Medizinische Versorgung im Landkreis Rottweil
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 16. Wahlperiode 20. 06. 2018 Kleine Anfrage des Abg. Stefan Teufel CDU und Antwort des Ministeriums für Soziales und Integration Medizinische Versorgung im Landkreis Rottweil Kleine Anfrage Ich frage die Landesregierung: 1. Wie hat sich die Zahl der niedergelassenen Hausärzte, Fachärzte und Zahnärzte im Landkreis Rottweil von 2008 bis 2018 entwickelt? 2. Wie hoch ist aktuell der Versorgungsgrad im ambulanten Bereich im Landkreis Rottweil aufgeschlüsselt nach Hausärzten, Facharztgruppen und Zahnärzten? 3. Kann aufgeschlüsselt nach Arztgruppen von einer Über- bzw. Unterversorgung im Hausarzt- und Facharztbereich im Landkreis Rottweil ausgegangen werden? 4. Inwiefern sind Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Kran- kenhäuser und Arztpraxen im Landkreis Rottweil zu erkennen? 5. Wie schätzt sie die Entwicklung der ärztlichen Versorgung – differenziert nach Kliniken und Praxen – in den kommenden zehn Jahren im Landkreis Rottweil ein? 6. Wie viele Praxen mussten im Landkreis Rottweil in den vergangenen fünf Jah- ren mangels eines Nachfolgers geschlossen werden? 7. Was unternimmt sie, um die hausärztliche Versorgung im Allgemeinen und im Landkreis Rottweil zu verbessern (mit Angabe, welche Programme und Initia- tiven es derzeit gibt)? 8. Wie bewertet sie die Versorgung im Bereich der Hebammen im Landkreis Rottweil, differenziert nach freiberuflichen und angestellten Hebammen? 9. Wie hat sich die Geburtenrate im Landkreis Rottweil in den letzten fünf Jahren entwickelt? 19. 06. 2018 Teufel CDU Eingegangen: 20. 06. 2018 / Ausgegeben: 06. 08. 2018 1 Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeich- abrufbar unter: www.landtag-bw.de/Dokumente net mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 Begründung Die Sicherstellung einer flächendeckenden und qualitativ hochwertigen ärztlichen Versorgung wird zunehmend zur Mammutaufgabe – vor allem in ländlichen Ge- bieten. So verliert auch die Stadt Rottweil altersbedingt weitere Hausärzte, deren Nachfolge nicht gesichert ist. Die Kleine Anfrage soll vor diesem Hintergrund Zahlen und Daten liefern, aber auch mögliche Maßnahmen beleuchten. Antwort Mit Schreiben vom 16. Juli 2018 Nr. 53-0141.5-016/4273 beantwortet das Minis- terium für Soziales und Integration in Abstimmung mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz die Kleine Anfrage wie folgt: 1. Wie hat sich die Zahl der niedergelassenen Hausärzte, Fachärzte und Zahnärz- te im Landkreis Rottweil von 2008 bis 2018 entwickelt? Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) stellt sich die Entwicklung von 2008 bis 2018 wie folgt dar: Arztgruppen 2008 2013 2018 Hausärzte 96 88 86 Psychotherapeuten 20 25 28 Anästhesisten 7 6 4 Augenärzte 8 11 9 Chirurgen 11 9 8 Frauenärzte 14 12 13 Hals-Nasen-Ohrenärzte 5 5 5 Hautärzte 4 5 5 fachärztliche Internisten 12 10 10 Kinderärzte 8 8 7 Nervenärzte 11 10 8 Nuklearmediziner – 2 2 Orthopäden 8 10 10 Radiologen 7 10 13 Urologen 4 3 3 weitere (MKG) 1 1 – Summe Hausärzte 96 88 86 Summe Fachärzte 120 127 125 Der Landkreis Rottweil ist im Rahmen der allgemein-zahnärztlichen Versorgung in zwei Planungsbereiche unterteilt. Zum einen der Planungsbereich Rottweil mit angrenzenden Gemeinden, zum anderen der Planungsbereich Oberndorf/Schram- berg mit angrenzenden Gemeinden. 2
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 Die Anzahl der Zahnärzte hat sich seit dem Jahr 2008 wie folgt entwickelt: Planungsbereich Rottweil Jahr Vertragszahnärzte angestellte Zahnärzte 2008 34 5,25 2009 33 5,00 2010 31 5,00 2011 31 5,00 2012 31 5,00 2013 30 5,00 2014 29 5,00 2015 28 5,00 2016 28 5,00 2017 28 7,00 30.06.2018 28 6,00 Planungsbereich Oberndorf/Schramberg Jahr Vertragszahnärzte angestellte Zahnärzte 2008 41 4,00 2009 40 4,00 2010 42 4,00 2012 41 4,00 2013 41 4,00 2014 41 4,00 2015 39 6,00 2016 36 6,00 2017 37 7,00 30.06.2018 36 6,00 3
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 2. Wie hoch ist aktuell der Versorgungsgrad im ambulanten Bereich im Landkreis Rottweil aufgeschlüsselt nach Hausärzten, Facharztgruppen und Zahnärzten? Die aktuellen Versorgungsgrade (Stand: Bedarfsplan vom 28. Februar 2018) der auf Ebene des Landkreises bzw. der Mittelbereiche beplanten Arztgruppen stellt sich wie folgt dar: Arztgruppe Versorgungsgrad in Prozent Hausärzte Mittelbereich Schramberg 111,1 Hausärzte 99,4 Mittelbereich Rottweil Psychotherapeuten 107,1 Augenärzte 119,0 Chirurgen 200,8 Frauenärzte 102,4 Hals-Nasen-Ohrenärzte 114,8 Hautärzte 144,6 fachärztliche Internisten 172,1 Kinderärzte 110,8 Nervenärzte 149,8 Orthopäden 120,4 Urologen 119,0 Die aktuellen Versorgungsgrade (Stand: Bedarfsplan vom 30. Juni 2018) für die allgemein-zahnärztliche Versorgung (ohne Kieferorthopädie) im Landkreis Rott- weil stellt sich wie folgt dar: Planungsbereich Rottweil: Versorgungsgrad in Höhe von 103,0 Prozent. Planungsbereich Oberndorf/Schramberg: Versorgungsgrad in Höhe von 85,0 Prozent. Nach den ergänzenden Ausführungen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Ba- den-Württemberg (KZV BW) ist für den zahnärztlichen Planungsbereich Rottweil eine leichte Überversorgung festzustellen. Für den Planungsbereich Oberndorf/ Schramberg besteht keine Unterversorgung, da diese erst dann zu vermuten ist, wenn der Versorgungsgrad 50 Prozent oder weniger beträgt. 4
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 3. Kann aufgeschlüsselt nach Arztgruppen von einer Über- bzw. Unterversorgung im Hausarzt- und Facharztbereich im Landkreis Rottweil ausgegangen werden? Für die Arztgruppen im Landkreis Rottweil stellt sich die Lage wie folgt dar (Stand: Bedarfsplan vom 28. Februar 2018): Arztgruppe rechnerische Unterversorgung Hausärzte nein Psychotherapeuten nein Augenärzte nein Chirurgen nein Frauenärzte nein Hals-Nasen-Ohrenärzte nein Hautärzte nein Internisten (fachärztlich tätig) nein Kinderärzte nein Nervenärzte nein Orthopäden nein Urologen nein Arztgruppe rechnerische Überversorgung Hausärzte Mittelbereich Rottweil nein Hausärzte Mittelbereich Schramberg ja Psychotherapeuten nein Augenärzte nein Chirurgen ja Frauenärzte nein Hals-Nasen-Ohrenärzte nein Hautärzte ja Internisten (fachärztlich tätig) ja Kinderärzte nein Nervenärzte ja Orthopäden nein Urologen nein 4. Inwiefern sind Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Kran- kenhäuser und Arztpraxen im Landkreis Rottweil zu erkennen? Die KVBW weist darauf hin, dass das Durchschnittsalter der Einwohner und der Ärzte sich nicht gravierend von dem Durchschnittsalter in Baden-Württemberg unterscheidet. Das durchschnittliche Alter der Ärztinnen und Ärzte in Baden- Württemberg beträgt 55 Jahre, das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte in Rottweil 55,4 Jahre. Der demografische Wandel führt bei einer alternden Bevöl- kerung zu durchschnittlich mehr Arztbesuchen. Auch ein steigender Altenquo- tient der Ärztinnen und Ärzte könnte dazu führen, dass eventuell nicht alle Arzt- sitze nachbesetzt werden können. Diese Problematik trifft den Landkreis Rottweil genauso wie alle anderen Landkreise in Baden-Württemberg. Die Entwicklung der Altersstruktur der Patientinnen und Patienten in Kranken- häusern in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg von 2005 bis 2016 kann der nachstehenden Tabelle entnommen werden. Laut Statistischem Landesamt Ba- den-Württemberg ist eine kleinteiligere Darstellung aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass eine ältere Be- völkerung auch mehr Krankenhausleistungen in Anspruch nehmen wird. 5
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 Stationäre Krankenhausbehandlungen (inkl. Stundenfälle) in den Kranken- häusern der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg (Behandlungsort) nach Al- tersgruppen und Geschlecht der Patienten 2005 2010 2016 Alter in Jahren männlich weiblich männlich weiblich männlich weiblich Anzahl unter 1 2.514 2.338 2.264 2.052 2.399 2.329 1- 4 894 668 766 533 816 563 5- 9 758 485 486 360 586 368 10 - 14 761 675 684 598 705 721 15 - 19 1.124 1.520 1.228 1.426 1.305 1.479 20 - 24 1.183 2.054 1.335 1.930 1.301 1.888 25 - 29 1.121 2.730 1.171 2.570 1.375 2.783 30 - 34 1.235 2.751 1.075 2.405 1.241 2.776 35 - 39 1.604 2.408 1.362 2.005 1.398 2.115 40 - 44 2.170 2.089 1.913 2.004 1.564 1.575 45 - 49 2.079 1.999 2.528 2.275 2.176 2.105 50 - 54 2.319 2.208 2.730 2.357 3.019 2.591 55 - 59 2.352 2.137 2.946 2.587 3.500 2.680 60 - 64 3.060 2.640 2.881 2.465 3.325 2.698 65 - 69 4.063 3.576 3.493 2.934 3.524 2.870 70 - 74 3.700 3.581 4.861 4.473 3.689 3.138 75 - 79 3.409 4.026 4.042 4.184 5.290 5.134 80 - 84 2.175 3.990 2.990 4.284 3.578 4.300 85 - 89 750 1.945 1.397 3.171 2.293 3.443 90 - 94 375 1.211 348 944 711 1.522 95 und mehr 82 185 80 321 121 323 unbekannt 0 0 0 0 0 0 insgesamt 37.728 45.216 40.580 45.878 43.916 47.401 Quelle: Krankenhausstatistik/Teil Diagnosen – vor Länderaustausch Statistisches Landesamt BW 6
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 Stationäre Krankenhausbehandlungen (inkl. Stundenfälle) in den Kranken- häusern der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg (Behandlungsort) nach Al- tersgruppen und Geschlecht der Patienten 2005 2010 2016 Alter in Jahren männlich weiblich männlich weiblich männlich weiblich Anteil an insgesamt in % unter 1 6,7 5,2 5,6 4,5 5,5 4,9 1- 4 2,4 1,5 1,9 1,2 1,9 1,2 5- 9 2,0 1,1 1,2 0,8 1,3 0,8 10 - 14 2,0 1,5 1,7 1,3 1,6 1,5 15 - 19 3,0 3,4 3,0 3,1 3,0 3,1 20 - 24 3,1 4,5 3,3 4,2 3,0 4,0 25 - 29 3,0 6,0 2,9 5,6 3,1 5,9 30 - 34 3,3 6,1 2,6 5,2 2,8 5,9 35 - 39 4,3 5,3 3,4 4,4 3,2 4,5 40 - 44 5,8 4,6 4,7 4,4 3,6 3,3 45 - 49 5,5 4,4 6,2 5,0 5,0 4,4 50 - 54 6,1 4,9 6,7 5,1 6,9 5,5 55 - 59 6,2 4,7 7,3 5,6 8,0 5,7 60 - 64 8,1 5,8 7,1 5,4 7,6 5,7 65 - 69 10,8 7,9 8,6 6,4 8,0 6,1 70 - 74 9,8 7,9 12,0 9,7 8,4 6,6 75 - 79 9,0 8,9 10,0 9,1 12,0 10,8 80 - 84 5,8 8,8 7,4 9,3 8,1 9,1 85 - 89 2,0 4,3 3,4 6,9 5,2 7,3 90 - 94 1,0 2,7 0,9 2,1 1,6 3,2 95 und mehr 0,2 0,4 0,2 0,7 0,3 0,7 unbekannt 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 insgesamt 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 Quelle: Krankenhausstatistik/Teil Diagnosen – vor Länderaustausch Statistisches Landesamt BW 5. Wie schätzt sie die Entwicklung der ärztlichen Versorgung – differenziert nach Kliniken und Praxen – in den kommenden zehn Jahren im Landkreis Rottweil ein? Es ist derzeit noch nicht absehbar, wie viele Ärztinnen und Ärzte in den Kranken- häusern in Zukunft zur Verfügung stehen werden, da nicht vorausgesagt werden kann, wie viele junge Menschen das Fach Medizin studieren und letztlich im Krankenhaus den Arztberuf ausüben. Dies wird auch entscheidend davon abhän- gen, inwieweit die Krankenhausträger attraktive Arbeits- und Rahmenbedingun- gen anbieten können. Zur künftigen Entwicklung der ambulanten ärztlichen Versorgung teilt die KVBW mit, dass eine Einschätzung nicht spezifisch für den Landkreis Rottweil getroffen werden kann. Die Tendenz einer älter werdenden Bevölkerung und der Arztgruppe spiegelt sich in ganz Baden-Württemberg wider. Ob in zehn Jahren die Arztsitze in Rottweil alle nachbesetzt werden können, kann derzeit nicht prog- nostiziert werden. Da die Tendenz in Richtung zu mehr Anstellungen und größe- ren Strukturen geht, geht die KVBW davon aus, dass es zu einer verstärkten Zen- trenbildung kommen wird. Die KZV BW teilt mit, dass es in der jüngeren Vergangenheit gelungen ist, einen großen Teil der altershalber aufgegebenen Zahnarztpraxen durch junge Nach- 7
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 folgerinnen und Nachfolger zu besetzen. Die KZV BW geht nach ihren Erfahrun- gen in der Niederlassungsberatung davon aus, dass keine Verschlechterung der bestehenden Versorgungssituation eintreten wird. Das Ministerium für Soziales und Integration teilt die Einschätzungen der KVBW sowie der KZV BW. 6. Wie viele Praxen mussten im Landkreis Rottweil in den vergangenen fünf Jah- ren mangels eines Nachfolgers geschlossen werden? Nach Angaben der KVBW sind in den vergangenen fünf Jahren drei Hausarztpra- xen (in Oberndorf am Neckar, Schenkenzell und Schramberg) und eine Kinder- arztpraxis (in Sulz am Neckar) weggefallen. Nach Angaben der KZV BW haben in den vergangenen fünf Jahren im Planungs- bereich Rottweil zwei Zahnärzte altershalber ihre vertragszahnärztliche Tätigkeit ohne Praxisnachfolger beendet. Im Planungsbereich Oberndorf/Schramberg seien altershalber drei Zahnarztpraxen ohne Nachfolger geschlossen worden. 7. Was unternimmt sie, um die hausärztliche Versorgung im Allgemeinen und im Landkreis Rottweil zu verbessern (mit Angabe, welche Programme und Initia- tiven es derzeit gibt)? Das Ministerium für Soziales und Integration hat bereits im Jahr 2012 ein Pro- gramm zur Förderung von Projekten zur Verbesserung der ambulanten ärztlichen Versorgung in unterversorgten ländlichen Gebieten aufgelegt (Förderprogramm Landärzte). Ziel dieser Förderung ist die Erhaltung bzw. Verbesserung der haus- ärztlichen wie auch kinderärztlichen Versorgung in ausgewiesenen Fördergebie- ten im ländlichen Raum, in denen es heute schon Versorgungsengpässe gibt bzw. perspektivisch geben kann. Antragsteller können ausschließlich Ärztinnen und Ärzte sein, die an der hausärztlichen Versorgung nach § 73 Abs. 1 a Sozialgesetz- buch Fünftes Buch teilnehmen. Das Förderprogramm Landärzte erfährt eine sehr große Akzeptanz, sodass die für das Jahr 2018 bereitgestellten Mittel bereits vollständig verausgabt sind und in diesem Jahr voraussichtlich keine Förderungen mehr bewilligt werden können. Das Programm soll im Jahr 2019 in weiterentwickelter Form wieder an den Start gehen. Mit den von der Landesregierung bereitgestellten Mitteln in Höhe von 300.000 Euro für das „Stipendienprogramm zur Gewinnung Medizinstudierender für den unterversorgten Ländlichen Raum“ hat das Land ein Förderprogramm auf den Weg gebracht, welches im April diesen Jahres angelaufen ist und für Medizine- rinnen und Mediziner einen weiteren Anreiz setzen soll, sich für eine spätere ärzt- liche Tätigkeit im unterversorgten ländlichen Raum zu entscheiden. Das Förder- programm steht allen Studierenden des Studiengangs Humanmedizin offen, die an einer Hochschule im Bundesgebiet mindestens im siebten Fachsemester einge- schrieben sind und sich verpflichten, im Anschluss an das Studium die fachärzt- liche Weiterbildung in den ausgewiesenen baden-württembergischen Förderge- bieten zu absolvieren und nach deren Abschluss eine hausärztliche Tätigkeit in diesen Fördergebieten aufzunehmen. Die monatliche Förderung beträgt 300 Euro für die Dauer von maximal 24 Monaten. Um auch das Blockpraktikum im länd- lichen Raum für Medizinstudierende attraktiver zu machen und sie dabei zu un- terstützen, bereits während des Studiums vor Ort Kontakte zu knüpfen, umfasst die Förderung zusätzlich Fahrt- und Übernachtungskosten in Höhe von 150 Euro. Das Stipendienprogramm wird koordiniert vom Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung. Der Kabinettsausschuss Ländlicher Raum hat mit dem Gemeindetag, dem Genos- senschaftsverband und dem Hausärzteverband Baden-Württemberg als Partner genossenschaftliche Hausarztmodelle entwickelt. Die Initiative reagiert auf die Zurückhaltung des medizinischen Nachwuchses, als Einzelperson den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Es soll erprobt werden, Medizinische Versor- gungszentren (MVZ) in Form von Genossenschaften zu gründen, um sich bei- spielsweise Arbeit und Praxisräume zu teilen und auch bürokratische Lasten zu 8
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 verringern und somit die Risiken einer Niederlassung zu vermeiden. Nach der Klärung teils schwieriger Rechtsfragen liegt nun ein Modell vor, das in den Jah- ren 2018 und 2019 finanziell gefördert werden soll. Konkret sollen drei Varianten erprobt werden: – ein gemeindebezogenes Konzept mit einem MVZ mit Sitz in einer Gemeinde, – ein gemeindeübergreifendes Konzept innerhalb eines Mittelbereiches mit MVZ-Zweigpraxen in anderen Gemeinden desselben Mittelbereichs sowie – ein landkreisbezogenes Konzept mit MVZ-Zweigpraxen in anderen Mittelbe- reichen des gleichen Kreises. Ergänzend ist auf die Veranstaltungsreihe „LAND ARZT LEBEN LIEBEN“ als gemeinschaftliches Projekt des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, der Aka- demie Ländlicher Raum sowie der kommunalen Spitzenverbände hinzuweisen. Die Veranstaltungen richten sich primär an Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung und an Studierende in den höheren klinischen Semestern. Die Veranstaltungsreihe verfolgt das Ziel, die Allgemeinmedizin und das Landarzt-Image greifbar zu machen und die Attraktivität der Tätigkeit darzustellen. Zu einem frühen Zeit- punkt können interessierte Studierende und junge Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner den Praxisalltag eines Landesarztes im Rahmen dieser Veranstaltungs- reihe kennenlernen. Mit diesem vom Kabinettsauschuss Ländlicher Raum mit 60.000 Euro bezuschussten Kooperationsprojekt wird ein gemeinsames Zeichen für die Erhaltung und Verbesserung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum gesetzt. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hat im Benehmen mit den Krankenkassen das Förderprogramm „Ziel und Zukunft“ (ZuZ) aufgelegt, um in ausgewiesenen Fördergebieten eine Neuniederlassung, Praxisübernahme, Zweig- praxisgründung oder Anstellung von Haus- und Fachärzten zu fördern. Zum aku- ten hausärztlichen ZuZ-Fördergebiet zählt auch der Landkreis Rottweil mit den Gemeinden Dornhan, Vöhringen, Villingendorf, Wellendingen und Fluorn-Win- zeln. 8. Wie bewertet sie die Versorgung im Bereich der Hebammen im Landkreis Rott- weil, differenziert nach freiberuflichen und angestellten Hebammen? Auf Landkreisebene liegen keine Angaben zu den Hebammenzahlen vor. Eine Bewertung der Versorgung im Landkreis Rottweil ist daher nicht möglich. Regierungsbezirk angestellte Hebammen Beleghebammen 2010 2015 2010 2015 Stuttgart 510 532 8 18 Karlsruhe 376 352 12 38 Tübingen 230 228 20 11 Freiburg 273 263 58 26 Auf der Ebene der Regierungsbezirke liegen folgende Zahlen vor: Der Anteil der in Vollzeit in Krankenhäusern angestellten Hebammen ist in allen Regierungsbezirken zwischen 1 Prozent und 3 Prozent im Vergleich der Jahre 2010 und 2015 zurückgegangen. Schwankungen in der Anzahl der angestellten Hebammen sind überwiegend durch Veränderungen bei der Zahl der in Teilzeit angestellten Hebammen bedingt und haben seit 2010 vor allem die Regierungsbe- zirke Freiburg und Tübingen stark betroffen. Zusammenfassend zeigt die Entwicklung im Bereich der angestellten Hebammen und der Beleghebammen einen leichten Rückgang bzw. eine Stagnation. Diese Entwicklung führt bei steigenden Geburtenzahlen zu einer Arbeitsverdichtung. 9
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 16 / 4273 9. Wie hat sich die Geburtenrate im Landkreis Rottweil in den letzten fünf Jahren entwickelt? Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg gibt für den Landkreis Rottweil folgende Geburtenzahlen an: Landkreis Rottweil Geburten 2011 2012 2013 2014 2015 2016 1.163 1.107 1.143 1.115 1.290 1.351 Landkreis Rottweil Bevölkerung gesamt 2011 2012 2013 2014 2015 2016 136.049 135.553 135.319 135.912 137.500 138.327 Da für den Landkreis Rottweil die genaue Anzahl der Frauen im Alter von 15 bis 45 Jahren nicht verfügbar ist, kann die konkrete Geburtenrate nicht zur Verfügung gestellt werden. Auf Landesebene sind folgende Angaben verfügbar: In Baden-Württemberg wurde 2016 nach Aufzeichnungen des Statistischen Lan- desamts die höchste Geburtenzahl seit 1999 erreicht; es wurden 107.479 Kinder lebend geboren. Die niedrigste Geburtenzahl in der jüngeren Geschichte Baden- Württembergs betrug 88.823 lebend geborene Kinder im Jahr 2011 (2016 + 21 % gegenüber 2011). Im Jahr 2016 wurde in Baden-Württemberg mit einer Geburten- rate von 1,59 Kinder je Frau auch die höchste Geburtenrate seit den frühen 1970er-Jahren erreicht. Seit dem Jahr 2011 sind die Geburtenzahl und Geburten- rate in Baden-Württemberg zum fünften Mal in Folge höher als im jeweiligen Vorjahr. Lucha Minister für Soziales und Integration 10