EICHMANN, ADOLF VOL. 3_0032

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l ----------- ----- w~dung de~ ·,··- ~-\ KJaasengegensatzes die unerliiBliche Grundlage f\i.r -ei'Den Wiederaufstieg der deutschen Winschaft" zu schaffen. Das Schreiben hatten unter anderen Krupp, Cuno, Schacht, Schroder, Vogler, Thyssen, Reusch, Haniel, Siemens, Bosch und Rosterg unterzeichnet. Und Hitler wurde Reichskanzler. Er erfiillte die Wiinsche des deutschen lmperialismus. Nach Hitlers Machtergreifung nahm die finanzielle Unterstiit- zung der Faschisten durch die Monopole einen organis.ierten Chara.kter an. Die Nazis hatten sich bereits in den ersten Wodien als wahre lnteressenvertreter der Monopole und als Arbeiter· morder gezeigt. Massenterror, Verhaftungen, Konzentrationslager, Reichstagsbrand, Blut und nochmals Blut, das war die impe- rialistische Saat, mit der die Monopole ihre Herrschaft weiter ausbauen, andere Volker auspliindern und Profite ernten wollten. Hitler hatte sic:h ala Kettenhund des Kapitals bewahrt. Die Krupp, Thyssen, Vogler und Siemens danktert ilim dafiir. Reic:hswirt· schaftsminister Schmitt sprac:h den Dank der Industrie offen aus, ale er am 13. Juni 1933 erklirte: "Haben Sie den Mut und haben Sie das Vertrauen, daJ3 die deutsche Wirtschaft, die dodt eine !lo stolze Geschichte hat, in ihrem Reichskanzler und in ihrem Fuhrer einen Repriisentanten und einen Schutz hat, der von all en bewundert werden mu13." Mu.B es noch deutlicher sein? Angesichts der furchtharen Ge- metzei' gegen die hesten Vertreter der deutschen Arbeiterkla.sse, gegen Kommunisten und Sozialdemokraten, gegen fortschrlttliche Intellektuelle und jiidische Menschen erklirten die lndustriel- len Hitler als "bewundernswert", als ihren ,,Reprisentanten• und ihren "Schutz". Ein Kommenlar ist hier wohl iiberfliissig! Der Dank kam nicht nur in Worten. In einem Schreiben vom 25. Miirz 1933 bot der Reicheverband der Deutscheri Industrie _·Hitler seine weitere Unterstiitzung an, um, wie es in diesem Brief · hiell, "der Reichsregieruug bei ihrem sc:hweren Werk zu helfen". Mit Befriooigung etellten _die Vertreter der Monopole fest, da.B ·diirch die Hitlerdiktatur die "StOrungen beseitigt sind, die sic:h aus 89
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den stiindigen pulitischen Schwankungen der Vergangenheit er· geben und die wirtschaftliche Initiative stark gelii.hmt haben". Der Kanonenkonig Krupp wurde Vorsitzender eines im Mai 1933 gegriindeten Kuratoriums "Adolf-Hitler·Spende der deutschen Wirtschaft". Krupp war begeistert dabei, um, wie er in einem Sdireiben vom 29. Mai 1933 an den Reichsbankpriisidenten Schacht schrieb, ,.an diesem Werk, das einen Dank filr den Fiihrer der Nation darstellen soil, mit gahZer Kraft mitzuwirken". Uber den Reich.sverband der Deutschen Industrie und die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbiinde kam diese Aktion ins Rollen. die sid1 bis 1945 binzog und die Nazikassen stii.ndig mit dem Geld auffiillte, daJ3 die Schlotbarone und Krautjunker aus den Werktli.tigen herauspreBten. In einem von Krupp und Koettgen unterzeichneten Rundschreiben wurde dazu aufgefordert, ,,schnell uµd groBziigig zu handeln". Als Zweck der Spende wurde die Uhterstiitzung der SA, SS ilnd der anderen fasdllstischen Elite- organisationen angegeben. Millionen Reichsmark fiossen so jli.hr· lich in die Ta.schen der Nazis. Die Monopole bezahlten ihre Henk.er gut. Wie hoc:h diese Summen waren, geht daraus hervor, daB ailein das Ruhrrcvier in einem Jahr drei M.illionen RM an die Nazis abfiihrte. fl ! i I~ H .i Arheitssklaven fiir die Monopole oder Geschenke erhalten die Freundschaft Wie auf einem Sklavenrnarkt konnten sich die Betriebe Hiift· linge selbst aussuclien, um bie als Arheitssklaven in ihren Unter· nehmen auszuheuten. In einem Bericht iiber das Frauenkonzen· trationslager Ravensbruck wird dariiber berichtet: ,,Auch an auswiirtige Finnen wurden die Hiiftlinge von der Lagerleitung gegen entsprediendes Entgelt ausgeborgt. Jede Frau aus Ravens- briick kennt die Szene: Die Frauen auf der Lagerstra.Be angetr&- ·ten. der Arbeitseinsatzfiihrer und irgendein Zivilist - eine sc.n.st 90
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.f > ;,' .. \ - i I 1 nie gesehene Gestalt im Lager -, der Vertreter der Finns, di<! einkauft. Und dann ging die Viehschau los. Am meisten gesucht wareu die ~ungen, kriiftigen Russinnen . . . Nac:h wenigen Mo- naten kamen diese jungen bliihenden Russenmiidel zur Unmensch- lichkeit veriindert zuriick, um im Lager zu sterben. Sie wurden durd1 neue ersetzt." Diese Tatsachen werden auc:h vom Massen- morder HoB aus Auschwitz bestiitigt, der aussagte, daB monat- lic:h ein Fiinltel der bis zur restlosen physisdien Verniditung ausgebeuteten Hiiftlinge "zur Verniditung von den Betrieben an die Lager zuriickgesdiickt wurde". HoB bestiitigte .,.,.eiter, daB ,,fortlaufend neue Hiiftlinge als N ac:hsdiub an die betreffenden Betriebe gesandt" wurden. Der unersiittliche Rac:hen der fasdii- stischen Riistungsmasdiine versc:hlang Tausende von jungen und gesunden Menschen, um sie als Wracks zur Yergasung an die Lager zuriickzugeben. Und die SS sorgte fiir stiindig neue Llefe- rungen, denn die Monopole verlangten immer mehr Sklaven. Meist wurden jedoch die Hiiftlinge direkt an die Betriebe ge- 'liefert, die eigene Lager an die Betriebe anschlossen oder den Riistungsbetrieb direkt neben d~s Lager bauten und sidi damit ein dgenes Konzentrationslager schufen. Die IG Farben haben sich hierbei mit Buna-Monowitz besonders hervorgetan. Sie hat· ten es verstanden, die Prioritiit iiber die Zuweisung von Hiift- lingsarbeitskriiften von der SS zu erhalten. Wif' der ehemalige Hauptabteilungsleiter in der SS-Wirtsdiaftszentrale Karl Sommer iin ProzeB gegen den fiir den Arbeitseinsatz der Hiiftlinge ver- antwortlichen SS-Fuhrer Maurer aussagte, hatte er von Maurer die Anweisung erhalten, erst da!n andere Betriebe mit Hiih- lingen zu ,,versorgen", wenn der Bedarf der IG Farben gedeck.t se.i. Das war durchaus·kein Zufall. Die IG Farben batten vor· gesorgt und gut ,,geschmiert". Sie gehorten zu den groBten Finanziers Hitlers. Unter anderem ,,spendeten" sie 1933 3 584 070,- RM 1934 4 020 205,- RM 1935 4 515 039,- RM i i ~: --1 ' I 91
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.. ····-····-···· ... ··--··-·········-··------------~ 1936 1937 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 4 960 636,- RM 5 46 7 626,- RM 8 156 315,- RM 7 539 857,- RM 7 471 620,- RM 8 057 982,- RM 13 436 201,- RM 8 588 650,- RM 8 402152,- RM. Offen erldiirten sie ihre Begeisterung iiber die Annexionen und · iiber die Unterdriidcung anderer Volke:- durch den Hitlerfaschismus. Ihr Dank war wieder in .lclingende Miinze gekleidet. 10 000 RM spendeten die IG Farben am 22. £eptember 1938 ,,fiir das Su- d:::tendeutsche Hilfswerk sowie fiir Zwedce des Sudetendeutschen Freikorps", der ,,fiinften Kolonne" des Faschismus. Eine halhe Mm.ion Reichsmark spendeten sie Hitler am 1. Oktober 1938 ,.unter dem Eindrudc der von Ihnen, mein Fiihrer, erreichten Heimkehr Sudetendeutachlands ins Reich", wie es im Begleit· schreihen hie8. !iinf Tage vor Ausbruch des Krieges gaben die IG Farhen noch einmal 50 000 RM ,,im Interesse der Wehrhaft· machung des Nationalsozialiatischen Fliegerkorps". Die heuti- gen Bestechungs· und Korruptionsskandale, wie sie im ·Bonner Kriegss.mt an der Tagesordnung sind, haben ihre Vorbilder· und Bind eine direkte Fortsetzung der damaligen ,,Geschenke". So, wie Adenauer Mercedes-Leihwagen fahrt, so hing sich Goring die Gemiilde auf, die er von den IG Farben zu seinem Geburtatag ,,geschenkt" erhielt. Die Mor:t des faschistischen ,.Herrenmen- sdien" Goring nahm keinen AnstoB daran, heisp.ielsweise 1939 . ein Gemii.lde im We11e von 38 000 RM, 1940 eine Plastik im Werte von 60 000 RM', 1942 ein Gemiilde im Werte von 72 000 RM und 1943 eine Plastik im Werte von 75 000 RM als ,.Ge- burtstagsgeschenk" von den IG Farben anzunehmen. Mit den steigenden Profiten stiegen auch die Werte der Geschenke. . Die IG Farben beschaftigten in ihren Werken Tausende von 92
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KZ-Hiiftlingen. Nidir; zuletzt durch den Einsatz derartig billiger · Arbeitskrafte 6elruig cs diesem Monopolbetrieb, riesige Gewinne einzustecken. Dr. Otto Ambros, einer der Direktoren, schrieb am 12. April 1941 in einem Brief an die IG-Farben-Zentrale, Frankfurt a. M.: ,,AnlaBlich eines Abendessens, das uns die Leitung des Konzentrationslagers (Auschwitz - H.K.) gab, haben wir weiterhin alle MaBnahmen festgelegt, weldie die Einschaltung des wirklidi hervorragenden Betriebs des KZ-Lagers zugunsten der Buna-Werke betrcffen." I··, Diese Worte sind bezeidinend und spredien fiir sidi: Fiir die Monopole, £iir die Riistungshyiinen und Kriegsgewinnler waren die Konzentrationslager ,,ein wirklidi hervorragender Betrieb", eme unersdiopfUdie Profitquelle. Die Gewinnentwiddung der IG Farben legt dafiir ein beredtes Zeugnis ah: 1932 - 48 Millionen RM Gewinn, 1937 - 231 Millionen RM Gewinn, 1939 - 363 Millionen RM Gewinn, 1943 - 822 Millionen RM Gcwinn. Die Profitsudit der IG Farben schreckte auch davor nicht zu- riick, Hiiftlinge von der SS zu mieten und zu cinem hoheren Satz an andere Betriebe weiterzuverleihen. So wurden nadi einer Aussage des Oberingenieurs Dr. Max Faust von der Bauabtei- lung in Buna-Monowitz fiir 4,- RM tiiglich Hiiftlinge von der SS gemietet und fur -,80 RM pro Stunde bei 12stiindiger Arbeitszeit an andere Betriebe weiterverliehen. Allein vom Monat Januar bis November 1943 (ohne Juni/Juli) zahlten die IG Far- ben, Buna-Werk, an Auschwitz 2 842 985,- RM fiir gemietete ;: Hiiftlinge an die SS. Aber wieviei haben sie daran verdient? Der IG-Farben-Konzern war zwar besonders aktiv bei der Auabeutung der Hiiftlinge, er ist aber keine Einzelerscheinung. '.\ Die groilten deutschen Riistungsbetriebe waren daran ebenso be- teiligt wie kleinere Untemehmungen. Neben den IG Farben war es vor allem der Krupp-Konzern, der Tausende von Fremdarbei- te~ und KZ-Haftllngen auspliinderte. Auch bei Krupp hatte sich 93 l
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die Kapitalsanlage, die er in Form von ,,Spenden" und ,,Unter· stiitzungen" an die Nazis zahlte, gelohnt. Bis Dezember 1933 hatte Kanonenkonig Krupp bereits i 355 207,- RM an den Hitler- !1schismus gezahlt. Diese Spenden wurden stiindig fortgesetzt. Mit groBeren Riistungsauftriigen und fetteren Dividenden, mit der Zurverfiigungstellung von Arbeitssklaven aus den Konzen- trationslagern und mit der blutigen Niederhaltung der deutschen Arbeiterbewegung zl1hlte der Faschismus an seine Auftraggeber zuriick. Aus einer Abrechnung der SS-Kommandantur Buchen· wald iiber die im Monat September 1944 an den Krupp-Konzem vermieteten Hiiftlinge geht hervor, daB 12 326 Arbeitssklaven aus dem KZ Buchenwald allein an den Ruhrkonig versdi.achert wurden. Zu den anderen Betrieben, die ebenfalls Hiiftlinge beschiiftig- te41, gehorten unter anderem: Hermann-Goring-Konzern, Auer- werke AG, Rheinmetall-Borsig, Hugo Schneider AG (Hasag), Messerschmitt AG, Mauser-Werkf~, Dyckerhoff und Widmann AG, Siemens-Schuckert, BMW, Brakg, Volkswagen-Wez-ke, Alpine- Montan-Union, Steyr-Daimler-Puck AG, Heinkelwerke, Afa- Werke, Saurerwerke, Rax-Werke, Solvay-Kor.rern, Bayerr. Lloyd, Zellwolle AG, Weser-Flugzeug-Bau, Mitteldeutsche Stahlwerke, Auto-Union, Ehro-Werke, Jnnkers-Werke usw. Insgesamt wurden etwa eine halbe Million KZ-Hiiftlinge an die Privatindustrie gleichzeitig vermietet. Die einzelnen Unternehmungen hatten be· stimmte KZ, aus denen sie ihre Arbeitskriifte bezogen. In Niirn· berg vor Gericht gestellt, versuchte das Mitglied des Krupp· Direktoriums Erich Miiller das Streben des Krupp-Konzerns nach Maximal profit als reine Menschlichkeit hinzustellen: ,,Hier· be.i konnte ich mir auch denken, daf3 es den Konzentrations-Lager· Haftlingen selbst lieber war, auBerhalb des Konzentrationslagers verwendet zu werden und in ihrem Fach .zu arbeiten ... Idi habe in der Verwendung von Konzentrations-Lagcr-Hiiftlingen in den Betrieben keine Bedenken gesehen, weil es nach meiner An~icht unerheblich war, ob sie im Lager oder im Betrieb arbeiteten." 94
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SS im grofien Geschaft Die Gewinne, die die SS aus der Vermietung von Hiiftlingen zog, waren enorm. In der Regel betrug der Tagespreis fiir eincn Fadiarbeiter 6,- RM und fiir einen Hilfsarbeiter 4,- RM. Allcin das Konzentrationslager Dadiau hatte eine durchschnittlidie Mo- natseinnahme von iiher zwei Millionen Mark. Von Buchenwald ist eine Aufstellung der von den Betrieben im die SS fiir die Ver- mietung von Hiiftlingen gezahlten Gel~er erhalten geblieben. Sie hesagt, daB allein Budienwald fiir miinnlidie Hiiftlinge im 1943 l 000 537,80 RM 1943 l 130 178,65 RM 1943 1 171 271,80 RM 1943 1488 967,90 RM 1943 '• 2 192 244,20 RM 1943 2 695 493,35 RM 1943 3 165 755,30 RM 1944 3 l.'.75 148, 70 RM 1944 4 204 239,85 RM Marz 1944 3 465 745,80 RM April 1944 3 562 242,40 RM Mai 1944 3 755 284,50 RM Juni 1944 4 773 135,95 RM Juli 1944 5 640 995,80 RM August 1944 6 488 963,25 RM September 1944 7 516 755,30 RM Oktober 1944 8 354 995,10 RM November 1944 4 876 629,- RM Dezemher 1944 4 810 094,05 RM Januar 1945 6 066 963,66 RM Februar 1945 5 342 286,95 RM einkassierte.Derplotz- lime Riickgang im November 1944 ist darauf zuriickzufiihren, daB das unterirdisdie Lager Dora bei Nordhausen ein selbstiindigea Lager Wl!rde. Vorher war es AuBenkommando von Buchenwald. Juni Juli August September Oktober November Dezember Januar Februar 95 I
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Zu d.iesen Summen, die fiir miinnliche H:iitlinge eingen0mmen wurden, ka.men nodi die Gelder fiir die weihlichen Hiiftlinge. Obwohl Buchenwald kein Frauenkonzentrationslager war wie R..nensbriick, hatte es aucb weibliche Hiiftlinge in den AuBen· kommandos, die zwischen 1-2,5 Millionen RM monatlicb ein· hracbten. Aus einer Aussage des Mitarbeiters heim SS· WVH A Karl Sommer geht hervor, daB fi.ir die Vermietung von Haft· lingen monatlicb etwa 50 Millionen RM durcb die SS eingenom- men wurde:l. Wahrend auf den Schlacbtfeldern des Krieges, an den Fron- ten und unter dea Bomhenteppichen im Reich Millionen Men- schen zerfetzt wurden und eines qualvollen Todes starhen, wiih- rend in den Gaskammern und Folterhiiusern des ,,Dritten Reiches" die faschistische Vernichtungsmasch.ine raste, stiegen die Profite immer hoher. Aus . dem Blut, dem Elend~und Tod der europii.i- -. schen Volker und des deutschen Volkes schopften die Konzern- herren, Bankfiirsten und ihre Handlanger, die SS, unerme81iche Reichtiimer. In dieser Periode wurde auch das Bestrehen der SS deutlicb, auf der Basis der Hiiftlingsarheitskriifte einen eigenen SS-Wirt- sdiaftskonzern aufzuhauen. Damit sollte der SS cine neue okono- miadie Basis gegehen werden, die sie unahhiingig von der Staats· kaase machte und die Aufriistung der SS-Truppen der Kontrolle des Staates, der Wehrmacbt und des Riistungsministeriums ent· zog. Die Zentrale dieser Organisation war das SS-Wirtsd:iafts- ·verwaltungshauptamt. Dle SS eignete sicb im Laufe der Zeit viele Betriehe an und errichtete in den Konzentrationslagern Werkstiitten, die spiiter zu Riistungshetriehen ausgehaut wurden. Unter moglichst harm- loa klingenden Dedroamen versteckten sich die SS·eigenen Be- triehe. Zur Illustrierung seien einige dieser Betriehe genannt: Gemeinni.itzige Wohnungshau- und Heimstii.tten GmhH, Dach.au; Haus- und Grundhesitz GmhH, Berlin; Verkaufsstelle Berliner Mobelwerkstiitten, eGmhH; Deutsche Heilmittel GmbH, Prag; 96
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Ostindustrie GmbH, Lublin; Deutsch~ Erd- und Steinwerkc Gmb!I; Porzellan-Manufaktur Allach-Miinchen GmbH, Berlin; Bohemia Keramische Wcrke AG, Neurohlau; Golleschauer-Port- land-Zement AG, Gollesclrnu O/S.; Ostdeutsche BaustofTwerkc Gm.bH, Posen; Treuhandverwaltung Lem berg und Bialystok; Sudetenquell GmbH, B~rlin; Freudenthaler Getriinke GmbH, Freudenthal/Ostsudeten; Deutsche Lebensm!ttel GmbH, Berlin; Se!diwaren- und Konservenfabrik Wolframs b. Iglau; Deutsche Ausriistungswerke GmbH, Berlin; Deutsche Meisterwerkstiitten GmbH, Prag; Forst- und Siigewerk Bachmanning GmbH, Bach- manning; Deutsche Heimgestaltung GmbH, Berlin; Deutsdie Versuchsanstalt fiir Erniihrung und Verpflegung GmbH; Anton Leib! GmhH, Berlin; Gesellschaft fiir Textil- und Lederverwer- tung GmbH, Ravensbruck; Nordlandverlag GmbH, Berlin; Vol- kischer Kunstverlag GmbH, Berlin; Ki:inig-Heinrid1-Gediichtnis- Stiftung usw. Viele dieser Betriebe sind nur Sammelbegriffe fiir zahlreiche, iiber Deutschland und die Lesetzten Gebiete verstreute Zweigwerke. Uher den Gesamtgewinn der SS-Betriehe ist wenig Material vo:-handen. Einige Einzelbeispide !assen aber den Umfang des Profits erkennen, den die SS aus der direkten wirtschaftlichen Ausbeutung der Hiiftlinge zog: Das Stammkapital der Deut- schen Textil- und Bekleidungswerke war von 1 720 000 RM auf 3 000 000 RM erhOht worden. Fiir 1945 war eine weitere Erhi:ihung auf 5 000 000 RM vorgesehen. Der Umsatz desselben Werkes betrug 1940/41 1941/42 1942 1943 1944 1945 575 000 800 000 1214 000 8 214 000 15 500 000 35 000 000 RM RM RM RM RM RM (geplant). Eine andere sehr wichtige Quelle ist ein Geschiiftsbericht der Deutschen Ausriistung.swerke vom Jahre 1942. Wenn audi 1942 7 KClhnrlch, K.Z-Scut I 97
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I I I nodt lange nicht der Hohepunkt der Profite dieses SS-Betriebes e:-reicht war, sondern die Produktion in diesem Jahr erst richtig ~nlief, gibt der Bericht doch einige wichtige Zahlen an: Die Deut- schen Ausriistungswerke besaBen in zehn Konzentrationslagern Zweigbetriebe. Sie beschiiftigten im J ahre 1942 durchsclinittlich 7400 HiiftUnge gegeniiher 3650 ini Vorjahr~. Der Reingewinn des Jc.hres 1942 wird mit 1 984 844,02 RM angegeben. Aus den ausgewiesenen Darlehen geht hervor, da3 sich SS- und Polizei- fiihrer mit Anteilen an den Deutschen Ausriistungswerken be- teiligt haben. So werden eine SS-Spargemeinsmaft mit einem Darlehen von 1 500 000 RM und SS- und Polizeifiihrer mit einem Darlehen von 101 704,35 RM erwiihnt. Dar.'\US ist ersicht· Um, da.B die einzelnen SS-Fiihrer auch personlich am Gewinn der SS-Betriebe, das hei.Bt an der maximalen Ausheutung der Hii.ft- linge, heteiligt waren. 'Es giht yjele Beispiele dariiher, wie sim die SS-Leute, be- son<lers die SS-Offiziere, durch die Konzentrationslager maBlos hereicherten. Sie nutzten jede Gelegenheit, um die Hiiftlinge aus- zupliindern o4er deren Arbeitskraft fiir pers3nliche Zwecke aus- zunutzen. Ungeachtet der KriegslAge, fielen sie ihrem ,,Fuhrer" selbst in den Riicken und sabotierten die Kriegsproduhion, wenn es um personliche Bereicherung ging. Kostharc Rohstofie und Arbeitskraft wurden beispielsweise in Buchenwald dazu ver- wandt, riesige Metallarmleuchter, Kunstschmiedearheiten, Feuer- :i.euge, Briefbeschwerer usw. herzustellen, eine Sache, die selhst- verstiindlich von den Hiiftlingen unterstiitzt wurde, um Material und Arbeitszeit der Kriegsproduktion zu entzielien. Der SS-Ober· fiihrer Loritz, Lagerkommandant von Sachsenhausen, lieB sich Jagdwagen, Motorboote, Mabel, Luxusgegenstiinde und selbst ein Flugzeug von den Hiiftlingen hauen. Eine gro.Be Anzahl Hand- werker war stiindig fiir ihn und seine Familie tiitig. In St. Gilgen am Wolfgangsee lie.B er aim ein Haus bauen. Das Material dazu fuhren Lastkraftwagen von Sachsenhausen zur Baustelle. Im glei- chen Lager wurden fiir eine ,,Kaserne III" Unsummen von Bau· 98 ----, 1
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