Wirtschaftliche Entwicklung im Stadtkreis Pforzheim
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 16. Wahlperiode 17. 08. 2020 Kleine Anfrage des Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP und Antwort des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Wirtschaftliche Entwicklung im Stadtkreis Pforzheim Kleine Anfrage Ich frage die Landesregierung: 1. Wie viele Gewerbeanmeldungen, -abmeldungen und -insolvenzen gab es seit 2006 im Stadtkreis Pforzheim (pro Jahr, aufgeschlüsselt nach Branchen)? 2. Wie haben sich einschlägige volkswirtschaftliche Daten im Stadtkreis Pforz- heim seit 2006 bis heute entwickelt (Umsatz, Arbeitslosenzahlen, Erwerbstäti- genzahl, Bruttoinlandsprodukt, Exportquote, Investitionsquote, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Gewerbesteuerzahlungen, Steuerquote usw.)? 3. Wie bewertet sie die wirtschaftliche Entwicklung im Stadtkreis Pforzheim im landesweiten Vergleich? 4. Wie hat sich die Zahl von Anfängern und Absolventen einer betrieblichen Aus- bildung, eines dualen Studiums unter Beteiligung eines Betriebs im Stadtkreis Pforzheim sowie eines Studiums an der Hochschule Pforzheim seit 2006 bis heute entwickelt (aufgeteilt nach Branchen bzw. Fachrichtungen)? 5. Wie viele Ausbildungsplätze bleiben aktuell im Stadtkreis Pforzheim unbe- setzt? 6. Mit welchen Mitteln aus dem originären Landeshaushalt hat sie die wirtschaft- liche Entwicklung im Stadtkreis Pforzheim seit 2006 bis heute gefördert? 7. Mit welchen Mitteln aus dem originären Landeshaushalt fördert sie die beruf- lichen Schulen im Stadtkreis Pforzheim sowie die Hochschule Pforzheim (ge- gliedert in einmalige Unterstützungsmaßnahmen, laufende Zuschüsse usw.)? 8. Wie haben sich die Anträge auf Kurzarbeitergeld von 2006 bis heute ent- wickelt? Eingegangen: 17. 08. 2020 / Ausgegeben: 16. 10. 2020 1 Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeich- abrufbar unter: www.landtag-bw.de/Dokumente net mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 9. Wo sieht sie die größten Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwick- lung im Stadtkreis Pforzheim, insbesondere vor dem Hintergrund der Corona- Pandemie, globaler Handelskonflikte und Transformationsprozesse bspw. im Zuliefererbereich der Automobilwirtschaft? 10. In welchen Branchen nimmt sie den größten Mangel an Fachkräften wahr? 17. 08. 2020 Dr. Rülke FDP/DVP Antwort Mit Schreiben vom 29. September 2020 Nr. 24-5650.02/10 beantwortet das Minis- terium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau im Einvernehmen mit dem Minis- terium für Kultus, Jugend und Sport und dem Ministerium für Wissenschaft, For- schung und Kunst die Kleine Anfrage wie folgt: 1. Wie viele Gewerbeanmeldungen, -abmeldungen und -insolvenzen gab es seit 2006 im Stadtkreis Pforzheim (pro Jahr, aufgeschlüsselt nach Branchen)? Zu 1.: Zu den Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen im Stadtkreis Pforzheim wird auf die in Anlage 1 enthaltenen Tabellen des Statistischen Landesamts nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige 2008 für die Jahre 2008 bis 2019 verwiesen. Daten für die Jahre 2006 und 2007 stehen nach dieser Klassifikation nicht zur Verfügung. Die Unternehmensinsolvenzen in Baden-Württemberg und im Stadtkreis Pforz- heim sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt. Unternehmensinsolvenzen in Baden-Württemberg und im Stadtkreis Pforzheim 2006 bis 2019 Jahr Unternehmensinsolvenzen Wirtschaftszweige1) 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Baden-Württemberg insgesamt 2 425 2 137 2 202 2 850 2 490 2 284 2 169 2 017 1 796 1 869 1 672 1 902 1 945 1 819 darunter Stadtkreis Pforzheim 52 51 24 57 28 37 53 23 31 37 32 41 21 20 darunter nach ausgewählten Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe 4 10 2 16 3 6 6 3 3 6 6 2 5 5 Baugewerbe 6 9 4 4 3 6 2 3 5 5 2 6 3 3 Handel, Instandhaltung u. Reparatur von KfZ 17 8 6 12 4 10 14 9 7 10 9 7 6 1 Gastgewerbe 2 2 1 1 6 2 4 1 3 5 3 5 1 2 Verkehr- und Nachrichtenübermittlung2) 1 8 1 2 2 2 2 1 1 – 1 1 1 1 Dienstleistungen3) 20 14 6 20 9 7 21 5 8 6 7 13 4 7 1) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008) 2) WZ2008-Bereiche H und J. 3) WZ2008-Bereiche K, M, N, S. Quelle: Insolvenzstatistik Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 2. Wie haben sich einschlägige volkswirtschaftliche Daten im Stadtkreis Pforz- heim seit 2006 bis heute entwickelt (Umsatz, Arbeitslosenzahlen, Erwerbstäti- genzahl, Bruttoinlandsprodukt, Exportquote, Investitionsquote, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Gewerbesteuerzahlungen, Steuerquote usw.)? Zu 2.: Einschlägige volkswirtschaftliche Kennzahlen seit dem Jahr 2006 sind für den Stadtkreis Pforzheim im Vergleich mit dem Land Baden-Württemberg in den nachfolgenden Tabellen dargestellt. Aus Gründen der Lesbarkeit wurden die Zeitreihen in zwei Tabellen dargestellt. Tabelle 1 umfasst die Indikatorenwerte zu den Jahren 2006 bis 2012, Tabelle 2 die Indikatorenwerte zu den Jahren 2013 bis 2019. Tabelle 1: Ausgewählte Kennzahlen Pforzheim und Baden-Württemberg 2006 bis 2012 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen (in Mill. EUR; Daten der Rev. 2014) Baden-Württemberg 356.956 377.127 381.486 355.496 384.913 405.955 413.689 Pforzheim, Stadtkreis 3.879 4.023 4.105 3.936 4.388 4.485 4.799 Bruttowertschöpfung in jeweiligen Preisen (in Mill. EUR; Daten der Rev. 2014) Baden-Württemberg 322.908 339.332 343.203 318.933 346.368 364.649 371.745 Pforzheim, Stadtkreis 3.509 3.620 3.693 3.531 3.949 4.029 4.312 darunter: ... Verarbeitende Gewerbe (in Mill. EUR) Baden-Württemberg 105.991 113.663 110.191 87.343 108.225 119.029 122.032 Pforzheim, Stadtkreis 929 953 944 840 1.103 1.195 1.406 ... Dienstleistungen (in Mill. EUR) Baden-Württemberg 194.889 202.516 208.339 207.215 212.487 219.676 223.735 Pforzheim, Stadtkreis 2.401 2.491 2.540 2.485 2.646 2.625 2.701 Steuerbarer Umsatz (in Mill. EUR) Baden-Württemberg 878.966 951.219 989.933 874.207 959.144 1.055.623 1.056.604 Pforzheim, Stadtkreis 7.829 8.248 8.953 8.499 11.573 13.440 13.424 Exportquote des Verabeitenden Gewerbes (in %; Anteil Auslands- am Gesamtumsatz) Baden-Württemberg 48,1 49,2 48,0 47,0 49,9 49,9 51,2 Pforzheim, Stadtkreis 33,5 34,2 35,0 31,5 28,3 26,3 21,7 Investitionsquote des Verarbeitenden Gewerbes (in %; Investitionen im Verhältnis zum Umsatz) Baden-Württemberg 3,3 3,4 3,8 3,7 3,2 3,3 3,5 Pforzheim, Stadtkreis 3,6 3,6 3,1 2,9 1,9 1,6 2,0 Forschungs- und Entwicklungsausgaben (in Mill. EUR) Baden-Württemberg – 15.683 – 16.360 – 19.472 – Pforzheim, Stadtkreis – – – – – – – darunter: ... im Wirtschaftssektor (in Tsd. EUR) Baden-Württemberg 12.758.751 12.995.127 – 15.698.312 – Pforzheim, Stadtkreis – 24.696 – 32.836 – 28.467 – Erwerbstätige (Anzahl in Tsd.) Baden-Württemberg 5.563,4 5.659,6 5.752,5 5.718,5 5.720,1 5.802,6 5.888,2 Pforzheim, Stadtkreis 70,3 71,4 72,3 71,6 72,3 73,2 74,3 Bruttoinlandsprodukt je Einwohner (in EUR) Baden-Württemberg 33.965 35.860 36.350 33.692 36.534 38.646 39.334 Pforzheim, Stadtkreis 32.554 33.687 34.254 32.858 36.634 38.929 41.220 Arbeitslose (Anzahl) Baden-Württemberg 348.717 272.530 228.646 284.168 272.656 226.918 222.202 Pforzheim, Stadtkreis 6.559 4.848 4.295 5.896 5.403 4.675 4.605 Arbeitslosequote (in %; an allen zivilen Erwerbspersonen) Baden-Württemberg 6,3 4,9 4,1 5,1 4,9 4,0 3,9 Pforzheim, Stadtkreis 11 8,1 7,2 9,9 9,1 7,9 7,7 3
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Einwohner (Anzahl) Baden-Württemberg 10.738.753 10.749.755 10.749.506 10.744.921 10.753.880 10.512.441 10.569.111 Pforzheim, Stadtkreis 119.156 119.423 119.839 119.788 119.781 115.211 116.425 Gewerbesteuereinnahmen (in Mill. EUR) Baden-Württemberg 5.734,9 6.234,5 6.222,1 4.683,9 4.733,7 6.059,3 6.593,8 Pforzheim, Stadtkreis 52,2 65,4 55,5 46,3 48,4 77,3 105,1 Tabelle 2: Ausgewählte Kennzahlen Pforzheim und Baden-Württemberg 2013 bis 2019 4
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 Eine Darstellung der Steuerquote auf Landkreisebene liegt nicht vor. Durch die über den gesamten zu betrachtenden Zeitraum anhaltende Umstellung von der ka- meralen auf die doppische Buchführung und die Unterschiede zwischen den dop- pischen Einzahlungen und den kameralen Einnahmen sind keine belastbaren Er- gebnisse darstellbar. 3. Wie bewertet sie die wirtschaftliche Entwicklung im Stadtkreis Pforzheim im landesweiten Vergleich? Zu 3.: Für die folgenden Aussagen zur Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung im Stadtkreis Pforzheim im landesweiten Vergleich wurde auf Angaben der amtli- chen Statistik zurückgegriffen. Mit rund 126.000 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2019) zählt der Stadtkreis Pforzheim zu den kleineren kreisfreien Städten Baden-Württembergs. Der Bevöl- kerungsanteil am Land beträgt 1,1 Prozent. Seit dem Jahr 2006 verzeichnete der Stadtkreis Pforzheim einen deutlichen Bevölkerungszuwachs von rund 6.800 Ein- wohnern, bzw. 5,7 Prozent, während die Bevölkerung im Land im selben Zeit- raum um rund 3,4 Prozent anwuchs. Im Stadtkreis Pforzheim arbeiteten im Jahr 2018 insgesamt rund 77.200 Erwerbs- tätige. Die Arbeitsplatzdichte, gemessen an den Erwerbstätigen je 100 Einwohner, lag im Jahr 2018 mit 61,5 über dem Landesdurchschnitt (57,3). Im Saldo pendel- ten zudem im Jahr 2019 rund 7.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den Stadtkreis Pforzheim ein (2006: 9.800), was die Bedeutung der Stadt als re- gionales Arbeitsmarktzentrum unterstreicht. Abbildung 1: Entwicklung Erwerbstätige am Arbeitsort Zwischen den Jahren 2006 und 2018 nahmen die Erwerbstätigen um rund 7.000 bzw. 9,9 Prozent zu, womit sich die Beschäftigungslage im Stadtkreis Pforzheim unterhalb des Landestrends (Zuwachs: 14,0 Prozent) entwickelte. Insbesondere in den letzten Jahren hat sich die Entwicklung am Arbeitsmarkt im Stadtkreis Pforz- heim von dem positiven Trend auf Landesebene zu einem gewissen Grad entkop- pelt (siehe Abbildung 1). Die Arbeitslosigkeit im Stadtkreis Pforzheim betrug im Jahr 2019 5,6 Prozent (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) und lag damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von 3,2 Prozent. 5
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 Die Wirtschaftsleistung des Stadtkreises Pforzheim betrug im Jahr 2017, gemes- sen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), 5.115 Mio. Euro (Anteil Baden-Württemberg: 1,0 Prozent) und nahm zwischen den Jahren 2006 und 2017 nominal um 31,9 Pro- zent zu (siehe Abbildung 2). Das nominale BIP-Wachstum lag damit unter der Entwicklung auf Landesebene (Zuwachs 2006 bis 2017: 38,7 Prozent). Nach ei- nem im Landesvergleich überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum in den Fol- gejahren der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 war der Stadtkreis Pforz- heim seit dem Jahr 2013 von einer stagnierenden Wirtschaftsleistung gekenn- zeichnet und entwickelte sich unterhalb des Landestrends. Abbildung 2: Entwicklung Bruttoinlandsprodukt (nominal) Sektoral besitzen insbesondere die Dienstleistungsbranchen hohes Gewicht in der Wirtschaft des Stadtkreises Pforzheim. Der Anteil der Dienstleistungen (DL) an der Bruttowertschöpfung (BWS) lag im Stadtkreis Pforzheim im Jahr 2017 bei 67,0 Prozent und damit acht Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt (59,0 Prozent). Zwischen den Jahren 2006 (BWS-Anteil DL: 68,4 Prozent) und 2017 nahm die Bedeutung der Dienstleistungen im Stadtkreis Pforzheim gemessen an der Bruttowertschöpfung leicht ab; ähnlich wie auf Landesebene (BWS-Anteil DL Baden-Württemberg 2006: 60,4 Prozent). Im Jahr 2017 kam das Verarbeitende Gewerbe (VG) im Stadtkreis Pforzheim (wie auch bereits im Jahr 2006) auf einen im landesweiten Vergleich unterdurch- schnittlichen Wertschöpfungsanteil von 26,5 Prozent (BWS-Anteil VG Baden- Württemberg 2006: 32,8 Prozent sowie 2017: 33,7 Prozent). Zudem liegt die In- dustrie im Stadtkreis Pforzheim bei der Exportquote im Vergleich zurück. 46,9 Pro- zent an den Gesamtumsätzen (Baden-Württemberg 2019: 55,2 Prozent) entfielen im Jahr 2019 auf die Auslandsumsätze im Verarbeitenden Gewerbe. Auf Ebene der Wirtschaftszweige sind im Stadtkreis Pforzheim neben dem Verar- beitenden Gewerbe (2019: 14.200 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte) in den Dienstleistungen vor allem die Wirtschaftszweige „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ (11.600) sowie „Gesundheits- und Sozial- wesen“ (9.700) besonders beschäftigungsstark. In diesen drei Wirtschaftszweigen konzentrierten sich im Jahr 2019 60,0 Prozent der Beschäftigten des Stadtkreises Pforzheim. Mit einem nominalen Zuwachs der Bruttowertschöpfung von 31,4 Prozent ver- zeichnete das Verarbeitende Gewerbe im Stadtkreis Pforzheim zwischen den Jah- ren 2006 und 2017 ein Wachstum, das im Durchschnitt der Pforzheimer Gesamt- 6
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 wirtschaft lag (2006 bis 2017: 31,4 Prozent). Die Bauwirtschaft (Zuwachs 74,5 Pro- zent) wies im Zeitraum 2006 bis 2017 eine besonders dynamische Entwicklung der Bruttowertschöpfung auf, hingegen blieb der Dienstleistungssektor im Stadt- kreis Pforzheim (Zuwachs 28,7 Prozent) deutlich zurück. In den Jahren 2006 bis 2017 verzeichnete Baden-Württemberg (Gesamtzuwachs nominale BWS: 38,2 Prozent) auf sektoraler Ebene sowohl im Verarbeitenden Gewerbe (Zuwachs: 41,8 Prozent) als auch in den Dienstleistungen (Zuwachs: 35,0 Prozent) stärkere nominale Wachstumsraten der Bruttowertschöpfung als der Stadtkreis Pforzheim. Allerdings lag der nominale Zuwachs der Bruttowertschöp- fung in der Bauwirtschaft (Baden-Württemberg: 70,1 Prozent) im Stadtkreis Pforzheim mit 74,5 Prozent höher. Die Wirtschaft im Stadtkreis Pforzheim ist stärker als im Land durch Betriebe mittlerer Größe geprägt. Der Beschäftigungsanteil von Betrieben mit 50 bis 249 Be- schäftigten lag im Jahr 2018 mit 30,7 Prozent über dem Landesdurchschnitt von 27,4 Prozent. Der Beschäftigtenanteil in kleinen Betrieben mit weniger als 50 Be- schäftigten (Stadtkreis Pforzheim: 35,1 Prozent, Baden-Württemberg: 36,8 Pro- zent) sowie bei großen Betrieben mit über 250 Beschäftigten (Stadtkreis Pforz- heim: 34,1 Prozent, Baden-Württemberg: 35,8 Prozent) lag im Stadtkreis Pforz- heim unter dem Landesdurchschnitt. Neben weiteren Einflussfaktoren bestimmt die Innovationsfähigkeit das Wachs- tumsprofil einer Raumschaft. Zur Ermittlung der Innovationsfähigkeit wird vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg der Innovationsindex für die Kreise und kreisfreien Städte berechnet. Im Innovationsindex des Statistischen Landes- amtes 2018 lag der Stadtkreis Pforzheim unter den 44 Kreisen und kreisfreien Städten des Landes auf Rang 41 und damit auf dem viertletzten Platz. Im Ver- gleich zum Innovationsindex des Jahres 2008 verlor der Stadtkreis Pforzheim sie- ben Rangplatzierungen und die Punktzahl des Stadtkreises Pforzheim ging im In- novationsindex deutlich von 20,5 auf 16,0 Punkte zurück. Auf Landesebene nahm der Innovationsindex im selben Zeitraum von 34,1 Punkten um 3,4 Punkte auf 37,5 Punkte zu. Die internen Forschungs- und Entwicklungs-Aufwendungen (FuE-Aufwendungen) der Wirtschaft stiegen im Stadtkreis Pforzheim zwischen den Jahren 2007 und 2015 um 45,2 Prozent von 24,7 Mio. Euro auf 35,9 Mio. Eu- ro. Im Land stiegen die FuE-Aufwendungen der Wirtschaft in diesem Zeitraum um 45,1 Prozent. Das regionale Wirtschaftswachstum lässt sich analytisch in verschiedene Ein- flussfaktoren aufteilen: zum einen ist die Entwicklung nicht von der des Landes abgekoppelt, zum anderen ist die Wirtschaftsstruktur ein Einflussfaktor, schließ- lich sind standortspezifische Bedingungen zu nennen. Im Vergleich zu Baden- Württemberg insgesamt verlief die Wirtschaftsentwicklung im Stadtkreis Pforz- heim in den Jahren 2006 bis 2017 unterdurchschnittlich dynamisch. Die Erwerbs- tätigenzahl dagegen entwickelte sich im Beobachtungszeitraum ebenfalls etwas verhaltener als im Landesschnitt. Eine regionalökonomische Shift-Share-Analyse, die Konjunktur-, Struktur- und Standortkomponenten differenziert, gibt erste An- haltspunkte für die Gründe (Berechnung des Wirtschaftsministeriums). Daten- basis sind die Sektoren Land- und Forstwirtschaft, Fischerei sowie Produzieren- des Gewerbe und Dienstleistungsbereiche (Gliederungstiefe A10 mit Zusammen- fassungen): 7
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 Allein die Wirtschaftsstruktur hätte demnach ein im Landesvergleich nur leicht unterdurchschnittliches Wachstum der Bruttowertschöpfung erwarten lassen (–0,66 Prozentpunkte), da die Branchen, deren Wertschöpfung sich schwächer als die Gesamtwirtschaft entwickelt haben, im Stadtkreis Pforzheim einen insgesamt etwas höheren Wertschöpfungsanteil aufweisen als im Land. In viel höherem Maße ist die unterdurchschnittliche Entwicklung der gesamtwirt- schaftlichen Wertschöpfung im Stadtkreis Pforzheim auf die Standortkomponente von –6,15 Prozentpunkten zurückzuführen. Diese bildet ab, dass sich die einzel- nen Branchen im Stadtkreis Pforzheim und im Land unterschiedlich entwickelt haben. So weist das Produzierende Gewerbe im Stadtkreis Pforzheim im Ver- gleich zum Produzierenden Gewerbe im Land insgesamt eine deutlich unter- durchschnittliche Dynamik auf. In noch stärkerem Maße gilt dies auch für den Wirtschaftsbereich „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister; Grund- stücks- und Wohnungswesen“. Geringer ausgeprägt, aber immer noch im negati- ven Bereich, ist dieser Effekt für die anderen Dienstleistungsbranchen. Gleichartige Berechnungen für die Erwerbstätigkeit ergeben, dass die Beschäfti- gung im Stadtkreis Pforzheim schwächer gestiegen ist als im Land (Differenz –1,74 Prozentpunkte). Die Wirtschaftsstruktur für sich genommen hätte dagegen eine etwas stärkere Entwicklung erwarten lassen (Strukturkomponente 0,47 Pro- zentpunkte). Der Grund ist, dass der Anteil der Dienstleistungsbranchen, die sich landesweit als Beschäftigungsmotor erwiesen hatten, im Stadtkreis Pforzheim et- was höher ist als im Landesdurchschnitt. Entsprechend geringer ist das Gewicht des Produzierenden Gewerbes, das landesweit im Vergleich zur Gesamtwirtschaft weniger Beschäftigung aufgebaut hat. Insgesamt wird die unterdurchschnittliche Beschäftigungsentwicklung im Stadt- kreis Pforzheim durch Faktoren bestimmt, die sich weder auf gesamtwirtschaftli- che Effekte noch auf die Branchenstruktur zurückführen lassen. Diese Einfluss- größen sind im Standortfaktor zusammengefasst, der sich auf –2,21 Prozentpunkte summiert. Lediglich der Wirtschaftsbereich „Handel, Verkehr und Lagerei, Gast- gewerbe, Information und Kommunikation“ baute im Stadtkreis Pforzheim mehr Beschäftigung auf als im Land. In allen anderen betrachteten Branchen verlief die Entwicklung im Stadtkreis Pforzheim ungünstiger als im Land. 4. Wie hat sich die Zahl von Anfängern und Absolventen einer betrieblichen Aus- bildung, eines dualen Studiums unter Beteiligung eines Betriebs im Stadtkreis Pforzheim sowie eines Studiums an der Hochschule Pforzheim seit 2006 bis heute entwickelt (aufgeteilt nach Branchen bzw. Fachrichtungen)? Zu 4.: Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Zahl der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag im Stadtkreis Pforzheim seit dem Jahr 2008 insgesamt sowie in den Ausbildungsbereichen Industrie und Handel, Hand- 8
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 werk, Landwirtschaft, Öffentlicher Dienst, Freie Berufe und Hauswirtschaft; frü- here Daten sind nach Mitteilung des Statistischen Landesamtes nicht verfügbar. Auszubildende mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag im Stadtkreis Pforzheim seit 2008') nach Ausbildungsbereichen davon im Ausbildungsbereich Neuabschlüsse Berichtsjahr insgesamt Industrie und Öffentlicher Handwerk Landwirtschaft Freie Berufe Hauswirtschaft Handel Dienst 2019 1 081 684 248 6 34 96 13 2018 1 066 716 216 9 27 90 8 2017 1 045 662 238 7 28 95 15 2016 1 092 707 243 7 35 91 9 2015 1 063 689 237 5 36 86 10 2014 1 112 717 245 13 33 96 8 2013 1 185 732 301 9 36 99 8 2012 1 158 723 281 16 33 95 10 2011 1 169 703 297 19 31 107 12 2010 1 052 615 253 15 46 111 12 2009 1 108 631 310 20 31 101 15 2008 1 170 715 281 24 41 96 13 *) Vor und zum Beginn der Umstellung auf elektronische Datenübermittlung im Jahr 2007 sind keine Daten vorhanden. – Zuordnung nach dem Ort der Ausbildungsstätte. Datenquelle: Berufsbildungsstatistik. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, August 2020 Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit bestandener Abschlussprüfung seit dem Jahr 2008 im Stadt- kreis Pforzheim insgesamt sowie in den Ausbildungsbereichen Industrie und Han- del, Handwerk, Landwirtschaft, Öffentlicher Dienst, Freie Berufe und Hauswirt- schaft; frühere Daten sind nach Mitteilung des Statistischen Landesamtes nicht verfügbar. Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit bestandener Abschlussprüfung im Stadtkreis Pforzheim seit 2008*) nach Ausbildungsbereichen Teilnehmer/-innen davon im Ausbildungsbereich Berichtsjahr mit bestandener Industrie und Öffentlicher Abschlussprüfung Handwerk Landwirtschaft Freie Berufe Hauswirtschaft Handel Dienst 2019 867 589 156 6 33 74 9 2018 855 571 160 8 33 73 10 2017 866 601 145 4 27 84 5 2016 942 610 187 13 39 89 4 2015 952 643 195 7 23 76 8 2014 937 574 225 11 34 84 9 2013 901 544 206 14 39 90 8 2012 856 521 206 17 27 78 7 2011 996 622 226 17 36 81 14 2010 981 589 240 17 37 88 10 2009 961 548 270 16 38 84 5 2008 901 534 247 19 36 48 17 *) Vor und zum Beginn der Umstellung auf elektronische Datenübermittlung im Jahr 2007 sind keine Daten vorhanden. – Zuordnung nach dem Ort der Ausbildungsstätte. Datenquelle: Berufsbildungsstatistik. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, August 2020 In den folgenden Tabellen wird die Entwicklung der Zahl der Studienanfängerin- nen und Studienanfänger im ersten Fachsemester sowie die Zahl der Absolventin- nen und Absolventen an der Hochschule Pforzheim gezeigt, differenziert nach den Fächergruppen der Amtlichen Hochschulstatistik. 9
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8663 Dargestellt wird die Entwicklung seit dem Akademischen Jahr 2005/2006. Als Betrachtungszeitraum wurde das Akademische Jahr gewählt, um den Zeitraum in beiden Tabellen zu vereinheitlichen. Zum Akademischen Jahr 2018/2019 (Prü- fungsjahr 2019) liegen dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst noch keine endgültigen Daten in strukturierter Form aus der Amtlichen Hoch- schulstatistik vor. Studienanfängerinnen und -anfänger im 1. Fachsemester an der Hochschule Pforzheim Akademisches Jahr* 2005/06 2006/07 2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 664 1.030 1.102 1.041 1.152 1.228 1.372 Mathematik, Naturwissenschaften - - - - - - - Ingenieurwissenschaften 138 152 194 195 235 308 313 Kunst, Kunstwissenschaften 149 141 145 146 144 169 221 Gesamt 951 1.323 1.441 1.382 1.531 1.705 1.906 Akademisches Jahr* 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 1.430 1.469 1.354 1.417 1.437 1.569 1.563 Mathematik, Naturwissenschaften 33 29 31 - - - - Ingenieurwissenschaften 402 395 393 454 408 364 346 Kunst, Kunstwissenschaften 198 202 162 178 206 206 234 Gesamt 2.063 2.095 1.940 2.049 2.051 2.139 2.143 Quel l e: Sta ti s ti s ches Bundes a mt, Ha uptberi chte *Aka demi s ches Ja hr: gl ei chna mi ges Wi nters emes ter s owi e fol gendes Sommers emes ter. Aka demi s ches Ja hr 2005/06 = Wi nters emes ter 2005/06 s owie Sommers emes ter 2006. Absolventinnen und Absolventen Akademisches Jahr* 2005/06 2006/07 2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 633 700 774 721 810 707 745 Mathematik, Naturwissenschaften - - - - - - - Ingenieurwissenschaften 65 89 99 138 126 118 157 Kunst, Kunstwissenschaften 88 134 101 166 118 125 132 Gesamt 786 923 974 1.025 1.054 950 1.034 Absolventinnen und Absolventen Akademisches Jahr* 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 748 731 824 873 809 863 Mathematik, Naturwissenschaften 11 7 14 - - - Ingenieurwissenschaften 122 157 194 256 246 246 Kunst, Kunstwissenschaften 142 144 161 194 173 178 Gesamt 1.023 1.039 1.193 1.323 1.228 1.287 Quelle: Statistisches Bundesamt, Hauptberichte *Akademisches Jahr: gleichnamiges Wintersemester sowie folgendes Sommersemester. Akademisches Jahr 2005/06 = Wintersemester 2005/06 sowie Sommersemester 2006. Die Entwicklung der Studienanfängerinnen und -anfänger an der Dualen Hoch- schule Baden-Württemberg (DHBW) in Ausbildungsstätten mit Sitz im Stadtkreis Pforzheim kann der folgenden Tabelle entnommen werden. Die gewünschten Da- ten werden nicht im Rahmen der amtlichen Statistik erhoben. Auf Basis der eige- nen statistischen Daten der DHBW können die Zahlen jedoch für den Zeitraum ab dem Jahr 2009 genannt werden. Die Angaben beziehen sich dabei auf alle Stand- orte der DHBW. 10