EICHMANN, ADOLF VOL. 3_0030
-~--~--- wie das Wort ,,EndlOsung". Beide entstammen der finstersten Ausgeburt menschlicher Gehirne. Ein deutscher Ingenleur Grabe, der zufiillig in dem sogenannten da- maligen Generalgouvernement Zeuge einer ,.Sonderbehandlung" an jiidischen Menschen · wurde, berlchtete dem englischen Hauptank!iiger in Nilrnberg, Sir Hartley Shirwcross, folgendes furc:htbare Er!ebnis: 1 I J.; ..... Elne alte Frau mit schneeweiilem Haar hielt ein einjiihriges Kind aut dem 'j\rm und sang Ihm etwas vor und kitzelte es. Das Kind quletschte vor VergnUgen. Das Ehepaar schaute mit Trlinen In den Augen zu. De1· • Vater ·h!elt an der Hand einen Jungen von etwa zehn Jahren, · sprach !else auf lhn e!n. Der Junge klimpfte rnit den Triinen. Der Vater zeigte mit dem Finger zum Himmel, streichelte lhn ilber den Kopf und sdlien ihm etwas zu erkliiren. Da rlef schon der SS-Mann an der Grube seinem Kameraden etwas zu. Dleser teilte ungeflihr zwanzig Personen ab und wies sie an, hinter den Erdhiigel zu gehen. Die Familie, von der ich hier sprach, war dabe!. Ich entslnne mlch no<:h genau, wie ein Madchen, scllwarzhaarig und schlank, als sle nahe an mlr vorbeiging, mit der Hand an slcll herunterzeigte und sagte: ,Drelundzwanzig Jahre!' Ich ging ,um den Erdhilgel herum und stand vor dem rieslgen Grab. Dicht aneinander- geprellt lagen die Menschen so aufeinander, dall nur die Kopfe zu sehen waren. Von fast allen Kllpfen rann Blut iiber die Schultern. Ein Tei! der Erschossenen bewegte slch noch. Elnlge hoben lhre Arme und drehten den Kopf, um zu zeigen, daf3 sle noch lebten. Die Grube war bereits drei- viertel voll. Nech meiner Schlitzung lagen darin bereits ungeflihr tausend Menschen. Ich schaute mlch nach dem Schiltzen um. Dieser, ein SS-Mann, sail am· Rand der Schmalselte der Grube au! dem Erdboden, liell die Beine in die Grube herabhlingen, hatte auf seinen Knien eine Maschinen- pistole l!egen und rauchte eine Zigarette. Die vollstlindig nackten Menschen g!ngen an elner Treppe, die in die Lehmwand der Grube gegraben war, hlnab, rutschten Uber die Kopfe der Liegenden hinweg bis zu der Stelle, die der SS-Mann anw!es. Sie legten sicll vor die toten oder angei;chossenen Menschen, einlge streichelten die noch Lebenden und sprachen leise auf sle ein. Dann hllrte !ch elne Reihe Schiisse. Ich schaute in die Grube und sah, wie die Korper zuckten oder die Kopfe scllon still auf den var ihnen .liegenden Korpern .Iagen. Von den Nack.en rann Blut. Ich wunderte mic:h, da6 .!ch nicht fortgewiesen wurde, aber icll sah, wie such zwei oder drei Postbeamten in der N!lhe standen. Schon kam die nlichste Gruppe heran, stleg In die Grube hinab, reihte slch an die vorherlgen Opfer an 1md wurde erschossen. Als ich um den ErdhUgel zurilckging, bemerkte ich wieder einen soeben angekornmenen Transport von Menschen. Dieses Mal waren Kranke und Gebrechliche dabei. Eine alte, sehr magere Frau mlt fiirchterlich dilnnen Belnen wurde van einigen anderen, schon nackten 35 :.'· ~-.:.·t.;:~~e""-~-=~ . ,_,,_ . : .... ~.-·1
" 1!- 1• i f{ '(f. .·; t{f. :I n, r1: . ' I· I< . .. , .4 ····:i··'/·'"·:······~· . , t, ~ ' ' Wie es Globke verordnete, Wfe es Eichmann betahl - GrOndlfohkeit" wurde es ausretOhrt mlt ndeutsdter Menschen ausgezogen, wiihrend zwei Personen s!e stutzten. Die Frau war anscheinend gelahmt. Die naclcten Menschen trugen die Frau um den Erdhugel herum ... Am Morgen des niichsten Tages, als Jch wJederum die Baustelle besuchte, sah !ch etwa dreiBJg nackte Mensctsen Jn der Nahe der Grube, 30 bis 36 .-. ."--"'.~ ~ ..
~------- --- - 1 ------ 3G 50 Meter von dieser entfernt, liegen. Einige lebten noch, sahen mil stierem Blick vor sich hin und schienen weder die Morgenklilte noch die dar:um- stehenden Arbeiter meiner Firma .zu beachten. Ein Madchen von etwa zwanzig Jahren sprach mich an und bat um Kleider und um Hilfe zur Flucht. Da vemahmen wir auch schon das Herannahen eines schnell fahrenden Autos, und ich bemerkte, dall es ein SS-Kommando war. Ich entfernte mich zu meiner Baustelle. Zehn Minuten spater horten wir einige Schiisse aus der Nii.he der Grube. Man hatte die Leichen ·durch die noch · lebenden Juden in die Grube werfen !assen, sie selbst mul.lten sich daraufhln in dlese legen, um den Gen!ckschul3 zu erhalten ... " Was aber sagt heute der SS-Obersturmbannfiihrer Adolf Eichmann, der Verantwortliche filr alle dlese vom menschlichen Verstand kaum noch zu erfassenden sadls.tlschen Verbrechen? :_- ,,Ich war nichts anderes' als ein getreuer, ordentlictier, korrekter, fteil3iger und nur von idealen Regungen filr meln Vaterland, dem anzugehoren ich die Ehre hatte, beseelter Angehoriger der SS und des Relchssicherheits- hauptamtes. Eln innerer Schwelnehund und ein Verriiter war ich nie. Trotz gewissenhafter Selbstpriifung mul3 !ch filr mich feststellen, dal3 ich weder ein Morder noch ein Massenmorder war. Ebensowenig waren dies me!ne mir dlrekt Unterstellten. Meine objektive Einstellung zu den Dingen des ·Geschehens war ntein. Glaube an den von der Filhrung des damaligen deutschen Reiches gepredigten Volksnotstand, war ferner mein zunehmender Glaube an die Notwendigke!t eln~ totalen Krieges, weil ich an die steten Verldlndlgungen der Filhrung des damaligen deutschen Reiches, Sieg In diesem totalen Krieg oder Untergang des deutschen Volkes, stets in zunehmendem MaBe glauben muf3te. Aus· d!eser Ein- stellung heraus tat ich relnen Gewissens und gliiubigen Herzens meine mir befohlene Pfticht."
Der Schatten seines Herrn 1 _J I 37 Als die Nachricht von der Verhaftung des ehemaligen SS-Obersturm- bannfUhrers Adolf Eichmann·' das Bundeskanzleramt im Palais Schaum- burg erreichte; gab es 'd6rt' elnen Mann, der grau im Gesicht wurde. Des Kanzlers rechte Hand, sein engster Vertrauter -und stlindiger Schatten, der Staatssekretllr Dr. Hans Globke, konnte ein Zittern seiner Hinde nicht verbergen; · · In. der Meldung -~!)er· die ··verhaffong -E'ichmanns, die ihm auf den Schreibtisch gelegt wui'de, gab.es eihen\SatZ, der ihn besonders verstorte: ,.Wenn !Cb in Israel voi'·ei~ Gericht gestellt werd.en sollte, dann werde !ch kelne RUckslcht auf vlele hohe Personllchkeiten der heutigen Bundes- republlk nehmen!" Das hatte Adolf Eichm8.Iln In seiner ersten ·Vernehmung In Jerusalem •zu: Pi'otokoll gegeben. ·'(' Wenn einer In Bomf dfesen Satz zu · deliten wuate; dann war es. der · Staatssekretlir Hans Gl~bke,, der Mltverfasser und Kommentator der Nurnberger Rassengesetze des Jahrj!s 19!5. 'Damals hatte Globke als Oberregierungsrat Im PreuBischen .Innen}Dinisterlum zu Berlin, das spiiter Goring unterstellt wurde, slch freiw"i1i1g angeboten, zus§mmen mit dem Staatssekretiir Stuckart elnen Kommentar zu den NUrnberger Gesetzen zu verfassen. Der beriichtlgte _Priisident des Volksgerichtshofes, Roland Frelsler, der Tausende von Antlfaschisten In den ·Tod schfckte, nannte diesen Kommentar Globkes einmal ,.besonders wertvoll". Globke schrieb beispielsweise zu dem § 3 d.es ,,Blutschutzgesetzes", der beinhaltete, daB Juden nlcht _weibliche Staatsangehorige deutschen. oder artverwandten Blutes unter 45 Jahren in ihrem Haushalt besch!iftigen diirfen: ,,Dleser § !st notig, um deutsche Hausmlidchen vor rassevei'derb- lichen geschlechtlichen Gefiihrdungen zu schiitzen. Eln jiidischer Haushalt liegt vor, wenn ein· jiidischer Mann Haushalts~ vorstand !st oder der Hausgemeinschaft angehort . . . ein miinnliches Kind !st dabei bis zu dem Zeitpunkt nicht als Mann anzusehen, in dem mit der Erreichung der Geschlechtsreife gerechnet werden muB, d. h. bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres. . . . der jiidische Mieter eines moblierten Zimmers ohne Familienanschlu13 ist nicht Angehoriger der. Hausgemeinschaft des Vermieters. Nimmt der Mieter a~_e.5.am Familienleben des Vennieters tell, nimmt er insbesondere die Mah~en gemelnsam mit der Famille eln, so gehort er zur Haus- gemelnschaft. 38 j td lI. i\li. j
;; ;: bi Dr. Hans Globke - friiher: Judenmiirder, heute: Staats- sekretir Im Bonner Bundes- kanzleramt 1 38 ... der Dreiachteljude, · der einen volljQdlschen und halbjiidischen Gi-Ollelierntell b~itzt, gilt als Misch- ling; mit einem . volljiidischen Groll- elternteil, der Fiinfachteljude mit zwei volljiidischen und einem halb- jildischen Grollelternteil als Misch- ling mit. zwei volljiidischen Groll- eltern." Auch fO!gende Satze stammen aus der Feder des damaligen Ober- regierungsrates Dr. Hans Globke: ,,Ein volldeutschbliitiger Grollelternteil, der etwa aus Ania£! seiner Ver- heiratung mit einem Juden .zur jiidischen Religionsgemeinschaft iiberge- treten ist, gilt fii1· die rassische Einordnung seiner Enkel als volljiidisch. Ein Gegenbeweis ist nicht zugelassen. Diese Regelung erleichtert die rassische Einordnung erheblich, ... Wie lange der Grollelternteil der jiidisch~ri :Religionsgemeinschaft angehOrt hat, ist gleichgt1It1g; Auch nur ~in'e ·vorilbergeheiide Zugehorig- keit genligt." Dieser Kommentar des Dr. HaT's ·Globke erschlen in der C. H. Bedcschen Verlagsbuchhandlung Milnchen und Berlin im Jahre lll36. Er lleferte den Nationalsozlalisten eine pseudojuristische Handhabe zu ihren Aktionen gegen Menschen jiidischer Herkunft oder jiidischen Glau- bens. Er war es, der die Verbreche'n an der jildischen Bevolkerung geistig sanktionierte, die Eichmann dann gestiitzt auf das Gesetz ,,eifal3te" und anordnete. Dieser Mann, den man als einen bedingungslcisen Vertreter der national- sozialistischen Rassenideologie bezeichnen kann, spielt heute. im westl- deutschen Staat eine unheilvolle Rolle. Es !st bezeichnend filr die politische Situation nach 1945, wle die Allilerten in dem von ihnen ~ setzten westlichen Teil Deutschlands mit elnem Mann wie Dr. Hans Globke verfuhren. Globke wurde nur auf kurze Zeit in Hessisch-Lichtenau inter- 39
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D·E,RSP,l;EGELI . Zeuge Globke: ,)Ich ha be es gew:\i:~tk:. da.~> dies·e Ausrottung der Ju- d~~·>i:~t~t~mati~~h VOrgenomn1en \VOr~en tst':ki1,~J:lel' .i¢h.. W\l~te. 1x1icnt. daB es s~ch .• aii!'':~ne,.ruaeh Qez.ogJ~:··o · 1 4/ .,lch wulJte, dalJ die Juden massenweise umgebracht wurden. Aber ich war immer der Meinung, dall es daneben auch Juden gab, die entweder in Deutschland lebten oder di~. wie in Theresienstadt oder dergleichen, in einer Art Ghetto zusammengefallt wurden." Als ihm darauf der Ankliige1· die Frage vorlegte: ..Ste dachten also, es handle slch um Exekutionen, aber nicht um cine systematische Ausrottung?" erkllirte Globke unverfroren: ,,!ch bin der Au!!assung und wullte. das zu jener Zeit, dall die Ausrottung der Juden systematisch betrieben wurde, aber ich wullte_ nicht, dall sie sich auf a!le Juden bezog." Merkwtirdig, kann man da nur sagen, daB dem amerikanischen Anktager nicht in den Sinn gekomrrien seln soll, einmal die Mitschuld ,,seines Zeu- gen" an den furchtbaren nationalsozlallstlschen Verbrechen gegentiber den J.uden etwas elngehender unter die Lupe zu nehmen. Doch wiederum gar nicht so merkwi.irdig, wenn man weill, dall einige Jahre spiiter derselbe amerikanische Ankliiger, inzwischen in eine zivile Steilung als Rechtsvertreter zuri.ickgekehrt, an Dr. Globke einen Brief 1 roJgendes Jnhaltes schreibt : ,.Lieber Herr Globke! Ich bin offen genug, Ihnen zu sagen, dall ich die Angriffe auf Sie aufs· tiefste bedaure. Falls Ihnen eine Rtickenstiltwng nin mir niltzt, da ich nicht nur mit Ihnen, s'ondern iiber Sie mit vielen Leuten zwischen 1945 und 1949 gesprochen habe, !assen Sie es mich wissen. Mit besten Grtillen ..." Mit dieser Rtickensti.itzung des einstigen amerikanischen AnkHigers wai· fiir Dr. HansGlobke derWeg In die westdeutsche Innenpolltlk frei geworden. In einem Zeitraum von wenigen Jahren erreichte er es, zum Ministerial- direktor im Bundeskanzleramt ernannt zu werden. -~ :~~ ·-:.' ·~: .. ~.·· .. ~ ~' ., . ;.·, ..·. 42
Reichsinnenminister Frick bestatlgt Globkes ,,bervorragenden Anteil" an der AusarbeUung der Niirnberger Rassengesetze 1 4 ~ ;.;O.;),• ·"'' · . 'liA.atM tllll:. •> z.,•· w1. der de11taohen ;~~~'t~i;~~...i;:=~=~~·; :~~:::;: a) def h~ii~9Jalil;.~-... .,.;..,.~t.19''7 flon. <•. •> q., ~ . _ J.«+·s ,,_. ~uttn-.Q. un4 19"J8.. ; '.,, ·:i .~··· .,., . folba I 3. 1146). Yomuen - 5.l. ~n· ~" ..s- W!tvhu 'Mi 4•• Y1•4•rnre1Aigune t.-...W. •• ... ' . 'f·bar .Wall ~ ~orgehoben su a •
&ilui<ik~~~ tlrt ~1.~tpQ 44 BefGrderung zum MJnJs&erialrat als Anerkennung der ,.besonderen Verdlenste" I Kaum hatte er in dieser Position FuB gefaBt, entsann er sicb des Amen- kaners Robert Kempner und verhalf Ihm zu einer bedeutenden Rechts- vertretung westdeutsch-amectkaniseher Koni.eme in Frankfurt am Main. Es hatte nur eJnes Wortes zu Adenauers Duztreund, dem Bankier P!erdmenges, bedurft, und dieser tat Globke den kleinen Gefallen, Kemp- ner zu fordern, der sicb in Nilrnberg aur beiden Ohren taub und au! beiden Augen Iangt. blind gezeigt · hatte, was Globkes braune Vergangenheit anbe- Bundeskanzler Adenauer sind alle diese Dinge wohlbekannt, und den- noch hat er sich stets bei irgendwe!chen VorwUr!en, die aus der west- deutschen Offentllchkeit gegenuber Globke vorgebracht WUrden, schiitzend vor ihn gestellt. - Was fiir ein Staat, in dem der .. christlichste aller Kanz- 44