Wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Rottweil
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 16. Wahlperiode 31. 07. 2020 Kleine Anfrage des Abg. Daniel Karrais FDP/DVP und Antwort des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Rottweil Kleine Anfrage Ich frage die Landesregierung: 1. Wie viele Gewerbeanmeldungen, -abmeldungen und -insolvenzen gab es seit 2008 im Landkreis Rottweil (pro Jahr, aufgeschlüsselt nach Branchen)? 2. Wie haben sich einschlägige volkswirtschaftliche Daten im Landkreis Rottweil seit 2008 bis heute entwickelt (Umsatz, Arbeitslosenzahlen, Erwerbstätigen- zahl, Bruttoinlandsprodukt, Exportquote, Investitionsquote, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Gewerbesteuerzahlungen, Steuerquote usw.)? 3. Wie bewertet sie die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Rottweil im landesweiten Vergleich? 4. Wie hat sich die Zahl von Anfängern und Absolventen einer betrieblichen Aus- bildung bzw. in Betrieben des Landkreises Rottweil dual Studierender seit 2008 bis heute entwickelt (aufgeteilt nach Branchen)? 5. Wie viele Ausbildungsplätze bleiben aktuell im Landkreis Rottweil unbesetzt? 6. Mit welchen Mitteln aus dem originären Landeshaushalt hat sie die wirtschaft- liche Entwicklung im Landkreis Rottweil seit 2008 bis heute gefördert? 7. Mit welchen Mitteln aus dem originären Landeshaushalt fördert sie die beruf- lichen Schulen im Landkreis Rottweil (gegliedert in einmalige Unterstützungs- maßnahmen, laufende Zuschüsse usw.)? 8. Wie haben sich die Anträge auf Kurzarbeitergeld von 2008 bis heute im Land- kreis Rottweil entwickelt? Eingegangen: 31. 07. 2020 / Ausgegeben: 11. 09. 2020 1 Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeich- abrufbar unter: www.landtag-bw.de/Dokumente net mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 9. Wo sieht sie die größten Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwick- lung im Landkreis Rottweil, insbesondere vor dem Hintergrund der Corona- Pandemie, globaler Handelskonflikte und Transformationsprozesse bspw. im Zuliefererbereich der Automobilwirtschaft? 10. In welchen Branchen nimmt sie im Landkreis Rottweil den größten Mangel an Fachkräften wahr? 31. 07. 2020 Karrais FDP/DVP Antwort Mit Schreiben vom 24. August 2020 Nr. 61-4200/462 beantwortet das Ministeri- um für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau im Einvernehmen mit dem Ministe- rium für Inneres, Digitalisierung und Migration und dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, sowie dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst die Kleine Anfrage wie folgt: 1. Wie viele Gewerbeanmeldungen, -abmeldungen und -insolvenzen gab es seit 2008 im Landkreis Rottweil (pro Jahr, aufgeschlüsselt nach Branchen)? Zu 1.: Zu den Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen im Landkreis (LKR) Rottweil in den Jahren 2008 bis 2019 wird auf die Tabellen des Statistischen Landesamts in Anlage 1 verwiesen. Die Unternehmensinsolvenzen im LKR Rottweil und in Baden-Württemberg in den Jahren 2008 bis 2019 sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt. Tabelle 1: Unternehmensinsolvenzen in Baden-Württemberg und im LKR Rott- weil 2008 bis 2019 Unternehmensinsolvenzen Wirtschaftszweige1) 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Baden-Württemberg insgesamt 2 202 2 850 2 490 2 284 2 169 2 017 1 796 1 869 1 672 1 902 1 945 1 819 darunter Landkreis Rottweil 41 37 32 46 39 33 33 22 21 29 26 22 darunter nach ausgewählten Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe 7 8 6 7 11 9 8 2 3 7 6 3 Baugewerbe 5 7 5 7 4 5 4 5 3 7 4 2 Handel, Instandhaltung u. Reparatur von KfZ 10 4 5 7 7 5 4 5 7 1 1 2 Gastgewerbe - 1 3 5 5 - 4 3 2 1 4 – Verkehr- und Nachrichtenübermittlung2) 5 2 7 2 3 2 2 3 1 1 4 3 Dienstleistungen3) 8 10 5 9 7 8 7 3 4 9 4 9 1) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008) 2) WZ2008-Bereiche H und J. 3) WZ2008-Bereiche K, M, N, S. Quelle: Insolvenzstatistik Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 2. Wie haben sich einschlägige volkswirtschaftliche Daten im Landkreis Rottweil seit 2008 bis heute entwickelt (Umsatz, Arbeitslosenzahlen, Erwerbstätigen- zahl, Bruttoinlandsprodukt, Exportquote, Investitionsquote, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Gewerbesteuerzahlungen, Steuerquote usw.)? Zu 2.: Einschlägige volkswirtschaftliche Kennzahlen seit dem Jahr 2008 sind für den Landkreis (LKR) Rottweil im Vergleich zum Land Baden-Württemberg in den nachfolgenden Tabellen dargestellt. Aus Gründen der Lesbarkeit wurden die Zeit- reihen in zwei Tabellen dargestellt. Tabelle 2 umfasst die Indikatorenwerte der Jahre 2008 bis 2013, Tabelle 3 die Indikatorenwerte der Jahre 2014 bis 2019. Tabelle 2: Ausgewählte Kennzahlen LKR Rottweil und Baden-Württemberg 2008 bis 2013 Ausgewählte wirtschaftliche Kennzahlen, 2008 2009 2010 2011 2012 2013 LKR Rottweil und Baden-Württemberg Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen (in Mill. EUR) Baden-Württemberg 381.486 355.496 384.913 405.955 413.689 424.264 Rottweil, Landkreis 4.619 4.143 4.581 4.809 4.965 5.085 Umsatz (in Mill. EUR) Baden-Württemberg 989.933 874.207 959.144 1.055.623 1.056.604 1.063.633 Rottweil, Landkreis 7.802 6.732 8.057 8.871 8.992 8.745 Exportquote der Industrie/des Verabeitenden Gewerbes (Anteil des Auslands- am Gesamtumsatz, in %) Baden-Württemberg 48 47 50 50 51 53 Rottweil, Landkreis 44 45 46 45 45 45 Investitionsquote (Verarbeitendes Gewerbe, Investitionen im Verhältnis zum Umsatz, in %) Baden-Württemberg 3,8 3,7 3,2 3,3 3,5 3,6 Rottweil, Landkreis 4,1 3,6 3,0 2,8 3,1 3,1 Forschungs- und Entwicklungsausgaben (in Tsd. EUR) Baden-Württemberg – 16.360.000 – 19.472.000 – 20.204.000 Rottweil, Landkreis – – – – – – darunter: FuE-Ausgaben im Wirtschaftssektor Baden-Württemberg – 12.995.127 – 15.698.312 – 16.268.266 Rottweil, Landkreis – 110.223 – 104.150 – 107.306 Erwerbstätige (Anzahl in Tsd.) Baden-Württemberg 5.752,5 5.718,5 5.720,1 5.802,6 5.888,2 5.963,2 Rottweil, Landkreis 72,7 70,7 71,5 73,8 75,4 75,5 Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen je Einwohner (in EUR) Baden-Württemberg 36.310 33.886 36.727 38.679 39.247 40.024 Rottweil, Landkreis 33.246 29.979 33.388 35.271 36.557 37.542 Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen je Arbeitsstunde der Erwerbstätigen (in EUR) Baden-Württemberg 46,8 46,1 49,1 50,7 51,5 52,3 Rottweil, Landkreis 44,9 43,5 46,6 47,3 49,4 50,2 Arbeitslose (Anzahl) Baden-Württemberg 229.129 284.855 272.622 226.859 222.196 233.945 Rottweil, Landkreis 2.522 3.734 3.225 2.274 2.324 2.498 Arbeitslosequote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, in %) Baden-Württemberg 4,1 5,1 4,9 4,0 3,9 4,1 Rottweil, Landkreis 3,3 4,9 4,3 3,0 3,1 3,3 Einwohner (Anzahl) Baden-Württemberg 10.749.506 10.744.921 10.753.880 10.512.441 10.569.111 10.631.278 Rottweil, Landkreis 141.073 140.307 139.316 136.049 135.553 135.319 3
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 Tabelle 3: Ausgewählte Kennzahlen LKR Rottweil und Baden-Württemberg 2014 bis 2019 Ausgewählte wirtschaftliche Kennzahlen, 2014 2015 2016 2017 2018 2019 LKR Rottweil und Baden-Württemberg Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen (in Mill. EUR) Baden-Württemberg 440.626 463.709 475.812 495.149 – – Rottweil, Landkreis 5.384 5.699 5.787 6.093 – – Umsatz (in Mill. EUR) Baden-Württemberg 1.095.326 1.146.170 1.174.379 1.236.967 1.287.318 – Rottweil, Landkreis 9.078 9.216 9.559 10.130 10.788 – Exportquote der Industrie/des Verabeitenden Gewerbes (Anteil des Auslands- am Gesamtumsatz, in %) Baden-Württemberg 54 56 55 55 55 55 Rottweil, Landkreis 43 43 44 45 44 45 Investitionsquote (Verarbeitendes Gewerbe, Investitionen im Verhältnis zum Umsatz, in %) Baden-Württemberg 3,4 3,4 3,7 3,8 4,0 – Rottweil, Landkreis 3,5 3,2 3,4 4,0 4,5 – Forschungs- und Entwicklungsausgaben (in Tsd. EUR) Baden-Württemberg – 22.733.000 – 27.910.000 – – Rottweil, Landkreis – – – – – – darunter: FuE-Ausgaben im Wirtschaftssektor Baden-Württemberg – 18.511.165 – 23.330.197 – – Rottweil, Landkreis – 114.935 – 132.951 – – Erwerbstätige (Anzahl in Tsd.) Baden-Württemberg 6.039,9 6.090,6 6.166,7 6.254,2 6.340,2 – Rottweil, Landkreis 75,6 75,9 75,9 77,7 78,8 – Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen je Einwohner (in EUR) Baden-Württemberg 41.280 42.943 43.590 45.064 46.480 47.290 Rottweil, Landkreis 39.702 41.689 41.962 43.964 – – Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen je Arbeitsstunde der Erwerbstätigen (in EUR) Baden-Württemberg 53,6 55,8 56,8 58,3 58,2 59,1 Rottweil, Landkreis 52,7 55,3 56,2 57,6 – – Arbeitslose (Anzahl) Baden-Württemberg 230.372 227.098 226.421 212.837 195.128 196.950 Rottweil, Landkreis 2.238 2.233 2.363 2.045 1.750 1.871 Arbeitslosequote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, in %) Baden-Württemberg 4,0 3,8 3,8 3,5 3,2 3,2 Rottweil, Landkreis 2,9 2,9 3,0 2,6 2,2 2,3 Einwohner (Anzahl) Baden-Württemberg 10.716.644 10.879.618 10.951.893 11.023.425 11.069.533 11.100.394 Rottweil, Landkreis 135.912 137.500 138.327 138.858 139.455 139.878 Die Gewerbesteuereinnahmen in den Gemeinden des LKR Rottweil in den Jahren 2008 bis 2019 sind den nachfolgenden Tabellen des Statistischen Landesamts zu entnehmen. Aus Gründen der Lesbarkeit wurden die Zeitreihen in zwei Tabellen dargestellt. Tabelle 4 umfasst die Indikatorwerte zu den Jahren 2008 bis 2013, Ta- belle 5 die Indikatorwerte zu den Jahren 2014 bis 2019. 4
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 Tabelle 4: Gewerbesteuereinnahmen in Euro der Gemeinden im LKR Rottweil 2008 bis 2013 Gewerbesteuereinnahmen in Euro im Jahr Gemeinde-/Stadtname 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Aichhalden 5 004 776 - 791 539 2 264 754 4 081 625 5 020 244 3 336 120 Bösingen 816 311 808 500 543 996 493 228 755 222 874 579 Dietingen 618 012 554 057 446 831 449 115 670 296 792 947 Dornhan 1 783 130 605 860 1 015 266 975 655 1 283 450 1 486 501 Dunningen 3 254 614 2 573 391 6 953 993 5 159 875 4 310 735 3 641 794 Epfendorf 585 034 183 552 393 672 554 142 833 508 1 207 563 Hardt 1 332 647 527 147 520 625 703 588 1 415 931 1 776 139 Lauterbach 279 256 150 238 405 719 226 355 356 588 537 535 Oberndorf am Neckar 6 969 333 4 593 015 11 592 710 8 122 813 7 324 376 10 220 944 Rottweil 11 631 363 7 532 906 10 813 074 12 953 749 14 065 718 18 353 953 Schenkenzell 2 937 756 726 179 1 957 969 3 204 083 2 097 861 1 747 271 Schiltach 11 946 988 15 720 905 15 669 463 12 465 958 14 609 165 18 088 586 Schramberg 16 681 243 5 453 037 10 939 742 12 758 922 20 203 063 28 436 909 Sulz am Neckar 4 225 812 2 252 854 2 258 190 4 531 722 5 270 968 5 092 802 Villingendorf 927 557 632 785 440 616 530 535 612 550 861 228 Vöhringen 2 131 018 545 955 1 460 436 1 663 820 1 837 294 1 555 893 Wellendingen 3 271 814 1 894 880 1 731 321 1 834 013 3 224 638 3 171 290 Zimmern ob Rottweil 2 017 647 1 642 502 1 183 733 2 090 918 2 946 577 2 539 211 Fluorn-Winzeln 1 245 011 1 245 011 676 971 809 265 841 343 1 272 909 Eschbronn 322 353 162 740 356 782 273 207 392 995 521 513 Deisslingen 5 853 514 2 980 737 1 351 157 4 164 797 3 821 781 3 879 906 Datenquelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg Tabelle 5: Gewerbesteuereinnahmen in Euro der Gemeinden im LKR Rottweil 2014 bis 2019 Gewerbesteuereinnahmen in Euro im Jahr Gemeinde-/Stadtname 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Aichhalden 3 529 567 3 997 460 4 607 615 4 050 257 4 369 194 4 375 932 Bösingen 866 889 1 085 952 1 316 950 1 632 788 1 463 472 1 556 224 Dietingen 718 163 860 355 1 014 465 1 290 255 1 747 984 1 974 402 Dornhan 1 606 602 2 025 520 2 451 075 1 904 756 2 350 414 2 172 597 Dunningen 2 646 863 1 682 611 2 227 994 2 076 018 4 171 680 4 004 661 Epfendorf 845 420 1 228 507 1 005 591 1 514 390 1 875 502 974 187 Hardt 2 185 827 1 598 600 1 991 779 1 767 999 1 884 178 1 099 735 Lauterbach 660 648 528 384 282 145 648 251 431 911 456 815 Oberndorf am Neckar 8 632 475 9 097 925 8 834 568 12 625 506 10 609 636 9 792 292 Rottweil 11 672 594 14 974 345 17 143 886 15 759 017 17 808 006 16 426 177 Schenkenzell 1 513 518 1 975 525 2 008 784 2 030 266 2 029 087 1 792 825 Schiltach 18 242 954 40 376 760 22 101 683 29 265 919 24 710 343 28 039 761 Schramberg 20 572 400 22 578 341 30 892 323 29 581 750 23 075 740 25 769 432 Sulz am Neckar 4 419 661 5 196 163 6 158 408 5 498 079 6 685 463 7 296 192 Villingendorf 1 083 877 1 144 718 1 073 117 1 158 832 1 461 565 1 543 486 Vöhringen 1 629 374 1 584 229 1 480 133 1 589 503 1 798 294 2 075 571 Wellendingen 2 420 983 3 840 613 5 260 135 5 346 574 4 119 224 6 568 307 Zimmern ob Rottweil 2 336 137 2 953 032 3 917 467 4 291 229 4 914 823 6 105 289 Fluorn-Winzeln 1 467 175 933 279 1 488 933 1 252 880 1 812 784 1 450 359 Eschbronn 606 347 459 461 591 077 752 343 835 456 823 889 Deisslingen 2 998 668 3 257 643 3 824 323 5 544 825 5 599 146 4 040 324 Datenquelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 5
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 Eine Darstellung der Steuerquote auf Landkreisebene liegt nicht vor. Durch die über den gesamten zu betrachtenden Zeitraum anhaltende Umstellung von der ka- meralen auf die doppische Buchführung und die Unterschiede zwischen den dop- pischen Einzahlungen und den kameralen Einnahmen sind keine belastbaren Er- gebnisse darstellbar. 3. Wie bewertet sie die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis Rottweil im lan- desweiten Vergleich? Zu 3.: Für die folgenden Aussagen zur Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung im LKR Rottweil im landesweiten Vergleich wurde auf Angaben der amtlichen Statistik zurückgegriffen. Mit 139.900 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2019) zählt der LKR Rottweil zu den kleinen Landkreisen Baden-Württembergs. Der Bevölkerungsanteil am Land beträgt 1,3 Prozent. Seit dem Jahr 2008 verzeichnete der LKR Rottweil einen Be- völkerungsrückgang von rund 1.200 Einwohnern, bzw. 0,8 Prozent, während die Bevölkerung im Land im selben Zeitraum um rund 3,3 Prozent anwuchs. Im LKR Rottweil arbeiteten im Jahr 2018 insgesamt 78.800 Erwerbstätige. Zwischen 2008 und 2018 nahm die Anzahl der Erwerbstätigen um 6.100 bzw. 8,4 Prozent zu, womit sich die Beschäftigungslage im LKR Rottweil unterhalb des Landestrends (Zuwachs: 10,2 Prozent) entwickelte. Die Arbeitslosigkeit im LKR Rottweil betrug im Jahr 2019 2,3 Prozent (bezogen auf alle zivilen Erwerbs- personen) und lag damit noch unter dem Landesdurchschnitt von 3,2 Prozent. Die Arbeitsplatzdichte, gemessen an den Erwerbstätigen je 100 Einwohner, lag im Jahr 2018 mit 56,5 ungefähr im Landesdurchschnitt (57,3). Im Saldo pendelten zudem im Jahr 2019 rund 2.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus dem LKR Rottweil in andere Kreise aus. Die Wirtschaftsleistung des LKR Rottweil beträgt, gemessen am Bruttoinlands- produkt im Jahr 2017, 6.093 Mio. Euro (Anteil Baden-Württemberg: 1,2 Prozent) und nahm zwischen den Jahren 2008 und 2017 nominal um 31,9 Prozent zu (siehe Abbildung 1). Das nominale BIP-Wachstum lag damit über der Entwicklung auf Landesebene (Zuwachs 2008 bis 2017: 29,8 Prozent). Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 war der LKR Rottweil überdurchschnittlich stark von Rückgängen der Wirtschaftsleistung getroffen, verzeichnete aber in den fol- genden Jahren eine rasche Erholung oberhalb des Landestrends. Abbildung 1: Entwicklung Bruttoinlandsprodukt (nominal) Entwicklung Bruttoinlandsprodukt (nominal) 2008-2017 (Index: 2008=100) 140 131,9 130 129,8 120 110 100 90 80 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Baden-Württemberg Landkreis Rottweil Datenquelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. 6
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 Der Industrie kommt im LKR Rottweil eine hohe Bedeutung zu. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes (VG) an der Bruttowertschöpfung (BWS) lag im LKR Rottweil mit 47,2 Prozent im Jahr 2017 weit über dem Landesdurchschnitt (33,7 Prozent). Zwischen den Jahren 2008 (BWS-Anteil VG: 42,4 Prozent) und 2017 nahm die Bedeutung der Industrie im LKR Rottweil deutlich zu (siehe Ab- bildung 2), stärker als auf Landesebene (BWS-Anteil VG Baden-Württemberg 2008: 32,1 Prozent). Trotz des starken Einbruchs im Jahr 2009 trug das Verarbei- tende Gewerbe damit im LKR Rottweil seit dem Jahr 2008 mit einem nominalen Wertschöpfungszuwachs von 47,2 Prozent überdurchschnittlich zum gesamten Wertschöpfungswachstum im Kreis in Höhe von 32,2 Prozent bei. Die Bauwirt- schaft (Zuwachs 56,3 Prozent) wies im Zeitraum 2008 bis 2017 eine noch dyna- mischere Entwicklung der Bruttowertschöpfung als die Industrie auf, jedoch blieb der Dienstleistungssektor im LKR Rottweil (Zuwachs 16,7 Prozent) deutlich zurück. Neben dem Verarbeitenden Gewerbe (2019: 26.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte) kommt in den Dienstleistungen vor allem den Wirtschaftszweigen „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ (6.300) sowie „Ge- sundheits- und Sozialwesen“ (6.300) eine große Bedeutung für den LKR Rottweil zu. In diesen drei Wirtschaftszweigen konzentrieren sich 2019 67,1 Prozent der Beschäftigten des LKR Rottweil. In den Jahren 2008 bis 2017 verzeichnete Baden-Württemberg (Gesamtzuwachs nominale BWS: 30,1 Prozent) auf sektoraler Ebene in der Bauwirtschaft (Zu- wachs: 58,6 Prozent) sowie in den Dienstleistungen (Zuwachs: 26,3 Prozent) stär- kere nominale Wachstumsraten der Bruttowertschöpfung als der LKR Rottweil. Allerdings lag der nominale Zuwachs der Bruttowertschöpfung im Verarbeiten- den Gewerbe (Baden-Württemberg: 36,4 Prozent) im LKR Rottweil mit 47,2 Pro- zent höher. Abbildung 2: Anteil Verarbeitendes Gewerbe an der Bruttowertschöpfung Anteil Verarbeitendes Gewerbe an der Bruttowertschöpfung 2008, 2009, 2017 (in %) 2017 47,2% 33,7% 2009 38,1% 27,4% 2008 42,4% 32,1% 20% 30% 40% 50% Landkreis Rottweil Baden-Württemberg Datenquelle: VGR der Länder. Bei der Exportquote liegt die Industrie im LKR Rottweil im Landesvergleich zurück. Auf die Auslandsumsätze im Verarbeitenden Gewerbe entfiel im LKR Rottweil 2019 ein Anteil von 44,8 Prozent an den Gesamtumsätzen. Während auf Landesebene der Anteil der industriellen Auslandsumsätze zwischen 2008 und 2019 um 7,2 Prozentpunkte von 48,0 Prozent auf 55,2 Prozent anstieg, steigerte die Industrie im LKR Rottweil den Anteil ausgehend von 43,8 Prozent um 1,0 Prozentpunkte. Die Wirtschaft im LKR Rottweil ist zudem stärker als im Land durch kleine und mittlere Betriebe geprägt. Der Beschäftigungsanteil von Betrieben mit weniger als 50 Beschäftigten lag im Jahr 2018 mit 38,9 Prozent über dem Landesdurchschnitt von 36,8 Prozent. Überdurchschnittlich hoch lag auch der Anteil an allen Be- schäftigten im LKR Rottweil bei den Betrieben zwischen 50 und 249 Beschäftig- ten (LKR Rottweil: 31,6 Prozent, Baden-Württemberg: 27,4 Prozent). 7
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 Neben weiteren Einflussfaktoren bestimmt die Innovationsfähigkeit das Wachs- tumsprofil einer Raumschaft. Zur Ermittlung der Innovationsfähigkeit wird vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg der Innovationsindex für die Kreise und kreisfreien Städte berechnet. Im Innovationsindex des Statistischen Landes- amts 2018 lag der LKR Rottweil unter den 44 Kreisen und kreisfreien Städten des Landes auf Rang 31 und damit im hinteren Drittel. Im Vergleich zum Innova- tionsindex des Jahres 2008 verlor der LKR Rottweil sieben Rangplatzierungen. Zwischen 2008 und 2018 ging die Punktzahl des LKR Rottweil im Innovationsin- dex deutlich von 27,7 auf 22,9 Punkte zurück. Auf Landesebene nahm der Inno- vationsindex im selben Zeitraum von 34,1 Punkten um 3,4 Punkte auf 37,5 Punk- te zu. Die internen Aufwendungen der Wirtschaft für Forschung und Entwicklung stiegen im LKR Rottweil zwischen 2007 und 2015 um 31,6 Prozent von 87,3 Mio. Euro auf 114,9 Mio. Euro. Im Land stiegen diese Aufwendungen im selben Zeitraum um 45,1 Prozent. Das regionale Wirtschaftswachstum lässt sich analytisch in verschiedene Ein- flussfaktoren aufteilen: zum einen ist die Entwicklung nicht von der des Landes abgekoppelt, zum anderen ist die Wirtschaftsstruktur ein Einflussfaktor, schließ- lich sind standortspezifische Bedingungen zu nennen. Im Vergleich zu Baden- Württemberg insgesamt verlief die Wirtschaftsentwicklung im LKR Rottweil in den Jahren 2008 bis 2017 überdurchschnittlich dynamisch. Die Erwerbstätigen- zahl dagegen entwickelte sich im Beobachtungszeitraum verhaltener als im Lan- desschnitt. Eine regionalökonomische Shift-Share-Analyse, die Konjunktur-, Struktur- und Standortkomponenten differenziert, gibt erste Anhaltspunkte für die Gründe. Datenbasis sind die Sektoren Land- und Forstwirtschaft, Fischerei sowie Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungsbereiche (Gliederungstiefe A10 mit Zusammenfassungen): Nominale Bruttowertschöpfung (BWS); Differenz der Veränderungsraten LKR Strukturkomponente Standortkomponente Rottweil und Land Baden-Württemberg (in Prozentpunkten) (in Prozentpunkten) (2008-2017, in Prozentpunkten) 2,11 = 1,09 + 1,02 Anzahl der Erwerbstätigen; Differenz der Veränderungsraten LKR Rottweil Strukturkomponente Standortkomponente und Land Baden-Württemberg (in Prozentpunkten) (in Prozentpunkten) (2008-2017, in Prozentpunkten) -0,85 = -1,23 + 0,38 Allein die Wirtschaftsstruktur hätte demnach ein im Landesvergleich um 1,09 Pro- zentpunkte überdurchschnittliches Wachstum der Bruttowertschöpfung erwarten lassen, da die Branchen, deren Wertschöpfung sich stärker als die Gesamtwirtschaft entwickelt haben, im LKR Rottweil einen höheren Wertschöpfungsanteil aufweisen als im Land. Darüber hinaus ist die überdurchschnittliche Entwicklung der gesamtwirtschaft- lichen Wertschöpfung im LKR Rottweil in fast gleichem Maße auf die Standort- komponente von 1,02 Prozentpunkten zurückzuführen. Diese bildet ab, dass sich die einzelnen Branchen im LKR Rottweil und im Land unterschiedlich entwickelt haben. So weist das Produzierende Gewerbe im LKR Rottweil im Vergleich zum Produzierenden Gewerbe im Land insgesamt eine deutlich überdurchschnittliche Dynamik auf. Alle anderen betrachteten Branchen dagegen zeigten im Beobach- tungszeitraum im LKR Rottweil im Vergleich zu der im Land eine schwächere Steigerung der Bruttowertschöpfung. Über alle Branchen hinweg sorgt das ausge- sprochen hohe Industriewachstum für einen positiven Standortfaktor. Gleichartige Berechnungen für die Erwerbstätigkeit ergeben, dass die Beschäfti- gung im LKR Rottweil etwas schwächer gestiegen ist als im Land (Differenz -0,85 Prozentpunkte). Die Wirtschaftsstruktur für sich genommen hätte schon eine etwas schwächere Entwicklung erwarten lassen (Strukturkomponente -1,23 Pro- zentpunkte). Entscheidender Faktor ist hier, dass das Produzierende Gewerbe, das 8
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 landesweit im Vergleich zur Gesamtwirtschaft weniger Beschäftigung aufgebaut hat, im LKR Rottweil ein größeres Gewicht hat. Entsprechend geringer ist der Anteil derjenigen Dienstleistungsbranchen, die sich landesweit als Beschäfti- gungsmotor erwiesen hatten. Trotz dieser Wirtschaftsstruktur wurde die Beschäftigungsentwicklung tenden- ziell durch standortbedingte Faktoren gestützt, die sich weder auf gesamtwirt- schaftliche Effekte noch auf die Branchenstruktur zurückführen lässt. Diese Ein- flussgrößen sind im Standortfaktor zusammengefasst, der sich auf 0,38 Prozent- punkte summiert. Hier spiegelt sich wieder, dass der Beschäftigungsaufbau der Industrie im LKR Rottweil stärker war als im Land. Ein wichtigerer Faktor war allerdings der Bereich „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister mit Grundstücks- und Wohnungswesen“ als überdurchschnittlich dynamischer Beschäftigungsmotor. 4. Wie hat sich die Zahl von Anfängern und Absolventen einer betrieblichen Aus- bildung bzw. in Betrieben des Landkreises Rottweil dual Studierender seit 2008 bis heute entwickelt (aufgeteilt nach Branchen)? Zu 4.: Tabelle 6 zeigt die Entwicklung der Zahl der Auszubildenden mit neu abgeschlos- senem Ausbildungsvertrag im LKR Rottweil insgesamt sowie in den Ausbil- dungsbereichen Industrie und Handel, Handwerk, Landwirtschaft, Öffentlicher Dienst, Freie Berufe und Hauswirtschaft seit dem Jahr 2008. Tabelle 6: Auszubildende mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag im LKR Rottweil*) nach Ausbildungsbereichen davon im Ausbildungsbereich Berichts- Neuabschlüsse Industrie jahr insgesamt Hand- Landwirt- Öffentl. Freie Hauswirt- und werk schaft Dienst Berufe schaft Handel 2019 1 069 690 253 13 34 74 5 2018 1 070 716 238 18 31 62 5 2017 1 032 684 232 16 25 71 4 2016 1 023 683 223 14 26 69 8 2015 958 625 230 12 28 57 6 2014 1 057 703 228 16 26 79 5 2013 1 063 657 283 14 26 78 5 2012 1 067 690 280 15 27 51 4 2011 1 109 696 295 14 26 72 6 2010 1 036 622 292 18 30 68 6 2009 1 070 661 294 22 29 59 5 2008 1 133 695 308 19 25 78 8 *) Zuordnung nach dem Ort der Ausbildungsstätte. Datenquelle: Berufsbildungsstatistik, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, August 2020 Tabelle 7 zeigt die Entwicklung der Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit bestandener Abschlussprüfung im LKR Rottweil seit dem Jahr 2008 insge- samt sowie in den Ausbildungsbereichen Industrie und Handel, Handwerk, Land- wirtschaft, Öffentlicher Dienst, Freie Berufe und Hauswirtschaft. 9
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 8590 Tabelle 7: Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit bestandener Abschlussprüfung im LKR Rottweil*) nach Ausbildungsbereichen davon im Ausbildungsbereich Teilnehmer/-innen Berichts- Industrie mit bestandener Hand- Landwirt- Öffentl. Freie Hauswirt- jahr und Abschlussprüfung werk schaft Dienst Berufe schaft Handel 2019 862 594 165 7 25 65 6 2018 796 551 156 13 27 42 7 2017 860 603 162 17 26 51 1 2016 872 601 167 7 25 67 5 2015 847 571 197 12 24 41 2 2014 903 581 226 15 23 56 2 2013 899 591 215 13 21 54 5 2012 953 644 217 14 28 45 5 2011 977 622 243 19 24 65 4 2010 993 581 295 15 28 67 7 2009 907 558 244 17 26 57 5 2008 907 563 250 15 32 43 4 *) Zuordnung nach dem Ort der Ausbildungsstätte. Datenquelle: Berufsbildungsstatistik, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, August 2020 Die gewünschten Daten werden nicht im Rahmen der amtlichen Statistik erhoben. Auf Basis der eigenen statistischen Daten der Dualen Hochschule Baden-Würt- temberg (DHBW) können jedoch für den Zeitraum ab 2009 die Zahlen der Studi- enanfängerinnen und -anfänger in Ausbildungsstätten mit Sitz im Landkreis Rott- weil genannt werden. Die Angaben beziehen sich dabei auf alle Standorte der DHBW. Tabelle 8: Studienanfängerinnen und -anfänger an der DHBW in Ausbildungs- stätten mit Sitz im Landkreis Rottweil Semester WS 2009/10 WS 2010/11 WS 2011/12 WS 2012/13 WS 2013/14 WS 2014/15 Studienanfängerin- nen und -anfänger 84 58 85 97 103 90 Semester WS 2015/16 WS 2016/17 WS 2017/18 WS 2018/19 WS 2019/20 Studienanfängerin- nen und -anfänger 100 96 109 122 113 Quelle: Duale Hochschule Baden-Württemberg Eine Aufteilung nach Branchen erfolgt bei der statistischen Erfassung durch die DHBW nicht. Für die Absolventinnen und Absolventen wird in der internen Prü- fungsstatistik der DHBW die Zugehörigkeit zur Ausbildungsstätte nicht erhoben. 5. Wie viele Ausbildungsplätze bleiben aktuell im Landkreis Rottweil unbesetzt? Zu 5.: Die Bundesagentur für Arbeit meldet im Juli 2020 475 unbesetzte Ausbildungs- stellen im LKR Rottweil. 6. Mit welchen Mitteln aus dem originären Landeshaushalt hat sie die wirtschaft- liche Entwicklung im Landkreis Rottweil seit 2008 bis heute gefördert? Zu 6.: Die wirtschaftliche Entwicklung im LKR Rottweil wurde aus dem „originären Landeshaushalt“ wie folgt gefördert: 10