Dioxinbelastung in Sachsen-Anhalt
11 Ministerium für Arbeit Organisation der Lebensmittelüberwachung, Fachauf- und Soziales sicht über Landesamt für Verbraucherschutz und Lan- desverwaltungsamt, Dienstaufsicht über Landesamt für Verbraucherschutz Landesamt für Begutachtung von Lebensmitteln im Rahmen der amt- Verbraucherschutz lichen Lebensmittelüberwachung, Sachverständigen- tätigkeit Landesverwaltungs- Fachaufsicht über Veterinär- und Lebensmittelüber- amt wachungsämter, Koordinierung und Bündelung Veterinär- und Le- Durchführung der amtlichen Lebensmittelüberwa- bensmittelüberwa- chung, Vollzug chungsämter Ämter für Landwirt- Sozio-ökonomische Beratung gemäß § 7 Landwirt- schaft, Flurneuord- schaftsgesetz für das Land Sachsen-Anhalt nung und Forsten Für die Überwachung der Futtermittelhygiene sind nach der Verordnung über die Zuständigkeiten auf verschiedenen Gebieten der Gefahrenabwehr (ZustVO SOG) die Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Bei gebiets- bzw. land- kreis- oder stadtübergreifenden Geschehen übernimmt das Landesverwal- tungsamt die Koordinierung. Die Untersuchung der Lebensmittel-, Futtermittel- und Bodenproben auf Dioxine wird im Landesamt für Umweltschutz durchgeführt. Die Wahrnehmung der bodenschutzrechtlichen Aufgaben obliegt im Regelfall den Landkreisen und kreisfreien Städten als unteren Bodenschutzbehörden. Für einzelne Teilflächen ist nach § 18 Absatz 2 des Bodenschutz- Ausfüh- rungsgesetzes Sachsen-Anhalt die Landesanstalt für Altlastenfreistellung zu- ständig. Die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau erarbeitet als obe- re Fachbehörde des Landwirtschaftsressorts fachliche Empfehlungen zur guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft. Dazu gehören auch Empfehlungen zur Bewirtschaftung von Flächen in Überschwemmungsgebieten. Eine gesonderte Zuständigkeitsregelung für die Überwachung der Dioxinbelas- tung der Flussauen existiert nicht. 14. Liegen der Landesregierung Erkenntnisse über den Zusammenhang von Hochwasserereignissen und Dioxinfunden in landwirtschaftlichen Produk- ten vor? Wenn ja, welche? Eine Dioxinbelastung landwirtschaftlicher Produkte kann durch am Aufwuchs anhaftende Bodenpartikel oder nach Überschwemmungsereignissen anhaften- de Sedimentrückstände entstehen. Dabei hängt die tatsächliche Dioxinbelas- tung der Erzeugnisse wesentlich auch von der Bewirtschaftung ab. Aufgrund der komplexen Interaktionen zwischen Hochwasserereignissen, Ge- winnung von Futtermitteln, Fütterung, Haltung und Nutzung ist ein kausaler Zu-
12 sammenhang zwischen einzelnen Hochwasserereignissen und den Ergebnis- sen der Untersuchung von Lebensmitteln auf Dioxin nicht ableitbar. Auch für die Futtermittelüberwachung liegen keine wissenschaftlich und biosta- tistisch zu sichernden Erkenntnisse über den Zusammenhang von Hochwas- serereignissen und Dioxinbefunden in Futtermitteln vor. Gemäß der guten landwirtschaftlichen Praxis und den Bewirtschaftungsempfehlungen für eine verschmutzungsarme Nutzpflanzenernte in Flussauen ist es üblich, bei beson- derer Verschmutzung den ersten Frühjahrsaufwuchs zu verwerfen und nicht als Futtermittel zu nutzen. Darüber hinaus haben größere Hochwasserereignisse zur Folge, dass eine Ernte und Bergung der Futtermittel oftmals schon tech- nisch nicht möglich ist. 15. Existieren neben der Produktions- und Managementberatung spezielle Hilfsprogramme für Landwirte, die von erhöhten Dioxinkonzentrationen auf ihren Flächen/in ihren Produkten betroffen sind? Wird diesen betrof- fenen Landwirten eine Entschädigung gewährt? Wenn ja, welche? 16. Wird eine Entschädigung geleistet für Landwirte, die durch eine Vermark- tungssperre (wegen Dioxinfunden über dem Grenzwert) existenziell ge- fährdet sind? Die Fragen 15. und 16. werden zusammen beantwortet. In Sachsen-Anhalt wird, wie in anderen Bundesländern auch, kein wirtschaft- liches Hilfsprogramm für betroffene Landwirte angeboten. 17. Welche Strategie - über die Produktions- und Managementberatung hin- aus - hat die Landesregierung, um mittelfristig die Produktbelastung durch Dioxin zu verringern? Die Altlastensanierung trägt in Sachsen-Anhalt zur Reduzierung von Schadstof- fen in der Umwelt, darunter auch Dioxine, bei. Zur Altlastensanierung hat das Land im Jahr 2000 eigens die Landesanstalt für Altlastenfreistellung eingerich- tet. 18. Hat die Landesregierung Pläne erarbeitet für den Fall, dass die Lebensmit- telerzeugung auf betroffenen Arealen, die bislang noch landwirtschaftlich genutzt werden, aus Vorsorgegründen eingestellt werden muss? In den Jahren 2010 und 2011 werden Untersuchungen angestellt, in wie weit schadstoffbelastete Flussauenbereiche landwirtschaftlich im NON-FOOD-Be- reich genutzt werden können. Im Besonderen handelt es sich hier um HCH- belastete Flächen in der Muldeaue, die derzeit landwirtschaftlich nicht bzw. nur eingeschränkt nutzbar sind. Der Aufwuchs auf den Flächen soll der Biogaser- zeugung dienen. Das Gas als auch die Gärreste sollen gefahrlos genutzt bzw. verwertet werden können.
13 Anlage 1 Ergebnisse der Untersuchungen von Rindfleisch, Schaffleisch, Milch, Hühnereiern und Gemüse im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung: lfd. Nr. je Probenart Probenart / Jahr WHO-PCDD/F-TEQ *) [pg/g Fett] Rindfleisch 2009 1 0,58 2 0,45 3 1,8 4 1,3 5 2,6 6 0,45 2010 7 1,5 8 0,68 9 1,4 10 0,27 11 0,57 12 0,77 13 0,33 14 0,66 15 0,33 16 0,7 17 1,8 18 0,46 19 0,31 2011 20 1,3 21 4,8 22 12,2 23 1,1 24 0,4 Schaffleisch 2009 1 0,29 2 0,36 3 0,48 4 0,5
14 5 0,7 6 1,2 7 1,1 8 1,1 9 0,59 Milch 2009 1 0,36 2 0,22 3 0,22 4 0,48 5 2 6 1,3 7 0,5 8 1,3 9 0,6 10 1,6 11 0,41 12 2,1 13 0,31 2010 14 0,43 15 0,42 16 0,84 17 0,36 18 0,31 19 0,36 20 0,3 21 0,36 22 0,46 23 0,5 24 0,91 25 0,19 26 0,5 27 1,2 28 1,7 29 2,1 30 0,31 31 0,22 32 0,5 33 0,41 34 2,5 2011 35 0,69 36 1,7 37 0,48 38 0,43 39 0,48
15 Hühnereier 2009 1 0,38 2 0,47 3 0,52 4 0,2 5 0,16 6 0,45 7 0,25 2010 8 0,17 9 0,16 10 0,26 11 0,16 12 0,11 13 0,25 14 1,7 15 2,2 16 0,77 17 3,6 18 1,5 19 2,9 20 1,8 21 1,7 22 1,9 2011 23 0,2 24 0,24 25 0,18 26 0,098 27 0,17 28 0,12 29 0,2 30 1,3 31 0,18 32 0,2 Gemüse 2009 1 0,008 2 0,02 3 0,01 2010 4 0,019 5 0,006 6 0,027 7 0,005 2011
16 8 0,012 Tabelle 1: Ergebnisse aus der Lebensmitteluntersuchung ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------- ---------- *) (abzgl. erweiterte Meßunsicherheit)
17 Ergebnisse aus den Bodenuntersuchungen des Landesamtes für Umweltschutz Datum Bemerkung Anzahl Messergebnisse für Dioxine in ng/kg I-TEQ (NA- TO/CCMS); 2009 Zweite Bodenzustandserhebung 22 Proben 40 Ergebnisse im Wald (BZE II), Messprogramm < 40, 42 Messergebnisse des Bundes auf Waldflächen für Auflage und Tie- Deutschlands, fakultativ in Sach- fe von 0 bis 5 cm (und davon) 7 Ergebnisse sen-Anhalt auf Dioxine < 5, 1 Ergebnis = 47 1 Ergebnis = 110 2010 Unterlauf der Bode ab Staßfurt 3 Proben 105, zur Mündung in die Saale (Fluss- Sept. in 0 bis 10 cm Tiefe 236, aue) 973 2011 Unterlauf der Weißen Elster ab 10 Proben < 40 Döllnitz zur Mündung in die Saale April in 0 bis 10 cm Tiefe (Flussaue) Tabelle 2: Ergebnisse der Bodenuntersuchungen des Landesamtes für Umweltschutz
18 Anlage 2 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse 2009 bis 2011 von Rindfleisch, Schaffleisch, Milch, Hühnereiern und Gemüse im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung: Lebensmittel 2009 2010 2011 Rindfleisch 6 13 5 Probenzahl zulässiger Höchstgehalt 3 3 3 PCDD/PCDF pg/g Fett Höchstgehaltsüberschreitungen 1 1 2 Anzahl Schaffleisch, 9 - - Probenzahl zulässiger Höchstgehalt 3 3 3 PCDD/PCDF pg/g Fett Höchstgehaltsüberschreitungen 0 0 0 Anzahl Milch, 13 21 5 Probenzahl zulässiger Höchstgehalt 3 3 3 PCDD/PCDF pg/g Fett Höchstgehaltsüberschreitungen 0 0 0 Anzahl Hühnereier 7 15 10 Probenzahl zulässiger Höchstgehalt 3 3 3 PCDD/PCDF pg/g Fett Höchstgehaltsüberschreitungen 0 1 0 Anzahl Gemüse 3 4 1 Probenzahl zulässiger Höchstgehalt nicht festgelegt nicht festgelegt nicht festgelegt PCDD/PCDF pg/g Fett Höchstgehaltsüberschreitungen - - - Anzahl
19
20 Anlage 4 Dioxinbelastung in der Bode ∑ PCDD;PCDF in ng I-TEQ/ kg 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Gewässer Messstellen-Name MW (*) MW (*) MW (*) MW (*) MW (*) MW (*) Staßfurt, ohne Bode Liethe-Mündung 20,7 (4) Bode Hohenerxleben 64,0 (4) Bode Neugattersleben 146 (1) 69,0 (4) 82,2 (4) 120 (4) 93,1 (4) Tabelle1: Dioxingehalt im Sediment als MWt–Jahresmittelwert; (* - Anzahl der Einzelproben), Quelle: Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft MW = Messwert