letzten Jahren tendenziell gesunken. Die Quoten variieren nach Studienbereich. Die höchsten Abbruchquoten sind im ersten Studienjahr zu verzeichnen. Bei der Darstellung der Erfolgsquoten beziehen sich die Jahresangaben auf den Anfängerjahrgang, sodass die Anfängerinnen und Anfänger des Jahres 2014 in der Regel am 30. September 2017 das Studium beendet haben. 14
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 Abbildung: Erfolgsquoten nach Anfängerjahrgang :LUWVFKDIW 7HFKQLN 3UR]HQW 6R]LDOZHVHQ -DKUJDQJPLW6WXGLHQEHJLQQLP-DKU Tabelle: Erfolgsquote (%) Studiengänge nach Anfängerjahrgängen (Bachelor)*: $QIlQJHUMDKUJDQJ -DKUJDQJPLW6WXGLHQEHJLQQ LP-DKU« $QJHZDQGWH*HVXQGKHLWVZLVVHQVFKDIWHQ 6WXGLHQEHUHLFK*HVXQGKHLWJHVDPW 6R]LDOH$UEHLW 6WXGLHQEHUHLFK6R]LDOZHVHQJHVDPW $QJHZDQGWH,QIRUPDWLN %DXZHVHQ (OHNWURWHFKQLN ,QIRUPDWLRQVWHFKQLN ,QIRUPDWLN 0DVFKLQHQEDX 0HFKDWURQLN :LUWVFKDIWVLQJHQLHXUZHVHQ 6WXGLHQEHUHLFK7HFKQLNJHVDPW $QJHZDQGWH*HVXQGKHLWVZLVVHQVFKDIWHQ %DQN 'LHQVWOHLVWXQJVPDQDJHPHQWPDUNHWLQJ )LQDQ]GLHQVWOHLVWXQJHQ *HVXQGKHLWVPDQDJHPHQW +DQGHO ,PPRELOLHQZLUWVFKDIW ,QGXVWULH ,QWHUQDWLRQDO%XVLQHVV 0HVVH.RQJUHVVXQG(YHQWPDQDJHPHQW 6SHGLWLRQ7UDQVSRUWXQG/RJLVWLN 7RXULVPXV+RWHOOHULHXQG*DVWURQRPLH 15
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 $QIlQJHUMDKUJDQJ -DKUJDQJPLW6WXGLHQEHJLQQ LP-DKU« 9HUVLFKHUXQJ 0HGLHQ 5HFKQXQJVZHVHQ6WHXHUQ:LUWVFKDIWVUHFKW :LUWVFKDIWVLQIRUPDWLN 6WXGLHQEHUHLFK:LUWVFKDIWJHVDPW * Studiengänge, in denen sich im Anfängerjahrgang 2014 weniger als 45 Studierende eingeschrie- ben haben bzw. für die nur ein Anfängerkurs mit einer Studiengangsleitung eingerichtet wurde, sind nicht einzeln aufgeführt. ** In der Quote für den Studienbereich sind alle Bachelor-Studiengänge des Studienbereichs ein- bezogen, einschließlich der Studiengänge mit geringer Fallzahl, die nicht einzeln in der Ta- belle aufgeführt sind. Tabelle: Erfolgsquote (%) Anfängerjahrgang 2014 nach Studiengängen u. Studien- akademie (Bachelor) -DKUJDQJPLW6WXGLHQEHJLQQLQ +1 )1 +'+ +2 .$ /g 0$ 0*+ 026 59 67* 96 62=,$/:(6(1 6R]LDOH$UEHLW 6R]LDOZLUWVFKDIW 7(&+1,. %DXZHVHQ (OHNWURWHFKQLN +RO]WHFKQLN ,QIRUPDWLN /XIWXQG5DXPIDKUWWHFKQLN 0DVFKLQHQEDX 0HFKDWURQLN 0HFKDWURQLN7ULQDWLRQDO 3DSLHUWHFKQLN 6LFKHUKHLWVZHVHQ :LUWVFKDIWVLQJHQLHXUZHVHQ :,576&+$)7 %DQN &RQWUROOLQJ &RQVXOWLQJ 'LHQVWOHLVWXQJVPDQDJHPHQW 'LHQVWOHLVWXQJVPDUNHWLQJ )LQDQ]GLHQVWOHLVWXQJHQ )RRG0DQDJHPHQW *HVXQGKHLWVPDQDJHPHQW +DQGHO +DQGZHUN ,PPRELOLHQZLUWVFKDIW ,QGXVWULH ,QWHUQDWLRQDO%XVLQHVV 0HGLHQXQG.RPPXQLNDWLRQVZLUWVFKDIW 0HVVH.RQJUHVVXQG(YHQWPDQDJHPHQW 0LWWHOVWlQGLVFKH:LUWVFKDIW 3HUVRQDOPDQDJHPHQW3HUVRQDOGLHQVWOHLVWXQJ 6SHGLWLRQ7UDQVSRUWXQG/RJLVWLN 7HFKQLFDO0DQDJHPHQW 7RXULVPXV+RWHOOHULHXQG*DVWURQRPLH 9HUVLFKHUXQJ 16
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 -DKUJDQJPLW6WXGLHQEHJLQQLQ +1 )1 +'+ +2 .$ /g 0$ 0*+ 026 59 67* 96 ,QWHUQDWLRQDO%XVLQHVV0DQDJHPHQW7ULQDWLRQDO :LUWVFKDIWVI|UGHUXQJ gIIHQWOLFKH:LUWVFKDIW 0HGLHQ 5HFKQXQJVZHVHQ6WHXHUQ:LUWVFKDIWVUHFKW 8QWHUQHKPHUWXP :LUWVFKDIWVLQIRUPDWLN *(681'+(,7 $QJHZDQGWH*HVXQGKHLWVZLVVHQVFKDIWHQ $QJHZDQGWH3IOHJHZLVVHQVFKDIWHQ 0HGL]LQWHFKQLVFKH:LVVHQVFKDIWHQ 3K\VLFLDQ$VVLVWDQW$U]WDVVLVWHQW 3K\VLRWKHUDSLH ,3*9 * Für Studiengänge, in denen sich im Jahrgang weniger als 45 Studierende eingeschrieben haben bzw. nur ein Anfängerkurs mit einer Studiengangsleitung eingerichtet wurde, werden die Er- folgsquoten aus Vertraulichkeitsgründen nicht dargelegt. Bei Studienangeboten mit geringen Fallzahlen ist die Aussagekraft der Erfolgsquoten eingeschränkt. III. Qualität der Lehre 1. Welchen Bedarf sieht sie für die Modernisierung der baulichen und techni- schen Infrastruktur an den einzelnen Studienakademien der DHBW, insbeson- dere im Bereich der IuK-Ausstattung? Die DHBW ist landesweit an 14 Standorten (neun Studienakademien mit drei Außenstellen und dem DHBW CAS) untergebracht. Dadurch entsteht ein hoher Bedarf an einheitlicher und standortübergreifender technischer Infrastruktur. Um diesen Bedarf zu decken, ist ein hoher finanzieller Aufwand für Hardware, Soft- ware, Dienstleistungen sowie Personalentwicklung (Schulungen) notwendig. Er- gänzend ist für den Verwaltungsbereich auch ein weiterer Ausbau der Kommuni- kationsdienste wie zum Beispiel Videokonferenzen erforderlich. Hinzu kommt, dass in der Vergangenheit aus wirtschaftlichen Gründen bei IT-Installationen vom Einbau aktueller Standards wie zum Beispiel einer Gigabit-Vernetzung abgesehen wurde. Die DHBW nutzt für ihre Verwaltungsaufgaben die durch BITBW zur Verfügung gestellten, landeseigenen Finanzmanagement- und Personalverwaltungssysteme. Weitreichende Synergien in der Verwaltung der DHBW sind nur durch die fort- schreitende Digitalisierung der bestehenden Prozesse möglich. Zwar sehen künf- tige Versionen der von BITBW betreuten Landessysteme optimierte Workflows und Berichtsmöglichkeiten vor, deren technische Verknüpfung mit bestehenden DHBW-internen Systemen bedeutet allerdings einen zusätzlichen Aufwand, der nur durch externe Dienstleister realisiert werden kann. Auch mit Blick auf gesi- cherte Prozessabläufe und Standards in der Verwaltung der DHBW werden die Ergebnisse der Prüfungen des Rechnungshofes einfließen. Im Bereich der Digitalisierung der Lehre sind vielfältige Maßnahmen zur IuK-In- frastruktur an einzelnen Standorten in der Erprobung (z. B. eLearning-Systeme und Medienserver), aber auch schon in bestimmten Bereichen im produktiven Einsatz (z. B. CAD-Labore). Eine hochschulweit einheitliche und intensive Nut- zung bedarf jedoch weiterer Anstrengungen und Mittel. Die Erwartungen der Stu- dierenden und die Anforderungen der Lehrenden an eine zeitgemäße IuK-Infra- struktur orientieren sich dabei an den vorherrschenden Standards bei den dualen Partnerunternehmen. Hier muss die Hochschule zumindest deren digitale Stan- dards erfüllen. Daher werden Nachrüstungen in Hard- und Software erforderlich sein, um den Qualitätsansprüchen der Dualen Partner für ihre studentischen Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter gerecht zu werden. 17
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 Auch bei den an den Standorten eingerichteten Laboren und Fachräumen besteht teilweise Modernisierungsbedarf bezüglich der baulichen und technischen Infra- struktur. An einigen Standorten hat das Land Neubauten für die DHBW errichtet. Dort konnten die für die Lehre benötigten Labore in idealtypischer Weise geplant und erstellt werden. Zum größten Teil ist die DHBW allerdings in angemieteten Gebäuden untergebracht, bei denen ein nachträglicher Einbau von Laboren und Fachräumen nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist. Insgesamt besteht demnach ein Modernisierungsbedarf bei der baulichen und technischen Infrastruktur. 2. Welche Notwendigkeiten und Herausforderungen gibt es für die weitere Digi- talisierung der Hochschullehre, und hierbei insbesondere für die rasche Wei- terqualifikation der Professorenschaft, etwa durch passgenaue Angebote am Zentrum für Hochschuldidaktik und lebenslanges Lernen (ZHL) beim DHBW CAS-Bildungscampus in Heilbronn? Zur Koordinierung des Umsetzungsprozesses in Richtung eLearning hat die DHBW den E-Learning-Koordinationskreis (ELKK) eingerichtet. Es handelt sich dabei um ein Gremium, das dem Präsidium der DHBW gegenüber strategische Empfehlungen ausspricht und damit die angestrebte Digitalisierung von Studium und Lehre vorantreibt. Die operative Umsetzung wird durch das Education Sup- port Center (ESC) Lehrende und Studierende und ein Erfahrungsaustausch über das E-Learning-Akteure-Netzwerk (ELAN) angeregt. Durch die Besonderheit der vielen externen Lehrbeauftragten und des Kleingruppenprinzips wird diese Form der Lehre aktuell nicht flächendeckend eingesetzt, findet jedoch zunehmend Be- fürworter. So existieren an der DHBW viele Best Practices für digitale Lehrfor- men, die durch das ZHL und entsprechende Veranstaltungen in die Breite getragen werden. Eine Digitalisierungsstrategie wurde 2017 verabschiedet und wird aktuell konkretisiert. Die Abteilung Hochschuldidaktik des ZHL initiiert eine Qualifikationsreihe im Bereich des Lernens mit neuen Medien. Das E-Learning Basis-Zertifikat bietet einen schnellen und effizienten Einstieg für alle Lehrenden der DHBW. Das Zer- tifikat besteht aus drei hochschuldidaktischen Seminaren. Die Veranstaltungen werden flankiert von einem individuellen Coaching. Um das Weiterbildungsangebot zu erweitern, sind eine Reihe von grundlegenden Onlinekursen für alle interessierten Kolleginnen und Kollegen in der DHBW Weiterbildungsplattform verfügbar. Das Angebot umfasst unterschiedliche Schwer- punkte im Themenbereich Kommunikation. Die Kurse bestehen aus kurzen Video Sequenzen, kleinen Klick-Aufgaben und enthalten Begleitmaterial zur individuel- len Nutzung. 3. Welche Lehrenden an der DHBW verfügen über eine Prüfungsberechtigung und auf welcher rechtlichen oder sonst wie kodifizierten Grundlage üben sie diese aus? Professorinnen und Professoren wie Lehrbeauftragte der DHBW sind in der Lehre tätig und insoweit auch zur Abnahme von Prüfungsleistungen berechtigt. Ebenso werden – je nach Studienbereich mit unterschiedlichen Schwerpunkten – wissen- schaftlich qualifizierte Prüferinnen und Prüfer bestellt (z. B. Angehörige der Dua- len Partner oder Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit entspre- chender Qualifikation). Verankert ist dies auf Grundlage von § 32 Abs. 4 Nr. 2 LHG in den Studien- und Prüfungsordnungen der DHBW. 18
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 4. Inwiefern könnte das duale Studium an Attraktivität und Qualität durch eine bessere Verzahnung zwischen Theorie- und Praxisphasen sowie eine bessere Abstimmung von Inhalten und Studienorganisation zwischen Betrieb und Hochschule gewinnen (vgl. Ergebnisse der Studierendenbefragung von Ver- fasster Studierendenschaft der DHBW und IG Metall vom Juni 2017)? An der DHBW sind Theorie- und Praxisphase eng curricular verzahnt und mit qualitätssichernden Instrumenten versehen. Daher ist das DHBW-Studium als Intensivstudium akkreditiert und anerkannt. Anders als bei anderen Hochschul- modellen sind die Dualen Partner an der DHBW selbst Mitglieder der Hochschu- le. Das bedeutet unter anderem, dass sie als stimmberechtigte Mitglieder in den Gremien der Hochschule vertreten sind, die Curricula mitentwickeln und Lehrbe- auftragte an die Hochschule entsenden. Ein weiterer Indikator für die gute Ver- zahnung von Theorie und Praxis stellt die Bewertung durch die Dualen Partner dar, die den Studierenden eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung bei hoher Employability bestätigen. Diese Bewertung wird allerdings von Seiten der DHBW nicht systematisch erfasst, zeigt sich aber in Evaluationen einzelner Standorte, den sehr hohen Übernahmequoten und den Rückmeldungen der Dualen Partner zu den Bedarfen nach Studienplätzen. Die Befragung an der DHBW „Die Praxisphasen auf dem Prüfstand“, die von der IG Metall gemeinsam mit der Verfassten Studierendenschaft der DHBW 2017 durchgeführt wurde, hat ihren Hauptfokus auf Arbeits- und Ausbildungsbedin- gungen bei den Dualen Partnern. Die Ergebnisse der Befragung belegen erfreu- licherweise, dass die überwiegende Mehrheit der dual Studierenden mit der Qua- lität der Praxisphasen zufrieden ist, auch wenn noch Verbesserungspotenzial ge- sehen werde. Bei der Beurteilung der Theorie-Praxis-Integration müssen unterschiedliche Er- wartungshaltungen der Studierenden berücksichtigt und ggfs. auch aktiv durch die Lehrkräfte an der DHBW angesprochen und eingeordnet werden. In den Stu- diengängen des Sozialwesens wird die Theorie-Praxis-Verzahnung besser bewer- tet als in Wirtschaft und Technik. Insbesondere in technischen Fächern hat sich gezeigt, dass die Studierenden eher stringente Vorgaben vergleichbar einer Be- rufsausbildung erwarten. Diese sind jedoch für ein Studium inadäquat, da Studien- inhalte der Theoriephase in der Praxis oft nicht unmittelbar umgesetzt werden können, sondern zur Lösung unbekannter Aufgaben und abstrakter Vorgehens- weisen herangezogen werden. Zur Durchführung der Praxisphasen hat die DHBW „Leitlinien zur gelungen Durchführung der Praxisphasen“ entwickelt, die den Dualen Partnern zur Verfü- gung gestellt werden. Praxisphasen werden von den Studierenden in Form einer verpflichtenden Prüfungsleistung dargestellt und reflektiert. Die Studiengangs- leitungen erhalten so ein detailliertes Feedback. Studienverträge regeln Pflichten der Dualen Partner wie individuelle Ausbildungspläne, die sich am Rahmenaus- bildungsplan der DHBW orientieren. Praxismodule und Prüfungsleistungen sind in Modulhandbüchern beschrieben, die zeitliche Koordination der Praxisphasen in Studienverlaufsplänen geregelt. 5. Betrachtet auch sie die zunehmenden Schwierigkeiten der DHBW bei der Ak- quirierung von qualifizierten Lehrbeauftragten mit Sorge, und wenn ja, mit welchen Maßnahmen will sie hier gegensteuern, etwa mit einer deutlichen An- hebung des seit Jahren stagnierenden Honorarniveaus? Der im Vergleich zu anderen Hochschularten große Anteil von Lehrbeauftragten also von nebenberuflichen Dozentinnen und Dozenten, die neben ihrer berufli- chen Tätigkeit für wenige Stunden pro Woche ihr Wissen und ihre Erfahrung aus der beruflichen Praxis an die Studierenden weitergeben, gehört zum spezifischen praxisintegrierenden Profil der Hochschule. Praktikerinnen und Praktiker, die aus den Betrieben und Einrichtungen der Dualen Partner akquiriert werden, unterrich- ten Studierende praxisnah und vermitteln dabei aktuellste Kenntnisse und Fertig- keiten aus der betrieblichen Praxis. Wie bereits unter Ziffer II. 4. ausgeführt ist das Engagement der Dualen Partner in diesem Aspekt der Zusammenarbeit rückläufig. Die DHBW diskutiert daher seit längerem in ihren Gremien sowie mit ihren Dualen 19
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 5425 Partnern über Ursachen und mögliche Lösungsansätze, zum Beispiel in Form von neuen Lehrmodellen. Es ist aber festzustellen, dass der Fachkräftemangel auch Auswirkungen auf die Akquirierung von qualifizierten Lehrbeauftragten insbe- sondere in Mangelfächern hat. Ein Lehrauftrag ist keine Erwerbstätigkeit im eigentlichen Sinne, sondern steht immer in Ergänzung zu einer hauptberuflichen Tätigkeit. Lehrauftragsvergütun- gen sind daher weniger als Erwerbseinkommen im klassischen Sinn, sondern als Aufwandsentschädigung gedacht. Eine Anhebung der Lehrvergütung ist daher ein möglicher, aber nicht maßgeblicher Parameter, die Attraktivität der DHBW für externe Lehrbeauftragte zu sichern. Die Höhe der Lehrauftragsvergütung wird ge- mäß § 56 Absatz 2 in Verbindung mit § 46 Absatz 6 des LHG von den Hochschu- len nach eigenem Ermessen innerhalb eines vorgegebenen Rahmens von bis zu 55 Euro pro Unterrichtseinheit, in Mangelbereichen bis zu 66 Euro pro Unter- richtseinheit, selbst festgelegt. Dabei müssen die Hochschulen ihre begrenzten Budgets im Auge behalten. Die von der DHBW gezahlte Vergütung von 35 Euro pro Unterrichtseinheit ist in der Tat seit mehreren Jahren unverändert und auch an vielen anderen Hochschulen des Landes üblich. Die DHBW plant vor diesem Hintergrund eine moderate Erhöhung der Lehrvergütung im Jahr 2019, sofern die hierfür erforderlichen Mittel aus den vorhandenen Ressourcen finanziert werden können. 6. Hält sie eine deutliche Steigerung der Hauptamtlichenquote an der DHBW im Interesse einer qualitätsvollen Lehre für unabweisbar, und wenn ja, welche Schritte will sie für dieses Ziel mit welchem Zeithorizont in die Wege leiten? Die Erhöhung der Hauptamtlerquote an der DHBW stellt eine wichtige Aufgabe dar, um adäquate Lehre sicherzustellen. Die DHBW beschäftigt sich derzeit mit verschiedenen Lösungsansätzen zur Erhöhung des Anteils hauptamtlicher Lehre. Betrachtet werden müssen dabei alle Faktoren wie Stellenzahl und Kursgröße, die Besetzungsquote der vorhandenen Professuren, die Definition der Dienstaufgaben der Professorinnen und Professoren und die Praxis der Vergabe von Deputatser- mäßigungen. Die DHBW hat hierzu bereits Maßnahmen in die Wege geleitet. IV. Kooperativer Forschungsauftrag 1. Welche grundsätzliche Bedeutung misst sie dem Forschungsauftrag für die DHBW als staatlicher Hochschule bei, auch im Vergleich zu und im Wettbe- werb mit anderen Hochschularten? Baden-Württemberg verfügt über eine große Vielfalt unterschiedlicher Hochschul- typen, mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Aufgaben und daraus folgend un- terschiedlichen Profilen, die sich in der Reichweite des Forschungsauftrags nie- derschlagen. Hieraus leitet sich auch der jeweilige Forschungsauftrag der einzelnen Hoch- schularten ab, aus dem aufgrund der jeweils unterschiedlichen Lehrdeputate auch unterschiedliche Spielräume für die Wahrnehmung von Aufgaben in der Lehre und Forschung resultieren: – Universitäten betreiben Forschung zur Pflege und Entwicklung der Wissen- schaften. – Die Pädagogischen Hochschulen betreiben Forschung im Rahmen ihres lehrer- bildenden und auf außerschulische Bildungsprozesse bezogenen wissenschaft- lichen Studienangebots. – Die Kunsthochschulen betreiben Forschung vor allem zur Pflege der Künste auf den Gebieten der Musik, der darstellenden und der bildenden Kunst, zur Entwicklung künstlerischer Formen und Ausdrucksmittel und zur Vermittlung künstlerischer Kenntnisse und Fähigkeiten. 20