EICHMANN, ADOLF VOL. 3_0031

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Dieses vierte Ferngesprach geht nicht i.iber di0 Direktleitung der OKW-Stobsvermittlung i.iber flint Stooten in den europaischen Sudosten, sondern ein poor tousend Meter weiter zu einer Stelle, der Eich- mann rechenschoftspflichtig ist. 12 00 37 - Reichsinnenmin,isterium. Reichsfuhrer SS Heinrich Himmler - seit August 1943 Reichsinnenmlniste( und domit direkter Vorgesetzter des Minlsterlolrats Globke, der In dieser Zeit zu Hlmmlers Generalrefereriten ovanciert - vor SS- Leuten: ,,Ein ganz_ achweres Kapitel will ich hier vor Ihnen noch nennen. Ich meine die Judenevakuierung, die Ausrottung' des ;udischen Volkea. Sie gehOrt zu den Dingen, die man leicht auaspricht: das jiidische Volk wird auagerottet. Das sagt jeder Parteigenosse, ganz klar, das steht in unserem Programm drin. Ausrottung der Juden, machen wir wahr, Kleinig- keit. Von EU.ch werden die meisten wissen, was es heiJit, wenn · hundert Leichen beisammen liegen, wennfii.nfhundert da liegen oder auch tausend .. .; und fest durchgehalten zu haben und dabei - abge- sehen van menschlichen Ausnahmeschwiichen - an- stlindig gebZieben zu sein, das hat uns hart gemacht und ist ein nie genanntes und niemals zu ne·nnen- des -Ruhmesblatt." 12 00 37 - Reichsinnenministerium ... Dos _vierte Gesproch jener unheilvollen Serie von --lelefonoten, die in wenigen Minuten i.iber Leben und Tod_von 64 000 Menschen entscheiden sollte, war dos i<ofi'~ste von alien. Sein Ergebnis hetzte den sonst eis- -- .. kalten Burokroten der Vernichtung in einen Anfali rosenden Johzorns I Adolf Eichmann hatte mit dem Judenreferot gesprochen, dos ihn wegen seiner "Weichheit" riigte I ,, Aus~oge des Gesprac:hs-Zeugen Doktor gegenuber der Zeitung ,.Hamburger Echo". Merten ,,Eichmann machte den Eindruck eines emge- sperrten Tigers. Im mer wieder brii.llte er: ,Der Fuhrer hat doc1t befohle·n - mehr- traut der sich nicht zu sagen! Dieser Globke . . . dieser Gloh- ke' .. .!" Gerald Reitlinger in .Die Endlosung", Seite 422: .Ein ous vierzig Guterwagen bestehender Zug brachte zweltousendochthundert Juden aus der Provinz, die man in dos Boron-Hirsch-Ghetto ge2:wungen hatte,
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fort. Von da an wurde das Baron-Hirsch-Ghetto abwechselnd gefullt, geleert und wieder gefUllt, und bis zum Ende des Monats Marz 1943 hatte man 13 435Juden In. 5 Zugen weggeschafft. Mitte Mal, als man· die fur die Organisation Todt Verpflichteten deportlerte, war der GroBtell der Juden Salonikis berelts fort. 42 830 Menschen In 16 ZOgen ... Die' ~else alleln, die etwa sieben bis zehn Toge dauerte, wahrend der 60 bis 65 Menschen ohne Ruck- slcht auf Alter, Gesundheit oder Geschlecht in fast unluftbaren Vlehwogen befordert wurden, ous denen sle:·:slCh nlcht fur elne Minute entfernen konnten, mu8'an·'slch schon vlele dahlngerafft haben. Ober- dies befanden slch die melsten der Juden aus Salo- nl~l;'i«fhon' bel Antrltt der Reise In schlechtem Gesund- h,it$zustand;·Hass, der Kerkermelster von Auschwitz, sagte, da8 sle olle In so schlechtem Zustand seien, dCiB mcin sle ausrotten mu8te. - Im Johre 1941 gab es wohl nicht viel mehr Juden in Griechenlond, als gelegentlich der Volkszohlung von 193.1 festgestellt worden waren, namlich 67 200. Nach den offlzlellen .Zahlungen von 1945 hatten wenig mehr ols zehntausend den Krieg uberlebt.u *
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---------- -~ --· - - -- - --- --------~ Ferngesproch vier I 22. Marz 1943. Hier der lnholt der ou6ergewohnlichen Unterredung, die;Adolf. Eichmann In der Berliner KurfurstenstraBe derl1: Doktor: M8'iten · von der Mllitorverwaltung Salo- nikLgewa~rte, i.ind des _daran anschlieBenden ent- schetdenden Telefongesp:raches I Max Merten schil- deite dem:;;.Hamburger Echo•, wle er Eichmann den~ Plan unter~reitete, zur Besonftlgung der uber- mochtlg · wcichsenden grlechischen Volksemporung elnen Tell der jOdlschen Bevolkerung Griechenlands nicht; in/die Gaskammern, sondern ins Ausland zu schidcen· .;.. nach Polastlna. t-1~~"= · ..Wir toiiTen die Ju.den loaf" EIChmonn schwonlct: ,, WieViel?" Merten: ,,Na., rund zehntau.send!" Elchm~nn: ~HauptBache, wiT sind sie los - nehmen Sie ... ·. z~a~tau.send!" •. ·_f;1erten·:·erlebt ·den zwelten Tell jenes folgensc::hweren Gesprachs, tn· dem zwel unbormherzlge Juden- m6rder mlt-Zlffern Ober Menschenleben jonglierten, . al~'.'~erlc:ciuften sle Vleh. 6 !- ~t~h·~~nn w6hlt die Nummer des Reichsinnenmini- ~b;;1usrts _;Judenreferat U~ .. Merten wlrd Zeuge, wie der tausendfach gefQrchtete Eichmann vor jenem Manne dienert, der Ober lhn Welsungsrecht hotl Merten gegenuber dem .Hamburger Echo•: .,;ba ea. Bich um eine Ausnahme von den Nurn- f>#geT;Gesetzen handelte, hat auch der allgewaltige '..AdolfEich.mann Ruckendeckung gebraucht. Er hat sie'b~m JudenTeferenten des Reichsinnenministc- iitiiiia>(fesudit, bei Dr. Hans Globke!" Das .Hamburger Echo· weiter: ,,So hat Merten erlebt, wie sich Eichmann am Tele- /on filr daB Leben von 20 000 Ju.den stark gemacht .hat. V e r g e b 1 i c h !" ..i. __ * . . ·---.· __.. .... ~.--·· ---------······· :- . I i F'· !
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-· .. -· ..·~::..- .:..;...::..·~ '-··· -· .. Der Telefonapparat, der in einem lichtdurchfluteten Buro im ErdgeschoB eines Seitenflugels im Pala1s .· .Schaumburg, Bonn, unweit eines grunen Stahlschran- ., .·. kes mlt gehelmen Akten installiert ist, wird von einern '· · h~epflegten Mann in korrekt-konservativer Kleidung, ·• !'',nit weiBer Wesche unter schwarzer Weste, bedient . .... tmd ..,. wenn es ihm paBt - weitergeschaltet zum ... 'Kanzler der Bundesrepublik. Er gilt als des Kanzlers ,,graue EminenzN, jener Mann, dessen sorgfOltig manikurte Honde nichts von seiner fruheren Tatig- keit verraten und in dessen. U~gebung niemand an die vier folgenschweren Telefongesprache des Jahres 1943 erinnern darf: , Bonn, Koblenzer StraBe -139/141 'f3undeskanzler~mt. Staatssekretor: Dr. Globke I Fernsprecher jetzt: 2 01 11 ! Rufnummer Endfosung
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~: (,; i- r t: 1, •. J"•. ~~ ,. T?' ~- u !."". "· .. ,,,,:_' Dle-.hler.wiedergegebenen Fotos sind Dokumentor- fi':~::\(itifnahrrieri vom nationalsozialistischen Terror im von ··.·. '.ir•Cl.~rHitle;..Wehrmacht besetzten Griechenlond. ;·... . :~-::;•.\:·,: ~ .·~ . . RedoktionsschluB: November 1960 .... ·.·
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Der Deutsehlandsender sendel auf: Langwelle 185kHz 1621.6m 656kHz 692kHz 728kHz 782kHz 457.3m 433.Bm 412.1 m 383.6m 6115 kHz 7300kHz 49.06m 41.10m Mlttelwellen Kurzwellen Ultrakurzwellen 96.55 MHz - Leipzig (I) 96.95 MHz - Dequede 97,15 MHz - lnselsberg 97.3 MHz - Schwerin 97.4 MHz - Bracken 97.6 MHz~ Sonneberg 97.65 MHz - Berlin
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