Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft im Landkreis Esslingen

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Landtag von Baden-Württemberg                                                      Drucksache 16 / 8554 16. Wahlperiode                                                                    24. 07. 2020 Kleine Anfrage der Abg. Andrea Lindlohr GRÜNE und Antwort des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft im Landkreis Esslingen Kleine Anfrage Ich frage die Landesregierung: 1. Wie viele Betriebe, die ökologische Landwirtschaft betreiben, gibt es aktuell im Landkreis Esslingen unter Angabe, auf welcher Gemarkung sie liegen und wie die landesweite aktuelle Entwicklung ist (getrennt nach Haupt- und Neben- erwerbsbetrieben sowie Betriebsgrößenklassen)? 2. Wie hat sich im Landkreis Esslingen die Zahl der ökologischen Anbaubetriebe in den letzten zehn Jahren entwickelt unter Angabe, wie die landesweite Ent- wicklung ist (getrennt nach Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben sowie Be- triebsgrößenklassen)? 3. Wie hat sich im Landkreis Esslingen die Anbaufläche, auf denen ökologische Lebensmittel erzeugt werden, in den letzten zehn Jahren entwickelt unter An- gabe, wie die landesweite Entwicklung ist (getrennt nach Anteil Acker, Grün- land sowie Sonderkulturen)? 4. Welchen Trend verzeichnet die ökologische Landwirtschaft in Baden-Würt- temberg unter Angabe, wie sie die zukünftigen Chancen dieser Bewirtschaf- tungsweise einschätzt? 5. Wie fördert die Landesregierung die ökologische Landwirtschaft unter Darle- gung, wie sich die Fördersummen seit 2011 im Land und im Landkreis Esslin- gen entwickelt haben? 6. Wie fördert die Landesregierung die regionale Landwirtschaft unter Darlegung, wie sich die Fördersummen seit 2011 im Land und im Landkreis Esslingen ent- wickelt wie haben? 7. Kennt sie Auswirkungen auf die ökologische Landwirtschaft durch die Corona- Krise? Eingegangen: 24. 07. 2020 / Ausgegeben: 31. 08. 2020                                                        1 Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet       Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeich- abrufbar unter: www.landtag-bw.de/Dokumente             net mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.
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Landtag von Baden-Württemberg                                                           Drucksache 16 / 8554 8. Wie viele Anträge auf Corona-Hilfen sind von landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Esslingen gestellt worden unter Angabe, wie viele Mittel bewil- ligt wurden (getrennt nach konventioneller und ökologischer Landwirtschaft sowie anteilig an der Gesamtbetriebszahl)? 9. Welche Bedeutung hat der Öko-Landbau für die Artenvielfalt unter Darle- gung, was er dabei konkret leistet? 10. Welche zusätzlichen Maßnahmen sollen insbesondere im Kreis Esslingen er- griffen werden, um das Biodiversitätsstärkungsgesetz umzusetzen? 24. 07. 2020 Lindlohr GRÜNE Begründung Obwohl der Landkreis Esslingen zu einem Verdichtungsraum zählt, hat die Land- wirtschaft hier eine große Bedeutung bei der Versorgung der Menschen mit öko- logischen und regionalen Lebensmitteln. Der ökologische Landbau schützt durch seine nachhaltige Bewirtschaftungsweise unsere natürlichen Lebensgrundlagen sowie die Artenvielfalt. Die Landesregierung hat sich daher das Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2030 etwa 30 bis 40 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Baden-Württemberg nach den Regeln des ökologi- schen Landbaus bewirtschaftet werden sollen. Der Markt für Bio-Lebensmittel und die Nachfrage der baden-württembergischen Verbraucherinnen und Verbraucher nach Bioprodukten wächst beständig. Baden- Württemberg hat durch seine kleineren landwirtschaftlichen Strukturen mit leis- tungsfähigen bäuerlichen Familienbetrieben ein besonderes Potenzial beim Aus- bau der Öko-Landwirtschaft. Auch in der Corona-Krise zeigt sich der Bio-Markt stabil: Es kam zu einem An- stieg der Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln. Die vorliegende Kleine Anfrage fragt nach der Entwicklung des ökologischen und regionalen Landbaus im Landkreis Esslingen auch mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise. 2
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Landtag von Baden-Württemberg                                                             Drucksache 16 / 8554 Antwort Mit Schreiben vom 18. August 2020 Nr. Z(210)-0141.5/570F beantwortet das Mi- nisterium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Einvernehmen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau und dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft die Kleine Anfrage wie folgt: 1. Wie viele Betriebe, die ökologische Landwirtschaft betreiben, gibt es aktuell im Landkreis Esslingen unter Angabe, auf welcher Gemarkung sie liegen und wie die landesweite aktuelle Entwicklung ist (getrennt nach Haupt- und Neben- erwerbsbetrieben sowie Betriebsgrößenklassen)? 2. Wie hat sich im Landkreis Esslingen die Zahl der ökologischen Anbaubetriebe in den letzten zehn Jahren entwickelt unter Angabe, wie die landesweite Ent- wicklung ist (getrennt nach Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben sowie Be- triebsgrößenklassen)? Zu 1. und 2.: Die zuständige Behörde für die Öko-Kontrolle in Baden-Württemberg beim Re- gierungspräsidium Karlsruhe (RP K) erfasst die Daten aller zugelassenen Öko- betriebe in Baden-Württemberg. Aktuell (8/2020) sind in der Öko-Kontrollstatis- tik für den Kreis Esslingen 148 Erzeugerbetriebe, davon 72 Streuobsterzeuger und 76 landwirtschaftliche Erzeuger erfasst. Seit dem Jahr 2011 stieg die Zahl der Öko- Erzeugerbetriebe im Kreis Esslingen von 78 auf 140 im Jahr 2019 stetig an. Tabelle 1: Öko-Erzeugerbetriebe im Landkreis Esslingen nach Jahren Kreis Esslingen landwirtschaftliche Streuobst-                Erzeugung Jahr          Anbau                (ohne Streuobst)        gesamt 2011            32                        46                 78 2012            35                        47                 82 2013            38                        52                 90 2014            38                        52                 90 2015            42                        53                 95 2016            52                        53                105 2017            52                        61                113 2018            68                        64                132 2019            67                        73                140 Quelle: RP K Öko-Kontrollstatistik In der folgenden Tabelle sind die Anzahl der reinen Streuobstbetriebe und die landwirtschaftlichen Betriebe in Baden-Württemberg mit ökologischer Erzeugung in den Jahren von 2011 bis 2019 aus der Öko-Kontrollstatistik des RP K zusam- mengestellt. 3
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Landtag von Baden-Württemberg                                                                       Drucksache 16 / 8554 Tabelle 2: Öko-Erzeugerbetriebe und ökologisch bewirtschaftete Fläche in Baden- Württemberg von 2011 bis 2019 Baden-Württemberg landwirtschaftliche                         ökologisch bewirt- reine Streuobst-                                      Betriebe Jahr                                         Betriebe                              schaftete Fläche betriebe                                          gesamt (ohne Streuobst)                                (in ha) 2011                3.430                      3.079                 6.509              112.567 2012                3.578                      3.202                 6.780              116.983 2013                3.626                      3.289                 6.915              121.454 2014                3.603                      3.316                 6.919              124.534 2015                3.680                      3.450                 7.130              130.436 2016                3.838                      3.781                 7.619              151.111 2017                4.579                      4.070                 8.649              165.640 2018                4.985                      4.305                 9.290              174.464 2019                5.829                      4.542                10.371              186.905 Quelle: RP K Öko-Kontrollstatistik Für eine detaillierte Auswertung nach Flächen und Gemarkungen werden die Da- ten des Antragsverfahrens zum Gemeinsamen Antrag (GA) im Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) herangezogen. Nicht alle Betriebe im Öko-Kontrollverfahren stellen einen Antrag in FAKT. Im Landkreis Esslingen wurden im Antragsjahr 2019 52 landwirtschaftliche Be- triebe im Rahmen des Agrarumweltprogramms FAKT mit der Teilmaßnahme D2 – Ökologischer Landbau gefördert. 75 % der Betriebe im Landkreis Esslingen werden im Nebenerwerb bewirtschaftet mit durchschnittlich halb so viel Fläche wie die Haupterwerbsbetriebe. Tabelle 3: Anzahl der Betriebe im Landkreis Esslingen, welche die FAKT Teil- maßnahme D2 – Ökologischer Landbau beantragt haben, nach Größen- klassen Landkreis Esslingen > 5 ha     > 10 ha > 20 ha             über bis 5 ha bis 10 ha bis 20 ha bis 50 ha              50 ha        Summe MEKA III 2014              4            4          6            10            13          37 FAKT 2015             6            4          8            11            13          42 2016        5            4          8            11            14          42 2017        6            5          9            10            15          45 davon Haupterwerb*                1            0          2             5            6           14 2018        6            6         10            13            15          50 davon Haupterwerb*                1            0          2             5            6           14 2019        7            6         10            15            14          52 davon Haupterwerb*                2            0          2             5            6           15 * Diese Angabe ist nur von Einzelunternehmen ab dem GA 2017 erforderlich. Eine GbR oder an- dere Gesellschaftsformen sind daher unter „davon Haupterwerb“ nicht berücksichtigt. Quelle: MLR (Gemeinsamer Antrag) Die Auswertungen nach Betriebsgrößen für ökologische Erzeugerbetriebe im Kreis Esslingen liegen für die Jahre 2011 bis 2013 nicht vor. Bezüglich der landesweiten Entwicklung wird auf Tabelle 5 unter Ziffer 5 verwie- sen. 4
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Landtag von Baden-Württemberg                                                          Drucksache 16 / 8554 3. Wie hat sich im Landkreis Esslingen die Anbaufläche, auf denen ökologische Lebensmittel erzeugt werden, in den letzten zehn Jahren entwickelt unter An- gabe, wie die landesweite Entwicklung ist (getrennt nach Anteil Acker, Grün- land sowie Sonderkulturen)? Zu 3.: Die Anbauflächen im ökologischen Landbau nach FAKT D2 – Ökologischer Landbau sind bei allen Produktionszweigen seit 2014 stetig gestiegen (siehe Ta- belle 4). Für die Flächenentwicklung vor 2014 wird auf die Landtagsdrucksache Nr. 15/6089 vom 28. November 2014 verwiesen. Der Weinbau im Landkreis Esslingen findet in Hang- und Steillagen statt. In den meist terrassierten Steillagen sind die Möglichkeiten der mechanischen Unkraut- bekämpfung, wie sie im ökologischen Weinbau erforderlich sind, stark einge- schränkt (begrenzte Mechanisierbarkeit, erhöhtes Erosionsrisiko). Beim klein- strukturierten Weinbau im Kreis ist der Absatz überwiegend genossenschaftlich organisiert. Dies begünstigt eher den konventionellen Weinanbau. Tabelle 4: Anbauflächen des ökologischen Landbaus (D2 im FAKT) in ha; LK Esslingen im Vergleich zur landesweiten Entwicklung 2014 bis 2019 Vergleich Landkreis Esslingen/Land Baden-Württemberg (D2 im FAKT, Fläche in ha) LK/Land                Antragsjahr        Ackerland       Grünland      Gartenbau LK Esslingen         2014 (MEKA III)             514           770               48 Land BW              2014 (MEKA III)          36.998        62.022           1.417 LK Esslingen                2015                 535           704               49 Land BW                     2015              38.142        59.195           1.501 LK Esslingen                2016                 538           726               53 Land BW                     2016              41.848        65.221           1.567 LK Esslingen                2017                 550           728               55 Land BW                     2017              48.272        72.283           1.728 LK Esslingen                2018                 606           787               55 Land BW                     2018              53.770        76.811           1.753 LK Esslingen                2019                 597           805               69 Land BW                     2019              57.832        79.459           1.761 Quelle: MLR (Gemeinsamer Antrag) 4. Welchen Trend verzeichnet die ökologische Landwirtschaft in Baden-Württem- berg unter Angabe, wie sie die zukünftigen Chancen dieser Bewirtschaftungs- weise einschätzt? Zu 4.: Der Trend der Entwicklung von ökologisch bewirtschafteter Fläche und der An- zahl an Ökobetrieben ist in der Antwort zu den Ziffern 1 und 2 beschrieben. Stand Ende 2019 gab es in Baden-Württemberg über 12.800 Unternehmen der Erzeu- gung, Verarbeitung und Vermarktung im Verfahren der Ökokontrolle. Der positi- ve Trend der Erzeugung wird in der Wertschöpfungskette in der Verarbeitung und Vermarktung aufgenommen. 5
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Landtag von Baden-Württemberg                                                           Drucksache 16 / 8554 Insgesamt werden in Baden-Württemberg vielversprechende Potenziale für die regionale und die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft gesehen. Immer mehr Menschen möchten wissen, wie und wo ihre Lebensmittel produziert wer- den. Gleichzeitig gibt es globale Herausforderungen, wie den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt, welche die Kaufentscheidungen ebenfalls immer stärker beeinflussen. Die Landesregierung hat sich daher das Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2030 30 bis 40 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Baden-Württemberg nach den Regeln des ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden. Dabei soll der Zu- wachs nachfrageorientiert realisiert werden. Diese Chancen möchte die Landes- regierung so ausgeschöpft wissen, dass dies den Unternehmen, den Verbrauche- rinnen und Verbrauchern im Land und auch der Umwelt zugutekommt. Der aktuell weiterentwickelte Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg nimmt die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick und bündelt eine Vielzahl an Maß- nahmen, Aktionen und Projekten mit dem Ziel, den Ökolandbau im Land voran- zubringen. Der Aktionsplan umfasst die folgenden Handlungsfelder (www.bio-aus-bw.de): • Erzeugen & Verarbeiten • Bildung, Beratung, Forschung & Fachinformationen • Vermarkten & Anbieten • Öko-Kontrolle & Recht • Informieren, Nachfragen & Genießen • Übergreifendes Handlungsfeld: Rahmenbedingungen und Projekte für mehr Öko- Landbau, Öko-Lebensmittelwirtschaft und Nachfrage nach Öko-Produkten 5. Wie fördert die Landesregierung die ökologische Landwirtschaft unter Darle- gung, wie sich die Fördersummen seit 2011 im Land und im Landkreis Esslin- gen entwickelt haben? Zu 5.: Insgesamt betrachtet setzen die Maßnahmen zur Förderung des ökologischen Landbaus in Baden-Württemberg auf sehr unterschiedlichen Ebenen an, mit dem Ziel, die Entwicklung des ökologischen Landbaus im Land zu unterstützen und das Angebot an regional erzeugten und vermarkteten Bioprodukten zu erhöhen. Die ökologische Landwirtschaft hat insbesondere folgende Förderungen erhalten: Flächenförderung über FAKT und bis 2014 MEKA: Im Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) des Gemeinsamen Antrags (GA) sind sowohl die Anzahl der Antragsteller als auch der Förderbetrag der ökologisch wirtschaftenden Betriebe im Landkreis Esslingen von 2014 bis 2019 stetig gestiegen. Der landesweite Anstieg spiegelt sich auch im Landkreis Esslingen wieder. 6
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Landtag von Baden-Württemberg                                                           Drucksache 16 / 8554 Tabelle 5: Entwicklung der Teilmaßnahme Ökolandbau (D2) im FAKT 2014 bis 2019 Land Baden-Württemberg                   LK Esslingen Anzahl der        Betrag         Anzahl der           Betrag Antragsjahr Antragsteller     in EUR         Antragsteller        in EUR MEKA 2014            2.794       22.624.159             36             305.950 III 2015            2.840       27.290.200             39             366.733 2016            3.097       30.754.898             42             383.502 FAKT            2017            3.415       35.455.941             42             381.952 2018            3.671       38.075.354             48             417.688 2019            3.850       39.062.365             51             454.234 Quelle: MLR (Gemeinsamer Antrag) Förderung nach der VwV Stärkung Ökologischer Landbau Die Verwaltungsvorschrift zur Stärkung des Ökologischen Landbaus ermöglicht es, sehr kleine ökologisch wirtschaftende Flächenbewirtschafter sowie ökologisch wirtschaftende Imkerinnen und Imker zu fördern, die keinen Förderantrag im Rahmen des Gemeinsamen Antragverfahrens in FAKT stellen. Landesweit wurden im Durchschnitt rund 410.000 Euro pro Jahr an rund 2.500 An- tragsteller bei jährlich schwankenden Zahlen ausgezahlt. Für den Kreis Esslingen liegen keine Einzeldaten vor. Investive Förderung über das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) und die Maßnahme zur Diversifizierung Ende 2019 wirtschafteten 11,5 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Ba- den-Württemberg nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus. In der Förderperiode 2007 bis 2013 lag der Anteil des Fördervolumens für ökolo- gisch wirtschaftende Betriebe landesweit im AFP mit 21,7 Mio. Euro und in der Diversifizierung mit 2,6 Mio. Euro bei jeweils rund 9 Prozent. In der noch laufen- den Förderperiode 2014 bis 2020 beträgt der Anteil des Fördervolumens für öko- logisch wirtschaftende Betriebe landesweit im AFP mit 36 Mio. Euro von insge- samt 173 Mio. Euro rund 21 Prozent. Im gleichen Zeitraum erhielten ökologisch wirtschaftende Betriebe landesweit in der Maßnahme Diversifizierung mit 3,8 Mio. Euro von insgesamt 27 Mio. Euro rund 14 Prozent der Fördermittel. Rund 36 Prozent (rd. 0,9 Mio. Euro) der in der laufenden Förderperiode im Land- kreis Esslingen bewilligten Mittel für AFP-Vorhaben fließen in Öko-Betriebe, da- zu kommt ein kleineres Diversifizierungs-Vorhaben eines Öko-Betriebs. Investive Förderung über die Maßnahme Marktstrukturverbesserung Im Rahmen der Förderung der Verbesserung der Verarbeitungs- und Vermarktungs- struktur landwirtschaftlicher Erzeugnisse (Marktstrukturverbesserung) erhalten Unternehmen der Verarbeitung und Vermarktung, die überwiegend ökologisch erzeugte Qualitätsprodukte erfassen und vermarkten, zu ihren Investitionen aktu- ell einen um 10 Prozent auf 30 Prozent erhöhten Fördersatz. In der Förderperiode 2007 bis 2013 lag der Anteil des Fördervolumens für die entsprechenden Unter- nehmen bei rund 7 Prozent (= rund 5,5 Mio. Euro). In der laufenden Förderpe- riode 2014 bis 2020 beträgt der Anteil des Fördervolumens für Unternehmen, die 7
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Landtag von Baden-Württemberg                                                         Drucksache 16 / 8554 aufgrund der überwiegenden Erfassung und Vermarktung von ökologisch erzeug- ten Qualitätsprodukten einen erhöhten Fördersatz erhalten, rund 18 Prozent (ent- spricht knapp 15 Mio. Euro). Davon floss in den Landkreis Esslingen in der lau- fenden Förderperiode rund eine Mio. Euro. Bildung und Beratung Bildung und Beratung kommen für die Betriebsentwicklung eine Schlüsselrolle zu. Fort- und Weiterbildungs- sowie Beratungsangebote, die speziell auch die ökologische Wirtschaftsweise beinhalten, stehen landesweit allen landwirtschaft- lichen Unternehmen und damit auch den Unternehmen des Landkreises Esslingen zur Verfügung. So wird der Ökolandbau in allen landwirtschaftlichen Fachschu- len lehrplanmäßig unterrichtet. Am landwirtschaftlichen Bildungszentrum auf der Hochburg in Emmendingen gibt es eine eigene Fachschulklasse für die Ausbil- dung zum/zur Wirtschafter/-in für Landwirtschaft, Fachgebiet ökologischer Land- bau. Die Förderung der Beratung für landwirtschaftliche Unternehmen umfasst des Weiteren speziell auf den Ökolandbau ausgerichtete Beratungsmodule, die von nicht staatlichen Beratungsorganisationen durchgeführt werden. Auch Wis- senstransfer- und Informationsveranstaltungen zum ökologischen Landbau für be- reits praktizierende Öko-Landwirtinnen und -Landwirte und für Umstellungs- interessierte werden bezuschusst. 6. Wie fördert die Landesregierung die regionale Landwirtschaft unter Darle- gung, wie sich die Fördersummen seit 2011 im Land und im Landkreis Esslin- gen entwickelt haben? Zu 6.: Das Kernstück zur Förderung der regionalen Landwirtschaft bildet der Maßnah- men- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2014 bis 2020 (MEPL III). Im MEPL III sind 13 Förderprogramme zusammengefasst, mit denen das Land die Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft stärkt, den Erhalt der Kul- turlandschaft unterstützt, die Themen Tierwohl, Ökolandbau, Natur-, Umwelt- und Klimaschutz vorantreibt und zur Verbesserung der Lebensqualität im ländli- chen Raum sowie zur Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe beiträgt. Insge- samt stehen dafür in Baden-Württemberg von 2014 bis 2020 Fördermittel im Um- fang von rund 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung, die über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) der EU (709,6 Mio. Euro) dem Land Baden-Württemberg und dem Bund bereitgestellt werden. Detaillierte Informationen zum MEPL III sind im Internet unter folgendem Link verfügbar: https://foerderung.landwirtschaft-bw.de/pb/MLR.Foerderung,Lde/Start- seite/Agrarpolitik/MEPL+III In den Jahren vor 2014 hat das Land die Umsetzung des Maßnahmen- und Ent- wicklungsplans Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2007 bis 2013 (MEPL II) gefördert. Für die darin enthaltenen 15 Förderprogramme standen rund 1,95 Milli- arden Euro an Fördermitteln bereit, davon rund ein Drittel aus dem ELER. Detaillierte Informationen einschließlich der Ex-Post-Bewertung zum MEPL II sind im Internet unter folgendem Link verfügbar: https://foerderung.landwirt- schaft-bw.de/pb/,Lde/Startseite/Agrarpolitik/MEPL_2 Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Programme zur Förderung der Landwirtschaft. Beispielhaft sind die Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO), die verschiedenen Verfahren der Flurbereinigung und mehrere Pro- gramme zur Förderung des Weinbaus (z. B. Pheromon-Weinbau) zu nennen. Im Förderwegweiser des MLR sind die landwirtschaftlichen Förderprogramme beschrieben (siehe https://foerderung.landwirtschaft-bw.de/pb/,Lde/Startseite/ Foerderwegweiser). 8
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Landtag von Baden-Württemberg                                                             Drucksache 16 / 8554 Die Fördersummen der flächenbezogenen Ausgleichsleistungen und der Zuschüsse der investiven Förderprogramme (Agrarinvestitionsförderprogramm, Diversifizie- rung, Marktstrukturförderung, Landschaftspflege), die über das Land (einschl. Kofinanzierung der EU und des Bundes) finanziert werden, schwanken von Jahr zu Jahr. Im Jahr 2011 wurden landesweit für flächenbezogene Ausgleichsleistun- gen (ohne Direktzahlungen) 169.275.000 Euro und für investive Förderprogram- me 54.814.000 Euro ausgezahlt. Auf den Landkreis Esslingen entfielen im selben Jahr 1.931.000 Euro für flächenbezogene Maßnahmen und 889.000 Euro Zu- schüsse für investive Maßnahmen. Im Jahr 2018 lagen die Auszahlung für flä- chenbezogene Maßnahmen landesweit bei 156.996.000 Euro, im Landkreis Ess- lingen bei 2.412.000 Euro und die Zuschüsse für investive Maßnahmen landes- weit bei 48.190.000 Euro mit 1.971.000 Euro für den Landkreis Esslingen. Investive Förderung über das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) und die Maßnahme zur Diversifizierung Die regionale, ökologisch und konventionell wirtschaftende Landwirtschaft im Kreis Esslingen wird in der aktuellen Förderperiode über das AFP mit insgesamt 21 Fördervorhaben und einem Fördervolumen von rund 2,5 Mio. Euro gefördert. Im Bereich der Diversifizierung werden in diesem Zeitraum elf Vorhaben mit ins- gesamt rund 0,7 Mio. Euro bezuschusst. Investive Förderung über die Maßnahme Marktstrukturverbesserung Im Bereich der Marktstrukturverbesserung erhalten auch Unternehmen der Ver- arbeitung und Vermarktung, die überwiegend regional erzeugte Qualitätsprodukte (QZ-BW, g. g. A., g. t. S. und g. U.) erfassen und verarbeiten, einen auf 30 Prozent erhöhten Fördersatz. In der Förderperiode 2007 bis 2013 lag der Anteil des Fördervolumens für die entsprechenden Unternehmen bei rund 6 Prozent (entspricht rund 4,5 Mio. Euro). In der laufenden Förderperiode 2014 bis 2020 wurden die Unternehmen, die auf- grund der überwiegenden Erfassung und Vermarktung von regional erzeugten Qualitätsprodukten einen erhöhten Fördersatz erhielten, mit rund 12 Mio. Euro unterstützt, was einem Anteil von rund 14,5 Prozent entspricht. Auch hiervon floss, wie bei den unter Ziffer 5 aufgeführten überwiegend ökologisch erzeugten Qualitätsprodukten, in der laufenden Förderperiode in den Landkreis Esslingen knapp eine Million Euro. Darüber hinaus wurde in der laufenden Förderperiode neben den Unternehmen, die in Verbindung mit ökologisch oder regional erzeugten Qualitätsprodukten eine investive Marktstrukturförderung erhielten, ein weiteres Unternehmen der Verar- beitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Landkreis Esslin- gen aus Mitteln der Marktstrukturverbesserung gefördert. Naturschutzmaßnahmen als regionale Einkommensquellen Naturschutzmaßnahmen werden über die Landschaftspflegerichtlinie (LPR) ge- fördert. Davon profitieren überwiegend landwirtschaftliche Betriebe, die sich als Partnerinnen und Partner im Naturschutz sowohl über den Vertragsnaturschutz (LPR Teil A) als auch über Dienstleistungen im Arten- und Biotopschutz (LPR Teil B) neue regionale Einkommensquellen erschließen können. Sowohl die Anzahl der Maßnahmen als auch die Fördersummen sind im Land- kreis Esslingen seit 2011 deutlich angestiegen. So gab es im Jahr 2011 70 Verträge im Vertragsnaturschutz (LPR Teil A) mit 388 ha Förderfläche und einer Vertrags- fördersumme von 156.240 Euro. Im Jahr 2019 gab es bereits 105 Verträge mit 720 ha Förderfläche und einer Vertragssumme von 451.957 Euro. Für Dienst- leistungen im Arten- und Biotopschutz (LPR Teil B) im Landkreis Esslingen gab es im Antragsjahr 2011 92 Vorgänge. Für bewilligte Vorhaben wurden insgesamt 183.111 Euro ausgezahlt. Bis zum Jahr 2019 verdoppelte sich die Anzahl an Vor- gängen auf 203. Die Auszahlungssumme der bewilligten Vorhaben stieg mit einer deutlichen Erhöhung im Jahr 2018 auf 915.510 Euro im Jahr 2019 an. 9
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Landtag von Baden-Württemberg                                                           Drucksache 16 / 8554 Regionalkampagne „Natürlich. VON DAHEIM“ Darüber hinaus startete im August 2017 die Regionalkampagne „Natürlich. VON DAHEIM“. Mit dem Biozeichen Baden-Württemberg, dem Qualitätszeichen Ba- den-Württemberg sowie den geschützten geografischen Angaben als zentrale Ele- mente der Kampagne sollen die Vorzüge der heimischen Produkte und der damit verbundene Mehrwert noch stärker kommuniziert werden. Eine wesentliche Grundlage für die Vielfalt und Vitalität unserer Regionen im ländlichen Raum sowie für die Attraktivität unserer Landschaften ist eine wettbewerbsfähige Land- und Ernährungswirtschaft. Die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der baden- württembergischen Land- und Ernährungswirtschaft ist daher ein Schwerpunkt unserer Politik für den ländlichen Raum und den Wirtschaftsstandort Baden- Württemberg. 7. Kennt sie Auswirkungen auf die ökologische Landwirtschaft durch die Corona- Krise? Zu 7.: Ob und wie landwirtschaftliche Betriebe durch die Corona-Krise beeinträchtigt wurden, hängt insbesondere davon ab, wie der Einzelbetrieb mit seinen wirt- schaftlichen Aktivitäten von den Beschränkungen betroffen war, bspw. über tou- ristische und gastronomische Angebote, dem Einsatz von Saison-Arbeitskräften oder Vermarktungsaktivitäten. Gesicherte Wirkungen, die auf die ökologische oder konventionelle Wirtschaftsweise zurückzuführen sind, liegen nicht vor. Angebote wie in der Fort- und Weiterbildung können unter Corona-Bedingungen nur im Rahmen der allgemein zugelassenen Möglichkeiten stattfinden. So konnte zum Beispiel am Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau Baden-Württemberg (KÖLBW) der Präsenzunterricht in der Fachschulklasse Ökologischer Landbau nach der Corona-Pause nur in kleineren Gruppen unter Beachtung der gebotenen Abstands- und Hygieneregelungen wieder stattfinden. Wissenstransfer- und Informationsveranstaltungen zum ökologischen Landbau, die sich sowohl an bereits praktizierende Öko-Landwirtinnen und -Landwirte wen- den als auch an Umstellungsinteressierte, mussten in der Corona-Krise verscho- ben oder abgesagt werden, wenn sie nicht online durchgeführt werden konnten. Der Wissensvermittlung über digitale Medien kommt somit heute eine größere Rolle zu als vor der Corona-Krise. Die Imagekampagne „Wir versorgen unser Land“ startete am 22. April 2020 und ist unter anderem aus der Intention entstanden, dass zu Beginn der Corona-Pande- mie viele Verbraucherinnen und Verbraucher in Bezug auf die Versorgungssicher- heit im Land sehr beunruhigt waren. Dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz war es daher ein wichtiges Anliegen, den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu vermitteln, welche Rolle die regionale Lebensmittelproduk- tion durch unsere Landwirtinnen und Landwirte, unser heimisches Ernährungs- handwerk, den Lebensmitteleinzelhandel, die Genossenschaften und unsere vielen mittelständischen Betriebe der baden-württembergischen Ernährungswirtschaft seit jeher spielt und zukünftig weiterhin spielen muss. Mittels der Imagekam- pagne sollen exemplarisch die Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden, die die Verbraucherinnen und Verbraucher tagtäglich mit Lebensmitteln versorgen und für unsere vielfältige und leistungsfähige Land- und Ernährungswirtschaft stehen. 10
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