EICHMANN, ADOLF VOL. 3_0032

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Mis ' Blide"' uad eiDer 1rephladiiea Dantelluo1 -10.Ta-d Diet. VerlaJ GaabB, BerU.. • l. Aafiap 1960 · Print..t ID C..-.1 Alie Bedate "'Wbeutsea TTl'OINph'8 I Dieta Eotwurf • Um..t.1.,: Hu C.bb.rd Verlaraboraa1 7,6 · DractJ>otr-1 9 · U ..a a a - 1 C-~cntellaa1: MeUlaer Dradtbaao UI/2115 ES 14E ···_ ---i I ..
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lingen, nur aus Sicherheits-, erzieherischen oder vorbcugenden ·Grunden allein, steht nicht mehr im Vordcrgrund. Das Schwer- gewicht hat sid1 oam der wirtsd1aftlichen Seite hin verlagerL Die Mobilisierung aller Haftlingsarbeitskrafte, zunachst fur Kriegs- aufgahe!l (Riistungssteigerung) und spater fiir F riedcnsaufgahen, schiebt sidi immer mehr in den Vordergrund. 2. Aus dieser Erkenntnis ergehen sich notwendige Ma3nahmen, welche ein allmahliches Uberfiihren der Konzentrationslager aus ihrer friiheren einseitigen politisd1en Form in eine den wirtsdiaft- lichen Auf gahen entsprechende Organisation erfordern. 3. Ich habe deshalb alle Fuhrer der friiheren Inspektion der Konzentrationslager, alle Lagerkommandanten und alle Werk- leiter am 23. und 24. April 1942 versammelt und ihnen pers<in- lich die neue Entwid<lung dargelegt. Die wesentlichen Dinge, deren Durchfiihrung vordringlich ist, damit die Aufnahme riistungsindustrieller Arbeiten keine Vcrzogerung erleidet, ha be ich in beiliegender A!1ordnung zusammLngefaJk" Dazu gibt es nidit viel zu sagen. Das Dokument spricht fiir sich und zeigt, daB sich der Schwerpunkt der Aufgabenstellung der ' Konz.entrationslager auf die Seite der Zwangsarheit und des Skla- venmarkles verlagert hat. Die Inspektion der Konzentrationslager, · die bis dahin dem SS-Hauptamt unterstand, wurde am 16. Miirz · 1942 als Amtsgruppe D dem SS- Wir~diaftskonzern unterstellt. Chef des Konzerns war SS-Gruppenfiihrer Pohl, der fiir seine ',, Verdienste" bei der Auspl_iinderung und Massenvernidltung der Hiiftlinge spiiter mit dem Df':utsd:ien Kreuz dekoriert wurde. Es ,: ist derselbe Pohl, der nach 1945 wegen seiner Verbrechen zum ' Tode verurteilt und 195 l hingerichtet wurde. Er ist einer der : Hauptverantwortlichen !Ur die furchtharen Verbrech.en in den ' . Konzentrationslagern. Vor seiner Hinrichtung trat Pohl mit gro- ~.Bem Pomp noch im Kriegsverbred:iergefiingnis Landsberg zur katholischen Kirche iiber. Er konnte im bundesdeutsch.en Staat 'nodi eine kleine Broschiire unter dem Titel ,,Credo. Mein Weg ~'fll Gott" verfassen. Diese Broschiire, versehen mit einem Vorwort '~ f :ti'',... ; ..
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des Oberpfarrers Karl Morgensc:hweiB, der Pohl als einen ,,Offi- tler vom Sc:heitel bis zur Sohle ... , in seiner inneren Haltung und iiulleren Vornehmheit", als einen ,,Mann voll Energie, Willens- kraft und Tatkraft", als einen ,,Mann von hoher Geistesbildung und Herzensbildung, aufrec:ht, gerade und wahrhaft" bezeic:h.nete, wurde in der Bundesrepublik veroffentlic:ht. Die katholisc:he Kirc:he versuc:hte noc:h, aus dem Massenmi:irder einen Heiligen zu mac:hen. Es heiBt in der Brosc:hiire unter anderem: .,Er client heute als ganzer Katholik Gott und Christus und Seiner gottlic:hen Liebe in der Welt." Bezeic:hnend sind die Aufzeic:hnungen Pohls, in denen er etwas aus seinem Leben anfiihrt. Geflissentlic:h iibergeht er seine Zeit als SS-General. In nur wenigen Siitzen geht er dar- iiber hinweg und tut so, als ob ihm ein sehr groBes Unrecht wider- fahren sei. Bedauernd stellte dieser Hitlerknec:ht 1945 fest: ,,Mein Lebenswerk war zersd1lagen." Audi die Hetze gegen die Sow jet· \Wion, die er selbst als gliiubiger Katholik n.ic:ht lassen konnte, , rettete ihn nicht vor dem Galgen. Es war sein Verhiingnis, dall er .·....· zu friih hingeric:htet wurde. In der Partei des Bundeskanzlers ware ihm noc:h eine grol3e Karriere sicher gewesen; vielleic:ht '·.. wire - wie aus seinen ehemaligen Kurnpanen Oberlander, Globke, . Seebohm, Sc:hrOder usw. - aus ihm sogar ein Minister oder Staats- , 'sekretiir geworden und hiitte er die Moglic:hkeit erhalten, sein "Lebenswerk" fortzusetzen. iNom Wert des Haftlings Die Arbeitskraft des Hiiftlings stieg im Wert. Es war gewinn· ~bringender fiir die SS und die Monopole, den Hiiftling nic:ht :·einfac:h zu liquidieren, sondem erst in der Produktion einzusetzen. 'i,,An erster Stelle steht selbstverstiindlich der hundertprozentige \firtsc:haftlic:he Einsatz der Hiiftlinge fiir die den Konzentrations- }agern gestellten Aufgaben", ordnete SS-Brigadefiihrer Gliicks in 'einem Sc:hreihen an die Lagerkommandanten vom 24. Juni 1942 an. l
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Ja.

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Sachsenhausen. Zwangsarbeit im Klinkerwerk
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_Ju.:111
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----------------- Der besondere Vorteil der Hiiftlingsarbeitskraft fiir die Aua- beutung durch die SS und die Monopole bestand darin, dail der Hiiftling sehr billig war und f akt.isch in unbegrenzter Zahl zur Verfiigung stand. Der Hiiftling hatte nicht einmal mehr die ,,Frei- heit", seine Arbeitskraft zu verkaufen. Die Arbeitskraft gehOrte der SS; mit ihr konnte alles gemacht werden. Deshalb war es der SS moglich, die Arbeitsk.raft des Hiiftlings zu verkaufen. Der . Hiiftling konnte bis zur restlosen physischen Vernichtung ein- gesetzt werden, ohne d.al3 ein Einspruch seinerseits moglich war. Die Arbeitakraft des Hiftlings konnte besonders gut fiir die Geheimwaffenproduktion eingesetzt werden, denn er wurde be- . wacht, kam nicht in die Offentlichkeit und konnte nach Beendi· gung des Arbeitsprozesses liquidiert werden. Gerade das letztere '. · wird bestiitigt durch eine Anforderung des Industriellen Porsdte, '.: · der personlich bei Himmler vorsprach und fiir eine Gehe!mwaffen- :; produktion unter Tage 3500 Hiiftlinge verlangte. Selbat ale Leiche hatte der KZ-Insasse noch Wert. Seine Haare :· nrden f iir lndustriefilze verarbeitet, aus den Knochen und aus dem Leichenfett wurden Seife und Diingemittel produzien. Zahn- ::; gold kam in die Kaasen der SS. Die Monopole waren auch scham- den Hiiftling noch ale mensdiliches Versuchstier zu Hiiftlinge, Hiftlinge, Hiftlinge ... ::· Der Schrei nach Arbeitakriften wurde durch das Scheitern des ·~lltzkrieges immer lauter. Die Riistungshyiinen und Kriegsge- .· innler wollten mehr Profit schopfen, wollten mehr Wa.ffen pro: .·Uzieren und billigere Arbeitakrifte haben. Die SS wollte ihre klavenarmee erweitern. Dje_ Volker dediberfallerien Linder, an- .. pornt durch daa Beispiel der Sctwjetunion, sdiufen eine starke d~t~tandsbewegung im Hinterland des Feindes. Partisanen- , ppc;n banden zahlreiche fudUstische ElitediVisionen, sp~-
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----·--------------------- :t~n Brucken und Lager, brachten Hunderte von Militartransporten zum Entgleisen, zerstorten die N achschubwege und Verbindungs- linien des Feindes. Gegen sie 1ichtete sieh die ganze Wut einer entmensd:tten Soldateska. Straiexpeditionen wiiteten in den Dor- fern, toteten die Zivilbevolkerung oder verschleppten sie in die Konzentrationslager. Die Lager wurden zu riesigen Sklavenarse- nalen und Verri.id:ttungszentren. lmmer neue Methoden erfand Himmler, um die Lager zu fiillen und sein Vernid:ttungsprogramm durcli.zuf iihren. Vemiclitung durch Arheit J·· Es war am 18. September 1942. Himmler und der Justizmini- ster Thierack beratscblagten gemeinsam, wie man noch sdmeller morden konnte. In den Gefiingnissen und Zuchthausern des ,,Drit- ten Reiches" wurde zu langsam gestorben. Deshalb iibergab Thierack einen Teil seiner Strafgefangenen in die ,,bewiihrten" . Hiinde Himmlers ,,zur Vernichtu.'lg dcrch Arbeit", wie es im Be- . ridit Uber diese Bespred:tung hei.13t. Alie Sicherungsverwahrteu, ·)µden, Zigeuner, Russen und Ukrainer, Polen mit mehr als drei Jahren Haft, Tschochen und Deutsche mit iiber acht Jahren Strafe, wurden in die KZ iiberfiihrt. Gleichzeitig vereinbarten sie, dal3 in Zukunft Juden, Polen, Zigeuner, Rtissen und Ukrainer nicht mehr · von den Gerid:tten, aud:t wenn es sich um Strafsachen handelte, ab- geurteilt, sondern sofort der SS iibergeben werden sollten. Diese MaJ3nahmen beweisen erneut, daB die Justiz nur noch ein der SS .ebenbiirtiges Terror· und Ausronungsinstrument des Faschismus war. In einem Sd:treihen des Reichsministeri der Justiz vom 13. Ok- ·.· .· tober 1942 an Bormann, den Chef der Partei~ei, wurde seiten.s der Nazijustiz bedauert, da.13 ihre Mittel zur Massenvernid:ttung ·.·•. begrenzt seien. Es hiel3 darin; ,,!ch gehe hiervon aus, da6 die Justiz nur in kleinem Umfange dazu beitragen kann, Angehorige ~:dieses Volkstums auszurotten ... Dagegen glaube ich, daB durdi
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.iJ .. ii·• .·.; . !:'' .1.,· die Auslieferung solcher Personen an die Polizei, die sodann frei von geset:z.lichen Straftatbestiinden ihre MaBnahmen treffen kann, wesentlich bessere Ergebnisse erzielt werden." Die Rolle der Justiz im "Dritten Reich" wird unterstrichen von einer ,,Grundsiit:z.lichen Richtlinie Nr. l" von Himmler, die he- etimmte, ,,daB niemals ein Jurist Chef des SS-Gerichtes sein darf". Himmler riiumte alle Gefiingnisse und Zuchthiiuser in Deutsch- land und im besetzten Gebiet aus, um fiir seine Konzentrations- lager neuen Nachschuh zu erhalten, und sicherte eich gleichzeitig __ neue Zugiinge durch Oberweisung aller "Straffiilligen" fiir die Zu- kunft direkt in die Konzentrationslager. Noch vorher bane Himm- ler das Einversti.ndnis des Justizministers eingeholt dariiber, daB die Leichenschau bei .,unnatiirlichem Tode" eines Hiiftlings nur der SS-Gerichtsbarkeit Uliterliegen solle. Diese ,,fiir die SS sehr giinstige Reglung" - wie der Chef des Hauptamtes SS-Gericht befriedigt feststellte - machte den Morder noch zum eigenen Richter. Aber nicht nnr die, die in den Vollzugsanstalten der Justiz ' waren, sondern auch diejenigen, die dort entlassen wurden, sicherte : sich Himmler. So hestiitigte ein Sclireiben des Reichsjustizmini- >etere 4n die Generalstaatsanwiilte vom 21. April 1943, da.B alle ;'Polen und Juden, die aus Vollzugsanstalten endassen werden, !:;: t der Gestapo zu iiberstellen und auf Kriegsdauer heziehungsweise '"':-_-;Jebensliinglich in Konzentrationalagem zu inhaftieren sind. !frAus kriegswiclitigen Griinden ~~:: ~ Himmler braudite mehr Hif tlinge. Am 17. Dezern her ordnete \~dn einem Geheimbefehl an alle Befehlshaber, lnspekteure_ und '~ommandeure der Sidierheitspolizei und des SD an: ,,Aus kriegs- ~,: •· Wichtigen, hier nicht niher zu erorternden Grunden hat der Reichs- : : fiihrer-SS und Chef der Deutschen Polizei am 14. Deumber 1942 67
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bcfohlen, da6 bis Ende Januar 1943 mindestens 35 000 arbeits· f iihige Haf tlinge in die Konzentrationslager zu iiberweisen sind." Weiter wird befohlen, dali fiir die Erreidmng dieser Zahl· alle fluditigen Fremdarbeiter, alle ,,im Strafvollzug ein.sitzenden" arbeitsfiihigen Hiiftlinge in die KZ zu iiberweisen sind. Im Rahmen der gesamten Aktion wurden audi 45 000 Juden aus dem Ghetto Theresie.nstadt und dem Bezirk Bialystok nomi· niert, die nach Ausmwitz transportiert und dort ,,ausgemustert"' werden sollten. In dem betreffenden.Schreiben vom 16. Dezember 1942 heillt es dariiber: ,, ... bei Anlegung eines zweckmiiBigen MaBstabes fallen hei der Ausmusterung der. ankommenden Juden in Auschwitz mindestens 10 000 bis 15 000 Arl>eitskrafte an." Mit an<leren Worten, von den 45 000 Juden soUten 30 000 bis 35 000 vergast ,,.;erden. Der Rest, der fiir den deutsdlen Imperia· lismus nom ,,braumbar", das heillt, fiir die wirtschaftliche Ausbeu- tung nom zu verwenden war, wurde fiir die Riistungsindustrie be- , rcitgestellt. Gibt es noch bessere Beweise fiir die Willkiir und Bru· talitiit d1,,-<t deutschen Imperialismus? Das war es, wovon die Mono- polherren und Krautjunker getriiumt und was der Faschismus ge- schaffen hatte: ein Heer von Sklave'l f iir den Profit des Kapitals. Neue Masseneinlieferungen Wie willkiirlich der Faschismus mit Menschenleben umging und wie willkiirlich die Einlieferung in die Konzentrationslager vor sich ging, geht aus der Verfiigung iiber den Ansdilu6 der Arbeits- lager des Distrikts Lublin an das KZ Lublin hervor. In einem Aktenvermerk vom 7. September 1943 hiel3 es lakonism dazu: ,,Mit der Obernahme durm das ss~Wirtschafts·Verwaltungshaupt· amt (Amtsgruppe··D) werden die Insassen dieser Arbeitslager Konzentrationslager·Hiifilinge." Durch immer· neue Aktionen wurde fiir stetigen Zugang in die ·. Konzentrationslager ge&0rgt. Jede neue Niederlage der Hitler; =::j I
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faschisten beantworteten diese mit blutigem Terror gegen die·Be- volkerung der Gebiete, die 11och unter ihrer Herrsdiaft Standen. Strafexpeditionen, die ~... Taktik der verbrannten Erdeu, Galg~n und Massengraber kennzeidinen den Riickzug der Nazitruppen. Brutal wurde ein groBer Tei! der Zivilbevolkerung xur Zwangs- arbeit in das Reich verschleppt. Massentransporte kamen in die Lager. Einige der wichtigsten nach 1942 waren: Ungarische ]uden: Im April 1944 wurden in Ungarn etwa 400 000 Juden in groBen Lagern konzentriert. Bis zuro 30. Juni 1944 wurden sie alle nac4 Auschwitz. transportiert. -~'on den 400 000 sind kaum mehr als 100 000 als Arbeitskriifte ,.ausge· mustert" worden. Aile anderen wurden sofort vergast. Sowjetische Zivilpersonen: Mit dem Vorriicken der Roten Armee, Mitte bis Ende 1943 und Anfang 1944, wurden nodi ein· mal Menschenjagden in den nodi besetzten Ostgehieten durchge- fiihrt. Allein nadi Buchenwald kamen 5394 Personen aus ver- adlledenen Stadten der Sowjetunion. Polnische Zivilpersonen: Ab August 1944 - vor allem nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes - kamen Transporte der zwangsevakuierten polnisrhen Zivilbevolkerung in die Kon· zcntrationslager. Norwegische Studenten: Nach den Unruhen an der Osloer Uni- :r: versitiit kamen im Januar 1944 349 norwegische Studenten nach jf:1•, Buchenwald. Sie erhielten dort bessere Behandlung, wurden ~:'. getrennt von den a.nderen Hi!tlingen untergebracht, bekamen SS-Verpfiegung und konnten ihre Zivilanziige behalten. AuSer· 1 '. ' dem erhlelten sie ,,woltansch.aulichen" Unterricht von SS.lnstruk· ;Z'fouren. Da die nazistisc:he Beeinftussung erfolglos blieh, wurdcn ~aie im Juli und Oktober 1944 zu sdiweren Erdarbeiten herange- 1:-. '< :~wgen. ? Zwischenhafe II: Ab November 1944 kam eine neue Haftlinga- '~llt.,gorie in die Konzentrationslager. Es handelte sidi um ehe- !-~'ilige Wehrmachtsa.ngehorige, die meist zu hohen Zuchthau.s- ~atrafen verurteilt waren und zum Arbeitseinsatz in die Konz.en· 69
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