EICHMANN, ADOLF VOL. 3_0032

/ 150
PDF herunterladen
U'ationslager kamen. Nach Kriegsende sollten sie ihre Strafe ab- sitzen. Deshalh auch der Begriff: Zwischenhaft II. · Diinischr. Polizei: Im September 1944 V:Urde eine grol3e A.kt.ion '·' gegen die danische Polizei gestartet, in deren Verlauf etwa 2000 diinische Poliz.isten vor allem nach Buchenwald gebracht wurden. Ostarbeiter: Aus einem Telegramm des Generalgrenzinspek- teurs an die Gestapo Niirnberg-Fiirth vom 12. Februar 1944 geht hervor, dal3 alle wiederergriffenen gefliichteten Ostarheiter auf Grund cines Hirnmler-Befehls in die Konzentrationslager zu iiberfiihren waren. Polen aus der Widerstandsbewegung: Am 18. Dezember 1942 erliel3 Himmler den Befehl, 50 000 verhafte,te Polen der Wider· st.andsbewegung in die Konzentrationslager einzuliefern. Ehenso sollten laut Anweisung des SS-Obergruppenfiihrers von dem Bach soviel als moglich Gefangene hei der Partisanenbekiimpfung zur ._Gewinnung von Arbeitskriiften fiir die deutsche Riistungs- und Emahrungswirtschaft" gemacht werden. Diese Anwei:mng wider- sprach an und fiir sich der iiblid:ien Praxis des Terrors gegen die Partisanenbewegung. Mit den brut.alsten und aud:i ohnmiichtigsten Mitteln wollte der Fasd:iismus den Widerstand der unterdriickten BevoL~erung niederschlagen. Himmler befahl am 10. Juli 1943, ,,daJl di~ bandenverseuchten Gebiete der Nordukraine und von Ru.Bland-Mittc von jeder Bevolkerung zu raumen sind". Gauleiter Koch schlug Himmler sogar vor, einen 50 km breiten Streifen heiderseitig der Bahnlinie Brcst-Litowsk-Gomel von jeglid:ier Bevolkerung zu riiumen, um die durch Partisanen stiindig unter- brochenen Nachschublinien zur Front zu sichern. In den vorliegen· den Schreiben wird immer wieder betont, dal3 diese Aktionen unter dem Gesichtspunkt der Gewinnung von Arbeitskriiften durchgefiihrt werden sollten. Fruhlingswind: Unter dieser Bezeidmung lief 1944 eine Aktion, in deren Verlauf Massentransporte vor allem von Franzosen und · Belgiern in die Konzentrationslager iiberfiihrt wurden. Meerschaum: Bei dieser Aktion, die Mitte 1943 bis Mitte 1944 70
74

stattfand, handelte es sich ebenfalle um Transporte von Fran- zosen und Belgiern. 'i \ I I· (; .,, !I: I, 1: ·\;: Nacht und Nebel: Der Nac4tt-und-Nehel-Erla.6 stammt vom 7. Dezember 1941. Er richtete sich vor allem gegen die antifaschi- stische Widerstandsbewegung in Westeuropa. Der Begriff ,,Nacht und Nebel" sollte das spurlose Versmwindenlassen der Hiifilinge versinnbildlich.::n. Dazu hei.Bt es im Erlauterungsschreiben des Oberkommandos der Wehrmacht vom 2. Fehruar 1942: ,,Die ah- echreckende W.irkung dieser Ma.llnahmen liegt a) in dem spur- losen Verschwindenlaesen der Beechuldigten, b) darin, da!3 ii!>er ihren Verhleih und ihr Sdtickeal keinerlei Auskunft gegeben wer- den darf." Dementsprechend wurden die NN-Haftlinge auch in den Lagern hehandelt. Sie durften keine Briefe sdueihen und keine Poet empfangen. Vielfach iihten sie our Arbeiten innerhalh des Lagerbereichs aue. Teilweise trugen eie Ziviljacken, die mit auffiilliger Farhe hemalt waren und auf dem Riicken e!n groBes ,,NN" trugen. Diese Hiiftlinge wurden als Kristallisationspunkte des Widerstandsk:ampfee angesehen und sollten durch die NN- MaJlnahmen, durdi ihr spurloses Verschwinden einmal den Wider- etandskampf liihmen und andererseits zur Ahschreckung der Be- Tol.ker.ung dienen. Unter den NN-Gefangenen befanden sich viele lntellektuclle. Aktion Gitter: Unter der Bezeichnung ,.Aktion Gitter" fand eine Massenverhaftung nach den Ereignissen dee Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 statt, bei dcr es sich hauptsach.lich um ehemalige Funktionire der Arbeiterparteien und -organisationen. aher auch biirgerlich.er Parteien handelte. Die Aktion begann am 22. August 1944. Allein 750 Haftlinge wurden nach Buchenwald gehracht, 400 nadi Neuengamme, 80 aue Hamburg nach Fuhls- , . biittel und Hunderte nach Sameenhausen. Viele wurden our wenige . Zeit festgehalten und bald wieder entlassen; viele bliehen his zum ,;: Zusammenbrum der Hitlerdiktatur im Lager. 7l
75

Zuckerbrot und Peitsche Zuckerbrot und Peitsc:he waren die Methoden der SS, um aua den Hiiftlingen soviel als moglich herauszuholen. ,,Die derzeitige Kriegslage zwingt dazu, die Arbeitskriifte der einsitzenden Hiift- llnge bis zum letzten produktiv auszuschopfen", schreibt der SS- Kon.zern am 3. Juni 1942 an die einzelnen Konzentrationslager. Neben dem maJ3losen Arbeitstempo bis zur physischen Ver· nic:htung gab es Bestec:hungen in Form von Geldpramien und anderen Vergiinstigungen. Nach einer ,,Dienstvorschrift fiir die Gewahrung von Vergiinstigungen an Hiiftlinge (Pr8.mien· Vor· schrift) ", giiltig ab 15. Mai 1943, wurden Hafterleic:hterungen, Verpftegungszulagen, Geldprlimie~ Tabakwarenhezug und Bor· dellbesuch an Hiiftlinge gewahrt. Ein.ige Verbesserungen, die in der ohen genannten Dienstvorschrift enthalten sind, wurden schon vorher eingefiihrt. Auch mit solchen Dingen wurde - neben der Steigerung der Arbeitsleistung - bezweckt, die Hiiftlinge gegen· einander au.szuspielen und Gruppen Bevorrec:hteter unter den Hiiftllngen zu sc:hatJen. Neben diesen ,,Erleichterungen" wurden auch Neuregelungen des ,,Strafvollzugee" getroffen. Das war die andere Seite des u,gerlebens. In einer Anweisung an alle Lager- kommandanten vom 14. Juli 1943 wurde befohlen, da.6 die Priigel- ' strafe ,.an Russinnen durch Polinnen und an Polinnen und Ukrainerinnen durch Russinnen vorgenommen werden soil". Eine alte Gesdtlchte des Imperialismus: Aufhettung einer Nation gegen eine andere, bier selhst im KZ praktiziert, um keine Ein- heit der Hiiftlinge aufkommen zu !assen. Es gibt viele Beispiele kiimpferisc:her Solidaritit, die beweiseli, da.6 sich kein Hitlergegner, kein polit.isdier Haftling fiir die schmutzige Henkersarbeit hergegeben hat. Die ehemaligen Haft· linge des KZ Dora bei Nordhausen erinnern sic:h nodi des Februar . 1945. Die SS trieb alle Hiiftlinge auf den Appellplatz zusammen, um ihnen zur Ahsc:hreckung die Hinrichtung eines deutschen ~d eines, sowjetischen Hiiftlings zu demonstrieren. Unheildroheod ,72 I
76

-::. -:; '· stand der Galgen hinter den zwei Todeskandidaten, als die SS). dem Miinchener Antifa.schisten und damaligen Lageriiltesten Georg .· Thomas befahl, die Erhiingung vorzunehmen. Nur kurz zogerte er und rief dann angesichts des ~anzen Lagers aus: ,,Ich verwei- gere den Befehl." Er wurde sofort von der SS in den Bunker ge- · worfen. Auch der Kommunist und Bergarbeiter Ludwig Szymczak verweigerte die sdimutzige Arbeit .. Die SS muBte selbst die Hin- rimtung durmfiihren. Der ungebromene Kampfgeist und die KlassensoliJaritiit batten iiber die SS einen Sieg davongetragen. Nur wenige Wochen trennten diese beiden Hiiftlinge noch von der Befreiung, trennten sie von dem Wiedersehen mit der Familie und von der Freiheit nach mehr als zehnjiihriger Haft. Sie wuilten, da.B ihre Befehlsverweigerung den Tod bedeutete, und :zOgerten doch nimt, durch ihre selhstlose Tat allen Hiiftlingen neuen Mut, neue Siegeszuversicht zu geben und die Widerstandskraft des Lagers zu stiirken. Der Sonderhau Ein.Kapitel besonderer Art war die Einrichtung von Bordellen in den Kollzentrationslagern. Die ,,Herrenrasse", die lautstark von der "Kultur des Abendlandes" predigte, smuf ein neues Zeugnis "arismer" Zivilisation. ""ie Anordnung wurde im Som- mer 1943 von zentraler Stelle aus gegeben. So kam es, da6 weib- llche Hiiftlinge aus Ravensbruck fiir die Lagerbordelle 'lerwendet wurden. Fast in jedem groBeren KZ wurde Ende 1943, Anfang 1944 ein solcher ,,Sonderbau" eingerichtet. Das Konzentrations- lager Ravensbruck stellte nimt nur fiir die KZ, sondem auch fiir Offiziers- und Soldatenbordelle Frauen zur Verfiigung. Die Profit- sudit der SS smeute auch davor nicht zririick, die Bordelle als Einnahmequelle zu benutzen. Aus der Dienstvorsdirift geht her- vor, da.13 die Hiiftlinge fiir den Besuch des Bordells 2 RM zu ent- . -rid:tten batten. Davon bekam die Insassin des Bordells -,45 RM 73 =:j I r tt I ~ . ' j . I !
77

i I ! "' und der aufsiditsfilhrende Hiiftling -,05 RM. Der Rest in Hohe Yon 1,50 RM wurde an die Amtsgruppe D des SS-Wirtschafts- konzerns abgefiihrt. Die Einrichtung der Bordelle hatte einmal die Aufgahe, eine bestimmte Gruppe von Hiiftlingen zu korrum· pieren, um die Geschlossenheit und Solldaritiit der Hiiftlinge zu zerbrechen, und andererseits diejenige, zusiitzliche Einnahmen fiir die SS zu erhalten. Auch sollte damit die ,,Arbeitsfreudigkeit" ge- weckt werden. Die bewuJ3ten antifasdtistischen Hiiftlinge boykot· tierten den Sonderbau und lehnten den Besuch eines solchen Nazi· unternehmens ah. Die ,,Endlosung der J udenfrage" Sommer 1941. Der SS-Lagerkommandant von Auschwitz, HoJ3, 'Wird plotzlich nach Berlin befohlen, wo ihn Himmler empfiingt. HiB erhiilt den Auftrag zur gri:iBten Massenvernichtungsaktion, die die menscbliche Gcsellschaft je erlebte: ,,Der Fuhrer hat die Endlosung der Judenfrage befohlen, wir - die SS - haben diesen Be£ehl durchzufiihren ... Ich habe Auschwitz dafiir bestimmt, einmal wegen der giinstige11 verkehrstechnischen Lage, und zwei- tens liJ3t sich das daf iir dort zu bestimmendc Gebiet leicht ab- sperren und tarnen ... Nlihere Einzelbeiten erfahren Sie durch Sturmbannfiihrer Eichmann vom Reichssicherheits-Hauptamt, der in narhster Zeit zu Ihnen kommt." Und Eichmann, der Beauftragte fiir die ,,Endliisung der Juden- frage", kommt. In Auschwitz sitzen die beiden Massenmorder und · hecken die teuflischen Vernichtungspliine aus. Zuerst sollen Schle- sien und das Generalgouvernement ,,judenfrei" gemacht werden, ·. dann DeutschlPnd und die Tschechoslowakei, Frankreich, Bel- . gien und Holland. Auch iiber die Methoden wurde gesprochen. Es herrschte Obereinstimmung dariiher, daB ,,nur Gas in Frage kiime, ·denn durch ErschieJ3en die zu erwartenden Massen zu beseitigen, ware schlechterdings urunoglich", berichtete HoB spiiter dariiber. 74
78

Eine Sorge bereitete nur noch das richtige Gas. Die Maschinerie der Entvi.ilkerung kam ins Rollen. Die IG Farben lieferten das Zyklon B. Sowjetische Kriegsgefangene dienten als Versuchsopfer; an ihnen wurde die erste Probevergasung unternommen. Auf Hi.ill wirkte diese .Yergasung ,,beruhigend", wie er schreibt; jetzt konnte er den Auftrag Himmlers ausfiihren. Die Ziele dieser Massenvernichtung waren unterschiedlich. Vor allem sollten die Menschen anderer Nation~n, besonders der So- wjetunion, vernichtet und sollte die materielle Basis anderer Lan- der ausgepliindert werden. Damit sollte fiir die ,,Blut- und Boden- politik" des deutschen Faschismus Platz geschaffen werden. Die det..tsdien Imperialisten hofften bei den ,,Arisierungsgesdi.iiften" auf guten Profit. Im Sinne der Henenrassen- und Germanisie- rungspolitik sollten alle ,,rassisdi Minderwertigen" ausgerottet werden. Es ging audi um die Beseitigung ,,unhequemer Esser". Dariiber iiullerte Hans Frank, Generalgouvemeur im okkupierten Pol~n, am 16. Dczember 1941 zu seinen Mitarbeitern: ,,Die Juden @ind audi fiir uns aul3ergewohnlidi sdiiidlidie Fresser. Wir haben im Generalgouvernement sdiatzungsweisc 2,5, vielleidtt mit den jiidisdi Versippten und dem, was alles dranhiingt, jetzt 3,5 Mil- llone~ Juden. Diese 3,5 Miilionen Ju-ien Lonnen wir nicht er- schie13en, wir konnen sie nidit vergiften, werdc-n aber dodi Ein- griffe vornehmen konnen, die irgendwie zu einem Vemiditungs- erfolg fiihren, und zwar im Zusammenhang mit den vom Reidi her zu bespredienden groJlen Ma13nahmen." 0 So ganz nebenbei wurde natiirlidi audi W ohnraum gewonnen. In einem Beridit der von Goring eingesetzten Priifungskommis- sion iiber die im Gau Franken zwisd:ien dem 9. November 1938 und dem 9. Februar 1939 vorgenommenen ,,Arisierungen" jiid.i· scher Betriebe heil3t es: ,,Ich machte dem .Gauleiter den Vor- schlag, daJ3 man in Anhetracht der bestehenden groBen Wohnungs- not am hesten die Juden in eine Art lnternierungslager stedce. Dann wiirden die Wohnungen augenblicklich frei und es konne die Wohnungsnot zum Tei.I wenigstens behoben werden." 75
79

Zum Sc:hlu.13 wurde nodi Gewinn bei der industriellen Leichen- fledderei herausgeschlagen. Dariiber wird in einem besonderen Ahschnitt noch berichtet werden. MaBlos bereicherten sich die an der Massenvernichtunp; beteiligten Personen; Devi.sen wurden fiir den fasdtlstischen Staat gewonnen und weitere finanzielle und materielle Mittel fiir die SS sichergestellt. Auf einer Besprechung am 20. fanuar 1942 iiber die ,,End- losung der Judenfrage" wurde Iestgelegt, daB alle europiiischen Juden - es wurde mit elf Millio:ien gerechnet - nach Osten zum Arbeitseinsatz transportiert werden. Die arbeitsfiihigen Juden soll- ten zum Stra.Benbau verwendet werden, wobei ,,ein Grol3teil durch natiirliche Verminderung ausfallen" mul3te. Der Restbestand sollte danach ,,entsprechend behandelt", das heil3t verniditet, werden. Der auf der oben genannten Besprediung gefa.Bte Beschlu.13, die Juden hauptsachlich durch Arbeit zu vernichten, wurde nur im begrenzten Ma.Be durchgefiihrt. Die Hauptmethode war die sofortige Vergasung, war die Einrichtung entsprediender Vernichtungslager. Mit sadistischer Befriedigung stellte der Riistungsinspekteur in der Ukraine in einem Bericht an General Thomas vom 2. De- r.ember 1941 fest, daB durch die Massenexekutionen in der So- wjetunion einmal ein Teil der ,,iiherfiiissigen ESRer" in den Stid- ten beseitigt wurde und ander"rseits ein Bevolkeruli.gdteil der Vernichtung anbeimfiel, der den Faschismus ha.6te. Dodi gleich danad:i stellte er die Fr age, wer wird ,.fiir uns" arbeiten, ,, wenn wir die Juden totschieBen, die Kriegsgefangenen umkommen las- sen, die Grol3stadthevolkerung zum erheblichen Teil dem Hunger- tod .1wiliefern, im kommenden Jahr aud:i einen Teil der Land- bevolkerung durch Hunger verlieren werden?" Zvrnr wurden auch Mal3nahmen zur Verwendung der jiidischen Arbeitskraf t getroffen, aber die Frage der .,Endlosung", das heiJ3t der volligen physischen Vernichtung aller Juden, stand im -Vordergrund. In einem Schreiben des Ostministeriums an den Reichskommissar fur das Ostland vom 18. Dezember 1941 wird dazu Stellung genommen: ,.In der Judenfrage ddrfte inzwischen 76
80

durch miindliche Besprechungen Klarheit geschaffen sein. Wirt· ·. schaftliche Belange sollen bei der Regelung des Problems grund· llitzlich unberiic:ksichtigt bleiben. • So ,,entstarid eine v611kommen neue Industrie - Hauptzentren Auschwitz, Treblinka, Sobibor - und bier funktionierte das kom· ... plizierte Riiderwerk mit einer Priizision, wie man sie von der deut· schen Organisationsfiihigkeit nicht anders erwarten konnte", schrieben Poliakov und Wulf in ihrem Buch ,,Das Dritte Reich und die Jud en". Die SS gab zwar groBe Summen fiir die Einrich- tung dieser Todesfabriken aus - so kostete ein Vergasun~sraum in Auschwitz allein 2,4 Millionen RM - aber der Gewinn brach.te das Mehrf ache wieder ein. Dem Aufbau der Vernichtungslager lagen exakte Berechnungen iiber die ,,K.apazitiit" zugrunde. Die ,,Leistungsfiihigkeit" der groBten Vemichtungszentren betrug: Auschwitz 25 000-30 000 pro Tag, Belcec 15 000 pro Tag, Maidanek nicht bekannt. Gesamtzahl der Toten hetriigt in Maidanek 1 380 000. . Sobihor 20 000 pro Tag, Treblinka 25 000 pro Tag, In itµmer neuen Transporten wurden in den Jahren 1942-1944 Millionen Menschen, vor allem Juden, in die Vernichtungslager tra:nsportiert und meist am Ankunftstage noch vergast. Nur ein klein .. Teil - -hOchstens 20 Prozent - wurde ausgesucht, bei denen Iler Tod aber auch nur aufgeschoben wurde. Es war rum B~ispiel im Lager Auschwitz iiblich, mind~stens j edes halhe Jahr ,,Ausmusterungen" durchzufiihren und die Schwachen und Kran· ken ebenfalls zur ;vergasung zu bringen. Zurn Umfang der Massenvernichtung e1n1ge Zablen: Von · 100 000 aus ,.rassischen" Grunden aus Frankreich deportierten Personen sind nur 1,5 Prozent zuriic:kgekehrt. Von den 1933 in Deutschland befindlichen 530 000 Juden waren 1950 nur 30 000 ·. ·: ·.. iiJ?.riggeblieben. In sech.s J abren wurde iiber em Drittel .aller 77 _;j w ~: 1 . .- - -
81

Juden vernichtet. In Europa lehten 1939 nodi 9,5 Millionen Juden. 1945 waren es nur noch 3,5 MilUonen. Es kamen wne Leben; 90 Prozent der Utauisclien Juden, 89,5 Prozent der lettischen Juden, 85 Prozent der polnisdien Juden, 82,5 Prozent der t'.'chechischen Juden, 81 Prozent der deutscben Juden, 80 Prozent der griechischen Juden, 73,3 Prozent der jugoslawischen Juden, 66 Prozent der osterreichischen J uden, 60 Prozent der holliindisdien Juden. · Es wurden ermordet: Ausdiwitz ... Belcec Maidanek Sohihor Treblinka - 4 000 000, 600 000, l 380 000, 250 000, - 3 000 000. Niichtern sind die Zahlen der Hingemordeten, sind die Sta- tistiken des Grauens. Wer aher kann das Leid und die Qualen der Millfonen Toten ermessen? Jeder einzelrie war ein Mensdi wie du und ich, bevor er in die Hande der Ausrottungsspezialisten einer verhrecherischen Gesellsdiaftsordnung fiel, die den Profit iiher allea stellte. i Aus dem Tagehuch eines ,,Herrenmenschen" Ein hlutiges Zeugnis fiir den Vernichtungswahn und Sadismus ist das erhaiten gehliehene Tagehuch des SS·Arztes Paul Kremer, der mit pedantischer Griindlichkeit jede Vergasung (genannt ,.Sonderaktion") aufzeiduiete, an der er teilnahm. Das Tagehuch schi1dert das Leben eines faschiatisdien ,,Herrenmensdien", das sidi zwisdien Massenmord und Sdinaps, Erschiellungen und buJ- l j
82

,.•,. .. . ·;:- i~ ii ....·.:1 ,~ !I -· ~· ! ;·: bei einer Sonderaktion zugegen. Im Ver· gleich hierzu erscheint mir das Dante'sche Inferno fast wie eine KomOdie. Umsonst wird Auschwitz nicht das Lager der Ver- nichtung genannt ! 5. September 1942: Heute mittag bei einer Sonderaktion aus dem F. K. L. (Muselmanner): dae Schreck- lichste der Schreck.en. Hauplscharfiihrer Thilo, Truppenarzt, hat recht, wenn er m.ir heute sagte, wir befanden uns hier am anus mundi. Abend gegen 8 Uhr 'Wieder bei einer Sonderaktion aus Holland. Wegen. der dabei abfallenden Sonderverpftegung, bestehend aus einem Fiinftel Liter Schnaps, 5 Zigaretten, 100 g Wurst, und Brot, drin- gen sich die Manner zu solchen Aktio- nen. 6. September 1942 : Heute Sonntag ausgezeichnetes Mittag- essen: Tomatensuppe, ~ Huhn mit Kar- toffeln und Rotkohl, Silllspeise und herr- liches Vanilleeis . . . Abend um 8 Uhr wieder zur Sonderaktion drauJ3en. 9. September 1942: Heute friih erhalte ich von meinem Rechts- anwalt in Munster . . . die hochst erfreu- 79 ;· \
83

Zur nächsten Seite