EICHMANN, ADOLF VOL. 3_0029

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"'. I ~ schrift "Deutsche i.ustiz", Jahrgang 1936, ge~m~, da6 die natio~alsozialisti­ schen Gedanken uber Rasse, Juden und M1Schhngsprobleme emdrucksvoll ·dem Globkeschen Kommentar zugrunde gelegt worden seien. Dieser sei ein .gro13er Vo1·teil" und di.irfe in keiner Handbi.icherei eincs Nazi-Juristen fch- ii· Jen. Der Kommentar enthalte alles, was die Praxis benotigc. '.~~ Die in den 50er Jahren von Globke inszenierte Entlastungskampagne zielt~ darauf ab, den Kommentar als Abschwiichung der grausamen Gcsetzc hin- afl zustellen. Aber unter Berufung auf den K::immentar wurden ja vcn den ~· Frcislers zahlreiche Zuchthausurteile gefiillt. Im i.ibrigen ist rlie Tatsachc, dal3 Globke den schiindlichen Kommentar zu diesem Gese.tz geschrieben hat, · nur ein Tei! der Wahrheit. Adenauer .lst exakt dari.iber unterric·.tet, daB noch tausendmal Sehlimmeres auf das Schuldkonto seines vertrauten Ratgebers · und Mitregenten konimt. Denn Dr. Globke ist nicht nur der Kommentator - er ist der Verfasser der Nurnberger Blutgesetze und der Verordnungen iiber die Brandmarkung der jiidischen Burger. Diese Geselze, niimlich das Reichsbi.irgergesetz und das Blutschutzgesetz, schufen die Grundlage fi.ir die schrecklichen Pogrome der ·Nazis gegen die rassisch Verfolgten in ganz Europa und bildeten den Aus- gangspuilkt fi.ir ihre spiitere Versehleppung. in die Konzentrations- und Ver- nlchtungslager. j Nazi-Frick: Globke hervorra~end beteili&t 'In unseren Hlinden befindet sich ein Brief des Nazi-Innenministers Frick, ·in :dem er am 25. April 1938 die Befiirderung des Oberregierungsrals G!obke zum Ministerialrat beantragt. Begri.indet wird das Ersuchen Fricks mit den .ganz vor:ziiglichen Leistungen Globkes ... Oberregierungsrat Globke gehort :unzweifelhaft zu den befiihigtsten und ti.ichtigsten Beamten meines Ministt~­ ;fiums. In ganz hervorragendem Malle ist er an dem Zustandekommen der nachstehend genannten Gesetze beteiligt gewesen: ·a) d~ Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. September 1935; ·,b) des Gesetzes zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes (Ehe- gesundheitsgcsetz) vom 18. Oktol>er 1935; :"c) des Personenstandsgeselzes vom 3. Novemher 1937; cd) des Gcsetzes zur Anderung von Familiennamen und Vornamcn vom . 5. Januar 1938. 'Aber schon vorhcr hatte das ,.Ministerialblatt des Rcichs- und Prcunischcn Mlnlsteriums des lnnern" am 11. Marz 1936 darauf hingewiesen, da6 Globke ':.am Zustandekommen der Rassengesetzgebung amtlich beteiligt• war. Es · delt slch um die Gesetzgebung, durch die alle Juden aller Redtte ent- 'kleldet und amtllch zu Untermenschen erkliirl wurden, denen auch die Ehe mit Nichtjuden bci strengster Strafe verboten wurde. Der antlsemitische Gesetzentwurf, geschrieben von Globke, wurde von Hitler selber auf dem Nilrnberger Parteitag 1935 mit den Worten beg1il6t: 107
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---- .-, .. .·.~, ·.·: J •' ../ch schlage nun dem Reichstag die Annahme der Gesetze var, die Ihnen Parteigenosse Goring verlesen wird." Es handelt sich um die Gesetze, bei deren Ausarbeitung Globke in ,.hervor- ragendem Mal3e" federfiihrend war. Julius Streicher, das spater in Niirnberg gehiingtc pornographische Subjekt, .klatschte in die Hiinde und bejubelte im .,Sturmer" Globkes Gesetz als .. Ver- wirklichung der wichtigsten Forderungen unseres Programms der NSDAP". Was isl der Inhalt. was war die Folge dieser Geselze? Mit seinem Nurnberger Blutschutzgesetz verbot Globke nicht nur jede Heirat zwischen sogenannten Deutschb!Utigen und Fremdrassigen, sondern er stellt~ auch die Liebe zwischen Mann und Frau unter Ausnahmerecht und Zucht- hausdrohung. Nach Tausenden ziihlen die Zuchthaw;urteile, die Hitlers Sondergerichte mit Globkes Gesetzen fi:illten, und maneh jiidischer Burger endete wegen seiner Liebesbeziehungen zu einer deutschen Frau auf dem Schafott, das Globke errichten half. Die von Globke verfallten Gesetze iiber Namenstinderungen und Personen- standswesen enthielten weitere Paragraphen, mit denen er die StraBe pfta~terte, auf der die ji.idisc:hen Verfolgten spater in die Gaskammern der Konzentrationslager getrieben wurden. Die judischen Burger zwang Globke mit diesen Gesetzen zur FUhrung des zweiten Namens Sara beziehungsweise Israel. Er wul3te, welchen Drangsalierungen er sie damit auslieferte. denn er selber schrt.eb in einem Kommentar 1938, dall .,mit der Fuhrung eines jiidischen Nainens heute vielfach Nachteile verbunden sind". ("Deutsche Verwaltung" vom 31. Januar 1938, Seite 53) Das Reichsbilrgergesetz schlieBlich bildete die Magna Charla des Antisemi- tismus im Reiche Hitlers. Dieses Ge:setz, dessen Mitautor Dr. Globke war, schnitt dle jildische Bevolkerung aus dem deutschen Volkskarper heraus und erklarte sie zu artfremdem Ungeziefer. Die meist von Globke personlich vet"- faBten 20 Durchfilhrungsverordnungen zu diesen Grundgesetzen des Rassen- wahns schrankten die Lebensmoglichkeiten der Juden Schritt um Schritt ein, entkleideten sie aller Rechte, raubten ihnen Beruf und Arbeit, das Vermogen und schlieBlich das Leben. Aber Globke war nic:ht nur elner der Autoren des Gesetzes und des Kom- mentars, die aus den Judt>n die Parias des Kontinents machten - er gehorte zu den fiihrenden Tellnehmern der Judenausrottung und der Annexions- politik des Dritten Reiches. Er wurde an alien Brennpunkten des Hitlerschen Eroberungsfeldzuges eingesetzt. Belohntc Hille btli Hitlers Annexloncn Als Hitler zur Eroberung Osterreichs schritt, wirkt.e Globke an dem Gesetz:.. entwurf mit, durc:h den die Nurnberger RassengeSEtze auch in Osterreich eingeCUhrt wurden. Ausdrilcklich begrilndete der Reichsmlnister Frick seinen an Hitlers Stellvertret.er HeB gerichteten Vorschlag, Globke zu befordern, au~h mil Colgenden Worten: · "Aujlerdem ueniinit mne ·Mttarbeit be! der Wiedervereinigung Oster- reidu mlt dem Deutschen Reich anerkennend hPruorgeltoben 1011 ~u werden.•
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",,;. 'di~ :;;ft Diese Anerkennung vollzog Hitler, indem er persiinlich Globke am 13. Juli ;I~.~" 1938 zum Ministerialrat ernannte. Auf3erdem erhielt Clobkc die ,.Medaille ; ~zur Erinnerung an den 13. Marz 1938". des Tages, an dem die Hitler-Truppen [, in Osterreich einmarschierten. Die:se Medaille erhielt Jaut Erlaf3 nur :,ein :~· miiglichst enger Kreis" von Personen, die sich .,Verdienste ganz bescnderer '•·· Art" bei der Vorbereitung der Annexion erworben hatten . Jetzt war die Tschechoslowakei an dcr Reihe.· Hitler und Frick beauftragten . Globke mit der Ausarbeitung und dem Abschluf3 des Vertrages iiber so- gcnannte Staatsangehorigkeitsfragen. Auf Grund dieses den tschechoslowa- kischen Behiirden aufgezwungenen Vertrages wurden 400 000 tschechische Blirger aus den Sudetengebieten ausgewiesen. 'Globke ver!a13te ferner die sogenannte ,.Verordnung uber die Einfiihrung der Nurnberger Rassengesetze in den sudetendeutschen Gebieten", die am Tage ~Ji nach Weihnachten 1939 erschien und die Judenverfolgung offiziell auch auf ~ dicsen Tei! der Tschechoslowakei ausdehnte. Der antiscmitische Spitzenfach- ~ mann des Reichsinnenministeriums erhielt dafUr von Hitler die ,.Meda1lle zur Erlnnerung an den l. Oktober 1938", die nur an solche Persorlen verlieh.;>11 wurde, die sich bei der Vorbereitung und Durchfiihrung der Okkupation dcr tschechischen Gebiete ,.besondere Verdienste erworben haben", wie es der Erlaf3 flir diese Medaille bestimmte. • I · Kein Schritt der nazistischen sogenannten GroBraumpolitik crfolgte ohne aklive und fiihrende l\litwirkung von Globke auf die Tagcsordnung setzte, erh1elt Globke von Hitler pers0nlich am 29. Juni 1939 den Auftrag und die Vollmacht, im Namen des Dritten Reiches in Kowno die mit der Annexion zusammenhangenden Fragen zu regeln . . Erfindcr des ,,J" !'Dd mitschuldig an der Einfiihrung des Judenslerns Eine Teufelei besonderer Art, die auf Globkes persunliclH.'S Konto :rnmmt, war die von ihm mit dem Chef der Schweizer Pofo:t>i vert>inba1·te Brnnd- inarkung der Reiseplisse von rassisch ve1·fo!gten Deutschl.'n durch den Buch- staben ,.J". Wohlbemerkt, diese Abmachung wurde am 17. Septc111be1· 193J ,... , .getroffen. sieben Wochen vor der sogenannten Kristallnacht. Durch di~ Kenn- ~ zeichnung der Passe der jiidischen DcuL~clien wurde ihnen der Fluchtweg !~St ins Ausland endgiiltig versperrl. weil die faschi.stischen Grenzbl.'!1urden in dcr Regel niemanden durchlieilen, dessen Paf3 durch das .,J" gezeichnet war. Von Globke personlich stammte um dieselbe Zeit der Vorschlng. dal3 nur die nichtjildischen Deutschen, die in ltalien lebten, in ihre Reisepasse den Vermerk ,,Giiltig flir die Schweiz" erhielten. Das geschah unmittelbar, bevor die antisemitische Verfolgung auch in Italien anlief, und Globkes Vorstol3 fiihrte dazu, daf3 die deutschen Staatsbiirger jiidischer Abstanimung nun nicht mehr aus Italien in die Sc:hweiz ftilchten konnten. Globkc geht in die Schmutzgeschid1te des Nazi-Staates ein als dcr Erfinder des ,.J", das die Juden unrettbar in den Mauern des sie mordenden Nazi- 109
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Reiches einschlol3. Als Heydrich am 1. September 1941 eine·Verordnung er- liel3, die alle Juden zwang, den gelben Stern auf ihrer Brust zu tragen, bezog er sich ausdriicklich auf das von Globke ausgearbeitete Niimberger Reichs- burgergesetz. Welch aul3erordeniliche Rolle der bienenfleiBige Globke bei der rassistischen Mordpolitik spielte, geht aus dem Geschaftsvecteilungsplan des Reid:lsinnen- ministeriums aus dem Jahre 1938 hervor. Dort wird Globke nicht weniger als 2lmal als Referent und Korre!erent filr alle antijildischen Sach- und Facll- gebiete des Frick-Mlnisteriums. genannt, ob es slch um allgemeine Rassen- fragen, um Sippenforschung, um Blutschutzgesetze oder um Namensanderun- gen usw. handelte. Der Krieg brach aus. Globke war als gedienter Kanonier webrdienstfahig und sollte eingezogen werden. Er wul3te es zu verhindern. In unserer Hand befindet sich ein Dokument der Hitler-Regierung vom 29. Januar 1940, das Globke vom Wehrdienst befreit und als ,.nicht entbehr- lich" erk!art. weil er der Referent filr die Fragen sei, "die aus · AnlaB der Bildung des Protektorats, der Eingliederung der Ostgebiete, der Bildung des Generalgouvemements und der Umsiedlungsaktionen anfallen". Umsiedlungs- aktionen - so hiel3 das besdlonigende Wort filr die Deportation und Liqui- dation von Millionen Menschen. Am l. November 1940 wurde vom ReichY- innenminister nochmals bestiitigt, dal3 Globke .,aus zwingenden Grunden zur Er!illlung kricgsw!chtiger Aufgaben" nicht zum Heer einzurilcken brauchte. Ein Globke geht nicht an die Front - er totet aus dem Hinterhalt. Vom slcheren Port seines Ministerbilros lie!erte er, ohne sich personllch auch nur in die gcringstc Gefahr zu begeben, Zehn- und Hunderttausende ans Messer. A!s auf der sogenannten Wannsee-Konferenz in Berlin die versammelten Re- gierungs- und SS-Fuhrer am 20. Januar 1942 die ,.Endl0sung der Judenfrage" beschlossen, d. h. die Abschlachtung von Milllonen, da beriefen sle sich in ihrem Protokoll ausdti.lckllch auf Globke: 110
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"Im Zuge der Endlosungsvorhaben sollen die Nurnberger Gesetze ge- wissermaJJen die Grundlage bilden." 1949 sal3 ein amerikanisches Tribunal im Nurnberger sogenannten Wilhelm- ., straf3en-Prozel3 iiber fUh:-ende Personlichkeiten des Dritten Reiches zu Ge- • .J richt. Damals bezeichneten die USA-Richter in ihrem Urteil die Gesetze. an ·• deren Zustandekommen Globke ,,ganz hervorragend" beteiligt war, als we- sentlichen Bestandteil des Programms, ,,mit dem die fast vollstandige Aus- rottung der Juden beabsichtigt war und auch erreicht worden i.st". Der Verfasser dieser Nilrnberger Blutgesetze sitzt heute am Schalthebel der Adenauer-Diktatur. Die in unserer Hand be!indlichen Dokumente iiberfiihren Glot:ke, dal3 er 1942 als Referent fiir Judenfragen und ,,verbilndetes und neutrales Ausland" ge- meinsam mit dem spiiter abgeurteilten SS-Fiihrer Stuckart Geheimverhand- lungen mit dem rumiinischen Miniatur-Hitler und Staatschef Antonescu fiihrte. Tal~iichlich war die Tinte unter der Abmachung des rumiinischen Vasallenchefs mit Stuckart und Globke kaum getrocknet, als auch schon die ersten Verschleppungen der Juden aus Rumiinien erfolgten, die schlieB!ich zur Ennordung von Hunderttausenden Menschen fiihrten. Dr. Globke erhielt ·, als Lohn eine der hochsten Auszeichnungen, das Komturkreuz des Orden.s ,,Stern von Rumanien". ·i ·j Globke soil antworten W83, so fragen wir weiter, tat Globke 1943 und frilher in der Slowakel? Waa wurde bei den Verhandlungen besprochen und beschlossen! die er mit den slowakischen Westentaschendiktatoren Tiso, Mach und Kamal-sin in Brati- slava, mlt den Gauleitem Forster in Danzig, Seyss-Inquart in Holland, Karl ::1- Hermann Frank in Prag, Wagner und Bi.lrckel in StraBburg und Metz filhrte? ·· W83 hatte Globke mit den Judendeportationen aus Dlinemark, Norwegen und 4.: ,:~.:; anderen Lli.ndem zu tun? Wenn Globke schweigt, werden wir zu gegebener : Zeit weitere Dossiers iiber den Judenmorder offnen. -"· ..~ :;; ,: ~i Hlmmlers und Adenauers '~ ": ~ I •:; ·"'- ,::,. rec:hte Band Den Hohepunkt seiner Karriere Im Nazi-Reich erklomm Globke, nachdem der Reichsfilhrer SS, Himmler, 1943 Relchslnnenminister geworden war. Er sau- berte seinen Apparat von unsicheren Kantonisten und beftirderte Globke. Globke, heute die redite Hand Adenauers, wurde 1944 die rechte Hand lllmm- lers in dessen Elgenschaft als ,,Generalbevollmlichtigter fiir die Reichsverwal- tung". Hier ist das Original des sogenannten "Kriegsgeschiiftsverteilungsplans• des Himmler-Minlsteriums aus dem Jahre 1945. Aus ihJn gl'ht hervor, daB Himmler dem Globke alle Finanz-, Haushalts- und Beamtenfragen aowle alle politis<:hen Fragen des lnneren und des Auswlirtigen von grundsiitzlicher Be- deutung O.bertnig. Die sogenannte Neuordnung In den annektiert<'n und be- .nzten Gebieten, besonders in Bl>hmen und Mihren, in Elsal3 un<l Lothrin- gen und Luxemburg, in Belgien und Eupen-Malmedy und in den Nieder- landen, die Anwendung der Nurnberger Gesetze, die Mitwirkung be! der Grenz- und Ausla.nchpropaganda - all dlese Aufgaben der wichtig:sten Ab- 111
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.:;l .·/ teilungen in Himmlers lnnenministerium unterstanden Globke. Himmler als ,,Gencralbevollmiichligler fi.ir die Reichsverwaltung" beauftragte Globke mit der gesamten Geschiiftsfi.ihrung und beforderte ihn zu seinem Verbindungs- mann mil Goring, dem Oberkommando der Wehrmacht, der Reichskanzlei Hitlers, dem Auswiirtigen Amt Ribbentrops, dem Justizininislerium und an- deren obersten Reichsbehomen. Es gibt kcinen Namen, der in Himmlers ministeriellem Geschiiftsverteilungs- plan so oft auftaucht wie derjenige Globkes. Aus seinen 21 Aufgabenberei- chen im Jahre 1938 waren 1943 schon 25, 1945 gar 30 geworden. Aber nicht nur die Zahl, auch die &deutung der von Globke bearbeiteten Sachgebiete wuchs. Ich werde Ihnen eine charakteristische Episode erziihlen. Ein sogenannter ,,Alter Kampfer", der Ministerialrat Dr. LOsener, war einer von Fricks Refe- renten fi.ir Judenfragen. Als die Massenvernichtung der Juden begann und Himmler das Reichsinnenministerium iibernahm, erkliirte .Liisener, er konne die Monie mil seinem Gewissen nicht liinger vereinbaren. Er liel3 ·sich ver- setzen und verschwand spiiter im KZ. Aber Globke konnte auch das Schreck- lichsle mil seinem Gewissen vereinbaren und iibernahrn ohne Zogern die Funktion des LOsener und dariiber hlnaus die stellvertretende Leitung des ganzen Ressorts Rassenfragen. Globkc und Eich.inann SpieBgesellen Zwischen Globke und dem jetzt in .Israel inhaftierten Millionerunorder Eich- mann herrschte eine perfekle Zusammenarbeit. Globke war der Judenrefe- rent im Innenminislerium; Eichmann besetzte die gleiche Funktion im ReicilS- sicherheitshauptamt. Auf der gemeinsamen Basis ihres wiitenden Anlisemi- tismus entstand eine natilrliche Zusammenarbeit. Der eine sorgte fi.ir die Ausdehnung der Nurnberger Gesetze auf Osterreich und die Tschechoslowa- kei; der andere, Eichmann, bildete die Zentralstellen fiir die Liquidierung der Jud<>n. Nach dem Oberfall auf Polen iibernahm Globke im Reiclisinnenministerium auL->i die Veranlworlung fiir die ,,Umsiedlung der Polen und Juden''. Gleich- zeitig iibernahm Eichmann im Reichssicherheitshauptamt dieselbe Aufgabe. Man weil3, daB den Eichmann und Globke allein 2 900 000 polnische Juden zum Opfer fielen. Schon am 17. August 1938 verfiigte ein v'on Globke geschriebener Erlal3, daO jcder Jude bei der Gestapo gemcldet werden mUsse. Damit spielte e1· den Himmler und Eichmann die Gesamtlisten aller zu vernichtenden Juden in die Hiinde. Globkc bereilele durch seine Geootze, Ve1·triige und Polizeiverortl- nungen das Ten·ain fiir Eichmann vor. Dieser setzte in die Tat um, was jener ersann. Globke gehorte zu jenen Beamten der Weimarer Republik, die miihelos den Mantel nach dem Winde drehten. Er war Regierungsrat. Am Ende des erst~ Jahres d1•r Hitler-Diktatur avancierte er zum Ober1·egieruhgs1·at, im fiinften Jahr des Nazi-ReichC's zum Ministerialrat. Seine Brust war leer - sie fiilllc sich mil nazistisch-fa,ch1.,tischen Orden, Treuedienstabzeichen und Kriegs- 112
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.j.t verdienstkreuzen, und jede Auszeichnung war die Quittung fiir einen neuen 1,'::; menschenmordenden Gewa!takt. E_r bra~chte spiiter nicht umzu~ernen. Die _Feinde, die er heu_~e bekiim~ft,_ sind -~a die gle1chen, denen er qnter Hitler und Himmler zu Leibe ruckte: Soz1ahsten, Kommunisten, Juden, Pazifisten, freiheitliche Intellektuelle. Ti ti. :;~ g;: Hie Bonner Staat und Globke - hie DDR und Mensdtlic:hkeit! ·f~ ~· :} Globke, gestern Judenmiirder and ffimmlers Ratgeber und Emisslir, steht hcutc an der Spitze des Adenauerschen kalten Kriei:es gegen die ODR und das ganze sozialistisc:he Lager. Diese Tatsache aUein zeigt, wo in Deutsc:hland ·':. · das Recht und wo das Unrec:ht, wo das Regime des Verbrec:hens und wo der ·;~ lcgitime Staat des deutschen Volkes ist. Hie Bono und Globke - hie DDR und Y;? Menschlicbkeit! ~'"''Die Geister der Erschlagenen und Erschossenen und Vergas!en linden keine '),.,. Ruhe, denn ihr Mtirder sitzt nicht im Kerker, sondern im Palais Schaumburg. :i~ Der Autor der hitlerischen Ju<lengeset:re und enge Mitarbeiter Himmlcrs ist i)ij Adenauers Mitregent. .;{,i;:Aber wie soil man den Adenauer charakterisieren, der in vollcr Kenntnis ;{1~vieler Verbrechen des Satans ihn zu seinem engsten Ratgeber und faktischen •.31··.· :s.tellvertre~er ernannte?~ Was ist das. filr ein Kanzler, der sich mit den morde- ~· nschen Sp1el3gesellen Hitlers und H1mmlers vom Schlage Globke und Ober- ;)~Iiinder umgibt?I ';?~hm Monopolistenreich Adenauers notiert die Rilstungsaktie hoch und der An- ·~fistand mit Null, avancieren die SS-Mtirder vom Schlage des Generals Simon . ::/zu frelgesprochenen Heiden, und keine einzige groilerc Zeitung wa!(t, die ~finsteren Kriegspliine und -vorbereitungen des Straull anzugreifcn. Und so ~kann es geschehen, dall der offizielle Pressedienst der CDU im April 1960 den '.'.~CDU-Staatssekretiir Globke in Schutz nimmt und Adenauer sich im Bunde.-;- l tag ::~~:::;g:sn:::;:::;li:~::~n zulas~n, daP Behauptun9en auf- gestellt wcrden, die geeignet sind, die Ehre des Hcrrn Ministerialdirek- tors Globke zu schiidigen." ,··:''' Jawohl, die Ehrbegriffe der Globke und Oberlander bestimmen das politisch- : ~--~ sittlichc Niveau des Bonner Regimes und seines Adenauer. Aber c>in Staal, .';;:,~- der Hitlers und Himmlers MitveTSChworene zu seiner Spit2.Cnmannschaft ·-•>zahlt, hat !angst seinen moralischen Bankrott angemeldet und wird so enden. wie die Hitler und Himmler endeten. · ::;i :/1Abcr Adenauers Erkliirung beweist, dall Globke keine Einzelerscheinung und ~kein Schonheltsfehler, sondern die Verkorperung der ldentitit der Adenauer'- : · 'schcn mit der Hitlerschen Politik ist. Er 1st ein Mlttelsti.lck des Bildes, das der . ·. ·Bonner Staat bietet mit seinen HiUer-Generalen, die Uber die Wehrmacht ': 7 herrschen, mit seinen tausend faschistischen Blutrichtern, mil seinen Nazi- Diplomatcn, mit seinen Rilstungsbaronen, von deren Gnaden gcstern Hitler '.\rregierte und heute Adenauer abhlinat. ttt ~\~ \~'\ 113
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Das hi:illische Wirken des Globke, der einerseits die Reinwaschungskommis- sion filr seinen Gesinnungs- und Tatgenossen Oberliinder finanzierte und andererseits den Krieg gegen die Menschen des Friedens in Westdeutschland enlfacht, soil die Durchftihrung der mi!itarischen Plane des StrauB politisch vorbereilen und sichern. Aber die Wurfel der Geschichte sind schon gefa!len, und die Globke, Straul3 und Adenauer haben nicht die geringste Aussicht, durchzukommen. Vor die Alternative gestellt: ein friedliches neutrales Deutschland oder Verschiirfung der Spannung bis zum Burger- und Atomkrieg, begreifen die Menschen auch in Wcstdeutschland, daB es mit den herrschenden Bonner Politikern nicht weiter, sondern in den Abgrund geht. Im Glauben an das Gute in unserem Volk, in der Uberzeugung, da8 der Tag kommt, an dem die Macht des Militaristengesindels gebrodien wird, rufen wir heute das Schwurgericht der Volker an gegen den Eichmann von Bonn, gegen Hans Joseph Maria Globke, den Schiindcr des deutschen Namens und Verriiter an der Menschheit, den Judenmiirder an der Seite Adenauers. ,.Hier ist Deutsch land" lrldCirung won Dr. Arnold Zweig auf der Preaaekonferena Liebe Anwesende! Ich habe am 13. oder 14. Miirz 1936 meine Berliner Hei- mat verlassen, well !ch wuBte, nachdem ich gesehen hatte, was der deutsche Militarismus tut, wenn ihn niemand kontrolliert und niemand bandigen kAnn, dal3 mein B!ciben in dem Reiche, in dem der Reichstagsbrand stattge- funden hatte. nicht sein ki:innte. Ich sage Ihnen heute nur folgendes: Als ich im Jahre 1943 in Paliistina die Nachricht bekam, rlaB das Nationalkomltee ,,Freies Deutschland" in der Niihe von Moskau gegrilndet worden sei - und !ch mir die Namen derer vorlesen !ieB, die dort zusummenwirkten, um slch mit den gefangenen deutschen Sol- daten In Verbindung zu setzen und zur Offentllchkeit der Welt zu sprechen -, da wullle !ch: Es wlrd wieder ein Deutschland geben, in du !ch mit melner 114
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- ~-~- ---~--- '>:. Frau und meinen Kindern zur\ickkehren kann und /: ::'; ·:~ .C\ .;:.;~ in dem ich meine Arbeit fortsetzen werde, soweit es mein Lel:;en und meine Gesundheit zulassen. Ware nicht nach der Griindung der SED dieser Staat, die DDR, gegrilndet worden - und zwar dadurch, daB die Spaltung der Arbeiterklasse bescitigt wurde, die ich schon im Jahre 1920 bekamp!t habe -, so hatte ich nicht ge- wul3t, wo ich meine Ble.ibe aufschlagen sollte. ~S'. Im Jahre 1948 bestieg ich ein tschechoslowakisches Flugzetig. Wir f!ogen ..;J iiber Athen und Rom und landeten in Prag. Dort traf mich Paul Wandel. Und · ;~ ich kam zuriick in diesen Tell Berlins, das damals noch nicht gespaltcr. war ',:~ und in dem wir die Triimmer sahen, diese furchtbaren Spuren dcr Luftan- :~~~ grif!e, in unser demokratisches Berlin. So sehen Sie, daB ich hierber zuriick- '.;'.~ gekommen bin und bier bleiben werde und nirgendwo anders leben konnte ·;:;. als eben in dieser DDR. f0. Hier nahm ich Kenntnis von dem unbeschrelblichen Mi.ill, der auf unser fi; deutschcs Volk gewiilzt wurde, nachdem man im Jahre 1933 d.ls Deutsche Reich im Auftrage der Rhein- und Ruhrbarone dem Braunauer Gc!reitcn M \lberllefert hatte. Es waren filr mich, der ich nicht mehr lescn kann, zahl- i~ reiche und neue Fakten, die uns Prof. Norden bier eben vorgetragen hat. ~·.)Auch ich sah in den 14 Jahren des Exils, wie sich das deutsche Volk und allc '. ·,seine unterworfenen Gebiete ausplundern !assen muBten, entmenschen !assen muBten und in e.ine zu besiegende militarische Machtmaschine verwandclt wurde. r< DaB der Weltkrieg Nr. 2 ebenso enden wurde wie der Wcltkrieg Nr. 1 - ~ davon war ich bereits im Jahre 1935 ilbcrzeugt. Ich habe in Paris, ich glau!Y.! · im Jahre 1936, einmal einen alten Artikel von mir vorlesen laS!:cn, In dcm ich .: Jahre 1932 ln Berlin gesagt hatte: Wenn es n1 einem Revanchekrieg _.,kommt, so wird er genauso enden, wie der erste Weltkrieg endete: denn cter (:tiWeg der Menschheit ln elne freie fortschrittliche, so·dalistiscbe und schopfe- ~risdle Zukunft lliBt sich nlcht aufhalten, selbst nicht von so machtvollen In- ~_!trumenten wie dem Industriepotential von Rhein und Ruhr. Darum babe ich ~nen heute meine Gegenwart aufgezwungen. ·;:;:.Aber Sie mUssen sich ganz klar daruber sein, wenn Uber die DDR gespro- chen wird: mer ist Deutschland! Hier konnen deutsche Schrlft'iteller atmen, arbelten und planen! Hier lat die Basis dafUr itegeben, da8 slch der Rilck- ·rutsch in die Barbare!, den wir fUr Deutschll'lnd niemals fiir moglich gehalten i;?hlitten, nlcht wlederholen )<ann, auch kein drittcr Weltkrleg, wcil jetzt unsere '.:~Front die stllrkere Front ist. ~;~Es ist aber !Ur mich, der ich :ils Schriftstel!C'r das Ohr dC'r OfkntlichkC'it in ·~::;vielen Sprachcn gewonnen habc, eine Pflicht. dafUr zu zeugen. dal3 unscre :.":,o~utsche Demokratische Rcpublik - auch wcnn HC'rr Senator Lipschitz jctzt ::(':;versuchen w!ll, irgendwelche Sonnenflecken bei uns aufzutrciben und auf- :·:zudecken -, daB unsere Deutsme Demokratische Republik derjenige Staal '?1st, dcr fiir den frelen dcutschen Schriftsteller die cinzige Hrimat ist, die es \:~:be":Jtc fUr Oeutschschrelbende glbt. Hier sind wir imstand<>, 90 offf'ntlich wic ~jjctzt und In alien dicsen Jahren, die lch hi<>r arbeite, dafUr zu zeugf'n, da8 ~,~das deutsme Element auf der Welt seine Fleckcn aus der Nazi:reit wieder \1;.losgeworden bt. fi l ~ p ~ r.-~ m
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Aus den Fragen und Antworten auf der Pressekonferenz "Ncuc Zeit": Wcstdcutsche Zeitungen haben behauptet, dafJ Herr Globke in d.er Nazizcit jiidischt'n Biirgern Vnterstiitzung gewiihrt hiitte. Zur Vntermauerung dierer Behauptung wurde erkliirt, die Frau des Herrn Globke sel selbst jildischer Mischling. Stimmt diese Behauptung? Rabblner Dr. Rlescnburger zitierte die Geburtsurkunde der Frau des Bonner Staatssckretiirs. aus der eindeutig hervorgeht. dall sic ri:irnisch-katholischer Reli- gion ist. Adolf Deter, Sckretiir des Ausschusses fiir Deutsche Einheit, legte Orlginal- dokumente vor, in dcncn das prcuBische Innenministerium die .,arische Herkunft" von Frau Globkc ausfiihrlich bestlitigte. "Bayrisd\er Rundfunk": HP.rr Norden, beabsichtigen Sie, daa heute hier vorgetragene Material zu dem bevorstehenden Eichmann-Prozep nach 1$rael zu ilberweisen? Prof. Norden: Aber bestimmt! .. :-~ Mrs. Rosner, "Dally Worker": Darf ich wissen, von welchem Naziministerium diese ), Akten sind? .:( Prof. Norden: Vom Ministerium des Innem. Mrs. Rosner: Enthiilt diese Akte etwt13 uber die Rolle Globkes bei der Ausburgc- rung z. B. von Rumiinen oder anderen Leuten? Prof. Norden: Wlr haben sehr vieles, das diesen Komplex berilhrt. Wir wollen aber abwarten, ob Herr Globke mutig genug 1st, selber zu gestehen. Mr. Johnsen, Agentur Reuter: Seit wann sind dtese Dokumente ln lhrem Besitz? Prof. Norden: Seit kurzem. ,.Bauem-Echo": Das vorgelegte Material ist so liickenloa, daft stch jede Frage dazu eriLhrigt. lst es nlcht an der Zeit. Glob kc? vor tin internatlonalea Ge.-icht zu stellen? Adolf De'4!r: Wir erwarten, daB die Adenauer-Regierung selbst Mallnahmen gegen Globke ergreift. Alie diese Tatsachen, die bier van Herm Prof. Norden vorgetragen wurden, sind ein Anlall filr die hler anwesenden westdeutschen Jour- nalisten, an die Adenauer-Regierung die Frage zu rlchten.: W&.:J wollen Sie .gegcn den Judenmorder Globke unternehmen7 Summel van der Zeltun1 "Haareb": lch stamme aus Israel. lch mOchte Herrn Profeaaor bltlen, mlr zu 1agen, ob Sle aueh anderes Material gegen Eichmann llaben und ob Ste da1 komp!ette Material dem Gericht in I1rael send.en werden? Prof. Norden: WM In unserem Besltz 1st und den Komplex Eichmann in irgend- clner Weise berilhrt, wird den zustandigen Anklagebehorden zur Ver{iigun~ gestellt. OBERLXNDER UNO GWBKE "Der Morgen": Im Zusammenhang mlt Globke wurde Iller 1chon Oberliindet mehrere Male erwlthnt. Wie slnd die Zusammenhanoe zwischen den beiden Fiillen• lat der Fall Oberlllnder abgeschlossen? Prof. Norden: Der Fall Oberlllnder !st solange nlcht abgeschlossen, als er nid11 l\inter unseren Zuchthausglttern &itzt, hinter die er gehort. Er lst ~kannllich vom . Obersten Gerlcht dcr DDR rcchtskrliftlg verurtellt worden. - Er bezieht ein<' Pension van ilbcr 3000 DM als Minister, er bezieht Abgeordnetcndilitcn von ; 116 --j I 1
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